WWWW vom 28.5.2012: Popeye-Heuschrecken und Stevia

Machen dicken Beine Eindruck?

Gomphocerus sibiricus mâle
In der Tierwelt ist es nicht immer der Stärkste, der sich durchsetzt – mitunter ist es der Schönste. Ein bekanntes Beispiel ist der Pfau. Denn das Weibchen macht seine Entscheidung für einen Partner davon abhängig, wie attraktiv sein Federwerk aussieht. Ein Forschungsteam der Universität Bielefeld unter Leitung des Evolutionsbiologen Dr. Holger Schielzeth untersucht jetzt, inwiefern ein vergleichbarer Mechanismus bei der Partnerwahl von Heuschrecken eine Rolle spielt. Die Männchen der Sibirischen Keulenschrecke (Gomphocerus sibiricus) haben geschwollene Vorderbeine. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen nun, inwiefern Heuschreckenweibchen eine Vorliebe für die Männchen mit den kräftigsten Verdickungen haben und ihre Paarungsentscheidungen davon abhängig machen.

Mehr Infos: http://www.uni-bielefeld.de/biologie/Evolutionsbiologie/eng/04-schielzeth-current.html

Großversuch simuliert Klimawandel

In einem Großversuch haben Forscher der Universität Göttingen, der Universität Kopenhagen sowie der Technischen Universität von Dänemark in Risø über sieben Jahre hinweg den Klimawandel nachgestellt. In einem Heidegebiet bei Frederikssund in Dänemark erzeugten sie künstlich Dürren und erhöhten die Temperatur und den Kohlendioxidgehalt der Luft. Nun konnten sie zeigen, dass das Zusammenspiel zwischen Bodenlebewesen, Pflanzen und Insekten durch Klimawandel empfindlich gestört wird.

Originalveröffentlichung: Karen Stevnbak, Christoph Scherber et al. (2012): Interactions between above- and belowground organisms modified in climate change experiments. Nature Climate Change. (published online 20 May 2012). DOI: http://dx.doi.org/10.1038/NCLIMATE1544.

Projekt soll Bewässerung in der Landwirtschaft optimieren

Wenn Regen ausbleibt oder Niederschlagsmengen stark schwanken, steht der Landwirt vor einem Problem. Denn lange Trockenperioden vergrößern das Risiko einer schlechten Ernte und erschweren den Nährstoffeintrag. Das Forschungsprojekt „OPTIFERT“ will die Düngung und Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen in Europa mit einer intelligenten Technologie verbessern. Das integrierte Optifert-System ermöglicht dem Landwirt die Düngung und die Wasserzufuhr zu optimieren. Mittels einer Kontrollschleife werden so die ökonomischen und ökologischen Risiken minimiert.
Weitere Informationen zum Projekt: http://www.optifert.eu.

Warum ist Stevia so bitte im Nachgeschmack?

Stevia gilt als gesunde Alternative zu Zucker. Die kürzlich von der Europäischen Union als Süßungsmittel zugelassenen Steviaprodukte haben aber auch Nachteile, zum Beispiel einen langanhaltenden, bitteren Nachgeschmack. Die dafür verantwortlichen Geschmacksrezeptoren auf der menschlichen Zunge haben Wissenschaftler der Technischen Universität München und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke nun identifiziert. Mit Zellkulturversuchen und sensorischen Tests konnten die Wissenschaftler zudem zeigen, dass Stevioside mit vielen Traubenzuckerbausteinen besonders süß schmecken.
Publikation:
Caroline Hellfritsch, Anne Brockhoff, Frauke Stähler, Wolfgang Meyerhof, Thomas Hofmann: Human Psychometric and Taste Receptor Responses to Steviol Glycosides, Journal of Agricultural and Food Chemistry, Mai 2012
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/jf301297n
INfos auch hier: http://www.molekulare-sensorik.de

WWWW vom 21.5.2012: Wie starb Ötzi?

Schmetterlinge stehen Pate für neuen Sensor

Another butterfly
Um Terroranschläge an Flughäfen zu verhindern, möchte man kleinste Konzentrationen von Sprengstoffen einfach aber zuverlässig detektieren. Trotz verschiedener Ansätze für Sensoren sind Hunde noch immer die effizientesten Detektoren. Ein deutsch-französisches Team beschreibt in der Zeitschrift Angewandte Chemie nun einen neuen mikromechanischen Sensortyp, dessen Aufbau sich an die Sinnesorgane von Schmetterlingen anlehnt.

Dem Diabetes-Kribbeln auf der Spur

Diabetes schädigt bei ca. 60 Prozent der Betroffenen die peripheren Nerven. Spontane Schmerzen und überhöhte Empfindlichkeit einerseits und gleichzeitig geringere Wahrnehmung äußerer Schmerzreize andererseits sind die paradoxe Folge der so genannten diabetischen Neuropathie. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Universität Heidelberg haben jetzt im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts eine der Ursachen für das gestörte Schmerzempfinden entdeckt: ein eigentlich natürlich vorkommendes Stoffwechselgift, das im Körper von Patienten mit Diabetes aber verstärkt produziert wird und nicht mehr richtig abgebaut werden kann.
Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt in Nature Medicine (http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.2750.html).

Wie alt ist der Rhein?

Wissenschaftler des Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoecology (HEP) an der Universität Tübingen und des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt haben das Alter des Rheins anhand von Fossilien untersucht. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der Fluss fünf Millionen Jahre älter ist, als bisher angenommen.

Blutkörperchen an Ötzis Leiche gefunden

Marek Janko und Prof. Robert Stark, Materialwissenschaftler am Center of Smart Interfaces der TU Darmstadt, haben zusammen mit PD Albert Zink, Leiter des Instituts für Mumien und den Iceman der Europäischen Akademie Bozen (EURAC), mit nanotechnologischen Methoden Ötzis Blut getestet. Das Forscherteam hat dünne Gewebeschnitte aus Ötzis Pfeilwunden am Rücken und aus einer Schnittwunde an der rechten Hand mit einem Rasterkraftmikroskop untersucht und fand rote Blutkörperchen mit der klassischen „Donut-Form“ – der gleichen Form, wie sie bei gesunden Menschen unserer Zeit vorliegt. Mit den Untersuchungen ließ sich zudem ein Protein nachweisen, dass bei der Blutgerinnung in frische Wunden auftritt. Bei älteren Wunden bildet sich dieses Protein jedoch zurück. Die verwendeten Methoden, könnten auch in der modernen Gerichtsmedizin ein Durchbruch sein und bei Tatortuntersuchungen helfen.
Ich habe mit Marek Janko gesprochen.

Tja, und eigentlich sollte hier ein Flattr Button sein, aber das hat doch nicht geklappt. Flattr ließ mich keinen manuellen Button bauen (vielleicht weil schon einer in der Sidebar ist?), und das mit Instacaster habe ich nicht verstanden. Kann mir wer helfen was ich da genau machen muss?

WWWW vom 14.5.2012: Schimpansen, Windeln und große Buchstaben

Windeltechnik macht Wasser trinkbar

Für 700 Millionen Menschen weltweit, so die UN, ist Trinkwasser knapp. Abhilfe kann in Küstengebieten die Entsalzung von Meerwasser schaffen. Die gängigen Methoden, vor allem Destillation und Umkehrosmose, benötigen jedoch viel Energie – und sind für die oft armen Regionen zu teuer. Chemiker des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) arbeiten an einem völlig neuen Verfahren. Quellfähige Kunststoffpartikel (Superabsorber), ähnlich denen in Windeln, dienen dabei als Filter: Beim Quellen nehmen sie nur einen Teil des Salzes auf, beim Auspressen geben sie salzarmes Wasser ab.

Nähere Informationen: http://www.itcp.kit.edu/wilhelm/577.php

Nun beugen sich auch Gammastrahlen

Gammastrahlen sind extrem energiereiche elektromagnetische Wellen weit oberhalb des sichtbaren Spektrums von Licht. Physiker gingen bisher davon aus, dass diese Strahlung nicht mit Linsen abgelenkt und daher nicht für optische Zwecke genutzt werden kann. Im Vergleich dazu wurde für Röntgenstrahlung Mitte der 1990er Jahre gezeigt, dass eine „Röntgenoptik“ möglich ist.

Wissenschaftler um den Physiker Professor Dieter Habs von der LMU und dem Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching konnten bei Experimenten am Institut Laue-Langevin (ILL) in Grenoble nun aber überraschend zeigen, dass sich Gammastrahlen durch Silizium-Linsen wie herkömmliches Licht fokussieren lassen. Möglich wird dies durch das extrem starke elektrische Feld der Silizium-Atome, das mit den Gammastrahlen wechselwirken kann.

Publikation:
“The Refractive Index of Silicon at Ray Energies”
D. Habs, M.M. G¨unther, M. Jentschel and W. Urban
Phys. Rev. Lett. 108, 18402, (2012).
DOI: 10.1103/PhysRevLett.108.184802

Pollen: Die Stärke macht die Allergie

Pollen ist nicht gleich Pollen: In einer europaweiten Studie untersuchten Wissenschaftler das allergische Potenzial von Birken, Gräsern und Oliven. Die Pollen dieser drei Pflanzen sind in Europa die wesentlichen Auslöser für Heuschnupfen. Die allergische Reaktion gegen eine bestimmte Pollenart kann dabei höchst unterschiedlich ausfallen. Wie die Forscher der Hialine-Studie jetzt feststellten, variiert auch die Schlagkraft der Pollen: Abhängig von Zeit und Region produzieren die Pollen verschieden große Mengen an Eiweißverbindungen, die letztlich für die allergische Immunantwort verantwortlich sind.

Publikation:
Release of Bet v 1 from birch pollen from 5 European countries. Results from the HIALINE study
Atmospheric Environment, Volume 55, August 2012, Pages 496–505, http://dx.doi.org/10.1016/j.bbr.2011.03.031

Schimpansen geen Wissen weiter

Im Taï-Nationalpark an der westafrikanischen Elfenbeinküste knacken Schimpansen Nüsse der Art Coula edulis mithilfe von Stein- und Holzhämmern und verwenden dabei Baumwurzeln als Ambosse. Jetzt untersuchte ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig erstmals, ob benachbarte Schimpansengruppen unterschiedliche Hämmer zum Nüsseknacken verwenden und fanden heraus: Material und Größe der benutzten Hämmer richteten sich bei zwei der drei untersuchten Gruppen nach ökologischen Besonderheiten, wie der abnehmenden Nusshärte im Laufe der Saison, unterschieden sich aber dennoch maßgeblich von Gruppe zu Gruppe. Die Auswahl eines bestimmten Werkzeugs ist demnach nicht nur eine Anpassung an sich verändernde Umweltbedingen sondern auch ein kulturell erlerntes Verhalten, das innerhalb der Gruppe von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.
Originalveröffentlichung:

Lydia V. Luncz, Roger Mundry, Christophe Boesch
Evidence for cultural differences between neighboring chimpanzee communities
Current Biology, 12. Mai 2012

Große Buchstaben haben emotionale Wirkung

Je größer die Schrift einer Botschaft, desto stärker ihre emotionale Wirkung: Mareike Bayer, Werner Sommer und Annekathrin Schacht von der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Georg-August-Universität Göttingen zeigen in einer, soeben in der Online-Zeitschrift PLoS One veröffentlichten Studie, dass emotionale im Vergleich zu nicht-emotionalen Wörtern größere Aufmerksamkeit erregen, wenn sie in großer Schrift gedruckt sind.

Der vollständige Artikel unter: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0036042

WWWW vom 5.7.2012: Nachweis des mütterlichen Einflusses auf die Entstehung der Alzheimer Demenz

Die Themen:

Protein spielt wichtige Rolle bei Autismus

Alles muss im Gleichgewicht sein – das gilt auch für das Gehirn. Wichtig ist hierbei das Gleichgewicht der verschiedenen Synapsen, also der Kontaktstellen im zentralen Nervensystem. Es wird dabei zwischen hemmenden und erregenden Synapsen unterschieden, die durch bestimmte Proteine stabilisiert und gesteuert werden. Fehlen dort einzelne Bausteine oder ist deren Anzahl zu gering, also nicht ausgeglichen, kommt es zu schwerwiegenden Störungen. Vermutlich entsteht so auch Autismus, oder genauer der autistische Formenkreis. „Autismus ist keine festegelegte Erkrankung, Autismus äußert sich verschiedenartig. Das geht von leichten sozialen Fehlverhaltensweisen bis hin zur totalen Zurückgezogenheit“, erklärt Prof. Dr. Eckart Gundelfinger, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Institutes für Neurobiologie, kurz LIN. Er hat gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Tobias Böckers bereits Mitte der 1990er Jahre den Grundstein für die jetzt vorliegenden Forschungsergebnisse gelegt. „Herr Prof. Böckers, der heute Direktor des Ulmer Institutes für Anatomie und Zellbiologie ist, hat damals in unserer Arbeitsgruppe hier am LIN das sogenannte ProSAP1/Shank2 entdeckt, ein Protein, das maßgeblich für eine Fehlfunktion des Gehirns verantwortlich gemacht wird“ sagt Prof. Gundelfinger weiter. „Mutationen dieses Proteins sind auch bei autistischen Menschen nachgewiesen worden.“

Strände sicher Ökosysteme

Eduardo Jaramillo hat sich eigentlich mit Küstenbefestigungen und deren Auswirkungen auf die Ökosysteme in Chile beschäftigt, als 2010 ein Erdbeben und der nachfolgende Tsunami genau diese Befestigungen zerstörten. Der Forscher und sein Team machten aus der Not eine Tugend und schauten, wie sich die Systeme erholen. Die Erkenntnis: Wo Strände waren erholen sich die Systeme besser.

Im Interview: Jens Pahnke von der Universität Magdeburg über Alzheimer und die mütterliche Vererbungslinie

Demenzerkrankungen stellen zunehmend eine große Herausforderung für die Gesundheits- und Pflegesysteme der westlichen Welt dar. Im Jahre 2050 werden nach Hochrechnungen zwischen 106 und 360 Millionen Patienten weltweit zu betreuen sein. Unter den Demenzerkrankungen macht mit mehr als 2/3 aller Erkrankten die Alzheimer Demenz aus. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung des höheren Lebensalters, deren Ursache bis auf wenige familiäre Fälle (<1%) bisher nicht geklärt ist. Das Alter ist bisher der größte Risikofaktor, wobei das Risiko zusätzlich weiter erhöht wird, wenn die Mutter und/oder Großmutter an der Erkrankung litten. Das Forscherteam um den Arzt und Molekularbiologen Jens Pahnke von der Klinik für Neurologie der Universität Magdeburg hat nun den Zusammenhang zwischen der mütterlichen Vererbungslinie und der Entstehung der Alzheimer Demenz herausgefunden.