WWWW vom 27.6.2016: Lärchen in Sibirien und Tarnung im Bernstein

Sandkorn-Camouflage in Bernstein

insekten
Schon die Insektenlarven in der Kreidezeit waren gut in der Tarnung: Sie hüllten sich in Pflanzenstückchen, Sandkörner oder die Überbleibsel ihrer Beute, um etwa für Fressfeinde unsichtbar zu sein. Ein internationales Forscherteam hat nun unter Beteiligung der Universität Bonn solche in Bernstein verewigte „Tarnkappen“ untersucht. Die maßgeschneiderten „Kostüme“ lassen auch Rückschlüsse auf den damaligen Lebensraum zu.

Mooney-Bilder als Password-Reset

Ein Passwort zu vergessen, ist heute kein allzu großes Problem: Ein neues bekommt der Internetuser entweder per E-Mail zugeschickt oder er beantwortet eine Sicherheitsfrage korrekt und bekommt direkt ein Kennwort zugeteilt. Beide Verfahren haben allerdings Schwachstellen und diese können hacker ausnutzen. Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB)haben eine Alternative zu den beschriebenen Vorgehensweisen entwickelt. Sie nutzen dabei sogenannte Mooney-Bilder.

Publikation: Bo Wang, Fangyuan Xia, Michael S. Engel, Vincent Perrichot, Gongle Shi, Haichun Zhang, Jun Chen, Edmund A. Jarzembowski, Torsten Wappler, Jes Rust: Debris-carrying camouflage among diverse lineages of Cretaceous insects, Science Advances, DOI: 10.1126/sciadv.1501918

Insektizid Hauptverdächtiger beim Bienensterben

Als ein möglicher Auslöser des Bienensterbens stehen Neonikotinoide (hochwirksame Insektizide) in Verdacht. Einen bisher nicht bekannten, schädigenden Mechanismus von Neonikotinoiden haben jetzt Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz und der Goethe-Universität Frankfurt am Main entschlüsselt. Sie fanden heraus, dass Neonikotinoide in niedrigen, feldrelevanten Konzentrationen den im Futtersaft von Ammenbienen enthaltenen Acetylcholingehalt vermindern.
Wessler, I., Gärtner H.-A., Michel-Schmidt R., Brochhausen C., Schmitz L., Anspach L., Grünewald B., Kirkpatrick C.-J., Honeybees Produce Millimolar Concentrations of Non-neuronal Acetylcholine for Breeding: Possible Adverse Effects of Neonicotinoids. PLOSONE,
DOI: 10.1371/journal. pone.0156886
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0156886

Der Unterschied zwischen dem holländischen und dem nordischen Matjes

Mai, Juni und Juli sind Matjeszeit. Nur Heringe, die im Frühjahr gefangen und vorher noch nicht gelaicht haben, erreichen einen Fettgehalt von mindestens 12 Prozent im essbaren Teil und können so zu Matjes verarbeitet werden. Hauptfanggebiete für Matjes, die auf den deutschen Markt kommen, sind der Nordostatlantik und die westliche Ostsee. Ein „holländischer Matjes“ muss nicht vor den Niederlanden gefangen worden sein. Die Handelsbezeichnung weist nämlich nicht auf die Herkunft, sondern auf die Herstellungsweise hin.

Wenn es wärmer wird, freuen sich die Salmonellen

Wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen, nehmen auch Magen-Darm-Infektionen zu – ein Zusammenhang, der für Deutschland bislang nicht wissenschaftlich belegt war. Forscher aus dem Institut für Lebensmittequalität und -sicherheit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) untersuchten zusammen mit Wissenschaftlern aus der amtlichen Lebensmittelüberwachung das Auftreten verschiedener Erreger im Jahresverlauf in Abhängigkeit von der Temperatur und veröffentlichten ihre Ergebnisse jetzt im Fachmagazin Scientific Reports.
Die Originalpublikation

Association between the ambient temperature and the occurrence of human Salmonella and Campylobacter infections
Josef Yun, Matthias Greiner, Christiane Höller, Ute Messelhäusser, Albert Rampp, Günter Klein
Scientific Reports, DOI:10.1038/srep28442

Für sibirische Lärchen ist es noch zu kalt

Die Permafrostregionen in der Arktis gehören zu jenen Gebieten der Erde, die sich im Zuge des Klimawandels besonders schnell erwärmen. Dennoch beobachten Biologen derzeit nur ein minimales Anpassungsverhalten der Baumvegetation. Dort, wo gemessen an der Lufttemperatur längst Kiefern- und Fichtenwälder wachsen müssten, gedeihen noch immer sibirische Lärchen. Ein Paradox, dessen Ursache Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Potsdam und der Universität zu Köln gemeinsam mit weiteren Fachkollegen nun mithilfe Millionen Jahre alter Blütenpollen auf die Spur gekommen sind. Laut ihren in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlichten Ergebnissen gab in der Vergangenheit stets der Kältegrad einer Eiszeit den Ausschlag dafür, wie schnell sich im Anschluss die Vegetation an das Warmzeitenklima anpasste.

Wenn’s ums Ausprobieren geht, sind wir wie die Berberaffen

Solange wir jung sind, steht uns die Welt offen, wir probieren alles aus. Mit zunehmendem Alter werden wir jedoch wählerischer. Wir konzentrieren uns auf das, was wir erreicht haben und pflegen soziale Beziehungen zu den Menschen, die uns wirklich wichtig sind. Warum das so ist, wird vielfach diskutiert, die abnehmende Vitalität sowie das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit scheinen eine Rolle zu spielen. Um die beiden Gründe auseinanderzudividieren, hat Laura Almeling vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) Berberaffen beobachtet.
Laura Almeling, Kurt Hammerschmidt, Holger Sennhenn-Reulen, Alexandra M. Freund, Julia Fischer (2016): Motivational shifts in aging monkeys and the origins of social selectivity. Current Biology,http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(16)30460-2 DOI:http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2016.04.066

WWWW vom 20.6.2016: Ur-Alter Sauerstoff und Hormone gegen Depressionsn

Heiße Jupiter

Ein Astronomenteam aus Chile, Brasilien und Europa unter der Leitung von Roberto Saglia vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching und Luca Pasquini von der ESO hat mehrere Jahre damit verbracht, Hochpräzissionsmessungen von 88 Sternen in Messier 67 zu sammeln . Dieser offene Sternhaufen hat in etwas dasselbe Alter wie die Sonne und man geht davon aus, dass die Sonne in einer ähnlich dichten Umgebung entstanden ist.
„Search for giant planets in M67 III: excess of Hot Jupiters in dense open clusters” von A. Brucalassi et al.”

Bakterien an der ISS-Aussenwand

Anderthalb Jahre lang an der Außenwand der Internationalen Raumstation ISS in 400 Kilometern Höhe auszuhalten, ist eine echte Herausforderung. Ob ein Ur-Bakterium das überlebt, ist eine wissenschaftlich interessante Frage. Wissenschaftler haben den Mikroorganismus Methanosarcina soligelidi SMA-21 – ein Methan bildendes Archaeum – unter extremen Umweltbedingungen wie niedrigen Temperaturen, hohen Salzgehalten, Austrocknung und Strahlung getestet. Dieses Ur-Bakterium hat sich dabei als extrem widerstandfähig gegenüber den getesteten Bedingungen herausgestellt. Aufgrund seines speziellen Stoffwechsels und der hohen Resistenz gegenüber lebensfeindlichen Bedingungen gilt dieser Organismus als ein Modell für mögliches Leben auf dem Mars.

Asiatischer Staub ist anders

Der Staub über Zentralasien unterscheidet sich deutlich von dem über anderen Staubregionen wie zum Beispiel der Sahara. Darauf deuten Messungen der Akademie der Wissenschaften von Tadschikistan und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) hin, die seit März 2015 erfolgen und die ersten dieser Art in Tadschikistan sind.

Schilddrüsenhormone können bei Depressionen helfen

Schilddrüsenhormone bewirken Veränderungen des Stoffwechsels im Gehirn und gehen so mit einer positiven therapeutischen Wirkung bei bipolaren Depressionen einher. Eine von Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, geleiteten Studie liefert deutliche Belege für Auswirkungen der Gabe von Levothyroxin L-T4. Placebo-Präparate dagegen zeigten fast keine Wirkung.
Bauer, Berman , Samm, Plotkin, Adli, Pilhatsch, London, Hellemann, Whybrow, Schlagenhauf: Levothyroxine effects on depressive symptoms and limbic glucose metabolism in bipolar disorder: a randomized, placebo-controlled positron emission tomography study. In: Molecular Psychiatry. 2016 Feb; 21(2):229-36. doi: 10.1038/mp.2014.186. Epub 2015 Jan 20.

Contergan-Stoff kann bei Krebs wirken

Mitte des 20. Jahrhunderts verursachte Contergan schwere Missbildungen bei Kindern, deren Mütter das Beruhigungsmittel eingenommen hatten. Erst jetzt steht fest, wie es zu den verheerenden Auswirkungen kommen konnte: Forscherinnen und Forscherer der Technischen Universität München (TUM) haben den Wirkungsmechanismus des Medikaments auf molekularer Ebene identifiziert.

Saualter Sauerstoff

Ein Team von Astronomen entdeckte mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) leuchtenden Sauerstoff in einer fernen Galaxie, gerade einmal 700 Millionen Jahre nach dem Urknall. Dies ist die am weitesten entfernte Galaxie, in der Sauerstoff eindeutig nachgewiesen wurde. Das Gas wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die intensive Strahlung von jungen Riesensternen ionisiert. Die Galaxie scheint ein Beispiel für jene Art von Quellen zu sein, die in der frühen Phase des Universums für die erneute kosmische Ionisation verantwortlich sind.

WWWW vom 13.6.2016: Neue Stadt in Kambodscha, Deichbau und Klimawandel

Mit Laser neue alte Stadt entdeckt

Digital terrain model of Preah Khan of Kompong Svay — approximately 120 sq km stripped of trees and all other vegetation, showing topographic relief.
Digital terrain model of Preah Khan of Kompong Svay — approximately 120 sq km stripped of trees and all other vegetation, showing topographic relief.

Es sieht so aus als ob ich sozusagen heim ins einst weltgrösste Reich der Welt ziehen werde – und das war das Khmer-Empire im 12. Jahrhundert. Schon 2012 hatte man mit der so genannten LIDAR-Technik den Waldboden rund um Angkor Wat abgetastet und interessante Funde gemacht. Jetzt sind die Ergebnisse der 2015-Untersuchung da, und diese sind in der Tat spektakulär.

Klimawandel und weltweite wirtschaftliche Auswirkungen

Die Anfälligkeit des globalen Wirtschaftsnetzwerkes für Hitzestress hat sich im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt. Am Beispiel der Leistungsminderung von Arbeitskräften durch Extremtemperaturen zeigt die Analyse des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und der Columbia University erstmalig, wie die immer weiter gewachsene Vernetzung der globalen Lieferbeziehungen Produktionsverluste verstärken kann, weil diese Verluste sich leichter über Ländergrenzen hinweg fortpflanzen.
Artikel: Wenz, L., Levermann, A. (2016): Enhanced economic connectivity to foster heat stress-related losses. Science Advances [DOI: 10.1126/sciadv.1501026]
http://advances.sciencemag.org/content/2/6/e1501026

Atlas zeigt Lichtverschmutzung

Ein Atlas der „Lichtverschmutzung“ dokumentiert, wie künstliche Beleuchtung den Nachthimmel weltweit erhellt. Zusammengestellt hat den Atlas ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter Christopher Kyba vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ. Der „New World Atlas of Artificial Night Sky Brightness“ erschien am 10. Juni in der Fachzeitschrift Science Advances.
Originaltitel: “The new world atlas of artificial night sky brightness” in Science Advances; DOI: 10.1126/sciadv.1600377

Wir erriechen unsere Traumpartner

Dass die Schönheit allein im Auge des Betrachters liegt, ist heute hinlänglich widerlegt. Menschen suchen bei der Partnerwahl nicht nur die visuellen Reize – sie sind auch recht versiert, was die olfaktorische Kommunikation angeht. Dabei ist weniger entscheidend, welcher Designerduft dem Heer an Paarungswilligen unter die Nase gehalten wird, viel wichtiger ist bei der Partnerwahl der natürliche Duft von Mann und Frau. Und dieses „Parfum naturel“ ist quasi ein Spiegelbild unseres Genpools.

Wahlen und Fussball

Rechtzeitig zur Europameisterschaft ist jetzt eine Studie erschienen, die erstmals die Fußballbegeisterung der Deutschen mit ihrem Wahlverhalten in Beziehung setzt. Eine Forschergruppe der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Universität Konstanz kann nachweisen, dass das Wahlverhalten ursächlich mit dem Spielausgang des örtlichen Erstligaclubs zusammenhängt.

WWWW vom 16.6.2016: Nordseekrabben, Esssucht und Dentin

Echt jetzt: Wer Belohnung sucht, isst mehr

Es gibt einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Persönlichkeitseigenschaften und Übergewicht. Diese Erkenntnis liefert eine umfassende Übersicht über publizierte Studien, die von den Universitäten Bamberg und Bochum durchgeführt wurde. Die Schlussfolgerungen gehen aus einer Zusammenstellung von mehr als 70 fragebogenbasierten Studien aus der Zeitspanne von 1993 bis 2013 hervor.

Fuchsjagd mit den Augen und der Kamera

Jetzt können begeisterte BürgerwissenschaftlerInnen gezielt Aufgaben im Fuchsprojekt in Berlin übernehmen und relevante Hinweise auf das Leben der Stadtfüchse in Berlin geben. Auf der Bürgerwissenschaften-Karte können sie einen Berliner Bezirk und Ortsteil wählen, in welchem sie dann zum Beispiel auf die Suche nach Fuchsbauen und Fuchsspuren gehen. So können die BerlinerInnen dabei helfen, herauszufinden, wo die Stadtfüchse ihr Futter finden, ob sie lieber in ruhigen oder belebten Kiezen leben und wo sie ihre Baue anlegen.

Wie DNA repariert wird

Ein Forscherteam vom Fachbereich Biologie der TU Darmstadt hat ein Enzym identifiziert, das die DNA-Replikation von deren Reparatur trennt. Diese Entdeckung könnte bei der Behandlung von Tumoren eine große Rolle spielen.
Publikation:
Spies et al., Nek1 Regulates Rad54 to Orchestrate Homologous Recombination and Replication Fork Stability, Molecular Cell (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.molcel.2016.04.032

Unsere Zähne sind einfach super

Dentin gilt als einer der beständigsten biologischen Stoffe überhaupt. Wie Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin nun zeigen konnten, ist es in seiner Zusammensetzung langlebiger als jedes künstlich geschaffene Material. Der Grund dafür liegt in seinen winzigen Nanostrukturen und hier insbesondere im Wechselspiel der einzelnen Komponenten. Die präzise Interaktion zwischen Proteinfasern und mineralischen Nanopartikeln ist dafür verantwortlich, dass Dentin ausgesprochen hohem Druck standhalten kann, wie Messungen an der Synchrotronquelle BESSY II des Helmholtz-Zentrums Berlin gezeigt haben.
Jean-Baptiste Forien, Ivo Zizak, Claudia Fleck, Ansgar Petersen, Peter Fratzl, Emil Zolotoyabko and Paul Zaslansky. Water-Mediated Collagen and Mineral Nanoparticle Interactions Guide Functional Deformation of Human Tooth Dentin. Chemistry of Materials. 2016, 28 (10), pp 3416–3427. doi: 10.1021/acs.chemmater.6b00811.

Bakterien helfen Korallen beim Überleben

Eine bestimmte Gruppe von Bakterien kann gebleichten Korallen helfen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Christian Wild (Marine Ökologie, Universität Bremen) kürzlich am Roten Meer durchgeführt hat. Die aktuelle Publikation von Ulisse Cardini, Christian Wild und Kollegen zeigt an, dass bestimmte Bakterien, die Stickstoff fixieren, ihrer Wirtskoralle gerade während der Korallenbleiche entscheidend helfen können, eine Bleiche zu überleben. Diese Mikroorganismen sind offensichtlich in der Lage, die Koralle mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen, die durch den Abbruch der Symbiose mit den Mikroalgen fehlen.
Publikation:
Cardini et al. (2016) Microbial dinitrogen fixation in coral holobionts exposed to thermal stress and bleaching (im Druck bei Environmental Microbiology).

Bodentiere werden die Nordsee verlassen oder nach Norden wandern

Im Jahr 2099 wird es in der Nordsee deutlich weniger heimische Arten geben – dies prognostizieren Senckenberg-Wissenschaftler in einer kürzlich im Fachjournal „Estuarine, Coastal and Shelf Science“ erschienenen Studie. Durch die Erhöhung der Wassertemperatur und des Salzgehaltes werden laut den Modellierungen der Forscher über 60 Prozent der bodenlebenden heimischen Fauna ihren Lebensraum in der Nordsee verlieren. Etwa zwei Drittel der untersuchten Tiere zieht es nach Norden, ein Drittel südwärts.
Publikation
Michael Weinert, Moritz Mathis, Ingrid Kröncke, Hermann Neumann, Thomas Pohlmann, Henning Reiss, Modelling climate change effects on benthos: Distributional shifts in the North Sea from 2001 to 2099, Estuarine, Coastal and Shelf Science, Volume 175, 20 June 2016, Pages 157-168, ISSN 0272-7714, http://dx.doi.org/10.1016/j.ecss.2016.03.024. ( http://dx.doi.org/10.1016/j.ecss.2016.03.024. )

WWWW vom 30.5.2016: Motten, Pilze, Aerosole

Pilze als Medikamentenfundus

Der Pilz Aspergillus fumigatus bildet eine Gruppe bislang unbekannter Naturstoffe, die in Anlehnung an pflanzliche Isochinolin-Alkaloide als Fumisoquine bezeichnet werden. Forscher aus Jena kamen den neuen Substanzen gemeinsam mit US-Kollegen auf die Spur, als sie das Genom des Pilzes näher unter die Lupe nahmen. Die Substanzfamilie der Isochinolin-Alkaloide enthält viele pharmakologisch aktive Moleküle.

Motten können mit dem Rüssel riechen

Mit Riechzellen auf der Spitze des Saugrüssels erkennen die Motten am Duft, ob sich der Blütenbesuch lohnt: Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena zeigen, dass Tabakschwärmer den Duft beim direkten Blütenkontakt mit ihrem Saugrüssel wahrnehmen, auf dem jetzt die dafür erforderlichen Riechzellen nachgewiesen wurden.
Originalveröffentlichung:
Haverkamp, A., Yon, F., Keesey, I. W., Mißbach, C., Koenig, C., Hansson, B. S., Baldwin, I. T., Knaden, M., Kessler, D. (2016). Hawkmoths evaluate scenting flowers with the tip of their proboscis. eLife. DOI: 10.7554/eLife.15039
http://dx.doi.org/10.7554/eLife.15039

Zellkulturen statt Blut ungeborener Kälber

In Zusammenarbeit mit RWTH-Biologen entwickelt ein Jungunternehmen ein alternatives Zellmedium für regenerative Therapien. Statt Blut ungeborener Kälber werden humane Stammzellen aus Blutbanken genutzt.
Im Labormaßstab hielt sich der Aufwand in Grenzen, das Ergebnis war umso besser. Das neue Medium, ein Lysat aus menschlichen Blutplättchen, führte zu mehr als doppelt so gutem Zellwachstum.

Aerosolpartikel bilden mehr Wolken als gedacht

Die durch den Menschen verursachten Aerosolpartikel wirken der Erwärmung der Erdatmosphäre durch Treibhausgase entgegen. Doch ist dieser Effekt vielleicht kleiner als gedacht, da auch schon in vorindustrieller Zeit durch die Ausdünstungen von Bäumen viele Partikel entstanden.
Publikationen:
Kirkby, J. et al.: Ion-induced nucleation of pure biogenic particles, in: Nature, doi:10.1038/nature17953

Tröstl, J. et al:The role of low-volatility organic compounds in initial particle growth in the atmosphere, in: Nature, doi:10.1038/nature18271.

Bianchi, F. et al. :New particle formation in the free troposphere: A question of
chemistry and timing, in: Science, doi 10.1126/science.aad5456, 2016

Wenigstens Flüchtlingen wollen die meisten Deutschen noch ein Obdach geben

Der Großteil der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland stimmt den geltenden Asylregeln zu. Das zeigt eine Befragung im Rahmen des im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) angesiedelten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Demnach finden es mehr als 80 Prozent der Befragten richtig, Menschen Zuflucht zu gewähren, die vor einem bewaffneten Konflikt aus ihrem Heimatland fliehen. Zwei Drittel der Befragten sprachen sich auch für die Aufnahme von Flüchtlingen aus, die unter dem Schutz der Genfer Konvention stehen.

WWWW vom 23.5.2016:

Korallen brauchen Wohlfühlzone

korallen
Beobachtungsdaten zeigen, dass Kaltwasserkorallen vor Europas Küsten in einer bestimmten Dichteschicht des Meerwassers gedeihen. Jetzt haben Paläoozeanographen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel nachgewiesen, dass die Organismen auch in den vergangenen 2,5 Millionen Jahren genau diese Wohlfühlzone benötigten.
Originalarbeit:
Rüggeberg, A., S. Flögel, W.-C. Dullo, J. Raddatz, V. Liebetrau (2016): Paleoseawater density reconstruction and its implications for cold-water coral carbonate mounds in the northeast Atlantic through time. Paleoceanography, 31(3), 365–379, http://dx.doi.org/10.1002/2015PA002859

Neuer Stahl ist fest und biegsam

Für die Stahlindustrie zeichnet sich womöglich ein Ausweg aus einem Dilemma ab, das schon solange besteht wie Menschen Metall verarbeiten. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung in Düsseldorf präsentieren einen neuartigen metallischen Werkstoff, der gleichzeitig sehr fest und trotzdem gut formbar ist. Bislang ließ sich die eine Materialeigenschaft nur auf Kosten der anderen verbessern. Das ändern die Düsseldorfer Forscher, indem sie einen neuen Weg bei der Entwicklung von metallischen Werkstoffen gehen. So tragen sie dazu bei, dass sich Bauteile aus Metall künftig dünnwandiger konstruieren und dadurch Ressourcen schonen lassen.

Studie: Länger krankgeschrieben als Physiotherapie bekommen

Nach einer Schulteroperation waren Patientinnen und Patienten in Bremen im Durchschnitt 82 Tage krankgeschrieben. Erstaunlicherweise lag die Physiotherapie im Anschluss bei nur durchschnittlich 64 Tagen. Dies zeigt eine Studie zu Gelenkspiegelungen an der Schulter, die das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS, das Kreiskrankenhaus Osterholz, die Universitätsmedizin Göttingen und die AOK Bremen / Bremerhaven gemeinsam durchführten.
Publikation:
von Knoch M, Enders D, Schlothauer N, Klinger HM, Pigeot I. Duration of sick leave after inpatient shoulder arthroscopy in Germany – Analysis of health care data. Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery. 2016.

Alien-Schrecke in Bernstein entdeckt

Ein bisschen Heuschrecke, ein bisschen Käfer, etwas Ohrwurm, und einiges von der Gottesanbeterin: Zuerst dachte Dr. Benjamin Wipfler, dass er es bei dem kleinen Fossil mit einem winzigen Wolpertinger zu tun hat – jenem legendären Mischwesen, das aus verschiedenen Tieren zusammengesetzt ist. Nach genauerer Untersuchung steht jedoch nun fest: Biologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben gemeinsam mit chinesischen Kollegen eine neue Insektenordnung entdeckt, und mit ihr das lang gesuchte Verbindungsstück zwischen Schaben und Gottesanbeterinnen.
Original-Publikation:
Bai, M., et al., †Alienoptera — A new insect order in the roach–mantodean twilight zone, Gondwana Research (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.gr.2016.02.002

Waldzustand verbessert sich, aber Stickstoff ist ein Problem

Wie ist der Zustand unserer Waldböden, wie hat er sich in den letzten 20 Jahren verändert und in welchen Zusammenhang steht er mit dem Kronenzustand oder der Waldernährung? Hat die Diskussion um den „Sauren Regen“ und das „Waldsterben“ etwas bewirkt? Antworten darauf gibt die bundesweite Bodenzustandserhebung im Wald.
Die Ergebnisse der jetzigen Bodenzustandserhebung im Wald sind in einem fast 700-seitigen Bericht sowie zahlreiche Kartendarstellungen zusammengefasst. Der Berichtsentwurf steht auf der Webseite des Thünen-Instituts zum Download bereit (http://www.thuenen.de/de/wo/arbeitsbereiche/waldmonitoring/bodenzustandserhebung/.

Neues Modell um Pestizid-Folgen zu bestimmen

Bei der Bewertung von Pestiziden liefert ein einfaches Modell sicherere Ergebnisse als das aktuell von der EU angewandte. Das belegt eine aktuelle Studie des Instituts für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau und der ETH Zürich. Mit der Studie wollen die Wissenschaftler auch Denkanstöße und konkrete Handlungsoptionen für eine Revision der bisherigen Risikobewertung von Pestiziden in der EU geben.
Knäbel A, Scheringer M, Stehle S, Schulz R. 2016. Aquatic exposure predictions of insecticide field concentrations using a multimedia mass-balance model. Environmental Science & Technology 50: 3721-3728. Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift Environmental Science & Technology veröffentlicht und ist unter folgendem Link abrufbar:http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.est.5b05721

Wie geht es weiter in Kambodscha?

Wer sich für die politische Lage in Kambodscha interessiert, dem sei dieses Interview mit David Chandler ans Herz gelegt. Es ist zwar bei Voice of America erschienen, aber Chandler gilt aus ausgemachter Experte wenn es um Kambodscha geht.

WWWW vom 16.5.2016: Männerschmerzen und Geisterhände

Patienten verstehen Infos nicht

Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich von der Informationsflut zu Gesundheitsthemen überfordert. Das zeigt eine repräsentative Studie der Universität Bielefeld. Demnach weisen rund 44 Prozent der Deutschen eine eingeschränkte und weitere zehn Prozent sogar eine unzureichende Gesundheitskompetenz auf.

Wie Grünalgen CO2 besser binden

Grünalgen betreiben Photosynthese, genau wie Pflanzen.Algen haben diesen Prozess allerdings verbessert. Mit Hilfe von speziellen Mikrostrukturen, den Pyrenoiden, sind sie in der Lage die Effizienz zu steigern. Wie genau das funktioniert, interessierte ein internationales Wissenschaftsteam, dem Forscher rund um Prof. Mark Stitt vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm angehören.

Originalveröffentlichung
Luke C. M. Mackinder, Moritz T. Meyer, Tabea Mettler-Altmann, Vivian Chen, Madeline C. Mitchell, Oliver Caspari, Elizabeth S. Freeman Rosenzweig, Leif Pallesen, Gregory Reeves, Alan Itakura, Robyn Roth, Frederik Sommer, Stefan Geimer, Timo Mühlhaus, Michael Schroda, Ursula Goodenough, Mark Stitt, Howard Griffiths, Martin C. Jonikas
A repeat protein links Rubisco to form the eukaryotic carbon concentrating organelle
PNAS, 9. Mai 2016, doi: 10.1073/pnas.1522866113

Männer schauen beim Schmerzempfinden auf Frauen

Erwartungen haben große Macht über den Menschen. Das zeigt sich sehr schön am Placebo-Effekt: Einem Patienten werden Pillen verabreicht, die gar keinen Wirkstoff enthalten. Der Patient weiß das aber nicht. Er glaubt fest daran, dass er ein wirksames Medikament bekommt – daraufhin bessert sich seine Krankheit tatsächlich. Verantwortlich dafür war allein seine Erwartungshaltung. Ein Ergebnis einer neuen Studie: Wenn man Männern zu verstehen gibt, dass sie empfindlicher beziehungsweise unempfindlicher als Frauen seien, dann verändert sich ihr Schmerzempfinden.
Schwarz, K. A., Pfister, R., & Büchel, C. (in press). Rethinking explicit expectations: Connecting placebos, social cognition, and contextual perception. Trends in Cognitive Sciences. doi: 10.1016/j.tics.2016.04.001

Mehr Wissen hilft Brustkrebspatientinnen

Eine gute Aufklärung über ihre Erkrankung kann die Lebensqualität von Brustkrebs-Patientinnen deutlich steigern. Auf diesen Zusammenhang weisen Wissenschaftler der Universitäten Köln und Bonn sowie der Deutschen Krebsgesellschaft in einer aktuellen Studie hin. Als erste Konsequenz haben die Forscher eine Art Checkliste erarbeitet. Damit können Betroffene beim Arztgespräch sicherstellen, alle für sie wichtigen Aspekte angesprochen zu haben.
Publikation: S.M. Halbach, A. Enders, C. Kowalski, T.K. Pförtner, H. Pfaff, S. Wesselmann, N. Ernstmann: Health literacy and fear of cancer progression in elderly women newly diagnosed with breast cancer – A longitudinal analysis. Patient Education and Counseling (2016) May; 99(5):855-62. DOI: 10.1016/j.pec.2015.12.012

Photonenstau als Informationsträger

Jeder, der schon mal auf der Autobahn im Stau stand, kennt das Phänomen der Clusterbildung. Wenn nur genügend Autos unterwegs sind, und diese mit statistisch zufällig verteilten Geschwindigkeiten fahren, dann ist es wahrscheinlicher, dass sich Gruppen von Autos bilden, die sich gegenseitig ausbremsen. Damit die Autos genügend weit voneinander entfernt und gleichzeitig mit hoher Geschwindigkeit fahren, müssten sie aufeinander reagieren oder, wie Physiker sagen, in Wechselwirkung treten. Nicht unähnlich könnte es in Zukunft den Photonen (Teilchen, aus denen Lichtstrahlen bestehen) auf den Datenautobahnen des Internets ergehen. Anders als bei einem Stau ist das aber eine gute Sache.

Handy ist Bestandteil unseres Körpers

Der “Gummihand-Effekt” ist eine in der Psychologie bekannte Illusion. Dabei fühlt sich eine Hand aus Gummi für die Versuchspersonen so an, als gehöre sie zum eigenen Körper. Psychologen aus Münster, Leiden (Niederlande) und Regensburg zeigten nun erstmals, dass Menschen im psychologischen Experiment auch ihre eigenen Smartphones in ihr körperliches Ich integrierten. Das Ausmaß des Smartphone-Gebrauchs scheint eine wichtige Rolle zu spielen.

Und hier noch das Rubberhand-Video
https://www.youtube.com/watch?v=TCQbygjG0RU “Rubber hand illusion” (erklärendes YouTube-Video von “New Scientist”)

WWWW vom 9.5.2016: Diebische Schwebfliegen und angepasste Venus-Fliegenfalle

Ungesundes Gemüse in Thailand

Das Thai Pan Network hat Gemüse und Obst von Märkten und Supermärkten in Thailand untersucht und die Ergebnisse sind schockierend. Selbst bei organischen und Q-zertifizierten Gemüse waren die Grenzwerte teilweise über die Hälfte überschritten.
Anbei eine Grafik, zwar in Thai, aber die Symbole sollten verständlich genug sein.
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Dazu passt auch diese Meldung über Gesundheitsrisken von Bauern in Thailand.

Wie sich das Fischauge regeneriert

Anders als beim menschlichen Auge ist der Fisch in der Lage, Verletzungen der Netzhaut auf zellulärer Ebene zu regenerieren. Wie diese Regenerationsreaktion ausgelöst wird, haben jetzt Wissenschaftler am Centre for Organismal Studies (COS) der Universität Heidelberg mit Untersuchungen am Modellorganismus des Medaka-Fisches entschlüsselt. Danach löst überraschenderweise nur ein einziger genetischer Faktor zwei zentrale Schritte im Prozess der Regeneration aus – die Zellteilung und die Ausdifferenzierung von Vorläuferzellen in die verschiedenen retinalen Zelltypen.

Wifi-Satellit

Ein Satellit, dessen Einzelteile nicht über Elektrokabel verbunden sind, sondern über miniaturisierte Funkmodule: Mit dieser Innovation gewinnen zwei Informatiker der Universität Würzburg den Wettbewerb INNOspace Masters.

Wie schnell und stark sind Malaria-Erreger

Malaria-Erreger sind schnell. Die aus einer einzigen Zelle bestehenden Parasiten bewegen sich rund zehnmal schneller durch das Gewebe unter der Haut als unsere körpereigene Abwehr, die Fresszellen des Immunsystems. Wissenschaftler um Professor Dr. Friedrich Frischknecht, Arbeitsgruppenleiter im Zentrum für Infektionskrankheiten des Universitätsklinikums Heidelberg, haben eine Laser-Radarfalle für die winzigen Lebewesen entworfen und erstmals deren Geschwindigkeit und Kraftentwicklung gemessen.
Coupling of Retrograde Flow to Force Production During Malaria Parasite Migration.
Quadt KA, Streichfuss M, Moreau CA, Spatz JP, Frischknecht F.
ACS Nano. 2016; 10(2):2091-2102.
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acsnano.5b06417

Wie Bakterien das Genom verändern können

Die meisten Bakterien, mit denen wir in der Natur in Kontakt kommen, sind für uns völlig harmlos. Doch ein paar zusätzliche Gene können ansonsten friedliche Mikroben in gefährliche Krankheitserreger verwandeln. Die Nachwuchsforscherin Natalie Jahn aus der Arbeitsgruppe Bakteriengenetik der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersucht, wie Bakterienzellen dafür sorgen, dass solche von außen aufgenommenen Gene stabil von Generation zu Generation weitervererbt werden. In ihrer gerade abgeschlossenen Doktorarbeit hat die 28-Jährige Toxin/Antitoxin-Systeme in Bacillus subtilis detailliert charakterisiert und liefert damit die Grundlagen für neue Wege zur Behandlung bakterieller Infektionen.
Jahn, Natalie; Brantl, Sabine; Strahl, Henrik. Against the mainstream: the membrane-associated type I toxin BsrG from Bacillus subtilis interferes with cell envelope biosynthesis without increasing membrane permeability (2015) MOLECULAR MICROBIOLOGY, Volume: 98, Issue: 4, Pages: 651-666

Schwebfliegen schmarotzen am Sonnentau

Ein Team aus deutschen, brasilianischen und spanischen Botanikern und Entomologen entdeckte Fliegenlarven, die in einem der wohl gefährlichsten Lebensräume für Insekten leben: auf den stark klebrigen Blättern von fleischfressenden Sonnentau-Pflanzen.
Fleischmann, A., Rivadavia, F., Gonella, P.M., Pérez-Bañón, C., Mengual, X. & Rojo, S. (2016). Where is my food? Brazilian flower fly steals prey from carnivorous sundews in a newly discovered plant-animal interaction. PLOS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0153900

Venus-Fliegenfalle kann Insekten schmecken

Die fleischfressende Venusfliegenfalle ist eine erstaunliche Pflanze: Sie erkennt ihre Beute am Geschmack. In ihren Zellen gibt es ähnliche Strukturen wie im Darm des Menschen. Und sie hat im Lauf der Evolution den Spieß umgedreht, ist vom Opfer zum Angreifer geworden.
“Venus flytrap carnivorous life style builds on herbivore defense strategies“, Felix Bemm, Dirk Becker, Christina Larisch, Ines Kreuzer, Maria Escalante-Perez, Waltraud X. Schulze, Markus Ankenbrand, Anna-Lena Keller Van der Weyer, Elzbieta Krol, Khaled A. Al-Rasheid, Axel Mithöfer, Andreas P. Weber, Jörg Schultz, Rainer Hedrich. Genome Research, DOI 10.1101/gr.202200.115

WWWW vom 2.5.2016: Geister und Glauben in Thailand

Man hat mich gefragt ob ich bei den Gänsehautwochen mitmachen möchte, bei denen es um Geister und Hexen uns so geht. Weil vor allem Geister in Thailand (und Asien überhaupt) eine große Rolle spielen, dachte ich, eine Sonderfolge wäre da vielleicht angebracht.

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Man denkt bei Thailand immer an Buddhismus und Mönche in orange-farbenen Roben. Tatsächlich sind die Thais so buddhistisch wie die meisten in Deutschland christlich sind. Die reine Lehre hat nur wenig mit dem zu tun, was praktiziert wird. Gerade in den Städten nehmen buddhistische Rituale immer mehr ab. In den Tempel geht man nur noch zu besonderen Feiertagen und den Mönchen wird nur am Sonntag Almosen gegeben – und dafür muss der Mönch sogar mit seinem Fahrer zu uns in den Compound kommen.
Was aber nicht heißen soll, das Thais nicht religiös sind. Sie sind das sogar sehr (und ich schließe hier immer Laos und Kambodscha mit ein, zu einem gewissen Maß auch Vietnam). Nur hat die praktizierte Religion eben wenig mit den achtfachen Pfad des Buddha zu tun. Was hier praktiziert wird, ist Geisterglaube und Animismus.
Das Bild hier zeigt einen heiligen Baum, dessen Geistern Kleider geopfert werden.
Geister gibt es auch als Erdgeister (denen man Geisterhäuser baut, wenn man auf ihrem Land ein Haus errichtet), oder als Geister die an einem Ort leben, an dem ein Unfall war. An Straßen sieht man oft Zebrafiguren, die die Verkehrsteilnehmer schützen sollen. Es gibt gute und böse Geister, und wenn man Leute hier in Asien erschrecken will, dann ruft man laut “Phi” (Geist). Die Tattoos die man oft sieht und die von Mönchen gestochen werden, sind nicht anderes als Formeln, die vor Geistern schützen wollen. Auch die Amulette, die die meisten Thais um den Hals tragen, haben eine Schutzfunktionen gegen böse Geister und Unglück.
Wenn in westlichen Ländern noch ein Pfarrer mehr pro forma bei einer Schiffstaufe dabei ist, fahren die Menschen hier gleich eine ganze Tempelbesatzung auf. In Laos wird keiner auf Reisen gehen, ohne eine Baci-Zeremonie gemacht zu haben.
Warum Geister, die es ja offenbar schon seit Jahrhunderten gibt, unbedingt darauf bestehen, dass man ihnen pinke und grüne Fanta opfert, hat sich mir nicht erschlossen, aber vielleicht bin ich einfach zu rational.
Übrigens muss es nicht immer ein Buddha sein: Vor allem wenn man gerne Geld haben möchte, stellt man sich eher eine Ganesha-Figur ins Haus. Oder am besten Beides. Kann ja nicht schaden.

Hier noch ein paar Links wer mehr wissen will:
Die Geschichte der Mae Nak Phra Khanong

Die Satsana Phi in Laos

Ghosts in Thailand

WWWW vom 25.5.2016: Korallen, Legionellen und alte Sterne

Warum Wasser bei -37 Grad friert

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Der Gefrierpunkt von Wasser ist alles andere als eine eindeutige Sache. Kleine Tröpfchen aus reinstem Wasser etwa erstarren erst bei minus 37 Grad Celsius zu Eis. Damit sich knapp unter Null Grad Celsius bereits Eiskristalle bilden, sind Kristallisationskeime wie etwa Bakterien nötig, die auf ihrer Oberfläche eisbildende Proteine aufweisen. Den molekularen Mechanismus, über den die Proteine Wassermoleküle erstarren lassen, haben nun Forscher der Max-Planck-Institute für Chemie und für Polymerforschung aufgeklärt.

Wenn auch die Superkorallen aufgeben müssen

Ein düsteres Bild für die Zukunft tropischer Korallenriffe zeichnen Experten in einer neuen Studie. Die bei weitem die häufigste und artenreichste Korallengattung, die Geweihkoralle „Acropora“, könnte den Kampf gegen den von Menschen gemachten Klimawandel womöglich verlieren und so das Sterben der unterseeischen Biotope einleiten.

Legionellen schicken Vorhut in die Zelle

Der Erreger der Legionärskrankheit vermehrt sich besonders gut in den Fresszellen des menschlichen Immunsystems, wenn er Transportbläschen als Vorhut eingesetzt hat, die krankmachende Stoffe enthalten. Die stäbchenförmigen Erreger tricksen die körpereigene Abwehr aus, indem sie sich in Zellen des Immunsystems verstecken, den Makrophagen.
Originalveröffentlichung: Anna Lena Jung & al.: Legionella pneumophila-derived outer membrane vesicles promote bacterial replication in macrophages,
PLoS Pathogens 22. 4. 2016

Die Glukose macht das Bier

An der Fachrichtung Chemie und Lebensmittelchemie der TU Dresden wird seit mehreren Jahren zum Thema „Bier“ geforscht. In aktuellen Forschungsarbeiten konnte das Team um Prof. Thomas Henle zeigen, dass sich verschiedene Biersorten deutlich im Gehalt sogenannter „Dicarbonylverbindungen“ unterscheiden. Diese Verbindungen entstehen beim Erhitzen aus der Glucose, die ihrerseits aus der Stärke des Malzes freigesetzt wird. Die Lager- und Aromastabilität des fertigen Biers wird maßgeblich durch diese Zuckerabbauprodukte beeinflusst.

Patienten sollten ihre medizinischen Daten einsehen können

Wenn Patienten vollen Zugriff auf ihre medizinischen Befunde und die Notizen des Arztes zu ihrer Erkrankung erhalten, verbessert dies die Arzt-Patienten-Beziehung erheblich. Dies hat eine Gruppe von Forschern der Universität Witten/Herdecke (UW/H) und der Harvard University (Boston, USA) herausgefunden. Zudem stärkt die erhöhte Transparenz in der Behandlung die Mitarbeit und das Selbstmanagement der Patienten, verbessert das Verständnis der medizinischen Probleme und unterstützt die Selbstfürsorge.

Seniorensterne gehen andere Wege in der Milchstraße

Ein internationales Team von Astrophysikern unter Leitung von Dr. Andrea Kunder, Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP), hat entdeckt, dass der zentrale Bereich der Milchstraße eine sehr alte Generation von Sternen beheimatet, welche völlig andere Bewegungsmuster zeigen als die übrigen, jüngeren Sterne. Diese so genannten RR Lyrae Sterne sind über 10 Milliarden Jahre alt. Ihre abweichenden Umlaufbahnen belegen, dass sie einen anderen und älteren Ursprung haben müssen als die übrigen Sterne im Kern.
Wissenschaftliche Publikation: Andrea Kunder et al.: Before the Bar: Kinematic Detection of A Spheroidal Metal-Poor Bulge Component, The Astrophysical Journal Letters, Volume 821, Number 2.

DiscLab kann Malaria schnell testen

Der Welt-Malaria-Tag am 25. April 2016 ruft eine weitverbreitete Krankheit in Erinnerung, die angesichts globaler Bedrohungen wie dem Ebola- oder dem Zika-Fieber häufig in Vergessenheit gerät. Die Diagnose von Malaria ist schwierig, da Fieber das vorwiegende Symptom zahlreicher tropischer Infektionen darstellt. Mit der CD-förmigen Plattform „LabDisk“ lässt sich nun eine einzige Blutprobe innerhalb von 60 bis 90 Minuten mithilfe bestimmter biochemischer Komponenten auf mehrere Erreger gleichzeitig testen.