WWWW vom 28.11.2011: Proteinfaltung und Braunes Fettgewebe

Radar vermisst Lawinen

Mount Everest

Mit neuartigen Radaranwendungen wollen Forscher der Universität Heidelberg einen Beitrag zur besseren Vorhersagbarkeit von Lawinen leisten. Damit soll in einem grenzüberschreitenden Forschungsprojekt die Beurteilung der Lawinengefahr auf eine präzisere Grundlage gestellt werden. Der Geophysiker Dr. Olaf Eisen vom Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg leitet das Projekt, an dem Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt sind.

Erfahrung lässt und schätzen

Wenn wir etwas abschätzen, nutzen wir unbewusst kürzlich gemachte Erfahrungen. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und des Bernstein Zentrums München ließen Probanden in einer virtuellen Umgebung Entfernungen schätzen. Deren Ergebnisse tendierten jeweils zum Mittelwert aller bis dahin gelaufenen Wege. Erstmals konnten die Wissenschaftler die experimentellen Ergebnisse mit einem mathematischen Modell sehr gut vorhersagen. Es verbindet zwei altbekannte Gesetze der Psychophysik mithilfe eines Satzes aus der Wahrscheinlichkeitstheorie. Damit könnte die Studie für die Wahrnehmungsforschung von grundsätzlicher Bedeutung sein. (Journal of Neuroscience, 23. November 2011)

Bernstein Zentrum München
http://www.bccn-muenchen.de
Nationales Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience
http://www.nncn.de

Wie falten sich Proteine?

Wie funktionieren Faltungshelfer-Enzyme wie die Parvuline? Eine erste Antwort auf diese Frage können nun Wissenschaftler des Zentrums für Medizinische Biotechnologie (ZMB) der Universität Duisburg-Essen (UDE) geben. Prof. Peter Bayer und Dr. Jonathan W. Mueller konnten nämlich kürzlich einzelne Wasserstoff-Atome im Kern von sehr hoch auflösenden Proteinkristallen sichtbar machen.

Braunes Fettgewebe nutzen

Koordiniert vom Deutschen Krebsforschungszentrum sucht ein europäisches Forschungskonsortium nach Möglichkeiten, mithilfe des braunen Fettgewebes Volkskrankheiten wie Typ 2-Diabetes oder das metabolische Syndrom, zu bekämpfen.
Adipositas entsteht, wenn der Körper überschüssige Energie in Form von Fettmolekülen im weißen Fettgewebe speichert. Große Depots davon finden sich etwa an Bauch, Hüften und Gesäß. Neben den weißen Fettzellen existiert jedoch eine zweite Art von Körperfett, das braune Fettgewebe. Im Gegensatz zum weißen Fettgewebe, das Energie speichert, verbraucht das braune Fettgewebe Energie, indem es sie in Wärme umwandelt.

WWWW vom 21.11.2011: Amphibiensterben und Dengue-Fieber

Lasertechnik für Glasoberflächen

Ein neues Laserverfahren zum Strukturieren großer Floatglas-Oberflächen ist jetzt industriell einsetzbar. Hohe Qualitäten, geringe Bearbeitungszeiten und flexible Designmöglichkeiten kennzeichnen die vom Laser Zentrum Hannover (LZH e.V.) und der Cerion GmbH entwickelte Technologie.
Ein erstes Beispiel für den erfolgreichen Einsatz des neuen Verfahrens ist in Norderstedt zu sehen. Die knapp 300 qm große Isolierglasfassade eines Neubaus wurde doppelseitig mit einem Laser strukturiert. Jedes einzelne Paneel misst etwa 2,80 m x 0,8 m und wiegt um die 150 kg. Herkömmlich werden zum Aufbringen komplexer Dekore oder vollflächiger Strukturierungen auf großformatige Architekturgläser zeitaufwändige und häufig sogar gesundheitsschädliche Veredlungsverfahren eingesetzt.

Ultraschall scannt Feten-Lungen

Die Lungenhypoplasie ist eine schwere, oftmals tödlich verlaufende Unterentwicklung der Lunge bei Föten. Etwa eines unter tausend Neugeborenen leidet daran. Moderne Ultraschallverfahren ermöglichen es, diese mangelnde Ausreifung der Lunge in einem frühen Stadium der Schwangerschaft zu diagnostizieren. Eine frühe Diagnose ermöglicht betroffenen Eltern und Ärzten, die erforderlichen Vorbereitungen für die Entbindung zu treffen und mögliche Therapien zu planen. Dies berichtet die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Pflanzen holen Hilfe bei Bakterien

Der Schneckenklee ernährt sich im wahrsten Sinn des Wortes von Luft: Er holt sich mit Hilfe von Bakterien den Stickstoffdünger aus der Atmosphäre. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn und des Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln hat das Genom dieser Pflanze sequenziert, um die Gene zu finden, die für ihre besondere Fähigkeit verantwortlich sind. Eine Verdopplung des Genoms vor etwa 58 Millionen Jahren scheint entscheidend für die Ausprägung dieser nützlichen Eigenschaft gewesen zu sein. Die Wissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse nun in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachmagazins „Nature“.

The World of Dengue-Fever

Ein neues Forschungsprojekt zu Dengue-Fieber mit 14 Partnern in 12 Ländern wird von der Sektion Klinische Tropenmedizin am Department für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg unter der Leitung von Dr. med. Thomas Jänisch koordiniert. Die Europäische Union fördert IDAMS (International Consortium on Dengue Risk Assessment, Management and Surveillance) über 5 Jahre mit insgesamt 6 Millionen Euro, davon gehen rund 785.000 Euro nach Heidelberg. Die Forscher möchten unter anderem herausfinden, wie sich schwere Krankheitsverläufe frühzeitig erkennen lassen sowie eine weltweite Dengue-Risiko-Karte erstellen.

Module helfen Handball-Talente zu entdecken

Das Institut für Bewegungswissenschaften und Sport hat einen so genannten Messplatz entwickelt, der Trainer bei der Suche nach Handballtalenten unterstützt und wichtige Daten liefert. Die Ergebnisse des Projekts werden nun im Verlag Flensburg University Press unter dem Titel “Motion Lab for talents” veröffentlicht. Prof. Dr. Nele Schlapkohl , Klaus Gärtner, Prof. Dr. Dr. Markus Raab und Janne Häger sind die Autoren des Buches. Im Rahmen eines vom Bundesinstitut finanzierten dreijährigen Forschungsprojektes konnte gezeigt werden, dass der Messplatz gerade bei Sichtungen von Talenten auf Landes- und Bundesebene wertvolle Dienste leisten kann.

Drei Faktoren Schuld am Amphipienstreben

Amphibienpopulationen gehen weltweit zurück. Dieser Trend übersteigt den anderer Tiergruppen erheblich, denn mehr als 30% aller Amphibienarten gelten laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als bedroht. Dazu tragen zahlreiche Faktoren wie Klimawandel und Landnutzung bei. Ihre räumliche Verbreitung und Interaktion ist bisher jedoch schlecht dokumentiert. Eine heute vorab online in Nature veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern um Dr. Christian Hof (Universität Kopenhagen, heute: BiK-F) zeigt, dass die Gebiete mit der größten Amphibienvielfalt den stärksten Bedrohungen ausgesetzt sind.

WWWW vom 14.11.2011: Vor Ort in Ban Chiang im Nordosten Thailands

Heute mal wieder WWWW vor Ort. Ich war in Ban Chiang im Nordosten Thailands. Dort findet sich eine Ausgrabung mit Fundstücken die zum Teil 7000 Jahre alt sind. Sie wurde 1966 entdeckt und seit 1972 gab es regelmäßige Ausgrabungen. Vor allem die Unterstützung der Universität Pennsylvania machte das Projekt zu einem Erfolg.

Besonders bekannt sind die bemalte Tonkrüge, die in Ban Chiang gefunden wurden. (Der englische Wikipediaartikel geht mehr ins Detail als der deutsche, deshalb sei er hier nochmal ans Herz gelegt)

Die Anlage ist ein Weltkulturerbe und die das Nationalmuseum dort ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wer in Thailand ist dem sei ein Ausflug ins Isangebiet sehr ans Herz gelegt. In Nong Khai gibt es auch ein Aquarium (dort sind die anderen Bilder in der Slideshow entstanden), und in der Nähe von Udon Thani gibt es steinzeitliche Höhlen zu sehen (die gibt es demnächst als Bericht).

WWWW vom 7.11.2011: Gefahr für die Schildkröten

Turtle

Klimawandel im Meer stärker als gedacht

Das Leben im Meer ist dem globalen Klimawandels noch stärker ausgesetzt als Pflanzen und Tiere and Land, wie eine Studie in der heutigen Ausgabe des Fachmagazins Science berichtet.
Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Beteiligung von Wolfgang Kiessling, Professor am Museum für Naturkunde Berlin, hat die globalen Klimadaten der letzten 50 Jahre analysiert und erstmals die Geschwindigkeit des Klimawandels an Land und in den Ozeanen verglichen.

Superkamera knipst Teilchen

Wissenschaftlern der Technischen Universität Dortmund ist in Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg und der ETH Zürich ein technischer Durchbruch gelungen: Zum ersten Mal haben sie mit Hilfe einer Kamera auf Basis von Halbleiterdetektoren atmosphärische Teilchenkaskaden, die beim Zusammentreffen kosmischer Teilchen hoher Energie mit der Erdatmosphäre entstehen, beobachten können. Diese neue Technologie kann Ausgangspunkt für weiterführende Erkenntnisse in der Gamma-Astronomie und anderen Bereichen sein.

Mikrowellen gegen Lungenkrebsmetastasen

Die Frankfurter Arbeitsgruppe „Interventionelle Onkologie“ konnte die neue Technik der Mikrowellenablation zur Entfernung von Lungenmetastasen erfolgreich wissenschaftlich testen.
Die Therapie von Lungenmetastasen ist für die moderne Onkologie noch immer eine herausfordernde Aufgabe. Neue Behandlungsmethoden können die Überlebenschancen der Patienten verbessern. So werden neben den klassischen Verfahren wie der operativen Resektion, der Chemo- und Immuntherapie sowie der Radiatio zunehmend minimalinvasive Therapieverfahren wie Laser-, Radiofrequenz- und Mikrowellenablation (MWA) erforscht.

Forschungs-Flotte untersucht Halogenverbindungen

Zum Schutz der Ozonschicht wurde vor mehr als 20 Jahren die industrielle Produktion von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) verboten. Aufgrund von Forschungsergebnissen der Umweltphysiker der Universität Heidelberg vermuten Wissenschaftler allerdings, dass die Ozonschicht eventuell auch durch natürliche Chlor, Brom- und möglicherweise Iodverbindungen geschädigt wird, die vor allem in den Küstenbereichen der Ozeane von Wasserpflanzen und Mikroorganismen gebildet werden. Diese Vermutung, die inzwischen auch von weiteren Forschungsergebnissen gestützt wird, soll eine internationale Feldmesskampagne im südchinesischen Meer im Rahmen des Projekts SHIVA klären.