WWWW vom 28.6.2009: Nachrichten aus der Wissenschaft

Um schnell veränderliche Viren erfolgreich erkennen und bekämpfen zu können, muss das menschliche Immunsystem enorm anpassungsfähig sein. Viren dringen in die Zellen ein und beuten sie zu ihrer eigenen Vermehrung aus. Um Immunzellen außerhalb der Zellen auf die Eindringlinge aufmerksam zu machen, leistet sich der menschliche Körper einen energieaufwendigen Prozess: Permanent transportieren die Zellen Teile der entstehenden Abbauprodukte (Peptide) an ihre Oberfläche und präsentieren sie den hoch spezialisierten Zellen des Immunsystems.

Wird dabei die körperfremde Struktur eines Virus entdeckt, wird ein komplexer Abwehrmechanismus aktiviert. Im Zellinneren ist für das Präsentieren der Abbauprodukte eine komplexe Maschinerie (der Peptidbeladungskomplex) verantwortlich, die 1000-fach größer ist als die zu transportierenden Peptide. Manchen Viren gelingt es jedoch, diesen Mechanismus auszutricksen, indem sie den Peptidebeladungskomplex lahmlegen. Über die Strategien der Viren berichten Prof. Robert Tampé und Dr. Daphne Nikles in der aktuellen Ausgabe von “Forschung Frankfurt”.

———————-

Biologen der Universität Bonn
haben das Paarungsverhalten bei Buntbarschen untersucht und eine einzigartige Entdeckung gemacht: Obwohl beide Geschlechter große Partner attraktiv finden, paaren sie sich meist mit Artgenossen, die ähnlich groß sind wie sie selbst – frei nach dem Motto: Auf jeden Topf passt ein Deckel! Die Ergebnisse sind jetzt in der Zeitschrift BMC Evolutionary Biology erschienen.

—————-
US-Forscher haben einen Farbstoff entwickelt, mit dem sich schnell und einfach die Anwesenheit von Ozon in der Luft nachweisen lässt. In Wasser gelöst und beispielsweise auf Papier aufgetragen, reagiert die Substanz so spezifisch mit dem aggressiven Gas, dass sie in Zukunft auch für den Hausgebrauch eingesetzt werden könnte, betonen die Wissenschaftler. So könnten beispielsweise Menschen mit Atemwegsproblemen abschätzen, wie viel Ozon sie in ihrem täglichen Leben ausgesetzt sind, und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.
————-

Bei Kosmologs habe ich eine ziemlich coole Erklärung über Nachtwolken gefunden, wie sie entstehen und warum nan sie überhaupt sehen kann in der Dunkelheit.

—————–

Manchmal hilft der Zufall der Wissenschaft. So hat sich der Ultraschall in jüngster Zeit als Diagnosemethode für die Nervenerkrankung Morbus Parkinson etabliert. Damit lassen sich typische Veränderungen im Hirngewebe frühzeitig erkennen, die mit den bisher verfügbaren Methoden nicht zu sehen waren. Ärzte haben diese Fähigkeit des Ultraschalls bei einer ganz anderen Patientengruppe entdeckt: Jenen, die an Gefäßerkrankungen leiden und bei denen ein Ultraschallbild der Gefäße im Schädel zur Routineuntersuchung zählt.

—————-
Künstliche Leber als Modell
Die Leber ist eines der wichtigsten Stoffwechselorgane des Menschen. Fraunhofer-Forscherinnen entwickelten ein Lebermodell, das außerhalb des Körpers funktionsfähig und geeignet zum Testen von Medikamenten ist.
Heuschnupfen, Kopfschmerzen oder eine Erkältung – kurz ist der Weg in die nächste Apotheke. Die Entwicklung der Medikamente kann hingegen acht bis zehn Jahre dauern. Ein bislang wesentlicher Schritt sind Tierversuche – die immer wieder ethische Probleme aufwerfen.
Die Meldung hatte ich ja schonmal, warte noch auf Rückmeldung der Forscherinnen, was jetzt neu ist.

WWWW vom 21.6.2009: Bakterien im Gletschereis

Wie groß Vögel prinzipiell werden können, ist durch das Wachstum ihrer Federn limitiert: Je größer ein Vogel ist, desto längere Flugfedern braucht er und desto schneller müssen die Federn während der Mauser nachwachsen, damit er noch fliegen kann. Bei großen Vögeln wachsen die Flügel im Verhältnis zur Körpermaße jedoch viel langsamer als bei kleinen, haben nun Wissenschaftler um Sievert Rohwer von der Universität in Washington herausgefunden. Während der Mauser – also der Zeit, in der Vögel ihr Federkleid auswechseln – erreichen große Vögel dabei irgendwann eine Grenze, bei der sie die längeren Flugfedern nicht mehr ersetzen können.

Die meisten Vogelarten sind sozial monogam. Aber der soziale Vater ist längst nicht immer auch der genetische Vater der Jungvögel. Dies ergaben molekulare Vaterschaftsanalysen in den letzten Jahrzehnten. Warum sind außerpaarliche Vaterschaften so häufig? Weibchen können dadurch keine zusätzlichen Nachkommen erzeugen, warum machen sie dieses Spiel mit?

Nicht nur Erdbeben, auch Unterwasser-Lawinen, so genannte Hangrutschungen, an Kontinentalhängen können Tsunamis auslösen. Im Südwestatlantik vor Uruguay und Nord-Argentinien können diese Prozesse besonders gut erforscht werden, denn dort schwemmt der Rio de la Plata große Mengen Sediment wie Schlamm, Sand oder Steine in die flachen Küstenmeere, von wo aus sie weiter in die Tiefsee rutschen. Unter Leitung von Prof. Sebastian Krastel vom Exzellenzcluster “Ozean der Zukunft” untersuchten 28 Wissenschaftler aus Kiel und vom Bremer MARUM mit dem Forschungsschiff METEOR Sedimenttransport und Stabilität der Kontinentalhänge vor der Küste Argentiniens und Uruguay.

Between 2003 and 2007, the progress made in the 1990s and early 2000s in improving teen contraceptive use and reducing teen pregnancy and childbearing stalled, and may even have reversed among certain groups of teens, according to the study “Changing Behavior Risk for Pregnancy Among High School Students in the United States, 1991�,” by John S. Santelli, MD, MPH, professor and chair of the Heilbrunn Department of Population and Family Health at Columbia University Mailman School of Public Health in conjunction with researchers at Guttmacher Institute.

Embryonalzellen haben wie metastasierende Krebszellen die Fähigkeit, zu wandern und in andere Gewebe einzudringen. Anhand von Untersuchungen an Froschembryonen konnten nun KIT-Wissenschaftler erstmals belegen, dass eine bekannte Verbindung, Cadherin-11, ausschlaggebend für die Zellwanderung ist. Dieses Glykoprotein ist auch verantwortlich für das fehlerhafte Zellverhalten bei Prostatakrebs und Arthritis.

Türgriffe und Lichtschalter aus Kupfer sind ein wirksames, zusätzliches Mittel um die Verbreitung von gefährlichen Keimen in Krankenhäusern zu stoppen. Das ist das Ergebnis eines weltweit beachteten Feldversuchs in der Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg. Dabei wurden jeweils über mehrere Monate hinweg im Sommer 2008 und im Winter 2008/2009 zwei Krankenhausstationen mit Türgriffen, Türplatten und Lichtschaltern aus speziellen Kupferlegierungen ausgestattet.

Aus scienceticker.info
Eine neue Bakterienart haben amerikanische Mikrobiologinnen in rund 120.000 Jahre altem Eis von Grönland entdeckt. Durch schonendes Erwärmen zu neuem Leben erweckt, wuchsen die winzigen Mikroben zu leicht bräunlichen Kolonien heran.

WWWW vom 7.6.2009: Was man aus Holz machen kann

… ist nicht nur ein Schreibtisch oder Papier. Auch Dämmstoffe und Medikamente. Bisher bleibt das Potenzial von Holz als nachwachsendem Rohstoff größtenteils ungenutzt: So landet die Grundsubstanz Lignin, die ein Drittel des Holzes ausmacht, zu 95 Prozent in den Öfen der Zellstofffabriken. Doch Lignin kann mehr sein als Brennstoff, zum Beispiel ein hochwertiger Humusersatzstoff. Wie aus Holz zudem Dämmstoffe, Abluftfilter und Medikamente entstehen, erläutert die aktuelle Ausgabe der “Nachrichten aus der Chemie”.

Ungenutzte Abwärme wie die Körpertemperatur lässt sich mit thermoelektrischen Generatoren in elektrischen Strom verwandeln. Das erhöht die Effizienz von Prozessen und ermöglicht energieautarke Systeme. Beides verspricht große Marktchancen. Mehr als 400 Experten diskutieren darüber in Freiburg (Brg.) vom 26. bis 30. Juli 2009 auf der 28th International Conference on Thermoelectrics. Mehr als 60 Prozent der insgesamt verbrauchten fossilen Primärenergie verpuffen laut einer Studie des Lawrence Livermore National Laboratory ungenutzt als Wärmeenergie. Thermoelektrische Generatoren (TE-Generatoren) sind in der Lage, den als Wärme verlorenen Energieanteil z.B. in Feuerungsanlagen, in industriellen Prozessen und besonders im Automobil zumindest teilweise zu verwerten und in elektrischen Strom umzuwandeln. Dass dies funktioniert, beweisen TE-Generatoren im Weltraum, wo sie schon seit Jahrzehnten als äußerst zuverlässige Energielieferanten für Sonden und Satelliten arbeiten – emissionslos, geräuschlos und vibrationsfrei.

Kartoffel- und Reissäcke können helfen, Gebäude vor Erdbebenschäden zu schützen- das verspricht eine neue Methode, die an den Instituten für Werkstofftechnik und für konstruktiven Ingenieurbau der Universität Kassel entwickelt wurde. Durch nachträgliches Aufkleben von Naturfasergewebematten wird das Mauerwerk verstärkt und so das Einsturzrisiko verringert.

Universität Kassel-Absolvent Dipl.-Ing. Amin Davazdah Emami erprobte die im Rahmen seiner Doktorarbeit entwickelte Methode im Iran: Mit Unterstützung der UNESCO startete er ein Pilotprojekt zum Wiederaufbau des iranischen Weltkulturerbes “Arg-é Bam”, das bei einem Erdbeben im Jahr 2003 zerstört wurde.

Organspende: Rund 800 Menschen sind es pro Jahr, die in Deutschland dringend ein neues Herz benötigen. Sie wissen, dass es um Leben oder Tod geht, während sie auf der Warteliste für eine Transplantation stehen. Denn ihr eigenes Herz ist zu krank, um jemals wieder normal schlagen und dauerhaft seine lebensnotwendigen Funktionen ausüben zu können. “Der jährliche Bedarf an Spenderherzen für die lebensrettende Transplantation ist damit mehr als doppelt so groß wie die Zahl der verfügbaren Organe – und ein Viertel der Patienten wird eine mehrjährige Wartezeit nicht überleben”, sagt Prof. Dr. med. Friedhelm Beyersdorf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie.
Ein Organspendeausweis kann kostenlos bei der Deutschen Herzstiftung über die Telefonnummer 069 955128-0 bzw. mit einer E-Mail an info@herzstiftung.de oder bei der DGTHG über die Telefonnummer 030 28004-370 bzw. mit einer E-Mail an sekretariat@dgthg.de angefordert werden.

Kindchenschema untersuch: Ein süßes Gesicht wirkt im Kopf: Wissenschaftler der Universitäten Münster und Pennsylvania (USA) haben erstmalig eine Region im Gehirn identifiziert, die bei Frauen durch das Betrachten niedlicher Kindergesichter aktiviert wird. Dieses tief im Gehirn liegende Gebiet ist auch als Belohnungszentrum bekannt.

Das Kindchenschema, das als niedlich empfunden wird, beinhaltet eine Reihe kindlicher Körpermerkmale, zum Beispiel einen großen Kopf mit hoher Stirn, runden Wangen und großen Augen. Zahlreiche Verhaltensstudien bestätigen die Wirkung des Kindchenschemas auf Erwachsene.

Wissenschaft.de
Hoch aufragende Bergmassive, von Flüssen durchströmte Senken, Hochtäler, die von Gletschern immer weiter eingeschnitten werden: Vor 34 Millionen Jahren muss die Antarktis ähnlich ausgesehen haben wie heute die Alpen. Das schließen Wissenschaftler eines internationalen Forscherteams aus Radardaten, die chinesische Forscher im Gamburzew-Gebirgsmassiv im Zentrum des Kontinents gesammelt haben. Die kilometerdicken Eismassen haben das ursprüngliche Relief des Gebirges wohl viele Millionen Jahre lang bewahrt, schreiben die Forscher um Sun Bo vom Polarforschungsinstitut in Shanghai.

Proteine, die in Zellen vielfältige Aufgaben übernehmen, werden oft von ihrem Herstellungsort in der Zelle über größere Distanzen an ihren späteren Wirkungsort transportiert. Eine “Sonderbehandlung” genießen dabei die Proteine, die später in Peroxisomen, bestimmten Zellorganellen, tätig werden: Anders als andere Proteine werden sie fix und fertig in gefaltetem, d.h. funktionsfähigem Zustand befördert. Bochumer Forscher um Prof. Dr. Ralf Erdmann und PD Dr. Wolfgang Schliebs haben diesen Transportprozess jetzt erstmals experimentell analysiert.

Mehr zu diesen Themen kann man im Podcast hören!

ACHTUNG: EINE WOCHE PAUSE. DER NÄCHSTE PODCAST KOMMT AM 23.6.2009!