WWWW vom 27.7.2008: Lampen, Lungenkrebs und Viagra für Frauen

Die Themen heute:
Die in Deutschlands Kommunen häufig in der Straßenbeleuchtung noch verwendeten Quecksilberdampflampen sind technisch und energetisch völlig veraltet. Schon der Einsatz moderner Lampen auf dem derzeitigen Stand der Technik bietet den Kommunen schon heute Einsparpotentiale in dreistelliger Millionenhöhe. Wissenschaftler der TU Darmstadt arbeiten bereits an der Lichttechnik der Zukunft, die in Form von energetisch und lichttechnisch optimalen LED-Lampen auch in der Straßenbeleuchtung ab etwa 2012 zur Verfügung stehen soll.
http://www.lichttechnik.tu-darmstadt.de – Das Fachgebiet Lichttechnik an der TU Darmstadt.

Frauen und Technik – das passt nicht zusammen! Die Frau gehört an den Herd und schmeißt den Haushalt, der Mann verdient das Geld und ernährt die Familie – solche Ansichten sind in manchen Köpfen noch fest verankert. Ihre Wurzeln reichen oft bis in die früheste Kindheit zurück. Auch in der Schule findet man solche klischeehaften Vorstellungen häufig. Mathematik gilt dort normalerweise als Jungen-, Deutsch als Mädchenfach.

Mehr: http://www.uni-jena.de

Lungenkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Eine der wichtigsten Behandlungsmethoden – neben der Operation und Chemotherapie – ist die Bestrahlung. Dabei müssen die hochenergetischen Strahlen exakt auf die Krebszellen ausgerichtet werden, um diese wirksam zu zerstören. Die Lunge und damit auch der Tumor bleiben aufgrund der Atmung jedoch nicht an einer festen Position, so dass leicht auch gesundes Gewebe durch die Strahlen geschädigt wird.
Link: www.krebshilfe.de

Frauen, die Antidepressiva nehmen und deshalb sexuelle Funktionsstörungen aufweisen, können mit Medikamenten wie Viagra eine Verbesserung ihrer Situation erreichen, sagt eine amerikanische Studie.

Transkript:
Teil 1: Anmoderation, LED-Leuchten

[Einleitung mit Auszug aus dem berühmten Film „Die Feuerzangenbowle“ in rheinischem Dialekt:

Wat is’n Dampfmaschin? Da stellen wir uns ma janz dumm und sagen ´ne Dampfmaschine dat is ne große, runde, schwarze Raum (… – englischer Text – …)]
Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft

Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 27. Juli 2008.

Zunächst ein herzliches Willkommen an die neuen Hörer von LingQ.com. Das ist eine Plattform, auf der man Sprachen lernen kann. Und dort können die Hörer Wanhoffs Wunderbare Welt der Wissenschaft anhören und, weil es eine Transkribierung gibt, auch nachlesen. Und als Gegenzug bekomme ich dann diese Transkribierung. Das heißt, auf meiner Webseite Wissenschaft.Wanhoff.de werden jetzt praktisch die kompletten Texte dessen, was ich sage zu lesen sein. Inklusive aller Versprecher. Und für mich auch ein Anreiz, etwas weniger Versprecher zu produzieren.

Die Meldungen heute. In Deutschland isses (umgspr: ist es) ja so, dass Straßenbeleuchtung weitgehend noch von Quecksilberdampflampen bestimmt wird. Die sind allerdings technisch und energetisch völlig veraltet. Problem dabei: Es gibt Ausgaben in Millionenhöhe, weil man eben diese alten Lampen verwendet, die ‘ne (umgspr: eine) ganze Menge Strom verbrauchen. Die Zukunft soll nun in LED-Lampen liegen, die bis 2012 zum Einsatz kommen sollten. Im Moment ist das aber noch Zukunftsmusik. Und deshalb sind Forscher dabei, diese LED-Lampen einmal auszuprobieren und auch zu verbessern.
Man muss wissen, dass die Beleuchtung von Straßen, Plätzen und Brücken etwa 10 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland ausmacht und den Staat Jahr für Jahr ungefähr 760 Millionen Euro kostet. Jede dritte deutsche Straßenleuchte ist älter als 20 Jahre, hat eine geringe Lichtausbeute und viele enthalten eben noch Quecksilber. Man geht jetzt davon aus, dass man ein Einsparpotenzial mit LED-Lampen hat, was beim CO²-Ausstoß schon bei 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr liegen könnte.

Zurzeit werden Lampen ausgewechselt und durch die gelb leuchtenden Natrium-Hochdruck-Lampen ausgetauscht. Wem diese eher schlechte Farbwiedergabe nicht gefällt, also diese gelbe Farbwiedergabe, der kann dann die weißen Halogenmetalldampflampen nehmen. Die geben ein weißes Licht wieder, sind allerdings auch teurer und sie halten nur gerade mal vier Jahre. Und deshalb sagen die Forscher, wir wollen auf LED setzen. Die Vorteile bei LED: 14 Jahre Lebensdauer, viel niedrigere Wartungskosten, man kann sie stufenlos von 0 auf 100 Prozent dimmen und sie sind extrem klein, das heißt, man kann Lampen völlig neu gestalten.

Das Problem ist zurzeit, dass sie noch nicht effizient genug sind, zumindest im Vergleich mit Natriumdampf-Lampen. Und außerdem ist das weiße Licht nicht jedermanns Sache. Derzeit gab es eine Befragung in Hofheim im Taunus über das Licht von weißen Lampen. Ob das denn den Leuten gefällt oder nicht. Und die befragten Teilnehmer haben gesagt, ja, das weiße Licht, das ist schon okay so. Damit können wir leben.

So. Bis 2012 will man jetzt in der Forschung, vor allem bei der Lichttechnik der TU Darmstadt weiter kommen bei den LED-Leuchten und sie effizienter machen, so dass dann 2012 wirklich LED-Leuchten in der öffentlichen Straßenbeleuchtung eingesetzt werden können.

Die Firma E.ON Bayern hat dem Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik der TU München den Umweltpreis 2008 verliehen und zwar für ein Verfahren zur Schnellerkennung umweltschädlicher Stoffe in Gewässern. Die Biohybrid-Sensorchips können an Bächen und Flüssen dauerhaft installiert werden und können permanent die Konzentration von Giftstoffen im Wasser messen. Gerade bei Gewässern, in die regelmäßig Abwässer eingeleitet werden, kann die Schnellerkennung dazu beitragen Umweltsünder zu erfassen und den Abwasserzulauf im Notfall zu sperren.

Wie funktioniert das Ganze? Über eine kleine Pumpe wird im Abstand weniger Minuten Wasser entnommen und einem mit Mikroorganismen, zum Beispiel Algen, bestückten Sensorchip zugeführt. Die Untersuchung geeigneter Algen erfolgte übrigens in wissenschaftlicher Kooperation mit der Limnologischen Station der TU München in Iffeldorf. Der Stoffwechsel der Algen wird durch bioelektronische Sensoren erfasst und verändert sich je nach Konzentration umweltschädlicher Stoffe im Wasser. Mit einer speziellen Elektronik werden dann die Änderungen der Wasserqualität gemessen und können mittels einer eingebauten Bluetooth-Konnektivität per Mobiltelefon an einen zentralen Server weitergeleitet werden und dort eventuell Alarm auslösen. So kann man mit einem relativ geringen technischen Aufwand mehrere Messstationen doch sehr gut verwalten.
Außerdem werden diese Messgeräte mit Akkus betrieben, die wiederum durch Solarzellen aufgeladen werden können. Dadurch sind die Geräte und die Sensor-Chips auch sehr unabhängig was den Standort angeht. Man braucht lediglich ein Mobilfunknetz.

Psychologinnen der Universität Jena haben Kinder und Jugendliche auf Geschlechterstereotype getestet. Geschlechterstereotype sind zum Beispiel die Aussage “Frauen und Technik, das passt nicht zusammen” oder “Mathematik ist ein klassisches Jungenfach und Deutsch ein klassisches Mädchenfach”.
Dr. Petra Jelenec von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit mal dieses Stereotype-Denken bei Jugendlichen und Kindern untersucht. Interessanterweise hat sie herausgefunden, dass Mädchen die Geschlechter automatisch stärker mit den Schulfächern assoziieren. Für ihre erste Studie untersuchte sie Grundschüler der vierten und Gymnasialschüler der siebten und neunten Klassen jeweils mit dem gleichen Anteil von Jungen und Mädchen und insgesamt waren es 535 Schülerinnen und Schüler.
In einem Test ermittelte sie, dass die Schüler Mathe spontan mit Jungen und gleichzeitig Deutsch spontan mit Mädchen verknüpfen. Genau wollte sie wissen, wie stark das ist. Und erstaunlich waren die unterschiedlichen Ergebnisse bei Mädchen und Jungen. In einem zweiten Test mit insgesamt 200 Gymnasialschülerinnen untersuchte sie wiederum Geschlechterstereotypen und wollte herausfinden, ob sich die von ihr festgestellten stärkeren automatischen Stereotype bei Mädchen auf Mathe oder Deutsch beziehen.

Sie stellte fest, dass Jungen sowohl Mathe als auch Sprache, mit ihrer eigenen Geschlechtsgruppe verbinden, den Mädchen jedoch keines von beiden Fächern zuordnen. Jungen nehmen demnach wohl keine Einteilung in Mädchen- und Jungenfach vor. Vielmehr trauen sie sich offenbar beide Fächer zu.

Mädchen zeigten dagegen im zweiten Test eine starke Assoziation ihres eigenen Geschlechts mit Deutsch. Mathe ordneten sie jedoch weder Jungen noch Mädchen zu. Das heißt sie können wohl keine positiven spontanen Assoziationen zwischen Mathematik und ihrem eigenen Geschlecht aufbauen. Das wiederum könnte bedeuten, dass sich Mädchen und Frauen in Mathe spezi (Versprecher), spezifischen Fragen leichter verunsichern lassen. Jetzt ist die Frage, warum ist das so? Das kann schlicht auch an der Umwelt, also Eltern, Lehrern und Schulkameraden liegen, nämlich dass deren Verhaltensweisen einfach übernommen werden. Das muss also nicht genetisch oder wie auch immer manifestiert sein.

Lungenkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Das sagt zumindest die Deutsche Krebshilfe und es geht in dieser Nachricht um eine Frage der besten Therapie für Lungenkrebs. Bisher ist das nämlich die Bestrahlung. Das Problem bei der Bestrahlung: Diese Strahlen müssen exakt auf die Krebszellen ausgerichtet werden, um sie wirksam zu zerstören, aber sie sollen natürlich kein gesundes Gewebe zerstören. Das aber ist ein Problem beim Lungenkrebs, weil der Patient nun mal atmet. Und wenn er atmet, dann verschiebt sich logischerweise die Position des zu bestrahlenden Tumors.
Wissenschaftler am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wollen jetzt konkrete Empfehlungen erarbeiten, wie Lungentumore trotz der Atembewegung verbessert bestrahlt werden können. Das Ganze wird unterstützt von der Deutschen Krebshilfe. Eigentlich ist es heute technisch möglich, mit einer sehr hohen Genauigkeit die gewünschte Strahlendosis in den Tumor einzubringen, wenn denn eben das Problem der Bewegung nicht wäre.

Mit einem neuen Forschungsprojekt soll jetzt unter anderem analysiert werden, wie groß die Sicherheitssäume um den atmungsbewegten Tumor sein müssen, um diesen bei reduzierter Belastung des gesunden Gewebes gleichmäßig bestrahlen zu können. Eine Möglichkeit ist den Tumor nur in ausgewählten Atempausen zu bestrahlen. Dafür braucht man ein vierdimensionales Bild, das die inneren Organe in vierzehn verschiedenen Atemphasen abbildet und somit die räumliche Bewegung des Tumors und der Lunge erfassbar macht. 33.000 Männer und 13.200 Frauen erkranken jährlich neu an einem Lungenkarzinom. Das größte Problem dabei ist die Früherkennung. Die ist nämlich kaum möglich. Meistens isses (Umgspr: ist es) so, dass die Tumore dann schon gewachsen sind und eventuell sogar gestreut haben. Und deshalb isses (Umgspr: ist es) wichtig, dass man eine Therapie möglichst genau einsetzen kann.

Eine Meldung aus Amerika beschäftigt sich mit Frauen, die Depressionen haben und deshalb auch oft ein, sagen wir, gestörtes Sexualleben haben. Grund dafür sind meistens bestimmte Antidepressiva. Die führen zu einer Dysfunktion der Libido oder des sexualen Triebes und Forscher in Amerika haben jetzt mal untersucht, was man dagegen machen kann und haben den Frauen Viagra gegeben. Und siehe da. Das Ganze hat einen Effekt. Bezieht sich aber, und das muss man wissen, auf Frauen, die Antidepressiva nehmen. Nur da funktioniert es.

Es ist so, dass bei diesen Antidepressiva-Therapien zwischen 30 und 70 Prozent der Männer und Frauen sexuelle Störungen aufweisen. Bisweilen deshalb sogar die Therapie abbrechen. Und deshalb hat George Nurnberg, MD of the University of New Mexico School of Medicine zusammen mit ein paar Kollegen mal eine Studie gemacht und hat Frauen Placebo gegeben und anderen Frauen eben dieses Viagra. Genauer gesagt handelt es sich um den Wirkstoff Sildenafil. Und das Ganze dann in verschiedenen klinischen Studien eben untersucht an sieben verschiedenen US-Research-Centern.

Das Ergebnis: 23 Prozent der Frauen, die ein Placebo bekommen haben, sagten, es hatte keine Wirkung. 28 Prozent der Frauen, die das Sildenafil genommen haben, sagten, es habe keine Wirkung. Also genau umgekehrt. Man kann auch sagen, 70 Prozent der Frauen, die dieses Viagra bekommen haben, sagten, es hat eine Wirkung. Leider hat es auch eine Nebenwirkung, nämlich zum Beispiel Kopfschmerzen. Aber das Interessante ist eben, dass man herausgefunden hat, dass mit diesem Viagrastoff durchaus auch Frauen therapiert werden können, wenn sie denn, wie gesagt, Antidepressiva nehmen.

Der Umkehrschluss gilt nicht, dass Viagra eine bestimmte Wirkung hat, man aber erst mal Antidepressiva nehmen muss. Sondern es ging um Frauen, die eben wegen der Antidepressiva sexuelle Störungen entwickelt haben.

Das war es für heute. Ich bedanke mich fürs Zuhören und wünsche wie immer eine schöne Woche. Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

In eigener Sache: Transkriptionen und Lingq.com

Es gibt Menschen, die sich gerne für eine Sache einsetzen: Zum Beispiel Vera Ihrig. Sie hat Englisch gelernt bei einer Plattform namens LingQ.com und möchte nun Deutsch-Lernenden helfen. Also fragte sie mich, ob sie Wanhoff Wunderbare Welt der Wissenschaft verwenden dürfe, als Gegenleistung gibt es dann den transkribierten Text. Die beiden letzten Folgen sind schon abgeschrieben. (Hätte ja nicht gedacht dass ich so viele Versprecher habe )
Das finde ich eine gute Idee, und deshalb schickt mir Vera Ihrig jetzt die Transkriptionen und ich gebe LingQ.com die Sendung und trommele ein wenig dafür. Man kann dort nämlich gratis Sprachen lernen, nur wer einen Online-Tutor haben will muss bezahlen.

Von hier aus VIELEN VIELEN DANK an VERA IHRIG für die unglaubliche Arbeit die sie sich macht!

WWWW vom 20.7.2008: Nachrichten aus der Wissenschaft

SONDERHINWEIS: Interview mit Ruth Jesse, Goethe-Uni Frankfurt, über wandernde Arten auf Scienceblogs.de

Die Themen in der heutigen WWWW-Sendung:
Dr. Karsten Tabelow, Mitarbeiter am Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS) und Mitglied im DFG-Forschungszentrum MATHEON in Berlin, glättet medizinische Bilddaten mit neuartigen Methoden. Jetzt hat er sich einem Selbstversuch unterzogen.
http://www.matheon.de
http://www.wias-berlin.de/people/tabelow/

Pflanzen nützen Licht als Energiequelle. Aber wie schützen sie sich vor Schäden durch zu starke Sonneneinstrahlung? Der molekulare Mechanismus dieses fundamentalen Prozesses ist noch weitgehend unbekannt. Einen Teil des Rätsels jedoch konnte der theoretische Chemiker Privatdozent Andreas Dreuw von der Goethe-Universität lösen: Er sagte einen Mechanismus vorher, der es Pflanzen ermöglicht, die gewöhnlich stattfindende Umwandlung des Lichts in chemische Energie zu unterdrücken und die Extradosis Sonnenstrahlung stattdessen direkt in Wärme umzuwandeln.

Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe wurde die S-2 Leitlinie zur “Prävention, Diagnostik und Therapie der HPV-Infektion und präinvasiver Läsionen des weiblichen Genitale” fertiggestellt.

Bienenverluste durch insektizide Saatgutbehandlungsmittel in Deutschland 2008
Ende April und Anfang Mai 2008 kam es in einigen Regionen in Südwestdeutschland zu einem Bienensterben, bei dem nach letzten Erhebungen etwa 11.000 Völker teilweise erheblich geschädigt wurden.

Seltene Affenart in Vietnam entdeckt

Nierensteine und Klimawandel


Das komplette Script:
Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 20. Juli 2008. Zunächst etwas, was hier nicht zu hören ist, aber bei meinem neuem Engagement sozusagen, bei scienceblogs.de, möchte ich darauf hinweisen, dass ich dort ein Interview habe mit Ruth Jesse. Die arbeitet an der Goethe-Universität am Institut für Biologie, kümmert sich um Evolution und um Artenwanderungen. Und sie hat untersucht, warum eine Süßwasserkrabbe in Italien ist und wie sie dahin gekommen ist. Kleines Interview, elf Minuten lang, gibt’s bei scienceblogs.de. Jetzt aber zu wunder (Versprecher) zu wunderbare Welt der Wissenschaft.

Dr. Karsten Tabelow ist Mitarbeiter am Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik, also ein Mathematiker. Und Mathematiker haben manchmal sehr anwendbare Forschungen. In dem Fall geht es um die Glättung von medizinischen Bilddaten. Langjährige Hörer der Sendung können sich vielleicht dran erinnern, dass ich mal ein Interview gemacht habe in Berlin mit einem Mathematiker, der Verfahren programmierte oder errechnete, mit denen man bei Operationen etwas genauer die Operationsstelle, vor allem im Hirn, lokalisieren kann. Jetzt also wieder Mathematiker. Diesmal geht es um Bilddaten.

Wichtig ist, dass man nämlich die Bilder von bildgebenden Verfahren wie der (Versprecher) dem Magnetresonanztomografen besser darstellen kann. Das Problem ist, es gibt den Wunsch nach einer höheren Auflösung. Man will aber auch eine Absenkung des sogenannten Signalrauschverhältnisses. Und das bedeutet, die Bilder werden letztlich schlechter, obwohl die Auflösung vielleicht höher ist. Das hat dann natürlich einen negativen Einfluss auf die medizinische Diagnostik. Und bisher wird mit sogenannten nicht-adaptiven Glättungsverfahren gearbeitet. Da kann man zwar die Bildqualität erhöhen, da wird dann aber die effektive Auflösung geringer, d. h. (d.h.: das heißt) feine Details und Ränder gehen verloren, weil bei dieser Methode einzelne lokale Gegebenheiten nicht berücksichtigt werden.

Mit dem von Tabelow jetzt entwickelten Verfahren hofft man das Ganze zu verbessern und die Form und Ausdehnung von relevanten Strukturen dabei zu erhalten. Dabei werden im Vorfeld bestimmte Eigenschaften der Daten, die für den Aufnahmeprozess charakteristisch sind bestimmt und dann wird ein Modell erarbeitet, das darauf passt und eben diese lokalen Gegebenheiten berücksichtigt. Damit kann man das Rauschen dann aus den Auf, äh, (Versprecher) Aufnahmen entfernen, ohne dabei die Strukturen zu zerstören.

Die Wissenschaftler glauben, dass, wenn sie mal soweit sind, dass das Ganze fertig ist, sie es auch für Digitalkameras anwenden können. Man kennt das Ganze: Schlechte Lichtverhältnisse, wenn man da ein Foto macht, hat man ein gewaltiges Rauschen. Bis das aber in Digitalkameras zur Anwendung kommt, dauert es noch ein bisschen. Tabelow war gerade an der Cornell-University in New York. Hat sich dort in ein MRT gelegt. Hat bestimmte visuelle Stimuli auf sein Hirn einwirken lassen und mit diesen Daten dann versucht sein Modell zu verbessern. Dauert noch ein bisschen. Er glaubt, dass er da auch noch mal hin muss, sich noch mal rein legen muss, aber wenn (Versprecher), aber er glaubt, dass er auf dem richtigen Weg ist und bisher sieht es so aus, dass wirklich die Bilddaten besser aussehen.

Man weiß ja, dass Pflanzen das Licht als Energiequelle nutzen. Jetzt ist nur die große Frage, und gerade hier in Vietnam kann ich mir die ja täglich stellen, wie schützen die sich eigentlich vor zuviel Sonneneinstrahlung? Weil, sie wandeln ja eigentlich diese Sonneneinstrahlung um, aber was ist, wenn es zu viel gibt?

Es gibt einen Forscher namens Andreas Dreuw, ich hoff’ (umgspr: hoffe) ich hab’s richtig ausgesprochen, von der Goethe-Universität, wieder in Frankfurt. Er ist ein theoretischer Chemiker und er sagte einen Mechanismus vorher, der es Pflanzen ermöglicht, die Umwandlung des Lichts in chemische Energie zu unterdrücken und die Sonnenstrahlung einfach als Wärme abzugeben oder in Wärme umzuwandeln. Es ist so, dass Pflanzen die Sonnenenergie mit bestimmten Antennenkomplexen einsammeln, die aus mehreren Pigmentmolekülen bestehen. Das sind zwei Sorten von dem bekannten Chlorophyll und verschiedene sogenannte Karotinoide. Kennen wir als Farbstoff der Karotte. Die Lichtenergie regt dann Elektronen in den Pigmenten an und ein bestimmter Transportmechanismus zwischen den Fotosystemen sorgt dafür, dass die Elektronen bei der Rückkehr in den (Versprecher), in den Grundzustand chemische Energie erzeugen. Bei starker Sonneneinstrahlung würde das allerdings bedeuten, dass halt permanent Energie erzeugt wird und die Pflanze sich selbst zerstört. Man glaubt jetzt einen nicht-fotochemischen, sogenannten Quenching-Prozess, gefunden zu haben, der das Ganze eben in Wärme umwandelt.

Gurke, Spinat und Erbsen dienten als erste Forschungsobjekte. Man hat aus den Blättern Proteine der lichtsammelnden Komplexe extrahiert. Hat dann mit ultrakurzen Laserpulsen die gesuchten elektronischen Übergänge versucht gezielt anzuregen und dabei dann zu schauen, wie sich dieser Quenching-Komplex aus Karotinoiden und Chlorophyll bildet. Er ist so beschaffen, dass dessen elektronische Struktur verhindert, dass fotochemische Prozesse überhaupt möglich sind. Interessante Geschichte. Spielt, na, schon zweimal jetzt Frankfurt haben wir drin, einmal die Ruth Jesse, die bei Scienceblogs ist und den Herrn Privatdozenten Andreas Dreuw. Vielleicht heißt er Dreuw. D r e u w. Wer mehr darüber wissen will, ich habe Links zu allen Forschungen auf der Webseite wissenschaft.wanhoff.de.

Dann ein Thema was bisweilen umstritten ist. Es geht um die, ja, Impfungen bei Gebärmutterhalskrebs. Ich hatte, glaube ich, mal ‘ne Geschichte von Placebo-Alarm. Da ging es darum, dass eine Firma gesagt hat, O.K., wir müssen alle impfen gegen Gebärmutterhalskrebs, und die haben damals mit Daten gearbeitet, die so nicht richtig waren. Es ging da vor allem um den Anteil an Erkrankten in der Bevölkerung. Es ist nämlich so, dass die (Versprecher) der Gebärmutterhalskrebs in der Gesamtbevölkerung der Welt höher ist als wenn man zum Beispiel nur Deutschland nimmt. Aber auch in Deutschland gibt es Erkrankungen. 2004 wurden 6.200 neue Zervix-Karzinome registriert und ca. 1660 Frauen verstarben daran. Und jetzt gibt es unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshelfe (Versprecher), –hilfe, -hilfe eine neue Leitlinie zur Prävention von solchen Krebserkrankungen. Und bisher ist es halt so, dass man sagt, O.K., je früher man impft, umso besser. Das ist diese sogenannte Primärprävention.

Prof. Walter Jonat ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshelfe (Versprecher: Geburtshilfe) und er empfiehlt eben die, die Impfung gegen die sogenannten HPV, die Humanen Papillomviren. Er sagt die Einführung der Impfung für Mädchen vor Aufnahme des Geschlechtsverkehrs wird den Gebärmutterhalskrebs langfristig senken. Wir rechnen mit einer Reduzierung der Sterblichkeit bis zu 70 Prozent. Es ist so, dass diese Impfung eine Dreifach-Impfung von den Krankkassen bis zum 17. Lebensjahr auch bezahlt wird.

Eine andere Frage ist dann die Sekundärprävention. Es ist nämlich so, dass nach Beginn der sexuellen Aktivität, und da wissen wir auch schon, wie das ganze übertragen wird, die Gefahr an einer HPV-Infektion zu erkranken, sehr hoch ist. Und auch Kondome übrigens nicht schützen. Untersuchungen zeigen, dass bereits fünf Jahre nach Aufnahme der sexuellen Aktivität ca. 60 Prozent der jungen Frauen mit HPV infiziert sind. Und deshalb sagt man, wir brauchen auf jeden Fall diese prophylaktische Erstimpfung. Wir brauchen aber auch regelmäßige Untersuchungen. Es gibt einen sogenannten PAP-Test. Das ist eine Abstrich (Versprecher), ein Abstrich von Zellen am Gebärmutterhals. Wer älter als 20 ist, sollte das regelmäßig machen und wer älter als 30 ist, dem wird eine Testung auf eine HPV-Infektion empfohlen. Problem dabei, das zahlt die Kasse (hier: Krankenkasse) nicht. So eine Testung kostet in Deutschland cirka 100 Euro. Dennoch sollte man damit nicht spaßen. Das Problem beim Gebärmutterhalskrebs ist, dass er eine Krebsart ist, die relativ früh auftritt. Im Durchschnitt bei 51 Jahren. Das mag jetzt alt klingen, aber weibliche Krebserkrankungen treten in der Regel durchschnittlich 18 Jahre später auf. Und deswegen sollte man zumindest sich mit diesem Thema als Frau einmal beschäftigen.

Dann habe ich eine Geschichte gefunden, von der ich nicht weiß, ob sie in Deutschland schon durch ist und sehr groß war. Sie liest sich aber wie eine Geschichte aus einer meiner Lieblingsserien, nämlich CSI. Es geht um ein Bienensterben. Das gab es Ende April und Anfang Mai diesen Jahres in einigen Regionen in Südwest-Deutschland. Etwa 11.000 Völker wurden teilweise erheblich geschädigt. Und jetzt war die große Frage, woran lag es, warum sind die gestorben? Und es gab das Ministerium für Ernährung und länd- in, wie heißt das, (Versprecher) Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum in Baden-Württemberg und Imkerschaft-Bienenuntersuchungsstelle des Julius-Kühn-Instituts. Alle haben mitgearbeitet und haben ein schnell einen Verdacht gehabt, nämlich Mais-Saatgut, das mit einem Insektizid behandelt wurde namens Chlothianidin. Und die chemischen Analysen des Julius-Kühn-Institutes haben ergeben, ah-ha, die Bienen hatten eine Chlothianidin-Vergiftung.

So, große Frage, woher kommt das? Na ja, man weiß, dass es im Mais-Saatgut wohl verwendet wurde als Pflanzenschutzmittel. Man merkte dann, dass der Wirkstoff aber wohl nicht ausreichend an den Körnern heftete und es deshalb auch zu einem Abrieb gab (Versprecher, richtig: Abrieb kam). Und jetzt kommt noch dazu, dass in der Oberrhein-Ebene zur Aussaat mit Druckluft arbeitende Sä-Maschinen eingesetzt wurden. Und die haben dann, weil sie eben so konstruiert sind, wie sie konstruiert sind, diesen Abriebstaub mit dem Pflanzenschutzmittel in die Luft abgegeben. Und der Staub ist dann auf blühende Pflanzen gekommen. Und die blühenden Pflanzen, die haben dann die Bienen getötet und geschädigt.

Und es ist wohl so, dass es nicht alle Mais-Saatgute jetzt da waren, sondern ganz bestimmte Chargen und deswegen konnte man das auch ganz gut eingrenzen, wo das Ganze überhaupt passiert ist. Fand ich ‘ne ganz interessante Geschichte. Welche Folgerungen gibt es. Na ja, es ist so, man hat jetzt überlegt, ob das ganze auch den Raps betrifft, weil da wohl dieses Mittel auch ver- (Versprecher), verwendet wird. Und ist aber nicht so. Man hat Abriebfestigkeitsprüfungen gemacht. Und der Abrieb bei Raps ist eher gering und deutlich unter den Werten bei Mais. Und die Abrieb-Stäube, ein sensationelles Wort, Abrieb-Stäube, gelangen eher in den Boden, weniger in die Luft. Überhaupt ist es dann weniger Wirkstoff auf einen Hektar. Dennoch gibt es jetzt Warnungen auf den Verpackungen stehen dann Sachen wie “Keine Ausbringung des behandelten Saatgutes bei Wind mit Geschwindigkeiten über fünf Meter pro Sekunde” oder man sollte nicht mit pneumatischen Sä-Geräten arbeiten und das behandelte Saatgut bitte vollständig in den Boden einbringen. Interessante Geschichte. Man wird immer etwas wieder schlauer, leider nachher und zum Leidwesen der Imker in Südwest-Deutschland.

Transkription: Vera Ihrig

Sprachen lernen einfach: http://www.lingq.com

WWWW vom 13.7.2008: Das Treibhausgas Stickstofftrifluorid

Die Themen heute:
Das in der Produktion von Flachbildschirmen verwendete Stickstofftrifluorid gefährdet die Atmosphäre viel stärker als bisher bekannt. Stickstofftrifluorid wird zur Entfernung von Rückständen von der Bedampfung des Bildschirms verwendet. Wie NewScientist in seiner Onlineausgabe berichtet, ist diese zu den langlebigen Treibhausgasen gehörende Verbindung 17.000 Mal wirksamer als Kohlendioxid.

Mehr zum Thema Treibhausgas

Ein Forscherteam der University of Oklahoma hat einen Entwicklungszyklus bei madagassischen Chamäleons entdeckt, der sie eher an jenen von Insekten erinnert: Das kleine Reptil verbringt zwei Drittel seines Lebens in seinem Ei. Dann schlüpft es, wächst innerhalb zweier Monate zur Geschlechtsreife heran, pflanzt sich fort und stirbt ehe der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt hat, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe.
Mehr über das Chamäleon

Vergleicht man die Behandlung von AIDS-Patienten in Afrika mit denen in der Schweiz, so gibt es qualitativ nicht unbedingt einen Unterschied. Während man in Afrika allen die gleiche Mischung aus bestmmten Medikamenten gibt, wird das in der Schweiz individuell angewandt. Der Effekt ist aber der gleiche, sagt eine Studie.

Die flüssige Masse in Erdkernnähe bewegt sich schneller als angenommen, haben Forscher aus Potsdam herausgefunden. Dazu wurde eine Kombination von hochgenauen Messungen des Erdmagnetfelds vom Geoforschungssatelliten CHAMP mit den Daten des dänischen Satelliten Ørsted und Messungen aus Observatorien über einen Zeitraum von neun Jahren verwendet.
* “Rapidly changing flows in the Earth’s core”, Nils OLSEN and Mioara MANDEA, Nature Geoscience 1, 390 – 394, doi: 10.1038/ngeo203

Wissenschaftler der Alfred-Wegener-Instituts versuchen, die Eisbedeckung am Nordpol am Ende des Sommers vorherzusagen. Sie sind Teil eines wissenschaftlichen Wettstreits, an dessen Ende das beste Vorhersagemodell stehen soll.
Mehr zum Thema Eisdecke am Nordpol

TRANSSRIPT:
Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft

Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaften in der Ausgabe vom 13. Juli 2008. Diese Sendung ist wieder vorproduziert. 3 Tage vorher. Weil morgen geht es nach Phan Tiet. Ich muss mal an den Strand. Das ist der Vorteil, wenn man eine Frau hat, die für Hotels arbeitet. Da kann man sich diese Hotels auch mal anschauen.

Ansonsten geht’s mir gut in Saigon. Das muss ich sagen. Diese Stadt ist toll. Und ich habe mein MacBook heute zur Reparatur gebracht, weil es irgendwie plötzlich nicht mehr wollte und hier gibt’s irgendwie vier Apple-Stores, also, man hat hier alles, was man so braucht zum Leben. Unter anderem auch ganz tolle Wissenschafts-Nachrichten, die ich mir natürlich wieder aus dem Internet hole.

Bionity.com ist übrigens eine Quelle, aus der ich mich bediene. Und dort habe ich eine Meldung gefunden, die sich auf einen Online-Bericht des NewScientist beruft. Und zwar geht es um Flachbildschirme, genauer das bei der Herstellung verwendete Stickstofftrifluorid. Das nämlich ist ein Treibhausgas, das siebzehntausendmal wirksamer sein soll als Kohlendioxid. Am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg beschäftigt man sich mit diesem Problem. Äh. Jedes Jahr gibt es etwa 4.000 Tonnen dieses Gases in die Atmosphäre. Das würde ungefähr 67 Millionen Tonnen Kohlendioxid entsprechen. Bisher gibt es noch keine wirkliche Kontrolle. Es gibt auch keine Grenzwerte und das Stickstofftrifluorid ist auch nicht im Kyoto-Protokoll von 1997 erwähnt.

Wissenschaftler hoffen, dass es jetzt in den Nachkonferenzen und Nachfolgeerklärungen als gefährliches Treibhausgas mit aufgenommen wird. Man benützt das übrigens, äh, zur Entfernung von Rückständen bei der Bedampfung des Bildschirms. Hm. Das Problem außerdem ist, wenn es in die Atmosphäre gelangt, dann dauert es ziemlich ewig, genauer gesagt 550 Jahre, bis es denn nachher wirklich abgebaut ist. Und deswegen glaubt man, dass das Ganze bald ein größeres Problem sein könnte.

Eine weitere Nachricht habe ich gefunden von der University of Oklahoma. Die hat sich beschäftigt mit dem Entwicklungszyklus des madagassischen Chamäleons. Jenes war mir vorher nicht so wirklich präsent. Es ist interessant. Dieser Entwicklungszyklus des, dieses madegassischen (Versprecher), madagassischen Chamäleons erinnert an den von Insekten. Der Grund: zwei Drittel seines Lebens verbringt das Reptil in seinem Ei. Dann schlüpft es. Wächst innerhalb zweier Monate zur Geschlechtsreife heran. Pflanzt sich fort und stirbt ehe der Nachwuchs überhaupt das Licht der Welt erblickt hat. Diese erstaunliche Geschichte haben Forscher um Kris Karsten in freier Wildbahn auf der Insel Madagaskar erforscht. Dieses Chamäleon gehört ja zu den kleinsten Vertretern seiner Art. Männchen sind grad’ mal neun, Weibchen, äh, mal eben sieben Zentimeter lang. Äh. Die Forscher waren deshalb ein bisschen verwundert, weil sie eigentlich in der freien Wildbahn nur erwachsene Tiere gefunden haben und sich ein bisschen fragten, wo sind eigentlich die jungen Tiere. Und dann haben sie sich das Ganze mal genau angeschaut, haben vierhundert Chamäleons mit Radiosendern ausgestattet und dann diesen fort (Versprecher), Lebens- und Fortpflanzungszyklus genau beobachtet. Es ist so, dass im Januar, äh nein, im November, sorry, im November die Jungtiere fast alle gleichzeitig, äh, schlüpfen. Innerhalb von sieben Wochen sind sie dann erwachsen. Und ausnahmslos sterben alle erwachsenen Tiere im April des darauf folgenden Jahres, knapp vor dem Einsetzen der Trockenzeit übrigens. Und die Weibchen, die legen dann, kurz vor dem Tod ungefähr zwölf Eier, jedes ist etwa 1,2 Zentimeter groß. Da habe ich mich nur gefragt, wenn das Weibchen gerade mal sieben Zentimeter ist, zwölf Eier mal 1,2, das sind hmhmhm, wow, ganz schön gedehnt. Ja, und diese Eier, die werden dann in Erdlöcher getan und acht Monate lang ausgebrütet.

Es wird derzeit wohl angenommen, dass der Reproduktionsakt der Chamäleons ein sehr energieintensiver ist und sie schließlich das Leben kostet und man glaubt, dass eben das Sexualverhalten der Reptilien sehr energetisch aufwändig ist, weil die Männchen sich sehr, sehr lange Kämpfe bisweilen leisten und wohl der Sexualakt an sich bei diesem kleinen Chamäleon auch nicht gerade von schlechten Eltern ist. Außerdem ist die Trockenzeit eine sehr starke physiologische Belastung, so dass viele Tiere eine Art Winterschlaf halten um Energie zu sparen. Es gibt aber eben auch Arten, wie das Chamäleon, bei denen man das Problem mit der Trockenzeit einfach dadurch löst, dass man vorher stirbt.

Die Forscher sagen, sie haben Chamäleonweibchen gesehen, die völlig abgemagert waren, aber immer noch Eier mit sich getragen haben und die diese kurz vor dem Ablegen dann gestorben sind, äh, nach dem Ablegen. Sie konnten also grad die Eier noch ablegen und dann sind sie gestorben. Scheint eine Überlebensstrategie zu sein für das madagassische Chamäleon. Stirbt früh.

Wenn man vergleicht, wie in Afrika, genauer in Südafrika Patienten die HIV haben, behandelt werden, mit denen, die in der Schweiz behandelt werden, dann kann man unter bestimmten Voraussetzungen feststellen, dass der Unterschied gar nicht so groß ist. Das zumindest hat jetzt eine Studie ergeben, die im PLoS Medicine Journal, veröffentlicht wurde. Man hat sich nämlich eine Zahl, eine bestimmte Zahl, von Patienten in Südafrika angeguckt. Die haben alle fast die gleiche Kombination aus Anti-Aids-, sagen wir es mal so, Anti-HIV-Mitteln bekommen, also um das ausgebrochene Virus zu bekämpfen. Und das wurde verglichen mit der sehr individualisierten Behandlung in der Schweiz. Und man hat herausgefunden, dass bis auf bestimmte Unterschiede, eigentlich der Behandlungserfolg durchaus der gleiche ist. Verglichen wurden tausend Patienten in der Schweiz mit zweitausend Patienten aus zwei verschiedenen Townships. Und man hat herausgefunden, dass entscheidend für die Qualität der Behandlung ist, dass man früh genug beginnt. Hier waren dann auch die Unterschiede zu sehen. Es gab eine höhere Sterblichkeitsrate bei den afrikanischen Patienten, was aber eben daran lag, dass sie meistens erst zu spät behandelt wurden. Man glaubt jetzt mit dieser Erkenntnis doch ein bisschen besser auch die WHO-Maßnahmen steuern zu können, in dem man eben sagt, Freunde wir haben herausgefunden, ihr müsst gar nicht jeden AIDS-Patienten einzeln individuell einstellen. Es gibt eine Art Standard-Behandlung für AIDS-Patienten und damit kann man vielleicht etwas effektiver gerade in Afrika arbeiten.

Mioara MANDEA ist vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam und beschäftigt sich zusammen mit ihrem dänischen Kollegen Nils Olsen aus Kopenhagen mit Bewegungen im Erdkern. Und sie haben herausgefunden, dass Bewegungen im flüssigen Teil des Erdkerns sehr, sehr schnell vonstatten gehen und dass Magnetfeld der Erde beeinflussen. Wie haben sie das gemacht? Na ja, sie haben sehr, sehr genaue Messungen des Erd-Magnetfelds genommen, haben dazu Satelliten verwendet, die das sehr genau kennen (falsch: können, wäre korrekt). Und haben diese Messungen über einen Zeitraum von neun Jahren verwendet. Dadurch konnten sie auch zeigen, dass in einer Tiefe von dreitausend Kilometern doch einiges vor sich geht. Sie konnten ein Mobell, Modell der Fließbewegungen erstellen und haben herausgefunden, dass die Fließbewegung im Erdkern räumlich durchaus begrenzt ist und schnelle, nahezu plötzliche Veränderungen über wenige Monate einschließt. Das mag jetzt uns vielleicht nich’ (regional, umgspr: nicht) schnell erscheinen, aber wenn man überlegt, dass so die letzte Magnetfeldumkehr mal eben siebenhundertachtzigtausend (780.000) Jahre her ist, da sind solche Bewegungen über Monate doch ein relativ schneller Zeitraum. Die Forscher wollen jetzt mit weiteren Satelliten noch genauer messen, wie sich denn das, ähm das, der flüssige Teil des Erdkerns weiterhin bewegt. Is’ (regional, umgspr: Ist) aber interessant. Ich mein’ (umgspr: meine) – dreitausend Kilometer Tiefe. Das muss man sich mal vorstellen. Da geht einiges ab in der Erde. Ja. Also interessant ist, dass man das mit einer, mit Magnetfeldmessungen dann überhaupt herausbekommen kann.
Dann eine Geschichte, die übrigens auch in meinem neuen Scienceblog-Podcast Scienceblogs.de eine Rolle spielt, es geht um die Eisbedeckung im Nordpolarmeer. Klimaforscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung machen mit an einer Art internationalem Wettstreit zwischen Wissenschaftlern. Die wollen nämlich versuchen vorherzusagen, wie denn die Eisbedeckung im Nordpolarmeer am Ende des Sommers dieses Jahres ist. Und die Herausforderung ist, dass solche kurzfristigen Vorsagen, Vorsagen, Vorhersagen, hulla, Vorhersagen, eigentlich sehr schwer sind für die Wissenschaftler. Der Grund – es gibt immer wieder atmosphärische Verhältnisse, die sich sehr, sehr schnell ändern, also Wetter und Wind und Wolkenbedeckungen und Lufttemperaturen und deshalb ist man immer so ein bisschen, vorsichtig mit solchen Vorhersagen. Man will das aber eigentlich ja wissen. Und deshalb haben sich die Forscher vom Alfred-Wegener-Institut jetzt atmosphärische Daten der letzten zwanzig Jahre genommen. Haben die in ein Ozeanmeereis-Modell eingespeist und versuchen mit diesem Modell dann die Bandbreite möglicher Eisbedeckungen zu berechnen und die Wahrscheinlichkeit von extremen Ereignissen zu quantifizieren. Und sie haben herausbekommen, sie glauben, dass mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit die Eisbedeckung unter dem, äh, unter der von 2005 liegen wird. Die Wahrscheinlichkeit einen geringen Wert wie in 2007 zu bekommen liegt nach Berechnungen der Forscher bei acht Prozent. Warum ist dieser Wettbewerb wichtig? Nicht etwa um einen Preis zu gewinnen. Es geht auch gar nicht um Geld, sondern es geht darum, dass verschiedene Wissenschaftler verschiedene Modelle benutzen zur Berechnung und man nachher, und das relativ kurzfristig eben, sehen kann, welches Modell denn der Realität am nächsten kam. Und aus diesen Modellen kann man dann natürlich wieder andere Berechnungen, äh andere Berechnungen machen und versuchen kurzfristig dann sehr, sehr genaue Vorhersagen überhaupt zu bekommen. Die Zufallskomponente der Atmosphäre ist nach wie vor ein Problem für die Wissenschaftler und deswegen sind sie sehr gespannt, wer nachher überhaupt Recht hatte.

Irgendwie sind’s heute nur elf Minuten geworden. Wer noch mehr hören will: Scienceblogs.de. Da erkläre ich unter anderem, also eigentlich erkläre ich das nicht, sondern die Blogger von Scienceblogs.de. Die erklären, wie man Sterne benennt und woher das kommt und das geht auch ein bisschen um Klimaforschung. Das war’s für heute. Eine etwas kürzere Ausgabe als sonst, aber dennoch vielen, vielen Dank für’s zuhören. Ich freue mich immer über E-Mails. Wissenschaft.Wanhoff.de ist die Webseite und Wanhoffs(Punkt)Wissenschaft(at)gmail.com ist die E-Mail-Adresse. Und irgendwer, ach, jetzt habe ich den Namen vergessen, hat mich über Xing kontaktiert. Ich freue mich immer, wenn Leser, fragen auch noch, sehr höflich fragen, ob sie mich in Xing als Kontakt zufügen dürfen. Ja natürlich. Ich freue mich. Die Ehre liegt völlig auf meiner Seite. Vielen, vielen Dank an alle Leser und Hörer vor allem.

So, dass war’s für heute. Vielen Dank für’s Zuhören. Ich bin am Strand. Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig
Sprechen lernen einfach: LingQ.com

WWWW vom 6.7.2008: Kaiserschnitte bei Spätgebärenden

Die Themen heute:
Je älter eine Gebärende ist, umso höher ist die Gefahr, mit einem Kaiserschnitt zu gebären. Bei Frauen über 40 Jahren ist das um den Faktor zehn, wie eine Studie in Schottland ergab. Veröffentlicht wurde das im PLOS

Feuerwerker sind wahre Künstler heutzutage. Raketen explodieren nicht nur sekundengenau, sondern mittlerweile auch in vielen verschiedenen Formen. Und so wird ein Ring in den Himmel gemalt:
Feuerwerk Ring

Neue Hinweise sagen, dass es wirklich ein Meteorit war, der 1908 in Sibirien mal eben 80 Millionen Bäume umgeknickt hat. Forscher aus drei Ländern haben nämlich Kohlenstoffisotope in einem Art und Konzentration gefunden, wie sich nur durch einen Meteoriteneinschlag zu erklären sind.

Kinder, die in der Nähe von befahrenen Straßen wohnen, haben ein höheres Risiko, an Allergien oder Asthma zu leiden wie Kindern im Hinterland. Das ergab eine Untersuchung vom Helmholtz-Zentrum in München.

Knochen nachzubauen ist jetzt etwas einfacher geworden. Ausgerechnet Ingenieure für Fahrzeugbau haben eine Software entwickelt, mit der man Bauteile ähnlich wie Knochen am Computer erstellen kann und später in einer speziellen Maschine auch wirklich fertigen kann. Besondern in der Flugzeug- und Fahrzeugtechnik ist das ein Vorteil, um Gewicht zu sparen.

Wie man einst und heute die Wassertemperatur misst und was man daraus lernen kann.