WWWW vom 28.12.2009: Grünes Gold und Altes Brot in neuen Öfen

Kleine Werbung für einen Podcastkollegen: Markus Völter macht den Omegatau-Podcast. Hochinteressante Wissenschaftsthemen.

Das Gehirn besser verstehen

Damit Gehirnzellen kommunizieren können, müssen ihre Kontakte untereinander funktionieren. Dabei spielt das Eiweißmolekül Neuroligin-1 eine wichtige Rolle, da es die notwendigen Reifungsprozesse an den Kontaktstellen der Nerven (Synapsen) stimuliert. Möglicherweise ist eine Störung der Synapsenreifung auch an der Entstehung von Autismus beteiligt. Diese Ergebnisse haben Dr. Thomas Dresbach und sein Team vom Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Thomas Kuner im gleichen Institut und Professor Dr. Nils Brose, Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen, in der international renommierten Zeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) veröffentlicht.

Aus Brot mach Energie

Christian Alber, Absolvent der Hochschule Esslingen hat am Freitag 18. Dezember 2009 in der Bäckerei Alber in Filderstadt seine Bachelorarbeit präsentiert und die Ergebnisse sind beachtlich. Jährlich fallen alleine in Südwürttemberg um die 10 000 Tonnen Altbrot an. Diese könnten statt aufwendig entsorgt zukünftig nachhaltig energetisch verwertet werden. Für eine der denkbaren Verwertungsmöglichkeiten hat Christian Alber ein Verfahren entwickelt, das den Energiegehalt des Altbrotes zum Backen frischen Brotes nutzt – und gleich ein Patent darauf angemeldet.

Erdnüsse: Warnhinweis für Eltern???

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) liegen Daten vor, nach denen es sich bei von Kleinkindern verschluckten Fremdkörpern oftmals um Nüsse, insbesondere Erdnüsse handelt. Das Risiko, Nüsse oder Nussteile zu verschlucken, die dann in die Atemwege gelangen, ist für Kleinkinder signifikant höher als das Risiko, Kleinteile von Spielzeug zu verschlucken. Nüsse können aufgrund ihrer Form und geringen Größe sowie öligen Oberfläche leichter in die Luftröhre und die tiefen Bereiche der Luftwege gelangen als andere Lebensmittel.

Laserinduzierte Protonenstrahlen mit Wassertröpfchen

Physiker des Max-Born-Instituts haben Tröpfchen eines feinen Wasserstrahls mit ultrastarken Laserblitzen beschossen und konnten dadurch gerichtete Protonenstrahlen erzeugen. Laserinduzierte Protonenstrahlen haben eine hervorragende Strahlqualität und könnten deshalb für bestimmte Anwendungen in der Medizin oder der Materialanalytik eine Alternative zu den herkömmlichen Beschleunigern darstellen.

Grünes Gold

In der Weihnachtszeit blinkt und glitzert es überall. Rund 60 Tonnen Gold werden jährlich in Deutschland verarbeitet, ein Viertel davon für die dekorative Beschichtung von Geschmeide. Unter großem technischem und mitunter umweltschädlichem Aufwand werden Gold, Platin und Co., deren verfügbare Reserven endlich sind, der Erde abgerungen und mit Zyanid vom Stein gelöst.

WWWW vom 20.12.2009: Warum Jugendliche traurig sind

Wer es sehen möchte, ich war im ZDF heute journal, weil ich einem Videoaufruf gefolgt bin!

Die Themen heute:

Blick in die Zukunft am Meeresboden

Papua Neuguinea ist eine Insel, die durch Prozesse im Erdinnern Zentimeter für Zentimeter auseinander gerissen wird. Dazwischen entsteht – in geologisch kurzer Zeit – ein neuer Ozean, in dieser Form weltweit einzigartig. Geologen des IFM-GEOMAR, Kiel haben jetzt ein wichtiges Stück des Meeresbodens vor Neuguinea erstmals hochauflösend kartiert und beprobt: Möglich wurde dies Dank des hochmodernen autonomen Unterwasserfahrzeugs ABYSS.

Links:
http://Woodlark Projekt – www.ifm-geomar.de/index.php?id=woodlark Woodlark
http://AUV ABYSS – www.ifm-geomar.de/index.php?id=auv AUV ABYSS

Blick in die Vergangenheit am Himmel

Der gesamte Himmel schimmert im Infrarotlicht. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik haben nun mit ihren Kollegen aus anderen Institutionen diese schwache kosmische Strahlung in einzelne Quellen aufgelöst – offenbar ferne Galaxien. Dabei werteten die Forscher erste Beobachtungen mit dem PACS-Instrument an Bord des europäischen Weltraumteleskops Herschel aus. Diese Ergebnisse versprechen ein besseres Verständnis von der Entwicklung der Milchstraßensysteme.

Mehr zum Thema PACS Experiment

Blick in Fitnesstudios

Weit mehr als eine Millionen Freizeitsportler in Deutschland begehen Medikamentenmissbrauch, um ihre Fitness zu steigern oder ihre Körperoptik aufzupolieren. Davon geht der Sportwissenschaftler Mischa Kläber vom Institut für Sportwissenschaften der TU Darmstadt aus, der in seiner Studie erstmals zeigt, dass Fitnessstudios und Sportvereine oft regelrechte Verschiebebahnhöfe für Dopingmittel sind.

Blick ins Inner unseres Körpers

Kieler Wissenschaftler haben in Kooperation mit Kollegen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und der Technischen Universität Dänemark in Lyngby ein neues Verfahren entwickelt, um die Anhaftungsmechanismen von Bakterien an Wirtszellen zu untersuchen. Dadurch lassen sich wichtige Rückschlüsse auf die Verbreitung von bakteriellen Infektionen und die Wirksamkeit von Medikamenten ziehen.
In der Zeitschrift Chemical Communications der Royal Society of Chemistry veröffentlichten Doktorandin Mirja Hartmann und Professorin Thisbe Lindhorst, beide Otto Diels-Institut für Organische Chemie der Christian-Albrechts-Universität, eine neue Methode, die den molekularen Mechanismen beim ‘Andocken’ von Bakterien an menschliche Zellen auf den Grund geht.
Bakterien
Auf der künstlichen Zuckeroberfläche (unten) werden zwei Bakterienarten aufgebracht. Links ein Bakterium, dessen Fimbrien mit Biotin markiert sind. Dieses Biotin geht eine Verbindung mit einem speziellen Protein ein, das durch Grünfärbung sichtbar gemacht werden kann. Rechts ein Bakterium, dessen Struktur so verändert wurde, dass es fluoresziert.
Copyright: Mirja Hartmann, Quelle: www.rsc.org

Blick in die Psyche von Jugendlichen

Heranwachsende haben nicht nur häufiger Stimmungstiefs im Vergleich zu Erwachsenen, sie versuchen auch öfter, negative Gefühle zu erhalten oder zu verstärken. Mit zunehmendem Alter scheint sich dieses Muster umzukehren. Insbesondere Menschen über 60 Jahren fühlen sich im Alltag emotional nicht nur häufig wohler als Jüngere, sondern neigen auch häufiger dazu, ihre positiven Gefühle aufrecht zu erhalten und negative Gefühle, wie zum Beispiel Ärger, dämpfen zu wollen. Diese als kontra- bzw. pro-hedonisch bezeichneten Verhaltensmuster beobachteten Wissenschaftler des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und des Sozioökonomischen Panels.

Die Studie im einzelnen

WWWW vom 13.12.2009: mit einem Tag Verspätung

Sorry, die Sendung war schon fertig, aber ich habe gestern vergessen, sie zu veröffentlichen (wegen Barcamp Saigon).

Zellen altern – aber wie?

Zellen altern umso schneller, je aktiver der Stoffwechsel ihres Organismus ist. Dabei entstehen freie Radikale, die Zellen schädigen. Wie diese jedoch das Altern beeinflussen, ist umstritten. Die Identifizierung von 93 Mutationen, die Hefezellen ein Überleben für mehrere Jahre bei vier Grad Celsius ermöglichen, bietet nun neue Einblicke in diesen Prozess.

Langes Leben besser als Nachkommen?

Eine neue Studie des Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns könnte helfen, den positiven Effekt von diätischer Ernährung auf die Gesundheit besser zu verstehen. Bereits früher haben wissenschaftliche Erkenntnisse an verschiedenen Organismen – unter anderem der Fruchtfliege und Maus – gezeigt, dass kalorienarme Kost die Lebensdauer erhöht. Allerdings wird dies mit einer verringerten Fruchtbarkeit “erkauft”. So vermehren sich weibliche Fruchtfliegen trotz längerer Fruchtbarkeitsperiode seltener, wenn sie auf Diät gesetzt sind. Dies ist das Ergebnis eines evolutionären Handels, vermuten Forscher: Essenzielle Nahrungsbestandteile werden in ein längeres Leben investiert statt in die Reproduktion.

Sintflut im Mittelmeer

Als vor etwa 5,3 Millionen Jahren der Atlantik in das trockengefallene Mittelmeer überlief, kam es zu einer Sintflut biblischen Ausmaßes. Zu diesem Schluss kommen spanische und französische Geowissenschaftler nach der Analyse von Messdaten und Modellrechnungen. Pro Sekunde strömten demnach bis zu 100 Millionen Kubikmeter Wasser durch einen immer tiefer werdenden Kanal zwischen Nordafrika und der Iberischen Halbinsel. (via Scienceticker.info)

WWWW vom 6.12.2009: Sonnenflecken und das Jahr 2012

Sun by Nasa

Heute eine Sonderausgabe zum Thema 2012 und der Aktivität der Sonnenflecken, inspiriert duirch den Film und einen Beitrag in meinem drop.io-Account. Vielen Dank dafür.

Im wesentlichen beziehe ich mich auf drei Quellen heute:
Weltklima beschreibt das Phänomen der ausgebliebenen Sonnenfelcken unter anderem so:

Im Internet beschreibt die NASA das Phänomen so: „Der aktuelle Zyklus der Sonnenflecken ähnelt ein wenig dem Börsengeschehen. Immer wenn man glaubt, er sei ganz unten, geht es noch tiefer.“ Schon 2008 war die Sonne an 266 von 366 Tagen fleckenlos. Das entspricht einer Quote von 73 Prozent. Im laufenden Jahr stieg die Rate bis Anfang Mai auf 86 Prozent. „Das ist die ruhigste Sonne, die wir seit fast einem Jahrhundert gesehen haben“. Weshalb das so ist, und wie lange dieser Zustand anhalten wird, darüber rätseln Sonnenforscher weltweit.

Mein Kollege bei Scienceblogs.de, Florian Freistetter von Astrodicticum Simplex, schreibt:

Es ist vielleicht hilfreich, zuerst einmal ein wenig über die Vorgänge auf der Sonne zu erklären. Dort geht es ganz schön rund. Von der Erde aus mag die Sonne wie eine makellose Kugel aussehen – in Wahrheit geht es drunter und drüber: Protuberanzen werfen Material der Sonne weit über ihre Oberfläche hinaus und in einem weiten Bogen fällt es wieder zurück. Bei koronalen Massenauswürfen wird Material überhaupt gleich ins All geschleudert. DunkleSonnenflecken zeigen sich auf der Oberfläche der Sonne.
Das klingt doch alles irgendwie gefährlich. Ist es aber nicht wirklich. Wie “wild” sich die Sonne verhält, hängt vom Magnetfeld der Sonne ab. Das ist nämlich nicht konstant sondern unterliegt zyklischen Änderungen.

Und schliesslich habe ich bei Astronews gefunden, warum nun die Flecken tatsächlich länger gebraucht haben: Es lag an den langsameren Plasmaströmen.

Und ganz zum Schluss noch zur Frage wie ungewöhnlich das alles ist, ein Statement vom Solar Prediction Panel:

Solar Cycle 24 Prediction Update The Solar Cycle 24 Prediction Panel has reached a consensus decision on the prediction of the next solar cycle (Cycle 24). First, the panel has agreed that solar minimum occurred in December, 2008. This still qualifies as a prediction since the smoothed sunspot number is only valid through September, 2008. The panel has decided that the next solar cycle will be below average in intensity, with a maximum sunspot number of 90. Given the predicted date of solar minimum and the predicted maximum intensity, solar maximum is now expected to occur in May, 2013. Note, this is a consensus opinion, not a unanimous decision. A supermajority of the panel did agree to this prediction.