WWWW vom 27.10.2010: Bananenblätter leuchten blau

Leuchtende Bananenblätter

Meine erste Banane
Gelbe Blätter von Bananenpflanzen leuchten blau, wenn man sie im UV-Licht betrachtet. Diese Lumineszenz wird von Abbauprodukten des grünen Blattfarbstoffs Chlorophyll erzeugt, die auf eine ganz einzigartige Weise mit speziellen Zuckermolekülen bestückt („hypermodifiziert“) sind und sich in den alternden Blättern anreichern, berichten Bernhard Kräutler und sein Team von der Universität Innsbruck in der Zeitschrift Angewandte Chemie. Die Forscher vermuten, dass diese langlebigen Abbauprodukte des Chlorophylls physiologische Bedeutung haben.

Nordpolareis: erste Sommerprognose

Auch für den Spätsommer 2010 ist wieder ein kritisches Minimum des arktischen Meereises zu erwarten. Dieses Ergebnis veröffentlichten jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom KlimaCampus der Universität Hamburg und vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI) im jährlich erscheinenden „Sea Ice Outlook“. Die Online-Publikation stellt in einem wissenschaftlichen „Wettstreit“ die Prognosen von rund einem Dutzend internationaler Forschungsinstitute zur Eisbedeckung im September 2010 einander gegenüber. Zu diesem Zeitpunkt erreicht die Eisfläche jedes Jahr ihre minimale Ausdehnung.

Multitasking bringt Stress, aber keiner Leistungsverbesserung

Multitasking bestimmt unseren Arbeitsalltag. Aber können Frauen tatsächlich besser als Männer mit mehreren Aufgaben gleichzeitig jonglieren? Sind Jüngere belastbarer als Ältere? Eine Studie des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG) widerlegt diese gängigen Vorurteile. Wer versucht, verschiedene Dinge gleichzeitig zu erledigen, zahlt einen Preis – egal ob Mann, Frau, jung oder alt. Nachlassende Leistungen, erhöhte Anspannung und dadurch ein potenziell erhöhtes Unfallrisiko sind die Folgen des Multitasking.

Also doch: Akupunktur kann helfen, sagt neue Studie

Akupunktur kann die Belastbarkeit von Patienten, die an einer chronischen Herzschwäche leiden, deutlich verbessern. Das stellte die Arbeitsgruppe von Dr. Johannes Backs, Arzt und Studienleiter an der Klinik für Innere Medizin III (Kardiologie, Angiologie, Pneumologie – Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo Katus) des Universitätsklinikums Heidelberg im Rahmen einer klinischen Studie fest. Die Nadeln steigern zwar nicht die Schlagkraft des Herzens, beeinflussen aber offensichtlich die Skelettmuskelarbeit und verlängern so zum Beispiel die zurücklegbare Wegstrecke.

Helle Wände UND helle Decke lassen Zimmer höher erscheinen

Ob ein Zimmer eher hoch oder niedrig erscheint, hängt davon ab, wie hell Decke und Wände sind. Der alte Heimwerker-Tipp, die Decke ein paar Nuancen heller zu streichen als die Wände, um dadurch den Raum höher wirken zu lassen, entbehrt allerdings wissenschaftlicher Grundlagen. Dies ergab eine Studie am Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die den Einfluss der Helligkeit von Decke, Wänden und Boden auf die wahrgenommene Höhe von Innenräumen untersucht hat.

WWWW vom 20.6.2010: Wochenbettdepression und ein totes Elefantenbaby

Wie versprochen hier erst mal ein Blick in mein neues Arbeitszimmer in Laos. Während ich das schreibe, hat es 38 Grad im Raum, gut dass es einen Ventilator gibt (der kühlt zwar nicht wirklich, aber man fühlt sich bis zu 5 Grad kühler).
My workplace

Enzym spielt Rolle bei Wochenbettdepression

Innerhalb der ersten Woche nach der Geburt ihres Kindes leiden bis zu 70 Prozent der Mütter unter Wochenbettmelancholie. Während sich die meisten Frauen bald davon erholen, klingen bei etwa 13 Prozent die Symptome nicht wieder ab, sondern manifestieren sich innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt zu einer Wochenbettdepression. Eine maßgebliche Rolle bei diesem Stimmungsabfall spielt, wie bei anderen Depressionen auch, eine zu geringe Konzentration von Neurotransmittern im Gehirn.

Elefantenbay tot: Forscher suchen Todesursache

Das Elefantenmädchen Jamuna Toni aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn ist tot. Am Wochenende hatte sich der Gesundheitszustand des sechs Monate alten Elefantenbabys innerhalb kürzester Zeit dramatisch verschlechtert. Eine Ethikkommission entschied Montagmittag, Jamuna Toni aus Tierschutzgründen und wegen der aussichtslosen Prognose zu erlösen. Wildtiermediziner des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) untersuchen nun, an welcher Erkrankung das Elefantenbaby litt.

Pflanzen helfen bei Suche nach Malaria-Mittel

Afrikanische Pflanzen aus der Familie der Affodill-Gewächse enthalten interessante Naturstoffe: Einige davon wirken im Laborversuch gegen Malaria-Erreger und Tumorzellen. Professor Gerhard Bringmann von der Universität Würzburg erforscht diese Naturstoffe; er kooperiert dabei mit den Universitäten Johannesburg (Südafrika) und Nairobi (Kenia). Das afrikanisch-deutsche Forschungsteam hat aus den Pflanzen mehrere potenzielle Wirkstoffe gegen Tumoren und den Malaria-Erreger isoliert und ihre chemischen Strukturen aufgeklärt.

Nobelpreisträger fragen

Junge Wissenschaftler aus aller Welt können sich ab sofort auf der Social Media-Seite http://lindau.nature.com mit Nobelpreisträgern austauschen. Diese Plattform wurde im Vorfeld der bereits zum 60. Mal jährlichen Nobelpreisträgertagung eingerichtet, die vom 27. Juni bis 2. Juli in Lindau am Bodensee stattfindet.

Wer die Wahl hat, wählt Stil

Bisher gab es einen fast Jahrhunderte andauernden Überhang der Nachfrage nach Wohnraum über das Angebot, so dass es möglich war, fast jeglichen Wohnraum zu vermarkten. Das wird sich aufgrund der zu erwartenden demographischen Entwicklung mit sinkenden Bevölkerungszahlen ändern”, sagt Prof. Dr. Friedrich Thießen, Inhaber der Professur Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der TU Chemnitz, und ergänzt: “Ein zu erwartender Angebotsüberhang ermöglicht es den Nachfragern von Wohnraum, wählerischer zu werden.”

WWWW vom 13.6.2010: Fußball als Ersatz für Religion

Junger Fussballfan
Junger Fussballfan

Fußball ist Religion fürs Volk

Tausende Menschen in der Commerzbank Arena, bunt geschminkt in den heimischen Farben und mit diversen Fußball-Accessoires geschmückt. Es sind zwar Zuschauer im Stadion, aber keine leibhaftigen Fußballspieler! Public Viewing, seit der Fußball-WM 2006 fester Bestandteil der deutschen Alltagskultur, weitet sich bei dieser WM auf neue Spielstätten aus. Dazu der Frankfurter Sportsoziologe Prof. Robert Gugutzer: „Diese Massenveranstaltungen zeigen, dass bei aller Individualisierung des sozialen Lebens die Menschen offenkundig weiterhin ein Bedürfnis nach Gemeinschaft und kollektiver Zugehörigkeit haben.“

Kartenspiel zum Pflanzenschutz

Pünktlich zu den DLG-Feldtagen vom 15. bis 17. Juni auf dem Rittergut Bockerode in Springe-Mittelrode (Niedersachsen) stellt das Julius Kühn-Institut (JKI) ein Kartenspiel vor, mit dem spielerisch, aber kompetent, geeignete Maßnahmen zur Lösung verschiedenster Pflanzenschutzprobleme aufgezeigt werden.

Neue Erkenntnis zu Kortisonnebenwirkingen

Osteoporose ist eine häufige Nebenwirkung bei Langzeittherapien mit Kortison. Wissenschaftler vom Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena haben nun die Ursache dieses Knochenschwundes entdeckt: Glukokortikoide hemmen die Knochenneubildung. Das schürt neue Hoffnung auf nebenwirkungsarme Kortison-Therapien.

Natrium spielt wichtige Rolle beim Vorhofflimmern

Wissenschaftler am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen haben erstmals einen bisher unbekannten Mechanismus im Herzen von Patienten mit Vorhofflimmern, einer Form von Herzrhythmusstörung, erforscht und beschrieben. Die Forschergruppe aus Kardiologen und Herzchirurgen unter der Leitung von Prof. Dr. Lars S. Maier, Oberarzt in der Abteilung Kardiologie und Pneumologie (Direktor: Prof. Dr. Gerd Hasenfuß) fand heraus, dass auch die Natrium-Kanäle des Herzens von Bedeutung sind, wenn Patienten an Vorhofflimmern erkranken.

WWWW vom 6.6.2010: Nachrichten aus der Wissenschaft

Forscher übertragen eine höchststabile Frequenz über eine 480 km lange Glasfaserstrecke

Soll Licht als Übermittler von Nachrichten dienen, dann kann man auf die bewährten Instrumente der Nachrichtentechnik zurückgreifen: Modulierte Lichtsignale wandern durch Glasfaserstrecken mit zwischengeschalteten Verstärkerstationen, die die durch Dämpfung schwächer gewordenen Lichtsignale wieder „auffrischen“. Schwieriger wird es, wenn das Licht selbst – genauer: seine Frequenz – die Nachricht ist und wenn diese Nachricht mit einer extremen Genauigkeit übertragen werden soll. Dabei geraten konventionelle Verstärker an ihre Grenzen. Eine dreiköpfige Forschergruppe in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) hat hier nun die Lösung gefunden: Sie nutzen stimulierte Brillouin-Streuung.

Überraschung: Deutsche kaufen weniger Fanartikel als 2006

Ich frage mich manchmal warum es für diese Erkenntnis eine Studie braucht:

Nur noch eine Woche bis zum WM-Start: die Ladenregale sind prall gefüllt mit Fanartikeln. Doch die Kauflaune der Deutschen ist deutlich geringer als 2006, so eine Studie des Lehrstuhls für Marketing I der Universität Hohenheim. Gerade mal 36 Euro wollen die Deutschen in diesem Jahr für WM-Artikel ausgeben. Große Nachfrage könnten allein Trikots, Fußbälle und Fahnen finden. Auch die Reiselust in südafrikanische Stadien sei gedämpft.

Sternenhaufen findet keine Ruhe

Teilansicht des gigantischen Nebels NGC 3603 (einer »HII-Region«) mit seinem zentralen, nur eine Million Jahre alten kompakten Sternhaufen. Falschfarbenbild aus Beobachtungen der »Wide Field/Planetary Camera 2« des Weltraumteleskops Hubble. Die dominante grüne Farbe zeigt dabei Licht an, das ausgesendet wird, wenn ionisierter Wasserstoff sein fehlendes Elektron zurückbekommt (»Rekombinationslinie H-Alpha«). Das Blickfeld beträgt rund 160 Bogensekunden mal 160 Bogensekunden. Die gezackte Bildstruktur ergibt sich aus der Anordnung der Detektoren der Wide Field/Planetary Camera. Bild: NASA/ESA/Wolfgang Brandner (MPIA), Boyke Rochau (MPIA) und Andrea Stolte (Universität zu Köln)
Teilansicht des gigantischen Nebels NGC 3603 (einer »HII-Region«) mit seinem zentralen, nur eine Million Jahre alten kompakten Sternhaufen. Falschfarbenbild aus Beobachtungen der »Wide Field/Planetary Camera 2« des Weltraumteleskops Hubble. Die dominante grüne Farbe zeigt dabei Licht an, das ausgesendet wird, wenn ionisierter Wasserstoff sein fehlendes Elektron zurückbekommt (»Rekombinationslinie H-Alpha«). Das Blickfeld beträgt rund 160 Bogensekunden mal 160 Bogensekunden. Die gezackte Bildstruktur ergibt sich aus der Anordnung der Detektoren der Wide Field/Planetary Camera. Bild: NASA/ESA/Wolfgang Brandner (MPIA), Boyke Rochau (MPIA) und Andrea Stolte (Universität zu Köln)

Mit Hilfe des NASA/ESA-Weltraumteleskops Hubble haben Astronomen des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg und der Universität zu Köln Sternbewegungen in einem der massereichsten jungen Sternhaufen der Milchstraße hochpräzise vermessen. Dazu verglichen sie Beobachtungen, die zehn Jahre auseinander liegen. Der Vergleich liefert die Bewegungen von Hunderten von Sternen – und eine Überraschung: Unerwarteter Weise haben die Sterne des Haufens noch keinen langfristig stabilen Gleichgewichtszustand erreicht.

Zebrafisch lässt tief blicken

Aufklärung eines neuen Signalwegs bei der Entstehung von Blutgefäßen unterstreicht die Bedeutung des Zebrafischs als Modellsystem in der medizinischen Grundlagenforschung
In einer aktuellen Publikation der wissenschaftlichen Zeitschrift Circulation Research beschreiben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) und der Universität Freiburg einen neuen Signalweg, über den die Bildung von Blutgefäßen während der Entwicklung des Zebrafischs gesteuert werden kann.

Hundsheim-Nashorn hat schlicht verloren gegen die Spezialisten

Dass Arten sterben ist ein ganz natürlicher Prozess. Es ist ein grundlegender Vorgang der Evolution: Survival of the fittest – die besser angepasste Art überlebt. Der Eiszeitexperte Professor Ralf-Dietrich Kahlke vom Forschungsinstituts Senckenberg, Forschungsstation für Quartärpaläontologie Weimar und der Paläoökologe PD Dr. Thomas M. Kaiser von der Universität Hamburg, Biozentrum Grindel stellen nun in der Fachzeitschrift Quaternary Science Reviews eine Studie vor, die zeigt, warum nach 800 000 Jahren erfolgreichen Überlebens eine Nashornart, das Hundsheim-Nashorn (Stephanorhinus hundsheimensis), recht plötzlich und unwiderbringlich verschwunden ist.