WWWW vom 8.2.2016: Bettwanzen und Einwanderer

Wie wir uns erinnern

Tübinger Neurowissenschaftlern ist es gelungen, ruhende Gedächtniszellen von Ratten zu aktivieren. Durch gezielte schwachelektrische Impulse konnten sie vormals inaktive Zellen im Hippocampus dazu bringen, den Ort der Impulsverabreichung wiederzuerkennen. Der Hippocampus ist bei Nagetieren wie auch dem Menschen für das Gedächtnis zuständig. Die Studie des Forscherteams am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen gibt daher Hinweise darauf, wie in unserem Gehirn Erinnerungen gebildet werden.
Publikation:
Maria Diamantaki, Markus Frey, Patricia Preston-Ferrer, Andrea Burgalossi: Priming Spatial Activity by Single-Cell Stimulation in the Dentate Gyrus of Freely-Moving Rats. Current Biology (im Druck). 4. Februar 2016.

Irgendwie sind wir alle Einwanderer

Der anatomisch moderne Mensch entwickelte sich in Afrika und besiedelte von dort aus die ganze Erde, da sind sich die Wissenschaftler einig. Genetisch gesehen können sie zudem Afrikaner und Nicht-Afrikaner unterscheiden. Wann und auf welchen Wegen oder in wie vielen Auswanderungswellen die modernen Menschen von Afrika ausgehend Eurasien und die Großregion Australiens erreichten, ist jedoch stark umstritten. Ein Wissenschaftlerteam am Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen um Professor Johannes Krause, der auch Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena ist, hat nun das Schicksal der frühen Europäer näher beleuchtet.
Publikation:
Cosimo Posth, Gabriel Renaud, Alissa Mittnik, Dorothée G. Drucker, Hélène Rougier, Christophe Cupillard, Frédérique Valentin, Corinne Thevenet, Anja Furtwängler, Christoph Wißing, Michael Franken, Maria Malina, Michael Bolus, Martina Lari, Elena Gigli, Giulia Capecchi, Isabelle Crevecoeur, Cédric Beauval, Damien Flas, Mietje Germonpré, Johannes van der Plicht, Richard Cottiaux, Bernard Gély, Annamaria Ronchitelli, Kurt Wehrberger, Dan Grigourescu, Jiří Svoboda, Patrick Semal, David Caramelli, Hervé Bocherens, Katerina Harvati, Nicholas J. Conard, Wolfgang Haak, Adam Powell and Johannes Krause: Pleistocene mitochondrial genomes suggest a single major dispersal of non-Africans and a Late Glacial population turnover in Europe.

Wenn Doppelsterne sich nahe kommen

HITS-Astrophysiker simulieren mit neuen Methoden die Phase der gemeinsamen Hülle von Doppelsternen und entdecken dabei dynamische Unregelmäßigkeiten, die helfen können, die Entstehung von Supernovae besser zu erklären.
Ohlmann, S. T., Röpke, F. K., Pakmor, R., & Springel, V. (2016):
Hydrodynamic moving-mesh simulations of the common envelope phase in binary stellar systems, The Astrophysical Journal Letters, 816, L9,
DOI: 10.3847/2041-8205/816/1/L9
http://arxiv.org/abs/1512.04529

Entschlüsselt: Das Genom der Bettwanze

Bettwanze
Ein internationales Forscherteam hat das Genom der Bettwanze entschlüsselt. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Zeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. An dem Gemeinschaftsprojekt beteiligt war Klaus Reinhardt, Professor für Angewandte Zoologie an der TU Dresden, der sich seit Jahren intensiv mit den unbeliebten aber wissenschaftlich hochinteressanten Tieren beschäftigt. Ihr Genom mit insgesamt 14.220 identifizierten Genen kann Erklärungen für zahlreiche Aspekte der einzigartigen Lebensweise der Bettwanzen liefern.
Der Artikel “Unique features of a global human ectoparasite identified through sequencing of the bed bug genome” ist im Journal „Nature Communications“ erschienen und online abrufbar unter http://www.nature.com/ncomms/index.htm

Fette Kost birgt Risiko für Schwangere

Fetthaltige Ernährung und Fettleibigkeit sind Risikofaktoren für die Entwicklung von postnatalen Angsterkrankungen bei Müttern. Beide Faktoren mindern zudem die Ausbildung einer erhöhten Stressbelastbarkeit, die für stillende Mütter eigentlich typisch ist. Dies haben jetzt Forscher der Universität Regensburg nachweisen können.
Der Original-Artikel im Internet unter:
http://epub.uni-regensburg.de/32999/1/srep14821.pdf

Irgendwann ist auch in Afrika der Wald leer

Seit etwa 25 Jahren werden Tiere in West- und Zentralafrika nicht mehr nur zur Eigenversorgung gejagt, sondern zunehmend auch für den Verkauf in mehrere hundert Kilometer entfernten Ballungszentren. Infolgedessen nahmen die Tierbestände deutlich ab und sind teilweise bereits verschwunden. Ein europäisches Forscherteam unter Federführung der Goethe-Universität hat nun den Jagddruck für das Kongo-Waldbecken ermittelt und eine detaillierte Karte erstellt, die bei Regionalplanungen helfen soll.
Publikation: Stefan Ziegler, John E. Fa, Christian Wohlfart, Bruno Streit, Stefanie Jacob und Martin Wegmann: Mapping Bushmeat Hunting Pressure in Central Africa, in: Biotropica, 29 Januar 2016 DOI: 10.1111/btp.12286; http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/btp.12286/abstract

WWWW vom 1.2.2016: Weberknecht-Penis und Zika-Virus

Inseln schrumpfen durch Menschenhand

Takku-Atoll
Seit einigen Jahrzehnten steigt der Meeresspiegel unaufhaltsam – im Schnitt 3,3 mm im Jahr. Inwieweit machen sich die Folgen des Meeresspiegelanstiegs bereits heute auf den Riffinseln bemerkbar? Obwohl der Anstieg des Meeresspiegels bereits vor rund 100 Jahren begann und seit den 1990er Jahren noch deutlich schneller verläuft, hat sich die Vegetationsfläche der Takuu-Inseln zwischen 1943 und 2012 insgesamt sogar um drei Prozent vergrößert.
Publikation
Mann, T., Bayliss-Smith, T., Westphal, H. (2015). A Geomorphic Interpretation of Shoreline Change Rates on Reef Islands. Journal of Coastal Research. DOI: 10.2112/JCOASTRES-D-15-00093.1

Heutiges Klima weit über Normalwerten

Über die vergangenen Jahrzehnte haben sich die Sommer im größten Teil Europas immer stärker erwärmt, begleitet von extremen Hitzewellen wie in 2013, 2010 und 2015. Neueste Forschungen unter der Leitung des Gießener Geographen und Klimaforschers Prof. Dr. Jürg Luterbacher setzen die aktuelle Erwärmung in einen historischen Kontext, der eine Spanne von 2100 Jahre umfasst. Mit Hilfe von Baumring-Daten und historisch dokumentierten Hinweisen konnte eine neue Rekonstruktion der europäischen Sommertemperaturen erstellt werden.
Publikation:
Luterbacher J et al. 2016: European summer temperatures since Roman times. Environmental Research Letters 11, 024001, doi: 10.1088/1748-9326/11/1/024001

LED-Projekt soll Seltene Erden einsparen

Leuchtdioden (LEDs) sind energieeffizient und quecksilberfrei, beanspruchen jedoch kritische Ressourcen. Im Verbundprojekt cycLED arbeiteten Wissenschaft und Wirtschaft daran, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren, die Lebensdauer von LED-Produkten zu erhöhen und ein besseres Recycling zu fördern. CycLED gehört zu den Projekten am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM, die vergangenes Jahr abgeschlossen wurden.

Mutationen besser verstehen

In vielen Tumoren sind bestimmte Enzyme, die an der Regulierung der Genaktivität mitwirken, stark mutiert. Die Molekularbiologen Matthias Becker und Professor Albrecht Müller von der Universität Würzburg interessieren sich für die Gruppe der so genannten KDM6-Enzyme. Diese sind bei Blasenkrebs, Leukämien und anderen Krebsformen sehr oft mutiert und funktionieren dann nicht mehr richtig. Wie sich die Mutationen in den Krebszellen genau auswirken, ist bislang unbekannt. Doch die Würzburger Wissenschaftler haben jetzt erste Hinweise gefunden: Offenbar tragen die Mutationen dazu bei, dass sich DNA-Schäden anhäufen.

Inhibition of KDM6 activity during murine ES cell differentiation induces DNA damage, Christine Hofstetter, Justyna M. Kampka, Sascha Huppertz, Heike Weber, Andreas Schlosser, Albrecht M. Müller, Matthias Becker, Journal of Cell Science 2016, DOI 10.1242/jcs.175174

Risikofaktoren bekämpfen, Alzheimer verhindern

Leipziger Demenzforscher haben berechnet, dass deutschlandweit rund ein Drittel der Alzheimer-Erkrankungen auf Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes zurückgehen. Sie plädieren dafür, sich in der Prävention von Alzheimer verstärkt auf diese Risiken zu konzentrieren.

“Prävention von Alzheimer-Demenz in Deutschland – Eine Hochrechnung des möglichen Potenzials der Reduktion ausgewählter Risikofaktoren.” Nervenarzt; 87(1):111-8. doi: 10.1007/s00115-015-0057-x

Fossiler Weberknecht ist eine neue Art

Ein Forscherteam unter der Leitung von Jason Dunlop, Museum für Naturkunde Berlin, veröffentlicht in der internationalen Fachzeitschrift The Science of Nature den einzigartigen Fund eines 99 Millionen Jahre alten Weberknechts mit ausgestrecktem Penis. Männliche Weberknechte begatten damit die Weibchen direkt. Bei modernen Tieren ist die Feinstruktur des Penis extrem wichtig für die systematische Zuordnung der jeweiligen Art. Der Fossilfund zeigt, dass Weberknechte in der Kreidezeit sich genau wie die Tiere von heute fortpflanzen konnten. Auf Grund der großen Augen und der spachtelförmigen Penisspitze konnten die Wissenschaftler eine neue, ausgestorbene Weberknecht-Familie erkennen.

Zika-Virus nicht wirklich eine Gefahr

In Südamerika, vor allem in Brasilien, breiten sich derzeit die Zika-Viren rasant aus, übertragen von der Mückenart Aedes aegypti. Die Viren stehen im Verdacht, bei Schwangeren das Ungeborene zu schädigen und eine Fehlbildung des Gehirns auszulösen. Einen Impfstoff gibt es bisher nicht; Programme zur Vernichtung der Mücken sind angelaufen. Können die Viren bald auch nach Europa gelangen und wie riskant sind die kommenden Olympischen Spiele in Rio de Janeiro?

Ein kleines Video Schmankerl aus den Ur-Zeiten des Podcastings

Man kann nicht sagen, sie hätten es nicht gewusst. Podcast war das große Ding in 2005, und ich hatte meine 15 Minutes of Fame unter anderem mit einem kleinen Beitrag im RTL-Nachtjournal (besser kann man Nischenprodukte wohl kaum platzieren).
Das andere Erlebnis war übrigens im Flugzeug: Wir waren auf dem Weg in den Urlaub und ein Bekannter gab uns ein First Class Upgrade bei Kuwait Air (wir hatten natürlich Eco-Plätze gebucht). Zur gleichen Zeit erschien im Focus ein Artikel von Marius Sixtus über Podcasting, mit einem durchaus großen Bild auch von mir. Und genau dieses Bild sah das Ehepaar rechts von uns im Flieger, als sie den Focus lasen, schauten zu uns rüber und dachten wohl: “Wow, mit diesem Podcasting kann man wohl reich werden.”

So war das damals. Nach dem Krieg :-)

WWWW vom 25.1.2016: Arsen im Reis und Jobs in Afrika

Gift im Reis unterdrücken

Mein heissgeliebter Sticky Rice - vergiftet??
Mein heissgeliebter Sticky Rice – vergiftet??

Reis ernährt die halbe Menschheit. Doch das Getreide ist nicht selten mit Arsen belastet. Biologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben jetzt einen möglichen Ansatz gefunden, den Arsengehalt im Reis zu reduzieren.

Wohlfühlaktivismus bringt nichts

Virtuell mitfühlen und organisieren: Wie tragen Twitter, Facebook und Co zur inhaltlichen Debatte während Protestbewegungen bei? Analysen der Arbeitsgruppe „Politik und Internet“ zeigen, dass soziale Medien überwiegend genutzt werden, um Protest zu organisieren. „Die Erwartung, dass soziale Medien neue Räume für inhaltliche Debatten eröffnen, lässt sich nicht bestätigen“, sagt Professorin Marianne Kneuer, Politikwissenschaftlerin an der Universität Hildesheim. Die Studie „Soziale Medien in Protestbewegungen“ gibt Einblicke in die Online-Kommunikation während einiger Proteste seit 2011 in Portugal, Spanien, USA, Großbritannien und Deutschland.

Science-Fiction in der Stadtplanung

Eine vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) beauftragte Studie zeigt, wie Stadtpolitik anhand von Zukunftsvisionen in Filmen, Literatur oder Videospielen Potenziale und Risiken der Stadt von morgen ausmachen kann.

Download: http:///www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/Sonderveroeffentlichungen/2016/science-fiction-staedte-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Rohmilch kann Asthma verhindern

Unverarbeitete Milch direkt vom Bauernhof hat einen höheren Omega-3-Fettsäuregehalt als pasteurisierte, homogenisierte und fettreduzierte Milch aus dem Laden. Das erklärt teilweise, warum Rohmilch-Trinker seltener Asthma entwickeln.

Journal of Allergy and Clinical Immunology 2016
http://www.jacionline.org/article/S0091-6749(15)01731-5/abstract

Abstand hilft gegen GPS-Hacker

Autofahrer vertrauen dem GPS bei der Routenplanung fast blindlings, und auch in der Industrie und anderen Bereichen spielt es bei der Orts-und Zeitbestimmung eine wichtige Rolle. Greifen Hacker das System an, können sie großen Schaden anrichten. Der Einsatz mehrerer GPS-Empfangsgeräte gleichzeitig könnte für bestimmte Anwendungsbereiche die Lösung sein.

Tolle Vorschläge für Afrika

Das hohe Wirtschaftswachstum der letzten Jahre in den Ländern südlich der Sahara hat vielerorts die Erwartung geweckt, Afrika könnte es den asiatischen Tigern nachtun und einen raschen Entwicklungssprung schaffen. Doch das anhaltend hohe Bevölkerungswachstum bremst die wirtschaftliche Entwicklung. Dazu kommen eine niedrige Produktivität, fehlende Wertschöpfung und eine mangelnde Energieversorgung. Dabei hätte die Region beste Voraussetzungen, durch den Ausbau einer regenerativen Energieversorgung, durch Verbesserungen in der Landwirtschaft und einer weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie einen eigenen Entwicklungsweg zu finden. Eine Studie gibt Vorschläge, scheint aber komlett zu vergessen, dass es politische Verhältnisse sind, die eine Umsetzung verhindern.

WWWW vom 19.1.2016: Fadenwürmer und Quasare

Neue Fadenwürmer: Sehen anders aus aber gleich Art

Ein Team um Prof. Ralf Sommer und Dr. Matthias Herrmann vom Max-Planck-Institut (MPI) für Entwicklungsbiologie in Tübingen, das seit 8 Jahren zu Forschungsarbeiten auf die Insel La Réunion kommt, hat dort neue winzige Fadenwürmer entdeckt. Sie leben im Inneren von wilden Feigen und sehen auf den ersten Blick völlig unterschiedlich aus. Zur Überraschung der Wissenschaftler handelt es sich aber um eine einzige Wurm-Art, die fünf verschiedene Mundformen annehmen kann. Die Fadenwürmer sind genetisch völlig identisch. Lediglich ihre Nahrungsquelle entscheidet über die Mundform.
Originalpublikation:
Susoy et al. Science Advances 2016;2:e1501031 (15 January 2016)

Quasar W2246-0526 ist stürmischer als andere

Quasar w2246
In der leuchtkräftigsten uns bekannten Galaxie im Universum – dem Quasar W2246-0526, der für uns nur zu einem Zeitpunkt beobachtbar ist, als das Alter des Universums weniger als 10% des heutigen betrug – geht es so stürmisch zu, dass die Galaxie dabei ist, ihren gesamten Vorrat an Gas auszustoßen, den sie für die Sternentstehung benötigt. Dies geht aus neuen Beobachtungen mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) hervor.

Wie Fressverhalten gesteuert wird

Mit Untersuchungen am Modellorganismus der Fruchtfliege – Drosophila melanogaster – haben Biologen der Universität Heidelberg neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Fressverhalten kodiert und gesteuert wird.
Originalveröffentlichung:
J. Friedrich, S. Sorge, F. Bujupi, M.P. Eichenlaub, N.G. Schulz, J. Wittbrodt and I. Lohmann: Hox Function is required for the Development and Maintenance of the Drosophila Feeding Motor Unit. Cell Reports (published online 14 January 2016), doi:10.1016/j.celrep.2015.12.077

Größe für Anpassung kein Hauptfaktor

Wissenschaftler des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt haben gemeinsam mit einem internationalen Team verschiedene Anpassungsstrategien von Säugetieren und Vögeln an Temperaturänderungen untersucht. Dabei konnten sie die seit gut 60 Jahren geltende Annahme widerlegen, dass vor allem die Größe der Tiere für die Anpassung ausschlaggebend sei.

WWWW vom 11.1.2016: Schwämme und Achillessehnen

Achillessehnen-Risse besser vermeiden

In den vergangenen Jahren ist eine Zunahme von Achillessehnenverletzungen feststellbar, obwohl diese die stärksten Sehnen des menschlichen Körpers sind. Eine Ursache dafür ist die ungleichmäßige Belastung der Achillessehne durch schräge Fußhaltung, aber auch hohe gleichmäßige Belastung kann zu Problemen führen.
Weitere Informationen unter: http://www.frankfurt-university.de/ifm

Rettet die Süßwasser-Muscheln

Muscheln sind die natürlichen Kläranlagen der Gewässer und damit vergleichbar wichtig wie Bienen. Und genauso bedroht: Die meisten Muschelbestände weltweit gehen zurück, manche Arten stehen kurz vorm Aussterben. Deshalb haben Wissenschaftler aus 26 europäischen Ländern erstmals den Status quo der Süßwassermuschelarten in Europa zusammengetragen.
Conservation status of freshwater mussels in Europe: state of the art and future challenges, Biological Reviews 4.1.2016. DOI: 10.1111/brv.12244
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/brv.12244/abstract;jsessionid=E7C0A76…

Plastik und Alu Hinweis auf Anthropozän

Die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf der Erde markieren nach Auffassung einer internationalen Gruppe von Geowissenschaftlern und Vertretern anderer Disziplinen eine neue geologische Epoche: das Anthropozän. Die Forscher, darunter Prof. Dr. Reinhold Leinfelder von der Freien Universität Berlin, stufen als Beginn dieser Epoche die Mitte des 20. Jahrhunderts ein. Das Anthropozän sei charakterisiert durch die Verbreitung von Materialien wie elementarem Aluminium, Beton, Plastik, Flugasche und dem sogenannten Fallout von Kernwaffentests über den gesamten Planeten.

Studie
Colin Waters et al. (2016) The Anthropocene is functionally and stratigraphically distinct from the Holocene. Science.
http://dx.doi.org/10.1126/science.aad2622

Kunststoff-Solarzellen verbessern

Sie sind leicht, einfach zu installieren und können ohne großen Aufwand mit einem industriellen Drucker produziert werden: Solarzellen aus Kunststoff. Noch sind sie herkömmlichen Solarmodulen in der Effizienz unterlegen. Forscherinnen und Forschern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, Vorgänge bei der Herstellung der organischen Solarzellen auf molekularer Ebene in Echtzeit zu beobachten. Die Ergebnisse, die im Fachmagazin “Advanced Energy Materials” veröffentlicht wurden, helfen dabei, die Leistung organischer Solarzellen zu verbessern.
Publikation:
Organic Solar Cells: Following the Morphology Formation In Situ in Printed Active Layers for Organic Solar Cells, Pröller et al., Advanced Energy Materials, Volume 6, Issue 1, January 2016.
DOI: 10.1002/aenm.201501580

Schwämme machen Korallen-Schleim sichtbar

Ein internationales Forscherteam machte kürzlich eine überraschende Entdeckung im Meer: Korallen und Schwämme kommunizieren über ihren Stoffwechsel miteinander. Dies gilt sowohl für tropische Warmwasserkorallenriffe im Flachwasser als auch für Kaltwasserkorallenriffe in den Tiefen des Nordatlantiks. Die Forscher fanden heraus, dass Schleime, die kontinuierlich und oft in großen Mengen von Korallen ins Wasser abgegeben werden, von Schwämmen in ihrer Umgebung gut als Nahrung aufgenommen werden können. Der Clou dabei: Ein Großteil der von den Korallen abgegebenen Schleime löst sich sofort im Wasser und ist mikroskopisch klein. Dieses energie- und nährstoffreiche Material ist daher für die meisten Organismen in Warm- oder Kaltwasserkorallenriffen nicht verwendbar. Schwämme allerdings besitzen eine für das Tierreich einzigartige Eigenschaft: Sie können über einen Prozess, der als „Schwammschleife“ bezeichnet wird, unsichtbares gelöstes organisches Material in sichtbare Teilchen, sogenanntes partikuläres organisches Material, umwandeln.

Publikation: Rix et al. Coral mucus fuels the sponge loop in warm- and cold-water coral reef ecosystems. Sci. Rep. 5, 18715; doi: 10.1038/srep18715 (2015)

Studie zur Gefahr von Staudämmen für Artenvielfalt

Wissenschaftler warnen in internationaler Studie vor den ökologischen und sozialen Folgen von 450 geplanten Dämmen an Amazonas, Mekong und Kongo – Umweltsystemwissenschaftlerin der Universität Tübingen beteiligt. Der globale Ausbau der Wasserkraft bedroht die artenreichsten Gewässer der Erde. Darauf weisen Wissenschaftler in einer internationalen Studie hin, in der sie Daten zu den Flüssen Amazonas, Mekong und Kongo auswerten. Der ökonomische Nutzen von Staudämmen werde häufig überschätzt, die langfristigen Konsequenzen für Artenreichtum und Fischerei hingegen unterschätzt, warnen die Autoren. Um die Auswirkungen auf Umwelt und Mensch zu minimieren, fordern sie überregionale Analysen zur Risikoabschätzung bei Dammbauten, die sowohl soziale als auch ökologische Prozesse und ihre Wechselwirkungen berücksichtigen.
Balancing hydropower and biodiversity in the Amazon, Congo, and Mekong. Science, Vol. 351, no. 6269 pp 8. Januar 2016.

Blasenentzündung heilt auch ohne Antibiotika

Braucht es unbedingt Antibiotika, um Blasenentzündungen zu heilen? Oder reicht bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen eine Behandlung mit Schmerzmitteln aus? Dr. Ildikó Gágyor und Professorin Dr. Eva Hummers-Pradier vom Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben zusammen mit Dr. Jutta Bleidorn aus dem Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sowie der Abteilung für Versorgungsforschung am Institut für Public Health und Pflegeforschung an der Universität Bremen diese Fragen wissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis: Rund zwei Drittel der Frauen mit einer unkomplizierten Blasenentzündung wurden ohne Antibiotika und nur mit Schmerzmitteln wieder gesund.
Originalpublikation: Ildikó Gágyor, Jutta Bleidorn, Michael M Kochen, Guido Schmiemann, Karl Wegscheider, Eva Hummers-Pradier. Ibuprofen versus fosfomycin for uncomplicated urinary tract infection in women: randomised controlled trial. www.bmj.com/content/351/bmj.h6544.full.

WWWW vom 4.1.2016: Erinnerung an eine großartige Großmutter

Heute mal was ganz anderes: Vergangene Woche ist meine Großmutter Elsbeth Klose im Alter von 98 Jahren gestorben. Omis_Geburtstag_20070804_0002
Sie hatte, im Großen und Ganzen, ein was man erfülltes Leben nennt. Sie hatte aber auch ein hartes Leben und die Art und Weise, wie sie es gemeistert hat, machte sie zu meinem Vorbild, und sie wird es immer sein. Sie wuchs auf und lebte in Schlesien, bis sie 1945 in den letzten Kriegsmonaten flüchten musste – als alleinerziehende Frau mit einem Kind. Die folgenden Jahre waren nicht einfach, weder für sie noch für ihre Tochter. Das Thema ist aktueller denn je, wenn man überlegt, wie heute bisweilen über Flüchtlinge gedacht und gesprochen wird.
Die Generation meiner Großmutter hat Deutschland in den Krieg getrieben (wobei es eher ihre Elterngeneration war), aber sie hat Deutschland auch wieder aufgebaut. Meine Mutter ist 1944 geboren und konnte in ihren 20ern die ersten Früchte des deutschen Wirtschaftswunders ernten. Ich bin 1966 geboren und hatte, als Mittelstandskind, alles was man brauchte – so gut wie meiner Generation ging es zuvor keiner anderen. Wir haben keinen Krieg erlebt in unserem Land, und ich möchte auch keinen erleben.
Aber ich werde nicht vergessen, was andere und vor allem meine Großmutter geleistet haben, damit ich ein gutes Leben als Kind hatte. Dafür werde ich immer dankbar sein.

Ich hatte sie 2005 zur Flucht aus Schlesien interviewt, und wie sie das persönlich erlebt und bewerkstelligt hat. Ich dachte, ihr Tod ist sei ein guter Anlass, diese Aufnahme noch einmal zu veröffentlichen.

Omis_Geburtstag_20070804_0012

Statt einem Podcasttip heute der Vorschlag: Sprecht doch auch mal mit Euren Großmüttern und -vätern, solange es noch geht. Oder Euren Eltern. Wie haben sie die 50er, 60er, 70er oder 80er erlebt? Wie lebte s sich damals in Schwerin, Flensburg, Köln? Wer keinen Serverplatz hat oder nicht will oder weiß wie man sowas veröffentlicht, dem biete ich gerne diesen Podcast an.

WWWW vom 28.12.2015: Fledermäuse, Bäume und Zukunftsfantasien

Studie zu Pflanzengemeinsamkeiten

Die Größe von Pflanzen und der Bauplan ihrer Blätter haben bei der Evolution der Gefäßpflanzen eine besondere Rolle gespielt. Von sechs analysierten wichtigen Pflanzenmerkmalen konnte die Evolution nur die genannten zwei frei wählen. Ein Großteil potentiell möglicher Kombinationen bleibt dagegen von heutigen Pflanzen ungenutzt, da sich die Merkmale offenbar nicht unabhängig voneinander entwickelt haben.
Original-Veröffentlichung:
Sandra Díaz, Jens Kattge, Johannes H. C. Cornelissen, Ian J. Wright, Sandra Lavorel, Stéphane Dray, Björn Reu, Michael Kleyer, Christian Wirth, I. Colin Prentice, Eric Garnier, Gerhard Bönisch, Mark Westoby, Hendrik Poorter, Peter B. Reich, Angela T. Moles, John Dickie, Andrew N. Gillison, Amy E. Zanne, Jérôme Chave, S. Joseph Wright, Serge N. Sheremet’ev, Hervé Jactel, Christopher Baraloto, Bruno Cerabolini, Simon Pierce, Bill Shipley, Donald Kirkup, Fernando Casanoves, Julia S. Joswig, Angela Günther, Valeria Falczuk, Nadja Rüger, Miguel D. Mahecha & Lucas D. Gorné (2015)
The global spectrum of plant form and function. Nature (24 Dec 2015).
http://dx.doi.org/10.1038/nature16489

Bäume sind sich nicht grün

Wald in Bhutan
Wald in Bhutan

Wenige funktionelle Pflanzenmerkmale können das Wachstum beim Wettbewerb zwischen benachbarten Bäumen im Wald dominieren. Die Konkurrenz innerhalb der gleichen Arten scheint aber immer größer zu sein als zwischen den Arten, schreibt ein internationales Team in der aktuellen Ausgabe des Journals Nature.
Publikation:
Kunstler G, Falster D, Coomes DA, Hui F, Kooyman RM, Laughlin DC, Poorter L, Vanderwel M, Vieilledent G, Wright SJ, Aiba M, Baraloto C, Caspersen J, Cornelissen JHC, Gourlet-Fleury S, Hanewinkel M, Herault B, Kattge J, Kurokawa H, Onoda Y, Penuelas J, Poorter H, Uriarte M, Richardson S, Ruiz-Benito P, Sun I-F, Stalh G, Swenson NG, Thompson J, Westerlund B, Wirth C, Zavala MA, Zeng H, Zimmerman JK, Zimmermann NE, Westoby M. (2015): Plant functional traits have globally consistent effects on competition. Nature (24 Dec 2015).
doi: 10.1038/nature16476
http://dx.doi.org/10.1038/nature16476

Genitalien bilden sich im Hirn gleich groß ab

Obwohl die äußeren Geschlechtsteile von Wirbeltieren sich in der Regel deutlich voneinander unterscheiden, werden die Genitalien im Gehirn auf der gleichen anatomischen Karte abgebildet. Das zeigen aktuelle Untersuchungen. Die hochauflösende Kartierung deutet somit auf eine tiefgehende Homologie der Genitalrepräsentationen von Penis und Klitoris im Gehirn hin. Die Ergebnisse fügen sich zu anderen Befunden ein, die ebenfalls auf eine weitgehend bisexuelle Architektur des Wirbeltiergehirns hindeuten.

Gewässeruntersuchung mit Fliegen fehlerhaft

Verdreckt und begradigt – unsere Gewässer sind im Stress. Doch nicht allen Lebewesen macht die Umweltverschmutzung zu schaffen. Es gibt Arten, die gut damit umgehen können. Das fanden neuseeländische Forscher gemeinsam mit deutschen Kollegen heraus, darunter Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE),
Ecological Indicators: “Multiple-stressor effects on stream invertebrates: DNA barcoding reveals contrasting responses of cryptic mayfly species”
doi:10.1016/j.ecolind.2015.08.024

Wie Aminosäuren in Pflanzensamen wandern

Zur effizienten Steigerung von landwirtschaftlichen Ernteerträgen ist es von Bedeutung, zu verstehen, wie Aminosäuren in die pflanzlichen Samen gelangen. Denn Aminosäuren sind ein wichtiger, teils essentieller Bestandteil unserer Ernährung. Forscher der Universität Regensburg ist es nun erstmals gelungen, vier Gene in der Modellpflanze Arabidopsis thaliana (Acker-Schmalwand) zu identifizieren, die maßgeblich für den Aminosäuretransport von der Mutterpflanze zum Embryo verantwortlich sind.
Artikel

Wenn es laut wird, rufen Fledermäuse lauter

Fledermäuse orientieren sich im Flug akustisch durch Echoortungslaute und nutzen diese auch meistens zur Nahrungssuche. Wie die Tiere mit Beeinträchtigungen durch Umgebungslärm umgehen, fand nun ein Team von Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie Seewiesen und der Ludwig-Maximilians-Universität München heraus. Sie analysierten tausende von Echoortungsrufen unter verschiedenen, natürlichen Lärmbedingungen und zeigten, dass die Fledermäuse sowohl die Lautstärke ihrer Rufe wie auch deren Dauer an den Lärmpegel anpassen. Obwohl jedes Individuum dabei ein bisschen anders reagierte, verbessern alle Mechanismen die Erkennbarkeit des Signals.

Tiere haben keine Zukunftsfantasien

Ist es alleine Menschen möglich, sich an persönlich Erlebtes zu erinnern und in mentalen Zeitreisen die Vergangenheit, aber auch die Zukunft durchzuspielen? Oder besitzen auch Tiere diese Fähigkeit? Bis zu einem gewissen Grad ja, meinen drei Wissenschaftler, die diese schon lange währende Diskussion mit einem neuen theoretischen Modell bereichern.
Cheng S, Werning M and Suddendorf T (2016). Dissociating Memory Traces and Scenario Construction in Mental Time Travel. Neurosci. Biobehav. Rev., 60:82-89. doi: 10.1016/j.neubiorev.2015.11.011

WWWW vom 21.12.2015: Der Wald und die alten Baktieren

Welche Bäume passen in den Wald?

Sollen sie oder sollen sie nicht? Die Frage dreht sich um eingeführte Baumarten wie die aus Nordamerika stammende Douglasie: Sollen sie in heimischen Wäldern angebaut werden und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Die heutige Forstwirtschaft will Wälder so behandeln, dass deren Produktivität, Vitalität und biologische Vielfalt erhalten bleiben. Dabei greift es bei den vielgestaltigen Anforderungen an den Wald zu kurz, einseitig nur die Rohholzerzeugung oder nur den Naturschutz zu betrachten.
Das Buch ist im Universitätsverlag Göttingen in der Reihe Göttinger Forstwissenschaften Bd. 7 erschienen. Die Onlineversion kann kostenfrei im Internet unter http://univerlag.uni-goettingen.de/handle/3/isbn-978-3-86395-240-2 heruntergeladen werden. Die Druckversion (Softcover) kostet € 38,00.

Neue Technik untersucht Tumore in Kleinmassstab

Bösartige Tumore sind unter anderem gekennzeichnet durch die Bildung massiver Gefäße und der Umgehung des Immunsystems. Eine neu entwickelte Zellkulturtechnik erlaubt es nun, die Vorgänge des Tumorwachstums direkt in Echtzeit und ohne Verwendung aufwendiger Tierversuche zu studieren. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) befassten sich dabei insbesondere mit Hirntumoren. Das Team um den Neurowissenschaftler PD Dr. Nicolai Savaskan hat hierbei eine 3D-Zellkulturtechnik namens VOGiM (Vascular Organotypic Glioma Impact Model) entwickelt, die es ermöglicht, die Gefäßbildung von Tumoren und deren Interaktion mit Immunzellen in einem organotypischen Kontext über mehrere Tage zu verfolgen.
Originalveröffentlichung: Ali Ghoochani, Eduard Yakubov, Tina Sehm, Zheng Fan1 Stefan Hock,
Michael Buchfelder, Ilker Y. Eyüpoglu, Nicolai E. Savaskan: A versatile ex vivo technique for assaying tumor angiogenesis and microglia in the brain. ONCOTARGET 2015.
DOI: 10.18632/oncotarget.6550

Studie zur Motivation am Arbeitsplatz

Zählt am Ende nur der Lohn oder ist es Arbeitnehmern wichtig, eine sinnvolle Tätigkeit auszuführen? Wissenschaftler der Universität Trier haben herausgefunden, dass die Motivation stark leidet, wenn Arbeitskräfte erfahren, dass eine vorherige Tätigkeit sich im Nachhinein als wenig sinnhaft oder sogar als nutzlos herausstellt. Außerdem beeinträchtigt dieses Wissen das emotionale Befinden der Personen.
Die Studie von Adrian Chadi, Sabrina Jeworrek und Vanessa Mertins erscheint demnächst in „Management Science“, einem der führenden Management-Journale („A+“-Ranking nach VHB-Jourqual).

Flavanole können Nierenkranken helfen

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Ein Lichtblick für Dialyse-Patienten: Ein pflanzlicher Bestandteil, der auch in dunkler Schokolade und grünem Tee vorkommen kann, schützt ihre Gefäße. Dies ist deshalb so wichtig, weil ihr meist geschwächtes Herz-/Kreislaufsystem durch die Blutwäsche noch weiter geschädigt wird. Dass ihnen auch nahrungsergänzende Kakao-Flavanole dabei helfen, ihre Blutgefäße besser zu schützen, konnten jetzt erstmals Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) der Kliniken für Kardiologie am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) und des Universitätsklinikums Düsseldorf nachweisen.

Gehirn korrigiert visuelle Wahrnehmung auch noch bei Erwachsenen

Die menschliche Wahrnehmung liefert für gewöhnlich ein sehr genaues Abbild der Umwelt. Dass dieses Bild nicht verzerrt ist, ist der Lernfähigkeit des Gehirns zu verdanken, die bis ins Erwachsenenalter nicht nachlässt. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Wahrnehmungspsychologen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), die kürzlich im Forschungsmagazin „Current Biology“ veröffentlicht wurde.
Publikation:
Matteo Valsecchi and Karl R. Gegenfurtner: “Dynamic Re-calibration of Perceived Size in Fovea and Periphery through Predictable Size Changes”, Current Biology, December 17, 2015,
DOI: 10.1016/j.cub.2015.10.067

Wie Baktieren Sulfat atmen

Sie besiedelten die Erde lange bevor es Pflanzen und Tiere gab: Seit Milliarden von Jahren nutzen bestimmte Mikroorganismen nicht Sauerstoff zum Atmen, sondern Sulfat. Bislang war nicht vollständig verstanden, auf welchem biochemischen Weg diese zumeist im Meer vorkommenden Bakterien durch Atmung Energie für ihr Wachstum gewinnen. Ein internationales Forscherteam unter Federführung portugiesischer Wissenschaftler aus Lissabon und unter Beteiligung der Universität Bonn hat nun diesen fehlenden Schritt entschlüsselt.
Publikation: A protein trisulfide couples dissimilatory sulfate reduction to energy conservation, Fachjournal “Science”, DOI: 10.1126/science.aad3558

ADHS: Medikation hilft bei Erwachsenen besser als Gruppentherapie

Von der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene betroffen. Ob ein medikamentöser oder ein psychotherapeutischer Behandlungsansatz erfolgreicher ist, war bislang unklar. Forscher des Universitätsklinikums Freiburg zeigen jetzt in der weltweit größten Studie, dass eine Medikation mit Methylphenidat einer ADHS-Gruppentherapie überlegen ist. Der Erfolg der medikamentösen Behandlung wurde durch eine zusätzliche Gruppentherapie nicht gesteigert.

PODCASTEMPFEHLUNG

http://www.sciencepie.org/episoden. Sciencepie nennt sich der Podcast, wird gemacht von Annika Brockschmidt und Dennis Schulz aus Heidelberg und ich möchte ihn einfach nochmal empfehlen. Also: Alle mal abonnieren!

WWWW vom 14.12.2015: Smog, Artenvielfalt und Stürme

UPDATE: In der zweiten Hälfte scheint der Ton ein Problem zu haben. Es liegt an der Aufnahme, Hindenburg hat Mist gebaut. Ich muss das wohl morgen nochmal aufnehmen. Sorry.

Deutsche Forscher untersuchen Smog in China

pekingsmog
Der Smog-Alarm in dieser Woche in Peking zeigt, wie brisant das Thema Luftverschmutzung in der chinesischen Hauptstadt ist. Welche Faktoren die Luftqualität in der Megametropole bestimmen, untersuchen Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) bereits seit zehn Jahren. In der Arbeitsgruppe Umweltmineralogie und Umweltsystemanalyse um Professor Stefan Norra befassen sich die Forscher unter anderem mit der Entwicklung der Feinstaubbelastung.
Details zum KIT-Zentrum Klima und Umwelt: http://www.klima-umwelt.kit.edu

Ist der Ruf erst ruiniert…

Im September kam heraus, dass Volkswagen bei der Messung des Schadstoffausstoßes seiner Autos manipuliert hat. Wie wirkt sich der Skandal auf das Vertrauen in Volkswagen und die Automobilbranche allgemein aus? Und gelingt es Volkswagen, den Schaden zu begrenzen? Diesen Fragen geht eine Studie des Zentrums für empirische Kommunikationsforschung (ZEK) an der DHBW Ravensburg nach. Mehr als 400 Personen machten bei der Umfrage mit.

Weitere Informationen:
http://www.dhbw-ravensburg.de

Neue Anlage recycled E-Auto-Batterien

An der Technischen Universität Braunschweig wurde gerade eine Demonstrationsanlage zum Recycling von Lithium-Ionen-Batterien eingeweiht. In dieser Anlage werden Batterien aus Elektroautos demontiert, entladen, so aufbereitet, dass mit der neuentwickelten und von namhaften Konsortialpartnern mehrfach zum Patent angemeldeten Verfahren Recyclingquoten von über 75 Prozent pro Batteriesystem ermöglicht werden.

Weniger Stürme ist auch nicht gut

Die Abnahme der Sturmaktivität in Europa, Russland, China und weiten Teilen der USA kann sich auf dortige Wetterextreme auswirken – Kälte im Winter, Hitze und Trockenheit im Sommer. Das zeigt eine neue Studie von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Die beobachteten Änderungen der Sturmaktivität stehen vermutlich im Zusammenhang mit anderen Änderungen in der atmosphärischen Dynamik, wie etwa dem Jetstream – einem Band starker Höhenwinde um die nördliche Hemisphäre.
Artikel: Lehmann, J., Coumou, D. (2015): The influence of mid-latitude storm tracks on hot, cold, dry and wet extremes. Nature Scientific Reports [DOI 10.1038/srep17491]

Artenvielfalt möglicherweise unterschätzt

Viele der bisherigen Studien zur globalen Artenvielfalt sind ungenau. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe, die unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und Beteiligung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung Halle – Jena – Leipzig (iDiv) eine Langzeitstudie zur Artenvielfalt in subtropischen chinesischen Wäldern durchgeführt hat. Die Studie zeigt, dass die globale Biodiversität möglicherweise um bis zu 50 Prozent unter- oder überschätzt wird, wenn ihre Erfassung wie bisher oft auf wenigen Gruppen von Arten basiert.
Direkt zur Studie: http://dx.doi.org/10.1038/ncomms10169
Publikation:
Schuldt, A., Wubet, T., Buscot, F., Staab, M., Assmann, T., Böhnke-Kammerlander, M., Both, S., Erfmeier, A., Klein, A.M., Ma, K.P., Pietsch, K., Schulze, S., Wirth, C., Zhang, J.Y., Zumstein, P. & Bruelheide, H. (2015): Multitrophic diversity in a biodiverse forest is highly nonlinear across spatial scales. – Nature Communications 6: 10169. DOI: 10.1038/ncomms10169.

Forschungsgruppe untersucht rhetorische Fragen

Die Universität Konstanz erhält eine neue Forschergruppe. Sie trägt den Titel „Questions at the Interfaces“ (dt. „Fragen an den Schnittstellen“) und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) von April 2016 bis März 2019 mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert. Der Forschungsverbund geht der Struktur von Fragen nach, vor allem sogenannten nicht-kanonischen Fragen wie rhetorischen Fragen oder Fragen, die an sich selbst gerichtet sind.