WWWW vom 30.5.2011: Erreger, Bakterien und Hundegeschichten

Forscher untersuchen Laufverhalten von Hunden

Pimmy
Zoologen der Universität Jena legen Ergebnisse der weltgrößten Studie zur Fortbewegung von Hunden vor und ermöglichen erstmals exakte Einblicke in die Bewegungsabläufe
Wie läuft ein Hund? Auf diese zunächst einfach klingende Frage eine fundierte Antwort zu geben, war selbst für Fachleute bisher nahezu unmöglich.

Bibliographische Angaben:
Martin S. Fischer, Karin E. Lilje: „Hunde in Bewegung“, VDH Service GmbH und Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2011, 208 Seiten, Preis: 49,95 Euro, ISBN 978-3-440-13075-9

Therapieansatz gegen Salmonellenerkrankungen

Salmonellen sind im Tierreich weit verbreitet. Dass wir nicht häufiger an schweren Magen-Darminfektionen erkranken, verdanken wir einem körpereigenen Abwehrmechanismus, der eindringende Bakterien verdaut. Daher wird ein gesunder Mensch in der Regel auch erst krank, wenn er mehr als 100.000 Bakterien über kontaminierte Nahrungsmittel wie Eier oder Fleisch aufgenommen hat. Wie die Körperzellen Salmonellen erkennen und unschädlich machen, hat jetzt eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Prof. Ivan Dikic an der Goethe-Universität herausgefunden.

Philipp Wild et al: Phosphorylation of the Autophagy Receptor Optineurin restricts Salmonella growth, Science 26th May 2011 advanced online publication (Science DOI: 10.1126/science.1205405)

Medikament könnte bei HUS helfen

Ärzte und Wissenschaftler in Heidelberg, Montreal und Paris haben in der Online-Version des „New England Journal of Medicine“ über die erfolgreiche Behandlung von drei Kleinkindern, die an einem schweren hämolytisch urämischen Syndrom (HUS) nach einer Infektion mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) litten, berichtet. Die Infektionen waren 2010 aufgetreten.
Artikel im „New England Journal of Medicine“:
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc1100859

Zucker soll Krankenhausinfektionen verringern

Ein möglicher Impfstoff gegen einen Antibiotika-resistenten Erreger von Krankenhaus-Infektionen lässt sich synthetisch herstellen
Gegen den Erreger einer der häufigsten und gefährlichsten Krankenhaus-Infektionen gibt es nun einen erfolgversprechender Impfstoffkandidaten. Ein internationales Team um Forscher des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam hat auf der Basis eines Kohlehydrats einen Impfstoff gegen das Bakterium Clostridium difficile entwickelt, das vor allem in Krankenhäusern gravierende Darminfektionen auslöst.

Originalpublikation:
Matthias A. Oberli, Marie-Lyn Hecht, Pascal Bindschädler, Alexander Adibekian, Thomas Adam und Peter H. Seeberger
A Possible Oligosaccharide-Conjugate Vaccine Candidate for Clostridium difficile Is Antigenic and Immunogenic. Chemistry & Biology, 26. Mai 2011; DOI: 10.1016/j.chembiol.2011.03.009

Vulkan spie Chlorradikale aus

Gut ein Jahr nachdem der isländische Vulkan Eyjafjallajökull fast den ganzen europäischen Flugverkehr lahmlegte, sorgt seine Aschewolke für eine interessante Entdeckung: Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie haben festgestellt, dass die Aschewolke des Vulkans neben dem bekannten Vulkangas Schwefeldioxid auch freie Chlorradikale enthielt. Chlorradikale sind äußerst reaktiv und verändern schon in kleinsten Mengen die chemischen Prozesse in der Atmosphäre. Mit Hilfe von Luftproben aus der Vulkanwolke konnte nun erstmals die Konzentration der Chlorradikale in der Aschewolke errechnet werden.

WWWW vom 23.5.2011: Küchenweisheiten der Neandertaler

Auch bei Neandertalern wurde gegessen was auf den Tisch kommt

Copyright Senckenberg Institut Frankfurt
Zum gängigen Bild vom Neandertaler gehört in der Regel auch die Vorstellung vom Großwildjäger, der in der eiszeitlichen Steppe Mammuts erlegte. Doch ganz so war es nicht, jedenfalls nicht nur. Die Ergebnisse von Untersuchungen am Senckenberg Forschungsinstitut zeigen jetzt, dass der Speisezettel des Steinzeitgesellen weitaus differenzierter war als vermutet und auch pflanzliche Nahrung enthielt. Fakt ist: Sowohl Homo neanderthalensis als auch der frühe Homo sapiens haben schlicht das vertilgt, was der jeweilige Lebensraum zu bieten hatte.

Korruption ist eine persönliche EInstellung

Weshalb lassen sich Mitarbeiter von Unternehmen oder staatlichen Behörden zur Korruption verleiten? Kommen Fälle von Bestechlichkeit umso häufiger vor, je höher die angebotenen Bestechungsgelder sind? Oder ist korruptes Handeln an der Tagesordnung, weil Mitarbeiter in sehr kurzer Zeit Erfolge erzielen müssen? Dr. Tanja Rabl, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Universität Bayreuth, kommt in ihren Forschungsarbeiten zum gegenteiligen Ergebnis. Situationsbedingte Faktoren wie Zeitdruck oder die Höhe der Bestechungsleistung zeigen keinen signifikanten Einfluss auf die Häufigkeit korrupten Handelns.

Warum uns Äpfel schmecken – der Ester macht’s

„Über Geschmack lässt sich streiten“, sagt ein Sprichwort. Wie um diese Aussage Lügen zu strafen, weisen jedoch nahezu alle erfolgreichen Apfelsorten auf dem deutschen und internationalen Markt Aromaprofile mit einem besonders hohen Anteil an Fruchtestern auf. Das Julius Kühn-Institut (JKI) führte über mehrere Jahre wissenschaftliche Verkostungen von Äpfeln durch.

Sturm auf dem Saturn

Planetologen haben Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO und der Raumsonde Cassini der NASA kombiniert und daraus ein unerreicht detailreiches Bild eines den gesamten Planeten Saturn umspannenden Sturms gewonnen. Die Ergebnisse des internationalen Teams erscheinen diese Woche in der Fachzeitschrift Science.

WWWW vom 16.5.2011: Taxifahrer und Missbrauchsopfer

Taxifahrer schummeln bei Touristen

Wer in einer fremden Stadt ins Taxi steigt, kennt meist weder den kürzesten Weg zum Ziel noch den angemessenen Fahrpreis. Inwieweit die Unwissenheit des Kunden den Fahrer zum Betrug verleitet, untersucht eine aktuelle Studie, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) heute veröffentlicht hat. Darin belegt ein Forscherteam der Universität Innsbruck anhand eines Feldversuchs auf den Straßen Athens, dass jeder zweite Taxikunde zuviel bezahlt. Für ortsfremde Fahrgäste liegt der ungerechtfertigte Mehrpreis besonders hoch.

Spumaviren sollen bei Gen-Therapie helfen

Weltweit arbeitet die biomedizinische Forschung an Verfahren, die geeignet sind, fehlende Gene zu ergänzen, defekte Gene zu ersetzen oder zumindest die Folgen derartiger Schäden zu kompensieren. Dabei wächst das Interesse an den Spumaviren, die auch als Foamyviren bezeichnet werden und deshalb so heißen, weil sie in Zellkulturen ein schaumiges Aussehen entwickeln. Bisher ist kein Krankheitsbild bekannt, das seine Ursache in einer Infektion mit diesen Viren hätte. Daher verfolgt man mit zunehmender Intensität Forschungsansätze, die Spumaviren nutzen wollen, um Gene zu therapeutischen Zwecken in menschliche Zellen einzuschleusen.

Mehr informationen dazu bei der Uni Bayreuth

Nano-Silizum soll Batterien besser machen

Während sich am 16. Mai am runden Tisch von Kanzlerin Merkel auf dem Papier entscheidet, wie die Zukunft der Elektromobilität in Deutschland aussieht, arbeiten Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) an der praktischen Umsetzung: Forscher des Center for Nanointegration (CeNIDE) produzieren Nanomaterialien, die den Energie-Inhalt von Lithium-Ionen-Batterien um 15 Prozent steigern und die Kosten dafür gleichzeitig um sieben Prozent senken. Infos von der Uni Duisburg dazu

Sonnenenergie als Gas speichern

Bisher gehörte Erdgas zu den fossilen Brennstoffen. Künftig kann man aus Gas auch umweltfreundlichen Strom erzeugen: Forscher des Fraunhofer IWES und des ZSW Stuttgart sind an einem Projekt beteiligt, in dem Audi und SolarFuel eine neuartige Anlage errichten. Sie wandelt Strom aus Wind und Sonne erstmals im industriellen Maßstab in Methan um, also in künstlich hergestelltes Erdgas. Während sich Strom schlecht speichern lässt, kann man das Erdgas problemlos lagern. Bei Flaute und bedecktem Himmel kann man daraus über Gaskraftwerke wieder Strom erzeugen, oder den Tank von Gasautos damit füllen. Mehr dazu bei www.power-to-gas.de

Neue Therapie für Missbrauchsopfer

Zahlreiche Opfer sexualisierter Gewalt im Kindes- und Jugendalter leiden noch als Erwachsene unter dem Gefühl, beschmutzt zu sein. Um dies zu behandeln, haben Dr. Regina Steil und Diplom-Psychologin. Kerstin Jung in der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität eine Interventionstherapie entwickelt, die lediglich drei Sitzungen umfasst, und in einer Pilotstudie mit neun Patientinnen sehr gute Erfolge erzielt.

Und hier noch der angesprochene Kurzfilm “Calendar”, Siegerfilm der Vientianale 2011 in Laos:

WWWW vom 9.5.2011: Lustige Frucht und die Raumzeit-Delle

Momordic cochinchinnensis or Wonder fruit or Gac

Das hier ist eine so genannte Gac-Frucht. Sie ist meist in Vietnam heimisch, wächst auf Bäumen und hat einen hohen Anteil an Beta-Karotin. Mehr hier

Konsortium untersucht Mikroklima bei Pankreas-Krebs

Der Marburger Mediziner Professor Dr. Thomas Gress koordiniert einen europäischen Forschungsverbund, der die Mikro-Umgebung von Tumoren der Bauchspeicheldrüse erforschen soll, um dadurch die Therapiemöglichkeiten des Pankreaskarzinoms zu verbessern. Das Konsortium umfasst 15 Partner aus fünf europäischen Ländern. Die Europäische Union fördert das Gesamtvorhaben mit drei Millionen Euro.

Erde verdellet Raumzeit

Die Erde erzeugt eine kleine Delle in der Raumzeit. Zudem verwirbelt sie durch ihre Drehung den unsichtbaren Stoff, aus dem das Universum besteht. Das zeigen die Messungen der Nasa-Sonde Gravity-Probe B, die 2004 16 Monate lang in 642 Kilometern Höhe über der Erde kreiste. Via Wissenschaft.de

Speiseeis aus Lupinen jetzt im Handel

Sommer ohne Eis – für viele kaum vorstellbar. Doch wer keine Milch oder keine Laktose verträgt, muss oft verzichten. Fraunhofer-Forscher bieten jetzt eine Alternative: »Lupinesse« – die rein pflanzliche Köstlichkeit ist frei von Laktose und Cholesterin und enthält wertvolles Lupineneiweiß. Das Eis kommt am 9. Mai 2011 bei EDEKA in die Regale.

Menschheit kennt drei Darmtypen

In einer aktuellen Studie konnte ein Forscher-Konsortium aufzeigen, dass sich die Menschen nach ihren Darmmikroorganismen in drei Gruppen einteilen lassen. Diese Klassifizierung ist nicht von der geographischen Herkunft, dem Gesundheitszustand (Übergewicht, Entzündungserkrankungen des Verdauungstrakts), dem Geschlecht oder dem Alter der Personen abhängig, sondern, wie die Blutgruppen, personenspezifisch. Weil Darm auf Altgriechisch Enteron heißt, bezeichnen die Forscher diese Darmbakterien als Enterotypen 1, 2 und 3.
Webseite des Konsortiums MetaHIT: http://www.metahit.eu/
Pressemitteilung des MetaHIT zur Veröffentlichung (auf Englisch) – 20.04.2011 –http://www.metahit.eu/fileadmin/Content/In_the_Media/Nature/MetaHITenterotype_pr…

RFID und Softwareagenten sollen Container effizienter machen

Jeden Tag werden tonnenweise Lebensmittel, Bauteile und andere Güter per Flugzeug rund um den Globus transportiert. Intelligente Luftfrachtcontainer könnten schon bald dazu beitragen, dass die Ware zuverlässig und noch schneller beim Empfänger eintrifft: Sie suchen sich selbst ihren Weg und passen auf, dass sie die richtige Ladung transportieren. Wie das geht, stellen Fraunhofer-Forscher auf der Messe transport logistic (10. bis 13. Mai in München) vor.

WWWW vom 2.5.2011: Raucherbeine und Sonnenflecken

Sonnenaktivität zugänglich für alle

Ein Spektrometer auf der Internationalen Raumstation ISS misst die Sonnenaktivität mit großer Genauigkeit und lieferte bereits unerwartete Ergebnisse. Künftig sollen diese in einer Datenbank öffentlich zugänglich gemacht werden: Klimaforscher können mit den Daten untersuchen, wie stark die Sonnenaktivität das Erdklima beeinflusst.
Bisher schwankte die Sonnenaktivität zyklisch: Alle elf Jahre erreichte sie ein Minimum, alle elf Jahre strahlte die Sonne mit maximaler Intensität. Beim letzten Minimum im August 2008 brauchten die Forscher allerdings Geduld: Die Aktivität des Himmelskörpers stieg nicht wie erwartet an, sondern verringerte sich weiter – völlig unerwartet brach die Sonne aus ihrem sonst so verlässlichen Rhythmus. Erst ein Jahr später im September 2009 begann ihre Aktivität wieder leicht anzusteigen. In wie weit beeinflussen die Schwankungen der Sonnenintensität und diese Verschiebung des Sonnenzyklus das Erdklima?

Gartenarbeit ist gut fürs Herz

Wer regelmäßig im Garten arbeitet, tut etwas für sein Herz: Er verbessert die Funktion der Innenschicht der Blutgefäße (endotheliale Funktion), insgesamt senkt „die Gartenarbeit im Laufe von über vier Jahren das Risiko für schwere kardiovaskuläre Komplikationen signifikant um 15 Prozent.“ Dieses Ergebnis eines Forscherteams aus Japan berichtet die Fachzeitschrift Cardio News in ihrer anlässlich der 77. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) erschienenen aktuellen Ausgabe.

Stammzellen gegen Raucherbeine

Die Injektion von Stammzellen aus dem Knochenmark in die Gefäßversorgung des betroffenen Beines können bei einer besonders schweren Form der arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), der kritischen Extremitätenischämie (CLI), zu einer verbesserten Wundheilung und einer Verringerung der Amputationsrate führen.
Die Forscher der an vier deutschen Gefäßzentren durchgeführten Studie „BONe Marrow Outcome Trial in Critical Limb Ischemia (BONMOT-CLI)“ untersuchten insgesamt 90 Patienten mit fortgeschrittener arterieller Verschlusskrankheit, bei der eine Öffnung der verschlossenen Gefäße (Revaskulisierung) nicht möglich ist. Der Hälfte der Studienteilnehmer werden konzentrierte autologe Knochenmarkstammzellen in das von CLI betroffene Bein injiziert, die andere Gruppe erhält eine Plazebotherapie. Nach Auswertung der Daten der Hälfte der Studienteilnehmer (47 Patienten) zeigt sich jetzt ein Nutzen der Stammzelltherapie: In der mit Stammzellen behandelten Patientengruppe musste bei zwölf Prozent eine Amputation oberhalb des Knöchels vorgenommen werden, in der Plazebogruppe bei 24 Prozent.

Wer kennt den Agulhasstrom?

Vielen Europäern ist die Bedeutung des Golfstromsystems für das relativ milde Klima bekannt. Weit weniger geläufig ist die Fernwirkung von Meeresströmungen im Indischen Ozean bis in unsere Breiten. In einem Übersichtartikel, der am 28. April in der renommierten Fachzeitschrift Nature erscheint, hat ein internationales Wissenschaftlerteam unter Beteiligung des Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) den Kenntnisstand über die Bedeutung des Agulhasstroms für das Klima zusammengefasst.