WWWW vom 31.10.2011: Ohnmacht in Kambodscha

In Kambodscha gab es mehrere Ohnmachtsanfälle in Textilfabriken, und ein TIME-Artikel versucht eine Erklärung dafür zu geben.

http://www.time.com/time/world/article/0,8599,2093516,00.html#ixzz1cF7PdHoG

Genaueste Messungen

Ingenieure der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) arbeiten an der Entwicklung eines hochpräzisen Messsystems zur berührungslosen Erkennung von Oberflächenfehlern. In einem Verbundprojekt entwickeln sie gemeinsam mit der INB Vision AG und dem Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) ein zuverlässiges System zur automatischen Oberflächenkontrolle, das u.a. in der Automobilindustrie zum Einsatz kommen soll. Die Erkennung von Fehlern aus 3D-Daten geschieht dabei mit künstlichen neuronalen Netzen, also intelligenten Computerprogrammen, die dem Lern- und Denkvorgang im menschlichen Gehirn nachempfunden sind.

Schnelltest für Pflaumenbäume

Münchner Wissenschaftler haben einen neuen Schnelltest für das hochansteckende Scharka-Virus entwickelt: Mithilfe molekularbiologischer Verfahren können sie in kürzester Zeit das Erbmaterial des Virus in den Blättern von Steinobstbäumen nachweisen. Sind Zwetschgen, Pfirsiche oder Aprikosen einmal mit dem Virus infiziert, müssen sie gerodet werden, denn eine Bekämpfung ist nicht möglich. Mit dem Schnelltest kann die Quarantäne-Krankheit zwar nicht verhindert, aber eingedämmt werden. Über den Test berichten die Forscher der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität in den Annals of Applied Biology. TUM-Forscher züchten zudem neue resistente Pflaumensorten.

Forschung im absoluten Nichts

Das Nichts – das erforscht ein Team theoretischer Physiker der Universitäten Graz und Jena. „Der Grundzustand unserer Welt ist allerdings nicht einfach durch die Abwesenheit von allem Stofflichen beschrieben”, erläutert Prof. Dr. Holger Gies vom Theoretisch-Physikalischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität und dem Helmholtz-Institut Jena. „Sondern dieses sogenannte Quantenvakuum entpuppt sich als komplexer Zustand ständig fluktuierender Quantenfelder, der physikalische Eigenschaften trägt.”

Die Physikergemeinde weltweit hofft, in wenigen Jahren eine besonders spektakuläre Eigenschaft beobachten zu können: den spontanen Zerfall des Vakuums in Paare von Materie- und Antimaterie-Teilchen in superstarken elektrischen Feldern.

Osten besser gegen Rotaviren gewappnet

In Deutschland werden immer mehr Kinder gegen Durchfall-erregende Rotaviren geimpft. Von 2007 bis 2010 stieg die Impfrate im ersten Lebensjahr von drei auf 26 Prozent. Dies zeigen Studien, in denen Wissenschaftler der Universitätskliniken Leipzig, Halle und Oxford deutschlandweit die Zahl der verschriebenen Rotavirus-Impfungen analysierten. Demnach erfolgt die Impfung gegen die für Kinder bedrohliche Infektion in den neuen Bundesländern rund drei Mal so häufig wie in den alten: In Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, und Sachsen-Anhalt impften Ärzte 2010 insgesamt 60 Prozent der Säuglinge. In den alten Bundesländern waren es nur 20 Prozent.

WWWW vom 26.10.2011: Griechen schummeln bei Staatsfinanzen, Deutsche aber auch

Forscher finden Lücke bei Amazon.com

Eine massive Sicherheitslücke haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum beim Cloud-Anbieter Amazon gefunden. Mit verschiedenen Angriffsmethoden (Signature Wrapping und Cross Site Scripting) testeten sie das als „sicher“ geltende System. „Anhand unserer Forschungsergebnisse bestätigte Amazon die Sicherheitslücken und schloss sie umgehend“, so Prof. Dr. Jörg Schwenk, Lehrstuhl für Netz- und Datensicherheit der RUB. Amazon Web Services (AWS) bietet seinen Kunden das so genannte Cloud Computing an und hostet u. a. die Dienste Twitter, Second Life und 4Square.

Formel beweist: EU-Staaten schummeln bei Finanzen

Ein Wissenschaftlerteam um Prof. Gernot Brähler von der Technischen Universität Ilmenau hat mit Hilfe eines über 70 Jahre alten mathematischen Gesetzes nachgewiesen, dass Griechenland seine Wirtschaftsdaten manipuliert hat. Das Land hatte über Jahre hinweg seine Bilanzen gefälscht und war offenbar nur mit Hilfe dieser Täuschung im Jahr 2001 in den Euro-Raum aufgenommen worden. Darüber hinaus hatte Griechenland mit den getürkten Zahlen eventuell drohende Strafzahlungen vermieden. Das wiederentdeckte statistische Prüfungsverfahren aus dem Jahr 1938 hilft, frühzeitig und ohne großen Aufwand verlässliche Indizien für Zahlentricksereien zu erkennen.

Europäische Löwen jagten alleine

Vor 12.000 Jahren jagten Höhlenlöwen am liebsten alleine – und vorzugsweise nach Rentieren: Zu diesem Ergebnis kommt die Arbeitsgruppe um Prof. Hervé Bocherens aus dem Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen. Die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler liefern neue Daten zur Lebensweise der ausgestorbenen Höhlenlöwen. Durch die Analyse von Kohlenstoff- und Stickstoffisotopen (13C, 15N) im Knochenkollagen fossiler Beutegreifer, kann man direkt auf die Ernährung der Beutetiere schließen.

WWWW vom 18.10.2011: Strampeln im Bauch und Hunger in der Welt

Die Themen heute:

Warum strampeln wir schon im Mutterleib?

My pregnant wife
My pregnant wife by davhor, on Flickr

Jede werdende Mutter spürt die Bewegungen des ungeborenen Kindes, je weiter die Schwangerschaft fortschreitet. Man weiß, dass die Häufigkeit dieser Bewegungen des Kindes eng mit der körperlichen Fitness des Kindes nach der Geburt verknüpft ist. Was ist die funktionelle Bedeutung dieser irregulären und unkoordinierten Bewegungen für die Entwicklung des Gehirns des Kindes? Und was sind die neuronalen Prozesse, die der Entwicklung des Gehirns als Folge dieser Bewegungen zugrunde liegen?
Marat Minlebaev, Matthew Colonnese, Timur Tsintsadze, Anton Sirota, and Roustem Khazipov (2011). Early Gamma Oscillations Synchronize Developing Thalamus and Cortex. Science 334(6053):226-229

Lebewesen formen exakte geometrische Muster

Verkehrskontrolle ohne Ampel: Lebewesen formen exakte geometrische Muster, wenn ihre Beweglichkeit von der lokalen Dichte abhängig ist. Mit diesem neuartigen Mechanismus erklärt ein internationales Forscherteam unter Marburger Beteiligung, wie es zur organischen Musterbildung kommt. Die Wissenschaftler um den Physiker Professor Dr. Peter Lenz von der Philipps-Universität belegten die Gültigkeit ihres Konzepts experimentell, indem sie einen künstlichen Schaltkreis aus zwei genetischen Modulen konstruierten. Das Team veröffentlicht seine Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazin “Science”, die am Freitag, den 14. Oktober erschienen ist. http://www.sciencemag.org/content/334/6053/238.full.pdf

Roboter sollen sich dynamischer bewegen

Wissenschaftler der Universität Göttingen und des Bernstein Fokus Neurotechnologie Göttingen haben eine Methode entwickelt, wie Roboter fließende Bewegungsabläufe wie beispielsweise Schreiben oder das Greifen nach Gegenständen erlernen können. Damit könnten die Maschinen zukünftig in der Lage sein, Handschriften zu imitieren, ein Glas einzuschenken oder beispielsweise die Spülmaschine einzuräumen.
Originalveröffentlichung: Kulvicius T, Ning K, Tamosiunaite M, Wörgötter F (2011): Joining movement sequences: modified dynamic movement primitives for robotics applications exemplified on handwriting. IEEE Transactions on Robotics, doi: 10.1109/TRO.2011.2163863; 1. September 2011

Menschen lösen Aufgaben lieber gemeinsam, Schimpansen dagegen nicht

Schimpansen besitzen viele der geistigen Voraussetzungen zu einer menschenähnlichen Zusammenarbeit mit Anderen. Diese Fähigkeiten sind aber möglicherweise nicht alles, was Schimpansen und Menschen unterscheidet, wenn es um Kooperation geht. Wissenschaftler von den Max-Planck-Instituten für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und für Psycholinguistik in Nijmegen, Niederlande, fanden nun heraus: Kinder lösten ein Problem lieber gemeinsam als allein, während Schimpansen keine solche Vorliebe zeigten. In der aktuellen Studie hatten die Forscher dreijährige Kindergartenkinder und Schimpansen zwischen einer kooperativen und einer nicht-kooperativen Lösungsvariante wählen lassen.

Wie den Hunger stillen?

Die Herausforderung ist gigantisch: Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung um rund zwei Milliarden auf mehr als neun Milliarden Menschen wachsen. Gleichzeitig wird ein zunehmender Teil der Agrarflächen für die Erzeugung von Energiepflanzen und Futtermitteln verwendet – für den Anbau von Grundnahrungsmitteln bleibt immer weniger Platz. Lassen sich zur Mitte unseres Jahrhunderts die Menschen auf der Erde ausreichend ernähren und gleichzeitig die Umweltbelastung durch den Agrarsektor reduzieren? Das Ziel ist erreichbar – sofern bestimmte Maßnahmen ergriffen werden. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn im Fachmagazin „Nature“.
Publikation: Solutions for a Cultivated Planet, Fachmagazin „Nature“, doi: 10.1038/nature10452

WWWW vom 11.10.2011: Hallo aus Deutschland!

Ich weile für eine Woche in Deutschland (warum geht hier eigentlich so spät die Sonne auf, wie unpraktisch).
Wer möchte kann mich am Freitag auf der Buchmesse bestaunen:

Literatur & Sachbuch, Web 2.0 / Social Media / Webportale
Veranstaltungsart:
Diskussion, Präsentation
Datum:
14.10.2011
14:00 – 15:00 Uhr
Veranstaltungsort:
Messegelände, 4.2 B408, Sparks Stage 4.2
Sprache:
Deutsch
Veranstalter:
Springer Verlag GmbH
Mitveranstalter:
Spektrum Akademischer Verlag
Teilnehmer:
Wanhoff, Thomas
Moltmann, Dr. Ulrich G.

Weniger Herzinfarkt-Tote

Immer weniger Menschen sterben in Deutschland an einem Herzinfarkt, berichtet Dr. Ernst Bruckenberger, Autor des 23. Herzberichts auf der Herbsttagung der DGK in Düsseldorf. Die Sterblichkeit pro 100.000 Einwohner bei den ischämischen Herzkrankheiten (= Herzinfarkt; Krankheiten als Folge schlechter Durchblutung) ist in Deutschland von 2000 bis 2010 von 203,8 auf 162,8 gesunken. Allerdings gibt es sehr starke regionale Unterschiede: Sie schwanken zwischen den Bundesländern von 136 (pro 100.000 Einwohner) in Baden-Württemberg bis 271,2 in Sachsen-Anhalt.

Neues Maß für Auswirkungen von Klimawandel

Der Klimawandel birgt ein Risiko für Ökosysteme auf allen Kontinenten. Wie groß die Gefahr für Tiere und Pflanzen ist, haben Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) jetzt in einer neuartigen Analyse weltweit ermittelt. Hierfür haben sie erstmals ein konkretes Maß entwickelt, das bei Veränderungen des CO2-Gehalts der Luft sowie der Temperatur und des Regens die Auswirkungen auf die Landökosysteme systematisch erfasst.
Weblink zum Artikel: http://iopscience.iop.org/1748-9326/6/3/034036

Nervöse Teilchen

Das leiseste Zittern genügt, um etwas mitzuteilen. Kleine Teilchen, die in einer Flüssigkeit gelöst sind, registrieren, was in ihrem Umfeld vor sich geht, und reagieren darauf. Ohne ausgetüftelte Messanordnung und ein hochpräzises Instrumentarium ist nicht zu entziffern, wie ihre Botschaft lautet, doch wenn es gelingt, warten erstaunliche Auskünfte auf die Dechiffrierexperten.
Mit Hilfe einer Kombination aus theoretischem Unterbau und sehr diffizilen Experimenten konnten Physiker und Physikerinnen aus Erlangen, Lausanne und Basel erstmals beobachten, wie sich kleine Partikel in einem Lösungsmittel verhalten. Was sich dabei ergibt, wirkt zunächst fantastisch: Der Bewegung eines Teilchen kann eine Farbe zugeordnet werden.

Testosteronspiegel genetisch festgelegt

Greifswalder Wissenschaftler des Metabolic Center am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin haben gemeinsam mit Forschern aus Europa und den USA mehrere Genvarianten identifiziert, die den männlichen Testosteronspiegel lebenslang beeinflussen. Wie das amerikanische Wissenschaftsjournal „PLoS GENETICS“ in seiner aktuellen Ausgabe* berichtet, gelang es dem internationalen Wissenschaftskonsortium zu zeigen, dass genetische Faktoren für eine erniedrigte Testosteronkonzentration im Blut mit verantwortlich sind.

WWWW vom 3.10.2011: Gesichtserkennung und Geschmacksverirrung

Menschen machen dieselben Fehler wie Computer

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Personen neigen zu denselben Fehlern wie spezialisierte Computerprogramme, wenn sie versuchen, Gesichter als solche zu erkennen. Das haben Neurophysiker von der Philipps-Universität herausgefunden, die ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Online-Wissenschaftsmagazins „PLoS One“ veröffentlichen, die am 28. September 2011 erscheint.

Mit Hilfe neuester Instrumente und Analysemethoden haben Astronomen des Max-Planck-Instituts für Astronomie eine neue Technik entwickelt und angewandt, um die Masse einer fast 9 Milliarden Lichtjahre entfernten aktiven Galaxie direkt zu bestimmen. Auf diese Weise lässt sich die gemeinsame Entwicklung von Galaxien und den Schwarzen Löchern in ihren Kernregionen genauer rekonstruieren als bislang möglich. Das erste Ergebnis zeigt, dass der Großteil der kosmischen Geschichte für Galaxien keine Zeit umwälzender Veränderungen war.

Unternehmen stellen ihren Mitarbeitern zunehmend Smartphones zur Verfügung. Dabei müssen die Firmen ihre Daten möglichst gut schützen, während die Mitarbeiter auch privat Apps installieren möchten. Sicherheitsexperten haben die Gerätesoftware nun so weiterentwickelt, dass es zwei getrennte Bereiche gibt: den geschäftlichen und den privaten. Sicherheitsexperten des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT und des Centers for Advanced Security Research Darmstadt CASED haben jetzt für Android-basierte Smartphones die Sicherheitslösung ’BizzTrust for Android’ entwickelt: Sie trennt auf dem Gerät die privaten Anwendungen von den geschäftlichen.

Im Rahmen des 15. Heidelberger Ernährungsforums am 28./29.9.2011 stellte die Dr. Rainer Wild Stiftung, Stiftung für gesunde Ernährung erste Ergebnisse einer repräsentativen Studie zur Geschmacksforschung vor. Die Heidelberger Wissenschaftler gingen dabei der Frage nach, ob Menschen Dinge essen, die ihnen nicht schmecken. Die Ergebnisse zeigen, dass 81 % der Befragten Lebensmittel und Speisen zu sich nehmen, die nicht ihren persönlichen Geschmacksvorlieben entsprechen. Weiterhin wird deutlich, dass der Geschmack nur eines von vielen Kriterien für die Auswahl von Lebensmitteln ist.

Wasserstoff könnte einer der wichtigsten Energieträger in einer auf erneuerbaren Rohstoffen basierenden Energiewirtschaft sein. Dem steht allerdings noch entgegen, dass bisher kein idealer Wasserstoffspeicher gefunden wurde. Ein Team um Yaroslav Filinchuk von der Université Catholique de Louvain, Belgien, und Torben R. Jensen von der Universität Aarhus in Dänemark stellen in der Zeitschrift Angewandte Chemie nun eine neue hochporöse Form von Magnesiumborhydrid vor, die Wasserstoff auf zwei Weisen speichern kann: chemisch gebunden und physikalisch adsorbiert.