Category Archives: Science & Medicine

WWWW vom 26.5.2014: SONDERSENDUNG ZUR LAGE IN BANGKOK

Selfie von den Anti-Coup-Protesten in Bangkok
Selfie von den Anti-Coup-Protesten in Bangkok
Meine Hörerin Sandra hatte die gute Idee, ich solle doch mal im Podcast erzählen was hier gerade so los ist in Bangkok. Wir haben ja nach dem Putsch jetzt eine Militär-Junta, die das Land regiert, aber viele können sich vielleicht nicht vorstellen, was das für das tägliche Leben bedeutet. Um so viel vorwegzunehmen: Wenig. Im Alltag merkt man so gut wie nichts vom Putsch, von der Ausgangssperre mal abgesehen, die aber auch nicht sehr rigide kontrolliert wird.

Die Lage ist derzeit sicher, es gibt kleine Demonstrationen und ich bin gestern zu zweien dieser Demonstrationen gegangen, um mal mit eigenen Augen zu sehen, wie die Ausmaße sind und wie die Stimmung ist (und um natürlich Aufnahmen für den Podcast zu machen).

Wer derzeit plant nach Thailand zu kommen sollte das auch tun: Abgesehen von der Ausgangssperre (von der wir hoffen dass sie bald aufgehoben wird) gibt es keine Einschränkungen für Touristen. In der Stadt sieht man selten Soldaten, eigentlich nur, wenn es eine Demo gibt, und von solchen Versammlungen sollten sich Touristen ohnehin feenhaften. Natürlich sieht man in Medienberichten vor allem die Demos und die Soldaten, aber so sieht es mitnichten in der ganzen Stadt aus. Es ist die absolute Ausnahme. Aber eine normale Straße gibt natürlich kein gutes Bild für eine News.

An den Stränden, also Phuket, Pattaya, Koh Samui etc. ist wie immer heile Welt.

Wer Fragen hat zur Lage in Thailand, kann hier einen Kommentar schreiben, mich an-twittern auf @wanhoffswissen oder eine mail schreiben an wanhoffs.wissenschaft@gmail.com

So, und hier ein paar Bilder von gestern:

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Anti-Coup protests in Bangkok #thaicoup

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Anti-Coup protests in Bangkok #thaicoup

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WWWW vom 25.11.2012: Klimawandel und Diamanten

Schlacht mit nachgebauten Geschützen

Probeschüsse mit dem Geschütz Cremona, nachgebaut von Studierenden der Universität Osnabrück. Foto: Universität Osnabrück/Günther Moosbauer
Probeschüsse mit dem Geschütz Cremona, nachgebaut von Studierenden der Universität Osnabrück. Foto: Universität Osnabrück/Günther Moosbauer

Römer und Germanen – am Harzhorn sind sie aufeinandergetroffen. Am heutigen Freitag (23. November) wurde eine historische Schlacht in der Nähe von Kalefeld (Landkreis Northeim) nachempfunden. Sechs Torsionsgeschütze, deren historische Vorbilder in der Zeit von 200 v. Chr. bis 400 n. Chr. auf den Schlachtfeldern eingesetzt wurden, feuerten ihre Salven in 100 Meter entfernte Ziele. Die Feldgeschütze wurden von Studierenden der Universitäten Trier, Osnabrück und der Helmut Schmidt Universität Hamburg rekonstruiert. Gleichzeitig baute das Gymnasium Ising (Bayern) ein historisches Geschütz. Dafür wurden Originalfunde aus Spanien und Italien analysiert, Stücke aus Rumänien sogar neu vermessen.

Studie: Wenn Diabetes nicht erkannt wird, haben Frauen höheres Sterberisiko bei Infarkt

Beim europäischen Diabeteskongress (EASD: European Association for the Study of Diabetes) in Berlin wurden kürzlich Daten des Myokardinfarkt (MI)-Registers SWEETHEART (Risk Management of Diabetics with Acute Mycardial Infarction) zum 3-Jahres-Follow-up präsentiert. Im Vergleich zu Männern nach einem akuten STEMI (ST-Elevated Myocardial Infarction) oder NSTEMI (Non-ST-Elevated Myocardial Infarction), der nicht länger als 24 Stunden zurückliegt, haben Frauen, bei denen zusätzlich Diabetes festgestellt wird, eine schlechtere Prognose. Weibliche Patienten mit neu diagnostiziertem Diabetes nach MI versterben häufiger als männliche Patienten.

Coronavirus-Patient konnte Klinik wieder verlassen

Das Robert Koch-Institut wurde am 22.11.2012 im Rahmen der internationalen Gesundheitsvorschriften informiert, dass ein weiterer Erkrankungsfall mit dem neuartigen Coronavirus (hCoV-EMC) bei einem Patienten aus Katar bestätigt worden ist. Der Patient wurde nach Symptombeginn im Oktober zunächst in Katar im Krankenhaus behandelt, dann aber aufgrund seiner schweren Atemwegssymptomatik in eine Speziallungenklinik nach Deutschland verlegt. Nach der dort erfolgten intensivmedizinischen Behandlung hat sich sein Zustand deutlich gebessert, so dass er diese Woche aus der Klinik entlassen werden konnte.
Allgemeine Informationen zu dem neuartigen Coronavirus sind auf den Internetseiten des RKI abrufbar unter http://www.rki.de

Artensterben und Migration durch Klimawandel

Der Klimawandel hat umfangreiche Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt in ganz Europa. Zu diesem Ergebnis kommt eine jetzt veröffentlichte Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA), die mit potenziellen Schäden in beträchtlicher Höhe rechnet und daher Mitgliedstaaten aufruft, mehr für die Anpassung zu tun.
Mit drastischen Auswirkungen rechnen die Forscher auch für die Artenvielfalt. Ein Fünftel der Lebensräume und jede zehnte europäische Art sind durch den Klimawandel bedroht.

Publikation:
European Environment Agency: Climate change, impacts and vulnerability in Europe 2012. ISBN 978-92-9213-346-7
doi:10.2800/66071
Der Gesamtbericht ist nur in englischer Sprache verfügbar und findet sich online unter
http://www.eea.europa.eu/publications/climate-impacts-and-vulnerability-2012

Wie wir den Führer herausfinden

Eine neue Studie, die in dem Journal Neuron veröffentlicht wurde, deckt auf, wie das Gehirn Informationen darüber abspeichert, wer in einer Gruppe das ‚Sagen‘ hat. Die Studie, die gemeinsam von Wissenschaftlern des Instituts für Kognitive Neurologie und Demenzforschung der Universität Magdeburg (IKND), des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE, Standort Magdeburg) und der University College London (UCL) durchgeführt wurde, zeigt, dass Menschen zum Lernen von sozialen Rangfolgen einen bestimmten Teil des Gehirns brauchen. Die Größe dieses Gehirnareals sagt voraus, wie gut jemand soziale Rangfolgen lernen und einschätzen kann.
Publikation unter
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0896627312008896


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WWWW vom 5.11.2011: Grasnadeln und Kakaowanzen

Schädlinge können Nützlinge sein

Saugt den Pflanzensaft aus der Kakaofrucht und beschädigt dabei deren Oberfläche: die auffällige, leuchtend-orange Kakao-Wanze (Helopeltis sulawesi). Foto: Universität Göttingen
Saugt den Pflanzensaft aus der Kakaofrucht und beschädigt dabei deren Oberfläche: die auffällige, leuchtend-orange Kakao-Wanze (Helopeltis sulawesi). Foto: Universität Göttingen

Schädlinge an Kulturpflanzen können sich bei näherer Betrachtung durchaus auch als wichtige Nützlinge erweisen. Das haben umfangreiche Studien von Agrarökologen der Universität Göttingen auf indonesischen Kakaoplantagen gezeigt. In sogenannten Agroforstsystemen auf Sulawesi untersuchten die Forscher sämtliche Schädlinge auf ihre relative Bedeutung und Wechselwirkungen untereinander hin. Dabei fanden sie heraus, dass die gefürchtete Kakao-Wanze, die an Kakao-Früchten saugt und dadurch Schäden verursacht, in der Gesamtbilanz einen positiven Effekt hat: Sie verringert nämlich den Befall eines anderen Schädlings, der für den Ernteertrag viel wichtiger ist.

Buch über Hörtests bei Neugeboreren

In Deutschland werden Hörschäden bei Neugeborenen mit einem verbindlichen Hörtest nachgewiesen. Wie hat sich dieses Screening bewährt und welche Therapien gibt es? Die LMU-Forscherin Annette Leonhardt zieht in „Frühes Hören“ umfassend Bilanz.

Publikation:
Frühes Hören: Hörschädigungen ab dem ersten Lebenstag erkennen und therapieren
A. Leonhardt (Hg.)
Reinhardt Verlag, München (Juli 2012), 57 Seiten
ISBN-10: 3497022888
ISBN-13: 978-3497022885

Transportweg bei Ribosomenbildung entschlüsselt

Einen neuen Mechanismus bei der Bildung von Ribosomen haben Wissenschaftler des Biochemie-Zentrums der Universität Heidelberg entdeckt. In einem interdisziplinären Ansatz beschreiben die Heidelberger Forscher gemeinsam mit Kollegen aus der Schweiz und Japan ein bislang unbekanntes Protein, das bei der Ribosomenherstellung in Eukaryoten – dies sind alle Lebewesen, deren Zellen einen Zellkern besitzen – eine besondere Rolle spielt. Dieses Protein sorgt dafür, dass bestimmte für die Bildung der Ribosomen erforderliche Bestandteile wie „Anhalter“ gemeinsam an den Ort transportiert werden, an dem der Herstellungsprozess stattfindet.

Originalpublikation:
D. Kressler, G. Bange, Y. Ogawa, G. Stjepanovic, B. Bradatsch, D. Pratte, S. Amlacher, D. Strauß, Y. Yoneda, J. Katahira, I. Sinning, E. Hurt: Synchronizing Nuclear Import of Ribosomal Proteins with Ribosome Assembly, Science (2 November 2012), Vol. 338 no. 6107, 666-671, doi: 10.1126/science.1226960

Pigment lässt bei Rothaarigen Hautkrebs entstehen

Rothaarige Menschen, deren Haut in der Sonne nicht braun wird, haben bekanntlich ein besonders hohes Risiko, an schwarzem Hautkrebs (Malignes Melanom) zu erkranken. Dabei könnte die Belastung durch ultraviolette Strahlen (UV-Strahlen) eine geringere Rolle spielen als bisher angenommen. Vielmehr scheint ein für Rothaarige typisches Pigment die Krebsentstehung zu begünstigen.
Weitere Informationen: Dr. Jochen Lennerz: E-Mail: jochen.lennerz@uni-ulm.de, Tel.: 0731 500-56301

Devarati Mitra, Xi Luo, Ann Morgan, Jin Wang, Mai P. Hoang, Jennifer Lo, Candace R. Guerrero, Jochen K. Lennerz, Martin C. Mihm, Jennifer A. Wargo, Kathleen C. Robinson, Suprabha P. Devi, Jillian C. Vanover, John A. D’Orazio, Martin McMahon, Marcus W. Bosenberg, Kevin M. Haigis, Daniel A. Haber, Yinsheng Wang, David E. Fisher. “An ultraviolet-radiation-independent pathway to melanoma carcinogenesis in the red hair/fair skin background” DOI 10.1038/nature11624

100 Hundertjährige gesucht

Heidelberger Wissenschaftler beteiligen sich an der weltweiten Suche nach 100 Personen im Alter von über 100 Jahren, die bereit sind, eine Blutprobe für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung zu stellen. Damit können nun auch Hundertjährige in Deutschland angesprochen werden, an der Entstehung einer einzigartigen Datenbank mitzuwirken. Sie soll die komplett sequenzierten Genome von extrem alten, gesunden Menschen aus möglichst vielen Ländern der Welt umfassen und dazu dienen, die genetischen Grundlagen eines gesunden Alterns zu erforschen.

Väter stärken Immunsystem der Nachkommen – bei der Grasnadel

Meeresfische werden in einen lebensbedrohlichen Cocktail aus Bakterien geboren, ohne dass ihr Immunsystem voll ausgebildet ist. Antikörper, die von der Mutter über die Eier weitergegeben werden, helfen den Jungtieren, die kritischen ersten Lebenswochen zu überstehen. Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel haben nun gezeigt, dass bei bestimmten Arten nicht nur die Mütter, sondern auch die Väter das Immunsystem ihrer Nachkommen stärken können. Ihre Studie „Male pregnancy and bi-parental immune priming“ erscheint in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachmagazins „The American Naturalist“.

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WWWW vom 10.9.2012: Brauchen Roboter Rechte?

Müssen soziale Roboter beschützt werden?

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Stefan hat mich aufmerksam gemacht auf ein Paper, dass sich mit der Frage beschäftigt, ob soziale Roboter irgendwann Rechte bekommen müssen, wie wir sie auch Tieren geben. Eine hochinteressante Frage, die noch längst nicht beantwortet ist.

This Article explores the human tendency to anthropomorphize social robots. It suggests that projecting emotions onto robotic companions could induce the desire to protect them, similar to our eagerness to protect animals that we care about. The practice of assigning rights to non-human entities is not new. Given societal demand, laws protecting social robots could fit into our current legal system parallel to animal abuse laws. While the nature of this analysis is descriptive, it aims to provide a basis for normative discussion.

Das komplette Paper zum download

Roboter kartiert antikes Italien

Mit einem in Bremen entwickelten Robotersystem ist es nun erstmals möglich, archäologisch relevante Daten durch weitgehend automatisierte Prozesse aufzunehmen. Forscher der Jacobs University testeten in Kooperation mit dem Institut für Kulturgeschichte der Antike der österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Soprintendenza Speciale per i Beni Archeologici di Roma – Sede di Ostia erfolgreich einen mobilen Roboter auf dem Ausgrabungsgelände Ostia Antica bei Rom. Ein antikes Wohnhaus konnte so als präzises virtuelles 3D-Modell dargestellt werden .

Pilze machen aus normaler Geige eine Stradivari

Bei einer guten Geige kommt es nicht nur auf die Fähigkeiten des Geigenbauers an, sondern auch auf die Qualität des verwendeten Holzes. Dem Holzforscher Prof. Francis W. M. R. Schwarze (Empa, Schweizerische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt1 St. Gallen, Schweiz) ist es gelungen, das Holz für eine Geige mit Hilfe von besonderen Pilzen so zu verändern, dass der Klang des Instruments einer Stradivari zum Verwechseln ähnlich ist. In seiner Festrede beim 1. ECRC „Franz-Volhard“ Symposium am Max Delbrück Centrum (MDC) am 7. September 2012 in Berlin berichtete er über seine Forschungen und gab einen Ausblick, was seine Entwicklung gerade für junge Musiker bedeuten könnte.

http://www.mdc-berlin.de/

Publikum schaut beim Konzert genau hin

Ein Konzertpublikum bewertet Musikdarbietungen erheblich besser, wenn es dem Interpreten nicht nur zuhören, sondern auch zusehen kann. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Musikpsychologie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH). „Diese Tendenz ist genre-übergreifend beobachtbar und gibt einen deutlichen Hinweis darauf, dass das Musik-Erleben viele Sinne einbezieht und nicht als ausschließlicher Hörvorgang gesehen werden darf“, erläutert Professor Dr. Reinhard Kopiez, führender Musikpsychologe der HMTMH.

http://www.hml.hmtm-hannover.de

WWWW vom 17.7.2012: Amselsterben und Schlafkrankheit

Genanalyse hilft bei Netzhauterkrankungen

Eine entscheidende Hürde in Diagnostik und Therapie erblicher Netzhauterkrankungen haben Wissenschaftler in den letzten Jahren genommen – sie haben den Sprung vom Labor in die Klinik geschafft. Eine Vielzahl verschiedener Therapiekonzepte wird bereits in klinischen Studien an Patienten erprobt oder steht kurz davor. Von einem »Durchbruch« sprechen Experten auf dem 17. Weltkongress der Selbsthilfeorganisation RETINA INTERNATIONAL auch angesichts der neuen Möglichkeiten der Genanalyse, welche die Diagnostik dieser Erkrankungen einerseits erleichtert, die Genetiker, Augenärzte und Patienten aber auch vor neue Herausforderungen stellt.

Amselsterben: Bitte tote Vögel melden

April21-AmselFoto: April21-Amsel by Charlott_L, on Flickr, CC-NC-SA

Gestern Abend haben Virologen des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) sechs tote Amseln aus Rheinland Pfalz und erstmals auch eine Amsel aus Nordrhein-Westfalen positiv auf das von Mücken übertragene Usutu-Virus getestet. Damit bestätigten sie die Prognose von Mückenexperten der Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) aus dem Frühjahr, dass im Sommer 2012 ein erneutes Amselsterben zu erwarten sei und der Ausbruch andere Bundesländer erfassen könnte.
MELDEFORMULAR: http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/forschung/amselsterben

Hoffnung für Medikament gegen Schlafkrankheit

Gegen die Afrikanische Schlafkrankheit werden dringend bessere Medikamente benötigt. Würzburger Wissenschaftler haben einen viel versprechenden neuen Wirkstoff entwickelt, den es nun weiter zu optimieren gilt.
Die Afrikanische Schlafkrankheit wird von dem tropischen Parasiten Trypanosoma brucei ausgelöst. Dieser einzellige, wurmartige Organismus ist in Afrika südlich der Sahara verbreitet. Auf den Menschen kann er durch den Stich einer Tse-Tse-Fliege übertragen werden. Die Infizierten bekommen zuerst Kopf- und Gliederschmerzen, dann stellen sich Verwirrung, Krämpfe und andere Symptome ein. Am Ende fallen sie in eine Art Wachkoma und sterben. Jedes Jahr kommt es zu 30.000 Neuinfektionen.

Gewaltvideospiele wecken Schuldgefühle

Werden Probanden nach dem Spielen eines gewalthaltigen Videospiels dazu aufgefordert, ein Geschenk auswählen, entscheiden sich unerfahrene Videospieler – im Gegensatz zu jenen, die öfters gewalthaltige Videospiele spielen – häufiger für hygienischere Produkte, wie Duschgel, Zahnpasta und Deodorants. Weiter empfinden unerfahrene Spieler die Gewalt in Videospielen als größere moralische Belastung. Dies ging aus einer aktuellen Studie der Universität Luxemburg hervor.

Webapp solle bei Mathe helfen

Mathematik-Didaktiker an der Universität Bayreuth haben eine neuartige Software für den Geometrieunterricht an Schulen entwickelt. Auf Tablet-Computern, die direkt über Fingerbewegungen auf einem Touchscreen gesteuert werden, können Schülerinnen und Schüler in kürzester Zeit präzise geometrische Konstruktionen entwickeln und ain der Cloud abspeichern. Die Software mit dem Namen “Sketchometry” ist im WWW uneingeschränkt und kostenlos zugänglich.

http://sketchometry.org

WWWW vom 23.4.2012: Warum Marco Polo tatsächlich in China war

Ich spreche eine halbe Stunde lang mit einem ausgesprochenen Experten, was Marco Polo angeht, zumindest seine Zeit in China. Professor Dr. Hans Ulrich Vogel arbeitet als Sinologe an der Universität Tübingen und beschäftigt sich eigentlich mit Währungen und Gewichten. Weil aber eben der Reisende Marco Polo genau dieses sehr detailliert beschrieben hat, machte sich Professor Vogel an die Arbeit und verglich eine Menge der Detaiulschilderungen mit dem was aus anderen Quellen beschrieben wurde. Das Ergebnis: Marco Polos Beschreibungen stimmten mit diesen überein.

Immer wieder zirkulieren Sensationsmeldungen durch Buchmarkt, Presse und Internet, die besagen, dass Marco Polo niemals in China gewesen sei, sondern höchstens bis ans Schwarze Meer, nach Konstantinopel oder bis ins Reich der Ilkhane in Persien gelangt sei und dort all seine Informationen entweder von Kaufleuten oder aus nicht mehr existierenden persischen Handbüchern erhalten habe. In seinem in Kürze beim Brill-Verlag in Leiden erscheinenden Buch Marco Polo was in China: New Evidence from Currencies, Salts and Revenues räumt Hans Ulrich Vogelgründlich mit der Mär auf, dass der Venezianer nicht im Fernen Osten gewesen sei. Sein Buch beginnt mit einer umfassenden Darstellung der Argumente, die gegen oder für einen China-Aufenthalt des Venezianers sprechen. Eine Sichtung der relevanten chinesischen, japanischen, italienischen, französischen, deutschen und spanischen Literatur zeigt ein eindeutiges Ergebnis: Den wenigen, bereits seit Jahrzehnten bekannten und auch durchaus erklärbaren Problemen des Polo-Buches steht eine erdrückende Mehrzahl von verifizierten und über Jahrhunderte hinweg einmaligen Informationen über China gegenüber.

WWWW vom 4.4.2011: Blick in einen alten See

Blick in die Klimageschichte des Nahen Ostens

Nie zuvor konnten Wissenschaftler so weit in die Klimageschichte des Nahen Ostens zurückblicken: Ein internationales Team hat 220 Meter tief im Grund des Vansees gebohrt. Erste Stichproben der Bohrkerne zeigen: Das Klima schwankte dramatisch, gewaltige Vulkanausbrüche waren nicht selten, Erdbeben erschütterten die Region − und der jetzt lebensfeindliche salzhaltige See war früher mal ein Süßwassersee.

Rauchen beeinflusst Genaktivität

Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum verglichen das Erbgut von Rauchern und Nichtrauchern. Dabei entdeckten sie einen hochsignifikanten Unterschied: Das Gen F2RL3, das unter anderem bei der Blutgerinnung einen Rolle spielt, ist bei Rauchern deutlich seltener durch chemische Markierungen stillgelegt. F2RL3 war bislang noch nie im Zusammenhang mit tabakbedingten Erkrankungen aufgefallen. Mehr info

Folie warnt vor schlechtem Fleisch

Bei verpacktem Fisch oder Fleisch ist es kaum möglich, zwischen frischer und bereits ungenießbarer Ware zu unterscheiden. Fraunhofer-Forscher haben eine Sensorfolie entwickelt, die in die Packung integriert wird und dort die Qualitätskontrolle übernimmt. Bei verdorbener Speise warnt sie durch einen Farbwechsel.

Vorsicht bei Wundermittel Linolsäure

Konjugierte Linolsäuren, vielgepriesene Schlankheitsmittel, stimulieren in der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung von Insulin, haben Forscher der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit Tübinger Kollegen herausgefunden. Was passiert, wenn jemand die Substanz über viele Jahre einnimmt, ist nicht abzusehen, denn solide Langzeitstudien am Menschen fehlen bisher. Eine denkbare Folge: Diabetes.

WWWW vom 28.2.2011: Loch in der Scheibe kann ein Planet sein

Scheibe mit Störung

Künstlerische Darstellung der Scheibe um den jungen Stern T Cha
Abbildung: ESO/L. CalçadaEin internationales Team von Astronomen hat mit dem Very Large Telescope der ESO die kurzlebige Materiescheibe um einen jungen Stern untersucht, in der gerade ein Planetensystem entsteht. Erstmals konnte dabei ein Begleiter nachgewiesen werden, der für eine große Lücke in der Scheibe verantwortlich sein dürfte. Weitere Beobachtungen müssen zeigen, ob es sich bei dem Begleiter um einen Planeten oder um einen Braunen Zwerg handelt.

Mikrobenmix schützt Bauernkinder vor AsthMA


Die Häufigkeit von Asthma im Kindesalter nimmt europaweit zu. Aber es gibt Ausnahmen: Verschiedene Studien zeigten in den letzten Jahren, dass Bauernkinder deutlich seltener unter Asthma leiden als andere Kinder. Den Grund dafür deckte nun ein internationales Wissenschaftlerteam um die Mediziner Dr. Markus Ege und Professor Erika von Mutius vom Dr. von Haunerschen Kinderspital (Klinikum der Universität München) mithilfe epidemiologischer Studien auf: Das niedrigere Asthmarisiko von Bauernkindern kann zu einem großen Teil durch die höhere Vielfalt an Umweltmikroorganismen erklärt werden, denen diese Kinder ausgesetzt sind.

Spülmaschinen sind oft nicht voll genug

Europäische Verbraucher machen im Umgang mit ihren Spülmaschinen gravierende Fehler. Das zeigt eine Vergleichsstudie der Universität Bonn, an der 200 Haushalte in Deutschland, Italien, Schweden und Großbritannien teilnahmen. So spülten viele Teilnehmer Besteck und Teller unnötigerweise vor oder beluden die Geräte nicht vollständig. Mit der Hand zu spülen, ist dennoch keine Alternative: Die Studie zeigt erstmals an in den Haushalten erhobenen Daten, dass Geschirrspüler in punkto Energie- und Wasserverbrauch deutlich umweltfreundlicher sind. Die Studie wurde von Spülmaschinenherstellern finanziert.

Stammzellen lindern Parkinson – neuer Weg durch die Nase

Mediziner auf der ganzen Welt setzen große Hoffnungen in eine Behandlung von Parkinsonkranken mit Hilfe von Stammzellen. Dazu werden die Stammzellen in einer Operation ins Gehirn der Patienten implantiert. Nun hat ein internationales Forscherteam um die Medizinerin Dr. Lusine Danielyan von der Universität Tübingen erstmals nachgewiesen, dass Stammzellen im Tierversuch auch über die Nase ins Gehirn transportiert werden und dort ausreichend lange überleben können, so dass eine merkliche Linderung der Parkinson-Symptome eintritt.

Moskitofische beweisen: Gruppen entscheiden schneller und besser

Das Prinzip der Demokratie beruht auf der Idee, dass die Gruppe bessere Entscheidungen fällt als das Individuum. Die Entscheidungsfindung dauert jedoch in der Regel länger. Nicht so bei Moskitofischen – im Schwarm sind sie treffsichere Blitzentscheider, denn bei ihnen gilt: Umso größer die Gruppe, desto präziser und schneller die Entscheidung.

WWWW vom 21.2.2011: Beton macht Bambus noch stabiler

Ingenieure der TU Darmstadt haben die Tragfähigkeit von Bambus-Konstruktionen deutlich verbessert. Um die notwendige Verbindung von Beton und Bambus zu verstärken, verwenden sie Polyurethanharz und eine spezielle Betonrezeptur. Erstmals eingesetzt wurde die neue Technik beim Bau des Deutsch-Chinesischen-Hauses auf der Expo 2010 in Shanghai . Urheberhinweis: MUDI Architekten

Ingenieure verbessern Bambuskonstruktionen

Ingenieure der Technischen Universität Darmstadt haben die Tragfähigkeit von Bambus-Konstruktionen deutlich verbessert. Um die notwendige Verbindung von Beton und Bambus zu verstärken, verwenden sie Polyurethanharz und eine spezielle Betonrezeptur. Erstmals eingesetzt wurde die neue Technik auf der Expo in Shanghai.
Bambus ist nicht nur der am schnellsten nachwachsende Rohstoff weltweit, sondern eignet sich auch hervorragend als Baumaterial: Das Riesengras ist leicht, elastisch und kann bis zu sechsmal größere Lasten tragen als Stahl. Schwierigkeiten bereitet lediglich das stabile Zusammenfügen der einzelnen Bambusrohre. Bauingenieuren der TU Darmstadt ist es nun mit einer neuartigen Kombination von Bambus, Beton und Stahl gelungen, die Tragfähigkeit dieser Verbindungen deutlich zu steigern.

Neuronenzellen bestimmen Takt

Rhythmen begegnen uns vor allem beim Tanzen und in der Musik, aber auch im Gehirn spielen sie eine wichtige Rolle. Wenn Milliarden Nervenzellen Informationen austauschen, stellen sich in ihrer Aktivität ebenfalls bestimmte Rhythmen ein. Für den Takt im Zusammenspiel sorgen Nervenzellen, die ihre Kontaktpartner nicht zu weiterer Aktivität anregen, sondern hemmen. Ein Typ dieser Zellen arbeitet besonders schnell und effizient und spielt bei der Gedächtnisbildung und Informationsverarbeitung eine zentrale Rolle. Wissenschaftler aus Freiburg und Großbritannien haben diesen Zelltyp ausgeschaltet und untersucht, welche Auswirkungen das auf die Gedächtnisleistung hat. Ihr erstaunlicher Befund: Das Arbeitsgedächtnis ist auf schnell hemmende Zellen angewiesen, während das Ortsgedächtnis auch ohne diese Rhythmusgeber funktioniert.

Auto mit Gedanken lenken

Mit den Gedanken abschweifen sollte man nicht, wenn man mit der neuen Technik des Innovationslabors AutoNOMOS der Freien Universität Berlin fährt. Die Informatiker haben ein System entwickelt, das es ermöglicht, kraft eigener Gedanken ein Auto zu lenken.
Mit neuen handelsüblichen Sensoren zur Messung von Gehirnströmen – Sensoren für ein sogenanntes Elektroenzephalogramm (EEG) – haben die Wissenschaftler bei einer Testperson gemessen, welche bioelektrischen Wellenmuster für Steuerbefehle wie “links”, “rechts”, “beschleunigen” oder “bremsen” unterschieden werden können. Den Wissenschaftlern gelang es, eine Schnittstelle zu entwickeln, um die Sensoren an ihr sonst rein computergesteuertes Fahrzeug anzubinden, sodass dieses nun auch per Gedanken “gesteuert” werden kann. Getestet wurde das Fahren per Gedankensteuerung auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof.

Mehr dazu: http://www.fu-berlin.de/campusleben/videos/2011/110217_braindriver

Wie Kinder beim Einkauf mitentscheiden

Dass Kinder zumeist mitentscheiden, direkt oder indirekt, was auf den heimischen Tisch kommt, überrascht Eltern wahrscheinlich nicht. Wie dies geschieht, ist weniger klar. Genauso wenig wie die Frage, ob die Gütesiegelflut wirklich beim Einkauf hilft? In gleich zwei Diplomarbeiten am Lehrstuhl für Marketing der Technischen Universität Dortmund wurde der Lebensmittelkauf von Familien beleuchtet und untersucht, wie Einkäufe von Lebensmitteln ablaufen, wer mitentscheidet und welche Produkteigenschaften betrachtet werden.

WWWW vom 4. April 2010: Umzug nach Laos, Wikileaks, Immunsystem bei Vögeln

Zunächst einmal Danke für die Zuschriften per Mail, Kommentar, Facebook, Twitter und drop.io. Ich versuche möglichst viele der Anregungen umzusetzen und aufzunehmen, manchmal bitte ich um etwas Gedult und manchmal vergesse ich es auch schlicht.
Danke an Sandra die bei Drop.io gefragt hat wie das mit den Hunden ist in Vietnam: Werden die geprügelt, damit das Fleisch zarter ist? Die Antwort ist: Ja. Nicht immer, aber ja, im Norden ist das eine Praxis, übrigens nicht nur bei Hunden, sondern auch bei Geflügel.

Weitere Themen:

Abb. Nordamerikanische Singammer mit Temperatur messendem Sender Bild: Kamiel Spoelstra, MPIO

Immunabwehr bei wilden Vögeln beobachtet

Das Immunsystem ist das wichtigste System, durch das sich ein Organismus gegen Krankheitserregerverteidigen kann. Alle Organismen besitzen ein Immunsystem, aber bislang war ungeklärt, warum sich Arten und auch Populationen einer Art in ihrer Immunreaktionen stark unterscheiden. Bisher war es nicht möglich, dies bei frei lebenden Tieren zu untersuchen. Mittels neuer Radiotelemetrie-Technologie konnten nun Forscher der Princeton Universität und des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell erstmals Fieber bei einer frei lebenden Wirbeltierart untersuchen – der nordamerikanischen Singammer “Melospiza melodia”.

Dass eine jede Makrele gezählt werde…

Zu einer Eiersuche der ungewöhnlichen Art ist kurz vor Ostern das deutsche Fischereiforschungsschiff “Walther Herwig III” aufgebrochen. Die sechswöchige Reise führt das Schiff in westbritische Gewässer, in die Keltische See westlich von Irland und den Golf von Biskaya. An Bord arbeiten Fischereiwissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) daran, wichtige Daten zur Bestandsgröße von Makrele und Stöcker (auch Holz- oder Pferdemakrele) zu gewinnen.

Architekturmodelle der Phillister

Etwa 20 Kilometer südlich von Tel Aviv hatten Archäologen im Jahr 2002 einen sensationellen Fund von mehreren tausend Kultgegenständen aus dem 9. und 8. vorchristlichen Jahrhundert entdeckt. Mittlerweile wurde die erste Fundgruppe rekonstruiert und nun von einem Wissenschaftlerteam aus Israel und Mainz in einer Publikation vorgestellt. Es handelt sich um Architekturmodelle aus Ton, die einen Kultbau aus den Zeiten der Philister abbilden.

Magnetsensoren zeigen freie Parkplätze an

Wenn Autofahrer vor großen Einkaufszentren eine freie Parklücke suchen, müssen sie häufig minutenlang im Kreis fahren. Wie es schneller geht, zeigen Forscher der Universität des Saarlandes. Sie haben Magnetfeldsensoren entwickelt, die einfach zu montieren sind und über Bildschirme anzeigen, welche Parklücken noch frei sind