WWWW vom 26.9.2011: Seidenproduktion in Laos

Ich war mal wieder draussen, und zwar bei einem Betrieb, der Seide herstellt: Mai Savanh Lao Er wird geführt von Dr. Philippe Schmidt und seiner Frau, beide aus dem Elsaß und deswegen auch deutsch-sprachig. Schmidt erklärt den Weg vom Falter zur Seide, aber auch warum er Hybride nimmt, was man mit Maulbeerbaumblättern noch machen kann und welches Gras er bereits anbaut.

Hier noch ein paar Bilder:

WWWW vom 19.9.2011: Autonome Autos und Geckokraft im Kohlenstoff

Gecko Vorbild für Kohlenstoffbindungen

Our Tockay Gecko
Der Gecko macht es vor: Ohne Saugnäpfe, nur mit unzähligen winzigen Härchen an seinen Füßen kann er an spiegelglatten Oberflächen haften. Möglich machen dies die so genannten van-der-Waals-Kräfte, die unter dem Grundsatz „Stoffe ziehen sich immer an“ für das Zusammenhalten von Gasen und anderen Stoffen sorgen. Diese „Dispersionswechselwirkungen“ sind aber einzeln genommen schwach und lassen sich deshalb nur schlecht direkt bei chemischen Verbindungen berücksichtigen. Erstmals wurde jetzt aber nachgewiesen, dass die van-der-Waals-Kräfte sogar extrem lange (und deshalb eigentlich schwache) Bindungen zwischen Kohlenstoffmolekülen stabilisieren können.

Auto fährt selbstständig durch Berlin

Wissenschaftler der Freien Universität haben erfolgreich eine Erprobungsfahrt des von ihnen entwickelten Autos „MadeInGermany“ durch das Zentrum von Berlin vorgeführt. Das Fahrzeug absolvierte bei der Vorführung vor Medienvertretern mehrfach eine etwa zwanzig Kilometer lange Strecke zwischen dem Brandenburger Tor und dem Internationalen Congress Centrum im Bezirk Tiergarten und zurück. Es „beachtete“ dabei jeweils störungsfrei die Phasen von 46 Ampeln, demonstrierte autonome Spurwechsel und durchquerte die Kreisverkehre „Großer Stern“ und Ernst-Reuter-Platz stets souverän.

Ein Labor auf einem Mikrochip

Chemikern der Universität Leipzig ist es gelungen, die Funktionen eines großen Chemielabors auf einem winzigen Mikrochip zu vereinen. Mit diesem neuen Chip-Labor können chemische Prozesse beschleunigt und Ressourcen gespart werden, wie Detlev Belder, Professor am Institut für Analytische Chemie der Universität Leipzig, erklärte.
Gemeinsam mit dem Chemiker Prof. Dr. Christoph Schneider und anderen Wissenschaftlern hat er anstelle gewöhnlicher Laborgeräte wie Reagenzgläsern, Kolben oder Säulen Mikrochips mit haarfeinen Kanälen eingesetzt.

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Darmkrebs und Diabetes-2

Forscher der University of Western Australia, Perth, veröffentlichten die Ergebnisse einer Langzeitstudie, die einen Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes bei Männern und dem Risiko, an bösartigem Darmkrebs zu erkranken, bestätigte. http://www.ranke-heinemann.de

Neue Therapie bei Zeckenbissen

Blutsaugende Zecken sind nicht nur unangenehm, sondern können auch gefährliche Krankheiten übertragen. Die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose muss bislang noch mit einer mehrwöchigen Antibiotika-Therapie behandelt werden. LMU-Forscher haben nun ein weit weniger belastendes Verfahren entwickelt.
http://www.micro.vetmed.uni-muenchen.de

Pflanzen speichern Wasser an den Wurzeln

Dass Wurzeln den Boden in ihrer nächsten Umgebung verändern, ist lange bekannt. Hier leben andere Mikroorganismen und auch die chemische Zusammensetzung ist anders als in größerer Entfernung von der Wurzel. Nun entdeckte ein internationales Forschungsteam, an dem auch Prof. Dr. Sascha Oswald von der Universität Potsdam beteiligt ist, dass der Boden in der Nähe der Wurzel auch mehr Wasser enthält. Bisherige Vorstellungen gingen davon aus, dass es dort weniger Wasser geben müsste, weil die Pflanze dem Boden das Wasser entzieht. Offenbar legen sich die Pflanzen aber einen kleinen Wasserspeicher an, der ihnen über kürzere Trockenperioden hinweghelfen kann.

WWWW vom 12.9.2011: Arktiseis und Fließgewässer

Schnecken und Muscheln: Verwandtschaft geklärt

Theodoxus fluviatilis (Neritae), eine kleine Süßwasserschnecke (ca. 0,5 cm) aus dem Rhein bei Mainz. Foto: Christof Kühne, Universität Mainz, Institut für Zoologie
Theodoxus fluviatilis (Neritae), eine kleine Süßwasserschnecke (ca. 0,5 cm) aus dem Rhein bei Mainz. Foto: Christof Kühne, Universität Mainz, Institut für Zoologie

Schnecken, Muscheln und Tintenfische – so verschieden sie aussehen, haben sie doch etwas gemeinsam: Sie gehören zu den Weichtieren, auch Mollusken genannt. Ein internationales Team von Wissenschaftlern mit Beteiligung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) hat jetzt in einer umfassenden molekularphylogenetischen Studie die Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Weichtiere (Mollusca) erforscht.
Veröffentlichung:
Kevin M. Kocot, Johanna T. Cannon, Christiane Todt, Mathew R. Citarella, Andrea B. Kohn, Achim Meyer, Scott R. Santos, Christoffer Schander, Leonid L. Moroz, Bernhard Lieb, and Kenneth M. Halanych
Phylogenomics reveals deep molluscan relationships
Nature, 4 September 2011, DOI: 10.1038/nature10382

Dämme stören Artenvielfalt

Dämme und Wehre wirken sich stärker auf das Ökosystem von Fließgewässern aus als bisher bekannt. Die Artenvielfalt geht im Staubereich oberhalb der Querbauten stark zurück: Bei Fischen liegt sie durchschnittlich um ein Viertel, bei Kleinlebewesen zum Teil sogar um die Hälfte niedriger. Die Unterbrechung eines Flusslaufes hat damit größere Effekte auf die Tier- und Pflanzenwelt als der geologische Ursprung des Flusses selbst. Das haben Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) anhand von fünf Flüssen im Einzugsgebiet von Elbe, Rhein/Main und Donau nachgewiesen.

Neue Forschungsergebnisse zu Alzheimer

Ein Forscherteam unter Federführung der Universität Bonn hat einen Mechanismus entdeckt, der vor der Alzheimer-Krankheit schützen kann. Die Wissenschaftler hemmten bei Mäusen die Ausbildung von Ablagerungen aus fehlgefalteten Eiweißstoffen, die für die Lern- und Gedächtnisstörungen von Alzheimer-Patienten mitverantwortlich sind.
Publikation: Kummer Markus P., Hermes Michael, Delekate, Andrea, Hammerschmidt Thea, Kumar Sathish, Terwel Dick, Walter Jochen, Pape Hans-Christian, König Simone, Roeber Sigrun, Jessen Frank, Klockgether Thomas, Korte Martin and Heneka Michael T.: Nitration of tyrosine 10 critically enhances amyloid β aggregation and plaque formation. Fachjournal „Neuron“, DOI 10.1016/j.neuron.2011.07.001

Arktis> UNd das Eis schmilzt, und schmilzt und schmilzt…

Alarmierende Meldungen aus der Arktis: Die Ausdehnung des arktischen Meereises hat am 8. September 2011 mit 4,24 Millionen km² ein neues historisches Rekordminimum erreicht. Umweltphysiker der Universität Bremen bestätigten jetzt die seit Juli 2011 bestehende Befürchtungen, dass die Eisschmelze der Arktis weiter voranschreitet und sogar das bisherige historische Meereisminimum von 2007 übertroffen worden ist, eine weitere Konsequenz der Menschen gemachten Klimaerwärmung mit globalen Konsequenzen. Unmittelbar wird die Lebensgrundlage von Kleinlebewesen, Fischen, Vögeln und Säugetieren wie Eisbären und Robben mehr und mehr eingeschränkt.

Wissenschaftlern auf der Spur

Manchmal ist Wissenschaft richtige Detektivarbeit: Das stellten auch die Mitarbeiter der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Ulf Dittmer und Dr. Gennadiy Zelinskyy an der Universität Duisburg-Essen (UDE) fest. In der renommierten Wissenschaftszeitung Journal of Immunology entdeckten sie in einem Beitrag einer japanischen Arbeitsgruppe fehlerhafte Forschungsergebnisse – und prüften diese erst einmal intensiv nach.

Zelinskyy, Gennadiy et. al.: Virus-Specific CD8+ T Cells Upregulate Programmed Death-1 Expression during Acute Friend Retrovirus Infection but Are Highly Cytotoxic and Control Virus Replication, in: Journal of Immunology, Vol. 187 (7), Oct. 2011.

WWWW vom 6.9.2011: Hepatitis, Allergien und saure Ozeane

Bor ausgetrickst

Bor ist ein chemisches Element, das Elektronen anzieht. Entgegen der in der Literatur vertretenen Meinung ist die Umwandlung von Bor in eine elektronenreiche Einheit ein Kunststück. Dies ist nun zum ersten Mal einem gemischten Team aus Forschern des CNRS (französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung), der Universität Kalifornien und der Universität Marburg gelungen ist. http://www2.cnrs.fr/presse/communique/2239.htm

Impfstoff gegen Hepaptis C auf der Sour

David Klatzmann vom Labor für Immunologie, Immunopathologie und Immunotherapie (CNRS/UPMC/Inserm) koordiniert eine europäische Studie, deren Ziel darin besteht, einen wirksamen Impfstoff gegen Hepatitis C zu entwickeln. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, Breitband-Antikörper gegen Hepatitis C im Tier zu produzieren. http://www.inserm.fr/espace-journalistes/hepatite-c-une-nouvelle-piste-vaccinale

Sauer macht tot

Die Weltmeere absorbieren rund ein Viertel der Kohlendioxid-Emissionen (CO2), die bei der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Entwaldung entstehen. Das entspricht ungefähr 1 Million Tonnen CO2 pro Stunde. Dies führt zu einer Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Meere, insbesondere zu einer Erhöhung des Säuregehalts. Diese Erhöhung stellt eine Bedrohung für die Organismen dar, die Gerüste oder Muschelkalk bilden, wie Korallen und Mollusken (Weichtiere).

Wie das Immunsystem Toleranz gegenüber Allergenen entwickeln kann

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie der Johannes Gutenberg Universität in Mainz haben einen körpereigenen Mechanismus aufgeklärt, der die Entstehung von Allergien verhindern kann. Sie konnten zeigen, dass bestimmte Zellen des Immunsystems, sogenannte killerdendritische Zellen, befähigt sind, Allergiezellen auszuschalten. Die Ergebnisse der Studie, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Clinical Investigation* erschienen sind, eröffnen neue Perspektiven für Strategien zum Schutz vor Allergien.