WWWW vom 31.8.2008? Machen Computerspiele süchtig?

Wer anders als Monica Mayer, Psychologin und Doktorandin, kann dazu mehr sagen, beschäftigt sie sich doch in ihrer Doktorarbeit genau mit diesem Thema.

Was ist denn überhaupt Sucht nach Computerspielen? Wie definiert sich Abhängigkeit? Warum flüchten sich Menschen in virtuelle Welten?

Antworten gibt es im Podcast und im Weblog von Monica Mayer

Transkript:

THOMAS: Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft. Heute wieder am Telefon Monica Mayer, die fleißig an ihrer Dissertation arbeitet und mit der mich heute unterhalte über Sucht und Abhängigkeit bei Computerspielen. Hallo Monica.

MONICA: Hallo Thomas.

THOMAS: Sucht und Abhängigkeit – Wie ist das denn bei Computerspielen? Kann man denn wirklich süchtig werden von Computerspielen, so wie man das von Alkohol wird oder von Koks?

MONICA: Der Mechanismus ist prinzipiell erst mal insofern ein Anderer, weil da kein Stoff eingebunden ist. Also die Computerspielabhängigkeit wird niemals eine stoffgebundene Abhängigkeit sein. Es ist aber schon so, dass bestimmte Mechanismen, also eher psychische Mechanismen entstehen, die durchaus auch eine Abhängigkeit begründen können. Also Sucht würde ich eher sagen, nein, aber ich glaub schon, dass eine Abhängigkeit gegeben sein kann.

THOMAS: Okay. Ich hab mich ein bisschen schlau gemacht in ein paar Texten, die du mir gegeben hast und hab tatsächlich herausgefunden, dass medizinisch gesehen man bei der Sucht immer davon spricht, dass da ein Stoff vorhanden ist, also eben Kokain oder irgend so was, während die Abhängigkeit dann in der Tat ja psychischer Art eher ist, richtig?

MONICA: Genau, wobei das schon so ist, dass da auch große Diskussionen sind. Also es gibt zum Beispiel ganz groß jetzt in den letzten Wochen im Gespräch war die Kaufsucht, weil auch die Uni Erlangen eine Therapieform entwickelt hat gegen diese Sucht und es ist schon eine Krankheit. Also es gibt, glaub ich, schon auch so Fälle, in denen es wirklich krankhaft ist und auch wirklich behandelt werden muss. Also ich will das Eine nicht sagen, dass es weniger schlimm ist als das Andere aber von dem Begriff her würde man schon differenzieren.

THOMAS: Okay. Wir haben uns ja schon mal unterhalten über das Thema. Da ging’s einmal um die verschiedenen Typen, Spielertypen, dann haben wir uns über so Grundstrukturen unterhalten, da ging’s auch um Gewalt in Computerspielen und jetzt geht’s eben mal um Sucht und Abhängigkeit. Was sind das denn für Menschen, die vielleicht gefährdet sind, dass sie süchtig werden oder sagen wir in dem Fall abhängig werden?

MONICA: Also ich bezeichne die Abhängigkeit gerne als eine Standardlösung für ein Problem. Also wenn man ein Problem hat, womit man regelmäßig konfrontiert ist, dann entwickelt man so Lösungen, die man bevorzugt dafür verwendet. Beispielsweise wenn du Hunger hast und du kriegst raus, dass es bestimmte Dinge gibt, die deinen Hunger in einer besonders guten Form, sozusagen befriedigen können, dann tendierst du dazu, praktisch dieses Verhalten immer zu wiederholen. Also eine Abhängigkeit ist für mich auch erstmal ein sinnvoll etabliertes Verhalten. Also ich möchte, es wird dann problematisch, wenn es praktisch so zum Selbstzweck wird und das ist, glaube ich, die Schwierigkeit. Bei Computerspielen ist es so, dass man bestimmte Bedürfnisse, glaube ich, in einer besonders guten Form befriedigen kann. Wenn wir uns noch mal an diese Typen, die du gerade angesprochen hast, erinnern, wir hatten ja zum Beispiel diesen Explorer…

THOMAS: Hmhm

MONICA: .. und der Explorer ist ein Mensch, der Sachen erkunden will. Jetzt leben wir beispielsweise in einer Welt, wo praktisch alles bekannt ist. Also es gibt relativ wenige Möglichkeiten, wirklich irgendwie neue Dinge rauszufinden. Es gibt Felder, zum Beispiel wenn man forscht, dann kann man Dinge raus finden. Oder es gibt so Hobbys wie zum Beispiel diese Mapper, die mit dem GPS unterwegs sind und irgendwelche Karten aufzeichnen in Open Source oder so. Das sind Möglichkeiten noch in einer Welt, die eigentlich schon extrem bekannt ist, immer noch neue Dinger rauszufinden. Aber für den normalen Mensch so, der irgendwie – keine Ahnung – arbeitet und am Wochenende auch mal zuhause ist oder so was, ist die Welt relativ langweilig, also es gibt relativ wenig Neues. Und dann kann es schon sein, dass Computerspiele eben eine Möglichkeit darstellen, Sachen zu erkunden, wofür man in seinem wirklichen Leben gar keine Gelegenheit mehr hat. Das heißt praktisch, dass ein Bedürfnis, das der Mensch hat und das er in seinem wirklichen Leben nicht befriedigen kann, dass er das im Spiel kann. Und ich glaub, dass ist auch die Grundlage von dieser Gefahrensituation, also wenn Menschen Bedürfnisse haben, die sie in der virtuellen Welt besser befriedigen können, als in der wirklichen Welt. Ich glaub, da haben wir eine Gefahrensituation. Ich glaub, da können Abhängigkeiten entstehen.

THOMAS: Das ist jetzt lustig. Ich habe vor ungefähr einer halben Stunde einen Blog-Eintrag geschrieben in meinem privaten Web-Blog, weil ich jetzt ein Jahr in Asien bin und hab geschrieben, ein Grund nach Asien zu gehen war, dass man hier noch Herausforderungen hat und Neues erkundet und vor Problemen steht, die man meistern muss, was eben in Deutschland in einem Alltag überhaupt nicht mehr so vorhanden ist. Da ist man sicher und da gibt’s nicht mehr so viele Probleme und Herausforderungen. Da finde ich ganz interessant, weil das wird wahrscheinlich dann für andere eben – es kann ja nicht jeder auswandern – ein Grund ist, dann sich in bestimmte Welten zu flüchten. Ist es eine Flucht dann?

MONICA: Ich glaube, es gibt verschiedene Formen, wie das sein. Also wenn man es nur noch so macht, also wenn man es vollkommen aufgibt in der wirklichen Welt auch nach den gleichen Herausforderungen zu suchen, dann ist es, glaube ich, eine Flucht. Also zum Beispiel, ich hab jetzt in meiner Untersuchung Leute gehabt, also Interview-Partner gehabt, die mir sagen, ich hab zwar einen großen Freundeskreis im wirklichen Leben, aber ich spiele viel lieber. Das heißt, sie vernachlässigen ihre tatsächlichen Freunde, um mit virtuellen Freunden zusammen zu sein. Und dann denke ich mir, okay, was gibt es da für ein Problem? Also warum bevorzugen die Leute etwas Irreales gegenüber etwas Realem. Also wenn man etwas Reales nicht hat und dann sich was Virtuelles sucht, ist es glaube ich was anderes als wenn das Reale zur Verfügung stünde, man aber trotzdem in die virtuelle Welt geht.

THOMAS: Ich hab was Interessantes gefunden in einem deiner Papiere. Da geht’s um einen Wissenschaftler namens – heißt der Turkle oder Turkle?

MONICA: Turkle. Ja.

THOMAS: Und ..

MONICA: Turkle.

THOMAS: … und der gesagt hat, was macht die 80-Stunden-Woche eines Investment-Bankers zu etwas, worauf ein Vater Stolz sein kann, während die 80-Stunden, die eine Versuchsperson pro Woche mit dem Aufbau und der Verwaltung eines Multi-User-Dungeons verbringt, die Befürchtungen auslösen, er könnte süchtig sein. Arbeitssucht ist ja dann vielleicht auch irgend so was. Ist das eine gesellschaftliche Komponente noch dabei?

MONICA: Da ist eine ganz starke gesellschaftliche Komponente dabei und zwar haben wir eine Gesellschaft, in der eben das Produktive das Wichtige ist. Das heißt, alles was irgendeinen Wert schafft, wird als positiv angesehen. Deswegen ist es auch mit der Kaufsucht eine ganz, ganz komplizierte Angelegenheit, weil der Konsum an sich ja in unserer Gesellschaft gefördert wird. Also der Mensch soll kaufen, Entschuldigung, oder soll möglichst viel kaufen. Und deswegen ist es schwierig dann zu unterscheiden, okay, ab welchem Moment ist dieses Kaufen, was man ja soll, zu etwas geworden, was man nicht mehr soll. Also diese Unterscheidung zwischen dem gewollten, gewünschten von der Gesellschaft und dem, was schon krankhaft geworden ist, was zum Selbstzweck geworden ist, ist sehr schwierig zu treffen, glaube ich. Das ist auch genau dieser gesellschaftliche Aspekt, den, den Turkle da darstellt. Was wird gewünscht und was wird nicht gewünscht. Also welche Verhalten werden eben als krankhaft definiert und welche nicht? Das ist bei Essstörungen genau das Gleiche. Also es wird gewünscht, das gerade junge Frauen irgendwie einen BMI von unter 20 also so 18 bis 20, das wird eben als das Schöne dargestellt in allen Medien und wenn die Mädels sich dann was abhungern, dann ist es irgendwann krankhaft, aber das wird noch relativ lange gefördert also und erst sehr, sehr spät als Krankheit erkannt. Das ist, glaube ich, eine starke gesellschaftliche Komponente, die dabei ist.

THOMAS: Ich hab gesehen und es ist ja Konsens, dass Glücksspiel eigentlich mittlerweile eine anerkannte Krankheit ist, aber ja in die gleiche Richtung geht. Da gibt’s ja auch nicht um, .geht’s … oder um Glücksspielsucht, um einen, um einen Stoff den man hat, sondern das ist ja eine ähnliche Komponente. Vielleicht noch sehr viel stärker, weil dieser Kick des Gewinnens dabei ist. Warum tut man sich vielleicht mit Computerspielen so schwer. Auf der einen Seite tut man sich ja einfach, wenn’s um Gewalt geht. Dann sind die immer gleich die Gewaltauslöser, für jeden, der mal irgendeine Gewalttat begannen hat und bei solchen Themen ist es dann vielleicht etwas schwieriger, wenn man versucht es als Krankzeit zu sehen. Ist dem so?

MONICA: Ich glaube, genau weil diese Unterscheidung zwischen Hobby, also zwischen dem was Spaß macht und dem was schon krankhaft geworden ist, dass diese Linie sehr fließend ist. Also zum Beispiel jemand der krank ist und pausenlos spielt und sich dadurch besser fühlt, spielt vielleicht sogar in einem größeren Umfang, das es ist aber trotzdem nicht krankhaft, sondern es ist eher gesund, also weil er sich damit etwas Gutes tut, was in seiner Möglichkeit drin ist. Also ich hatte auch einen von meinen Interview-Partner, der sagte, nach seinen .., also der hatte eine Operation, und nach der Operation war er eben ans Bett gefesselt und konnte nichts machen im Grunde genommen und er hat gespielt, weil ihm das gut tat, weil es das Einzige war, was er tun konnte und das hat ihm eben eine gewisse Befriedigung verschafft. Er hatte das Gefühl, er kann immerhin irgendwas. Und er sagt, dass ihm dieses Verhalten, also das, das Spielen ihn gestärkt hat und er sich dann besser in der Lage fühlte, mit dieser Krankheit umzugehen. Das heißt, es kann einen positiven Aspekt haben, aber zum Beispiel jemand anders, der seine Arbeit vernachlässigt, also der nicht mehr arbeiten geht, sich krankschreibt oder der die Schule schwänzt um zu Hause zu sein und zu spielen, der zerstört eher etwas, das für seine Zukunft sinnvoll wäre. Das Verhalten ist das Gleiche, die Menge vielleicht das Gleiche, aber das Ergebnis ist eben vollkommen unterschiedlich und deswegen ist es glaube ich so schwierig, diese Kriterien zu treffen, nach denen man sagen könnte, okay, das ist eine Krankheit. Zum Beispiel wenn ein, ein Familienvater, der wirklich arbeiten geht den ganzen Tag abends nach Hause kommt, der spielt vielleicht nur zwei Stunden, aber diese zwei Stunden sind die einzigen zwei Stunden, die er hätte um mit seiner Frau und seinen Kindern zusammen zu sein, das ist dann glaube ich vielleicht sehr viel schlimmer, als ein Student meinetwegen, der jeden Tag sechs Stunden spielt, was ihn aber in seinem normalen Leben nicht beeinträchtigt. Also das sind so viele Komponenten, die man dann berücksichtigen müsste um zu sagen, okay das ist krankhaft oder das ist nicht krankhaft, das vielleicht sogar positiv, das ist vielleicht sogar gesund, das ist schwierig ist, glaube ich, auseinander zu halten. Und man muss auch sagen, sowohl die Alkohol-Abhängigkeit als auch die Glücksspiel-Abhängigkeit sind noch sehr, sehr kurz, also sehr neue Krankheiten eigentlich. Sind beide noch nicht lange anerkannt und Computerspiele sind einfach ein so neues Phänomen, dass das vielleicht irgendwann auch noch kommt, also das es einfach vielleicht noch zu früh ist.

THOMAS: Bei einem Alkoholiker sagt man ja, wenn der einmal Alkoholiker war, selbst wenn er trocken ist, bleibt er Alkoholiker, um damit auszudrücken, dass er dadurch immer gefährdet bleibt. Wie ist es denn so mit der persönlichen Zusammensetzung oder Determinierung eines Menschen? Gibt es Leute, die einfach suchtanfällig sind oder abhängigkeitsanfällig sind und davon dann vielleicht gar nicht mehr wegkommen?

MONICA: Da wiederum würde ich gerne zwei Sachen differenzieren. Beim Alkohol, was passiert, ist eine tatsächliche körperliche Veränderung. Bei den Computerspielen ist, glaube ich, die Bedürfnisstruktur das wichtigere. Also dass man sagt, wie ist der Mensch gestrickt. Ich glaube schon, dass wenn der Mensch im wirklichen Leben Aufgaben oder Lebensbereiche finden kann, in denen er genauso seine Bedürfnisse befriedigen kann, dass er dann wirklich das Spielen in einem normalen Maß auch halten kann, selbst wenn er früher mal abhängig war. Ich geb’ mal ein Beispiel, zum Beispiel ein Jugendlicher, sagen wir mal ein Sechzehnjähriger, der in unserer Gesellschaft ja sehr wenig kann und …, nicht sehr wenig kann, entschuldige, sehr wenig darf, er hätte die Fähigkeiten, hat aber die Möglichkeiten nicht. Er darf nicht Autofahren, er hat keine Familie zu versorgen, er geht zur Schule, er wird mehr oder weniger so als Kind gehalten. Das heißt, er hat die Möglichkeit, seine Fähigkeiten auszuleben, nicht. Wo wird er diese Möglichkeit finden? Im digitalen Spielen. Da kann er sich ausleben. Da kann er beweisen, wie gut er ist. Er kann im Wettbewerb antreten gegen andere Leute und so weiter. Also er wird das, was für ihn wichtig ist, dort befriedigen können. Also jetzt ist er meinetwegen 18, zieht von zu Hause aus, verdient sein eigenes Geld, hat eine Freundin, hat ein Auto, er hat einfach ein eigenständiges Leben und dieses Leben bietet ihm viel mehr die Möglichkeit sich zu beweisen, als die Computerspiele. Also braucht er die Computerspiele nicht mehr. Vielleicht wird er sie gelegentlich noch nutzen um einfach zu entspannen, aber er wird sie nicht mehr brauchen. Und ich glaub, dieses “brauchen” ist der Schlüssel bei der Abhängigkeit. Wenn ich Bedürfnisse habe, die ich nicht befriedigen kann, dann “brauche” ich die Spiele. Und ich glaub, das ist das, was sich eben verändern muss, damit ein Mensch wirklich vollkommen davon los kommt.

THOMAS: Ich glaube, das ist ja auch eine Frage, die wir bei der Gewalt schon hatten. Was ist eigentlich der Auslöser? Also werden Jugendliche computerspielabhängig, weil es die Computerspiele gibt oder liegt es eben daran, dass sie keine andere Möglichkeit haben, etwas zu tun und sich vielleicht deshalb in diese Welten flüchten. Und bei der Gewalt kann es ja auch sein, dass sie vielleicht nie gelernt haben, mit Gewalt umzugehen. Und bisweilen ja auch Computerspiele Aggressionen einfach abbauen können. Also es ist bei der Abhängigkeit vielleicht so, dass nicht die Computerspiele an sich abhängig machen, sondern die Situation, in der sich der Spieler befindet, eine ist, die er ja gewollt herbeiführt und ob das jetzt Computerspiele sind oder Glücksspiele oder vielleicht Einkaufen, das sind nur verschiedene Ausprägungen, der gleichen Wünsche?

MONICA: Ja, das schon. Das gefährliche ist, glaube ich, dieser Teufelskreis, also wenn man zum Beispiel spielt und wegen des Spiels die richtigen Freunde vernachlässigt. Und dann wollen die mit einem praktisch.., also die rufen ständig an und sagen “Komm, wir machen was, und so” und dann sagt jemand “Nee, kann nicht. Ich hab Raid” und so weiter und so fort und irgendwann rufen die nicht mehr an. Weil niemand mehr anruft und sich um mich kümmert, dann spiele ich immer mehr und weil ich immer mehr spiele, vernachlässige ich wieder … Also verstehst du. So ein Teufelskreis entsteht.

THOMAS: Klar

MONICA: Also es gibt, glaube ich, ganz viele Aspekte, wie so was entstehen kann. Und das ist, glaube ich, das wirklich Gefährliche, das man sich dann wirklich da hinein stürzt und praktisch außen rum auch nichts mehr hat, was einen rausholen würde.

THOMAS: Ja. Also wobei die Frage halt für mich jetzt war, was ist der Ursprung? Also lernt jemand, was weiß ich, der sieht im Kaufhaus ein Spiel und guckt sich das an und geht immer mehr in die Welt. Das kann ja eine Sache sein. Oder die andere ist, dass er sozial vielleicht so isoliert ist, dass er nach etwas sucht, wo er sich sozial anders betätigen kann. Und das kann eben gerade eben ein Rollenspiel ja ganz gut sein.

MONICA: Ja. Kann ich nur ja sagen. Also das passiert eigentlich ganz oft.

THOMAS: Es gibt verschiedene Wege denke ich mal …

MONICA: Ja

THOMAS: … in so eine Abhängigkeit, ja vielleicht auch reinzurutschen. Wie kommt man da raus?

MONICA: Ich glaub … Das ist unterschiedlich. Da haben wir auch schon, beim Letzten mal eben, über diese Typen gesprochen und diese Typen, der Explorer, der Archiever, der Socializer und der Killer sind glaube ich, einfach nur ein Ausdruck von bestimmten Bedürfnisstrukturen. Also die Form, wie ich ein Spiel spiele, ist die Form, die ich finde, um die Bedürfnisse eben, die ich habe zu befriedigen. Und ich glaube, diese Typen, haben unterschiedliche Arten, sich auch von dem Spiel zu lösen.
Also ich hab zum Beispiel festgestellt, dass für die Explorer, die bei mir in der Untersuchung waren, dass die zum Beispiel Hobbys haben, die genau das Gleiche Explorierverhalten wieder haben, im wirklichen Leben also zum Beispiel so Fotografieren ist etwas, was Explorer irgendwie zu fesseln scheint. Oder Programmieren ist auch etwas, was die meisten von ihnen machen oder zum Beispiel so Sammeln von Tieren. Also diese Biologen, die man so kennt, als Kinder, die irgendwo durch die Gegend laufen und irgendwelche Tiere versuchen …, eine vollständige Sammlung von irgendwas zu bekommen und dann die Dinge miteinander vergleichen und so. Das Gleiche Bedürfnis muss in der wirklichen Welt zur Befriedigung kommen. Das ist eben beim Explorer, ist es eben dieses Erkundungsverhalten, wenn sie das Geld hätten oder wenn’s eben möglich wäre, dann wäre vielleicht auch das Rumreisen eine gute Alternative. Also irgendwas, was sie erkunden können.
Die Archiever tendieren …, die brauchen jetzt Ziele, die wollen irgendwelche Ziele erreichen, und da sind zum Beispiel Wettbewerbe, egal auf welcher Ebene, eine super Herausforderung für sie. Sport wäre natürlich das Ideale, dass man sagt, okay du trittst in direkten Wettbewerb zu anderen Leuten auf, aber es gibt ja viele Leute, die so was nicht können, weil sie zum Beispiel körperlich nicht so fit sind. Dann können sie sich einfach andere Ziele setzen. Also man wird auch Archiever finden in seinem Hundeverein oder in der Hundeschule. Das sind diejenigen, die die besttrainiertesten Hunde haben. Also die brauchen irgendeinen Scan, also sie müssen die Besten in irgendwas sein, egal in was. Und diese Herausforderung müssen sie eben suchen und finden können.
Die Socializer haben eben diesen ganz starken gesellschaftlichen Aspekt. Also wenn ein Socializer wegen der Leute spielt, ist es relativ einfach zum Beispiel ihn für ehrenamtliches Engagement zu kriegen. Das man sagst, okay du brauchst Gesellschaft, du brauchst Ansehen, du brauchst Austausch, wo könnte man das in der wirklichen Welt schaffen? Kannst du vielleicht im Altersheim aushelfen? Kannst du da irgendwelchen Leuten helfen? Oder kannst du … Also irgendwas Gesellschaftliches, wo er auch so ein bisschen Anerkennung und Austausch hat und mit Leuten eben zusammen ist oder auch so Interessensgemeinschaften, also dass man in Vereine rein geht oder dass man einfach diesen Austausch fördert.
Und die Killer, da hatten wir auch drüber gesprochen, die haben die gleiche Bedürfnisstruktur wie die Socializer, haben aber nicht so viel Erfolg darin, diese Bedürfnisse zu befriedigen, insbesondere die Affilation und für die wär’s dann besonders relevant, dass sie in eine Stellung reinkommen, wo ihnen etwas zugetraut wird. Also ich finde das zum Beispiel eine Pfadfindergruppe, also wo wirklich eine ganze Gruppe von Kindern einem einzelnen Menschen sozusagen unterstellt ist, also wo er Ansehen genießen kann, wo alle zu ihm aufschauen und wo wirklich eine Gruppe das Vertrauen in ihn hat, dass er etwas kann. Das ist, glaube ich für den Killer besonders anziehend. Also ich glaube, dass Killer wirklich zum Beispiel in eine Jugendgruppe, also in der Leitung von einer Jugendgruppe oder wenn sie jünger sind auch noch in diesem Hilfeverhalten gegenüber Älteren, gegenüber Jüngeren, gegenüber Tieren, dass sie da sehr gut untergebracht wären. Aber ..

THOMAS: Jetzt ..

MONICA: .. aber das ist eben von Mensch zu Mensch unterschiedlich, im Grunde genommen.

THOMAS: Jetzt müssen wir noch ganz kurz sagen, dass die Killer natürlich keine Killer sind, sondern dass das symbolisch gemeint ist als Spielertyp, für die, die jetzt die erste Sendung nicht gehört haben, also es geht nicht darum, …

MONICA: Genau

THOMAS: … um Leute, die im realen Leben killen, die wollen wir nicht einer Jugendgruppe geben.

MONICA: Nein

THOMAS: Gibt es denn einen dieser Typen oder ist denn einer dieser Typen mehr vielleicht gefährdet, abhängig zu werden? Ist es vielleicht der Killer, weil es für ihn am Schwierigsten ist, raus zu kommen oder Ersatzbefriedigung zu finden?

MONICA: Das kann man, glaube ich, so pauschal nicht sagen. Das hängt wirklich von Mensch zu Mensch ab, in welcher Umgebung er drin ist. Zum Beispiel, wenn ein Mensch, der zum Explorer tendiert von seiner Bedürfnisstruktur her, in einer Umwelt ist, die ihn fördert, wo er wirklich die Möglichkeit hat diesen Erkundungsdrang auszuleben, ist der absolut nicht gefährdet. Aber der Killer in der gleichen Situation wäre zum Beispiel sehr gefährdet, weil er mit dieser Förderung, die er bekommt, nichts anfangen kann. Er bräuchte eine ganz andere Art von Förderung. Das heißt, es hängt wirklich damit zusammen, wie gut der Mensch in seiner Umgebung oder in seinem wirklichen Leben seine Bedürfnisse befriedigen kann. Und das ist von Mensch zu Mensch und von Umgebung zu Umgebung unterschiedlich. Das kann man wirklich nicht pauschalieren, glaube ich.

THOMAS: Okay. Vielleicht zum Schluss noch mal so ein paar Beispiele, woran man vielleicht merken kann, dass man selbst gerade so in Richtung Abhängigkeit driftet oder woran auch Eltern merken können, vielleicht, dass ihre Kinder in die Abhängigkeit gehen oder der Kollege vielleicht sagt, so, mein anderer Kollege, der sieht morgens so was von übernächtigt aus, ich glaub, der spielt nachts. Was gibt’s da so für Anzeichen, bei denen man sagen kann, okay, das ist ein Grund mal ein bisschen nachzudenken oder vielleicht sich Hilfe zu suchen.

MONICA: Also es gibt ein paar Kriterien, die eben verwendet werden. Das sind meistens äußere Kriterien, um zu sagen, dass eine Abhängigkeit besteht. Also das Eine ist zum Beispiel ein starker Wunsch oder ein überwältigender Drang zu spielen. Also wenn ich, auch wenn der Computer aus ist, nur daran denken kann oder abends im Bett liege und mir überlege, wie geht das Spiel jetzt weiter. Das ist vielleicht etwas, wenn man merkt, dass es einfach die Überhand nimmt, also dass man sich schlecht auf andere Sachen auch konzentrieren kann, sollte man auf jeden Fall mal so ein bisschen acht geben. Also die Gedanken weilen dann eben periodisch oder kontinuierlich beim Spiel. Ein anderer Aspekt ist natürlich die exzessive Spielintensität, wobei das eben sehr schwierig zu quantifizieren ist. Also es gibt Menschen, die vertragen das Spiel sehr viel länger als Andere. Deswegen ist das Versuchen, das an einer Stundenzahl pro Woche festzumachen, sehr, sehr schwierig. Zum Beispiel jemand, der ein Student ist, der wirklich nichts anderes macht außer studieren und der sich da vielleicht auch noch nichts mal wirklich gefordert fühlt, sind vielleicht 30 Stunden die Woche auch noch in Ordnung, während das bei einem Familienvater eine richtige Katastrophe wäre. Also da sollte schon so ein bisschen Vernunft dabei sein, wie viel ist zu viel eigentlich.

THOMAS: Wenn das Spiel praktisch immer mehr in den Lebensmittelpunkt rückt, dann wird’s langsam kritisch.

MONICA: Genau. Also wenn auch so Schwierigkeiten da sind, die Spieldauer zu kontrollieren. Also wenn einer sich an den Computer setzt und sagt, okay, ich zocke jetzt zwei Stunden und dann sind aber wieder acht Stunden rum, bis er wieder aufhört, das ist dann auch so eine Sache. Habe ich das noch unter Kontrolle oder kontrolliert es inzwischen mich. Oder auch zum Beispiel, wenn ich merke, okay, ich krieg jedes Mal wenn ich spiele, kriege ich Rückenschmerzen oder meine Augen brennen, also dass es schädliche Folgen hat und man aber nicht aufhören kann zu spielen, also man würde gerne darauf verzichten, aber man kann es nicht. Oder auch wenn ich andere Lebensbereiche, die Familie, die Arbeit, die sozialen Kontakte, wenn diese anderen Lebensbereiche darunter leiden. Oder auch wenn die wirtschaftliche Existenz gefährdet ist, zum Beispiel, weil man nicht mehr in der Lage ist einer geregelten Arbeitszeit nachzugehen. Wenn das Spielen Vorrang vor allem anderen bekommt. Wenn man eine Toleranzerhöhung hat, also dass man Anfangs zum Beispiel so dreimal die Woche spielt und dann spielt man viermal und fünfmal und irgendwann spielt man jeden Tag und nur noch. Also alles, was mit diesem Verlust der Kontrolle zusammen hängt. Also wenn ich das nicht mehr kontrollieren kann, dann ist es, glaube ich, gefährlich. Dann… Und es gibt inzwischen auch sehr, sehr viele Beratungsstellen, die mit diesem Thema sehr gut umgehen können. Also es ist da nicht schwierig, glaube ich auch, Unterstützung zu bekommen. Sollte man auch in Anspruch nehmen. Also egal ob die Eltern merken, okay, mein Kind, das ist zuviel. Ich glaub, dass das Gespräch suchen immer wichtig ist und zwar nicht versuchen, dass zu entreißen, sondern wirklich zu verstehen, was fehlt meinem Kind, was fehlt meinem Partner, was fehlt meinem Freund, was bräuchte er als Alternative dazu, also in diese Richtung eben ein Gespräch suchen und schauen, was geht und wenn nicht, dann eben auch die entsprechenden Beratungsstellen dafür aufsuchen.

THOMAS: Super. Genau darauf wollte ich noch hinaus. Auf die Beratungsstellen. Dann hast du es schon gesagt. Damit sich Leute irgendwo auch Rat, Unterstützung und Hilfe holen können. Kann man im Internet, glaube ich, finden, Beratungsstellen zum Thema Spielsucht.

MONICA: Genau. Es gibt unterschiedliche, also es gibt zum Beispiel die Erziehungsberatungsstellen, die auch mit dem Thema, glaube ich, zunehmend gut umgehen können und es gibt auch diese Suchtberatungsstellen in verschiedenen Städten und Ländern und dann kann man auch entsprechend gut Rat einholen.

THOMAS: Okay. Super. Jetzt zum Schluss noch, weil ich’s am Anfang nicht gesagt hab, ich hab das ja bei meinen treuen Hörern vorausgesetzt, dass es jeder weiß, aber wir sollten noch ganz kurz erklären, warum du auf diesem Feld so bewandert bist. Du schreibst eine Dissertation/Doktorarbeit gerade zum Thema Computerspiele.

MONICA: Genau. Also ich schreib …, also ich bin Psychologin, und schreib eben meine Arbeit zur Motivation von Computerspielen. Die nennt sich “Warum leben, wenn man stattdessen spielen kann?” Also es ist wirklich so eine Frage. Viele Leute treibt’s immer mehr vor das Spiel, dass sie sagen, okay, ich möchte das jetzt weiter machen und vernachlässigen ihr wirkliches Leben. Und sie haben aber nur dieses eine wirkliche Leben. Wenn sie beim Computerspiel eben ganz oft neu laden können und ganz viele Leben haben, wenn sie wollen und eben diese Frage hat mich dann umhergetrieben, warum das so sein kann. Genau. Jetzt bin ich ja eigentlich schon fertig mit der Arbeit und schreib momentan noch so die letzten Korrekturen, aber es geht in den nächsten Wochen in die Abgabe.

THOMAS: Super. Und mir hat diese Dissertation immerhin drei ganz, ganz tolle Interviews gebracht, unter anderem, zu einem Thema, was ich glaube ich ja, aktuell finde und hochspannend und hochinteressant. Vielen Dank.

MONICA: Genau. Es kommt noch ein Blog, …

THOMAS: Ja natürlich

MONICA: … wo ich dieses und ähnliche Themen diskutiere. Das wirst du sicherlich auch auf deiner Seite verlinken. Ich sag noch mal die Adresse. Das ist http://monimays.blogspot.com. Aber die Adresse ist bestimmt verlinkt.

THOMAS: Genau. Und da gibt’s dann noch mal alles nachzulesen.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

WWWW vom 24.8.2008: Tollwut in China, Autofahrer und Farben,

Promo: www.sonntagssoziologe.de

WissensWeb-Blog
Was die Autofarbe über den Fahrer aussagt
In einer kleinen Studie befragte die Marktforschungsagentur CNW ganze 1.900 Amerikaner mehrmals im Jahr zu deren Einstellung gegenüber ihrem Leben und ihrer aktuellen Autofarbe. Danach untersuchte man die Ergebnisse, um Zusammenhänge und/ oder Auffälligkeiten in Punkte Gemütslage und Autofarbe herzustellen.

Fettgewebe um die Gelenke kann die Entstehung und den Verlauf rheumatischer Erkrankungen begünstigen. Denn Fettzellen setzen Botenstoffe frei, so genannte Adipozytokine. Diese steuern entzündliche rheumatische Vorgänge und treiben den für Rheuma typischen Abbau der Gelenke voran.

Günther Zupanc, Neurobiologe an der Jacobs University Bremen, konnte erstmals nachweisen, dass eine beträchtliche Abweichung von der für eine Tierart typischen Chromosomenzahl nicht unbedingt zu einem frühzeitig Absterben der Zellen, physiologischen Defekten, Verhaltensstörungen oder Tumoren führen muss. Für seine Untersuchungen verwendete er den Messerfisch Apteronotus leptorhynchu, in dessen Gehirn etwa jede fünfte neu gebildete Zelle z. T. erhebliche Abweichungen in der Chromosomenzahl aufweist.

Ein Häuschen im Grünen – für viele ist das bis heute ein Traum. Doch dieser Traum hat seine Schattenseiten: In vielen ländlichen Gemeinden fehlt die Infrastruktur, gibt es weder Supermarkt noch Kindergarten oder Schule. Die Bewohner müssen selbst mobil sein oder mit dem meist spärlichen Angebot des öffentlichen Nahverkehrs vorlieb nehmen. Mit zunehmendem Alter der Bewohner steigt die Zahl der Probleme, weil zum Beispiel der nächste Arzt seine Praxis in der Stadt hat.

Forschern der Universitätsmedizin Berlin ist es erstmals gelungen, einen Vorgang, der sich auf winzigem Raum im Zellinneren abspielt, am Computer zu verfolgen. Die Gruppe unter Führung von Prof. Christian Spahn vom Institut für medizinische Physik und Biophysik am Campus Charité Mitte bannte die Arbeit des so genannten Elongationsfaktors LepA aufs Bild. In einem Artikel der Zeitschrift Nature Structural & Molecular Biology schildern die Wissenschaftler, wie ihnen mit Hilfe eines Elektronenmikroskops der Blick auf eine komplexe, zelluläre Maschine gelang.

Chinesen und die Tollwut: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass im süden und Südwesten Chinas die Zahl der Tollwutfälle wieder zu genommen hat. Grund dürfte ein Rückgang von Impfungen bei Hunden sein.

Transkript:

Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft

Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 24. August 2008. Ich hab letzte Woche wieder 2007 gesagt. Irgendwie krieg ich das nicht raus. Irgendwie bleibe ich in diesem Jahr hängen in einer Endlosschleife.

Ich habe elektronische Post bekommen vom Sonntagssoziologen, der heißt René Lehnert und der hat mir ein Promo geschickt. Der macht nämlich auch einen Podcast und ich freue mich ja immer, wenn Leute im wissenschaftlichen Bereich podcasten und deswegen gibt’s jetzt erstmal ein bisschen Werbung zu hören, für seinen Podcast.

Hallo, ich bin der Sonntagssoziologe und grüße die wahrscheinlich klügste Podcast-Zuhörerschaft dieser Galaxie. Wer nämlich Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft hört, der muss einfach einen IQ von mindestens gefühlten 270 haben. Und deshalb freue ich mich ganz besonders, gerade hier ein kleines Promo unterbringen zu dürfen. In meinem Podcast erkläre ich Euch ein wenig, und nicht ganz so ernst, was wir so als Menschen treiben und dies aus Sicht der Soziologen. Da geht’s um Liebe, Treue, Karriere und Selbstmörder. Also wenn Euch so was interessiert, dann schaut mal vorbei bei Sonntagssoziologe.de. Aber jetzt erst mal viel Spaß mit Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft. Dem klügsten Magazin in diesem Universum.

Also ich muss ganz deutlich sagen, er hat dafür natürlich kein Geld bekommen. Vielen Dank, René für die sehr netten, leicht untertriebenen Worte.
Dann habe ich noch was bekommen und zwar eine Zuschrift von, jetzt muss ich nachschauen, Robert heißt er, Robert Hartl. Der hat mir etwas geschickt, ein interessantes Thema mit dem ich gleich hier in die Sendung einsteigen will und zwar geht es über die Autofarbe und was die über den Fahrer aussagt. Es gibt eine Marktforschungsagentur CND in Amerika, die hat 1.900 Amerikaner befragt, welche Autofarbe sie haben, aber auch, was sie denn für Menschen sind, ihre Einstellung gegenüber dem Leben.

Und es ist was ganz Interessantes herausgekommen. Die Autofahrer, die ein grünes Auto haben, sind die zufriedensten. Und die, die ein schwarzes Auto haben, die sind irgendwie gar nicht zufrieden. Fand ich interessant, weil eigentlich doch eine ganze Menge Leute schwarze Autos haben und gerade die, die ja sehr prominent auftreten oft, die haben ja schwarze Autos und wollen damit etwas darstellen, sind aber vielleicht gar nicht zufrieden.

Übrigens Durchschnitt ist weiß, die sind so, na ja, geht so. Rot wird bei 8,8 Prozent Zufriedenheit angegeben, bei minus 8,8 Prozent, was im unteren Teil der Skala liegt. Und dunkelblau ist auch eher weiter oben mit plus 3,2 Prozent. Also ganz interessant. Die Autofarbe sagt was über die Zufriedenheit des Fahrers aus. Vielen Dank Robert.

Dann eine Geschichte zum Thema Fettgewebe und Gelenke. Fettgewebe um die Gelenke kann nämlich die Entstehung rheumatischer Erkrankungen begünstigen. Der Grund: Fettzellen setzen oft Botenstoffe frei und diese steuern entzündliche rheumatische Vorgänge.

Das gilt übrigens für dicke und dünne Menschen gleichermaßen. Darüber wollen Wissenschaftler jetzt reden auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie im September in Berlin.

Seit einigen Jahren wissen Forscher, dass Fettgewebe nicht nur als Energiespeicher dient. Es ist aktiv an der Steuerung verschiedenster Stoffwechselvorgänge beteiligt. In vielen Organen – Haut, Darm, Gelenke – ist Fett auch strukturgebend und zu den am häufigsten vorkommenden Zellen im Fettgewebe gehören die sogenannten Adipozyten. Sie bilden eine Vielzahl von biologisch aktiven Stoffen, wie zum Beispiel die Hormone Resistin, Leptin und Visfatin. Diese Adipozytokine gelten als treibende Faktoren bei der Rheumatoiden Arthritis und anderen entzündlichen Erkrankungen. Die Forscher wollen jetzt im Rahmen des Kongresses diskutieren, wie man dieses Problem bewältigen kann.

Günter Zupanc ist Neurobiologe an der Jacobs Universität in Bremen und der konnte jetzt was Interessantes nachweisen, nämlich, dass eine beträchtliche Abweichung von der für eine Tierart typischen Chromosomenzahl nicht unbedingt zu einem frühen Absterben der Zelle führen muss. Und auch nicht unbedingt zu Verhaltensstörungen oder gar Tumoren.
Er hat sich mit dem Messerfisch beschäftigt. In dessen Gehirn etwa jede Fünfte neu gebildete Zelle zum Teil erhebliche Abweichungen in der Chromosomenzahl aufweist. Wie seine Arbeiten zeigen, entwickelt sich von diesen Zellen eine sehr große Anzahl zu Neuronen, die bis zum natürlichen Lebensende des Fisches erhalten bleiben. Bisher war die gängige Lehrmeinung, dass jede Zelle eines Organismus die identische Erbinformation enthält, die auf einer arttypischen Anzahl von Chromosomen gespeichert ist. Ausnahmen waren nur Spermien und Eizellen, die ja nur einen halben Chromosomensatz haben. Eine abweichende Anzahl der Chromosomen führt nach bisherigem Stand der Lehrmeinung zum Absterben der Zellen, zum sogenannten programmierten Zelltod und ruft schwere Beeinträchtigungen hervor, wie zum Beispiel das Down-Syndrom beim Menschen.

Günter Zupanc konnte nun nachweisen, dass die Nervenzellen, die durch Fehler bei der Zellteilung eine erhebliche Chromosomenvariabilität aufweisen, nur geringfügig häufiger durch programmierten Zelltod eliminiert werden.

Verfolgt werden konnte das Ganze über einen Zeitraum von bis zu 860 Tagen. Das entspricht etwa der Hälfte der Gesamtlebenserwartung der untersuchten Fischart. Das Interessante ist jetzt, ist diese Chromosomenvariabilität denn wirklich eine Ursache für Krebs, wie man bisher angenommen hat oder ist es vielleicht nur bei den untersuchten Fischen eine Besonderheit und man kann es vielleicht auch nicht auf den Menschen übertragen.

Wissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena sorgen sich um den ländlichen Raum. Dort könnte nämlich die Situation in den nächsten 10 bis 15 Jahren sehr prekär werden. In den Familien, die Mitte der 90-iger Jahre nämlich ins Grüne gezogen sind, weil’s da so schön ist, kommen die Eltern dann ins Rentenalter. Die Kinder sind längst aus dem Haus. Die Häuser brauchen eine erste Sanierung. Oft ist dafür aber gar kein Geld mehr vorhanden. Das Haus wird verkauft und die Eltern ziehen wieder zurück in die Stadt.
Die Befürchtung: Ganze Regionen im ländlichen Raum könnten ausdünnen. Jetzt beschäftigt man sich mit sogenannten demografisch auffälligen Gemeinden. Das sind Gemeinden, die eine sehr positive oder sehr negative demografische Entwicklung haben. Besonders auffällig sind die Auswirkungen dieses Wandels in einem Dorf namens Großlöbichau im Saale-Holzland-Kreis.
Warum? Dieses Dorf hat das größte Bevölkerungswachstum in Thüringen zu verzeichnen. Ein Beleg dafür: Der Kindergarten im Ort musste erweitert werden. Ein Problem: Es gibt keine Grundschule im Dorf. Außerdem fehlen wirklich gute Einkaufsmöglichkeiten. Die Bewohner müssen also mobil sein und der öffentliche Nahverkehr muss gut ausgebaut sein. Dass ist aber wieder die Frage, ob das überhaupt dann sich rechnet, weil die Zahl insgesamt dann wieder nicht groß genug ist.

Bei den Untersuchungen dieser ländlichen Räume haben die Geografen der Universität Jena auch feststellen können, dass nicht nur die ganz außen gelegenen ländlichen Gemeinden betroffen sind von einem Rückgang der Einwohnerzahlen, sondern auch die Umlandgemeinden der großen Städte, die eigentlich in den 1990-iger Jahren hinzu gewonnen hatten.

Für den Erhalt des ländlichen Raumes sind intakte Grund- und Mittelzentren unverzichtbar, sagen die Wissenschaftler. Diese Mittelzentren müssen sich besser miteinander absprechen und müssen versuchen eine gute Infrastruktur vorzuhalten.
Auch eine Erkenntnis ist, in vielen Gemeinden sind Vereine die Träger des sozialen Lebens. Das ist ja noch nichts Neues. Die Vereinsvorsitzenden sind meistens auch Gemeinderäte oder gar Bürgermeister. Interessant ist aber, dass die Wissenschaftler festgestellt haben, dass die Parteienlandschaft immer kleiner wird. In manchen Gemeinden gibt es nur noch eine Partei, die wirklich aktiv ist.

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen, einen Vorgang zu verfolgen, der bisher eben so nicht verfolgt werden konnte. Es geht um eine Art Reparaturwerkzeug der Zelle. Nennt sich LepA und das kommt zum Einsatz während der sogenannten Translation. Bei der Translation “liest” die Zelle die Erbinformationen auf der DNA und produziert entsprechende Eiweiße. Dafür gibt es eine spezielle Maschinerie, das Ribosom. Das tastet das Trägermolekül der Erbinformation Schritt für Schritt ab und wählt dann die passende Aminosäure für den Aufbau eines Proteins aus. Bei diesem Prozess können aber Fehler auftreten.

Vor zwei Jahren hat der Berliner Forscher Prof. Knud Nierhaus den Faktor LepA entdeckt, der dann nämlich in Aktion tritt. Und jetzt konnte man einen ribosomalen Komplex mit diesem LepA einfrieren und ihn dann fotografieren und zwar aus verschiedenen Winkeln und das Ganze unter einem hoch modernen Elektronenmikroskop und konnte nun genau sehen, wie das Ganze funktioniert.
Warum will man das wissen? Das ist zwar zurzeit noch Grundlagenforschung, doch 70 Prozent der natürlich vorkommenden Antibiotika wirken, in dem sie die Proteinproduktion in der Zelle stoppen. Und deswegen kann das Verständnis der Funktion von diesem LepA und dieses Reparaturvorgangs vielleicht zukünftig dazu führen, neue, bessere Antibiotika zu entwickeln.

Wissenschaftler haben in China festgestellt, dass es eine Zunahme der Tollwut gibt. In China war die Tollwut eigentlich unter Kontrolle. Zumindest von 1990 bis 1996, gab es ein sehr großes Impfprogramm. Da wurden eine ganze Menge, Hunde vor allem, geimpft. Seitdem hat das aber ein bisschen nachgelassen und jetzt ist die Zahl der Infektionen mit Tollwut beim Menschen doch dramatisch gestiegen. Zwischen 1990 und 1996 wurden gerade mal 160 Fälle aufgezeichnet. Im Jahre 2006 waren es 3.297.

Schwerpunkt scheinen die südwestlichen und südlichen Bereiche von China zu sein. Gerade da, wo sehr, sehr viele Menschen zusammen leben. Der Grund ist, man hat einfach die Impfprogramme bei Hunden eingestellt. Hunde werden nicht mehr gegen Tollwut geimpft.
Und außerdem scheint es so zu sein, dass es auch kaum noch Impfstoffe für Menschen gibt. Aus irgendwelchen Gründen werden auch die nicht mehr produziert und verabreicht. Und deswegen ist es so, dass wohl in der am schlimmsten betroffenen Provinz Guandong 62,5 Prozent der Patienten nicht wirklich eine ordentliche Behandlung von Bisswunden bekommen. 92 Prozent haben keine gute Impfung bekommen. Und 91 Prozent haben auch kein Anti-Tollwut-Imoglobin bekommen.
Tja, man weiß also schon, woran es liegt. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass das Ganze auch wirklich umgesetzt wird.

Das war’s für heute. Eine etwas kürzere Sendung. Nächste Woche, wenn alles klappt, gibt es ein sehr interessantes Interview in dieser Sendung. Also man darf gespannt sein. Wie immer vielen Dank fürs Zuhören und wie immer auch vielen Dank an Vera Ihrig, die immer wirklich sehr schön das Ganze transkribiert und das gibt’s dann immer zum Nachlesen auch auf der Seite wissenschaft.wanhoff.de.
Vielen Dank. Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

WWWW vom 17.8.2008: Trinkwasser in Gaza, Suchtheilung durch Rezeptorblockade

Die Themen heute:
Palästinensische und deutsche Wissenschaftler haben den Behörden des Gaza-Streifens empfohlen, unverzüglich Maßnahmen gegen die überhöhten Nitratwerte im Trinkwasser zu unternehmen. 90 Prozent ihrer Wasserproben hätten Nitratkonzentrationen aufgewiesen, die zwei bis achtmal höher gewesen seien als der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Grenzwert, schreiben Wissenschaftler der Universität Heidelberg und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) im Fachjournal Science of the Total Environment. Langfristig würde ein Qualitätsmanagement für die Grundwasserressourcen den größten Schutz bieten.

Kleiderkauf ohne ständiges An- und Ausziehen
– diese Vision könnte schon bald real werden. Möglich macht das ein virtueller Spiegel. Vom 29.8. bis 3.9.2008 zeigen Fraunhofer-Forscher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin (Technisch-Wissenschaftliches Forum TWF 5.3) ein Display, in dem der Kunde sich in wechselnden Designs betrachten kann, ohne auch nur einen Knopf öffnen zu müssen.

Typische Verhaltensmuster der Sucht sind die andauernde Suche nach dem Rauschgift oder ein Rückfall nach erneuter Drogengabe. Dafür sind durch das Kokain ausgelöste molekulare Veränderungen an den Nervenkontaktstellen im Belohnungssystem direkt verantwortlich. Dies veröffentlicht ein Forscherteam aus dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, dem Deutschen Krebsforschungszentrum sowie der Universität Genf.

Knapp 51 Prozent aller übergewichtigen Menschen in den USA haben normale Blutdruck- und Cholesterinwerte. Das berichtet eine Studie im Fachmagazin Archives of Internal Medicine.
Studienautorin MaryFran Sowers: “Unsere Daten zeigen, dass Übergewicht nicht unbedingt ein Gesundheitsrisiko darstellen muss”, sagt die Forscherin der University of Michigan.

Kein Tag vergeht, an dem wir nicht ein bisschen älter werden. Doch die genauen Prozesse des menschlichen Alterns geben noch viele Rätsel auf. Wissenschaftler um Lenhard Rudolph und Hong Jiang von der Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung in Ulm haben nun eine Gruppe von Proteinen identifiziert, die das biologische Alter eines Menschen verraten können. Diese Biomarker könnten in der Medizin dazu genutzt werden, um Therapien bei alten Menschen dem individuellen biologischen Alter anzupassen.

Transkript:
Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 17. August 2008.

Diese Ausgabe ist die erste, die grün produziert ist, wie man das heutzutage sagt. Bisher habe ich immer meine Notizen ausgedruckt. Das waren dann so sechs Seiten. Ich hab die dann schon immer doppelt bedruckt. Also eine Woche diese Seite, nächste Woche dann noch die andere Seite verwendet, aber ich will noch mehr Papier sparen, und, um ganz ehrlich zu sein, vor allem Druckertinte. Und deswegen gibt’s das Ganze jetzt praktisch nur noch digital. Meine ganzen Notizen sind ein Google-Dokument, was ich dann auf meinem Laptop vor mir habe.

Und da steht zum Beispiel, dass palästinensische und deutsche Wissenschaftler den Behörden des Gaza-Streifens empfohlen haben, etwas mal zu unternehmen gegen die erhöhten Nitratwerte im Trinkwasser. Die sind nämlich alarmierend. 90 Prozent der Wasserproben haben Konzentrationen von Nitrat aufgewiesen, die zwei- bis achtmal höher gewesen sind, als von der WHO empfohlene Grenzwerte es vorschreiben.

Die Wissenschaftler der Universität Heidelberg und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung sagen, langfristig sollte ein Qualitätsmanagement für die Grundwasser-Ressourcen einen besseren Schutz bieten. Grundwasser ist nämlich für die Mehrheit der Gaza-Streifen-Bewohner die einzige Trinkwasserquelle.
Nitrat kann vor allem bei Kleinkindern zum Mangel an roten Blutkörperchen führen, aber auch zu Durchfall und Übersäuerung. Die Hälfte von 640 getesteten Kleinkindern hatten tatsächlich Anzeichen eines Mangels an roten Blutkörpern. Die Forscher konnten nachweisen, und zwar mit Hilfe von Isotopen-Untersuchungen, dass die Nitratbelastung auf Dünger aus der Landwirtschaft und Abwässer zurückgeht. Der Gaza-Streifen gehört mit 2.600 Menschen pro Quadratkilometern zu einem der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde.
Die Felder dort werden hauptsächlich mit Hühner- und Kuhmist gedüngt. Kunstdünger macht nur ein Viertel aus und aufgrund der Geologie und des Klimas können Verunreinigungen relativ leicht von der Oberfläche direkt ins Grundwasser einsickern. Organischer Dünger und Abwässer sind dann auch die Hauptursache für die Nitratbelastung. Dann erst kommen Klärschlamm und Kunstdünger.
Herausgefunden hat man das eben mit Isotopen-Verhältnissen von Stickstoff und Sauerstoff im untersuchten Nitrat. Das heißt Variationen desgleichen chemischen Elementes, die sich durch eine unterschiedliche Anzahl an Neutronen im Atomkern unterscheiden. Das sind also Isotope. Und anhand dieser Isotope konnte man eben zeigen, also wie viel vom Klärschlamm da ist und wie viel auf Gülle als Dünger zurück zu führen ist. In lediglich 10 von 115 untersuchten Brunnen übrigens, wurde ein Nitratgehalt unterhalb des Richtwertes der WHO gefunden.

Nette Spielzeuge mit einem durchaus ernsten Hintergrund präsentieren eigentlich immer die Institute der Fraunhofer Gemeinschaft. Diesmal geht es um einen Spiegel, der auf der internationalen Funkausstellung im September gezeigt werden soll. Gebaut wurde er von Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik und dieser Spiegel ist eine Art Zauberspiegel, mit dem man zum Beispiel beim Anprobieren eine Hilfe bekommt.

Man zieht ein gewünschtes T-Shirt oder Hemd an und der Spiegel kann dann die Farbe des Hemdes ändern oder wie im Moment noch zum Beispiel ein Logo, was man auf der linken Seite hat, ändern. Also zum Beispiel das Wanhoffs Wunderbare Welt der Wissenschaft-Logo, die Erde, kann man dann auf der linken Seite haben und im Spiegel wird dann angezeigt, wie das vielleicht auf der rechten Seite aussieht, ohne dass man irgendwas ändern muss.
Das ganze ist nicht ganz so einfach zu machen. Ein bisschen Erfahrung hatte man durch eine virtuelle Schuhanprobe, die man für Adidas schon mal gemacht hat. Kleidungsstücke sind aber noch ein bisschen schwieriger, weil die ja zum Beispiel Falten werfen und sich zum Teil überdecken oder verdecken. Und Stoffe sind elastisch und haben bestimmte Strukturen und die machen ja auch dann das Schöne aus bei einem Stoff. Und deswegen mussten die Wissenschaftler ein paar mehr Parameter berechnen als eben nur bei ein paar Schuhen.
So, wie sieht das Ganze aus? Der Kunde steht vor einem Display über dem eine Kamera angebracht ist. Die filmt ihn, registriert die Bewegung seiner Kleidung. Das ganze wird dann umgerechnet. Die räumliche Bewegung der Projektion anhand eines zweidimensionalen Modells. Aus diesem 2D-Modell wird dann ein sehr engmaschiges Dreiecks-Netz gebaut und diese Kamera nimmt im Abstand von Millisekunden Bilder auf, überträgt sie an den Speicher. Dort werden diese Bilder ausgewertet. Das heißt, das System vergleicht, was sich von Bild 1 zu Bild 2 verändert hat. Dazu braucht es eben dieses Dreiecks-Netz, was über jedes Bild gelegt wird. Diese Bildverarbeitung erfolgt in Echtzeit und deshalb sieht der Kunde sich praktisch tatsächlich in diesem neuen Hemd.

Zurzeit kann eben das Hemd noch nicht selbst ausgewechselt werden. Also es gibt nicht verschiedene Kragen, sondern es gibt bisher nur Farben oder Muster, die man ändern kann. Aber das ist ja immerhin schon etwas.

Die Suchtforschung ist ja immer ein interessantes Gebiet, weil man heraus bekommen möchte, was denn wirklich diese Sucht ausmacht. Verhaltensmuster der Sucht sind ja die andauernde Suche nach dem Rauschgift oder vor allem ein Rückfall nach einer erneuten Drogengabe.
Forscher vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit und vom Deutschen Krebsforschungszentrum sowie der Universität Genf haben jetzt eine neue Studie veröffentlicht, die vielleicht ein bisschen mehr Aufschluss gibt über die Sucht. Man weiß ja, dass das Rauschgift Kokain zum Beispiel molekulare Umbauprozesse an den Synapsen bewirkt, in bestimmten Rezeptorkomplexen dann Protein-Untereinheiten ausgetauscht werden. Das hat zur Folge, dass die veränderte Synapse verstärkt Nervensignale übertragen kann.

Wissenschaftler um Professor Dr. Günther Schütz vom Krebsforschungszentrum gelang es nun, bei Mäusen selektiv in Dopamin produzierenden Nervenzellen genau diejenigen Eiweißkomponenten genetisch auszuschalten, die unter dem Einfluss von Kokain in die Rezeptorkomplexe eingebaut werden.

Die Wissenschaftler unterzogen die Tiere dann bestimmten Tests um das Suchtverhalten zu messen. Auf den ersten Blick zeigten sowohl genveränderte als auch Kontrolltiere das übliche Verhalten unter dem Einfluss von Kokain. Zu verstärkter Beweglichkeit angetrieben legten sie deutlich längere Laufstrecken zurück und suchten bevorzugt solche Plätze auf, auf die sie durch regelmäßige Drogengaben konditioniert worden waren.
Finden normale Mäuse an den gewohnten Plätzen über einen längeren Zeitraum keine Drogen, so klingt ihr Suchtverhalten langsam ab und ihre Vorliebe für die kokain-assoziierten Orte lässt nach. Das gilt jedoch nicht für die Tiere, deren Rezeptor-Untereinheit GluR1 ausgeschaltet ist. Diese Mäuse suchen unverändert die Stellen auf, an denen sie die Droge vermuten. Ihr Suchtverhalten dauert also dauerhaft an.

Mäuse bei denen aber das NR1-Protein ausgeschaltet wurde, überraschen mit einer anderen Auffälligkeit. Wird kokainentwöhnten Kontrolltieren nach einiger Zeit das Rauschgift erneut verabreicht, so flackert das Suchtverhalten und die Suche nach der Droge wieder auf. Im Gegensatz dazu erwiesen sich die NR1-Artgenossen als resistent gegenüber einem Rückfall in die Sucht. Und die Wissenschaftler wollen jetzt heraus bekommen, ob eine Blockade dieses NR1-Rezeptors vielleicht vor einem Rückfall in die Abhängigkeit eben auch bei Menschen schützen kann.

Eine Meldung von meinem Partnerblog, kann man sozusagen sagen, Scienceblogs, wo ich einen Podcast auch mache. Knapp 51 Prozent aller übergewichtigen Menschen in den USA haben normale Blutdruck- und Cholesterinwerte. Das berichtet eine Studie im Fachmagazin Archives of Internal Medicine. Die Daten zeigen, dass Übergewicht nicht unbedingt ein Gesundheitsrisiko darstellen muss. 5.440 Personen hat man untersucht, hat gemessen die Größe, das Gewicht, den Blutdruck, den Blutzucker und die Blutfettwerte und hat herausbekommen, Übergewicht und Herzrisiko müssen kein Zwillingspärchen sein.
Im Gegensatz zu der erwarteten deutlichen Verbindung von Dicken und Cholesterin zeigten sich sogar viele schlanke Menschen mit Blutwerten, die es eigentlich nur bei dicken Menschen gibt. Viele dicke Menschen waren gesund und vor allem deshalb, weil sie sich genügend bewegten. Das zeigte die Studie ganz deutlich. Rauchen und das Alter sind eher gesundheitsschädigende Faktoren. Die Zahlen: 76,5 Prozent der Normalgewichtigen hatten normale Blutwerte. 51 Prozent der Übergewichtigen hatten auch normale Blutwerte und sogar 31 Prozent der Fettleibigen hatten normale Blutwerte. Die letztere Gruppe der Fettleibigen, ist aber vor allem sehr altersabhängig. Wenn sie 50 bis 64 Jahre alt sind, dann sinkt der Anteil von 30 auf 20 Prozent, also der Anteil derer, die gesunde Blutwerte haben.
Experten fordern jetzt, dass man diesen Body-Mass-Index, der bisher für den Gesundheitszustand eines Patienten herangezogen wird, doch etwas vernachlässigt und vor allem den Hüftumfang sich anschaut. Es ist nämlich das Körperfett, das auf innere Organe drückt, was für das gesteigerte Risiko einer Herzkreislauf-Erkrankung verantwortlich sein soll.

Und ganz zum Schluss noch eine Geschichte, die mit Olympia zu tun hat. Es gibt eine, ach kann man sagen Maschine, die aus dem alten Griechenland stammt, die man 1901 gefunden hat. Ein sehr komplexes Gerät. Bei der Bergung ist es in viele, viele Teile zerfallen. Ungefähr 2.500 Teile und mittlerweile kann man die ein bisschen zusammensetzen und man hat immer überlegt, was ist das für eine Maschine. Klar ist, dass diese Antikythera Mechanism, wie er in englisch heißt, irgendetwas zu tun hat mit Zeitmessung.
Dieser auch erster analoger Computer genannte Maschine hat mehrere Räder und Einstellmöglichkeiten und man weiß, dass diese Räder zum Teil die Positionen von Sternen und Planeten angeben können und man hat jetzt noch was herausgefunden. Je nachdem wie das Ganze eingestellt wird, kann man herausfinden, wann die nächsten Olympischen Spiele sind. In der Tat gibt es wohl ein Rad, das die Olympischen Spiele alle vier Jahre anzeigt.
Warum? Konnten die Griechen etwa nicht damals, also das Ganze kommt aus der Zeit, ungefähr 1000 bis 2000 Jahre vor Christus, konnten die damals noch keine vier Jahre abzählen? Konnten sie natürlich schon. Man vermutet, dass dieses sogenannte Olympia-Rad an dieser Art Maschine deshalb dran ist, weil die Spiele eine so große Bedeutung hatten. Und deswegen sagte man sich, wir müssen auf jeden Fall ein Rad auf diese Maschine, die so viel erklärt drauf machen, das anzeigt, wann sind die nächsten Olympischen Spiele.
Und noch eine andere Entdeckung hat man gemacht. Die Monatsnamen, die eingraviert wurden, die sind wohl korinthischen Ursprungs und das Ganze ist deshalb interessant, weil man jetzt glaubt, dass dieses Gerät wohl eher westlich anzusiedeln ist als östlich. Bisher hat man eben geglaubt, dass das aus dem Osten Griechenlands kommt. Könnte aber eher aus dem Westen sein.

Ich habe noch eine Meldung, sehe ich gerade. Vom Max-Planck-Institut oder von der Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung in Ulm. Die haben nämlich Proteine identifiziert, die das biologische Alter eines Menschen verraten können. Für Ärzte ist es immer ein bisschen schwer herauszufinden, welche Therapien einem alten Menschen überhaupt zugemutet werden können und das biologische Alter ist eben nicht immer das Alter von dem man dann weiß, in welchem Zustand der Mensch ist. Also wer 80 ist, der kann auch durchaus noch ein Regenerationsvermögen eines 70-Jährigen haben.
Die Wissenschaftler haben jetzt Telomere angeschaut. Das sind Endstücke der menschlichen Chromosomen und die verkürzen sich bei jeder Zellteilung um 50 bis 200 Basenpaare und im Verlaufe des Älterwerdens werden sie schließlich so kurz, dass ihre Schutzfunktion am Ende der Chromosomen verloren geht. Wissenschaftler haben schon nachgewiesen, dass das ein Auslöser der Zellalterung ist und in der neuen Forschung hat man herausgefunden, dass es zu einer Freisetzung von Marker-Proteinen kommt. Und man konnte einen deutlichen Anstieg im Rahmen der Alterung und bei alters-assoziierten Erkrankungen nachweisen.

Die Ergebnisse der Arbeit stellen nicht nur aussagekräftige Marker für die biologische Alterung bereit, sondern sie untermauern auch die DNA-Schädigungshypothese der menschlichen Alterung.

Das war’s für heute. Ich bedanke mich wie immer fürs Zuhören. Ich bedanke mich übrigens auch für die doch häufiger kommenden E-Mails und XING-Anfragen und Linktin und jetzt habe ich über Flickr was bekommen und über Kommentare und was auch immer. Also ich freu mich da wirklich. Immerzu fragen, fragen, fragen. Übrigens gerne auch mal zum Leben in Vietnam. Da habe ich jetzt gerade eine Anfrage bekommen. Also ich bin da sehr auskunftsfreudig. Wer immer eine Frage hat, möge mir bitte eine E-Mail schicken oder einen Kommentar oder mich sonst wie kontaktieren. Ich antworte gerne.
Vielen Dank fürs Zuhören. Das war’s. Eine schöne Woche und Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

WWWW VOM 10.8.08: Perseiden, Trauma, Duftstoffe und Allergien

Die Themen:
Kleine Podcastwerbung für Thomas Otto und den neuen Podcast wirsozn.de

Landwirte bestellen Felder, Forstleute bewirtschaften Wälder. Was bislang als selbstverständlich galt, könnte sich bald ändern. Bäume sollen künftig auch auf Äckern wachsen – mit kurzen Umtriebszeiten und hoher Rentabilität. Die seit Jahren steigende Nachfrage nach Nutzholz für die Säge- und Holzindustrie bzw. als Brennstoff macht “Holzanbau” für Landwirte attraktiv und wirft gleichzeitig neue Fragen auf.

Was genau läuft bei einem Trauma im Gehirn ab? Welche Rolle spielt die Hirnchemie bei der Verarbeitung von Angst und Furcht? Einen kleinen Teil dieser gewaltigen Fragestellung konnte nun eine Forschungsgruppe von Prof. Dr. Hans-Christian Pape vom Institut für Physiologie I (Neurophysiologie) am Universitätsklinikum Münster lösen. Im Mittelpunkt steht dabei das Peptid “Neuropeptid S”, kurz NPS.

Brust- und Prostatakrebs zählen zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Im Verlauf der Erkrankung bilden sich bei vielen Patienten Tochtergeschwülste in anderen Organen. Bei bis zu 70 Prozent der Betroffenen entstehen diese Metastasen im Knochen. Die Heilungschancen verschlechtern sich dadurch dramatisch. Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg haben jetzt eine Methode entwickelt, mit der die Ausbildung von Knochenmetastasen bereits in einem frühen Stadium objektiv beurteilt werden kann.

Duftstoffe werden in vielen Produkten eingesetzt, mit denen Verbraucher in Kontakt kommen, darunter kosmetische Mittel, Wasch- und Reinigungsmittel. Einige Duftstoffe können zu Allergien führen, wenn sie mit der Haut in Kontakt kommen. Ob Duftstoffe auch allergische Reaktionen auslösen können, wenn sie über die Atemwege aufgenommen werden, diskutierten Experten am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin.
aktionsplan_gegen_allergien.pdf

Aufgepasst: Die Perseiden sind wieder da. Am 12.August ist der Höhepunkt des nächtlichen Schauspiels.

In einem 243 Stunden dauernden Beobachtungsmarathon haben Astronomen vom Erdboden aus die Helligkeitsschwankungen zweier Sterne beobachtet, ohne dass sie dabei wegen Einbruchs der Morgendämmerung abbrechen mussten. Tief im antarktischen Kontinent betreibt ein italienisches Konsortium unter Mitarbeit des Astrophysikalischen Instituts Potsdam (AIP) ein Pilotteleskop auf 75 Grad südlicher Breite.

Scienceblogs.de: Vitamin C kann Krebszellen schädigen

Transkript:
Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 10. August 2008.

Ich habe Post bekommen. Elektronische Post, also eMail mit einem Anhang und das Ganze von Thomas Otto. Der hat mich gebeten, doch einen kleinen Jingle zu spielen oder ein Promo, wie man das nennt. Der macht nämlich jetzt einen tollen Podcast und das hören wir uns gleich mal an.

Hallo liebe Hörer von Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft. Mein Name ist Thomas. Ich bin Josy. Und Wirsozn. So heißt nämlich unser neuer Podcast, in dem es um die Sozialwissenschaften, besonders um Soziologie geht. Wir wollen Euch über Aktuelles in den Sozialwissenschaften informieren, Grundbegriffe erklären und Basics vermitteln. Und vor allem wollen wir das Interesse an Soziologie wecken. Ihr könnt uns finden entweder auf Wirsozn.de, das schreibt sich w-i-r-s-o-z-n-Punkt-d-e, oder auf Podster.de in iTunes oder in allen anderen gängigen Podcast-Portalen. Viel Spaß also noch beim Podcast hören und vielleicht bis zur nächsten Folge von Wirsozn.
Ja vielen Dank ihr Sozn und ich kann nur empfehlen, jedem mal, da mal reinzuhören.

Nachrichten heute. Landwirtschaft. Ist ja ein ganz großes Thema zurzeit. Eigentlich schon immer gewesen, seit wir Menschen die Landwirtschaft erfunden haben. Und in letzter Zeit werden immer mehr neue Möglichkeiten gesucht, Landwirtschaft doch etwas effizienter zu machen. Unter anderem hatte ich ja neulich schon mal das Thema Felder mit zwei verschiedenen Sorten zu bestellen, ein hoch Wachsendes, ein niedrig Wachsendes (Korrekt: eine hoch Wachsende, eine niedrig Wachsende). Jetzt haben sich Forscher aus verschiedenen Universitäten der Forschungsverbünde Agrowood und Agroforst mal zusammen getan und haben überlegt, ob es denn nicht sinnvoll sein könnte auf Ackerflächen auch Bäume anzubauen.

Warum? Bäume können mittlerweile durchaus kurze Wachstumszeiten haben und durchaus rentabel sein und für die Landwirte kann das ‘ne (Umgspr: eine) ganz interessante Alternative sein, was das Einkommen angeht. Es gibt jetzt ein Projekt, das in den Modellregionen Freiberg (Anmerkung: in Sachsen) und Schradenland (Anmerkung: in Südbrandenburg) auf rund 200 Hektar Fläche schnell wachsende Pappeln und Weiden untersucht. Die sollen dann geerntet werden und man will schauen, welche ökonomischen und ökologischen Chancen aber auch Risiken es gibt.

Vorteile von solchen Holzplantagen gegenüber dem klassischen Holzanbau im Wald verglichen mit den Agraranbaumethoden: Man braucht weniger Pflanzenschutzmittel, weniger Dünger, man hat geringere Belastung für die Gewässer, deutlich verminderte Bodenerosionen und eben auch höhere Erträge als in der Waldwirtschaft.
Außerdem kann sich der Ackerboden dadurch erholen, dass er weniger befahren wird. Kleiner Nachteil bei der Geschichte oder auch Problem: Holz braucht sehr viel Wasser. Man braucht ungefähr 500 ml (Milliliter) durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge, davon 300 ml in der Vegetationszeit. Das Ganze natürlich pro Quadratmeter, soweit ich das weiß, ja. Als richtig rentabel gilt dann der Holzanbau, wenn pro Hektar im Mittel mehr als 8 Tonnen Holz nachwachsen können.
Na mal sehen. Man kann übrigens noch was machen. Man kann junge Bäume anpflanzen und so lange die noch nicht ganz groß sind, kann man die Flächen zwischen den Bäumen durchaus noch für andere Bepflanzungen ausnutzen.

Was genau läuft eigentlich bei einem Trauma im Gehirn ab? Und zwar geht es hierbei jetzt nicht um unbedingt von außen verursachtes Trauma, sondern um eher traumatische Dinge. Christian Pape vom Institut für Physiologie I an der Uni Münster beschäftigt sich mit dem Thema und hat sich genauer mit einem Peptid beschäftigt, das “Neuropeptid S”, kurz NPS genannt. Das beeinflusst einen ganz bestimmten Bereich der Amygdala, das ist das Areal des Gehirns, in dem auch furchtrelevante Erinnerungen gespeichert werden. Gerade beim Verlernen von Angst spielt dieses NPS eine ganz große Rolle.
Im Labor wurde jetzt an Hirnpräparaten untersucht, wie das Peptid auf die Zellkommunikation wirkt. In einem anderen Schritt wurden dann Verhaltensstudien durchgeführt. Das Ganze an Mäusen. Dann hat man festgestellt, wenn man dies Peptid in die Amygdala gegeben hat, wurde das Angstverhalten enorm reduziert. Auch zuvor durch Pavlow’sche Furchtkonditionierung erlernte negative Erfahrungen wurden mit diesem Neuropeptid wieder schneller verlernt. Hat man allerdings die Rezeptoren gezielt blockiert, trat dann der gegenteilige Effekt ein. Das Verlernen der Angst, das dauerte erheblich länger.
Vom Prinzip her funktioniert das Verlernen von Angst so: ein zuvor negativ assoziierter Reiz wird mehrmals ohne aversive Folgen präsentiert. Und die Furchtantwort bezüglich dieses Reizes nimmt dann ab und dann wird eine neue Gedächtnisspur angelegt, die das vorherige Furchtgedächtnis hemmt. Problem: Bei traumatisierten Menschen passiert genau das nicht oder nur unzureichend. Und deswegen reicht für die schon der kleinste Reiz um dieses Trauma wieder hervorkommen zu lassen. Das ist der Grund, warum man dieses NPS, dieses Peptid ein bisschen genauer untersucht und hofft irgendwann ein Medikament vielleicht daraus entwickeln zu können, weil, so sagen die Forscher, man zurzeit noch nicht einfach dieses Peptid dem Menschen ins Gehirn spritzen kann oder in die Blutbahn.

Am deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg haben Forscher jetzt eine Methode ermittelt, mit der sie Knochenmetastasen in einem frühen Stadium beurteilen können. Bisher passiert das nämlich so, dass Knochenmetastasen im Wesentlichen dadurch klassifiziert werden können, wie stark der Knochen denn schon in Anspruch genommen ist beziehungsweise zerstört ist. In der Regel wird da ein Loch gefressen und die Größe des Loches gab bisher immer Auskunft darüber, wie schlimm es ist.

Problem dabei: Wenn das Loch schon groß ist, ist es auch definitiv schon so schlimm und man kann das nur relativ ungenau sich anschauen und quantifizieren. Jetzt haben die Forscher versucht, einen neuen Ansatz zu finden und zwar nicht durch den Grad des Knochenabbaus, sondern sie wollen sich anschauen, wie denn die Durchblutung in dieser Metastase ausschaut. Denn, je mehr sie durchblutet wird, umso aggressiver wissen die Wissenschaftler.
Wie macht man das Ganze: Mit bildgebenden Verfahren, wie zum Beispiel der Computertomografie kann man die Durchblutung sichtbar machen und dann kann man auch Kontrastmittel eingeben und die Gefäße der Metastasen dann messen und verschiedene Parameter der Gefäßneubildung auch bestimmen. Den Wissenschaftlern ist es im Übrigen auch gelungen, die Bildung von Blutgefäßen in Knochenmetastasen und damit auch deren Wachstum durch sogenannte Angiogenese-Hemmer zu verhindern. Dabei wird ein Faktor, der für die Gefäßneubildung im Tumor verantwortlich ist, durch diese Angiogenese-Hemmer blockiert und der Tumor kann nicht mehr so gut wachsen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat neulich mal Experten eingeladen zum Thema “Duft in öffentlichen Räumen”. Und dabei geht es darum, dass in privaten Räumen und vor allem auch in Waschmitteln und solchen Sachen es bestimmte Höchstwerte für Duftstoffe gibt. Der Grund liegt darin, dass Duftstoffe Allergien unter Umständen auslösen können. Es gibt Menschen, die zumindest gegen bestimmte Sachen allergisch sind. Und dann ist der Duftstoff bisweilen auch ein Auslöser.

Jetzt hat man sich mal überlegt, wie ist das denn mit Duftstoffen in öffentlichen Räumen und ich war etwas verwirrt, das in dieser Mitteilung unter anderem auch des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, das in dieser Mitteilung stand, im Bad duftet es nach Pfirsichblüten, in der U-Bahnstation nach Croissants und im Kaufhaus nach frisch gewaschener Wäsche. Dieser Mitteilung entnehme ich, dass der Croissant-Duft mitnichten vom Backen der Croissants kommt, sondern von Duftstoffen, von künstlichen Duftstoffen?
Wenn da jemand mehr weiß, bitte mir einen Kommentar hinterlassen auf meiner Webseite Wissenschaft.Wanhoff.de oder mir eine eMail senden an Wanhoffs.Wissenschaft@gmail.com.

Zurück zu diesen synthetischen Duftstoffen in öffentlichen Räumen. Es ist wohl so, dass sie nicht unbedingt Allergien auslösen können. Aber dass es Menschen gibt, die unter Umständen schon sehr viele Allergien haben und wenn die mit bestimmten Duftstoffen in Verbindung kommen, dann könnte das das Ganze verstärken.

Noch zwei Tage und dann ist der Höhepunkt erreicht. Der Höhepunkt des Meteoritenschauers der Perseiden. Heißen die Perseiden oder Perse-iden? Ich glaube, Perse-iden, Perseiden? Ach, das ist immer so ‘ne Frage für mich.

Die kommen am 12. August oder sind eigentlich schon da. Am 12. August glaubt man den Höhepunkt zu haben. Etwa jede Minute kommen eine oder zwei herunter. Ein richtiger Sternenregen. Grund dafür ist der Komet Swift Tuttle. Der ist im Moment in der Gegend vom Uranus, aber hat einen so langen Schweif mit lauter Müll und Schmutz, dass der die Erde streift und deshalb sehen wir ganz tolle Himmelsbilder in der Nacht, wenn es denn in Deutschland einen klaren Himmel gibt. Ich weiß das gar nicht. Wie ist denn in Deutschland das Wetter? Also hier in Vietnam ist es gerade wieder ein bisschen schöner geworden. Da haben wir auch nachts Sternenhimmel.

In einem 243 Stunden dauernden Beobachtungsmarathon haben Astronomen die Helligkeitsschwankungen zweier Sterne beobachtet. Jetzt sagt man, ja und, der Trick dabei ist, 243 Stunden gehen normalerweise nicht, weil es schlicht hell wird. Es sei denn man ist – in der Antarktis.

In den Wintermonaten von Mai bis Anfang August können ununterbrochene Beobachtungsreihen über viele Tage gewonnen werden. Lediglich der Nordhorizont in der Antarktis hellt sich mittags mal ein bisschen auf, aber die Sonne geht nicht richtig auf. Deswegen kann man eigentlich die ganze Zeit durch beobachten. Es ging dabei um zwei unterschiedliche Sterne im Sternbild Zentaurus.
Einer dieser Sterne zeigt Pulsationen und damit verbundene Helligkeitsschwankungen. Problem dabei ist: Diese Pulsierung geschieht auf mehreren Frequenzen gleichzeitig. Und die Forscher wollen nun versuchen, diese Frequenzen auseinander zu dividieren und zu schauen, welche Frequenzen es da überhaupt gibt. Man kann nämlich dann Rückschlüsse auf den Aufbau des Sterns machen. Bisher sind 20 dieser Frequenzen gefunden worden.

Und der andere Stern ist ein sogenannter Unterriese, der an der Oberfläche kühler ist als die Sonne, aber wesentlich größer ist als eine Solche. Er hat eine relativ kurze Rotationsperiode von 6 Tagen und dann zeichnen sich immer Lichtkurven ab, die gemessen werden können. Der Stern ist magnetisch sehr aktiv und zeigt große Sternenflecken. Und durch diese lange Beobachtungsperiode in der Antarktis konnte nun eine Oberfläche des Sterns kartiert werden.

Ganz zum Schluss noch eine Nachricht mal wieder von den Sciencblogs vom Blog Neurons. Dort ist eine Geschichte zu lesen über Forscher, die sich mit Vitamin C beschäftigt haben. Das heißt ja Ascorbinsäure und kommt lateinisch von a scorbutus. Es hilft nämlich gegen Skorbut. Es könnte aber auch noch gegen viel mehr helfen, nämlich eventuell gegen Krebszellen.
Biochemiker vom National Institute of Health in Bethesda in Maryland haben jetzt die Wirkung von hochdosiertem Vitamin C an Mäusen getestet und festgestellt, dass besonders viel des Stoffs Tumorzellen schädigen kann ohne aber die gesunden Zellen zu beeinträchtigen. Man hat sehr hohe Dosen direkt in die Blutbahn injiziert. Da dieser wasserlösliche Stoff, wenn er oral aufgenommen wird, vom Körper sehr zügig abgebaut wird und dann kann es Probleme geben mit Nieren und Nierensteinen.

Die Forscher haben Mäusen diese Ascorbinsäure gegeben und haben festgestellt, dass durch das Vitamin Wasserstoffperoxid in der Umgebung des Krebsgewebes sich ansammelt und dieses die Tumorzellen schädigt und auch den Wachstumsprozess dieser Zellen verlangsamt.

In Kombination mit anderen Therapien könnte es dann die Heilungschancen von Krebspatienten erhöhen. Studien mit Betroffenen sollen demnächst erfolgen.

Das war’s für heute. Vielen Dank fürs Zuhören. Zum Nachlesen gibt’s dann wieder in ein paar Tagen das Transkript von Vera Ihrig. Vielen Dank noch mal dafür auch an die Sprachwebseite LingQ.com. Vielen Dank fürs Zuhören. Das war’s für heute. Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

WWWW vom 3.8.2008: Wie Eisbären hören, wie man Goldatome wiegt, wie Linsen ins Weißbrot kommen

Zunächst noch einmal einen Dank an Vera Ihrig für die Transkribierungen meines Podcasts und die Neuhörerin Irene Keßler, die über LingQ.com hierhergefunden hat.
ausserdem bitte ich um Entschuldigung für die störenden Handwerkergeräusche…das ließ siech nicht vermeiden..

Die Themen heute:
Scienceblogs meldet, dass Wissenschaftler eine Waage konstruiert haben, die ein einzelnes Atom wiegen kann. Bisher hat man schon ein Goldatom gewogen – jetzt kann man wirklich alles auf die Goldwaage legen.

PICT2301
Anne Bowles ist Biologin und hat sich Gedanken über Eisbären gemacht. Denen schmilzt bekanntlich der Lebensraum. Aber auch der verbleibende Platz ist nicht ohne: Dort wird nämlich gebohrt udn Öl gefördert. Welche Auswirkungen hat wohl der Lärm? Und wie hören Eisbären eigentlich? Bowles hat den Hörtest gemacht. Interessant: Es sind die tiefen Töne, die Eisbären am besten hören.

Wissenschaftler wollen jetzt mit Quantum Dots Krebs besser therapieren. Sie haben herausgefunden, dass diese Quantum Dots unter Betsrahlung Licht abgeben. Damit wiederum könnte man Medikamente aktivieren, die auf einen solchen Lichtimpuls warten. Bislang konnte man diese Medikamente nur dort einsetzen, wo man auch Licht hinbringen konnte. Nun könnte man mit Hilfe der Quantum Dots auch in tieferes Gewebe eindringen.

Mit Wildpflanzen kann man Biogasanlagen betrieben, und zwar besser als nur mit Getreide und Mais. Das glauben die Forscher der Bayerischen Landesanstalt fur Weinbau und Gartenbau, die zusammem mit Kollegen untersuchen, wie man Wildpflanzen einsetzen kann. Vorteile sind unter anderem die Bepflanzung im Winter und die Resistenz gegen Wildschweine.

Es müssen nicht immer Soja und Erbsen sein, wenn es um nichttierische Proteinlieferranten geht. Auch weiße Bohnen und Linsen sind eine Alternative, wie jetzt herausgefunden wurde. Gerade in der Lebensmittelherstellung könnte man auf diese noch nocht genmanipulierten Hülsenfrüchte setzen.

Das Transkript:
Wat is’n Dampfmaschin? Da stellen wir uns ma janz dumm und sagen ´ne Dampfmaschine dat is ne große, runde, schwarze Raum (… – englischer Text – …)]
Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft

Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 03. August 2008.

Zunächst einmal vielen Dank noch mal an Vera Ihrig, den Namen habe ich bisher nämlich noch nicht genannt. Das ist die Frau, die für LingQ.com, eine Sprachlernseite, meine Wissenschaftssendung transkribiert und mir die Texte dann zur Verfügung stellt. Und auch noch ein Dank an Irene Keßler, sie ist eine Neuhörerin, die über LingQ.com zu mir gestoßen ist. Willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft.

Und dann noch etwas für alle Besitzer eines iPod touch und eines iPhones. Da gibt es ja den neuen iTunes Application Store und ich habe eine sehr interessante Applikation gefunden, die was mit Wissenschaft zu tun hat und die kostenlos ist. Sie nennt sich Molecules und mit ihr kann man Moleküle darstellen. In der Basisversion gibt es Insulin und die DNA. Sehr interessant gemacht. Man kann sie dann mit zwei Fingern so drehen und ein bisschen hin und her bewegen und kann eben sehen, wie so ein Molekül-Modell aussieht. Ganz tolle Geschichte. Gibt’s kostenlos. Und man kann theoretisch auch alle möglichen anderen Moleküle hinzufügen. Bei mir ist diese Sache dann immer abgestürzt. Deswegen hoffe ich mal, dass – der Handwerker bald aufhört, hier im Hintergrund – und ja, dass zumindest diese Demo-Moleküle ganz gut funktionieren.

Nachrichten heute: Gleich etwas von den Scienceblogs.de, für die ich ja auch einen Podcast mache. Da gab’s die Meldung bei GeoGraffitico, eine Meldung der University of California in Berkley, die haben nämlich eine Waage entwickelt, die sehr speziell ist. Das ist eine Nanoröhren-Waage, und mit ihr kann man die Masse eines einzelnen Atoms oder Moleküls bestimmen. Professor Alex Zettl hat das Ganze gebaut. Und das sieht ungefähr so aus. Die Kohlenstoff-Nanoröhre ist an einem Ende mit einer Elektrode verbunden, das andere Ende kann frei schwingen und wird durch einen schwachen Strom vorgespannt und in Vibration versetzt. Landet ein Atom auf dieser Röhre, dann beeinflusst das das Schwingungsverhalten und aus der Veränderung der Schwingung kann man dann auf die Masse des Atoms oder Moleküls schließen.

Interessante Geschichte. Man legt es sozusagen auf die Goldwaage.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com
Herzlichen Dank an Herrn Wanhoff für die freundliche Genehmigung, den Beitrag hier zu verwenden.

Folge 186 vom 03.08.2008, Teil 2: Wie Eisbären hören

Eine andere Geschichte, die habe ich gefunden bei Inside Science News Service. Es geht um eine Forscherin namens Anne Bowles. Anne Bowles arbeitet in Alaska, wohnt aber in San Diego und hat sich die Frage gestellt, wie verändert sich denn die Umgebung der Eisbären. Jetzt wissen wir natürlich, dass durch Klimaerwärmung der Lebensraum der Eisbären sozusagen dahin schmilzt und sie sich neue Lebensräume suchen müssen. Die Frage ist nur, wie sehen diese Lebensräume denn aus und bieten sie den Eisbären eigentlich das, was die Eisbären brauchen. Ganz speziell geht es dabei um – Ruhe, denn – da wo die Eisbären leben isses ziemlich ruhig. Wenn nicht gerade irgendein Wind weht, hört man eigentlich gar nichts. Außer wenn der Eisbär natürlich gerade mit seinen Tatzen übers Eis kratzt. Aber wer weiter weg ist, hört nichts.

Und jetzt hat sich Anne Bowles gefragt, hmm, wie ist es denn wenn die Eisbären näher an den Menschen kommen, an seinen Lebensraum und an die ganzen Maschinen? Vor allem die der Ölindustrie, die ja in Alaska sehr große Interessen hat und dort bohrt.

Um jetzt herauszufinden, welche Auswirkungen das auf die Eisbären hat, hat Anne Bowles sich erst mal die Frage gestellt, wie hören die überhaupt. Wenn eine Biologin in San Diego wohnt, dann ist sie nicht weit weg vom San Diego Zoo. Dort gibt es auch Eisbären und Anne Bowles hat sich mit zwei Eisbärinnen beschäftigt. Sie hat sie – nacheinander natürlich – in einen ganz bestimmten möglichst schalldichten Käfig gebracht. In diesem Käfig gab es dann einen Knopf. Wenn sie mit diesem, an diesen Knopf gestoßen sind, dann haben sie eine Frequenz zu hören bekommen und wenn die Bärin den, die Frequenz gehört hat, dann wurde so trainiert, dass sie gegen einen anderen Knopf drücken soll mit der Schnauze sozusagen und dann was zu Fressen bekommt. Das heißt, sie wurde trainiert, wenn du das hörst, dann drücke mit der Schnauze dagegen und du bekommst was zu fressen.

So konnte man dann die verschiedenen Frequenzen ausprobieren. Und heraus kam, dass Bären, Eisbären vor allem, tiefe Frequenzen hören. Das macht Sinn, weil sie auch tiefe Frequenzen von sich geben. Also wenn man Eisbären hört, dann sind das immer sehr tiefe Töne, wenn so ein Eisbär – sagt man knurrt? Na ja, also solche Geräusche von sich gibt.

Ähm, das Problem war, dass man diesen Käfig nicht so schalldicht machen konnte, dass alle äußeren Einflüsse wirklich abgeschirmt werden konnten. Und das Problem war gerade bei den tiefen Frequenzen. Da kam doch noch einiges durch. Deswegen gibt es keine exakten Messergebnisse, bis wie weit die Eisbären tiefe Frequenzen hören können.

Ein Grund für die tiefen Frequenzen ist auch, dass sie sehr weit tragen und deshalb wollte Anne Bowles natürlich auch wissen, wie weit das geht bei den Eisbären. Denn so ‘ne Ölbohrung die kann man eben bei den tiefen Frequenzen über sehr, sehr weite Entfernungen hören, bisweilen sogar fühlen.

Der nächste Schritt wird jetzt sein, eine Eisbärenhöhle zu finden. In dieser Eisbärenhöhle Mikrofone zu installieren und zu hören und zu messen, was da überhaupt rein kommt. Denn dann erst weiß Anne Bowles, ob denn überhaupt Einflüsse von außen eine Rolle spielen können, ob sie überhaupt reinkommen und an das Bärengehör dringen können. Wenn das so ist, dann wird der dritte Schritt sein, zu forschen, welche Auswirkungen das hat. Zum Beispiel auf das Paarungsverhalten, denn eine Theorie ist, das Paarungsverhalten kann gestört werden, durch solche äußeren Lärmeinflüsse. Das ist erstmal eine Theorie und die muss erstmal bestätigt werden. Nächster Schritt also, in die Höhle und schauen oder hören, welche Frequenzen dort überhaupt ankommen.

Eher hohe Frequenzen sind jene, die die Handwerker im Haus hier heute von sich geben mit Kreissägen. Ich hoffe, es kommt nicht alles im Mikrofon an. Aber ich muss die Sendung jetzt aufnehmen und die Handwerker sind nun mal da. Und die Bauart vietnamesischer Häuser bedingt, dass solcher Lärm, gerade die hohen Frequenzen, sehr gut weiter getragen werden.

Eine andere Geschichte, die habe ich gefunden bei Inside Science News Service. Es geht um eine Forscherin namens Anne Bowles. Anne Bowles arbeitet in Alaska, wohnt aber in San Diego und hat sich die Frage gestellt, wie verändert sich denn die Umgebung der Eisbären. Jetzt wissen wir natürlich, dass durch Klimaerwärmung der Lebensraum der Eisbären sozusagen dahin schmilzt und sie sich neue Lebensräume suchen müssen. Die Frage ist nur, wie sehen diese Lebensräume denn aus und bieten sie den Eisbären eigentlich das, was die Eisbären brauchen. Ganz speziell geht es dabei um – Ruhe, denn – da wo die Eisbären leben isses ziemlich ruhig. Wenn nicht gerade irgendein Wind weht, hört man eigentlich gar nichts. Außer wenn der Eisbär natürlich gerade mit seinen Tatzen übers Eis kratzt. Aber wer weiter weg ist, hört nichts.

Und jetzt hat sich Anne Bowles gefragt, hmm, wie ist es denn wenn die Eisbären näher an den Menschen kommen, an seinen Lebensraum und an die ganzen Maschinen? Vor allem die der Ölindustrie, die ja in Alaska sehr große Interessen hat und dort bohrt.

Um jetzt herauszufinden, welche Auswirkungen das auf die Eisbären hat, hat Anne Bowles sich erst mal die Frage gestellt, wie hören die überhaupt. Wenn eine Biologin in San Diego wohnt, dann ist sie nicht weit weg vom San Diego Zoo. Dort gibt es auch Eisbären und Anne Bowles hat sich mit zwei Eisbärinnen beschäftigt. Sie hat sie – nacheinander natürlich – in einen ganz bestimmten möglichst schalldichten Käfig gebracht. In diesem Käfig gab es dann einen Knopf. Wenn sie mit diesem, an diesen Knopf gestoßen sind, dann haben sie eine Frequenz zu hören bekommen und wenn die Bärin den, die Frequenz gehört hat, dann wurde so trainiert, dass sie gegen einen anderen Knopf drücken soll mit der Schnauze sozusagen und dann was zu Fressen bekommt. Das heißt, sie wurde trainiert, wenn du das hörst, dann drücke mit der Schnauze dagegen und du bekommst was zu fressen.

So konnte man dann die verschiedenen Frequenzen ausprobieren. Und heraus kam, dass Bären, Eisbären vor allem, tiefe Frequenzen hören. Das macht Sinn, weil sie auch tiefe Frequenzen von sich geben. Also wenn man Eisbären hört, dann sind das immer sehr tiefe Töne, wenn so ein Eisbär – sagt man knurrt? Na ja, also solche Geräusche von sich gibt.

Ähm, das Problem war, dass man diesen Käfig nicht so schalldicht machen konnte, dass alle äußeren Einflüsse wirklich abgeschirmt werden konnten. Und das Problem war gerade bei den tiefen Frequenzen. Da kam doch noch einiges durch. Deswegen gibt es keine exakten Messergebnisse, bis wie weit die Eisbären tiefe Frequenzen hören können.

Ein Grund für die tiefen Frequenzen ist auch, dass sie sehr weit tragen und deshalb wollte Anne Bowles natürlich auch wissen, wie weit das geht bei den Eisbären. Denn so ‘ne Ölbohrung die kann man eben bei den tiefen Frequenzen über sehr, sehr weite Entfernungen hören, bisweilen sogar fühlen.

Der nächste Schritt wird jetzt sein, eine Eisbärenhöhle zu finden. In dieser Eisbärenhöhle Mikrofone zu installieren und zu hören und zu messen, was da überhaupt rein kommt. Denn dann erst weiß Anne Bowles, ob denn überhaupt Einflüsse von außen eine Rolle spielen können, ob sie überhaupt reinkommen und an das Bärengehör dringen können. Wenn das so ist, dann wird der dritte Schritt sein, zu forschen, welche Auswirkungen das hat. Zum Beispiel auf das Paarungsverhalten, denn eine Theorie ist, das Paarungsverhalten kann gestört werden, durch solche äußeren Lärmeinflüsse. Das ist erstmal eine Theorie und die muss erstmal bestätigt werden. Nächster Schritt also, in die Höhle und schauen oder hören, welche Frequenzen dort überhaupt ankommen.

Eher hohe Frequenzen sind jene, die die Handwerker im Haus hier heute von sich geben mit Kreissägen. Ich hoffe, es kommt nicht alles im Mikrofon an. Aber ich muss die Sendung jetzt aufnehmen und die Handwerker sind nun mal da. Und die Bauart vietnamesischer Häuser bedingt, dass solcher Lärm, gerade die hohen Frequenzen, sehr gut weiter getragen werden.

Eine weitere Geschichte habe ich gefunden bei der University of Virginia. Dort haben Mediziner und Physiker etwas herausgefunden. Sie haben sich mit den sogenannten Quantum Dots beschäftigt. Quantum Dots haben eine interessante Eigenschaft. Sie geben nämlich unter bestimmten Bedingungen Licht ab. Und jetzt muss man wissen, dass es Medikamente gibt, die bei der Krebsbehandlung eingesetzt werden, die dann aktiv werden, wenn sie mit Licht bestrahlt oder mit Licht beschossen werden.

Das Ganze nennt sich Photofrin und gibt, und wird bisher eher in oberen Bereichen der Haut zum Beispiel eingesetzt, weil dort das Licht am besten hinkam. Und jetzt haben sich Wissenschaftler um Wensha Yang von der University of Virginia gedacht, wenn wir diese Quantum Dots so einsetzen können, dass sie Licht abgeben, was sie übrigens unter Bestrahlung tun – sehr praktisch bei der Krebstherapie – dann können wir doch mit diesem Licht versuchen, dieses Photophrin, das lichtsensitiv ist, zu aktivieren. Und genau dahin geht jetzt die Forschung. Man arbeitet sehr intensiv daran dieses Photophrin zusammen mit diesen Quantum Dots einzusetzen. Die sind unglaublich winzig klein. Und dieses Photophrin so einzusetzen, dass man sehr punktgenau die Quantum Dots dort hin bringt, bestrahlt und dadurch dass Licht ausgestrahlt wird, imitiert wird, und damit dann das Photoprin sich auf die Krebszellen stürzen kann. Weil das ist seine eigentliche Aufgabe. Finde ich eine sehr interessante Annahme, das zu tun. Und es sieht so aus, als ob man da einen Schritt weiter gekommen ist.

Auch einen Schritt weiter kommen möchte die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau beim Bereich der Biogasanlagen. Bisher benutzt man dort weitgehend Mais und Getreide. Und jetzt versucht man mal herauszufinden, ob das Ganze nicht auch mit Wildpflanzen geht. Wildpflanzen sind zum Beispiel Rainfarn, Beifuß, Wilde Malve oder Wasserdost. Ehrlich gesagt, einige davon habe ich noch nie gehört. Oder gesehen? Na gesehen habe ich sie vielleicht. Aber gehört habe ich davon noch nicht wirklich. Was ist Rainfarn? Und was ist Wasserdost? Wer das weiß, ich kann natürlich im Internet nachschauen, aber wer das weiß, der kann mir auch eine Mail schreiben oder einen Kommentar an, unter wissenschaft.wanhoff.de einen Kommentar hinterlassen oder an wanhoffs.wissenschaft@gmail.com eine Email schicken.
So, zurück zur Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Man hat also diese Wildpflanzen mal untersucht. Man hat geschaut, welche Vorteile hätte es denn Wildpflanzen für Biogasanlagen zu benutzen. Einer ist zum Beispiel, dass man sie im Winterhalbjahr auch anpflanzen kann. Die sind da nämlich als Bodendecker eher etwas anspruchsloser. Außerdem liefern sie wohl, so die Forscher, hohe Biomasseerträge. Sie brauchen wesentlich weniger Dünger, sie brauchen kaum Pflanzenschutzmittel, sie brauchen nicht viel Arbeit und sie sind nicht besonders attraktiv für Wildschweine. Für den Landwirt sind auch entscheidend Trockensubstanzgehalt und Biogasertrag und genau da muss man jetzt noch ein bisschen nachschauen aber man glaubt man ist auf dem richtigen Weg und Wildpflanzen können demnächst einen größeren Anteil an der Biogasproduktion erhalten. Würde ich auch für sinnvoll halten. Übrigens noch, eine Wildpflanzenanlage bietet natürlich auch mehreren Tieren Schutz und ein kleines Zuhause.

Wir bleiben beim Anbau, diesmal aber jetzt nicht Mais, sondern Soja und Erbsen. Beide werden unter anderem dafür angebaut, dass man eben in der Lebensmittelindustrie pflanzliche Proteinlieferanten hat. Das Forschungsprojekt PlantPro, zusammen mit dem ttz Bremerhaven, hat sich jetzt damit beschäftigt, ob man nicht was anderes nehmen kann als Soja und Erbsen zum Beispiel Linsen und Weiße Bohnen. Man glaubt nämlich, dass der Markt für tierische Proteine vor allem aus Soja und Erbsen irgendwann an seine Wachstumsgrenze stoßen wird und man aber den Bedarf decken muss mit fettarmen und pflanzlichen Proteinpräparaten. Deswegen hat man sich mal angeschaut, was kann man da so als Alternative nehmen und ist eben auf Linsen oder Weiße Bohnen gekommen. Die übrigens zum einen noch nicht gentechnisch behandelt sind und zum anderen auch noch nicht so viele Allergien auslösen. Man hat ein Verfahren entwickelt. Eine schonende Extraktionstechnik auf der Basis von Wasser. Hat versucht die ideale Temperatur und den idealen pH-Wert zu nehmen. Hat dann aber festgestellt, das reicht noch nicht, um eine gescheite Ausbeute zu bekommen und hat dann Enzyme eingesetzt. Sie bewirken eine Stärkespaltung und verbessern damit die Extraktion von Proteinen. Dieses Vorgehen steigert die Ausbeute bei Weißen Bohnen und Linsen um 19 Prozent. Damit ist man relativ zufrieden, so die Forscher und versucht jetzt noch den Nährwert ein bisschen genauer zu ermitteln. Bisher ist es so, dass man schon wa (Versprecher) ein helles Pulver erhält, das sich geschmacks- und geruchsneutral verhält, das ist wohl wichtig in der Lebensmittelindustrie, das schaumbildend ist und schaumstabil, das gelbildende Eigenschaften hat und hitzebeständig ist. Einziges Problem ist noch, es gibt einen Wert, der die Proteinverdaulichkeit angibt, ein sogenannter Aminosäurewert oder korrigierter Aminosäurewert. Optimal sind 100 Prozent. Bei den Linsen ist dieser Wert bisher nur bei 51 Prozent und bei Weißen Bohnen bei 65 Prozent. Soja hat einen Wert von 91 Prozent.

Man hat schon mal Backprodukte damit getestet und hat ein Weißbrot gebacken mit dem Proteinextrakt aus Linsen und Weißen Bohnen und hat festgestellt, die Krume hat eine gröbere Porenstruktur. Das Brot selber kann mehr Feuchtigkeit binden und fühlt sich im Mund frischer an, weil es weicher und saftiger ist. Na ja, schauen wir mal, wie das weiter geht.

13 Minuten sagt mein Aufnahmegerät. Das war’s für heute mit Nachrichten aus der Wissenschaft. Ich bedanke mich wie immer bei allen Hörern für Zuhören und wünsche eine schöne Woche. Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com