WWWW vom 23.5.2016:

Korallen brauchen Wohlfühlzone

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Beobachtungsdaten zeigen, dass Kaltwasserkorallen vor Europas Küsten in einer bestimmten Dichteschicht des Meerwassers gedeihen. Jetzt haben Paläoozeanographen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel nachgewiesen, dass die Organismen auch in den vergangenen 2,5 Millionen Jahren genau diese Wohlfühlzone benötigten.
Originalarbeit:
Rüggeberg, A., S. Flögel, W.-C. Dullo, J. Raddatz, V. Liebetrau (2016): Paleoseawater density reconstruction and its implications for cold-water coral carbonate mounds in the northeast Atlantic through time. Paleoceanography, 31(3), 365–379, http://dx.doi.org/10.1002/2015PA002859

Neuer Stahl ist fest und biegsam

Für die Stahlindustrie zeichnet sich womöglich ein Ausweg aus einem Dilemma ab, das schon solange besteht wie Menschen Metall verarbeiten. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung in Düsseldorf präsentieren einen neuartigen metallischen Werkstoff, der gleichzeitig sehr fest und trotzdem gut formbar ist. Bislang ließ sich die eine Materialeigenschaft nur auf Kosten der anderen verbessern. Das ändern die Düsseldorfer Forscher, indem sie einen neuen Weg bei der Entwicklung von metallischen Werkstoffen gehen. So tragen sie dazu bei, dass sich Bauteile aus Metall künftig dünnwandiger konstruieren und dadurch Ressourcen schonen lassen.

Studie: Länger krankgeschrieben als Physiotherapie bekommen

Nach einer Schulteroperation waren Patientinnen und Patienten in Bremen im Durchschnitt 82 Tage krankgeschrieben. Erstaunlicherweise lag die Physiotherapie im Anschluss bei nur durchschnittlich 64 Tagen. Dies zeigt eine Studie zu Gelenkspiegelungen an der Schulter, die das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS, das Kreiskrankenhaus Osterholz, die Universitätsmedizin Göttingen und die AOK Bremen / Bremerhaven gemeinsam durchführten.
Publikation:
von Knoch M, Enders D, Schlothauer N, Klinger HM, Pigeot I. Duration of sick leave after inpatient shoulder arthroscopy in Germany – Analysis of health care data. Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery. 2016.

Alien-Schrecke in Bernstein entdeckt

Ein bisschen Heuschrecke, ein bisschen Käfer, etwas Ohrwurm, und einiges von der Gottesanbeterin: Zuerst dachte Dr. Benjamin Wipfler, dass er es bei dem kleinen Fossil mit einem winzigen Wolpertinger zu tun hat – jenem legendären Mischwesen, das aus verschiedenen Tieren zusammengesetzt ist. Nach genauerer Untersuchung steht jedoch nun fest: Biologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben gemeinsam mit chinesischen Kollegen eine neue Insektenordnung entdeckt, und mit ihr das lang gesuchte Verbindungsstück zwischen Schaben und Gottesanbeterinnen.
Original-Publikation:
Bai, M., et al., †Alienoptera — A new insect order in the roach–mantodean twilight zone, Gondwana Research (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.gr.2016.02.002

Waldzustand verbessert sich, aber Stickstoff ist ein Problem

Wie ist der Zustand unserer Waldböden, wie hat er sich in den letzten 20 Jahren verändert und in welchen Zusammenhang steht er mit dem Kronenzustand oder der Waldernährung? Hat die Diskussion um den „Sauren Regen“ und das „Waldsterben“ etwas bewirkt? Antworten darauf gibt die bundesweite Bodenzustandserhebung im Wald.
Die Ergebnisse der jetzigen Bodenzustandserhebung im Wald sind in einem fast 700-seitigen Bericht sowie zahlreiche Kartendarstellungen zusammengefasst. Der Berichtsentwurf steht auf der Webseite des Thünen-Instituts zum Download bereit (http://www.thuenen.de/de/wo/arbeitsbereiche/waldmonitoring/bodenzustandserhebung/.

Neues Modell um Pestizid-Folgen zu bestimmen

Bei der Bewertung von Pestiziden liefert ein einfaches Modell sicherere Ergebnisse als das aktuell von der EU angewandte. Das belegt eine aktuelle Studie des Instituts für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau und der ETH Zürich. Mit der Studie wollen die Wissenschaftler auch Denkanstöße und konkrete Handlungsoptionen für eine Revision der bisherigen Risikobewertung von Pestiziden in der EU geben.
Knäbel A, Scheringer M, Stehle S, Schulz R. 2016. Aquatic exposure predictions of insecticide field concentrations using a multimedia mass-balance model. Environmental Science & Technology 50: 3721-3728. Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift Environmental Science & Technology veröffentlicht und ist unter folgendem Link abrufbar:http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.est.5b05721

Wie geht es weiter in Kambodscha?

Wer sich für die politische Lage in Kambodscha interessiert, dem sei dieses Interview mit David Chandler ans Herz gelegt. Es ist zwar bei Voice of America erschienen, aber Chandler gilt aus ausgemachter Experte wenn es um Kambodscha geht.

WWWW vom 16.5.2016: Männerschmerzen und Geisterhände

Patienten verstehen Infos nicht

Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich von der Informationsflut zu Gesundheitsthemen überfordert. Das zeigt eine repräsentative Studie der Universität Bielefeld. Demnach weisen rund 44 Prozent der Deutschen eine eingeschränkte und weitere zehn Prozent sogar eine unzureichende Gesundheitskompetenz auf.

Wie Grünalgen CO2 besser binden

Grünalgen betreiben Photosynthese, genau wie Pflanzen.Algen haben diesen Prozess allerdings verbessert. Mit Hilfe von speziellen Mikrostrukturen, den Pyrenoiden, sind sie in der Lage die Effizienz zu steigern. Wie genau das funktioniert, interessierte ein internationales Wissenschaftsteam, dem Forscher rund um Prof. Mark Stitt vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm angehören.

Originalveröffentlichung
Luke C. M. Mackinder, Moritz T. Meyer, Tabea Mettler-Altmann, Vivian Chen, Madeline C. Mitchell, Oliver Caspari, Elizabeth S. Freeman Rosenzweig, Leif Pallesen, Gregory Reeves, Alan Itakura, Robyn Roth, Frederik Sommer, Stefan Geimer, Timo Mühlhaus, Michael Schroda, Ursula Goodenough, Mark Stitt, Howard Griffiths, Martin C. Jonikas
A repeat protein links Rubisco to form the eukaryotic carbon concentrating organelle
PNAS, 9. Mai 2016, doi: 10.1073/pnas.1522866113

Männer schauen beim Schmerzempfinden auf Frauen

Erwartungen haben große Macht über den Menschen. Das zeigt sich sehr schön am Placebo-Effekt: Einem Patienten werden Pillen verabreicht, die gar keinen Wirkstoff enthalten. Der Patient weiß das aber nicht. Er glaubt fest daran, dass er ein wirksames Medikament bekommt – daraufhin bessert sich seine Krankheit tatsächlich. Verantwortlich dafür war allein seine Erwartungshaltung. Ein Ergebnis einer neuen Studie: Wenn man Männern zu verstehen gibt, dass sie empfindlicher beziehungsweise unempfindlicher als Frauen seien, dann verändert sich ihr Schmerzempfinden.
Schwarz, K. A., Pfister, R., & Büchel, C. (in press). Rethinking explicit expectations: Connecting placebos, social cognition, and contextual perception. Trends in Cognitive Sciences. doi: 10.1016/j.tics.2016.04.001

Mehr Wissen hilft Brustkrebspatientinnen

Eine gute Aufklärung über ihre Erkrankung kann die Lebensqualität von Brustkrebs-Patientinnen deutlich steigern. Auf diesen Zusammenhang weisen Wissenschaftler der Universitäten Köln und Bonn sowie der Deutschen Krebsgesellschaft in einer aktuellen Studie hin. Als erste Konsequenz haben die Forscher eine Art Checkliste erarbeitet. Damit können Betroffene beim Arztgespräch sicherstellen, alle für sie wichtigen Aspekte angesprochen zu haben.
Publikation: S.M. Halbach, A. Enders, C. Kowalski, T.K. Pförtner, H. Pfaff, S. Wesselmann, N. Ernstmann: Health literacy and fear of cancer progression in elderly women newly diagnosed with breast cancer – A longitudinal analysis. Patient Education and Counseling (2016) May; 99(5):855-62. DOI: 10.1016/j.pec.2015.12.012

Photonenstau als Informationsträger

Jeder, der schon mal auf der Autobahn im Stau stand, kennt das Phänomen der Clusterbildung. Wenn nur genügend Autos unterwegs sind, und diese mit statistisch zufällig verteilten Geschwindigkeiten fahren, dann ist es wahrscheinlicher, dass sich Gruppen von Autos bilden, die sich gegenseitig ausbremsen. Damit die Autos genügend weit voneinander entfernt und gleichzeitig mit hoher Geschwindigkeit fahren, müssten sie aufeinander reagieren oder, wie Physiker sagen, in Wechselwirkung treten. Nicht unähnlich könnte es in Zukunft den Photonen (Teilchen, aus denen Lichtstrahlen bestehen) auf den Datenautobahnen des Internets ergehen. Anders als bei einem Stau ist das aber eine gute Sache.

Handy ist Bestandteil unseres Körpers

Der “Gummihand-Effekt” ist eine in der Psychologie bekannte Illusion. Dabei fühlt sich eine Hand aus Gummi für die Versuchspersonen so an, als gehöre sie zum eigenen Körper. Psychologen aus Münster, Leiden (Niederlande) und Regensburg zeigten nun erstmals, dass Menschen im psychologischen Experiment auch ihre eigenen Smartphones in ihr körperliches Ich integrierten. Das Ausmaß des Smartphone-Gebrauchs scheint eine wichtige Rolle zu spielen.

Und hier noch das Rubberhand-Video
https://www.youtube.com/watch?v=TCQbygjG0RU “Rubber hand illusion” (erklärendes YouTube-Video von “New Scientist”)

WWWW vom 9.5.2016: Diebische Schwebfliegen und angepasste Venus-Fliegenfalle

Ungesundes Gemüse in Thailand

Das Thai Pan Network hat Gemüse und Obst von Märkten und Supermärkten in Thailand untersucht und die Ergebnisse sind schockierend. Selbst bei organischen und Q-zertifizierten Gemüse waren die Grenzwerte teilweise über die Hälfte überschritten.
Anbei eine Grafik, zwar in Thai, aber die Symbole sollten verständlich genug sein.
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Dazu passt auch diese Meldung über Gesundheitsrisken von Bauern in Thailand.

Wie sich das Fischauge regeneriert

Anders als beim menschlichen Auge ist der Fisch in der Lage, Verletzungen der Netzhaut auf zellulärer Ebene zu regenerieren. Wie diese Regenerationsreaktion ausgelöst wird, haben jetzt Wissenschaftler am Centre for Organismal Studies (COS) der Universität Heidelberg mit Untersuchungen am Modellorganismus des Medaka-Fisches entschlüsselt. Danach löst überraschenderweise nur ein einziger genetischer Faktor zwei zentrale Schritte im Prozess der Regeneration aus – die Zellteilung und die Ausdifferenzierung von Vorläuferzellen in die verschiedenen retinalen Zelltypen.

Wifi-Satellit

Ein Satellit, dessen Einzelteile nicht über Elektrokabel verbunden sind, sondern über miniaturisierte Funkmodule: Mit dieser Innovation gewinnen zwei Informatiker der Universität Würzburg den Wettbewerb INNOspace Masters.

Wie schnell und stark sind Malaria-Erreger

Malaria-Erreger sind schnell. Die aus einer einzigen Zelle bestehenden Parasiten bewegen sich rund zehnmal schneller durch das Gewebe unter der Haut als unsere körpereigene Abwehr, die Fresszellen des Immunsystems. Wissenschaftler um Professor Dr. Friedrich Frischknecht, Arbeitsgruppenleiter im Zentrum für Infektionskrankheiten des Universitätsklinikums Heidelberg, haben eine Laser-Radarfalle für die winzigen Lebewesen entworfen und erstmals deren Geschwindigkeit und Kraftentwicklung gemessen.
Coupling of Retrograde Flow to Force Production During Malaria Parasite Migration.
Quadt KA, Streichfuss M, Moreau CA, Spatz JP, Frischknecht F.
ACS Nano. 2016; 10(2):2091-2102.
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acsnano.5b06417

Wie Bakterien das Genom verändern können

Die meisten Bakterien, mit denen wir in der Natur in Kontakt kommen, sind für uns völlig harmlos. Doch ein paar zusätzliche Gene können ansonsten friedliche Mikroben in gefährliche Krankheitserreger verwandeln. Die Nachwuchsforscherin Natalie Jahn aus der Arbeitsgruppe Bakteriengenetik der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersucht, wie Bakterienzellen dafür sorgen, dass solche von außen aufgenommenen Gene stabil von Generation zu Generation weitervererbt werden. In ihrer gerade abgeschlossenen Doktorarbeit hat die 28-Jährige Toxin/Antitoxin-Systeme in Bacillus subtilis detailliert charakterisiert und liefert damit die Grundlagen für neue Wege zur Behandlung bakterieller Infektionen.
Jahn, Natalie; Brantl, Sabine; Strahl, Henrik. Against the mainstream: the membrane-associated type I toxin BsrG from Bacillus subtilis interferes with cell envelope biosynthesis without increasing membrane permeability (2015) MOLECULAR MICROBIOLOGY, Volume: 98, Issue: 4, Pages: 651-666

Schwebfliegen schmarotzen am Sonnentau

Ein Team aus deutschen, brasilianischen und spanischen Botanikern und Entomologen entdeckte Fliegenlarven, die in einem der wohl gefährlichsten Lebensräume für Insekten leben: auf den stark klebrigen Blättern von fleischfressenden Sonnentau-Pflanzen.
Fleischmann, A., Rivadavia, F., Gonella, P.M., Pérez-Bañón, C., Mengual, X. & Rojo, S. (2016). Where is my food? Brazilian flower fly steals prey from carnivorous sundews in a newly discovered plant-animal interaction. PLOS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0153900

Venus-Fliegenfalle kann Insekten schmecken

Die fleischfressende Venusfliegenfalle ist eine erstaunliche Pflanze: Sie erkennt ihre Beute am Geschmack. In ihren Zellen gibt es ähnliche Strukturen wie im Darm des Menschen. Und sie hat im Lauf der Evolution den Spieß umgedreht, ist vom Opfer zum Angreifer geworden.
“Venus flytrap carnivorous life style builds on herbivore defense strategies“, Felix Bemm, Dirk Becker, Christina Larisch, Ines Kreuzer, Maria Escalante-Perez, Waltraud X. Schulze, Markus Ankenbrand, Anna-Lena Keller Van der Weyer, Elzbieta Krol, Khaled A. Al-Rasheid, Axel Mithöfer, Andreas P. Weber, Jörg Schultz, Rainer Hedrich. Genome Research, DOI 10.1101/gr.202200.115

WWWW vom 2.5.2016: Geister und Glauben in Thailand

Man hat mich gefragt ob ich bei den Gänsehautwochen mitmachen möchte, bei denen es um Geister und Hexen uns so geht. Weil vor allem Geister in Thailand (und Asien überhaupt) eine große Rolle spielen, dachte ich, eine Sonderfolge wäre da vielleicht angebracht.

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Man denkt bei Thailand immer an Buddhismus und Mönche in orange-farbenen Roben. Tatsächlich sind die Thais so buddhistisch wie die meisten in Deutschland christlich sind. Die reine Lehre hat nur wenig mit dem zu tun, was praktiziert wird. Gerade in den Städten nehmen buddhistische Rituale immer mehr ab. In den Tempel geht man nur noch zu besonderen Feiertagen und den Mönchen wird nur am Sonntag Almosen gegeben – und dafür muss der Mönch sogar mit seinem Fahrer zu uns in den Compound kommen.
Was aber nicht heißen soll, das Thais nicht religiös sind. Sie sind das sogar sehr (und ich schließe hier immer Laos und Kambodscha mit ein, zu einem gewissen Maß auch Vietnam). Nur hat die praktizierte Religion eben wenig mit den achtfachen Pfad des Buddha zu tun. Was hier praktiziert wird, ist Geisterglaube und Animismus.
Das Bild hier zeigt einen heiligen Baum, dessen Geistern Kleider geopfert werden.
Geister gibt es auch als Erdgeister (denen man Geisterhäuser baut, wenn man auf ihrem Land ein Haus errichtet), oder als Geister die an einem Ort leben, an dem ein Unfall war. An Straßen sieht man oft Zebrafiguren, die die Verkehrsteilnehmer schützen sollen. Es gibt gute und böse Geister, und wenn man Leute hier in Asien erschrecken will, dann ruft man laut “Phi” (Geist). Die Tattoos die man oft sieht und die von Mönchen gestochen werden, sind nicht anderes als Formeln, die vor Geistern schützen wollen. Auch die Amulette, die die meisten Thais um den Hals tragen, haben eine Schutzfunktionen gegen böse Geister und Unglück.
Wenn in westlichen Ländern noch ein Pfarrer mehr pro forma bei einer Schiffstaufe dabei ist, fahren die Menschen hier gleich eine ganze Tempelbesatzung auf. In Laos wird keiner auf Reisen gehen, ohne eine Baci-Zeremonie gemacht zu haben.
Warum Geister, die es ja offenbar schon seit Jahrhunderten gibt, unbedingt darauf bestehen, dass man ihnen pinke und grüne Fanta opfert, hat sich mir nicht erschlossen, aber vielleicht bin ich einfach zu rational.
Übrigens muss es nicht immer ein Buddha sein: Vor allem wenn man gerne Geld haben möchte, stellt man sich eher eine Ganesha-Figur ins Haus. Oder am besten Beides. Kann ja nicht schaden.

Hier noch ein paar Links wer mehr wissen will:
Die Geschichte der Mae Nak Phra Khanong

Die Satsana Phi in Laos

Ghosts in Thailand

WWWW vom 25.5.2016: Korallen, Legionellen und alte Sterne

Warum Wasser bei -37 Grad friert

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Der Gefrierpunkt von Wasser ist alles andere als eine eindeutige Sache. Kleine Tröpfchen aus reinstem Wasser etwa erstarren erst bei minus 37 Grad Celsius zu Eis. Damit sich knapp unter Null Grad Celsius bereits Eiskristalle bilden, sind Kristallisationskeime wie etwa Bakterien nötig, die auf ihrer Oberfläche eisbildende Proteine aufweisen. Den molekularen Mechanismus, über den die Proteine Wassermoleküle erstarren lassen, haben nun Forscher der Max-Planck-Institute für Chemie und für Polymerforschung aufgeklärt.

Wenn auch die Superkorallen aufgeben müssen

Ein düsteres Bild für die Zukunft tropischer Korallenriffe zeichnen Experten in einer neuen Studie. Die bei weitem die häufigste und artenreichste Korallengattung, die Geweihkoralle „Acropora“, könnte den Kampf gegen den von Menschen gemachten Klimawandel womöglich verlieren und so das Sterben der unterseeischen Biotope einleiten.

Legionellen schicken Vorhut in die Zelle

Der Erreger der Legionärskrankheit vermehrt sich besonders gut in den Fresszellen des menschlichen Immunsystems, wenn er Transportbläschen als Vorhut eingesetzt hat, die krankmachende Stoffe enthalten. Die stäbchenförmigen Erreger tricksen die körpereigene Abwehr aus, indem sie sich in Zellen des Immunsystems verstecken, den Makrophagen.
Originalveröffentlichung: Anna Lena Jung & al.: Legionella pneumophila-derived outer membrane vesicles promote bacterial replication in macrophages,
PLoS Pathogens 22. 4. 2016

Die Glukose macht das Bier

An der Fachrichtung Chemie und Lebensmittelchemie der TU Dresden wird seit mehreren Jahren zum Thema „Bier“ geforscht. In aktuellen Forschungsarbeiten konnte das Team um Prof. Thomas Henle zeigen, dass sich verschiedene Biersorten deutlich im Gehalt sogenannter „Dicarbonylverbindungen“ unterscheiden. Diese Verbindungen entstehen beim Erhitzen aus der Glucose, die ihrerseits aus der Stärke des Malzes freigesetzt wird. Die Lager- und Aromastabilität des fertigen Biers wird maßgeblich durch diese Zuckerabbauprodukte beeinflusst.

Patienten sollten ihre medizinischen Daten einsehen können

Wenn Patienten vollen Zugriff auf ihre medizinischen Befunde und die Notizen des Arztes zu ihrer Erkrankung erhalten, verbessert dies die Arzt-Patienten-Beziehung erheblich. Dies hat eine Gruppe von Forschern der Universität Witten/Herdecke (UW/H) und der Harvard University (Boston, USA) herausgefunden. Zudem stärkt die erhöhte Transparenz in der Behandlung die Mitarbeit und das Selbstmanagement der Patienten, verbessert das Verständnis der medizinischen Probleme und unterstützt die Selbstfürsorge.

Seniorensterne gehen andere Wege in der Milchstraße

Ein internationales Team von Astrophysikern unter Leitung von Dr. Andrea Kunder, Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP), hat entdeckt, dass der zentrale Bereich der Milchstraße eine sehr alte Generation von Sternen beheimatet, welche völlig andere Bewegungsmuster zeigen als die übrigen, jüngeren Sterne. Diese so genannten RR Lyrae Sterne sind über 10 Milliarden Jahre alt. Ihre abweichenden Umlaufbahnen belegen, dass sie einen anderen und älteren Ursprung haben müssen als die übrigen Sterne im Kern.
Wissenschaftliche Publikation: Andrea Kunder et al.: Before the Bar: Kinematic Detection of A Spheroidal Metal-Poor Bulge Component, The Astrophysical Journal Letters, Volume 821, Number 2.

DiscLab kann Malaria schnell testen

Der Welt-Malaria-Tag am 25. April 2016 ruft eine weitverbreitete Krankheit in Erinnerung, die angesichts globaler Bedrohungen wie dem Ebola- oder dem Zika-Fieber häufig in Vergessenheit gerät. Die Diagnose von Malaria ist schwierig, da Fieber das vorwiegende Symptom zahlreicher tropischer Infektionen darstellt. Mit der CD-förmigen Plattform „LabDisk“ lässt sich nun eine einzige Blutprobe innerhalb von 60 bis 90 Minuten mithilfe bestimmter biochemischer Komponenten auf mehrere Erreger gleichzeitig testen.

WWWW vom 18.4.2016: Planetare Wellen und hungrige Zebrafischlarven

Wenn der Jetstream stoppt, kommen riesige Mengen Regen

Die verheerenden Fluten im Balkan vor zwei Jahren hängen wahrscheinlich mit der zeitweisen Verlangsamung riesiger Luftströme in der Atmosphäre zusammen, wie Wissenschaftler jetzt herausfanden. Diese Luftströme umkreisen den Erdball in Form gigantischer Wellen, die zwischen Äquator und Nordpol auf und ab schwingen und sich dabei normalerweise ostwärts bewegen. Vor zwei Jahren aber stockte ihre Vorwärtsbewegung für mehrere Tage – zugleich setzte sich ein Wettersystem über Bosnien, Herzegovina, Serbien und Kroatien fest, aus dem sich Rekordmengen von Regen ergossen.
Weblink zum VIDEO zu planetaren Wellen (in englischer Sprache): https://youtu.be/MzW5Isbv2A0

Warum wir mehr kaufen wenn wir hungrig sind

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Wer hungrig einkaufen geht, kauft häufig mehr, als ursprünglich geplant. Es scheint fast, als würden wir hungrig Nahrung besser wahrnehmen. Dass dies im Zebrafischgehirn tatsächlich der Fall ist, fanden Herwig Baier und sein Team am Max-Planck-Institut für Neurobiologie heraus. Die Forscher zeigten, dass bei Hunger zusätzliche Nervenzellen über zwei molekulare Regelmechanismen im Gehirn aktiviert werden. Dies führt dazu, dass potenzielle Beuteobjekte deutlich mehr Nervenzellen in hungrigen Fischen aktivieren, wodurch diese die Objekte häufiger verfolgen. Hungrige Tiere nehmen Objekte somit anders wahr als satte und sind eher bereit, ein Risiko im Rahmen der Nahrungssuche einzugehen.
ORIGINALVERÖFFENTLICHUNG
Alessandro Filosa, Alison J. Barker, Marco Dal Maschio, Herwig Baier
Feeding state modulates behavioral choice and processing of prey stimuli in the zebrafish tectum
Neuron, 14. April 2016

Hirnströme von Männer und Frauen bei Handlungsfehlern verschieden

Männer sind schneller und Frauen flexibler: Die Gehirne von Männern und Frauen reagieren unterschiedlich auf eigene Handlungsfehler. Diese Unterschiede sind so signifikant, dass sich allein aus den gemessenen Hirnströmen das Geschlecht vorhersagen lässt. Die Unterschiede in der Verarbeitung von Fehlhandlungen bei Frauen und Männern zeigen außerdem die Notwendigkeit geschlechterspezifischer Diagnose und Therapie psychischer Störungen.
Die Studie: Fischer AG, Danielmeier C, Villringer A, Klein TA, Ullsperger M (2016) Gender influences on brain responses to errors and post-error adjustments. Scientific Reports (in press).

Neuer Angriffsweg bei HIV-1 entschlüsselt

Eine internationale Forschergruppe unter wesentlicher Beteiligung des Paul-Ehrlich-Instituts hat mit NLRX1 einen zellulären Faktor menschlicher Zellen identifiziert, der für die Vermehrung des Humanen Immundefizienz-Virus (HIV-1) unverzichtbar ist. Offenbar kommt ihm eine Schlüsselrolle bei der Hemmung des angeborenen Immunsystems gegenüber HIV-1 zu. Die Bedeutung von NLRX1 für die Vermehrungsfähigkeit von HIV-1 und die Hemmung des Immunsystems gegenüber HIV-1 waren bisher nicht bekannt und eröffnen neue therapeutische Angriffspunkte.
Originalpublikation
Guo H, König R, Deng M, Riess M, Mo J, Zhang L, Petrucelli A, Yoh SM, Barefood B, Ventevogel M, Sempowski GD, Zhang A, Colberg-Poley AM, Feng H, Lemon SM, Liu Y, Zhang Y, Wen H, Zhang Z, Damania B, Tsao LC, Wang Q, Su L, Duncan JA, Chanda SK, Ting JPY (2016): NLRX1 Sequesters STING to Negatively Regulate the Interferon Response, Thereby Facilitating the Replication of HIV-1 and DNA Viruses.
Cell Host Microbe. Volume 19, Issue 4, p515–528
DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.chom.2016.03.001

Supernova-Spuren auch am Mond

Vor rund zwei Millionen Jahren gab es eine Sternenexplosion, eine Supernova in der Nähe unseres Sonnensystems. Davon zeugen heute noch Spuren eines bestimmten Eisen-Isotops in Meeresablagerungen. Nun konnten Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) gemeinsam mit Kollegen aus den USA auch in Bodenproben des Mondes eine ungewöhnlich hohe Konzentrationen dieses Supernova-Eisens nachweisen. Sie nehmen an, dass beide Funde vom selben Sternausbruch stammen.
Publikation
Interstellar 60Fe on the surface of the Moon
L. Fimiani, D. L. Cook, T. Faestermann, J. M. Gomez-Guzman, K. Hain, G. Herzog, K. Knie, G. Korschinek, P. Ludwig, J. Park, R. C. Reedy, and G. Rugel
Phys. Rev. Lett. 116, 151104, 13. April 2016 (online) – DOI: 10.1103/PhysRevLett.116.151104

WWWW vom 11.4.2016: Supernovae, braune Zwerge und Spinnen

Warum wir uns mögen

Ein makelloser Körper, materieller Reichtum und vorbildliches Verhalten machen attraktiv, so lehrt es die klassische Attraktivitätsforschung. Doch wie kommt es, dass Menschen sich zu ganz unterschiedlichen Partnern hingezogen fühlen, dass der eine diese mag und der andere jenen?
„Soziale Beziehungen und Kooperation sind für den Menschen überlebenswichtig. Erfolgreiche Kooperation erfordert, dass wir unser Gegenüber verstehen, seine Gefühle und Absichten erkennen und richtig interpretieren. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist es daher naheliegend, dass das menschliche Gehirn einen Mechanismus entwickelt hat, der es uns erlaubt, schnell und richtig zu erkennen, wen wir verstehen und wen nicht, und der dazu führt, dass wir uns zu Menschen hingezogen fühlen, deren Gefühle und Absichten wir gut verstehen können“, sagt Prof. Dr. Silke Anders, Professorin für Soziale und Affektive Neurowissenschaften an der Universität zu Lübeck. Um diese These zu testen, führte die Arbeitsgruppe um Silke Anders eine Studie durch.

Publikation:
Anders S, de Jong R, Beck C, Haynes JD, Ethofer T. A neural link between affective understanding and interpersonal attraction. PNAS Early Edition. doi/10.1073/pnas.1516191113.

Arachnophobe sehen Spinnen größer

Ich und die Tarantula
Ich und die Tarantula

Menschen, die an Arachnophobie (Spinnenangst) leiden, überschätzen die Größe von Spinnentieren. Denn die Betroffenen können die angstbezogene visuelle Information nicht angemessen verarbeiten. Dies hat ein Team von Forschern der Universitäten in Regensburg und Würzburg und der Brown University (USA) erstmals nachgewiesen.

Wo die Braunen Zwerge leben

Im Zuge einer neuen Analyse des aktualisierten Datenbestands von Beobachtungen sonnennaher Brauner Zwerge haben Potsdamer Astronomen festgestellt, dass eine große Anzahl Brauner Zwerge bislang unentdeckt geblieben sein muss.
Fachpublikation: G. Bihain and R.-D. Scholz, A non-uniform distribution of the nearest brown dwarfs, Astronomy and Astrophysics, 589, A26 (2016).

Supernovae im Manganknollen

Senckenberg-Wissenschaftler haben gemeinsam mit einem internationalen Team Belege für mehrere Supernovae in der jüngeren Erdgeschichte gefunden. Anhand von Eisen-Isotop-Untersuchungen zeigen sie in ihrer heute im renommierten Fachjournal „Nature“ publizierten Studie, dass die Supernovae im Zeitraum von 3,2 bis 1,7 Millionen Jahren vor heute stattfanden. Die Sternenexplosionen ereigneten sich in weniger als 300 Lichtjahren von der Erde entfernt und schleuderten von dort radioaktiven Staub ins Universum – einen großen biologischen Schaden durch das kosmische Bombardement der Erde schließen die Wissenschaftler aber aus.
Publikation
A. Wallner, J. Feige, N. Kinoshita, M. Paul, L. K. Fifield, R. Golser, M. Honda, U. Linnemann, H. Matsuzaki, S. Merchel, G. Rugel, S. G. Tims, P. Steier, T. Yamagata & S. R. Winkler(2016): Recent near-Earth supernovae probed by global deposition of interstellar radioactive 60Fe. Nature 532,
69–72 (07 April 2016) doi:10.1038/nature17196

Wie man den Tastsinn überlistet

Finger sind die wichtigsten Tastsensoren des Menschen. Doch nicht immer fühlen sie zuverlässig. Sie lassen sich täuschen. Das haben Wissenschaftler des Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld in einer neuen Studie gezeigt, indem sie die Wahrnehmung austricksten. Testpersonen legten ihren Zeigefinger in einen Apparat und berührten ein Objekt, dessen Härte sich veränderte, ohne dass die Personen das bemerkten. Während der Berührung entstand die Illusion, dass sich nicht die Härte veränderte, sondern die Position ihres Fingers. Das Kuriose: Der Finger war fixiert, konnte sich also nicht bewegen.
Originalveröffentlichung:
Alessandro Moscatelli, Matteo Bianchi, Alessandro Serio, Alexander Terekhov, Vincent Hayward, Marc Ernst, Antonio Bicchi: The Change in Fingertip Contact Area as a Novel Proprioceptive Cue, erscheint am 7. April 2016

WWWW vom 4.4.2016: Fleisch und Antibiotika

Heute habe ich einen Gastbeitrag von Vilja Schwamborn. Sie studiert an der Universität zu Köln “International Master of Environmental Sciences”. Sie hat einen Beitrag zum Thema Fleisch und Antibiotika gemacht, den ich gerne veröffentliche.

Fleisch am Markt
Fleisch am Markt

Fleisch ist in Deutschland eines der beliebtesten Lebensmittel. Dies verdeutlicht der jährliche Pro-Kopf Verbrauch in Deutschland, der sich laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung auf 60 kg pro Kopf im Jahre 2014 belief. Jedoch ist Fleisch wohl auch eines der umstrittensten Lebensmittel. Zum einen durch Skandale, wie den Gammelfleischskandal von 2006 oder den Pferdefleischskandal von 2013 und zum anderen durch ethische Konfliktfragen die im Bezug auf die Nutztierhaltung aufkommen.

Besonders der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung ist seit mehreren Jahren ein stark umstrittenes Thema. Dies ist vor allem auf das steigende Auftreten von resistenten Keimen zurückzuführen. Diese Erreger sind gegenüber ein oder mehreren Antibiotika resistent, so dass bei einer Infektion die Behandlung meist schwierig und langwierig ist. Die Bildung solcher Resistenzen wurde in der Nutztierhaltung durch den großen und nicht zielgerichteten Einsatz von Antibiotika gefördert. Es wurde nicht nur zur Behandlung von Infektionen sondern auch zur Prophylaxe und als Leistungsförderer eingesetzt. Durch diese Faktoren wurden bald auch resistente Keime in Nutztieren entdeckt. Besonders gefährlich ist hierbei der mögliche Transfer von antibiotikaresistenten Keimen zwischen Mensch und Tier. Genau aus diesem Grund haben deutsche Bürger ein schlechtes Bild von der intensiven Nutztierhaltung. Dies verdeutlicht der Verbrauchermonitor des Bundesinstituts für Risikobewertung von 2015 laut dem 72% der Deutschen beunruhigt sind über Antibiotikaresistenzen in Lebensmitteln.

WWWW vom 28.3.2016: Parmesan, Bakterien und wie wir lernen

Korallen und Bakterien arbeiten eng zusammen

Eine bestimmte Gruppe von Bakterien ist in der Lage, einen großen Teil der Nährstoffe zu liefern, die Korallen und ihre Riffe zum Wachsen brauchen. Das ist das Ergebnis einer neuen Langzeitstudie, die ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Christian Wild, Hochschullehrer für Marine Ökologie an der
Universität Bremen, kürzlich am Roten Meer durchgeführt hat.

Publikation:
Cardini et al. Budget of primary production and dinitrogen fixation in a highly seasonal Red Sea coral reef. Ecosystems (im Druck)

Warum der Parmesan schmeckt wie er schmeckt

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Was wäre italienische Pasta ohne Parmesan? Kein anderer Käse verleiht Gerichten einen vergleichbaren Geschmack. Aber warum? Dieser Frage sind Chemiker der Technischen Universität München (TUM) nachgegangen. Die Forscher fanden 31 aktive Geschmacksstoffe, die zusammen eine chemo-sensorische Signatur ergeben.
Publikation:
Hedda Hillmann and Thomas Hofmann: Quantitation of Key Tastants and Re-engineering the Taste of Parmesan Cheese, Journal of Agricultural and Food Chemisty, 2016, 64, 1794-1805. DOI: 10.1021/acs.jafc.6b00112

Archäologiosche Forschungen im Irak wieder aufgenommen

Nach 14 Jahren beginnt das Deutsche Archäologische Institut wieder mit umfangreicheren Feldforschungen im Südirak.Die Erforschung der Metropole des legendären Königs Gilgamesch wird nunmehr seit über 100 Jahren von deutschen Archäologen durchgeführt. Nach fast 14-jähriger Unterbrechung der Forschungen sind Konservierungsmaßnahmen an bereits ausgegrabener Architektur dringend erforderlich. Während einige Bauwerke zu ihrem Schutz seit langem wieder zugeschüttet sind, stehen andere Gebäude frei und sind zur Besichtigung durch Besucher vorgesehen. Jetzt wurde geprüft, wie zuverlässig die Schutzverfüllung gewirkt hat.

Wie wir lernen

Menschen und Tiere lernen schneller, wenn die Folgen ihrer Handlungen unmittelbar sind. Zeitliche Verzögerungen in der Abfolge von Ursache und Wirkung verunsichern Mensch und Tier und erschweren den Lernprozess. Eine fundamentale Lernleistung unseres Gehirns besteht indes darin, auch in solchen komplexeren Situationen ein Ereignis korrekt mit der verursachenden Handlung zu verknüpfen. Es existieren darüber hinaus noch weitere, parallel ablaufende Mechanismen, auch solche, die dieses Ursache-Wirkung-Prinzip nicht berücksichtigen.
Die vollständige veröffentlichte Studie gibt es hier unter http://dx.doi.org/10.1016/j.neuron.2016.02.018

Wie Muskeln sich zusammenziehen

Die Physiologielehrbücher müssen überarbeitet werden: Die Kontraktion gestreifter Muskelfasern verläuft auf molekularer Ebene anders als bislang vermutet.Statt wie bisher gedacht vor einer Art molekularem Zaun halt zu machen strecken sich Filamente durch ihn hindurch.
Rode C et al. Myosin filament sliding through the Z-disc relates striated muscle fibre structure to function, Proceedings of the Royal Society B, 2016, DOI: 10.1098/rspb.2015.3030

Eltern von Frühgeborenen machen sich mehr Sorgen

Während Frühgeborene nicht der Meinung sind, dass sich ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität im Übergang vom Jugend- in das Erwachsenenalter verschlechtert hat, machen sich deren Eltern mehr Sorgen um das Wohlbefinden ihrer Sprösslinge.

Wer etwas mehr über die neue Verfassung in Thailand wissen will, kann hier und hier nachlesen. Hinweis: Es gibt eine Pressezensur in Thailand.

WWWW vom 21.3.2016: Minen-Ratten, Ceres-Flecken und gerührte Nanoteilchen

Laser misst Alkohol im Atem aus der Entfernung

Blitzen statt blasen – dieses Prinzip könnte zukünftig bei Verkehrskontrollen zum Einsatz kommen: Physiker der Uni Würzburg haben einen Laser entwickelt, mit dem sich Alkohol in der Fahrerkabine eines Autos messen lässt. Aber der neue Laser kann noch viel mehr.

Nanoteilchen: Gerührt, nicht geschüttelt

Gemeinsam mit Experimentatoren von der Princeton University (USA) haben Mainzer Physiker um Dr. Arash Nikoubashman eine neuartige Technik zur Massenfabrikation von Nanoteilchen entwickelt und theoretisch analysiert. Damit wird es möglich, schnell und kostengünstig polymerbasierte Kolloide – Nanoteilchen in einer Lösung – herzustellen. Solche maßgeschneiderten Kolloide werden für zahlreiche wissenschaftliche und technische Anwendungen benötigt.
Veröffentlichung:
A. Nikoubashman, V.E. Lee, C. Sosa, R.K. Prud’homme, R.D. Priestley and A.Z. Panagiotopoulos: Directed assembly of soft colloids through rapid solvent exchange, ACS Nano, (2016), 10, 1425-1433. DOI: 10.1021/acsnano.5b06890
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acsnano.5b06890

Genetisch sind wir eher Jäger als Bauern

Moderne Menschen haben sich im Laufe von vielen Tausend Jahren an ihre Umwelt angepasst. Doch wie genau verschiedene Varianten des Erbguts zu dieser Anpassung beigetragen haben, war lange umstritten. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben nun das Erbgut von Menschen analysiert, die vor 45.000 bis 7.000 Jahren gelebt haben.
Originalpublikation:
Felix M. Key, Qiaomei Fu, Frédéric Romagné, Michael Lachmann and Aida M. Andrés
Human adaptation and population differentiation in the light of ancient genomes
Nature Communications, 18. März 2016, DOI: 10.1038/NCOMMS10775

Bodenradar soll Minen besser finden

Apopo-Briana - eine Hero rat beim TrainingIn Kolumbien sind weite Landstriche mit Minen übersät, die mit herkömmlichen Techniken kaum zu finden sind. Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Ilmenau entwickeln gemeinsam mit südamerikanischen Partnern ein neues Verfahren für die Minensuche, das auf dem Bodenradar basiert. Das langfristige Ziel ist es, ein Handheld-Gerät zu konzipieren, das verschiedenste Minentypen in unwegsamem Gelände zuverlässig detektiert und genauso leicht wie ein Metalldetektor verwendet werden kann.

Hier noch der Link zu den Hero Rats

Flecken am Zwergplanet Ceres verdunsten

Wissenschaftler haben unerwartete Veränderungen in hellen Flecken auf dem Zwergplaneten Ceres zu Tage gebracht. Obwohl Ceres von der Erde aus nur als etwas hellerer Lichtpunkt erscheint, zeigt sich bei hochpräzisen Untersuchungen des von Ceres ausgesandten Lichts nicht nur die Veränderung, die man durch die Rotation des Zwergplaneten erwarten würde, sondern auch, dass die Flecken am Tag aufhellen und außerdem noch andere Schwankungen aufweisen.

Frauenbild prägt Einstellung zu Ausländern

Wer Männer für das starke und Frauen für das zu beschützende Geschlecht hält, ist besonders empfänglich für rechte Propaganda über angeblich sexuell bedrohliche Fremde. Bei Betrachtern mit progressiveren Einstellungen zum Verhältnis von Mann und Frau hingegen können entsprechende Plakate zu entgegengesetzten Reaktionen führen: Sie nehmen Migranten vor der Unterstellung in Schutz.
Präsentation der Ergebnisse in den WZB-Mitteilungen 1/2016: „Ivan S., der Vergewaltiger“. Wie wirken rechtspopulistische Kampagnen, die Migranten als sexuelle Bedrohung darstellen?

Draußen spielen hilft gegen Kurzsichtigkeit

Schon 40 Minuten tägliches Toben auf dem Spielplatz oder Pausenhof können Kinder im Grundschulalter vor Kurzsichtigkeit schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine chinesische Studie, die den Zusammenhang zwischen Freiluftaktivität und Kurzsichtigkeit bei Kindern in einer randomisierten Clusterstudie untersuchte.
Literatur:
Mingguang et al., Effect of Time Spent Outdoors at School on the Development of Myopia Among Children in China – A Randomized Clinical Trial, JAMA. 2015;314(11):1142-1148. doi:10.1001/jama.2015.10803