Category Archives: wissenschaft

WWWW vom 21.3.2016: Minen-Ratten, Ceres-Flecken und gerührte Nanoteilchen

Laser misst Alkohol im Atem aus der Entfernung

Blitzen statt blasen – dieses Prinzip könnte zukünftig bei Verkehrskontrollen zum Einsatz kommen: Physiker der Uni Würzburg haben einen Laser entwickelt, mit dem sich Alkohol in der Fahrerkabine eines Autos messen lässt. Aber der neue Laser kann noch viel mehr.

Nanoteilchen: Gerührt, nicht geschüttelt

Gemeinsam mit Experimentatoren von der Princeton University (USA) haben Mainzer Physiker um Dr. Arash Nikoubashman eine neuartige Technik zur Massenfabrikation von Nanoteilchen entwickelt und theoretisch analysiert. Damit wird es möglich, schnell und kostengünstig polymerbasierte Kolloide – Nanoteilchen in einer Lösung – herzustellen. Solche maßgeschneiderten Kolloide werden für zahlreiche wissenschaftliche und technische Anwendungen benötigt.
Veröffentlichung:
A. Nikoubashman, V.E. Lee, C. Sosa, R.K. Prud’homme, R.D. Priestley and A.Z. Panagiotopoulos: Directed assembly of soft colloids through rapid solvent exchange, ACS Nano, (2016), 10, 1425-1433. DOI: 10.1021/acsnano.5b06890
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acsnano.5b06890

Genetisch sind wir eher Jäger als Bauern

Moderne Menschen haben sich im Laufe von vielen Tausend Jahren an ihre Umwelt angepasst. Doch wie genau verschiedene Varianten des Erbguts zu dieser Anpassung beigetragen haben, war lange umstritten. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben nun das Erbgut von Menschen analysiert, die vor 45.000 bis 7.000 Jahren gelebt haben.
Originalpublikation:
Felix M. Key, Qiaomei Fu, Frédéric Romagné, Michael Lachmann and Aida M. Andrés
Human adaptation and population differentiation in the light of ancient genomes
Nature Communications, 18. März 2016, DOI: 10.1038/NCOMMS10775

Bodenradar soll Minen besser finden

Apopo-Briana - eine Hero rat beim TrainingIn Kolumbien sind weite Landstriche mit Minen übersät, die mit herkömmlichen Techniken kaum zu finden sind. Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Ilmenau entwickeln gemeinsam mit südamerikanischen Partnern ein neues Verfahren für die Minensuche, das auf dem Bodenradar basiert. Das langfristige Ziel ist es, ein Handheld-Gerät zu konzipieren, das verschiedenste Minentypen in unwegsamem Gelände zuverlässig detektiert und genauso leicht wie ein Metalldetektor verwendet werden kann.

Hier noch der Link zu den Hero Rats

Flecken am Zwergplanet Ceres verdunsten

Wissenschaftler haben unerwartete Veränderungen in hellen Flecken auf dem Zwergplaneten Ceres zu Tage gebracht. Obwohl Ceres von der Erde aus nur als etwas hellerer Lichtpunkt erscheint, zeigt sich bei hochpräzisen Untersuchungen des von Ceres ausgesandten Lichts nicht nur die Veränderung, die man durch die Rotation des Zwergplaneten erwarten würde, sondern auch, dass die Flecken am Tag aufhellen und außerdem noch andere Schwankungen aufweisen.

Frauenbild prägt Einstellung zu Ausländern

Wer Männer für das starke und Frauen für das zu beschützende Geschlecht hält, ist besonders empfänglich für rechte Propaganda über angeblich sexuell bedrohliche Fremde. Bei Betrachtern mit progressiveren Einstellungen zum Verhältnis von Mann und Frau hingegen können entsprechende Plakate zu entgegengesetzten Reaktionen führen: Sie nehmen Migranten vor der Unterstellung in Schutz.
Präsentation der Ergebnisse in den WZB-Mitteilungen 1/2016: „Ivan S., der Vergewaltiger“. Wie wirken rechtspopulistische Kampagnen, die Migranten als sexuelle Bedrohung darstellen?

Draußen spielen hilft gegen Kurzsichtigkeit

Schon 40 Minuten tägliches Toben auf dem Spielplatz oder Pausenhof können Kinder im Grundschulalter vor Kurzsichtigkeit schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine chinesische Studie, die den Zusammenhang zwischen Freiluftaktivität und Kurzsichtigkeit bei Kindern in einer randomisierten Clusterstudie untersuchte.
Literatur:
Mingguang et al., Effect of Time Spent Outdoors at School on the Development of Myopia Among Children in China – A Randomized Clinical Trial, JAMA. 2015;314(11):1142-1148. doi:10.1001/jama.2015.10803

WWWW vom 21.9.2015: Stabschrecken und Steinzeit-Männer

Stabschrecken wanderten von Australian nach Mauritius

stabschrecken
Stab- und Gespenstschrecken imitieren Blätter und Zweige, um sich vor ihren Fressfeinden zu tarnen. Sie sind häufig flugunfähig und können sich nur eingeschränkt ausbreiten. In einer genetischen Studie hat ein internationales Wissenschaftlerteam unter Leitung der Universität Göttingen gezeigt, dass die Stabschrecken von Mauritius und La Réunion enger miteinander verwandt sind als angenommen.
Originalveröffentlichung: Sven Bradler, Nicolas Cliquennois & Thomas R. Buckley (2015): Single origin of the Mascarene stick insects: ancient radiation on sunken islands? BMC Evolutionary Biology. DOI: 10.1186/s12862-015-0478-y

Mikroorganismen gegen Pilzinfektionen


Hefepilze wie Candida albicans können hartnäckige Hauterkrankungen hervorrufen und stellen für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem eine schwerwiegende Gesundheitsgefährdung dar. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) in Saarbrücken haben nun neue Substanzen entdeckt, die gegen solche Pilzinfektionen wirken.
Originalpublikation:
K. I. Mohr, C. Volz, R. Jansen, V. Wray, J. Hoffmann, S. Bernecker, J. Wink, K. Gerth, M. Stadler, R. Müller
Pinensine: Die ersten antimykotischen Lantibiotika.
Angewandte Chemie, 2015. DOI: 10.1002/ange.201500927

Billig-Kohle gefährdet Klimaziele

Das Zeitfenster für einen weltweiten Kohleausstieg schließt sich immer schneller: Vor allem arme, aber schnell wachsende Entwicklungsländer investieren derzeit massiv in den Bau neuer Kohlekraftwerke. Denn dieser Energieträger erscheint auch deshalb so billig, weil die sozialen Kosten– beispielsweise Gesundheitsschäden – meist unterschlagen werden.
Weitere Informationen:
Edenhofer, Ottmar (2015): King coal and the queen of subsidies. Science. Vol. 349 no. 6254 pp. 1286-1287, DOI: 10.1126/science.aad0674

Kleinstalgen speichern CO2 in der Eiszeit

In den letzten 30.000 Jahren war der Antarktische Ozean zeitweilig stärker durchmischt als bisher angenommen. So standen Kleinstalgen erhebliche Mengen an Nährstoffen zur Verfügung, die ihrerseits zur Speicherung des Treibhausgases CO2 während der letzten Kaltzeit (Glazial) beigetragen haben.

Originalpublikation:
Andrea Abelmann, Rainer Gersonde, Gregor Knorr, Xu Zhang, Bernhard Chapligin, Edith Maier, Oliver Esper, Hans Friedrichsen, Gerrit Lohmann, Hanno Meyer und Ralf Tiedemann: The seasonal sea-ice zone in the glacial Southern Ocean as a carbon sink. Nature Communications 6:8136 doi: 10.1038/ncomms9136 (2015).

Studie: Hochspannung senkt Melatoninspiegel – im Winter

Hochspannungsleitungen wirken sich auf den Hormonspiegel aus – allerdings jahreszeitlich schwankend. Ein internationales Team unter der Leitung von Prof. Dr. Hynek Burda von der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat herausgefunden, dass Kälber, die elektromagnetischen Wechselfeldern ausgesetzt waren, im Winter weniger vom Schlafhormon Melatonin produzieren als im Sommer.
Artikel: Tereza Kolbabová, E. Pascal Malkemper, Luděk Bartoš, Jacques Vanderstraeten, Marek Turčáni, Hynek Burda (2015): Effect of exposure to extremely low frequency magnetic fields on melatonin levels in calves is seasonally dependent. Scientific Reports 5:14206.

Wasserstrukturen halten länger als gedacht

Ein Team von Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz und am FOM Institut AMOLF in den Niederlanden hat lokale Strukturen in Wasser untersucht. Die Forscher konnten zeigen, wie schnell Wassermoleküle ihre lokale Bindungskonfiguration ändern. Mit Hilfe neuartiger ultraschneller Schwingungsspektroskopie erhielten die Wissenschaftler neue Einblicke in die grundlegenden Eigenschaften von Wasser. Sie fanden auch heraus, wieso Wasser im Vergleich zu anderen Flüssigkeiten derart einzigartig ist.
http://www.mpip-mainz.mpg.de/strukturelle_Gedaechtnis_von_Wasser – Pressemitteilung und Originalpublikation
http://www.mpip-mainz.mpg.de/88687/Dr_Johannes_Hunger – Information über Dr. Hunger und seine Forschung
http://www.mpip-mainz.mpg.de/ – Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Männer nur Gäste im Steinzeit-Dorf?

In der Steinzeit zogen Männer zu ihren Frauen: Neue Auswertungen einer mehr als 9.000 Jahre alten Ausgrabungsstätte im Bergland westlich von Nazareth in Israel legen nahe, dass Kinder in der Jungsteinzeit hier in der Gemeinschaft ihrer Mütter lebten, während Männer von außen zur Gruppe hinzukamen und sie möglicherweise auch wieder verließen. Dies lässt auf gleichberechtigte Beziehungen unter den Geschlechtern schließen – vermutlich waren es keine klassischen Familienverbindungen, sondern Verhältnisse auf Zeit.
Originalpublikation:
Alt K.W., Benz M., Vach W., Simmons T.L., Goring-Morris A.N.: Insights into the social structure of the PPNB site of Kfar HaHoresh, Israel, based on dental remains. PlosOne 16. Sept. 2015