WWWW vom 30.11.2008: Was Spermien schneller macht

Die Themen heute:
Forscher wollen mit der Kraft des Lichts winzige mechanische Maschinen antreiben. Dazu schicken sie das Licht durch einen Lichtleiter mit nur wenigen Nanometern Durchmesser. Bei dem auf diese Weise stark gebündeltem Licht konnten sie zeigen, dass die Lichtausbreitung mit mechanischen Kräften einhergeht. Diese könnten einmal zum Antrieb von Maschinen im Miniformat verwendet werden, berichten Hong Tang von der Yale-Universität in New Haven und sein Team.

Apotose-Inhibitoren verhindern nicht nur den Zelltod, sondern beeinflussen auch die Bildung von Metastasen

An der Universität Bonn hat eine neue Emmy-Noether-Gruppe ihre Arbeit aufgenommen. Die beteiligten Forscher wollen untersuchen, inwieweit Magnetkräfte bei Geburt und Tod von Sternen eine Rolle spielen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) stellt dafür mehr als eine Million Euro zur Verfügung.
Die Todeszuckungen eines Sterns können sehr ästhetisch aussehen.

Nasa Hubble Katzenauge
Nasa Hubble Katzenauge

Depressionen und Herzkrankheiten
Es zeigt sich, dass Patienten, die initial depressiv waren, nach fünf Jahren ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und eine höhere Sterblichkeit aufwiesen. Dies ist abber vor allem auf die geringere körperliche Aktivität der depressiven Patienten zurückzuführen.

Was macht Spermien erfolgreich? Es ist nicht die Größe oder Länge an sich, wie Forscher jetzt herausfanden, es ist das Verhältnis der unterschiedlichen Bauteile, also Körper und Schwanz.

Vorsicht Hühner: Wer hinter einem Hühnerlaster fährt, sollte entweder rasch überholen oder aber die Fenster schließen. Ansonsten kommt ein ganzer Bakteriencocktail ins auto geschwappt.

Transkript:
s Ganze zwei Tage vorher aufgezeichnet, weil ich mir einen kleinen Traum wieder erfülle und während die geneigten Hörer das hier runterladen und anhören, ich in Kambodscha wieder weile. In Phnom Penh, genauer gesagt, weil ich dort eine Fotoausstellung habe. Ich habe fotografiert und diese Bilder werden jetzt ausgestellt. Das ist eine Gemeinschaftsausstellung in Phnom Penh. Also wer zurzeit gerade in Kambodscha ist, einfach mal ins Artcafé in der Straße 108 gehen.

Aber hier reden wir eigentlich nicht über Fotografie, sondern über Wissenschaftsnachrichten. Eine davon kommt vom Dienst Wissenschaft.de. Eine interessante Geschichte. Forscher wollen mit der Kraft des Lichts winzige mechanische Maschinen antreiben. Das scheint tatsächlich zu funktionieren.
Man hat Licht durch einen Lichtleiter mit nur wenigen Nanometern Durchmesser geschickt. Dadurch wurde es sehr stark gebündelt und tatsächlich konnte man zeigen, dass die Lichtausbreitung mit mechanischen Kräften einhergeht. Das Ganze ist geschehen an der Yale-University in New Haven und die Forscher haben einen integrierten Schaltkreis entwickelt, mit dem sie einen winzigen Resonator durch die Kraft der Photonen, also der Lichtteilchen betreiben können.
Dabei wurde nicht die Strahlungsenergie des Lichts genutzt, sondern die Energie, die durch die Ausbreitung des elektromagnetischen Feldes entsteht. Damit eben kann man dann einen winzigen Schwingkörper zum Schwingen bringen. Das Ganze kann man vergleichen mit einer Art Stimmgabel.

Was kann man damit machen? Es könnte eine Grundlage sein für die Entwicklung neuer Prozessoren und Chips. Man könnte dadurch versuchen eine höhere Geschwindigkeit der Berechnungen zu bekommen, aber vor allem auch einen geringeren Energieverbrauch. Die besonderen Eigenschaften des Lichts, auf denen solche Nanosysteme beruhen, waren eigentlich schon theoretisch vorhergesagt worden, jetzt aber hat man eben an der Yale-University das Ganze erstmals praktisch auch umgesetzt.

Eine Geschichte, die aus Frankfurt kommt, vom Frankfurter Institut für Biochemie II. Dort hat man sich beschäftigt mit Apotose-Inhibitoren. Das sind Stoffe, die nicht nur den Zelltod verhindern, sondern tatsächlich auch die Bildung von Metastasen beeinflussen.

Zu den Charakteristika von Krebszellen gehört es nämlich, dass sie diesen programmierten Zelltod, die Apoptose, mit dem sich der Körper sich vor der Vermehrung defekter Zellen eigentlich schützen soll, gezielt verhindern. Und dazu exprimieren sie vermehrt so genannte Apoptose-Inhibitoren. Die werden auch IAPs genannt. Und diese IAPs sind eigentlich das Ziel vieler Krebs-Medikamente: Man denkt, wenn man die Zahl der IAPs reduziert, dann werden die Tumorzellen wieder durch den Selbstschutzmechanismus des Körpers zerstört.
Jetzt hat man aber herausgefunden, unterdrückt man die Bildung dieser IAPs, nimmt man in einer anderen Signalkaskade Einfluss und zwar die C-RAF Kinase, die nimmt dann stark zu. Die ist für die Wanderung von Zellen entscheidend und das bedeutet, dass dadurch bedauerlicherweise auch die Bildung von Metastasen gefördert wird. Man will also jetzt versuchen, diese IAP-Blocker so einzusetzen dass sie eben nicht auch noch die Bildung von Metastasen fördern.
Man sieht, in der Forschung ist man immer noch einen Schritt hinterher hinter dem was tatsächlich passiert und nur weil man einen Weg auf der einen Seite gefunden hat, heißt das nicht, dass auf der anderen Seite nicht etwas auch beeinflusst wird.

Eine ganz interessante Geschichte für die Leute, die sich für das Universum und was da so passiert, interessieren. An der Universität Bonn gibt es eine neue Gruppe, die sich damit beschäftigt, inwieweit Magnetkräfte bei Geburt und Tod von Sternen eine Rolle spielen.
Das Ganze wird von der DFG, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit einer Millionen Euro unterstützt. Man weiß ja, dass so Todeszuckungen eines Sterns durchaus toll aussehen können. Ich versuche auch hier im Blog unter wissenschaft.wanhoff.de so ein solches Bild mal jetzt in der nächsten Woche zu veröffentlichen, also einfach mal reingucken.

Zurzeit stirbt der Katzenaugennebel in besonders schöner Art und Weise. 11 Ringe umgeben eine bizarr geformte Struktur aus Gas und Staub. Das Ganze sieht schon fast skulpturartig aus. In der Mitte ist dann ein winziger, heller Punkt und das ist der verglühende Stern. Und während er verglüht schleudert er große Teile seiner selbst ins All und daraus gibt es eben auch Magnetfelder, die dann dieses augenähnliche Gebilde, das dem Nebel seinen Namen gibt, geformt haben. Das zumindest vermutet Dr. Wouter Vlemmings. Der arbeitet eben an der Universität Bonn und er sagt. “Es gibt viele Sterne, die ihr Leben als bizarr geformte Wolke beenden” und er will jetzt versuchen zu verstehen verstehen, was denn diese Wolken formt, was diesen Prozess denn antreibt.

Und er möchte die Magnetkräfte messen, die in verglühenden Sternen am Werk sind. Das Ganze ist ein guter Zeitpunkt, denn es gibt rund um den Globus derzeit neue High-Tech-Teleskope, mit denen sich Messungen durchführen lassen, die wohl bisher noch nicht möglich waren.

Und er will sich aber nicht nur mit dem Lebensende von Sternen beschäftigten, sondern diese Magnetkräfte gibt es wohl auch in den so genannten Kreißsälen des Universums. Dort ballen sich große Wolken aus Gas mehr und mehr zusammen und bilden dann eben erst mal Kreisel, die dann kompakt werden und aus denen irgendwann Sterne entstehen.

Eine Depression erhöht das Risiko für Krankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Das ist wieder so ein Titel einer Studie, der versucht zusammen zu fassen, was eigentlich gar nicht so wirklich zusammen gehört.

Wir fangen an mit einer internationalen Forschergruppe, die in Hamburg-Eppendorf unter anderem geforscht hat und die glaubt, jetzt diesen Zusammenhang nachgewiesen zu haben.
Man hat mehr als tausend Patienten mit bestehender Herzerkrankung fünf Jahre lang begleitet. Dabei hat man die Schwere der Herzerkrankung aufgezeichnet und psychologische Faktoren wie eben eine Depression. Ferner wurden zahlreiche biologische Faktoren bestimmt, die den Zusammenhang zwischen Depression und Herzerkrankungen erklären könnten, wie zum Beispiel erhöhte Konzentrationen von Stresshormonen und Entzündungsparametern.

Außerdem hat man natürlich geguckt, ob die Patienten rauchen und wie körperlich aktiv sie sind. Es zeigte sich, dass Patienten, die depressiv waren, nach fünf Jahren ein um fünfzig Prozent erhöhtes Risiko aufwiesen und sogar eine höhere Sterblichkeit.

Jetzt ist die große Frage “Warum” und da wird’s interessant. Dies, ich zitiere aus der Pressemitteilung, dies war vor allem auf die geringere körperliche Aktivität der depressiven Patienten zurückzuführen. Also dieses Problem der erhöhten Gefahr einer Herzerkrankung kann man bei depressiven Patienten relativ einfach dadurch lösen, dass man versucht sie einfach mehr zu bewegen. Und schon haben wir ein Problem wieder gelöst.

Wir bleiben bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Geschichte aus den Jamajournals, die ich gefunden habe, sagt, es gibt einen großen Unterschied wo Blutdruck gemessen wird. Ob das Ganze zuhause oder sogar über einen 24-Stunden-Rhythmus passiert oder ob das Ganze in der Arztpraxis passiert, denn es gibt einen sogenannten Arztkittel-Effekt. Bisweilen haben Patienten in der Arztpraxis einen höheren Blutdruck als sie ihn normal haben könnten. Das ist ein Problem bei den Patienten, die resistent sind gegen alle möglichen Medikamente. So was gibt es. Eine kleine Zahl von Patienten hat eine so genannte Resistant Hypertension, also einen nicht therapierbaren Bluthochdruck. Da muss man natürlich genau aufpassen, dass der erkannt wird und der kann nur erkannt werden, wenn permanent gemessen wird über eine 24 Stunden-Periode und zwar alle 15 Minuten während des Tages und alle 30 Minuten in der Nacht.

Man hat das gemacht mit Patienten, mit 556 Patienten, zwischen 1999 und 2004. Und 109 dieser Patienten, also knappe 20 Prozent, hatten eine Herzattacke oder sind sogar daran gestorben. Man weiß jetzt eins: Wenn der Bluthochdruck in der Arztpraxis gemessen wird, kann man dadurch noch nicht vorhersagen, ob denn eine akute Herzsituation gerade ansteht oder nicht. Das Ganze geht wohl, und das ist der Sinn der Studie, nur mit permanenten Messungen. Erst dann kann man sehen, ob sich da was anbahnt. Vor allem interessant sind dabei wohl die Ergebnisse, die nachts gemessen werden, also akute Herzerkrankungen zeigen sich wohl in dem Blutdruck, der nachts passiert.

Eine Geschichte, die ich auch noch im Podcasts für die Scienceblogs hatte, beschäftigt sich mit unseren kleinen Freunden, den Spermien. Forscher aus Amerika haben sich mal mit der Frage beschäftigt, was macht sie denn so erfolgreich. Also diejenigen, die in die Eizelle überhaupt eindringen.
Das sollen ja immer die Schnellsten sein, was ja auch Sinn macht. Nur, wie sind sie denn die Schnellsten? Also was macht denn die Schnelligkeit aus? Und bisher ist man davon ausgegangen, je größer sie sind, umso schneller sind sie, weil sie einfach mehr Schwanzfläche zum Beispiel zur Verfügung haben, mit der sie paddeln können.

Tatsächlich ist dem nicht so. Es ist nicht die Länge an sich, sondern es ist das Verhältnis zwischen dem Spermienkörper und seinem Schwanz. Je nachdem wie dieses Verhältnis ist, lässt sich darauf schließen, ob es ein schneller Schwimmer ist oder ein eher langsamer Schwimmer. Das nur mal so als kleine Information.

Und dann noch eine Geschichte vom Inside Science News Service von Jim Dawson, der mich immer mit interessanten Geschichten aus Amerika beliefert. Dort gibt’s eine Geschichte, die ist echt lustig, aus Delaware, Maryland und Virginia. Diese drei Staaten haben eins gemeinsam, dort werden unglaublich viele Hühner gezüchtet und auch Truthähne. Und diese Hühner und Truthähne werden transportiert und zwar auf Lastern, die meistens offen sind. Was ja vielleicht auch Sinn macht, damit die Viecher auch ordentlich Luft bekommen.
Und jetzt hat man sich mal gefragt, okay, es gibt Studien, die gemessen haben, dass auf diesen Lastern unglaublich viele Bakterien sind. Und jetzt hat man sich gefragt, okay, kann das vielleicht sein, dass diese Bakterien von diesen Lastern auch runterkommen? Bakterien übrigens in besorgniserregender Konzentration.
Und deswegen haben Forscher jetzt ein Auto präpariert und haben das hinter solchen Lastern fahren lassen und zwar auch gar nicht direkt dahinter, sondern so zwei, drei Autos weiter und haben über 17 Meilen dann gemessen, was denn da alles rein fliegt.

Und das Ergebnis war beeindruckend. Es flog eine ganze Menge rein. Man hatte die Aircondition ausgemacht, man hat also die Fenster aufgemacht, um eben relativ authentisch zu sehen, was denn da tatsächlich rein fliegt, wenn man da hinter so einem Laster herfährt. Und es gab wohl große Konzentrationen an Bakterien. Man hat wohl auch Bakterien gefunden, die schon resistent gegen Antibiotika sind. Das Ganze wurde gefunden unter anderem auch in einer Getränkedose und an den Autos selber draußen am Türgriff und natürlich überall im Auto verteilt.

Also, Vorsicht, wer hinter einem Hühnerlaster hinterherfährt, sollte vielleicht doch die Fenster auf jedem Fall zumachen, die Lüftung auf interne Umwälzung stellen und wer dann noch einen Pollenfilter hat, sollte damit einigermaßen gut geschützt sein. Oder aber am besten den Laster überholen.

Das war’s schon für heute. 13 Minuten sagt mein Aufnahmegerät. Es ist ein bisschen kürzer als sonst, aber ich muss ja auch weg. Ich muss ja auch nach Kambodscha. Es sind übrigens 6 Stunden Busfahrt, die 22 Dollar kosten, also nicht gerade die Welt. Vielen Dank fürs Zuhören und ich wünsche wie immer eine schöne Woche.

Transkription: Vera Ihrig für die Sprachenlernseite www.LingQ.com

WWWW vom 23.11.2008: Warum junge Menschen sich gerne überall rasieren

Ähnlicher Stern
Das nächste uns bekannte Planetensystem in 10 Lichtjahren Entfernung ist Epsilon Eridani. Wie heißt es so schön? Warum in die Ferne schweifen…Tatsächlich hat sich in den letzten 10 Jahren einiges getan bei der Erforschung dieses speziellen Planetensystems.

Alte Bilder für neue Erkenntnisse

Klimaforscher setzen alte Kunstwerke als stumme Zeitzeugen ein
, um Veränderungen der Küstenlinie festzustellen. Robin McInnes und seine Kollegen von der Universität in Portsmouth untersuchten Gemälde von Küstenszenen einer britischen Insel, um die Entwicklung der britischen Küsten nachvollziehen zu können.

Sonnenbaden: Wer mag was?

Identifying the sun-protection practices and risk profiles of beachgoers may help determine those who would benefit from targeted interventions intended to reduce the risk of skin cancer, according to a study in the November issue of Archives of Dermatology, one of the JAMA/Archives journals.

Besser vorne bleiben?
Lance Armstrong, the cyclist who won the Tour de France six times, often came in first because he spent so much time in second. That is, he would regularly pedal right behind a teammate whose job was to obligingly break up the stream of oncoming air, making it easier for Armstrong to save his own energy for a sprint later on. Stock cars also often maneuver to be in the draft of the car in front, thus reducing drag. A new study, however, suggests that this strategy of staying right behind a leader can backfire.

Steinzeitfamilie entschüsselt
Mit einem multidisziplinären Ansatz haben Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der University of Adelaide und der University of Bristol in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle die genetischen Verwandtschaftsverhältnisse in einem Steinzeitgrab analysiert.

Neuer Weg bei HPV
Mikrobiologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben einen neuen Weg entdeckt, auf dem bestimmte Humane Papillomviren (HPV) in die Körperzelle eindringen. Sie widersprechen damit den bisher gültigen wissenschaftlichen Auffassungen, wie die Viren den Weg in die Zelle finden, und begründen möglicherweise auch neue Ansätze für eine Therapie gegen Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs.

Junge Menschen wollen keine Körperhaare
Mehr als 97 Prozent der jungen Frauen und 79 Prozent der Männer entfernen regelmäßig Körperhaar an mindestens einer Körperregion. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die von Professor Elmar Brähler und Dr. Aglaja Stirn mit Hilfe des Diplomanden Tim Kühne an der Universität Leipzig, Selbstständige Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, an einer studentischen Stichprobe durchgeführt wurde.

Transkript:
Hallo und herzlich Willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe von Sonntag, dem 23. November 2008.

Diese Sendung wie immer fast live aus Saigon/Vietnam. Wie immer stimmt gar nicht. Ich hab ja von so vielen Orten schon gesendet, aber wie in letzter Zeit. Sagen wir es mal so.

Thema heute mal wieder Astronomie. Und zwar etwas Interessantes, was ich gefunden habe bei den Scienceblogs, Scienceblogs.de. Da mache ich ja auch einen kleinen wöchentlichen Podcast. Für die, die diesen Podcast hören, ist jetzt der erste Beitrag vielleicht nicht so überraschend, weil der nämlich dort auch vorkommt. Es geht um ein Planetensystem, das in zehn Lichtjahren Entfernung ist und Epsilon Eridani heißt. Das ist für Forscher deshalb so interessant, weil es unserem nicht so ganz unähnlich ist.

In den letzten zehn Jahren hat sich einiges in der Forschung getan. Man hat gesehen, welche Parallelen, aber auch welche Unterschiede es gibt. Zum ersten ist es so, dass dieser Stern Epsilon Eridani annähernd sonnenähnlich ist. Er ist etwas kleiner und leuchtschwächer als unserer, aber er ist ja auch noch nicht so alt. Er ist nämlich viel jünger – 800 Millionen Jahre. Das ist für einen Stern eigentlich das beste Backfischalter und für uns eine ganz gute Gelegenheit zurückzuschauen, wie sich so ein Sonnensystem denn entwickeln kann.

Zu dieser Zeit, also vor 800 Millionen Jahren, war bei uns noch irgendwie so gar nichts los. Nein, da waren wir noch heiße Magmakugeln. Was dort auch passiert, das weiß man seit 1998, das noch ‘ne ganze Menge Geröll rumschwirrt. Es gibt einen äußeren Ring aus Eis und Staub, der vergleichbar ist mit unserem Kuiper-Gürtel und 2000 wurde dann der erste Planet Epsilon Eridani B entdeckt. Den könnte man jetzt vergleichen mit dem Jupiter bei uns.
Und weil es in diesem Epsilon Eridani Kuiper-Gürtel Klumpen zu geben scheint, wird seit einigen Jahren die Existenz eines weiteren Planeten vermutet. Und am 27. Oktober gab es da neue Ergebnisse, die man mit dem Spitzer-Teleskop gemacht hat. Das sieht im Infrarotbereich und kann Staub aufspüren. Genauer hat es einen Asteroidengürtel aufgespürt. Übrigens auch da ungefähr, wo sich in unserem Sonnensystem ein solcher Gürtel befindet. Und man hat zusätzlich sogar noch einen weiteren gefunden. Das ist ja dann ein Unterschied zu unserem System. Aber der weitere Asteroidengürtel lässt auf einen weiteren Planeten schließen, einen Epsilon Eridani C-Planeten, der ungefähr dann unserem Uranus entsprechen würde. Die Forscher sind natürlich jetzt drauf und dran das Ganze ein bisschen besser zu beweisen.

Interessant bei diesem Epsilon Eridani-System ist, es ist sehr beliebt in der Science Fiction, denn die Raumstation Babylon 5 zum Beispiel wurde nach Epsilon Eridani versetzt. Einige Romane von Isaac Asimov spielen dort und der Heimatplanet Vulkan von Spock, der ist auch dort.

Andere Geschichte: Landschaftsmalereien sollen oder können beim Küstenschutz helfen. Das Ganze ist ausprobiert worden in England. Robin McInnes und Kollegen von der Universität in Portsmouth haben Gemälde der Isle of White untersucht. Und zwar Gemälde, Aquarell, Drucke von 400 Künstlern und haben dort ein besonderes Augenmerk gehabt auf die Darstellung von Küstenlinien oder Küstenszenen.

Sie haben sich dann die Werke, die zwischen 1770 und 1920 entstanden sind, haben die verglichen, haben die zuverlässigsten 20 Künstler herausgearbeitet. Im Vergleich mit dem heutigen Zustand der Meeresufer zeigte sich den Forschern, welche Maßnahmen zum Küstenschutz denn erfolgreich waren und welche keinen nennenswerten positiven Effekt erzielten.

Die Bilder konnten ein sehr klares Bild über die Geschwindigkeit der Erosion und über deren Ausmaße in den vergangenen Jahrhunderten zeichnen. So kann man wertvolle Unterstützung für wissenschaftliche und technische Untersuchungen bieten und man kann Behörden und Politikern zeigen, wie notwendig doch Küstenschutz letztlich ist.

Eine Geschichte aus Amerika. Da geht es um den Hautkrebs. Der nimmt ja dann doch immer mehr zu. Es gibt eine starke Zunahme von Hautkrebs durch Sonnenstrahlungen, Sonnenbestrahlungen in den letzten 30 Jahren. Wissenschaftler der University of Queensland haben jetzt gesagt, okay, wir müssen da mal schauen, wie wir Leute vielleicht dazu bringen können, etwas verantwortungsvoller mit der Sonne umzugehen und da müssen wir doch erst mal wissen, wer sind denn diese Leute, die sich sehr stark der Sonne aussetzen und warum machen sie das.

Was man gemacht hat war, man hat das Verhalten von Urlaubern in Honolulu/Hawaii untersucht, weil man sich dachte, dort gibt es am meisten Leute, die sich eben freiwillig der Sonne aussetzen.

88 Teilnehmer an einer Studie gab es. Sie haben einen Fragebogen ausgefüllt, bevor sie in die Sonne gegangen sind und auch, als sie die Sonne dann wieder verlassen haben. Außerdem wurde gemessen, wie stark sie sich der Sonne ausgesetzt haben, wie viel Strahlung sie abbekommen haben.

Das Interessante: im Durchschnitt haben die Urlauber 3 Stunden am Strand verbracht. Die meiste Zeit waren sie in der Tat der Sonne auch ausgesetzt. Das bedeutet, dass sie fünfmal mehr Strahlung eigentlich abbekommen haben, als man für einen Sonnenbrand braucht.

Und 70 Prozent der Teilnehmer haben gesagt, sie gehen zum Strand, weil sie sich bräunen wollen, 40 Prozent haben gesagt, dass sie in den letzten 48 Stunden auch einen Sonnenbrand hatten und 23 Prozent haben gesagt, wir waren in den vorherigen 30 Tagen bereits in einem Sonnenstudio gewesen.

Man konnte dann drei Klassen von solchen Urlaubern herausarbeiten. Die Klasse 1 sind solche, die sagen, wir kümmern uns wirklich überhaupt nicht drum. Das ist uns relativ wurscht, was mit der Sonne ist. Wir benutzen auch keine Sonnenschutzmittel oder tragen besondere Kleidung. Wir gehen selten in den Schatten. Wir sind hier um braun zu werden. Die bekommen natürlich auch am ehesten Hautkrebs.

Dann gibt es solche, die sagen, wir wollen uns bräunen. Diese Gruppe bekommt auch am ehesten Sonnenbrand, benutzt aber auch sehr sehr stark Sonnenschutzmittel und nicht so viele Kleidung als Schutz. Das sind auch die, die übrigens am ehesten ins Sonnenstudio gehen.

Und dann gibt es noch eine Gruppe von solchen, die eben sich Sorgen machen um die Bestrahlung, die auch sich schützen. Einige, die sich mit Kleidungsstücken auch schützen und versuchen, möglichst oft in den Schatten zu gehen und unter denen befinden sich auch die wenigsten, die sagen, wir gehen an den Strand, um uns zu bräunen.

Mit diesen verschiedenen Klassen kann man jetzt versuchen, Informationsbroschüren zu erarbeiten, um Leuten eben klarzumachen, welche Gefahren denn tatsächlich auf sie zukommen, wenn sie allzu lange in der Sonne sind.

Eine weitere Arbeit, die ich in Amerika gefunden habe, beschäftigt sich mit der Frage des Führens, und zwar von Gruppen und genauer gesagt im Sport. Wir kennen das von der Tour de France. Lance Armstrong war lange Zeit immer gerne Zweiter, weil er praktisch im Windschatten gefahren und ist dadurch auch Ressourcen sparen konnte und eigentlich immer zum Schluss dann erst vorgeprescht ist. Das kennen wir auch von Autorennen. Auch da ist es oft so, dass man sich im Windschatten des Anderen befindet.

Jetzt haben Wissenschaftler das mal untersucht, ob das eigentlich immer funktioniert, Zweiter zu sein um Energie zu sparen, und man hat herausgefunden, es kommt drauf an, wer vorne ist. Der Windchiel-Faktor in dem Fall, also der Windschatten, um genauer zu sein, es geht um den Windschatten, der ist nicht immer stabil. Bei einem Fisch zum Beispiel oder bei einer Art Flagge oder sogar bei einem Vogel ist dieser Effekt völlig unterschiedlich verglichen eben mit einem Fahrradfahrer oder einem Auto.

Die Wissenschaftler haben mit kleinen wehenden Flaggen das mal versucht darzustellen. Sie haben aber keinen Strom, keinen Luftstrom genommen, sondern sie haben einen Film aus einer Art Schmierseife genommen, um ein bisschen bessere Bilder zu bekommen, welche Verwirbelungsmuster es gibt.

Und das Interessante ist, dass in diesem Fall, bei diesen wirbelnden Flaggen, die ja einen etwas indifferenteren Körper darstellen sollten, die Flagge, die vorne war, viel bessere Werte hatte, als die Flagge, die dahinter war. Die Wirbel der Vorderflagge beeinträchtigten doch die Wirksamkeit oder den Windschatten der nachfolgenden Flagge viel mehr als bisher angenommen. Die nachfolgende Flagge hatte in diesem Fall überhaupt keinen Vorteil, sondern eher Nachteile und interessant war, dass auch die Wirbel der vorderen Flagge, der vorderen Flagge auch Vorteile brachten.

Das Ganze ist natürlich ein sehr, sehr kleiner Versuch und man kann damit noch nicht wirklich schließen, ob das in der Tierwelt zum Beispiel bei den Fluggänsen eine Rolle spielt. Die machen das ja, unter anderem auch, weil man glaubt eben, dass das energiesparend ist und bei diesem Versuch hat man eben Flaggen genommen und hat aber interessanterweise gefunden, dass es eben diese Verwirbelungen gibt, die bisher unerkannte Effekte hatten. Und deshalb ist es viel zu früh, Rückschlüsse wirklich zu ziehen.

n der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz beschäftigt man sich gerne auch mit multidisziplinären Ansätzen. Man arbeitet zusammen mit der University of Bristol und dem Landesamt für Denkmalpflege und konkret geht es um die genetischen Verwandtschaftsverhältnisse in einem bestimmten Grab.

2005 haben Archäologen in der Nähe von Eulau in Sachsen-Anhalt ein steinzeitliches Gräberfeld entdeckt. Diese 4.600 Jahre alten Gräber enthielten Gruppierungen von Erwachsenen und Kindern, die Gesicht zu Gesicht beerdigt worden sind. Man vermutete, es seien Opfer eines gewalttätigen Angriffs, und jetzt hat man das Ganze molekulargenetisch untersucht und hat einen Beweis für eine Kernfamilie dort erbracht.

In einem Grab wurde nämlich eine direkte Eltern-Kind-Verwandtschaft nachgewiesen. Das ist das erste Mal, dass es so überhaupt passierte. Weitere Erhebungen zeigten, dass sich bei der Gesellschaft der späten Steinzeit es sich offenbar um Gemeinschaften handelte, die außerhalb der Sippe heirateten und in der sich die Familien am Wohnort des Mannes niedergelassen haben.
Im Jahr 2005 wurden vier Mehrfachbestattungen in Eulau entdeckt. Das Besondere an diesen Bestattungen war nicht nur die Gewalt, der diese Menschen zum Opfer fielen, sondern auch die große Sorgfalt bei der Niederlegung der Verstorbenen, was dann die Frage aufwarf, was an diesem längst vergangenen Tag denn wirklich geschah, in welcher Beziehung eben die Menschen zueinander standen und welches Schicksal sie dann doch vereinte.

Jetzt kann man das Ganze ein bisschen besser verstehen und das Interessante ist, dass im neu eröffneten Landesmuseum von Sachsen Anhalt diese Mehrfachbestattungen auch ausgestellt sind.

Noch einmal die Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Dort geht es jetzt um die Mikrobiologen. Die haben einen neuen Weg entdeckt, auf dem bestimmte Humane Papillomviren in die Körperzelle eindringen. Die widersprechen damit bisher gültigen wissenschaftlichen Auffassungen, wie diese Viren den Weg in die Zelle finden und begründen eventuell auch neue Ansätze für eine Therapie gegen Gebärmutterhalskrebs.
Bis Mitte der 90er-Jahre ging man davon aus, dass das Protein Clathrin den Eintritt der Viren in die Zelle vermittelt. Für den HPV-Typ 31 konnten Wissenschaftler zeigen, dass das Protein Caveolin die Viren in die Zelle schleust und jetzt hat man sich mit HPV16 beschäftigt und hat herausgefunden, dass sie mit Hilfe bestimmter Mikrodomänen in die Zelle geschleust werden. In einer Arbeit konnten die Wissenschaftler vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene darlegen, dass die Infektionsrate zurückgeht, wenn so genannte Tetraspanine durch einen Antikörper blockiert werden oder durch kleine RNA-Moleküle spezifisch verändert werden.
Es wird vermutet, dass die Krankheitserreger nach der Bindung an einen Primärrezeptor auf einen zweiten, spezifischen Rezeptor übertragen werden. Der ist aber bislang noch nicht identifiziert.

Und jetzt muss ich gerade nachgucken. Ja, es ist schon die letzte Meldung, die aber ist echt interessant. An der Universität Leipzig hat man eine Untersuchung gemacht, bei der es darum ging, wie Menschen, wie stark Menschen, ihr Körperhaar entfernen. Und man hat herausgefunden, mehr als 97 Prozent der jungen Frauen und 79 Prozent der Männer entfernen regelmäßig Körperhaar an mindestens einer Körperregion.

Interessant dabei, es wurde die Bartrasur bei Männern ausgeschlossen, also neben der Bartrasur entfernen Männer regelmäßig noch an einer anderen Stelle Körperhaar.
Der Anteil der Teilnehmerinnen, die überhaupt kein Körperhaar entfernten, hat sich auf interferenz-statistisch nicht verwertbarem Niveau befunden. Sehr interessante Geschichte. So!
89 Prozent der Frauen, die sich regelmäßig rasieren, epilieren oder trimmen tun dies an drei oder mehr Körperpartien. Fast die Hälfte der Frauen, 48 Prozent, enthaaren sich vier Körperpartien gleichzeitig. Also Beine, Achselhöhlen, Genitalbereich oder Augenbrauen.

Die Männer, die sich abgesehen vom Bart Körperhaar entfernen, machen diese zu mehr als 50 Prozent an zwei oder drei Körperpartien. Das sind dann Achselhöhlen, Genitalbereich oder Oberkörper.

Jetzt kommt die kleine Einschränkung. Bei dieser Studie wurden zum einen 314 Studentinnen und Studenten befragt. Davon waren aber 219 Frauen und nur 95 Männer und der Altersdurchschnitt dieser Stichprobe lag bei gerade mal 23 Jahren. Die Befragten waren Studierende der Humanmedizin oder der Psychologie und da kann man natürlich schon ein bisschen einschränkend sagen “Ja, mein Gott, natürlich junge Leute, die gehen diesem Trend der Körperpflege vielleicht ein bisschen stärker nach als jetzt der 60-jährige Professor.” Also wenn wir über 97 Prozent der jungen Frauen sprechen, dann eben 97 Prozent der um die 23-jährigen. Vielleicht kann man sagen, zwischen 20 und 30.

Interessant ist, warum denn die Menschen so was machen. Warum entfernen wir unsere Haare? Man hat herausgefunden, dass Personen, die sich die Arbeit einer sehr aufwändigen Haarentfernung machen, eben nicht an einer Störung ihres Selbstwertes neigen. Sie sind auch keine Sensation-Seeker, also sind keine, die ständig neue Stimulationen oder Erregungen brauchen.

Männer, die regelmäßig zwei oder mehr Körperregionen enthaaren, weisen sehr hohe Extraversionswerte. Sie sind sozial aktiv, geselliger, beschreiben sich selbst als selbstsicherer und optimistischer.

Bei Frauen gibt es zwei Ansätze. Der eine ist der Infantilisierungsansatz, bei dem man glaubt, dass die Frau das vorpubertäre Aussehen benutzen will als Zeichen der sexuellen Abwehr, durch die sehr umfangreiche Rasur wird sexuelle Unreife und auch Ungefährlichkeit signalisiert. Sie macht sich zu einem verletzten, bedrohtem Kind und schützt sich aus Sexualangst vielleicht vor reifer genitaler Sexualität. Durch die Verwandlung der Frau in ein Kind wird aber auch beim Mann das Überlegenheitsgefühl bestärkt.
Es gibt noch einen anderen Ansatz, bei dem man glaubt, dass Haarentfernung gerade im Genitalbereich als Zeichen gesteigerter weiblicher Emanzipation begriffen werden kann. Man schafft visuelle Anreize. Das Schamhaar bietet ja einen visuellen Schutz und eine Barriere und durch die Entfernung wird das weibliche Genital dann sichtbarer und die Frau macht dies im Bewusstsein, ihre Genitalien auch bewusst und selbstbewusst zu zeigen.
Dann gibt es natürlich noch allgemeine Trends. Also durch immer knapper werdende Bikinis und stärker werdende Nacktheit und auch Schönheitsideale gibt es auch einen gewissen gesellschaftlichen Druck. Es gibt bestimmte ästhetische Normen, die sich herausarbeiten. Das Ganze wird dann bisweilen auch mal in Filmen dann noch verstärkt. In den 50er Jahren hat man sich vielleicht noch so mit Achselhaarentfernung beschäftigt, weil das eben durch bestimmte Mode auch zu sehen war. Aber der Intimbereich war eigentlich immer tabu. Ist auch nicht mehr so. Und auch die Brustbehaarung bei Männern wird mittlerweile in Frage gestellt.

Die Frage bei der ganzen Geschichte ist, wie lange das anhalten wird, denn wir wissen, es gibt halt Modetrends und irgendwann werden vielleicht auch Achselhaare bei Frauen wieder sehr modern.

Das war es für heute schon wieder. Ich bedanke mich wie immer fürs Zuhören und wünsche eine schöne Woche.

Transkription: Vera Ihrig für die Sprachenlernseite www.LingQ.com

WWWW vom 16.11.2008: Tödlicher Durchfall und sterbende Bienen

Enerigie sparen
In Amerika beschäftigt man sich mit dem Thema Energie immer intensiver. Nicht nur die Unabhängigkeit von Öl spielt dabei eine Rolle, sondern auch, wie man effizienter Energie nutzen kann.

Tödlicher Durchfall
Unter Mitarbeit von PD Dr. Henrik Köhler, Oberarzt an der Kinder- und Jugendklinik (Direktor Prof. Dr. Dr. Wolfgang Rascher) des Universitätsklinikums Erlangen, ist es gelungen, den verantwortlichen Gendefekt für eine der schwersten angeborenen Durchfallerkrankung aufzudecken. Kinder, die von der so genannten Mikrovillus Einschlusskrankheit (MVID) betroffen sind, verlieren oft schon als Neugeborene täglich über ein Viertel ihres Körpergewichts an dünnflüssigem Stuhl.

Fleissige Bienen
Das massenhafte Honigbienensterben und der generelle Rückgang weiterer Blütenbesucher hat bislang keinen negativen Einfluss auf die weltweite Kulturpflanzenproduktion, obwohl die Bestäubungsleistung von Insekten eine zentrale Rolle in der globalen Landwirtschaft spielt. Das hat ein internationales Forscherteam mit der Agrarökologin Dr. Alexandra-Maria Klein von der Universität Göttingen festgestellt.

Wie wir entscheiden
Wir alle müssen täglich viele Entscheidungen treffen – und das oftmals unter Zeitdruck. Sei es bei der Arbeit oder beim Sport: Kontinuierlich gilt es, die richtige Balance zu finden zwischen Schnelligkeit und Akkuratheit. Wie das Gehirn dies ermöglicht, haben nun Neurowissenschaftler und mathematische Psychologen an der Universität Amsterdam, dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der Universität Newcastle in Australien herausgefunden.

Alter Virus
Ninety years after the sweeping destruction of the 1918 flu pandemic, researchers at the Monroe Carell Jr. Children’s Hospital at Vanderbilt have recovered antibodies to the virus — from elderly survivors of the original outbreak.

Transkript:
Hallo und herzlich Willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 16. November 2008.

Ich habe eine interessante Geschichte gefunden bei Inside Science News, einem Service aus Amerika. Dort berichtet Phillip F. Schewe über einen Wissenschaftler, der immerhin mal den Nobelpreis in Physik bekommen hat, nämlich Burton Richter. Der sagt, Freunde in Amerika, wir müssen aufpassen, dass wir nicht in eine Energiefalle tappen. Er nennt unsere Zeit gerade eine “Time of energy instability” und glaubt, dass die Energiekrise, in der wir uns vielleicht schon befinden oder die uns auf jeden Fall bevorsteht, größer und länger sein wird, als dass, was wir 1979 erlebt haben.
Er und die American Physical Society fordern, dass Amerika bis zum Jahr 2030 zumindest Gebäude hat, die unabhängig von fossilen Brennstoffen funktionieren. Geheizt werden können, aber auch ihren Strom selber bekommen.

Die Wissenschaftler sehen in einer Studie, die sie erarbeitet haben, ein großes Problem in der Energieeffizienz. Die meisten Geräte, die wir haben, sind nicht effizient genug. Wenn man überlegt, dass nur ein Drittel der Energie von einem Pfund Kohle überhaupt in Elektrizität umgewandelt werden, der Rest einfach Wärme ist, dann weiß man, wo man anfangen muss.

Mittlerweile haben wohl auch die Kollegen in Amerika erkannt, dass man Gebäude aber auch ganz anders bauen kann als bisher, nämlich sogenannte Nullenergiehäuser. Auch das scheint in Amerika mittlerweile zumindest bekannt zu sein, wenn auch noch nicht wirklich populär. Die Wissenschaftler versuchen ein bisschen den Leuten zu erklären, dass es kein Hexenwerk ist, Energie zu sparen und dass das eigentlich schon die ganze Zeit passiert. Das eigentlich die Geräte auch schon effizienter werden, zum Beispiel eine Klimaanlage von heute verbraucht die Hälfte des Stroms, die sie 1980 verbraucht hat.

Aber, guckt man von Amerika nach Europa, sieht man, dass die Menschen in Europa dennoch schon viel weiter sind. Die brauchen gerade mal die Hälfte der Energie pro Kopf, die die Amerikaner brauchen, und das durchaus bei der gleichen Lebensqualität. Deswegen wollen jetzt die Physiker aus Amerika ein bisschen mal zeigen, hei, Energieeffizienz, das ist unsere Zukunft.

Henrik Köhler ist Oberarzt an der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen und hat sich mit einer Krankheit beschäftigt, die, wenn man von ihr betroffen ist, wirklich ganz schlimm ist. Es ist die schwerste angeborene Durchfallerkrankung, die Mikrovillus Einschlusskrankheit.
Kinder, die daran leiden, verlieren bis zu einem Viertel ihres Körpergewichts täglich durch dünnflüssigen Stuhlgang und ohne intensive medizinische Behandlung sterben sie eigentlich sofort an Austrocknung. Die einzige Heilung, die es bisher gibt, ist eine Dünndarmtransplantation.

Der Herr Köhler und seine Kollegen haben jetzt herausgefunden, dass Defekte im MYOB5-Gen dafür verantwortlich sind. Bei fehlerhafter Funktion dieses Gens ist nämlich die Epithelzelle der Darmschleimhaut nicht in der Lage, sich richtig auszurichten.

So werden dann die für die Regulation des Flüssigkeitshaushaltes mitverantwortlichen kleinsten fingerförmigen Zellausstülpungen, die sogenannten Mikrovilli, statt an der Zelloberseite auszuknospen, fälschlicherweise in die Zelle eingeschlossen und können dann eben Flüssigkeit nicht mehr regulieren.
Bis jetzt weiß man zumindest durch diese Forschung von Herrn Köhler, wie das Ganze zustande kommt. Natürlich muss man jetzt erst weiterarbeiten und versuchen, damit einen Anknüpfungspunkt für denkbare künftige Behandlungsalternativen zu finden.

Ich hatte es, glaube ich, hier schon mal in der Sendung, dass es dieses weltweite Bienensterben gibt, von denen man nicht so ganz genau weiß, woher es glaube ich eigentlich kommt und vor allem welche globalen Effekte das Ganze haben wird. Experten haben jetzt mal an der Universität Göttingen errechnet, das es bisher noch keine globalen Ernteverluste gegeben hat.
Ein internationales Forscherteam unter der Agrar- oder mit der Agrarökologin Dr. Alexandra Maria Sandra Klein hat das festgestellt. Auch wenn die Bestäubungsleistung von Insekten eine zentrale Rolle in der globalen Landwirtschaft spielt, gibt es noch keinen negativen Einfluss. Die Wissenschaftler sagen aber, nimmt der Anbau von tierbestäubungsabhängigen Pflanzen weiter zu, dann könnte es zu Ernteverlusten kommen.

Von 1961 bis 2007 ist die landwirtschaftlich genutzte Fläche weltweit im Durchschnitt um jährlich 1,5 Prozent gewachsen. Auf den neuen Anbauflächen gibt’s immer wieder Kulturpflanzen, die eben von einer Tierbestäubung abhängig sind und inzwischen macht der Anbau von solchen Kulturpflanzen 23 Prozent der gesamten Agrarproduktion aus. 1961 lag er noch bei 14 Prozent.

Gründe für den Nichtanstieg von Ernteverlusten sind zum Beispiel der Einsatz technischer Lösungen. Es gibt mittlerweile ja eine Handbestäubung. Mit der kann man doch ein bisschen was retten, aber die Wissenschaftler sagen, man kann nicht alles mit Handbestäubung machen. Man kann die Bienen nicht komplett ersetzen und deswegen muss man wirklich aufpassen, dass man Schutzmaßnahmen hat für Wildbienen und Hummelarten und eine gezielte Unterstützung der Imkerei, bevor sich dann doch noch eine Krise abzeichnet.

Wir treffen ja immer jeden Tag viele, viele Entscheidungen und das Ganze auch noch unter Zeitdruck. Die Frage ist, wie können wir eigentlich die richtige Balance finden zwischen der Schnelligkeit einer Entscheidung und der Akkuratheit einer Entscheidung?

Das wollten jetzt Wissenschaftler in Leipzig und von der Universität Newcastle in Australien wissen und haben mal gesagt, okay, wie kann eigentlich das Gehirn einen Ausgleich zwischen diesen beiden Faktoren, also Schnelligkeit und Akkuratheit, schaffen, haben das mit der funktionellen Magnetresonanztomographie gemacht. Damit kann man die Stoffwechselaktivität von Hirnarealen bildlich darstellen.

Am Anfang eines Versuchs wurden die Versuchspersonen, die man da in dieses Gerät reingelegt hat, instruiert, entweder besonders schnell, besonders akkurat oder schnell und akkurat zu entscheiden. Die Versuchspersonen mussten mittels eines rechten oder linken Tastendrucks beurteilen, ob sich eine Punktwolke nach rechts oder nach links bewegt. An einem mathematischen Modell konnten die Wissenschaftler dann feststellen, dass es sehr große interindividuelle Unterschiede gab zwischen den Versuchspersonen.

Einige Versuchspersonen waren sehr effizient in dieser Balancierung. Andere zeigten ein weniger flexibles Verhaltensmuster. Im Gehirn war das prä-supplementär-motorische Areal, das ein Teil der Großhirnrinde ist, und die Basalganglien an der Regulierung von schnellen und akkuraten Entscheidungen in besonderer Weise beteiligt.
Besonders bemerkenswert am Resultat der Studie ist, dass die Stärke der Aktivierung in diesen Arealen durch individuelle Unterschiede moduliert wird. Versuchspersonen, die eine effiziente Balance zwischen schnellen und langsamen Entscheidungen herstellen können, zeigen stärkere Aktivierungen als Versuchspersonen, die weniger flexibel sind.

Und zum Schluss noch eine ganz interessante Geschichte. In Amerika, genauer gesagt am Monroe Carell Jr. Children’s Hospital in Vanderbilt haben sich Wissenschaftler mal beschäftigt mit der Grippe, die 1918 ja eine große Pandemie verursachte. Sie haben Antikörper von diesem Virus nämlich wieder herstellen können.
Man hatte 2005 im Permafrost in Alaska Leichen gefunden von Menschen, die 1918 an diesem Virus erkrankt waren und konnte diesen Virus da isolieren. Insgesamt tötete diese Grippe übrigens weltweit 50 Millionen Menschen. Das war schon eine ordentliche Geschichte.

Die Wissenschaftler haben dann von 32 Überlebenden, die heute zwischen 91 und 101 Jahre alt sind, Blutproben genommen und haben festgestellt, wow, die reagieren alle noch auf diesen 1918-Virus. Natürlich hat man das nicht mit den Menschen gemacht, sondern mit den Blutproben. Man konnte sogenannte B-Zellen isolieren und das sind diese Imunzellen, die diese Antikörper produzieren, und konnte die wachsen lassen und hat dann festgestellt, wow, die reagieren immer noch mit diesem Virus. Und das Ganze nach 60 Jahren oder vielleicht sogar nach 90 Jahren. Das ist interessant, dass der Körper sich so lange gefährliche Eindringlinge, wie eben diesen 1918-Virus merkt und immer noch reagieren kann.

Diese Antikörper reagierten auch noch gegen ein Protein von einem Grippevirus, dass es 1930 gab, aber keine anderen Viren mehr nachher. Man wollte es dann genau wissen und hat Mäuse mit dem 1918-Grippevirus infiziert und ihnen dann Antikörper in verschiedenen Dosen gegeben. Die Mäuse mit geringen Dosen und eine Kontrollgruppe mit nicht-reaktiven Antikörpern starben. Alle Mäuse mit einer hohen Dosis dieser Antikörper überlebten.
Die Wissenschaftler sagen, das seien die besten Antikörper, die sie jemals gesehen haben und man will jetzt weiterforschen, ob man daraus vielleicht Erkenntnisse für zukünftige Grippeausbrüche erhalten kann.

Das war es schon für heute. Eine etwas kürzere Sendung. Das liegt schlicht daran, dass ich gestern den ganzen Tag auf dem Barcamp Saigon war. Ich hab da ein bisschen mitgeholfen bei der Organisation. Barcamps sind sogenannte Un-Konferenzen. Das sind Konferenzen, die einen etwas anderen Charakter haben. Man stellt eigentlich nur eine Location zur Verfügung und ein bisschen Infrastruktur und die Teilnehmer selber kommen an dem Tag hin und machen dann selber irgendwelche Workshops. Das wird nicht vorher angekündigt, sondern das wird “On the spot”, wie man so schön sagt, entschieden. Das Ganze ist immer eine IT-lastige Geschichte und deswegen findet das auch nicht so wirklich hier in der Wissenschaftssendung statt.

Das war’s dann wirklich für heute. Vielen Dank fürs Zuhören. Wie immer eine schöne Woche.

Transkription: Vera Ihrig für die Sprachenlernseite www.LingQ.com

WWWW vom 9.11.2008: Nachrichten aus der Wissenschaft

Kleine Bitte am Anfang: Wer eine Webseite hat, möge mir doch bitte einen Link schenken.. Danke!

Die Themen:
Gase im Container
Schiffscontainer werden häufig mit Gasen zur Schädlingsbekämpfung behandelt. Hafenarbeiter, die die Container öffnen, Lagerarbeiter, die die Ware danach umpacken und auch Verbraucher, die die Waren schließlich erwerben, können mit Rückständen dieser Gase in Kontakt kommen. Doch wie gefährlich ist das eigentlich?

Wenn Weibchen auch unattraktive Männchen mögen
Attraktive Männchen versprechen gute Nachkommen. Daher investieren die meisten Vogelweibchen viel Energie in ihre Brutversuche mit attraktiven Partnern. Anders bei den Zebrafinken. Gerade bei unattraktiven Männchen legt das Weibchen besonders große Eier, die viele Nährstoffe enthalten. Da die Partner ein Leben lang zusammenbleiben, gibt es für die Weibchen keinen Grund, Ressourcen für einen späteren, besseren Partner aufzusparen. Die geringe genetische Qualität des Männchen wird durch eine gute Eiqualität ausgeglichen.

Warum sterben die Amphibien?
Biologen des Museums für Naturkunde, der Charité und des Instituts für Biologie der Humboldt-Universität haben sich vorgenommen, einen Hauptverdächtigen für das weltweite Massensterben von Fröschen und anderen Amphibien genauer zu untersuchen: den Hautpilz Batrachochytrium dendrobatidis. Sie setzen dabei auch auf die Mithilfe der Bevölkerung.
Das gehäufte Auftreten toter Amphibien ohne erkennbare Todesursache sollte umgehend unter einer der Berliner Telefonnummern 20938728 (Torsten Ohst, Museum für Naturkunde) oder 51067701 (Frank Mutschmann, Exomed) oder per E-Mail (torsten.ohst@museum.hu-berlin.de) gemeldet werden.

Raupenspucke wirkt wie Spüli
Viele Raupenarten verteidigen sich gegen Angreifer, indem sie diese mit einem besonderen Sekret bespucken. Wie Würzburger Biologen jetzt zeigen konnten, enthält der Tropfen Spucke allerdings nicht immer ein abschreckendes Gift.

Neue Technik bei Magenkrebs-Operationen
Mit einer neuen minimal invasiven Technik können Ärzte jetzt in vielen Fällen während einer Magenspiegelung den Krebs gezielt entfernen, den Magen aber als Ganzes belassen. Möglich macht dies unter anderem die immer frühere und genauere Entdeckung bösartiger Veränderungen.


Umweltbelastende Subventionen
In Deutschland gab es im Jahr 2006 Subventionen von knapp 42 Milliarden Euro mit negativen Wirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Dies ist das Ergebnis der Studie des Umweltbundesamtes “Umweltschädliche Subventionen in Deutschland”. Die Palette der negativen Umweltwirkungen reicht von der Förderung des Klimawandels über die Beeinträchtigung der Wasser-, Boden- und Luftqualität bis hin zur Erhöhung der Flächeninanspruchnahme und der Verringerung der Artenvielfalt.

Marathon-Mäuse
Fehlt Mäusen ein Gen für ein bestimmtes Muskel-Protein, so entwickeln sie sich zu “Marathonläufern”: Im Lauftest sind sie deutlich ausdauernder als normale Mäuse. Sie laufen weiter und auch schneller.

Transkript:
Hallo und herzlich Willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe von Sonntag, dem 09. November 2008.

Zunächst einmal ein Dank an die Firmen Michelin, die mir mit Werbung ein bisschen geholfen haben, und wie immer LingQ.com, vor allem Vera Ihrig, die immer die Transkriptionen macht. Das heißt, also alles was ich sage hier, wird noch mal niedergeschrieben und kann dann auch auf meiner Webseite wissenschaft.wanhoff.de nachgelesen werden. So, und jetzt eine Bitte an alle, die eine eigene Webseite oder einen Blog haben: Ich würde mich freuen, wenn auf meine Seite verlinkt wird. Einfach einen Link setzen auf wissenschaft.wanhoff.de. Gerne setze ich auch Links wieder zurück. So, und jetzt geht’s in die Nachrichten.

Schiffscontainer werden häufig mit Gasen behandelt. Warum? Na ja, man braucht Schädlingsbekämpfung in diesen Schiffscontainern. Die sind ja lange unterwegs und deswegen muss man etwas gegen die Schädlinge tun. Das Problem dabei: Hafenarbeiter, die diese Container öffnen, Lagerarbeiter, die nachher mit der Ware, die da drin ist zu tun haben oder auch andere, Verbraucher, die nachher diese Waren vielleicht im Supermarkt kaufen, sind ja in einer Kette praktisch betroffen davon.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung, das hat sich jetzt mal ein bisschen genauer das Ganze angeschaut und hat gesagt, okay, wir haben Glück. Es gibt eigentlich nur leichte Gesundheitsbeeinträchtigungen im Zusammenhang mit diesen begasten Containern. Im Hamburger Hafen werden derzeit etwa neun Millionen Container jährlich umgeschlagen und von denen werden eben eine ganze Menge mit diesen Schädlingsbekämpfungsmitteln begast.

Und jetzt haben Messungen zumindest in den Häfen Hamburg und Rotterdam gezeigt, dass die Luft in vielen Containern doch höhere Konzentrationen von Chemikalien aufweist, als es eigentlich nach den Richtwerten des Arbeitsschutzes zulässig ist. Es geht dabei nicht nur allein um diese Begasungsmittel, sondern auch andere Chemikalien, die zum Beispiel beim Transport einfach aus den Produkten, die im Container sind, herauskommen, auf welche Art auch immer.

Eigentlich müssten nach international gültigen Vorschriften diese Container sogar als Gefahrgut befördert werden. Das passiert aber nicht. In Großbritannien und den Niederlanden hat man jetzt gesehen, dass viele dieser sogenannten begasten Container eben nicht als solches Gefahrgut befördert wurden und man kann davon ausgehen, dass das eine weltweite Praxis ist.

So, und jetzt war die große Frage, wie schlimm ist es denn für die Leute, die da arbeiten? Seit dem Jahr 2007 gab es 71 Fälle mit Hinweisen auf Gesundheitsbeeinträchtigungen nach dem Öffnen von solchen Containern. Das Problem: Das Bundesinstitut für Risikobewertung sagt, es gibt eine – ein sehr schöner Ausdruck – erhebliche Untererfassung. Früher nannte man das, glaube ich, Dunkelziffer.
In Einzelfällen hat man bei Lebensmitteln in Holland ein wenig Rückstände gefunden. An einigen Proben wurde dann untersucht, wie lange zum Beispiel Produkte in Textilien oder Möbeln, die in diesen Container sind, behaftet bleiben und da ist die gute Nachricht, sobald die rauskommen aus dem Container, ist nach einigen Stunden eigentlich nichts mehr nachzuweisen.

Eine interessante Nachricht vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen habe ich gefunden. Dabei geht es um die Attraktivität von Männchen und wie Weibchen damit umgehen. Bei den Zebrafinken ist das eine sehr interessante Sache, denn dort ist es so, dass bei unattraktiven Männchen das Weibchen besonders große Eier legt, die besonders viele Nährstoffe enthalten.

Normalerweise ist es ja so, dass die Weibchen sich gerade attraktive Männchen aussuchen, weil sie eben glauben, dass durch das attraktive Männchen und ihre Gene doch der Nachwuchs besonders gut ausgestattet sein wird.
Bei den Zebrafinken ist das ein bisschen anders. Erstens: Die Zebrafinken sind ein Leben lang zusammen, also die meisten zumindest und da gibt es für die Weibchen keinen wirklichen Grund, ihre Ressourcen aufzusparen, bis da mal ein Besserer kommt, sondern sie versucht eben, die geringe genetische Qualität des Männchens durch eine besonders gute Eiqualität auszugleichen.

Wenn das Vogelmännchen besonders attraktiv ist, dann bieten ja Weibchen besonders viel Energie für Brutversuche auf. Die Eier sind eigentlich dann verhältnismäßig groß oder enthalten eben viele Nährstoffe, aber eben anders, wenn es gar keinen Grund gibt.
Und die Wissenschaftler haben jetzt einen Versuch unternommen und haben Weibchen im Abstand von vier Monaten mit jeweils zwei verschiedenen Männchen verpaart. Jeweils ein Männchen war den Forschern aus anderen Versuchen als besonders attraktiv bekannt, während das Andere als besonders unattraktiv galt. Die attraktiven Vogelmännchen hatten neben einer festen Partnerin noch weitere Affären und zeugten mit diesen doch deutlich mehr Nachkommen. Wenn aber nun das Weibchen mit einem unattraktiven Männchen in einen Käfig gesetzt wurde, dann legt es größere Eier mit mehr Inhaltsstoffen, als wenn es mit dem hochattraktiven Männchen zusammen lebte. Das heißt mit diesem Verhalten versucht das Weibchen eben die Defizite zu kompensieren, die ihr Männchen in die Dauerehe bringt.

Wollen wir das jetzt mal auf den Menschen übertragen? Dann überlege ich, ist es so, dass Frauen größere Kinder gebären, wenn der Ehemann vielleicht nicht so attraktiv ist? Wäre mal interessant.

Biologen des Museums für Naturkunde der Charite und des Instituts für Biologie der Humbold-Universität in Berlin beschäftigen sich mit dem Massensterben von Fröschen und Amphibien. Das Ganze wird durch einen Hautpilz nämlich hervorgerufen und zwar weltweit. Der hat einen sehr unaussprechlichen Namen; deswegen verzichte ich jetzt darauf, ihn zu nennen. Es ist aber so, dass dieses Amphibiensterben auch nicht mehr vor Lebensräumen halt macht, die gar nicht durch menschliche Einflüsse irgendwie verändert wurden, sondern das ist mittlerweile wohl überall der Fall.
Verantwortlich für diese Entwicklung ist eine Infektionskrankheit, die durch diesen Hautpilz erst hervorgerufen wird. Dieser Pilz befällt die Keratinschichten der Haut. Beeinflusst so den Gas-, Flüssigkeit- und Mineralstoffwechsel. Die Haut verändert sich. Sie wird milchig, sie wird stumpf, die Amphibien werden lethargisch, essen nichts mehr, sitzen lange im Wasser und häuten sich so oft, bis sie schließlich sterben.

Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt wurde jetzt auf den Weg gebracht, dass auch von der DFG finanziert wird und das eben diese Phänomen untersuchen soll. Und da kann die Bevölkerung mitmachen und zwar: Wer ein gehäuftes Auftreten von toten Amphibien ohne erkennbare Todesursache sieht, der sollte sich unter der Telefonnummer Berlin, 209 387 28 bei Thorsten Ohst melden oder unter der Berliner Nummer 510 677 01 bei Frank Mutschmann. Das Ganze geht natürlich auch per E-Mail an Thorsten.Ohst(at)museum.hu-berlin.de. So können auch die Hörer von dieser Sendung bei Wissenschaft mitmachen.

Raupenarten verteidigen sich bisweilen gegen Angreifer, indem sie diese mit einem besonderen Saft bespucken, nämlich ein Sekret, was sie hervorwürgen. Und diese Spucke vertreibt dann in der Regel den Angreifer, aber diese Spucke enthält nicht wirklich immer ein abschreckendes Gift. Man weiß, dass die Raupen mit ihrer Mahlzeit wohl bestimmte Futterpflanzen aufnehmen, die dann im Oralsekret wohl wie ein Gift wirken können.

Würzburger Wissenschaftler haben jetzt gesagt, okay, wir gucken uns mal an, wie das denn tatsächlich wirkt und haben festgestellt, dieses Oralsekret ist eine Flüssigkeit, die stark Oberflächenaktiv ist. Vor allem bei Insektenarten, die sich von verschiedenen Pflanzen ernähren ist eigentlich die Gefahr viel zu groß, dass sie bestimmte Pflanzen nehmen müssen, um überhaupt diesen sogenannten Giftcocktail zu fabrizieren und deswegen gibt es auch eine zweite Linie dieser Verteidigung der Raupe. Ameisen haben zum Beispiel eine stark wasserabweisende Außenhaut. Diese zu benetzen ist eigentlich unmöglich. Die Spucke würde im Normalfall einfach abperlen.
Doch die Raupe kann mit ihrer Spucke die Oberflächenspannung des Wassers soweit verringern, dass sich die Spucke über die Ameisenfläche tatsächlich verteilen kann und was passiert ist, dass die Ameisen, die so benetzt sind, sich sofort anfangen zu putzen, ihren Angriff natürlich unterbrechen und somit der Raupe eine Möglichkeit geben, doch noch schnell abzuhauen.
Dieser Trick ist übrigens in der Landwirtschaft schon bekannt. Moderne Insektizide arbeiten auf ähnliche Weise. Sie nutzen oberflächenaktive Substanzen, um Schädlinge von der Ernte fernzuhalten. Selbst im heimischen Garten kennt man das. Blattläuse werden gerne einmal mit einer Seifenlösung besprüht. Seife ist nämlich auch ein hervorragendes Mittel, um die Oberflächenspannung von Wassertropfen zu senken.

Eine vielleicht gute Nachricht für Menschen, die an Magenkrebs leiden, zumindest in einem frühen Stadium. Man kann jetzt während einer Magenspiegelung den Krebs schon gezielt entfernen, den Magen aber als Ganzes belassen. Das sagt Privatdozent Dr. Siegbert Faiss, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Asklepios Klinik in Barmbek.

Er hat auf einer Konferenz vorgestellt, wie er das Ganze macht. Mit endoskopischen Kameras kann man ja heute sehr hochauflösende Bilder vom Zustand des Magens und seiner Schleimhaut machen und mit einem neuen Verfahren der Submukosa-Dissektion kann man eben da besser eingreifen. Hinter diesem Fachbegriff verbirgt sich nichts anderes als eigentlich das gezielte Abtragen von Teilen der Verbindungsschicht, dieser Submukosa, zwischen der Magenschleimhaut und der Magenwand.

Wenn der Krebs in die aus sehr glatten Muskelzellen bestehende Magenwand eingedrungen ist, ist eigentlich eine Totaloperation notwendig. Wird er aber als früher Krebs rechtzeitig erkannt, dann kann er eben noch mit dem Endoskop komplett aus dem Magen geschnitten werden.

Wichtig dabei ist auch die Ausbreitung in der Fläche. Generell gilt, je geringer die Ausbreitung in der Fläche und in der Tiefe, umso höher sind die Chancen mit einem minimalinvasiven Eingriff doch noch den Krebs rauszuschneiden. Das Ganze soll auch demnächst in der Speiseröhre angewandt werden. Die Ärzte glauben, dass sie da mit diesen Möglichkeiten die beste Chance haben, um diesen Krebs herauszubekommen.

Das Ganze funktioniert übrigens so, dass der Arzt bei dem Eingriff zunächst eine Flüssigkeit injiziert, die die erkrankte Schleimhautschicht von dem Untergrund abhebt. Danach schneidet er eben mit den Schneidewerkzeugen des Endoskops die Magenschleimhaut großflächig um die betroffene Stelle ein. Und dann wird in einem nächsten Schritt das Bindegewebe darunter abgelöst und so die betroffenen Flächen entfernt.

Man möge ja eigentlich glauben, dass der Bund, also die Regierung, alles tut um den Umweltschutz zu fördern. Dummerweise machen sie auch Sachen, die genau kontraproduktiv sind.

Das Umweltbundesamt hat in einer Studie herausbekommen, dass allein im Jahr 2006 Subventionen in Höhe von 42 Milliarden Euro in Projekte geflossen sind, die negative Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt haben. Eines der größten Probleme ist dabei der Bereich Energiebereitstellung und –nutzung. Dazu gehören auch noch Verkehr, Bau und Wohnungswesen sowie die Landwirtschaft.
Ein Beispiel: Energie- und Stromsteuerrecht, ungefähr 5 Milliarden Subventionen. Diese Subventionen begünstigen aber eigentlich den Energieverbrauch und stehen damit im Widerspruch eigentlich zu den Zielen des Klimaschutzes. Natürlich ist auch wieder die Befreiung des gewerblichen Flugverkehrs von der Energiesteuer für Kerosin ein Thema. Und damit entgehen zum Beispiel dem Staat auch Steuereinnahmen in Höhe von etwa 7 Milliarden Euro und es wird damit auch der Wettbewerb verzerrt zu Lasten emissionsarmer und umweltfreundlicher Verkehrsmittel, wie der Bahn, sagt das Umweltbundesamt. Und hier muss ich gleich eine Anmerkung machen. Vorsicht liebe Freunde, mit der Bahn von Frankfurt nach New York zu fahren, ist noch etwas schwierig. Also, das mag ein Grund sein oder das mag interessant für Strecken, die mit der Bahn noch zu bewältigen sind und da gilt für mich noch Mehdorn-Regel: Alles über 4 Stunden ist eine Zumutung. Aber bitte wir wollen nicht wieder anfangen mit irgendwelchen Schiffen über den Transatlantik zu fahren. Sondern ich glaube bei Fernreisen ist es immer noch so, dass da wohl das Flugzeug das bequemste und beste Reisemittel ist.

So, was haben wir noch? Zum Schluss noch eine kleine Meldung aus dem Universitätsklinikum in Heidelberg. Dort haben sich Forscher mit einem Muskelprotein bei Mäusen beschäftigt. Wenn man nämlich das Gen für dieses Muskelprotein entfernt, dann entwickeln die sich zu Marathonläufern. Es ist ein Protein, dass heißt Calsarcin 2.

Wenn die Mäuse genetisch so verändert werden, dass deren Muskeln dieses Protein nicht bilden können, dann passiert folgendes: Die Muskeln der Marathonmaus bilden sich aus überdurchschnittlich vielen sogenannten langsamen Muskelfasern. Die können zwar nicht besonders schnell reagieren, aber die können besonders lange arbeiten.

Das kennen wir ja. Also wir haben ja immer eine gesunde Mischung aus Muskeln, die sofort ansprechen, aber recht schnell ermüden und Muskeln, die eben nicht so sofort ansprechen, aber mit denen wir eben lange laufen. Und wenn man das Ganze jetzt eben umsetzt bei Mäusen, dann werden die tatsächlich zu sogenannten Marathonmäusen und können relativ lange laufen.

Ich hoffe mal, dass das nicht in die Sportforschung eingeht. Es soll eigentlich übrigens in die Herzforschung eingehen. Das ist der Grund, warum man sich damit beschäftigt. Man will versuchen, die Funktionsweise von solchen Muskeln und den Proteinen zu verstehen und damit eben Rückschlüsse auf den Herzmuskel auch zu machen.

Das war es schon wieder für heute. Ich bedanke mich wie immer fürs Zuhören und wünsche eine schöne Woche. Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für die Sprachenlernseite www.LingQ.com

WWWW vom 2.11.2008: Tabak hilft bei Atemwegserkrankungen

Das ist ntürlich Unsinn, was in der Überschrift steht – und auch wieder nicht. Immer mehr Krankheitserreger sind gegen Antibiotika resistent. Auf der Suche nach Alternativen gehen Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie neue Wege. Spezielle Eiweiße von Viren, die die Krankheitserreger befallen, werden dabei von gentechnisch veränderten Tabakpflanzen hergestellt.

Glühbirne ade – schon bald werden organische Leuchtdioden Licht in Räume bringen. Die Fraunhofer-Gesellschaft eröffnet in Dresden ein Zentrum für Organische Materialien und Elektronische Bauelemente.
Strahlend hell, brillant und flexibel – so soll die Zukunft aussehen: Großflächige Panels oder Folien beleuchten unsere Zimmer anstelle von grellen Glühbirnen oder flackernden Neonröhren. Möglich machen es leuchtende Kunststoffe: Organische Licht emittierende Dioden, kurz OLEDs.

Gentechnisch veränderte Pflanzen sollen schon in wenigen Jahren hochwertige Schmierstoffe produzieren, die sich beispielsweise zum Ölen von Motoren einsetzen lassen. Schon heute produzieren viele Pflanzen Substanzen, die der aus dem Pottwalkopf ziemlich ähnlich sind: Diese so genannten Wachsester beschichten beispielsweise die Blattoberflächen und verhindern so eine zu starke Verdunstung. http://icon.slu.se/ICON/

Fischereiforscher des vTI berichten im Internet über ihre aktuelle Grönlandreise.http://www.vti.bund.de

Ist bei einem Erwachsenen, etwa durch eine Linsentrübung, das Sehvermögen eingeschränkt, kann sich die Sehfunktion, beispielsweise nach einer Katarakt-Operation, wieder stabilisieren und das Sehvermögen erneut einstellen. Anders bei einem Kind: hier kann eine getrübte Augenlinse zu permanenter Blindheit führen. Die kortikale Plastizität in der Sehrinde, wie sie bei Kindern vorhanden ist, bildet sich im Laufe der Jahre zurück. Um die kortikale Plastizität oder Erkrankungen des Sehsystems zu erforschen, werden heutzutage oft Mäuse als Versuchstiere genutzt. In den letzten Jahren hatten Wissenschaftler mehrfach beschrieben, dass die kortikale Plastizität bei Mäusen – im Gegensatz zum Menschen – das ganze Leben über vorhanden ist.

Transkript:

Hallo und herzlich Willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 02. November 2008.

Wir wissen ja, in Deutschland aber auch hier in Asien schon, dass die Glühbirne ein bisschen ausgedient hat. Sie wird nämlich zusehends hier ersetzt durch Energiesparlampen oder auch durch neue Leuchtdioden und ganz chic sind da die sogenannten organischen Leuchtdioden oder OLED. Und um die besser produzieren zu können, gibt es jetzt in Dresden ein Zentrum für Organische Materialien. Wird von der Fraunhofer-Gesellschaft geleitet und dort möchte man mal ein bisschen forschen, wie man diese OLEDs in größerem Maßstab industriell auch produzieren kann.

Der Vorteil an diesen Dingern ist, sie sind strahlend hell, sie sind brillant, flexibel, man kann sich vorstellen, dass demnächst wir keine Deckenlampe mehr haben, sondern dass die ganze Decke eine Lampe ist oder vielleicht sogar die Wand eine Lampe ist aus der dann stufenlos dimmbar grünes, gelbes, “was weiß ich was” Licht herauskommt. Der Vorteil bei diesen Dingern ist, sie brauchen wenig Strom und sie können eigentlich auf beliebige Flächen aufgebracht werden.

Die ersten OLED-Lampen gibt es schon von Designern, aber man muss eben versuchen, jetzt diese Technik auch in den Massenmarkt zu bekommen, und deswegen gibt es das Center for Organic Materials and Electronic Devices Dresden. Und dort eben arbeiten die Fraunhofer-Forscher an der Entwicklung und Pilotfertigung organischer Leuchtdioden, die auf eben kleinen Molekülen basieren.
Übrigens, mit diesen neuen Anlagen lassen sich nicht nur diese organischen Beleuchtungssysteme herstellen, sondern auch organische Solarzellen.

Eine Meldung von der Universität Bonn. Die hat herausgefunden, gentechnisch veränderte Pflanzen sollen schon in wenigen Monaten, nein, in wenigen Jahren, hochwertige Schmierstoffe produzieren können, die man zum Beispiel zum Ölen von Motoren einsetzen kann.

Ein kleiner Blick zurück zeigt, dass diese Notwendigkeit, Motoren schmieren zu müssen, fast zum Aussterben der Pottwale geführt hat, denn in deren Schädeln befindet sich eine wachsähnliche Substanz, etwa 2000 Liter davon, die sich hervorragend als ein solcher Schmierstoff nutzen lässt. Als so die ersten Autos gebaut wurden, da hat man diese Wale deshalb auch gejagt, um diesen Schmierstoff dort herauszubekommen. Kann man sich natürlich ausrechnen, dass das Ganze nicht allzu lange funktionieren wird.
Mittlerweile hat man dann erkannt, dass es doch vielleicht besser ist, das Ganze aus Öl zu produzieren. Aber wir wissen ja, auch Öl ist nicht unendlich vorhanden, und deswegen schauen Wissenschaftler jetzt nach weiteren Möglichkeiten, Schmierstoffe zu produzieren und sind dabei auf Pflanzen gestoßen, die Substanzen produzieren, die der aus diesem Pottwalkopf ziemlich ähnlich ist. Das sind nämlich sogenannte Wachsester, und diese Wachsester um es genauer zu sagen, beschichten zum Beispiel Blattoberflächen und verhindern so eine zu starke Verdunstung bei der Pflanze.

Was man jetzt machen möchte ist, die Pflanzen dazu zu bringen, in ihren Samen große Mengen dieser Wachsester zu produzieren. Dann kann man sie nämlich später einfach auspressen und so diesen Inhalt gewinnen.

Die Wissenschaftler wollen jetzt mit einem Verwandten der Rapspflanze arbeiten. Die Samen von dieser Crambe abyssinica und einer Brassica carinata sind sehr ölreich. Das Öl zersetzt sich aber bei hohen Drücken und Temperaturen und deshalb will man jetzt versuchen, die Pflanzen eben gentechnisch zu verändern. Man will Erbanlagen der Ackerschmalwand einsetzen, weil die wiederum als Austrocknungsschutz an der Oberfläche ihrer Blätter diesen Wachsester produziert.

Die Forscher sagen, dass aus ökologischer Sicht das Ganze unproblematisch sei. Die Wachsester sind Naturprodukte. Die würden also nichts tun und kämen ohnehin in zahlreichen heimischen Gewächsen schon vor und die Beiden, diese rapsähnlichen Pflanzen, die könnten sich nicht mit anderen Nutzpflanzen kreuzen. Sagen die Wissenschaftler. Kann ich natürlich hier nicht nachprüfen.
Und, was vielleicht noch ganz wichtig ist, man braucht natürlich viel weniger Schmierstoffe, als man Kraftstoffe braucht und deshalb glaubt man, dass zumindest die Pflanzenproduktion für diese Schmierstoffe nicht wirklich eine große Konkurrenz zur Produktion von Pflanzen als Nahrungsmittel sein wird. Finde ich auf jeden Fall immer ganz gut, wenn so Pflanzen insofern verändert werden, um uns etwas unabhängiger vom Öl zu machen.

Wir bleiben noch bei den Pflanzen. Die schwitzen gelegentlich. Das hat man schon lange herausgefunden. Auf Licht- oder Hitzestress reagieren sie mit Schwitzen, sie dünsten dann einige flüchtige Substanzen aus. Eine davon ist das sogenannte Isopren und dieser Isopren-Kohlenwasserstoff, der da aus dem Pflanzenschweiß herauskommt, der hat einen interessanten Nebeneffekt, von dem man nicht genau weiß, welchen Sinn der hat. Der verjagt nämlich Insekten, die eigentlich zum Schutz der Pflanze da sind.

In einer Arbeit, die jetzt in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, zeigen Wissenschaftler eben wie diese Pflanzen schwitzen und haben dann herausgefunden, wie dieser Duft Insekten, die eigentlich schützen sollen, plötzlich vertreibt.

Das Ganze ist gemacht wurden am Institut für Meteorologie und Klimaforschung. Und in einer anderen Forschung konnte man eben nachweisen oder bestätigen, dass diese Insekten überhaupt Isopren riechen können. Das bedeutet also, es gibt Schutzmechanismen von Pflanzen, mit denen sie zum Beispiel bestimmte Wespenarten anziehen, die dann wiederum irgendwelche Schädlinge fressen, aber wenn’s richtig stressig wird, dann versagen eben sogar diese Schutzmechanismen und dann hilft eigentlich nur noch, diese Substanz, die ausgedünstet wird wenn die Pflanze schwitzt.

Für alle, die sich interessieren, was im Moment in Grönland los ist, gibt es ein interessantes Projekt der Fischereiforscher der Johann Heinrich von Thünen-Institut. Diese Forscher sind nämlich derzeit an der Südspitze Grönlands und forschen da. Das Interessante ist, sie berichten über ihre Forschung im Internet und zwar unter der Adresse www.vti.bund.de. Dort gibt es die Rubrik Aktuelles/Forschungsreisen und etwa alle acht bis zehn Tage gibt es einen neuen Bericht über die Forschungen dort in Grönland. Es geht dabei unter anderem um die Kabeljaubestände, wie die sich dort entwickeln.

Wir wissen ja, dass immer mehr Krankheitserreger sich überhaupt nicht dafür interessieren, ob der Patient Antibiotika nimmt oder nicht. Sie sind resistent. Am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie will man jetzt neue Wege gehen und man weiß, dass spezielle Eiweiße von Viren, diese Krankheitserreger befallen, von gentechnisch veränderten Tabakpflanzen hergestellt werden können.

Bisweilen werden ja Erkrankungen von Bakterien ausgelöst. Ein solches Bakterium ist Streptococcus pyogenes. Das ist ein Erreger von verschiedenen Atemwegs- und Hautkrankheiten. Er wird durch spezifische Viren, sogenannte Bakteriophagen befallen, die dann das Bakterium am Ende des viralen Vermehrungszyklus auflösen. So, und diese Bakteriophagen, die werden praktisch gestartet durch sogenannte Lysine. Das ist dann ein bestimmtes Eiweiß, das spezifisch gegen einige Bakterienstämme wirkt.

Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für diese molekulare Pflanzenphysiologie ist es nun gelungen, das Gen für dieses Lysin in Chloroplasten der Tabakpflanze einzufügen. Dort produziert es nämlich Lysin in großer Menge. In großer Menge heißt, 70 Prozent des gesamten Proteins der Pflanze ist dieses Lysin.
Finde ich ja ganz interessant, dass ausgerechnet eine Tabakpflanze helfen kann, Atemswegerkrankungen demnächst zu heilen. Übrigens, diese Chloroplasten, das noch zur Erklärung, das sind die Orte der Photosynthese in der pflanzlichen Zelle und sie eignen sich deshalb gut als Produktionsort für Eiweiße, weil sie über eigene Erbinformationen verfügen und in sehr vielen Exemplaren der Zelle vorkommen.

Eine interessante Forschung, die zwar nur ein Randeffekt hat, aber so was muss halt auch gemacht werden, kommt aus Jena. Dort hat man sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit denn Mäuse wirklich valide sind, wenn man sie als Versuchstiere für bestimmte Erkrankungen des Sehsystems nimmt. Es geht hierbei konkret um die getrübte Augenlinse beim Kind. Beim Kind kann das nämlich zu einer permanenten Blindheit führen.

Es gibt eine sogenannte kortikale Plastizität in der Sehrinde, wie sie bei Kindern eben vorhanden ist, die sich im Laufe der Jahre zurückbildet. Diese kortikale Plastizität bezeichnet die Eigenschaft der Nervensynapsen und –zellen in der Großhirnrinde, sich abhängig von deren Verwendung in ihren Eigenschaften zu verändern.
Wenn jetzt bei Kindern durch diese Linsentrübung keine Sehimpulse ins Gehirn mehr kommen, dann trennen sich die Fasern zwischen Auge und Gehirn endgültig. Beim Erwachsenen kann sich dieser Zustand hingegen wieder stabilisieren.
Jetzt hat man gesagt, okay, wir versuchen jetzt da ein bisschen zu forschen und Medikamente auszuprobieren und können das natürlich nicht zunächst bei Kindern machen. Also hat man gesagt, wir nehmen Mäuse. Da gab es aber ein Problem. In der bisherigen wissenschaftlichen Forschung sagte man, bei Mäusen geht das nicht, denn diese kortikale Plastizität bei Mäusen ist das ganze Leben über vorhanden. Und deswegen sind sie nicht vergleichbar mit dem Menschen.

Professor Sigrid Löwel hat sich das mal genau angeschaut und hat gesagt, tja, ihr habt ja nur Mäuse verwendet, die relativ jung waren, nämlich höchsten drei Monate alt. Wenn man sich hingegen Mäuse anguckt, die älter sind, also älter als 110 Tage, dann sieht das schon wieder ganz anders aus. Dann verhalten sie sich in der Tat wie die Menschen.

Wie hat man das Ganze herausbekommen? Man hat versucht, Aktivitäten im Gehirn sichtbar zu machen, bei diesen älteren Mäusen. Dabei wird dann das Gehirn der Maus mit einem dunkelroten Licht bestrahlt und durch eine Kamera beobachtet. Erhöhte Aktivität im Gehirn führt zu einer erhöhten Konzentration von einem bestimmten Hämoglobin, das die rote Strahlung stärker absorbiert. Das heißt, aktive Gehirnbereiche erscheinen dunkler als inaktive Gehirnbereiche.
Dann hat man mit den Mäusen einen Verhaltenstest durchgeführt und zwar wurde die Sehschärfe mit Hilfe eines bestimmten Apparates gemessen. In einer Art Arena, in einer Box, wurden dann senkrechte Streifen auf die Innenwände projiziert und entweder nach rechts oder nach links bewegt. Mäuse folgen natürlich mit dem Kopf diesen Streifen und deswegen konnte man beobachten, ob sie die Streifen überhaupt sehen oder nicht.

Das war es für heute. Ich muss mal gerade gucken. Wir sind bei 11 Minuten, sagt mein Computer. Ich denke, das ist eine gute Zeit. Das war’s dann auch schon mit den Nachrichten, die ich für diese Woche habe. Wie immer bedanke ich mich recht herzlich bei all meinen Hörern fürs Zuhören und wünsche wie immer eine schöne Woche. Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für die Sprachenlernseite www.LingQ.com