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Klimawandel: Der Rothirsch adaptiert sich schnell

Mit dem Klimawandel verändert sich auch in hiesigen Breiten die Vegetation. In den Bergen wird es nämlich früher Grün.  Können Wildtiere darauf reagieren?
Dieser Frage haben sich Forscher der Universitäten Oslo, Würzburg und Freiburg im Nationalpark Bayerischer Wald erstmals in einem experimentellen Ansatz gewidmet. Verantwortlich für die Studie war Jörg Müller, Professor für Tierökologie und Tropenbiologie an der Uni Würzburg und Forschungsleiter im Nationalpark Bayerischer Wald. 

Rothirsch geht dahin wo das Futter wächst
In dem Experiment haben die Wissenschaftler 20 Hirsche mit GPS-Sendern bestückt. Die Hälfte der Tiere hatte im Frühjahr sofort Zugang zu frischem Grün, für die andere Hälfte wurden die Gatter erst sechs Wochen später geöffnet.
Die jetzt in der Fachzeitschrift „Ecology“ publizierten Ergebnisse zeigen, dass die Tiere gezielt die frische und nährstoffreiche Vegetation aufsuchen. Die Hirsche, die die Wintergatter bereits früh verlassen hatten, „surften“ direkt auf der Welle des frischen Grüns vom Tal zu den Höhenlagen. Aber auch die später aus den Gattern entlassenen Tiere zeigten sich hochflexibel. Sie rannten einfach schneller bergauf, dorthin, wo besseres Grün zu finden war.

„Beobachtet hatte man dieses Verhalten schon seit Jahren, doch erst jetzt im Experiment wurde bewiesen, welch hohe individuelle Flexibilität Rothirsche zeigen, um auf veränderte Umweltbedingungen reagieren zu können“, fasst Jörg Müller das Ergebnis der Studie zusammen. Oder, kurz gesagt: „Die Tiere sind in der Lage, sich schnell und flexibel anzupassen.“ Eine Eigenschaft, die sie angesichts des Klimawandels gut gebrauchen könnten.
Kleine Anmerkung von mir: Viele Tiere werden sich schnell anpassen können. Uns Menschen wird das deutlich schwerer fallen, auch weil wir viele unserer Niederlassungen in Tälern und an Küsten gebaut haben. 

Green wave tracking by large herbivores: an experimental approach. Rivrud Inger Maren; Heurich Marco; Krupczynski Philipp; Müller Jörg, Mysterud Atle: In: Ecology. Ecological Society of America (Volume 97, Issue 12). DOI: 10.1002/ecy.1596/full 

Wir brauchen bessere Klimawandel-Strategien

In Europa steigen schon jetzt die Meeresspiegel und immer häufiger kommt es zu Extremwetterereignissen wie ausgeprägten Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürreperioden und Stürmen; dies ist einem heute von der Europäischen Umweltagentur veröffentlichten Bericht zu entnehmen. Der Bericht gelangt zu dem Schluss, dass wir bessere  Strategien brauchen, um die Folgen zu mindern.


Die beobachteten Klimaveränderungen haben schon jetzt  weitreichende Auswirkungen auf Ökosysteme, Wirtschaft und  der Menschen in Europa. Die Temperaturen  erreichen immer neue Höchstwerte, die Meeresspiegel steigen auf Rekordwerte und das Meereis in der Arktis schwindet auf den geringsten je beobachteten Wert. Die Niederschlagsmuster verändern sich – in den regenreicheren Regionen Europas nehmen die Niederschläge generell zu, die niederschlagsärmeren Regionen werden hingegen trockener. Die Gletscher gehen zurück, die Schneebedeckung nimmt ab. Gleichzeitig steigt in vielen Regionen die Häufigkeit und Intensität klimabedingter Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Starkregen und Dürreperioden. 

„Der Klimawandel wird sich über viele Jahrzehnte hin fortsetzen. Ausmaß und Auswirkungen des künftigen Klimawandels werden von der Effektivität der Umsetzung der weltweiten Vereinbarungen zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen abhängen, aber auch davon, dass es uns gelingt, die richtigen Strategien und Konzepte zu entwickeln, um die durch aktuelle und prognostizierte Klimaextreme hervorgerufenen Risiken zu verringern,“ so Prof. Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der Europäischen Umweltagentur.

Dr. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, der den Bericht mit koordiniert hat, ergänzt: „Der aktuelle Bericht bestätigt die wesentlichen Ergebnisse des letzten Berichtes von 2012. Die bessere Informationsgrundlage erlaubt jedoch auch neue Erkenntnisse, zum Beispiel hinsichtlich einer Zunahme von Extremereignissen in Europa. Diese unterstreichen, wie wichtig ambitionierte Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen sind.“
Die „Hotspots“ des Klimawandels

Alle Regionen Europas sind für den Klimawandel anfällig, aber einige Regionen werden von den negativen Auswirkungen stärker betroffen sein als andere. Den Prognosen zufolge werden Süd- und Südosteuropa besonders unter dem Klimawandel zu leiden haben, da hier mit den meisten negativen Auswirkungen zu rechnen ist. Bereits jetzt ist in der Region eine starke Zunahme der Hitzeextreme und ein Rückgang der Niederschläge und der Flusspegel zu verzeichnen.Das steigert die  Gefahr ausgeprägterer Dürreperioden, niedrigerer Ernteerträge sowie eines Rückgangs der biologischen Vielfalt und die Waldbrandgefahr. Man geht davon aus, dass häufigere Hitzewellen dazu führen werden, dass Gesundheit und Wohlergehen der Menschen gefährdet sind.

Auch die Küsten und Überflutungsgebiete in den westlichen Regionen Europas gelten als „Hotspots“, denn steigende Meeresspiegel und eine mögliche Zunahme von Sturmfluten lassen auch hier die Gefährdung wachsen. Für die marinen Ökosysteme bringt der Klimawandel infolge der Versauerung und zunehmenden Erwärmung der Meere und der Ausweitung der sauerstoffarmen Totzonen ebenfalls weitreichende Veränderungen mit sich.

Zwar ergeben sich für einige Regionen auch positive Folgen, wie z. B. bessere Bedingungen für die Landwirtschaft in Teilen Nordeuropas, doch werden negativen Folgen in den meisten Regionen und Wirtschaftszweigen überwiegen.

Bessere Anpassung und Verbesserung des Kenntnisstands
Bei der Einziehung der Anpassung an den Klimawandel in andere Politikfelder sind Fortschritte zu verzeichnen, doch besteht für die Forscher noch Potenzial.  Maßnahmen sind die Verbesserung der Kohärenz politischer Maßnahmen über unterschiedliche Politikfelder und ebenen (EU-, transnationale, nationale und subnationale Ebene) hinweg, flexiblere adaptive Konzepte für den Umgang mit dem Klimawandel sowie die Kombination technischer Lösungen, ökosystembasierter Konzepte und „weicher“ Maßnahmen.

Die Entwicklung und Inanspruchnahme von „Klimaservices“ und „Anpassungsservices“ in Europa schreiten durchaus voran. Aber verbesserte Informationen in verschiedenen Bereichen wären hilfreich, so zum Beispiel im Bereich der Anfälligkeits- und Risikobewertungen auf unterschiedlichen Ebenen und von Monitoring, Berichterstattung und Auswertung von Anpassungsmaßnahmen, deren Kosten und Nutzen sowie Synergien und Zielkonflikten mit anderen politischen Maßnahmen.

Bei dem Bericht handelt es sich um eine auf Indikatoren basierende Einschätzung des bereits eingetretenen und des prognostizierten Klimawandels und seiner Auswirkungen auf Ökosysteme und Gesellschaft. Außerdem geht der Bericht auf die Anfälligkeit der Gesellschaft gegenüber diesen Auswirkungen und auf die Entwicklung von Anpassungsstrategien und den zugrunde liegenden Wissensstand ein. Der Bericht wurde von der EUA in Zusammenarbeit mit der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission, dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, dem Regionalbüro Europa der Weltgesundheitsorganisation und drei Europäischen Themenzentren (ETC-CCA, ETC-BD, ETC-ICM) erarbeitet. Dies ist der vierte der im Vierjahresrhythmus vorgelegten Berichte über den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf Europa sowie die Anfälligkeit Europas gegenüber dem Klimawandel. Diese Ausgabe hat zum Ziel, die Umsetzung und den Prozess der für 2018 vorgesehenen Überprüfung der EU Strategie von 2013 zur Anpassung an den Klimawandel sowie die Entwicklung nationaler und transnationaler Anpassungsstrategien und pläne zu unterstützen.

WWWW vom 10.10.2016: Motorfrosch, Motorkortex und Motzkast

Mal wieder ein wenig Werbung für andere Podcasts: Heute der Motzcast aus Offenbach. Es geht ums Motzen, wie der Name schon sagt.

Kleiner Frosch mit Motorsound

frosch
Senckenberg-Wissenschaftler haben in Brasilien zwei neue Pfeiffrosch-Arten entdeckt. Einer der neu beschriebenen Amphibien hat den Beinamen „Motörchen“ erhalten – der Ruf der winzigen männlichen Frösche erinnert an ein Motorengeräusch. Das internationale Wissenschaftlerteam analysierte über 2000 Froschrufe und konnte anhand der akustischen, morphologischen und genetischen Merkmale die Artenzahl von bisher 18 auf 20 Arten erhöhen.
Two New Species of Pseudopaludicola (Anura: Leptodactylidae: Leiuperinae) from Eastern Bolivia and Western Brazil. André Pansonato, Ana Cristina P. Veiga-Menoncello, Jessica R. Mudrek, Martin Jansen, Shirlei M. Recco-Pimentel, Itamar A. Martins, and Christine Strüssmann. Herpetologica 2016 72 (3), 235-255. DOI:http://dx.doi.org/10.1655/Herpetologica-D-14-00047.1

Hormone mit monatlichem Einfluss auf weibliches Gehirn

Unser Gehirn besitzt selbst im Erwachsenenalter keine starre Struktur. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben nun eine weitere erstaunliche Beobachtung gemacht: Das Gehirn kann sich nicht nur wie bisher angenommen in langfristigen Prozessen an die Umwelt anpassen. Vielmehr gelingt ihm das jeden Monat aufs Neue. Die Forscher haben beobachtet, dass bei Frauen parallel zum Rhythmus des Östrogenspiegels über ihren Monatszyklus hinweg auch die Struktur ihres Hippocampus variiert – einer Hirnstruktur, die für Gedächtnis, Stimmung und Emotionen besonders wichtig ist.
Originalpublikation:
Barth, C. et al.
In-vivo Dynamics of the Human Hippocampus across the Menstrual Cycle.
Nature Scientific Reports 6, 32833

Kunststoffe aus Biofasern

Aus Abfällen der Papierproduktion lassen sich hochwertige Kunststoffe herstellen. Wie das geht, haben Fraunhofer-Forscher herausgefunden. Den Straubinger Forschern geht es nicht um kompostierbare Plastiktüten, sondern um stabile High-Performance-Kunststoffe für spezielle Anwendungen, die sich umweltfreundlich herstellen lassen. An dem Straubinger Institutsteil BioCat des IGB, das Professor Volker Sieber leitet, wurden Verfahren für die Umwandlung von Terpenen, sprich Reststoffen der Cellulosegewinnung aus Holz, zu Biotensiden, biobasierten Epoxiden oder Monomeren für besonders schlagfeste, kältestabile Polyamide entwickelt.

Maiszünsler sind anders

Wie findet eine männliche Motte die richtige Partnerin, wenn zwei ähnliche Stämme weiblicher Motten mit ihren Pheromonen locken? In vielen Arten sind die Unterschiede in den Insektenantennen, mit denen die Mottenmännchen die Lockstoffe riechen, für die Wahl der Partnerin verantwortlich. Beim Maiszünsler scheinen jedoch Veränderungen im Hirn der Männchen die Wahl zwischen den zwei zur Verfügung stehenden Weibchenstämmen zu bestimmen.
Originalveröffentlichung:
Koutroumpa, F. A., Groot, A. T., Dekker, T., Heckel, D. G. (2016). Genetic mapping of male pheromone response in the European Corn Borer identifies candidate genes regulating neurogenesis. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (Early Edition), DOI: 10.1073/pnas.1610515113
http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1610515113

Pasta oder Proteine

Kohlenhydrate machen krank und dick? Ganz im Gegenteil, wie die University of Sydney meldet. Eine kohlenhydratreiche Ernährung unterstützt die Produktion eines Hormons, das den Appetit zügelt, die Gesundheit erhält und auch als lebensverlängernd gilt.

Motor-kortex nicht nur ausführend bei Entscheidungen

Tübinger Neurowissenschaftler finden Hinweise, dass der Motor-kortex unsere Entscheidungsfindung beeinflusst ‒ und bei “Ent-weder-Oder”-Entscheidungen für abwechselnde Reaktionen sorgt. Die Forscher haben nun Hinweise gefunden, die dieser Unterteilung in „entscheidende“ und „reagierende“ Hirnregionen widersprechen. Demnach finden sich in motorischen Arealen unseres Gehirns Echos vorhergehender Entscheidungen, die Einfluss auf unsere nächsten Entscheidungen haben.
Publikation:
Anna-Antonia Pape, Markus Siegel: Motor Cortex Activity Predicts Response Alternation during Sensorimotor Decisions. Nature Communications (2016). http://dx.doi.org/ncomms13098

WWWW von 29.8.2016: Kurze Ansage

Heute gibt es kein Wissenschafts Podcast weil ich krankheitsbedingt zu Hause im Bett liege. Mich hat am Donnerstag ein Hund in Arm und Bein gebissen und die Bein-Wunde hat sich infiziert. Jetzt schlafe ich den ganzen Tag und versuche die Kopfschmerzen zu ignorieren. Ich hoffe nächste Woche gibt es dann wieder eine normale Sendung.

WWWW vom 4.7.2016: Algen im Weissbrot und Super-Prothesen

Wo Stress entsteht

Stress kann Angst erhöhen. Der Glucocorticoidrezeptor für das Stresshormon Cortisol vermittelt verstärkte Angst. Spielen unterschiedliche Zelltypen, in denen er sich findet, dabei eine Rolle? Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie konnten erstmals nachweisen, dass nicht nur die Hirnregion, sondern auch die Art der Neuronenpopulation eine entscheidende Rolle spielt.

Algen als Salzersatz

Salz (Natriumchlorid) ist ein lebenswichtiges Nahrungsmittel. Es versteckt sich vor allem in industriell gefertigten Lebensmitteln. Zuviel Natrium schadet Herz, Magen und Nieren. Seetang hat von Natur aus einen salzigen Geschmack. Fraunhofer-Forscher zeigen, dass Algen das Potenzial aufweisen als Salzersatz zu dienen.

Schnelltest für Bakterien

Bakterien, Pilze oder Viren lassen sich heute in der Regel nur mit aufwendigen Labortests oder Tierversuchen sicher nachweisen. Die Lebensmittel- und Pharmaindustrie wünscht sich schnellere Tests, um ihre Produkte zu überprüfen. Fraunhofer-Forscher entwickeln deshalb einen Stick, der wie ein Schwangerschaftstest funktioniert und schnell ein Ergebnis liefert. Künftig sollen damit auch Allergene und Krankheitserreger im Blut nachgewiesen werden.

Optimierte Radlerprothesen

radlerIm September 2016 treten körperlich beeinträchtigte Radsportler bei den Paralympics in Rio de Janeiro an. Um Bestleistungen zu erzielen, müssen die Prothesen der Radfahrer optimal ausgelegt sein. Bisher ist es schwierig, diese bestmöglich an den Bewegungsablauf beim Radfahren anzupassen. In einem neuen Bewegungslabor lassen sich die künstlichen Glieder mit Hilfe einer Testprothese schnell und präzise optimieren.

Induktives Laden von Autos

Eine kabellose Ladetechnologie für Elektroautos mit einer Leistung von über 10 Kilowatt haben Ingenieure des Niedersächsischen Forschungszentrums für Fahrzeugtechnik (NFF) der Technischen Universität Braunschweig entwickelt. Mit der induktiven Ladetechnologie können PKWs genauso schnell aufgeladen werden, wie es bisher nur mit so genannten Schnellladesäulen möglich ist.

Neue Arten aus einer Population

Eine fundamentale Frage der Evolutionsforschung lautet: Ist für die Entstehung neuer Arten eine geografische Barriere notwendig, die eine Ursprungspopulation in zwei genetisch voneinander getrennte Populationen aufteilt? Oder ist hingegen auch eine sogenannte sympatrische Artbildung möglich – die evolutionäre Auseinanderentwicklung einer Population im selben geografischen Gebiet? Weltweit sind nur sehr wenige Beispiele für sympatrische Artbildung bekannt, selbst diese sind nicht unumstritten. Konstanzer Evolutionsbiologen schlossen nun die bislang ausführlichste Untersuchung von sympatrischer Artbildung ab. Anhand von rund 20.000 genetischen Merkmalen von 450 Fischen dokumentierten sie die parallele Evolution von Buntbarschen in den nicaraguanischen Kraterseen Apoyo und Xiloá.

WWWW vom 30.5.2016: Motten, Pilze, Aerosole

Pilze als Medikamentenfundus

Der Pilz Aspergillus fumigatus bildet eine Gruppe bislang unbekannter Naturstoffe, die in Anlehnung an pflanzliche Isochinolin-Alkaloide als Fumisoquine bezeichnet werden. Forscher aus Jena kamen den neuen Substanzen gemeinsam mit US-Kollegen auf die Spur, als sie das Genom des Pilzes näher unter die Lupe nahmen. Die Substanzfamilie der Isochinolin-Alkaloide enthält viele pharmakologisch aktive Moleküle.

Motten können mit dem Rüssel riechen

Mit Riechzellen auf der Spitze des Saugrüssels erkennen die Motten am Duft, ob sich der Blütenbesuch lohnt: Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena zeigen, dass Tabakschwärmer den Duft beim direkten Blütenkontakt mit ihrem Saugrüssel wahrnehmen, auf dem jetzt die dafür erforderlichen Riechzellen nachgewiesen wurden.
Originalveröffentlichung:
Haverkamp, A., Yon, F., Keesey, I. W., Mißbach, C., Koenig, C., Hansson, B. S., Baldwin, I. T., Knaden, M., Kessler, D. (2016). Hawkmoths evaluate scenting flowers with the tip of their proboscis. eLife. DOI: 10.7554/eLife.15039
http://dx.doi.org/10.7554/eLife.15039

Zellkulturen statt Blut ungeborener Kälber

In Zusammenarbeit mit RWTH-Biologen entwickelt ein Jungunternehmen ein alternatives Zellmedium für regenerative Therapien. Statt Blut ungeborener Kälber werden humane Stammzellen aus Blutbanken genutzt.
Im Labormaßstab hielt sich der Aufwand in Grenzen, das Ergebnis war umso besser. Das neue Medium, ein Lysat aus menschlichen Blutplättchen, führte zu mehr als doppelt so gutem Zellwachstum.

Aerosolpartikel bilden mehr Wolken als gedacht

Die durch den Menschen verursachten Aerosolpartikel wirken der Erwärmung der Erdatmosphäre durch Treibhausgase entgegen. Doch ist dieser Effekt vielleicht kleiner als gedacht, da auch schon in vorindustrieller Zeit durch die Ausdünstungen von Bäumen viele Partikel entstanden.
Publikationen:
Kirkby, J. et al.: Ion-induced nucleation of pure biogenic particles, in: Nature, doi:10.1038/nature17953

Tröstl, J. et al:The role of low-volatility organic compounds in initial particle growth in the atmosphere, in: Nature, doi:10.1038/nature18271.

Bianchi, F. et al. :New particle formation in the free troposphere: A question of
chemistry and timing, in: Science, doi 10.1126/science.aad5456, 2016

Wenigstens Flüchtlingen wollen die meisten Deutschen noch ein Obdach geben

Der Großteil der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland stimmt den geltenden Asylregeln zu. Das zeigt eine Befragung im Rahmen des im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) angesiedelten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Demnach finden es mehr als 80 Prozent der Befragten richtig, Menschen Zuflucht zu gewähren, die vor einem bewaffneten Konflikt aus ihrem Heimatland fliehen. Zwei Drittel der Befragten sprachen sich auch für die Aufnahme von Flüchtlingen aus, die unter dem Schutz der Genfer Konvention stehen.

WWWW vom 20.4.2015: Pilze, Feinstaub und Salmonellen

Frühmenschen mochten Pilze

little mushrooms
Über die Nahrungsgewohnheiten der Menschen, die im Jungpaläolithikum, dem jüngeren Abschnitt der Altsteinzeit vor 18.000 bis 12.000 Jahren während der archäologischen Kulturstufe des Magdaléniens lebten, ist nur wenig bekannt. Besonders schwer lassen sich pflanzliche Nahrungsstoffe nachweisen, denn sie hinterlassen nur geringe Spuren im menschlichen Körper. Unter der Leitung von Robert Power vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat ein internationales Forscherteam den uralten Zahnstein von Menschen aus dem Magdalénien untersucht, deren Überreste man in der El Mirón-Höhle in Spanien ausgegraben hatte. Die Forscher konnten nachweisen, dass diese Menschen bereits im Jungpaläolithikum zusätzlich zu anderen Nahrungsbestandteilen auch verschiedene pflanzliche Nahrungsstoffe und Pilze auf der Speisekarte hatten.
Originalpublikation:
Robert C. Power, Domingo C. Salazar-García, Lawrence G. Straus, Manuel R. González Morales, Amanda G. Henry
Microremains from El Mirón Cave human dental calculus suggest a mixed plant-animal subsistence economy during the Magdalenian in Northern Iberia
Journal of Archaeological Science; April 16, 2015, DOI 10.1016/j.jas.2015.04.003

Quantenwolke ist heiß und kalt zugleich

Eine Wolke aus Quantenteilchen kann mehrere Temperaturen gleichzeitig aufweisen. Das zeigen Experimente, die im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von Wissenschaftlern der Universität Heidelberg und der Technischen Universität Wien (Österreich) durchgeführt wurden. Die Ergebnisse der Studie machen es möglich, dass sich die Gesetze der Quantenwelt besser mit einer statistischen Beschreibung zusammenführen lassen.
Originalveröffentlichung:
T. Langen, S. Erne, R. Geiger, B. Rauer, T. Schweigler, M. Kuhnert, W. Rohringer, I. E. Mazets, T. Gasenzer, J. Schmiedmayer: Experimental observation of a generalized Gibbs ensemble, Science 10 April 2015: Vol. 348 no. 6231 pp. 207-211, doi: 10.1126/science.1257026

Salmonellen bekämpfen Tumore

Bakterieninfektionen als Krebstherapie? Das klingt zunächst riskant und tatsächlich sind viele gefährliche Keime nicht das Mittel der Wahl im Kampf gegen Krebs. Zwar können sie zur Rückbildung fester Tumore führen, aber sie schaden auch dem Patienten. Andere Bakterien wiederum sind harmlos für den Kranken, helfen aber nicht gegen den Krebs. Wissenschaftlern am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig ist es nun gelungen, Salmonellen so zu verändern, dass sie zunächst eine aggressive Anti-Tumor-Wirkung besitzen.
Originalpublikation:
Michael Frahm, Sebastian Felgner, Dino Kocijancic, Manfred Rohde, Michael Hensel, Roy Curtiss III, Marc Erhardt, Siegfried Weiss.
Efficiency of Conditionally Attenuated Salmonella enterica Serovar Typhimurium in Bacterium-Mediated Tumor Therapy
mBio, 2015, DOI: 10.1128/mBio.00254-15

Licht verändert Nervenzellen

Ein internationales Team von Forschern des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und des Tokyo Institute of Technology (Tokyo Tech) hat in einer gemeinsamen Studie aufgedeckt, dass sich Nervenzellen auf molekularer Ebene verändern, wenn sie über längere Zeit hin Licht ausgesetzt sind. In der aktuellen Ausgabe von NEURON erklären die Forscher, dass ein neuronaler Rückmeldemechanismus diese Veränderungen verantwortet.

Lernen wie wir verlernen

„Jemanden das Fürchten lehren“ – das ist keine leere Ausdrucksweise, wie Tübinger Neurowissenschaftler immer klarer erkennen. Eine Forschergruppe um Dr. Ingrid Ehrlich (Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen [CIN] / Hertie-Institut für klinische Hirnforschung [HIH]) studiert Mechanismen des bedingten Lernens auf Zellebene, besonders des emotionalen Gedächtnisses. Nun haben die Wissenschaftler einen großen Schritt hin zum besseren Verständnis von erlernten Furchtreaktionen gemacht.
Publikation: Douglas Asede, Daniel Bosch, Andreas Lüthi, Francesco Ferraguti, Ingrid Ehrlich: Sensory Inputs to Intercalated Cells Provide Fear-Learning Modulated Inhibition to the Basolateral Amygdala. Neuron (2015), 2. April 2015 (online-Publikation), 22. April 2015 (Print-Publikation).
http://dx.doi.org/10.1016/j.neuron.2015.03.008

Feinstaub belastet Bundesligaspieler

Die Luftbelastung durch Feinstaub in Deutschland führt zu messbaren Beeinträchtigungen der Leistung von Bundesliga-Profis. Das geht aus einer aktuellen Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) hervor. Die Autoren werteten detaillierte Spielerdaten über einen Zeitraum von mehreren Jahren aus und verglichen sie mit den Feinstaub-Messwerten am jeweiligen Spielort. Bereits bei Luftwerten deutlich unterhalb der geltenden EU-Grenzwerte ließen sich negative Produktivitätseffekte nachweisen, die sich bei extremer Luftverschmutzung vervielfachen.
Andreas Lichter, Nico Pestel und Eric Sommer
Productivity Effects of Air Pollution: Evidence from Professional Soccer
IZA Discussion Paper No. 8964, April 2015
http://ftp.iza.org/dp8964.pdf

BITCOIN SPENDEN

Bitcoin QR Code Wanhoff

WWWW vom 12.8.2014: Nachrichten aus Hongkong

Kaum in Hongkong am Sonntag angekommen, gab es hier einen Ebola-Alarm. Es stellte sich aber heraus, dass der Nigerianer wohl nur eine Erkältung hatte.

Aktuelle Messdaten des IOW zeigen: Sauerstoffreiches Salzwasser aus der Nordsee hat das Gotland-Becken erreicht und verdrängt zum ersten Mal seit 2003 den Schwefelwasserstoff in den Tiefen der zentralen Ostsee.

Auf den Spuren der Safranwürze: Prof. Dr. Peter Beyer vom Institut für Biologie II der Universität Freiburg hat gemeinsam mit Prof. Dr. Giovanni Giuliano des Casaccia Research Centre in Rom/Italien und Forscherinnen und Forschern aus Saudi Arabien und Spanien ein Schlüsselenzym für die Synthese von Crocetin/Crocin, Pinocrocin und Safranal entdeckt. Diese Inhaltstoffe sind für Farbe und Aroma des Safrans verantwortlich. Das Enzym namens „Carotenoid Cleavage Dioxygenase 2” (CCD2) bewirkt die Synthese des Geschmacks des teuersten Gewürzes der Welt anhand der Spaltung eines Vorläufermoleküls.

Finden Arbeitnehmer ein hohes Ausmaß an Arbeitsbedingungen vor, die in den Tag-Wach-Rhythmus („chrono-biologisch“) eingreifen oder körperlich belastend sind, kann sich ihr Selbstmordrisiko deutlich erhöhen. Dieser Anstieg ist unabhängig von bekannten Risikofaktoren für suizidale Handlungen. Psychischer Stress am Arbeitsplatz hingegen weist keinen Zusammenhang mit der Suizidhäufigkeit auf.

Die Uni Kassel entwickelt nun Gestaltungsempfehlungen, wie Tablets, Smartphones, aber auch Fahrkartenautomaten mit einer Rückmeldung an die Fingerspitzen versehen werden können.

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WWWW vom 14.7.2014: Wären wir auch in Höhenlagen Weltmeister geworden?

Höhe macht Spielern zu schaffen

La Paz
Sind Fußballspieler benachteiligt oder sogar gefährdet, wenn sie in Höhenlagen von über 3.000 Metern an internationalen Spielen teilnehmen? Ein Forschungsprojekt hat ergeben: Die oft praktizierte ‚fly in – fly out‘-Strategie ist aus leistungsphysiologischer Sicht nicht zu empfehlen.

Spinat unter Druck

Fünf Mal am Tag eine Handvoll, so heißt die Empfehlung für den Verzehr von Obst und Gemüse. Voller Nähr- und Mineralstoffe steckt die pflanzliche Nahrung und enthält noch dazu jede Menge Vitamine. Sie liefert unserem Körper nicht nur Energie, sondern wirkt sich auch in vielerlei Hinsicht positiv auf die Gesundheit aus. Auch das Augenlicht braucht die tägliche Dosis Gemüse: So haben pflanzliche Farbstoffe (Carotinoide) aus grünem Gemüse wie Spinat, Grünkohl oder Brokkoli eine positive Wirkung auf die Netzhaut im menschlichen Auge. Jetzt hat man herausgefunden: Wenn mit hohem Druck gekocht wird, bleiben die meisten Farbstoffe erhalten.
Original-Publikation:
Arnold C et al. Carotenoids and chlorophylls in processed xanthophyll-rich food, LWT – Food Science and Technology 2014, DOI: 10.1016/j.lwt.2014.01.004

Abteilungsleiter und Führungsqualitäten

Wissenschaftler aus Dresden und Görlitz forschen am Zusammenhang von Führungsverhalten und psychischer Gesundheit von Mitarbeitern. Sie stellten bei der International Conference of Work, Wellbeing and Performance des Institute of Work Psychology 2014 in Sheffield (UK) vom 24. bis 26. Juni ihre Studie vor, die den Zusammenhang zwischen Führungsverhalten und psychische sowie physische Gesundheit der Geführten auch im internationalen Vergleich belegt.

Belegt> Radioblitze kommen aus den Tiefen des Universums

Die Entdeckung eines nur Sekundenbruchteile dauernden Radiostrahlungsausbruchs mit dem Arecibo-Radioteleskop auf Puerto Rico liefert wichtige neue Daten zu den rätselhaften Ausbrüchen, die aus großen Entfernungen im Universum zu kommen scheinen.

Wie Sternenstaub entsteht

Einer Gruppe von Astronomen konnte die Bildung von Sternenstaub in den Nachwirkungen einer Supernova in Echtzeit verfolgen. Sie konnten erstmals zeigen, dass sich die Staubkörner in diesen kosmischen Staubfabriken in einem zweistufigen Prozess bilden, der kurz nach der Explosion beginnt, aber noch Jahre lang andauert.
Diese Forschungsergebnisse wurden am 9. Juli 2014 in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature unter dem Titel „Rapid Formation of large dust grains in the luminous supernova SN 2010jl” von C. Gall et al. veröffentlicht.

WWWW vom 19.5.2014: Gruesse aus Koh Samui

Heute sende ich aus Koh Samui, einer Insel im Süden Thailands. Habe mich mal and den Pool gesetzt und aufgenommen. Ich hoffee Meeresrauschen und das Plätchern des Poolwasser stören nicht zu sehr 🙂

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(Mein Setup: iPad mit Kopfhörer und Mikro, Software Voice Record, das kann auch in MP3 konvertieren und in die Dropbox laden. Nur die ID3-Tags sind nicht vollständig. Hoffe es geht auch so)

Innere Uhr der Maus verändert

Wissenschaftlern um den Biochemieprofessor Florian Heyd von der Freien Universität Berlin ist es gelungen, die circadiane, also innere Uhr, von Mäusen so zu kontrollieren, dass die Tiere sich schneller an andere Zeitzonen gewöhnen. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe RNA-Biochemie konnten zeigen, dass das sogenannte alternative Spleißen eines bestimmten Gens die Anpassung der Versuchstiere an andere Zeitzonen kontrolliert.

Biber mischen sich, und das ist gut so

Wissenschaftler des Forschungsinstituts Senckenberg haben mittels genetischer Methoden die Populationsstruktur von Bibern in Mitteleuropa untersucht. Molekulargenetische Analysen konnten erstmals zeigen, dass sich Biber verschiedener Herkunft erfolgreich vermischen und dabei eine erhöhte genetische Vielfalt im Vergleich zu reinen Reliktpopulationen aufweisen. Die Biologen befürworten diese Vermischung und stellen gleichzeitig die bisherige Unterteilung in Unterarten für Mitteleuropa in Frage.

Wie Stabschrecken sich anpassen

Ist Evolution vorhersehbar und wiederholbar? Würde die natürliche Selektion einer Tier- oder Pflanzenart unter ähnlichen Bedingungen beim wiederholten Male ähnlich ablaufen? Eine internationale Studie mit Beteiligung der Universität Göttingen kommt zu dem Ergebnis, dass dies zumindest eingeschränkt gelten könnte. Die Wissenschaftler untersuchten das Genom einer kalifornischen Stabschreckenart. Dabei stellten sie fest, dass sich Teile des Genoms im Laufe der Zeit der jeweiligen geografischen Umgebung und den Lebens- und Ernährungsbedingungen der Tiere anpassen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Science erschienen.

Strömung bestimmt Futtergebiet für Meeresschildkrröten

Erwachsene Meeresschildkröten legen häufig sehr lange Strecken zwischen ihren Brutstätten und ihren Nahrungsgründen zurück. Bisher war jedoch nicht bekannt, woran sie sich bei der Auswahl ihres Lebensraumes orientieren. Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel haben gemeinsam mit Kollegen aus Großbritannien und Australien einen Zusammenhang zwischen Meeresströmungen und dem Wanderungsverhalten von Meeresschildkröten entdeckt. Die Studie ist jetzt in der internationalen Fachzeitschrift „Ecology“ erschienen.