WWWW vom 28.9.2008: US-Wahl, neue Knochen, Benzin aus Pflanzen

Die Themen heute:
Forscher aus den USA habe aus den Daten fast aller Umfragen zur US-Präsidentschaftswahl Wahrscheinlichkeiten errechnet, wer wirklich führt. Ihr Ergebnis: Barack Obama liegt vorn.

Auf der Suche nach einem neuartigen Knochenersatz geht das Translationszentrums für Regenerative Medizin (TRM) neue Wege: Dr. Sven Henning, Materialwissenschaftler des TRM, hat einen viel versprechenden Ansatz im Bereich der Polymere gefunden. Dafür nutzt er einen Kunststoff, den Bakterien produziert haben.

Pflanzenabfälle sind alles andere als Müll. Schon bald könnten sie zu Biotreibstoff verarbeitet werden. Denn Pflanzenzellen bestehen aus Cellulose und diese steckt voller Energie. Mehrere tausend Zuckereinheiten sind über besonders stabile Verknüpfungen verbunden und machten es bislang technisch kaum möglich, die Cellulose aufzuspalten. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem sich die Cellulose relativ einfach in ihre kleinsten Bestandteile spalten lässt.

Astrophysiker der Universität Jena fotografieren einen neuen Planetenkandidaten CT Cha b
Wichtige Erkenntnisse erhoffen sich die Jenaer Wissenschaftler jetzt von ihrer neuesten Entdeckung: “Es ist uns gelungen, den Begleiter eines Sterns zu fotografieren, der von seiner Masse her durchaus ein Planet sein könnte”, berichtet Mitarbeiter Tobias Schmidt.

Musikhörende Autofahrer reagieren auf Stress nicht schlechter als Autofahrer ohne Musik im Auto. Das sagt eine Studie der Universität Mainz.

Transkript:
Hallo und herzlich Willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom Sonntag, den 28. September 2008.
Ich möchte mich zunächst einmal bedanken für die vielen Emails, die ich in letzter Zeit bekomme. Es sind wieder mehr geworden und vor allem die tollen Anregungen und mich gleichzeitig entschuldigen, dass ich diese Anregungen noch nicht umgesetzt habe. Es gab die Bitte, doch mal was über Stille im Weltall zu machen und über Erdbeben auf anderen Planeten. Offenbar ist Astronomie doch ein sehr beliebtes Thema. Das ist nicht vergessen. Ich kümmere mich drum. Ich hoffe nächste Woche ein bisschen mehr Zeit zu haben, mich mal dieser Themen etwas mehr anzunehmen.

Dann noch eine zweite Sache. Ich produziere ja diesen Podcast immer ein bisschen früher, also am Freitag eigentlich und ich werde Werbung haben. Jetzt weiß ich noch nicht genau, ob die in dieser Sendung schon geschaltet wird, weil das automatisch auf meinem Server passiert oder in der nächsten Sendung. Ich bitte um Nachsicht für die, die sagen, ein Podcast müsse werbefrei sein. Ab und an brauche ich halt auch mal ein bisschen Geld um vielleicht den Server zu bezahlen oder das eine oder andere.
Dann gibt es noch zu berichten, dass es in der nächsten Sendung, ein interessantes Gewinnspiel, aber es ist gar kein Gewinnspiel, eine interessante Download-Möglichkeit für meine Hörer gibt. Also die nächste Sendung auf jeden Fall hören, wenn Sie … wenn Ihr interessiert seid an Hörbüchern. Dann gibt’s nämlich eins für umme, für umsonst.

Jetzt aber Nachrichten aus der Wissenschaft. Eine ganz Interessante von ein paar Forschern der University of Alabama und der Princeton University. Richard Gott und Wes Colley haben sich beschäftigt mit den Umfragen zur Präsidentschaftswahl in den USA. Und die haben mal für die beiden Kandidaten McCain und Barack Obama die Umfragewerte genommen und haben dann mal geschaut, in welcher Bandbreite die so liegen. Und wenn man dann die größte Bandbreite nimmt der Chance Präsident zu werden und das vergleicht mit einem Median, den man an die ganze Sache anlegt, dann kann man aufgrund der Umfragewerte der verschiedensten Umfragen, das ist ganz wichtig, eine Wahrscheinlichkeit errechnen, wer Präsident der Vereinigten Staaten wird oder zumindest wer im Moment wirklich führt.
Die Forscher machen dieses, oder benutzen dieses System schon beim College-Football. Erstellen da Rankings und mit ihrem neuen System haben sie herausgefunden, dass Barack Obama tatsächlich vor John McCain liegt. Sie haben also nicht selber Umfragen gemacht, sondern um es noch mal darzustellen, sie haben Umfragewerte genommen, alle möglichen Umfragewerte, die vorhanden sind, und haben mal geschaut, wie viel Prozent Abweichung dort jeweils ist und wie groß der Vorsprung ist oder wie klein der Vorsprung ist. Und daraus haben sie eben eine Art absoluten Umfragevorsprung errechnet. Und der sieht eben günstiger für Barack Obama aus.

Die große Frage in dem Zusammenhang ist übrigens, wieder so ein Henne-Ei-Problem, nämlich wie ist das denn so mit diesen Umfragen. Stellen diese Umfragen wirklich dar, wie die Wähler gerne wählen würden oder aber, ist es nicht so, dass solche Umfragen oft nur dazu dienen, den Medien mal wieder neues Futter zu geben und aufgrund der Berichterstattung dann vielleicht der Wähler glaubt, dass er ja im Moment den Falschen wählen würde, weil nämlich in der Umfrage gesagt wird, alle wählen McCain und dann schwankt er vielleicht über zu McCain. Große Frage. Kommt immer auf in dem Vorfeld von Wahlen. Ist glaube ich auch noch nicht so wirklich beantwortet. Medienleute sagen immer, wir machen keine Politik. Wir berichten nur darüber.

Am Translationszentrum für Regenerative Medizin hat man einen neuartigen Knochenersatz gefunden. Eine ganz interessante Geschichte. Man nutzt dafür unter anderem einen Kunststoff, den Bakterien produziert haben. Das neue Material erlaubt nicht nur einen passgenauen und vor allem tragenden Ersatz für fehlende Knochen, sondern es ist auch gleichzeitig eine Art Klettergerüst, damit nämlich neue Zellen sich daran anheften können und da wachsen können. Ziel der ganzen Sache ist es, einen Ersatz für Knochen zu schaffen und diese Knochen dann zu ersetzen.

In dem neuen Werkstoff wird ein bioaktives Kalziummineral verwendet, das sehr gut von Zellen besiedelt werden kann. Problem dabei ist nur, es ist nicht wirklich bruchfest und deswegen kommt eine Art Kleber zum Einsatz, ein Biokunststoff Polyhydroxybuttersäure. Das klingt gefährlich, ist es aber nicht. Es wird bakteriell produziert und im Körper allmählich biologisch auch abgebaut. Das Ergebnis: Die Materialkombination aus dieser Polyhydroxybuttersäure und dem Kalziummineral ahmt den natürlichen Knochen in seiner Material-Komposition nach, aber auch in der Oberflächengestalt. Das sieht sehr ähnlich aus und soll viel bessere Möglichkeiten bieten als die üblichen Metallimplantate.
Im Labor haben Knochenzellen bereits diese kleinen Proben des Implantats besiedelt und mit der Produktion von Collagen, einem Grundbaustoff des Knochens, haben sie auch schon begonnen. Jetzt will man weiter forschen und hoffen, dass man damit doch in der Knochen-Translation viel weiter kommt.

Pflanzenabfälle sind alles andere als Müll. Das wissen wir schon, seitdem wir einen Kompost haben. Sie könnten aber vielleicht auch bald zu Biotreibstoff verarbeitet werden. Im Moment ist das große Problem, dass Pflanzenzellen ja aus Cellulose bestehen und Cellulose eigentlich voller Energie steckt, die aber nicht so ganz einfach genutzt werden kann, weil man diese Cellulose erst aufspalten muss. Und dieses Aufspalten war bisher keine einfache Sache. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr haben jetzt ein Verfahren entwickelt, mit dem sie Cellulose recht einfach in die kleinsten Bestandteile spalten können.
Da Cellulose sehr stabil ist, war es eben bisher kaum möglich, diese Zuckermoleküle, aus denen sie ja besteht, herauszubekommen. Was man jetzt macht ist, man nimmt einen sehr festen sauren Katalysator und ein ionisches Medium und damit kann man dieser Cellulose doch wirklich zu Leibe rücken. Zunächst wird die Cellulose in einer ionischen Flüssigkeit aufgelöst. Das ist ein Salz, das bei Raumtemperatur flüssig ist und positiv und negativ geladene Teilchen enthält.

Dieser Schritt macht die langen Glucoseketten für weitere chemische Reaktionen zugänglich und durch einen Katalysator ist diese Cellulose nun angreifbar. Dieser Katalysator muss besonders beschaffen sein. Er sollte sauer sein, also positiv geladene Wasserstoffteilchen abgeben können. Er braucht eine große Oberfläche und Poren in der richtigen Größe. Da die gelöste Cellulose nämlich sehr zähflüssig ist und dies den Transport der Ketten zum Katalysator erschweren könnte.

Jetzt hat man ein Harz gefunden, mit dem das Ganze funktioniert und glaubt, doch einen erheblichen Schritt weiter gekommen zu sein, um diese Glucose zu brechen. Die Stücke, die dann übrig bleiben, sind immer noch nicht wirklich klein genug, aber da gibt’s dann andere Verfahren, zum Beispiel mit Enzymen. Wichtig ist nur, dass man sie erst mal möglichst klein schreddert sozusagen.

Ja dann wieder was für die Freunde der Astronomie. Ich muss sagen, Astronomie ist nicht so wirklich mein Thema. Ich weiß gar nicht warum, es ist eher so ‘ne … Ich bin vielleicht eher einer für die sehr greifbaren Geschichten, aber ich versuch natürlich schon immer, auch interessante Astronomie-Themen zu bringen.

Jetzt ist es Wissenschaftlichern der Friedrich-Schiller-Universität in Jena gelungen, mal wieder einen neuen Planetenkandidaten zu fotografieren. Einen Begleiter eines Sterns der von seiner Masse her durchaus ein Planet sein könnte. Der Mutterstern hat den Namen CT Cha im Sternbild des Chamaeleons und ist mit ein paar Millionen Jahren noch relativ jung. Er gehört zu den Exoplaneten, also solche, die außerhalb unseres Sonnensystems liegen und sehr leuchtschwach sind und deswegen auch meist von ihrem Stern überstrahlt werden. Dank der sogenannten adaptiven Optik in einem riesigen Spiegelteleskop konnte man aber jetzt eben diesen Planetenkandidaten finden.
Professor Ralf Neuhäuser hatte 2005 bereits einen ersten Kandidaten, den GQ Lupi b gefunden. Man ist immer noch nicht so ganz sicher, ob es einer ist und jetzt hat man sich eben CT Cha b angeschaut. Das b steht übrigens für Planetenkandidat und hofft, dass der vielleicht einer ist. Ein Indikator dafür, ob es ein Planet ist, ist seine Masse. Es gibt noch keinen wirklichen Konsens darüber, ob es ein oberes Massenlimit für einen Planeten gibt. Die Vorschläge schwanken zwischen 13 und 30 Jupitermassen. Und eine Jupitermasse ist das 318fache der Erde. Warum 13 Jupitermassen? Weil unterhalb dieser Grenze keine Kernfusion stattfindet, was für einen Planeten sprechen würde. Jedoch hat man auch Planetenkandidaten bis 30 Jupitermassen gefunden und weil es in diesem Bereich kaum braune Zwerge gibt, könnte das bedeuten, dass Objekte unterhalb dieser Massegrenze planetar entstanden sind oder entstehen.

Dieser neue Planetenkandidat, der CT Cha b, der hat eine Masse zwischen 11 und 23 Jupitermassen und kommt eben dadurch auch in Frage. Schauen wir mal. Er wächst übrigens noch und das elektromagnetische Spektrum, das ist bereits bestimmt worden und jetzt will man sich die Atmosphäre mal angucken und welche Temperaturen da herrschen und dann hoffen, doch ein Stück weiter gekommen zu sein.

Wenn wir Auto fahren, dann hören wir oft. Meistens hören wir diesen Podcast oder wir hören Radio. Sehr oft natürlich Musik und es ist immer die große Frage, welchen Einfluss die Musik auf das Autofahren hat. Gemeinhin sagt man, dass aggressive laute Musik auch das Autofahren aggressiv macht. Forscher der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz haben sich jetzt mal mit ruhiger Musik beschäftigt. Was passiert, wenn man ruhige Musik im Auto hört. Fährt man dann schlechter? Oder fühlt man sich mehr beansprucht?
Das Ergebnis ist “Nein”. Es hat eigentlich gar keine Auswirkungen auf das Fahrvermögen. Zumindest keine negativen. Ältere Untersuchungen haben herausgefunden, dass laute Musik oder auch schnelle Musik das Unfallrisiko erhöhen kann. Bei der ruhigen Musik scheint das nicht so zu sein.

Probanden mussten eine Stunde lang in einem Fahrsimulator auf einer Überlandstrecke fahren, haben dabei Entspannungsmusik bekommen und dazu parallel gab es eine Gruppe, die diese Musik nicht bekommen hat. Damit das Ganze noch ein bisschen realistischer wurde, hat man vorher beanspruchende psychologische Tests gemacht um die Fahrer ein bisschen unter Stress zu setzen, um dann zu sehen, ob diese Musik eben auch den Stress beeinflusst.
Man hat dann die Fahrt und die Reaktionen gemessen. Der Fahrsimulator misst eine sogenannte Tauglichkeitskennzahl und die Reaktionsgeschwindigkeit. Das sind dann eben Kriterien für die Fahrleistung. Es wurden aber auch Herzfrequenz und Muskelanspannung sowie die Cortisol-Konzentration im Speichel gemessen.
Heraus kam eben, es gibt keinen Unterschied, ob die Leute Musik hören oder nicht. Sie fahren trotzdem so ordentlich wie sie eben können. Einschränkung ist dabei: Es waren nur Studierende im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Wobei ich mich gerade frage, warum man mit 35 Jahren noch studiert, aber 18 bis 35 Jahre. Das heißt diese Studie hat keine Aussage über Ältere und übrigens braucht man für so eine Studie eine Menge Leute, denn 30 Prozent der Testpersonen fallen wegen Übelkeit oder Schwindelgefühlen aus. Es gibt nämlich eine sogenannte Simulatorkrankheit, die ähnlich ist wie die Reisekrankheit oder die, wie sagt man, Schiffskrankheit, ja, also den Leuten wird schlicht schlecht im Simulator. Und das betrifft 30 Prozent. Habe ich auch nicht gewusst.

Das war’s für heute. Vielen, vielen Dank fürs Zuhören, wie immer. Und ich bin immer erfreut über E-Mails an Wanhoffs.Wissenschaft (at) gmail.com oder aber einen Kommentar auf meiner Seite wissenschaft.wanhoff.de und wie immer vielen Dank an LingQ.com und Vera Ihrig für die netten Transkriptionen. Das war’s. Vielen Dank für heute. Und Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

WWWW vom 21.9.2008: Fast live aus Phnom Penh

Die Themen:
In der Ostsee steigt das Wasser immer schneller.
In Afrika laesst Feuer Gras wachsen.
Im Weltall haben Galaxien mit wenig Licht durchaus viel Masse.

Transcript:
allo und herzlich Willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 21. September 2008.

Heute ohne Intro. Das liegt daran, ich bin unterwegs. Ich bin mal wieder in Kambodscha, in Phnom Penh, hab dort das Barcamp besucht, eine Internet-Konferenz, und hab nur den Laptop dabei, auf dem das Intro nicht drauf ist und deswegen heute die Sendung ohne Intro.

Und auch ‘en (Umgspr: ein) bisschen kürzer. Es gibt drei Nachrichten.

Eine beschäftigt sich mit der Zunahme des Meeresspiegels in der Ostsee. Professor Reinhard Dietrich vom TUD-Institut für Planetare Geodäsie beschäftigt sich nämlich damit und er hat gesagt, der Anstieg des globalen Meeresspiegels beeinflusst auch die Ostsee, die ja ein Teil der Weltmeere ist. Die Datenbasis, die man dabei hat, ist gar nicht schlecht. Es gibt Pegelmessungen, die reichen mehr als 150 Jahre zurück.

Im Ostsee-Raum gibt es aber Unterschiede in der Meeresspiegel (falsch: Meeresspiegeländerung) unter anderem auch durch Ausgleichsbewegungen der Erdkruste. Die bewegt sich nämlich und damit bewegen sich eigentlich auch die Messstationen. Mittlerweile gibt es aber Satellitenmessverfahren, die dank GPS diese Bewegungen der Messstationen wieder ausgleichen.

Nun, was hat man herausgefunden? Die Meeresspiegeländerung der Ostsee durch das Abschmelzen von Gletschern und durch thermisch bedingte Ausdehnung betrug in den letzten Hundert Jahren insgesamt 15 Zentimeter. Interessant ist aber, wenn man kürzere Zeiträume anschaut, dann wird man feststellen, in den letzten 20 Jahren stieg der Meeresspiegel etwa doppelt so schnell wie davor, also etwa drei Millimeter pro Jahr. Das mal wieder zum Thema Klimakatastrophe.

Dann, ich hatte eine Mail bekommen, ich hab leider den Namen hier nicht präsent, weil ich meine Emails, da wo ich gerade bin, nicht abrufen kann. Da ging’s um Dunkle Materie und der Hörer sagte, das fand er ganz interessant mal zu wissen, was Dunkle Materie ist. War ja in der letzten Sendung ein Thema.
Heute geht’s um die Zwerggalaxie Segue 1. Ich hab da eine Nachricht gefunden bei Wissenschaft.de. Dort haben … in dieser Zwerggalaxie haben Astronomen bisher 24 Sterne identifiziert. Diese Galaxie strahlt gerad (Umgspr: gerade) mal so viel Licht ab wie 350 Sonnen, was für uns jetzt vielleicht viel erscheinen mag, für eine Galaxie aber nicht viel ist, vor allem weil diese Leuchtkraft von 350 Sonnen, der steht gegenüber die gewaltige Menge Materie, nämlich einer entsprechenden Anziehungskraft von 450.000 Sonnen. Das heißt da ist viel Materie vorhanden, aber relativ wenig Licht. Und wo Licht ist, ist dunkel und wo dunkel ist, ist Dunkle Materie.
Man glaubt, dass Segue 1 eines … eine der dunkelsten Galaxien des Universums ist und will da jetzt ein bisschen weiter forschen, weil man eben glaubt, dass die Dunkle Materie in dieser Galaxie den überwiegenden Teil ausmacht. Astronomen hoffen jetzt, dass sie durch weitere Untersuchungen auch herausfinden, was denn für Teilchen wirklich diese Dunkle Materie ausmachen. Weil, das hatten wir in der letzten Sendung schon, man immer noch nicht weiß, was wirklich diese Dunkle Materie ist.

Dann noch eine Nachricht aus Afrika. Genauer aus dem Etosha-Nationalpark im Norden Namibias. Dort haben sich Forscher mal mit natürlichen Grasfeuern beschäftigt. Man weiß ja, dass Feuer oft gelegt werden, um den Boden, ja nach der Abholzung, noch fruchtbar zu machen und für Landwirtschaft zu nutzen. Es gibt aber auch andere Gründe, warum ein natürliches Feuer durchaus sinnfall (Versprecher) … sinnvoll sein kann und zwar, wenn es darum geht, ältere Gräserhorste verschwinden zu lassen.
Die Forscher haben fünfhundert mal fünfhundert Meter, eine fünfhundert mal fünfhundert Meter große Fläche im Etosha Nationalpark ausgewählt. Der Grund: Es gibt dort nur eine Grasart, ein Blinkhaar-Federgras und es gibt keine störenden Faktoren wie Überweidung oder andere menschliche Einflüsse. Das ganze Gebiet gehört übrigens zu den trockensten Gebieten überhaupt, in den Pflanzen noch wachsen können und man hat eine Saison lang beobachtet, im Wochenrhythmus, das Wachstum der Gräser und hat dann die dazugehörigen Klimaparameter auch gemessen und aufgezeichnet.

Dann haben die Forscher auf Teilflächen experimentiert, haben zusätzliche Samen ausgesät, haben kontrolliert Feuer nachgestellt und konkurrierende Grassaaten (falsch: Grasarten) auch ausgebracht und es auf anderen Flächen auch künstlich bewässert.

Heraus kam, dass die abgestorbene … abgestorbene Grasschicht das Nachwachsen von Jungpflanzen stark behindert. Feuer kann jedoch diese bestehende alte Grasschicht aufbrechen und so dem Nachwuchs Chancen geben. Künstliche Bewässerung oder zusätzlicher Samen brachte dagegen keinen höheren Rekrutierungserfolg.
Das war’s schon für heute. Eine etwas kürzere Sendung. Ich bitte um Nachsicht. Ich bin ein bisschen beschäftigt hier auf dem Barcamp in Phnom Penh. Wer über dieses Barcamp mehr wissen will www.barcampphnompenh.org. Da gibt’s was über eine Internetkonferenz, die glaube ich, aufsehenerregend war hier in Kambodscha.
Vielen Dank fürs Zuhören. Das war’s für heute. Ich wünsche, wie immer, eine schöne Woche.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

WWWW vom 14.9.2008: LHC, dunkle Materie und unser schnelles Gehirn

Die Themen heute:
Astrodicticum Simplex ist ein Scienceblog und berichtet über die Versuche dunkle Materie am LHC zu finden.
Ein Teilchenbeschleuniger auf der Suche nach dunkler Materie? Mit dunkler Materie assoziert man normalerweise die unbekannten Weiten des Weltalls und große Teleskope. Wie soll man hier etwas mit einem Teilchenbeschleuniger herausfinden können? Mit der dunklen Materie gibt es ein großes, drängendes Problem: wir wissen nicht, um was es sich dabei handelt! Das bedeutet nicht, dass dunkle Materie “nur ein Theorie” ist, die sich die Astronomen in ihrer Verzweiflung aus den Fingern gesogen haben weil sie sonst nicht weiterkommen. Dunkle Materie existiert!

Unser Hirn ist schneller als gedacht und leistungsfähiger: Es berechnet beim Sprechen nicht nur anhand der ersten Silbe, welche Wörter in Frage kämen, sondern auch, welches das wahrscheinliche ist.

Schlafapnoe : Ein neues Operationsverfahren, das Atemaussetzer während des Nachtschlafs verhindern soll, erprobt die Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Mannheimer Universitätsklinikum. Dabei wird ein Implantat in die Zunge eingebracht, das verhindert, dass die Zunge bei entspanntem Muskelzustand während des Schlafs zurück fällt und damit die Atemwege blockiert. Für eine Studie werden noch Teilnehmer gesucht:
Zu den Kriterien, die dafür erfüllt sein müssen, gehören eine zuvor diagnostizierte obstruktive Schlafapnoe mit einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) zwischen 15 und 50 und kein oder lediglich geringes Übergewicht (BMI<32). Eine fortgesetzte Behandlung mit einer Beatmungstherapie (CPAP) muss sich als unmöglich herausgestellt haben. Weitere Informationen zur Studie gibt die Ärztin Dr. Undine Berschin, Universitäts-HNO-Klinik, Telefon 0621-383-1600, erreichbar auch per E-Mail über undine.berschin@hno.ma.uni-heidelberg.de In einem umfassenden Konzept sollen unter Osnabrücker Federführung deutschlandweit die Möglichkeiten und Potenziale des nachhaltigen Betriebs und der Wissensvermittlung von Tiergärten aufgezeigt werden. Ergebnisse und Inhalte des Projektes sollen in Broschüren, auf einer eigenen Internetseite und durch Veranstaltungen veröffentlicht werden.

Älter zu werden bedeutet nicht, zwangsläufig an Osteoporose zu erkranken. Das Osteoporoserisiko wird aber mit zunehmendem Alter höher, und Menschen über 70 haben sehr häufig brüchige Knochen. Ein Sturz führt dann nicht nur zu blauen Flecken, sondern auch leicht zu einem Knochenbruch. Es gibt aber viele Möglichkeiten, die Knochen zu schützen und zu kräftigen – auch dann, wenn man bereits älter ist.
Eine davon ist die regelmäßige Zufuhr von Kalzium.
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de – IQWiG Pressemitteilung
http://www.gesundheitsinformation.de – Osteoporose

Die Reifung des Gehirns ungeborener Babys bekommt einen Schubs von der Mutter: Ein Eiweißbotenstoff aus dem Blut der Mutter gelangt über die Plazenta in den Embryo und regt dort die Nervenzellen des Gehirns zum Wachstum und zur Verschaltung an.

WWWW vom 7.9.2008:Phytochrome und eine neue Art der Riesenmuschel

Eine Arbeitsgruppe aus Pflanzenphysiologen und Strukturbiologen der Universitäten Gießen und Marburg ist einen wichtigen Schritt weitergekommen bei der Erforschung der Funktionsweise von so genannten Phytochromen. Dies zeigt eine Publikation in der renommierten US-amerikanischen Fachzeitschrift “Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America” (PNAS) unter dem Titel “The structure of a complete phytochrome sensory module in the Pr ground state”, die in diesen Tagen erscheint.
Das entdeckte Molekül sieht so aus:
Phytochrom

Wie lassen sich Entwicklungsverzögerungen bei Frühgeborenen bereits im Säuglingsalter feststellen und behandeln? Dieser Frage gehen Psychologen und Mediziner im neuen Babylabor des Universitätsklinikums Heidelberg nach.
Wer an der “Guck-Mal-Studie” teilnehmen will, hier der Kontakt:
Diplom-Psychologin Andrea Wittke und Dr. Dipl.-Psych. Gitta Reuner
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 39133 (zeitweise ist ein Anrufbeantworter geschaltet)

Wissenschaftler des Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT), der Universität Bremen und des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft haben zusammen mit philippinischen und jordanischen Kollegen eine bisher unbekannte Riesenmuschel entdeckt.
Riesenmuschel

Mit Antidepressiva behandelte Herzpatienten, die sich von einer Herzinfarkt-Vorstufe (“akutes Koronarsyndrom”) erholen, zeigten nach sechs Monaten eine signifikante Besserung der Depression und seltenere erneute Krankenhaus-Aufnahmen.

50-jährige Nichtraucher haben eine um etwa zehn Jahre längere Lebenserwartung als gleichaltrige Raucher. Zusätzliche Effekte können durch veränderte Ernährungsgewohnheiten und die medikamentöse Behandlung von Risikofaktoren wie erhöhte Blutdruck- und Cholesterinwerten erzielt werden.

Transkript:
Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 7. September 2008. Die Sendung ist ein paar Tage vorproduziert. Bei mir ist es jetzt Mittwoch. Ich weile während die geneigte Hörerschaft die Sendung hört in Bangkok und bin gespannt, ob ich Bilder einer schönen asiatischen Metropole mache oder ob ich Bilder mache von irgendwelchen Panzern, die da auffahren. Wir werden mal sehen. Aber hier geht’s ja um Wissenschafts-Nachrichten.

Eine Arbeitsgruppe von Pflanzenphysiologen und Strukturbiologen der Universität Gießen hat sich beschäftigt mit sogenannten Phytochromen. Phytochrome sind Moleküle in Pflanzenzellen und auch bei bestimmten Bakterien, die für die Wahrnehmung von Licht zuständig sind. Sie sind sehr wichtig im Leben von Pflanzen, da sie die Keimung, das Wachstum der Sprosse, den Aufbau des Photosynthese-Apparats aber auch Reaktionen auf Schatten sowie die Einleitung der Blühphase steuern.

Bis vor einigen Jahren dachte man, das Phytochrome ausschließlich bei Pflanzen vorkämen, dann aber wurde in der Freien Universität Berlin entdeckt, das erste prokaryotische Phytochrom bei einer Art photosynthetischem Bakterium und zwar einer bestimmten Blaualgenart. Man hat sich damit dann weiter beschäftigt, wie funktioniert das Ganze, wie sieht das aus? Man hat dann sogenannte Cph1-Kristalle gebildet. Sinn war eine dreidimensionale Struktur des Ganzen zu bekommen, um damit zu sehen, wie denn die Atome in dem Molekül angeordnet sind.

Das ist mittlerweile passiert. Eine Arbeitsgruppe von Professor Lar-Oliver Essen in Marburg hat sich damit beschäftigt und konnte jetzt diese Moleküle so darstellen. Das heißt man weiß mehr darüber wie die Aufnahme von Licht einen Umbau eines Moleküls bewirken kann und wie dann eben auch die Biochemie der Zelle und schließlich die Physiologie der Pflanze fundamental verändert werden können.

Dieses Molekül besteht zunächst aus zwei ungleichen Kugeln, die durch einen langen spiralförmigen Stab verbunden sind. In einer der Kugeln befindet sich der Chlorophyll-ähnliche Farbstoff, womit das Licht aufgenommen wird. Die zweite Kugel trägt eine eigenartige “Zunge”, die den Kontakt mit der anderen Kugel herstellt. Die Forschergruppe vermutet, dass diese Zunge als empfindlicher Sensor für die licht-getriebenen Veränderungen im Molekül dient. Was genau dann passiert, das weiß man allerdings noch nicht. Und deswegen wird da jetzt fleißig weiter geforscht.

Ein Bild dieses Moleküls gibt es bei mir auf der Blog-Seite wissenschaft.wanhoff.de.

Wie lassen sich Entwicklungsverzögerungen bei Frühgeborenen bereits im Säuglingsalter feststellen und behandeln? Im Babylabor der Universität Heidelberg will man dieser Frage jetzt nachgehen. Die Experten dort wollen das Blickverhalten von früh geborenen mit dem von reif geborenen Säuglingen vergleichen und somit Hinweise auf geistige Entwicklungen bekommen.

Den Kindern werden Bilder und kurze Filme gezeigt oder Spielsachen angeboten. Kameras nehmen dann die Blicke der Babys auf und dann kann man eben anhand des Blickverhaltens erkennen, wie denn Aufmerksamkeits- und Denkprozesse verlaufen.
Frühgeborene fallen oft noch in der Schulzeit durch Lernaufmerksamkeits- und Gedächtnisschwächen auf. Eine Förderung kann dabei helfen. Geistige Entwicklungsstörungen werden jedoch, im Gegensatz zu motorischen Störungen oder spastischen Lähmungen erst sehr, sehr spät erkannt. Da ist es dann sehr aufwändig das Ganze auch wieder zu therapieren. Deshalb will man jetzt Tests verfeinern und Analysemethoden aus der Grundlagenforschung in die klinische Praxis übertragen.

Um damit noch besser zu werden, gibt es jetzt eine Studie, die heißt “Guck mal” und für diese Studie werden ab sofort sechs bis sieben Monate alte Babys gesucht. Sowohl solche, die zum normalen Zeitpunkt nach der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, als auch zu früh Geborene.

Das Aufmerksamkeitsverhalten der Babys wird mit 7 und 11 Monaten im Babylabor dann untersucht. Mit 7 und 24 Monaten erfolgt ein Entwicklungstest. Das sind relativ einfache Aufgaben. Die dauern ungefähr eine Stunde. Darin eingeschlossen sind aber schon Pausen und die Eltern werden auf Wunsch auch über die Ergebnisse informiert. Wer sich dafür interessiert kann sich wenden an das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Heidelberg, des Universitätsklinikums Heidelberg. Die Telefonnummer 06221 / 56 39 133. Die Daten gibt es auch noch mal bei mir auf der Webseite.

Forscher aus Bremen und vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung sowie des Zentrums für Marine Tropenökologie haben gemeinsam mit Forschern aus Jordanien eine neue Muschelart entdeckt. Eigentlich wollten sie eine ganz andere Muschel suchen, nämlich die Riesenmuschel Tridacna maxima. Die ist bei Aquarianern sehr beliebt und man wollte mal gucken, ob man die vielleicht züchten kann, weil dann eben Aquarianer besseren Zugriff haben und man die nicht aus dem Roten Meer holen muss, wo diese Riesenmuscheln nämlich leben. Und dabei ist eine Muschel aufgefallen, bei der man eben dachte, es sei eine dieser gesuchten Riesenmuscheln und die hatte aber einen etwas stärker gezackten Schalenrand. Dann hat man sich das Ganze mal ein bisschen genauer angeschaut und hat festgestellt, das ist wohl eine neue Art.

Der Molekulargenetiker Dr. Marc Kochzius von der Universität Bremen hat praktisch die letzte Gewissheit geschaffen. Er hat eine genetische Stammbaum-Analyse gemacht und damit beweisen können, dass es sich bei Tridacna costata um eine eigenständige Art handelt. Das ist damit die erste Neubeschreibung einer Riesenmuschel seit mehr als 20 Jahren. Man hat übrigens auch festgestellt, dass sie nur auf dem Dach tropischer Riffe im Roten Meer vorkommt und sich auch anders fortpflanzt.

Viel interessanter ist aber, dass diese Muschel nicht etwa neu ist, sondern dass es sie schon sehr, sehr lange gibt. Man hat Fossilien gefunden von dieser Muschel. Und man hat damit feststellen können, dass vor etwa 125.000 Jahren bis zu 80 Prozent der Muscheln in der Region dieser neu beschriebenen Art angehörten. Heute ist das grad mal ein Prozent.

Was ist passiert? Diese Muschel lebt festsitzend im flachen Wasser und war damit eine leichte Beute für die aus Afrika Richtung Mittelmeerraum auswandernden und sich verbreitenden Menschen. Die haben also diese Muschel praktisch überfischt und deshalb gab es dann einen sehr, sehr starken Rückgang und deswegen ist diese Muschel heute auch nicht mehr so verbreitet, wie sie das vielleicht vor 125.000 Jahren war. Zumindest glauben die Forscher damit eben ein sehr frühes Zeichen von einer Überfischung gefunden zu haben.
Wer wissen will, wie diese Muschel aussieht, bei mir auf der Webseite gibt es ein Foto von dieser Riesenmuschel.

Dann eine Meldung, die auf dem Kongress der European Society of Cardiology in München vorgestellt wurde. 50-jährige Nichtraucher haben eine um etwa zehn Jahre längere Lebenserwartung als gleichaltrige Raucher. Zusätzliche Effekte können durch veränderte Ernährungsgewohnheiten und die medikamentöse Behandlung von Risikofaktoren wie Blutdruck oder Cholesterinwerten erzielt werden. Erforscht wurde das Ganze in der sogenannten Whitehall-Studie. Da hat man von 1968 an ungefähr, 19.000 Londoner städtische Angestellte männlichen Geschlechts und mittleren Alters untersucht. Und diese Untersuchungen gibt es bis heute. Von den in den folgenden 35 Jahren 13.000 verstorbenen Studienteilnehmern, verstarb jeder Zweite an Gefäßerkrankungen.
Zu Beginn der Untersuchung betrug der Unterschied der Lebenserwartung von 50-jährigen Nichtrauchern gegenüber Rauchern noch 6,3 Jahre. Hatten Nichtraucher keine Risikofaktoren, betrug der Abstand sogar zehn Jahre.

Im Vergleich zu den Zahlen von 1970 verringerte sich die Sterblichkeit aufgrund von Gefäß-Krankheiten in den 1980er Jahren um 24 Prozent, in den 90er Jahren um 44 Prozent und zwischen 2000 und 2005 um 56 Prozent. Das heißt, die Verlängerung der Lebenserwartung ist in erster Linie erst mal Ausdruck veränderter Rauchgewohnheiten. Und damit ist klar, aufhören mit dem Rauchen und zwar sofort. Das hilft einfach länger zu leben.

Ich bin jetzt acht Jahre rauchfrei, glaube ich, ja, vor acht Jahren habe ich aufgehört zu rauchen – mit Hypnose. Wer da mehr wissen will drüber, kann mir gerne eine Email schicken. wanhoffs.wissenschaft(at)gmail.com oder einen Kommentar hinterlassen auf meiner Webseite wissenschaft.wanhoff.de

Zum Schluss noch mal eine Studie, die auf dem gleichen Kongress übrigens in München vorgestellt wurde. Dabei geht es um Antidepressiva, die Herzpatienten verabreicht wurden. Ist das nämlich passiert bei Herz-Patienten, die von einer Herzinfarkt-Vorstufe sich erholten, dann zeigte sich nach sechs Monaten eine signifikante Besserung der Depression und seltener erneute Krankenhaus-Aufnahmen. Das Ganze wurde ausgewertet in einer Meta-Analyse von insgesamt 3.454 Patienten aus acht Studien. Gemacht wurde es von Dr. Marianna Mazza aus Rom. Vorgestellt, wie gesagt, auf einem Kongress in München.
Die Behandlung mit Antidepressiva vom Typ der sogenannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer ist sicher, sagt sie und hat keine erkennbaren negativen Auswirkungen auf das Auftreten unerwünschter kardiovaskulärer Effekte.

Die Forscher glauben, dass die Ergebnisse schon deshalb bedeutsam sind, weil wohl bisher über die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit einer antidepressiven Behandlung von Patienten mit Koronarsyndrom relativ wenig publiziert worden ist. Patienten mit Depressionen, die unter einer Angina Pectoris litten oder einen Herzinfarkt überstanden hatten, bekamen deshalb nur selten Antidepressiva. Und die neuen Daten legen nahe, dass eine geeignete antidepressive Behandlung bei Patienten mit Depressionen und nach einem Koronarsyndrom routinemäßig zumindest erwogen werden sollten.

Aktuelle Daten zeigen außerdem, so die Forscher, dass Depressionen ein wichtiger unabhängiger Risikofaktor für Patienten mit Herzkrankheiten sind und in einem Zusammenhang mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko stehen sollen.

Ich bin bei der …, bei solchen Studien mit Antidepressiva immer etwas vorsichtig, weil Antidepressiva durchaus ihren Nutzen haben können, also ich bin nicht gegen Antidepressiva, ich bin nur immer ein bisschen vorsichtig, wenn es solche Studien gibt, von denen ich nicht genau weiß, wer sie letztlich finanziert hat, weil natürlich die Pharma-Industrie sehr viele dieser Studien finanziert, sehr großes Interesse daran hat, Antidepressiva in Zusammenhang zu bringen mit anderen Erkrankungen. Das sei praktisch nur der Political Corectness halber gesagt. Das ich jetzt nicht nur einfach eine Pressemitteilung vorlese und sage, hm, da muss man immer ein bisschen aufpassen. Da gibt’s immer zwei Seiten. In dem Fall ein immer sehr, sehr starkes Interesse der Pharma-Industrie. Will aber der Frau Dr. Mazza da gar nichts unterstellen, sondern das jetzt einfach so stehen lassen, so.

Das war’s für heute. Vielen Dank fürs Zuhören. Wer wissen will, wie es mir in Bangkok ergangen ist, der kann das Lesen auf meinem Weblog: weblog.wanhoff.de. Das mal als privater Einschub. Wie immer vielen, vielen Dank übrigens an Vera Ihrig, die nämlich die Transkriptionen macht dieses Podcasts. Deswegen gibt’s das Ganze auch dann in zwei Tagen, denke ich mal spätestens, wieder zum Nachlesen. Vielen Dank fürs Zuhören, das war’s für heute, eine schöne Woche und Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com