WWWW vom 24.8.2015: Einwanderer, Flüchtlinge und Bomben

Landschaft erholt sich nach Erdrutschen

In Gebirgsregionen verursachen Erdbeben häufig starke Hangrutschungen, die durch starke Regenereignisse noch verstärkt werden können. Diese oft gewaltigen und gefährlichen Massenverlagerungen an steilen Hängen nehmen jedoch im Lauf der Zeit ab, und zwar unabhängig von meteorologischen Ereignissen und Nachbeben.

(Erdrutsch war übrigens das Wort was mir partout nicht einfallen wollte..)
O. Marc, N. Hovius, P. Meunier, T. Uchida, and S. Hayashi, “Transient changes of landslide rates after earthquakes”, GEOLOGY, Advance Online Publication, 21.08.2015; doi:10.1130/G36961.1

Weltweite Erhebung über aus- und eingewanderte Pflanzen

erdeinvasiv
Eine wissenschaftliche Erhebung gibt erstmalig eine globale Übersicht über die Einwanderung von Pflanzenarten auf fremden Kontinenten und ihre Ausbreitung außerhalb ihrer heimischen Territorien. In einer internationalen Kooperation von 38 Forschungseinrichtungen erfassten Biologen unter Leitung von Professor Dr. Mark van Kleunen von der Universität Konstanz Daten aus 481 Festlandgebieten und 362 Inseln, was rund 83 Prozent der weltweiten Landfläche entspricht.

Originalpublikation:
van Kleunen M, Dawson W, Essl F, Pergl J, Winter M, Weber E, Kreft H, Weigelt P, Pyšek P et al. (2015) Global exchange and accumulation of non-native plants. Nature doi:10.1038/nature14910.

Wenn Menschen fliehen müssen, sinken Stickstoffoxidemissionen

Politische und wirtschaftliche Krisen sowie internationale Konflikte können sich kurzfristig und drastisch auf die Schadstoffemissionen in einer Region auswirken. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie am Beispiel des Nahen Ostens herausgefunden. Die Wissenschaftler analysierten die Stickoxidbelastung der Atmosphäre während der letzten zehn Jahre. Die Daten ermittelten sie aus Satellitenmessungen der atmosphärischen Stickstoffdioxidmenge. Demnach sanken die Stickoxidemissionen vor allem in Regionen, in denen bewaffnete Konflikte herrschen und aus denen viele Menschen geflohen sind.

Weitere Informationen:
http://www.mpic.de/aktuelles/pressemeldungen/news/naher-osten-die-atmosphaerisch…

Wissen über Selbstmordprävention steigt

Die Berichterstattung über den Suizid des Nationaltorhüters Robert Enke hat das Stigma gegenüber der Erkrankung Depression positiv beeinflusst. Die Deutschen sind seitdem eher bereit, bei Depression professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies zeigen Bevölkerungsumfragen im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes zur Aufklärung über Depression und Suizidprävention.

Klimawandel beeinflusst Fischfang dramatisch

Schon bei einer Erwärmung um 2 °C über das vorindustrielle Niveau bis 2050 ist mit jährlichen Gesamtverlusten bei den weltweiten Fischfängen im Wert von 17 bis 41 Milliarden US-Dollar zu rechnen. Das geht aus dem letzten Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC; Intergovernmental Panel on Climate Change) hervor. Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Erwärmung von 2 °C kaum mehr zu vermeiden ist, auch wenn die globalen Emissionen von Treibhausgasen in wenigen Jahren völlig eingestellt würden.
Eine Aufbereitung der Daten auf Deustch gibt es jetzt unter http://klimafakten.de.

Der gestörten Fettverbrennung auf der Spur

Schon lange stand eine bestimmte Genregion im Verdacht, für Übergewicht beim Menschen verantwortlich zu sein. Bisher waren die genauen Mechanismen hierfür aber ungeklärt. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM), des Massachusetts Institute of Technology (MIT), der Harvard Medical School und weiteren Partnern konnten jetzt zeigen, dass eine einzige genetische Veränderung in dieser Region die Fettverbrennung hemmt und stattdessen die Speicherung von Fett verstärkt.

Publikation
Claussnitzer M, Dankel SN, Kim K-H, et al. FTO obesity variant circuitry and adipocyte browning in humans. New England Journal of Medicine, August 2015.
DOI: 10.1056/NEJMoa1502214
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1502214

PODCASTEMPFEHLUNG

Heute empfehle ich http://www.fernostwaerts.de, ein Podcast der sich mit Ostasien beschäftigt, vor allem China. Katharin (@whitey_chan) und Nils (@ningwie) machen den Podcast. Bitte mal reinhören!

Bomben in Bangkok

Aus Gründen kann ich im (nicht Googlefâhigen Podcast) mehr sagen als im Googledurchsuchten Blog, aber eine gute Zusammenfassung der Ereignisse in Bangkok vergangene Woche gibt es hier bei der BBC. Grundsätzlich ist zu sagen dass Polizei und Verantwortliche bislang recht hilflos aussehen, offizielle Aussagen sich immer wieder widersprechen und wie so oft man das Ganze am liebsten vergessen und unter den Teppich kehren möchte.
Wer nach Bangkok reisen möchte, kann dies natürlich tun, die Stadt ist nicht mehr oder weniger gefährlich als jede andere Großstadt.

WWWW vom 17.8.2015: Wenn aus Tattoos Blausäure wird

Spielfreudige Affen wachsen langsamer

DE: Wildlebende Assammakakenkinder inspizieren ein Knie (Phu Khieo Wildlife Sanctuary, Thailand). - EN: Wild Assamese macaque infants inspecting a knee at the Phu Khieo Wildlife Sanctuary in northeastern Thailand.
DE: Wildlebende Assammakakenkinder inspizieren ein Knie (Phu Khieo Wildlife Sanctuary, Thailand). – EN: Wild Assamese macaque infants inspecting a knee at the Phu Khieo Wildlife Sanctuary in northeastern Thailand.
Raufen, Klettern, Springen – Spielen macht Spaß und fördert die Entwicklung, ist aber auch sehr anstrengend. Verhaltensbiologen vermuten daher, dass Tiere nur dann intensiv spielen, wenn sie überschüssige Energie zur Verfügung haben oder wenn das Spielen überlebenswichtige Vorteile mit sich bringt. Wissenschaftler um Julia Ostner von der Universität Göttingen und dem Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung haben dies an jungen Assammakaken in ihrem natürlichen Lebensraum in Thailand untersucht. Sie haben herausgefunden, dass die Tiere, die viel und wild spielen, langsamer wachsen als ihre gemütlicheren Artgenossen.
Originalveröffentlichung

Andreas Berghänel, Oliver Schülke, Julia Ostner (2015): Locomotor play drives motor skill acquisition at the expense of growth: a life history trade-off. Science Advances.http://advances.sciencemag.org/content/1/7/e1500451

Wie Zebrafischen wieder Flossen wachsen

Im Gegensatz zum Menschen sind Fische imstande, amputierte Körperteile vollständig wiederherzustellen. Ein prominentes Beispiel ist der Zebrabärbling, der auch als Zebrafisch bezeichnet wird. Seine Schwanzflosse regeneriert nach einer Verletzung innerhalb von drei Wochen vollständig. Wie wird die Produktion neuer Knochenzellen gesteuert, und wie gelingt es dem Zebrabärbling, dass das Skelett der wiederhergestellten Flosse wieder genauso aussieht wie das der ursprünglichen Flosse? Prof. Dr. Gerrit Begemann, Professor für Entwicklungsbiologie an der Universität Bayreuth, und seiner Doktorandin Nicola Blum ist es jetzt gelungen, wichtige Aspekte dieser Prozesse aufzuklären.
Veröffentlichung:
Nicola Blum and Gerrit Begemann, Osteoblast de- and redifferentiation is controlled by a dynamic response to retinoic acid during zebrafish fin regeneration.
Development 2015, Vol 142 / Issue 17; posted ahead of print August 7, 2015,
doi: 10.1242/dev.120204

Überschätzung kann teuer werden

Immer wieder erschüttern Fälschungsskandale wie der Fall Wolfgang Beltracchi Kunstmarkt und Kunstgeschichte. Eine Erklärungshypothese für die sich stetig wiederholenden Betrugs- und Täuschungsversuche besagt, dass Experten sich nach jedem aufgedeckten Fall in der falschen Sicherheit wiegen, ein solcher Betrug werde sich nicht mehr wiederholen – vor allem, weil sie sich im Rückblick sicher sind, dass die Fälschungen tatsächlich einfach zu enttarnen gewesen wären. Mit Hilfe eines Experiments haben nun Nachwuchswissenschaftler des Instituts für Europäische Kunstgeschichte und des Instituts für Psychologie der Universität Heidelberg unter der Leitung des Kunsthistorikers Prof. Dr. Henry Keazor gezeigt, dass dieses Phänomen der rückblickenden Selbstüberschätzung den wiederkehrenden Erfolg von Kunstfälschern erklären kann.

Warmes Wasser schmilzt Polareis

Warmes Wasser aus tieferen Meeresschichten kann signifikant zum Abschmelzen von polaren Eismassen beitragen. Untersuchungen eines internationalen Forscherteams zeigen, dass veränderte Strömungsverhältnisse vor 30.000 Jahren für einen Temperaturanstieg im Bodenwasser des Nordpolarmeers sorgten und eine Eisschmelze im Nordpolarmeer verursachten.
Originalarbeit:
Thornalley, D.J.R., Bauch, H.A., Gebbie, G. Guo, W., Ziegler, M., Bernasconi, S.M., Barker, S., Skinner, L.C., Yu. J. (2015): A warm and poorly ventilated deep Arctic Mediterranean during the last glacial period. Science (online), doi 10.1126/science.aaa9554

Tattooentfernung kann gefährlich sein

Mit der zunehmenden Verbreitung von Tätowierungen steigt auch der Trend, diese wieder zu entfernen. Daten zur Bewertung der Sicherheit der Entfernungsmethoden fehlen jedoch bislang. Das BfR hat nun mittels moderner analytischer Methoden die Spaltprodukte bestimmt, die bei Rubinlaserbestrahlung des kupferhaltigen Pigments Phthalocyanin-Blau entstehen. Dazu gehören 1,2-Benzendicarbonitril, Benzonitril, Benzol sowie Blausäure.
Mehr Infos

http://www.bfr.bund.de/cm/343/anforderungen-an-taetowiermittel.pdf

http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/taetowierung-4929.html

http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_taetowiermitteln-187854.html

Aussehen verändert Populatiosgrößen

Warum die Populationsgrößen von Pflanzen- und Tierarten mehr oder weniger stark schwanken, ist eine Frage, die die Ökologie schon lange bewegt. Forscher der Linnaeus University in Schweden und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben nun ein wichtiges Detail zur Beantwortung dieser Frage gefunden. Dazu untersuchten sie über einen Zeitraum von elf Jahren nachtaktive Falter (Motten) und fanden heraus, dass individuelle Unterschiede der Tiere eine positive und stabilisierende Wirkung auf die Population haben.

Publikation:
Forsman, A., Betzholtz, P-E., and Franzén, M. (2015): Variable coloration is associated with dampened population fluctuations in noctuid moths. Proceedings of the Royal Society B 282: 20142922.
http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2014.2922

PODCASTEMPFEHLUNG

http://www.exponiert.berlin/

“Exponiert” ist ein Museumsspaziergangs-Podcast von Ulrike Kretzmer

WWWW vom 10.8.2015: Ausgrabungen und Leben im All

Vorneweg, ich war etwas müde heute Morgen, deshalb wird die heutige Episode wohl keinen Preis gewinnen…

Ausgrabungen am Hofheimer Kapellenberg

Hofheimausgrabung
Auch 2015 gräbt ein Team von Archäologen wieder am 6000 Jahre alten, jungsteinzeitlichen Fundplatz auf dem Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. Bei der mittlerweile sechsten Grabungskampagne auf der etwa 45 Hektar großen Wallanlage sollen Untersuchungen im Vorderbereich des Kapellenbergs Anhaltspunkte zur Art und Dauer der Besiedlung geben. Die Kampagne startet am 7. September.

Integrinstörung kann Krebs fördern

Zusammenhalten gegen Krebs: Anheftungsproteine interagieren gezielt mit dem Zellgerüst, um die Beweglichkeit von Tumorzellen zu fördern. Das zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Marburg, Göttingen, Heidelberg und Turku (Finnland), indem sie den zugrunde liegenden Mechanismus beschreiben. Wenn die beteiligten Verbindungen nicht richtig zusammenwirken, können sich Krebserkrankungen ausbreiten.
http://Originalveröffentlichung: Ying Wang & al.: FMNL2 regulates β1-integrin and cell invasion, Devel. Cell 2015, http://www.cell.com/developmental-cell/abstract/S1534-5807%2815%2900422-0

Erste Netzhautprothese im Osten

Zum ersten Mal nach 15 Jahren völliger Blindheit konnte Bernd Burkhardt wieder Lichtflecke erkennen – und das an seinem 62. Geburtstag. Möglich wurde dies durch die Implantation einer Netzhautprothese, durchgeführt von den Augenärzten am Universitätsklinikum Leipzig. Der Eingriff war der erste dieser Art am UKL, und auch der erste im ostdeutschen Raum.

Warum unser Herz sich nicht repariert

Herzversagen ist weltweit die häufigste Todesursache. Der Hauptgrund dafür ist bekannt: Schäden am menschlichen Herzen verursachen das Absterben von Herzmuskelzellen. Dies führt wiederum zu einer Reduktion der Herzfunktion und damit zum Tod. Anders bei Zebrafischen und Lurchen. Sind deren Herzen geschädigt und Herzmuskelzellen abgestorben, können sich die noch vorhandenen Herzmuskelzellen wieder vermehren – mit der Folge, dass sich die Herzen regenerieren. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben jetzt eine mögliche Erklärung gefunden, warum dies bei menschlichen Herzzellen nicht funktioniert.
Das Paper gibt es unter http://dx.doi.org/10.7554/eLife.05563

Homer 1a wichtig bei Depressionstherapien

Homer1a als Schaltstelle im Gehirn für antidepressive Wirkung von Medikamenten und Schlafentzug identifiziert: Medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapien für die Depression wurden bisher meist zufällig durch klinische Beobachtungen entwickelt, ohne dass man die neurobiologischen Wirkmechanismen verstanden hat.
Originaltitel der Arbeit: Increased Signalling via Adenosine A1 Receptors, Sleep Deprivation, Imipramine and Ketamine Inhibit Depressive-like Behaviour via Up-regulation of Homer1a

Polarisationsfilter können Leben im All entdecken

Ein neuer Ansatz, um nach Leben auf anderen Planeten zu forschen: Ein internationales Team hat herausgefunden, dass Biopigmente, so genannte biologische photosynthetische Pigmente, von Pflanzen spezifische Spuren in dem von ihnen reflektierten Licht hinterlassen. Diese Biosignaturen hat Prof. Dr. Svetlana Berdyugina mithilfe von Polarisationsfiltern nachgewiesen.
Svetlana V. Berdyugina, Jeff R. Kuhn, David M. Harrington, Tina Šantl-Temkiv and E. John Messersmith. “Remote sensing of life: polarimetric signatures of photosynthetic pigments as sensitive biomarkers.” International Journal of Astrobiology. doi:10.1017/S1473550415000129.
http://dx.doi.org/10.1017/S1473550415000129

Schlechtes Verhalten schadet Zara und Co. nicht

Warum haben Unternehmen, die dem Thema Nachhaltigkeit scheinbar wenig Beachtung schenken, trotzdem Erfolg? Das hat eine Würzburger Studentin am Beispiel von Billigkleidung untersucht. Sie blickt dabei auch kritisch auf Organisationen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen..
Deutschlandfunk-Bericht http://www.deutschlandfunk.de/primark-kunden-niedrige-preise-wichtiger-als-schlechtes.697.de.html?dram:article_id=326677

PODCASTEMPFEHLUNG

http://countdown-podcast.de/ von Christopher van der Meyden und Frank Wunderlich-Pfeiffer. Die beiden reden über Raumfahrt, Raketentechnik und was von sonst so im All erleben kann.

WWWW vom 3.8.2015: Schnecken könnten MH370 finden helfen

EU-Rat ist kompliziert und komplex

EU Flag
Die Abstimmungsregeln des Rats der Europäischen Union, wie sie im Vertrag von Lissabon festgelegt wurden, weisen eine weltweit einmalige Komplexität auf, wenn sie spieltheoretisch interpretiert werden. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Bayreuth.
Sascha Kurz and Stefan Napel,
Dimension of the Lisbon voting rules in the EU Council: a challenge and new world record,
in: Optimization Letters, July 2015, DOI: 10.1007/s11590-015-0917-0

Sensation Seeker wollen dominante Partner

Welche Eigenschaften haben Menschen, die sich zu einem dominanten Partner hingezogen fühlen? Dieser Frage gingen Psychologen an der Universität Konstanz nach. In einer Online-Untersuchung kamen Dr. Gilda Giebel und ihre Kollegen zum Ergebnis, dass Menschen, die ein hohes Erregungslevel brauchen und aufregende soziale Aktivitäten suchen, starke Tendenzen hin zu einem dominanten Partner zeigen.
Originalpublikation: Gilda Giebel, James Moran, Anne Schawohl und Roland Weierstal, The thrill of loving a dominant partner: Relationships between preference for a dominant mate, sensation seeking, and trait anxiety. Personal Relationships, Volume 22, Issue 2, 275–284, June 2015. DOI:10.1111/pere.12079

Frauen als Chef so hart wie Männer

An Deutschlands Führungsspitzen gelangen vor allem Frauen, die ihre männlichen Kollegen in Sachen Unverträglichkeit noch übertreffen und ihnen in Punkto Machtwillen und Selbstdarstellung in nichts nachstehen. Diesen Schluss scheint eine Studie der Universität Hohenheim und der German Graduate School of Management and Law nahezulegen.

Schnecken könnten sagen wie MH370 ist

Auf der Insel La Réunion wurde am 29. Juli ein Flugzeug-Wrackteil angeschwemmt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gehört es zu der seit März 2014 vermissten Malaysia-Airlines-Maschine MH 370. Anhand des Wrackteils könnten der Kölner Geologe Prof. Dr. Hans-Georg Herbig und der Biologe Dr. Philipp Schiffer die Absturzstelle identifizieren. An dem Trümmerstück kleben womöglich Organismen, die es nur in bestimmten Gebieten der Erde gibt.
Ein Videostatement von Professor Herbig unter folgendem Link:

https://www.youtube.com/watch?v=WwOO6-24wPU&feature=youtu.be

Verzwickte Sache: Gute Hodentumore werden böse

Bestimmte Arten von Hodentumoren können sich von einer relativ gutartigen in eine aggressivere Form umwandeln. Dazu reicht es aus, wenn sie mit Zellen außerhalb des Hodens in Kontakt treten. Das konnten Forscher der Universität Bonn zusammen mit spanischen Kollegen in einer umfangreichen Studie zeigen.
Publikation: Daniel Nettersheim, Sina Jostes, Rakesh Sharma, Simon Schneider, Andrea Hofmann, Humberto J. Ferreira, Per Hoffmann, Glen Kristiansen, Manel B. Esteller und Hubert Schorle: BMP inhibition in seminomas initiates acquisition of pluripotency via NODAL signaling resulting in reprogramming to an embryonal carcinoma; PLOS Genetics; DOI: 10.1371/journal.pgen.1005415

Warum wir Altern? Es sind die Proteine…

Die Frage, warum wir Altern, ist eine der spannendsten Fragen der Menschheit, bislang aber nicht annähernd geklärt. Wissenschaftler am FMP sind der Antwort näher gekommen. In einer Studie konnten sie erstmals zeigen, dass ein bestimmter Bereich einer Zelle, das sogenannte Endoplasmatische Retikulum, im Alter seine oxidative Eigenschaft verliert. Geht dieses Lebenselixier verloren, können viele Proteine nicht mehr korrekt reifen.

Mädchen HIV-frei nach früher Medikation

Ein 18 Jahre altes französisches Mädchen, das sich perinatal mit HIV infizierte, ist in Remission, obwohl sie seit 12 Jahren keine Behandlung mehr bekommen hat.
Pierre Frange et al., „HIV-1 virological remission for more than 11 years after interruption of early initiated antiretroviral therapy in a perinatally-infected child“, 8th IAS Conference on HIV Pathogenesis, Treatment and Prevention, July 19-22, Vancouver (Canada), abstract n°MOAA0105LB, oral communication, July 20th, 2015.

PODCASTEMPFEHLUNG

Cells in Motion ist der Podcast der Westfälischen Wilhelms-Universität und wird gemacht von Frank Schlegel. Der Podcast ist noch recht jung, aber es gibt schon 11 Folgen. Darin geht es weitgehend um Forschungsprojekte der Uni. In der Regel werde Forscher interviewt.

WWWW vom 27.7.2015: Sandwesen, Sonnentau und Symbiosen

Böse Bakterien besser verstehen

Krankheitserregende Bakterien entwickeln Tötungsmaschinen, die gezielt wirken. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Freiburg haben den molekularen Wirkungsmechanismus eines Fischgiftstoffes aufgeklärt, der sich zukünftig als Krebsmedikament einsetzen lassen könnte.
Originalpublikation:
Thomas Jank*, Stephanie Eckerle*, Marcus Steinemann*, Christoph Trillhaase, Marianne Schimpl, Sebastian Wiese, Daan M.F. van Aalten, Wolfgang Driever & Klaus Aktories, “Tyrosine glycosylation of Rho by Yersinia toxin impairs blastomere cell behaviour in zebrafish embryos“. Nature Communications 2015.

Neue Sonnentauart auf Facebook gefunden

sonnentau
Ein internationales Team von Botanikern aus Brasilien, den USA und der Botanischen Staatssammlung München hat eine neue fleischfressende Pflanze aus der Gattung Sonnentau (Drosera, Familie Sonnentaugewächse – Droseraceae) beschrieben, die auf einem – gar nicht so abgelegenen – Berg in Südost-Brasilien entdeckt wurde. Diese neue Art, die Drosera magnifica (der „Prächtige Sonnentau“) genannt wurde, stellte sich als der größte bisher bekannte Sonnentau Amerikas heraus, und kann eine Gesamtlänge von 1,5 m erreichen.
Originalveröffentlichung:
Gonella, P.M., Rivadavia, F., Fleischmann, A. (2015). Drosera magnifica (Droseraceae): the largest New World sundew, discovered on Facebook. Phytotaxa 220 (3): 257-267.http://dx.doi.org/10.11646/phytotaxa.220.3.4

Gute Bakterien helfen Ameisen

Die Regensburger Zoologen Antonia Klein, Lukas Schrader, Prof. Dr. Jürgen Heinze und Dr. Jan Oettler haben in Kooperation mit Forschern aus Jena, Spanien, den USA und Neuseeland eine neue Bakterien-Art entdeckt, die in den Zellen der invasiven Ameise Cardiocondyla obscurior lebt. Die Bakterien tragen zur Gesundheit und Entwicklung der Ameisen bei.

Intelligente Stromzähler können Netz crashen

Seit Anfang 2010 ist es in Deutschland Pflicht, sogenannte „Intelligente Stromzähler“ in Neubauten oder grundsanierten Gebäuden zu installieren. Zusammen mit Tarifen, die je nach Tageszeit unterschiedlich sind, soll mit ihnen aktives Stromsparen möglich werden: Die programmierbare Waschmaschine beispielsweise soll dann laufen, wenn der Strom am billigsten ist. Wissenschaftler des Instituts für Theoretische Physik der Universität Bremen äußern jedoch Zweifel daran, dass dieser Ansatz immer das leistet, wozu er erdacht wurde – nämlich Stromschwankungen im Netz zu verringern.
Physical Review E 2015, http://journals.aps.org/pre/abstract/10.1103/PhysRevE.92.012815

Eisbärgenom entschlüsselt

Ein Wissenschaftlerteam rund um Prof. Axel Janke vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt hat erstmalig den männlichen Teil des Eisbärgenoms rekonstruiert. Die Forscher konnten 1,9 Millionen Basenpaare den Y-Chromosomen der Polarbären zuordnen. Sie zeigen in ihrer heute im Fachjournal „Genome Biology and Evolution“ veröffentlichten Studie, dass sich vor mehr als 100.000 Jahren zwei genetische Gruppen männlicher Eisbärlinien auseinander entwickelt haben.

Neues aus der Welt zwischen den Sandkörnern

Torsten H. Struck vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn, wies jetzt an Ringelwürmern nach, dass die Fauna des Sandlückensystems zwei evolutionäre Wege aufweist. Damit wird jetzt die derzeit wissenschaftlich favorisierte These widerlegt, die Tierarten im Sand seien vor allem durch progenetische Evolution (evolutionäre Vorverlegung der Geschlechtsreife) entstanden.

WWWW vom 20.7.2015: Alte Backenzähne und neue Schmetterlinge

Neue Schmetterlingsfamilie beschrieben

schmetterlingEin Schmetterling sucht seine Verwandten: Nach langem Rätseln um einen Nachtfalter haben Wissenschaftler mithilfe der Methoden der integrativen Taxonomie nun die neue Schmetterlingsfamilie Pseudobistonidae beschrieben.
Weitere Informationen:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/zsc.12108/abstract
http://www.naturkundemuseum-bw.de
http://www.zfmk.de

Zahnarzt-Gewerbe 14.000 Jahre alt

Der älteste Nachweis für einen zahnmedizinischen Eingriff stammt aus dem Jungpaläolithikum, wie Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, der Universität Bologna und der Universität Ferrara herausfanden. Das Forscherteam untersuchte den kariösen Backenzahn eines 14.000 Jahre alten Individuums, dessen Überreste 1988 in der Felshöhle von Riparo Villabruna in Norditalien gefunden wurde.
Earliest evidence of dental caries manipulation in the Late Upper Palaeolithic. Sci. Rep. 5, 12150; doi: 10.1038/srep12150 (2015).
www.nature.com/scientificreports

Dramatische Änderungen bei Phytoplankton befürchtet

Produziert Phytoplankton in Folge der Klimaerwärmung zukünftig weniger organisches Material als heute? Bisherige Untersuchungen deuten auf eine solche Entwicklung hin, die auch Folgen für höhere Ebenen des marinen Nahrungsnetzes hätte. Eine aktuelle Studie australischer und deutscher Wissenschaftler stellt dies jetzt in Frage. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass die Planktongemeinschaft in fernerer Zukunft eine völlig neue Art der Produktivität entwickelt.

Originalarbeit:
Kvale, K.F., Meissner, K.J., Keller, D.P., 2015: Potential increasing dominance of heterotrophy in the global ocean. Environmental Research Letters,10, doi:10.1088/1748-9326/10/7/074009

Artenreichtum ist gut für die Biomasse

Eine multinationale Forschungsgruppe hat erstmals in weltweit koordinierten Forschungsarbeiten die Zusammenhänge zwischen pflanzlicher Biomasse und pflanzlicher Artenvielfalt in Ökosystemen untersucht. Dabei stellte sich heraus: Der größte Artenreichtum ist dort zu beobachten, wo die Produktion von Biomasse weder sehr niedrig noch signifikant hoch ist, sondern sich auf einem mittleren Niveau bewegt.

Proteine schützen eiserne Reserve der Zelle

Proteine, die die Eisen-Konzentration in der Zelle kontrollieren, spielen beim Kampf gegen bakterielle Infektionen eine wichtige Rolle, wie Heidelberger Wissenschaftler jetzt veröffentlichten.
Die Forscher untersuchten, wie Mäuse mit funktionierendem oder aber defektem Eisen- Kontrollsystem auf Salmonellen-Infektionen reagierten. Bei einer Gruppe der Tiere hatten die Forscher das IRP/IRE System in den Makrophagen, Bakterien-bekämpfenden Immunzellen, ausgeschaltet. Diesen Mäusen ging es gut, solange sie nicht infiziert waren. Nach Salmonellen-Infektion starben sie jedoch. Daraus schlussfolgern die Wissenschaftler, dass das Eisen-Kontrollystem für diese speziellen Abwehrzellen unverzichtbar ist, um die Infektion zu bekämpfen.

Manfred Nairz, Dunja Ferring-Appel, Daniela Casarrubea, Thomas Sonnweber, Lydie Viatte, Andrea Schroll, David Haschka, Ferric C. Fang, Matthias W. Hentze, Guenter Weiss, and Bruno Galy: Iron Regulatory Proteins Mediate Host Resistance to Salmonella Infection: CELL Host & Microbe 2015. DOI: 10.1016/j.chom.2015.06.017

http://www.dkfz.de

Wie Erinnerungen gespeichert werden

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben auf der Ebene einzelner Nervenzellen einen Mechanismus identifiziert, der bei der Gedächtnisbildung eine Rolle spielen könnte. Sie stellten fest, dass rückwärts wandernde elektrische Impulse einen Rezeptor im Innern der Zelle aktivieren und so die Calciumantwort in ausgewählten Bereichen einer Nervenzelle langfristig verändern.
Johenning FW, Theis AK, Pannasch U, Rückl M, Rüdiger S, Schmitz D. Ryanodine Receptor Activation Induces Long-Term Plasticity of Spine Calcium Dynamics. PLoS Biol. 2015 Jun 22;13(6):e1002181. doi: 10.1371/journal.pbio.1002181.

Wir scannen ständig die Umgebung

Ohne dass wir uns ihrer bewusst sind, führt unser Auge ständig winzige Korrekturen der Blickrichtung aus, deren Zweck bisher nur unvollständig verstanden wird. Eine Gruppe von Forschern der Universität Tübingen am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) und am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) ging dieser Frage jetzt auf den Grund. Sie entdeckten einen engen Zusammenhang zwischen winzigen Augenbewegungen und der Konzentration von Aufmerksamkeit.
Chih-Yang Chen, Alla Ignashchenkova, Peter Thier und Ziad Hafed: “Neuronal Response Gain Enhancement Prior to Microsaccades.” Current Biology (2015), 16. Juli 2015 (Online-Publikation)

PODCASTEMPFEHLUNG:

Wer sich für Astronomie interessiert, sollte mal bei Amazed by the Universe reinhören. Gemacht von Adrian Kaminski (@AmByUniverse) und erreichbar unter https://amazedbyuniverse.wordpress.com/

WWWW vom 13.7.2015: Hummeln, Klimawandel und Mers-Impfung

Hummeln tun sich mit Klimawandel schwer

hummelDer Klimawandel verringert die Lebensräume von Hummeln, die zu den wichtigsten Bestäubern gehören. Das schlussfolgert ein internationales Forscherteam nach der Auswertung von Langzeitdaten aus Europa und Nordamerika. Die Südgrenze der Verbreitung der meisten Hummelarten habe sich auf beiden Kontinenten innerhalb eines Jahrhunderts bis zu 300 Kilometer nach Norden verschoben, die Nordgrenze dagegen nicht, schreibt das Forscherteam in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes Science.
Publikation:
Jeremy T. Kerr, Alana Pindar, Paul Galpern, Laurence Packer, Simon G. Potts, Stuart M. Roberts, Pierre Rasmont, Oliver Schweiger, Sheila R. Colla, Leif L. Richardson, David L. Wagner, Lawrence F.Gall, Derek S. Sikes, Alberto Pantoja (2015): Climate change impacts on bumblebees converge across continents. Science. 09 July 2015.

Karies-Bakterium mit ausgefeilter Überlebensstrategie

Um in ihrer Umgebung zu überleben und wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich Bakterien ständig neue Eigenschaften aneignen. Häufig dadurch, dass sie fremde DNA aufnehmen und in ihr eigenes Genom integrieren.

Neue Hinweise auf Zusammenhang zwischen Bakterienstatus und Allergien

Der Körper jedes Menschen beherbergt eine einzigartige Kombination von Milliarden unterschiedlichster symbiotischer Bakterien, die Mikrobiota. Ein Verlust dieser bakteriellen Symbionten begünstigt die Entstehung von Allergien. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München konnten dieses Phänomen in Zusammenarbeit mit Kollegen der Technischen Universität München und des Institut Pasteur aufklären und zeigen, wie die Mikrobiota auf das Gleichgewicht des Immunsystems wirkt: Die Anwesenheit der Mikroben blockiert spezifisch jene Immunzellen, die für das Auslösen von Allergien verantwortlich sind.
Original-Publikation:
Ohnmacht, C. et al. (2015). The microbiota regulates type 2 immunity through RORt+ T cells, Science, DOI: 10.1126/science.aac4263

Versorgung von Schwerstverletzten in Deutschland zufriedenstellend

Sterben weniger schwerverletzte Patienten nach einem Unfall, wenn sie in einem Krankenhaus versorgt werden, das sehr viele solche Patienten behandelt? Die Frage wird in Fachkreisen seit langem kontrovers diskutiert. Jetzt hat eine umfangreiche Studie Klarheit gebracht. Es ist zwar so, aber der Effekt is gering.

Zitierweise:
M. T. Zacher, K.-G. Kanz, M. Hanschen, S. Häberle, M. van Griensven, R. Lefering, V. Bühren, P. Biberthaler, S. Huber-Wagner and the TraumaRegister DGU®. Association between volume of severely injured patients and mortality in German trauma hospitals. British Journal of Surgery 2015, epub ahead of print

Mehr Antibiotika im Einsatz, Resistenzgefahr steigt

Global steigt der Einsatz von Antibiotika in Humanmedizin und Tierhaltung noch immer. Dies verstärkt die Gefahr der Entstehung von Bakterien mit übertragbaren Resistenzen gegen diese Wirkstoffe nicht nur in Krankenhäusern und Tierställen, sondern auch in der Umwelt, ist das Ergebnis eines Symposiums mit dem Namen he Environmental Dimension of Antibiotic Resistance.

Chancen für Mers-Impfung stehen gut

Im Kampf gegen das gefährliche MERS-Coronavirus (MERS-CoV) gibt es einen Hoffnungsschimmer: Möglicherweise reicht ein einziger Impfstoff aus, um alle momentan bekannten genetischen Linien von MERS-CoV effektiv zu bekämpfen. In diese Richtung deuten zumindest Ergebnisse der Universitätsklinik Bonn und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF).
Publikation: Doreen Muth, Victor M. Corman, Benjamin Meyer, Abdullah Assiri, Malak Al-Masri, Mohamed Farah, Katja Steinhagen, Erik Lattwein, Jaffar A. Al-Tawfiq, Ali Albarrak, Marcel A. Müller, Christian Drosten, Ziad A. Memish; Infectious MERS-Coronavirus excretion and serotype variability based on live virus isolates from patients in Saudi Arabia; Journal of Clinical Microbiology; DOI: 10.1128/JCM.01368-15

WWWW vom 6.7.2015: Kleine Affen-Hirne ganz gross und Ozeane in Gefahr

Kleines Hirn mit viel Leistung

Dreidimensionales Computermodell des winzigen, aber komplexen Gehirns von Victoriapithecus, einem Altweltaffen, der vor 15 Millionen Jahren lebte. (MPI f. evolutionäre Anthropologie/ F. Spoor)
Dreidimensionales Computermodell des winzigen, aber komplexen Gehirns von Victoriapithecus, einem Altweltaffen, der vor 15 Millionen Jahren lebte. (MPI f. evolutionäre Anthropologie/ F. Spoor)
Der älteste Vertreter der Altweltaffen, der Victoriapithecus, machte im Jahre 1997 erstmals Schlagzeilen, als sein versteinerter Schädel auf einer Insel innerhalb des Viktoriasees in Kenia gefunden wurde, wo das Äffchen vor 15 Millionen Jahren lebte. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Fred Spoor vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und dem University College London (UCL) in Großbritannien machten jetzt erstmals sein Gehirn sichtbar: Das winzige aber erstaunlich faltenreiche Gehirn verdeutlicht, dass sich im Stammbaum der Primaten die Komplexität des Gehirns vor dessen Größe entwickelt haben könnte.
Originalpublikation:
L. Gonzales, B. Benefit, M. McCrossin and F. Spoor
Cerebral Complexity Preceded Enlarged Brain Size and Reduced Olfactory Bulbs in Old World Monkeys
Nature Communications, 3 July 2015 (DOI: 10.1038/ncomms8580)

Studie zeigt: E-Cars muessen leichter werden

Deutschland soll Leitmarkt für die Elektromobilität werden, das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel gerade im Juni wieder auf der Nationalen Konferenz der Bundesregierung zur Elektromobilität herausgestellt. Welcher Forschungs- und Entwicklungsbedarf dabei noch im Bereich des Karosserie-Leichtbaus besteht, zeigt eine neue Studie der Forschungsplattform FOREL auf.

Weltmeere in Gefahr

Die Weltmeere brauchen eine sofortige und umfassende Reduktion der Treibhausgas-Emissionen durch den Menschen. Anderenfalls können weiträumige und größtenteils unumkehrbare Schäden im Lebensraum Meer eintreten, von deren Folgen vor allem auch Entwicklungsländer betroffen sein werden.
Mehr: http://www.sciencemag.org/lookup/doi/10.1126/science.aac4722.

Kleine Autozulieferer müsse globaler werden

Die deutsche Automobilindustrie strotzt förmlich vor internationaler Wettbewerbsfähigkeit. 90 Prozent der mit deutschem Markenlogo weltweit produzierten Fahrzeuge sind mittlerweile für ausländische Märkte bestimmt. Dies unterstreicht die überragende internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche, zugleich ist es ein Indiz für eine immense Abhängigkeit.
Link zur Studie „Investitionen folgen dem Wachstum – Auswirkungen auf den Automobilstandort Deutschland“: www.cati.institute/studien/

Seltene Leoparden als Buhmänner

Am Rande von Schutzgebieten für Wildtiere gibt es immer wieder Konflikte, weil Weidevieh von Raubtieren gerissen wird. Ein Beispiel ist der Golestan Nationalpark im Iran, in dem die größte Teilpopulation des gefährdeten Persischen Leoparden lebt. Ein deutsch-iranisches Forscherteam unter Leitung von Wissenschaftlern der Universität Göttingen hat in den 34 Dörfern rund um den Nationalpark untersucht, was die Risse von Nutz- und Haustieren begünstigt.
Originalveröffentlichung: Khorozyan, I., Soofi, M., Hamidi, A.K., Ghoddousi, A. & Waltert, M. (2015): Dissatisfaction with veterinary services is associated with leopard (Panthera pardus) predation on domestic animals. PLoS One, 10(6): e0129221, doi:10.1371/journal.pone.0129221

Forscher finden Gendefekt für plötzliches Leberversagen

Akutes Leberversagen ist bei Kleinkindern eine seltene, aber lebensgefährliche Erkrankung. Problematisch ist dabei vor allem, dass sie häufig sehr plötzlich zum Beispiel bei Fieber auftritt. Die genauen Ursachen hierfür sind aber in rund 50 Prozent der Fälle ungeklärt. Wissenschaftler einer internationalen Kooperation unter n und dFederführung der Technischen Universität München (TUM), des Helmholtz Zentrums Münchees Universitätsklinikums Heidelberg haben jetzt durch eine genomweite Sequenzanalyse Mutationen in einem bestimmten Gen entdeckt, die mit dem Auftreten der Krankheit zusammenhängen. Betroffen war dabei der Stofftransport in der Zelle.
Originalpublikation
T. B. Haack, C. Staufner, M. G. Köpke, B. K. Straub, S. Kölker, C. Thiel, P. Freisinger, I. Baric, P. J. McKiernan, N. Dikow, I. Harting, F. Beisse, P. Burgard, U. Kotzaeridou, J. Kühr, U. Himbert, R. W. Taylor, F. Distelmaier, J. Vockley, L. Ghaloul-Gonzalez, J. Zschocke, L. S. Kremer, E. Graf, T. Schwarzmayr, D. M. Bader, J. Gagneur, T. Wieland, C. Terrile, T. M. Strom, T. Meitinger, G. F. Hoffmann und H. Prokisch, Biallelic Mutations in NBAS Cause Recurrent Acute Liver Failure with Onset in Infancy, American Journal of Human Genetics, June 2015.
DOI: 10.1016/j.ajhg.2015.05.009

Invasive Arten werden sehr oft vom Menschen eingebracht

Biologische Merkmale werden bei Studien zur invasiven Ausbreitung von Pflanzen überschätzt. Viel bedeutsamer seien vom Menschen geprägte Faktoren wie die Nutzung als Kulturpflanzen. Das schlussfolgert ein internationales Forscherteam aus einer Studie zu mitteleuropäischen Pflanzen, die wie die Einwanderer aus Europa inzwischen ebenfalls in Nordamerika heimisch geworden sind. Die Etablierung einer neuen Pflanzenart hänge vor allem von der Aufenthaltsdauer im neuen Lebensraum und der Anzahl der Habitate ab, in denen die Art in ihrer alten Heimat vorkomme.

Publikationen:
Pyšek, P., Manceur, A.M., Alba, C., McGregor, K.F., Pergl, J., Štajerová, K., Chytrý, M., Danihelka, J., Kartesz, J., Klimešová, J., Lučanová, M., Moravcová, L., Nishino, M., Sádlo, J., Suda, J., Tichý, L., Kühn, I. (2015): Naturalization of central European plants in North America: species traits, habitats, propagule pressure, residence time. Ecology. 96: 762-774.
http://dx.doi.org/10.1890/14-1005.1

PODCASTEMPFEHLUNG:

Schaut mal bei Podcastrad.io vorbei. Das ist zwar kein Podcast, aber eine Art Stream, der auch Wissenschaftspodcasts hat. Christian baut das gerade auf, also seid gnädig mit ihm :-)

WWWW vom 29.6.2015: Ur-Schildkröte und Depression bei Medizinstudenten

Missing-Link bei Schildkröten gefunden

Illustration wie die Schildkröte ausgesehen haben könnte
Illustration wie die Schildkröte ausgesehen haben könnte
Am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart haben Forscher eine international bedeutende Entdeckung gemacht. Bei Grabungen des Museums in Vellberg (Baden-Württemberg) wurden zahlreiche fossile Skelettreste geborgen. Deren wissenschaftliche Untersuchung zeigte, dass sich darunter ein weltweit einzigartiger Fund befand, der den Ursprung der Schildkröten klärt: Das Fossil einer 240. Mio. Jahre alten Ur-Schildkröte. Die neue Art bildet ein perfektes Bindeglied zwischen den frühen Echsen und den Schildkröten, ein sogenanntes Missing Link.

Mehr Regen im Winter, Trockenheit im Sommer

Für die nächsten 90 Jahre sieht es schlecht aus, was das Wetter angeht, sagen Wetterforscher. Die Häufigkeit von Extremniederschlägen dürfte bis zum Jahr 2100 im Winter um etwa 50 % bis 100 %, im Sommer dagegen nur leicht zunehmen. Dieser Trend findet sich in den Beobachtungen des Deutschen Wetterdienstes für die Wintermonate zum Teil auch bereits wieder, für den Sommer lassen sich dagegen noch keine Änderungen feststellen

Weitere Informationen:
http://www.agrarrelevante-extremwetterlagen.de.

Mikroorganismen produzieren Strom auf Kupferplatten

Eine neue Studie zeigt: Kupfer ist ein Material, das für die Anoden mikrobieller Brennstoffzellen und verwandter bioelektrochemischer Systeme hervorragend geeignet ist. Es ist günstig, leitet sehr gut und anders als gedacht lassen sich Mikroorganismen sehr wohl darauf ansiedeln.
Veröffentlichung:

André Baudler, Igor Schmidt, Markus Langner, Andreas Greiner and Uwe Schröder,
Does it have to be carbon? Metal anodes in microbial fuel cells and related bioelectrochemical systems,
in: Energy & Environmental Science (2015),
DOI: 10.1039/c5ee00866b

Forscher optimieren Düsen

Am Institut für Thermodynamik für Luft- und Raumfahrt der Universität Stuttgart wurde eine neuartige divergente Düse entwickelt, die auch in großer Entfernung noch ein homogenes Strömungsprofil aufweist und für größere Auftreffflächen geeignet ist. Durch numerische Berechnungen lässt sich das Strömungsprofil durch den Einbau eines Zentralkörpers in die Düse optimieren. Eine Erhöhung der Pumpleistung ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen:
http://www.tlb.de
http://www.uni-stuttgart.de/itlr/

Stress bei Medizinstudenten nimmt zu

Medizin gilt als eines der Fächer, in dem die Studierenden besonders gefordert werden. Das bleibt nicht ohne Folgen: Dramatisch viele Medizinstudierende zeigen schon im Grundstudium Symptome von stressbedingten Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Das belegen aktuelle Studien von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Forscher vermitteln aber auch Strategien, wie die Studierenden schon frühzeitig lernen können, stressbedingten Risikofaktoren vorzubeugen.

Weniger Versuchstiere einzusetzen Ziel neuer Forschung

Weniger Tiere für Versuchszwecke einzusetzen, sollte das Ziel von Wissenschaftlern in der medizinischen Grundlagenforschung sein. Einen Schritt in diese Richtung unternehmen in den kommenden zwei Jahren Dr. Benjamin Mayer und Professor Rainer Muche vom Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm. In einem vom BMBF geförderten Projekt überprüfen die Forscher die Anwendbarkeit verschiedener statistischer Verfahren im Hinblick auf die Berechnung optimaler Fallzahlen.

Was lässt uns ducken?

Reflexartig weichen Menschen und Tiere einem schnell herannahenden Objekt aus. Dadurch vermeiden sie Kollisionen oder entkommen Fressfeinden, die ihnen auflauern. Damit dies möglich ist, muss das Gehirn Richtung und Geschwindigkeit eines Reizes mit seinem Sehsystem berechnen und ein entsprechendes Ausweichmanöver einleiten. Wie das Gehirn dies bewerkstelligt, ist zum größten Teil unklar. Bis jetzt. Geholfen haben Zebrafischlarven.
ORIGINALVERÖFFENTLICHUNG:
Incinur Temizer, Joseph Donovan, Herwig Baier, Julia Semmelhack
A visual pathway for looming-evoked escape in larval zebrafish
Current Biology, online am 25. Juni 2015

DIE PODCASTEMPFHELUNGEN:

angegraben ist der wohl einzige deutschsprachige Podcast, der sich speziell archäologischen Themen widmet.

Soziopod ist ein Klassiker, aber immer wieder hörenswert.

WWWW vom 22.6.2015: Boote in Australien und einfühlsame Kleinkinder

Wie kamen Australier auf eine Insel in Mega-Ur-See?

Geologen und Archäologen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der La Trobe University (Australien) und der University of Wollongong (Australien) haben inmitten der australischen Wüste erstmals Belege dafür gefunden, dass der Lake Mungo-See vor 24.000 Jahren einen größeren Füllgrad hatte, als bislang angenommen. Diese Entdeckung wird maßgeblich dabei helfen, frühere Klimaveränderungen besser zu verstehen.
Originalpublikation:
Kathryn E. Fitzsimmons, Nicola Stern, Colin V. Murray-Wallace, William Truscott, Cornel Pop
The Mungo mega-lake event, semi-arid Australia: non-linear descent into the last ice age, implications for human behaviour
PLOS ONE; 17 June 2015; DOI: 10.1371/journal.pone.0127008

Magnetfelder beeinflussen Spiralarme einer Galaxie

Magnetfeld_Galaxie Magnetfelder existieren überall im Universum. Bisher war wenig darüber bekannt, ob Magnetfelder eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von kosmischen Objekten spielen. Rainer Beck vom MPIfR Bonn ist es gelungen, einen umfangreichen Satz von Radiodaten für die nahegelegene Galaxie IC 342 aus Beobachtungen mit dem amerikanischen VLA und dem 100-m-TeleskopEffelsberg zu erhalten. Die Daten haben es ermöglicht, ein geordnetes Magnetfeld in dieser Galaxie zu entdecken, das überwiegend entlang der optischen Spiralarme dieser Galaxie ausgerichtet ist.

Originalveröffentlichung:

Magnetic fields in the nearby spiral galaxy IC 342: A multi-frequency radio polarization study, von Rainer Beck, Astronomy & Astrophysics, Volume 578, Juni 2015, A93 (DOI: 10.1051/0004-6361/201425572):

http://www.aanda.org/articles/aa/abs/2015/06/aa25572-14/aa25572-14.html

Kleinkinder einfühlsamer als gedacht

Viele Menschen halten Kleinkinder für stur, egoistisch und unfähig, mit anderen zu teilen. Doch Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der Universität Manchester in Großbritannien haben jetzt herausgefunden, dass schon dreijährige Kinder über ein überraschendes Maß an Fürsorge und einen intuitiven Sinn für eine opferorientierte Gerechtigkeit verfügen. Kleinkinder geben verlorene Dinge lieber an deren rechtmäßige Eigentümer zurück. Wenn das nicht möglich ist, hindern sie wenigstens andere daran zu nehmen, was ihnen nicht gehört.

Originalpublikation:
Katrin Riedl, Keith Jensen, Josep Call, Michael Tomasello
Restorative Justice in Children
Current Biology, 18 June 2015, DOI: 10.1016/j.cub.2015.05.014

Firma stellt künstlich Spermien her

Da die Zahl aktiver Spermien bei Männern auf der ganzen Welt weiterhin sinkt, versuchen Forscher weltweit seit über 15 Jahren künstliche Spermien zu züchten, um auch diesen Männern den Kinderwunsch erfüllen zu können.
Kallistem ist ein 2012 in Lyon gegründetes Unternehmen, das sich auf die Prävention und Behandlung männlicher Unfruchtbarkeit spezialisiert hat. Ende 2014 ist es ihm gelungen, in vitro funktionsfähige menschliche Spermien zu züchten, mit denen wiederum eine In-vitro-Fertilisation möglich wäre.

Stammzellproduktion besser verstehen

Blutstammzellen stellen die einzige lebenslange Quelle für täglich Milliarden neuer Blutzellen in unserem Körper dar. Allerdings ist ihre Anzahl sehr gering, und der Erhalt dieser Stammzellen durch ihre Selbsterneuerungsfähigkeit repräsentiert daher eine unabdingbare Voraussetzung für ein funktionierendes Blut- und Immunsystem. Bei der Selbsterneuerung einer Stammzelle entsteht durch Zellteilung mindestens wieder eine Stammzelle. Die molekularen Grundlagen bzw. die Regulation dieses Vorganges sind bis heute nur unzureichend verstanden. Bis jetzt Forscher ein Protein gefunden haben, das ausschlaggebend ist für die Produktion der Stammzellen.
Weitere Informationen:
http://www.cell.com/cell-reports/abstract/S2211-1247(15)00610-5

Materialfehler in 3D sehen

In der Materialwissenschaft waren dreidimensionale Bilder lange Zeit nicht gefragt. Schließlich waren die optoelektronischen Bauteile in Form von planaren Schichten aufgebaut. Innerhalb der Schichten waren die Strukturen homogen, so dass zweidimensionale Schnitte für eine vollständige Darstellung ausreichten. Das ist mittlerweile anders, berichtet PDI-Forscher Dr. Achim Trampert: „Bei Strukturen im Nano-Bereich reicht eine zweidimensionale Projektion nicht mehr aus, um zum Beispiel Defekte finden zu können.“ Daher etablierte er gemeinsam mit seinem Doktoranden Michael Niehle die Elektronentomographie am PDI.

UV-Schutzkleidung soll besser werden

Sommer, Sonne, Sonnenschein – von vielen heiß ersehnt, doch leider nicht ohne Schatten-seiten. Neben Sonnenbrand oder allergischen Reaktionen auf zu viel Sonneneinstrahlung drohen unter anderem bestimmte Formen des weißen Hautkrebses. Vor allem Personen, die häufig im Freien arbeiten, sollten sich darüber im Klaren sein und Vorsorge treffen. Eine Präventionsmöglichkeit besteht im Tragen von UV-Schutzkleidung. Sie wird von den betroffenen Berufsgruppen jedoch wenig genutzt, da Tragekomfort, Design und Pflegeeigenschaften der Schutzkleidung bislang nicht überzeugen konnten.

PODCASTVORSTELLUNG:

Ich Depp habe beim Aufnehmen/Schneiden vergessen das Intro vom Modellansatz Podcast einzubauen, ich bitte um Nachsicht, es war noch früh am Morgen. Text der Webseite:

Bei genauem Hinsehen finden wir die Naturwissenschaft und besonders Mathematik überall in unserem Leben, vom Wasserhahn über die automatischen Temporegelungen an Autobahnen, in der Medizintechnik bis hin zum Mobiltelefon. Woran die Forscher, Absolventen und Lehrenden in Karlsruhe gerade tüfteln, erfahren wir hier aus erster Hand.

Gudrun Thäter und Sebastian Ritterbusch machen diesen Mathematik-Podcast, der sich aber nicht nur an Mathematiker wendet. Reinhören lohnt sich auf jeden Fall.