WWWW vom 25.6.2012: Dortmunder Küchenschabe

Vietnam-Schabe tarnt sich als ekliger Käfer

Bonner Forscher vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms- Universität entdeckten in den Regenwäldern Südvietnams nun eine Schabe, die so gar nicht in das landläufige Bild der „kleinen braunen Kakerlake“ passt – Im Gegenteil, das Tierchen ist mit seinen gelben Flecken auf schwarzem Grund ein echter Hingucker!

Super-Akku soll schneller laden

Ob Elektroauto oder E-Bike, entscheidend für den Fahrspaß ist der Akku. Marktführer sind derzeit Lithium-Ionen-Akkus. LMU-Wissenschaftler haben eine Nanostruktur aus Lithium-Titan entwickelt, die den heutigen Energiespeichern überlegen ist.
Einen guten Akku kennzeichnen vor allem vier Faktoren: Er soll eine hohe Energiedichte besitzen und somit bei geringem Gewicht und Größe viel Energie bereitstellen. Hinzu kommen eine möglichst hohe Leistung und eine schnelle Ladegeschwindigkeit des Akkus. Im Interesse des Nutzers liegt zudem die Stabilität des Energiespeichers, der auch nach 1000 Ladevorgängen noch funktionieren soll.

Origami-Diagnostik spart Geld

Aufwändige Laboruntersuchungen liefern zwar zuverlässige Ergebnisse, sind aber nicht geeignet für eine patientennahe Diagnostik. Besonders in Entwicklungsländern ist man auf einfache, stromunabhängige, kostengünstige Testmethoden angewiesen. Biosensoren auf Papierbasis sind eine interessante Alternative. Amerikanische Forscher stellen in der Zeitschrift Angewandte Chemie jetzt ein besonders pfiffiges Konzept vor: Das Papier einseitig bedrucken, nach Origami-Art falten, einlaminieren – fertig ist der Schnelltest. Zur Auswertung wird lediglich ein Spannungsmesser gebraucht.

Autor: Richard M. Crooks, The University of Texas at Austin (USA), http://rcrooks.cm.utexas.edu/research/styled-4/index.html

Kältemaschinen werden kompakter

Der ökonomische und ökologische Erfolg von Wärmenetzen und großen solarthermischen Anlagen steht und fällt mit einem verlässlichen Wärmeabsatz während des Sommerhalbjahrs. Die Kühlung und Klimatisierung von Gebäuden mittels einer thermisch angetriebenen Kältemaschine wird damit zu einem immer interessanter werdenden Markt. Das aktuelle BINE-Projektinfo „Mit Wärme kühlen“ (07/2012) stellt eine neue Generation besonders kompakter Absorptionskältemaschinen kleiner Leistung für den Kühl-, Klima- und Heizbetrieb vor.

WWWW vom 18.6.2012: Kurz, aber knackig

Heute mal wieder eine eher kurze Ausgabe, weil ich morgen nach Thailand muss und eben feststellte, dass das mir auch Deutschland mitgebrachte Plantronics 655 DSP Headset richtiger Mist ist. Das Mikrofon ist totaler Schrott und leider klingt auch die Aufnahme wie aus Oskars Mülltonne. Weil ich aber morgen früh um 5 Uhr raus muss, und jetzt schon 22 Uhr ist, bitte ich um Gnade.

Die Themen heute:

Buch über guten Geruch

Zwanzig Jahre nach der Entdeckung der Geruchsrezeptoren, für die Linda Buck und Richard Axel 2004 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin bekamen, ziehen Roland Salesse und Remi Gervais in ihrem Buch “Odorat et goût : de la neurobiologie des sens chimiques aux applications” (Geruchs- und Geschmackssinn: von der Neurobiologie der chemischen Sinne bis hin zu Anwendungen), das im Mai 2012 bei Editions Quae veröffentlicht wurde, Bilanz über den Einfluss der experimentellen Molekular- und Neurobiologie auf die Wissenschaft des Geschmacks und des Geruchs.
Roland Salesse und Remi Gervais: “Odorat et goût : de la neurobiologie des sens chimiques aux applications”

Neue Algenart entdeckt

Biologen aus Gießen und Leipzig haben zum zweiten Mal seit 2007 eine Algenart mit bis dahin unbekannten Chloroplasten-Komplexen in ihren Zellen entdeckt. Nach der vor fünf Jahren entdeckten Alge Synchroma grande stellten die Forscherinnen und Forscher, unter anderem vom Institut für Botanik der Justus-Liebig-Universität Gießen, jetzt eine weitere Art der gleichen Gattung, Synchroma pusillum, vor. Bei allen zuvor bekannten Pflanzen mit mehreren Chloroplasten je Zelle sind diese voneinander unabhängig. Beide Arten wurden an mehreren Stellen im wärmeren Atlantik gefunden, sie sind offenbar nicht selten. Es handelt sich dabei um Amöben, die einzeln leben oder zu mehreren durch Plasmastränge miteinander verbunden sein können.
Publikation
M. Schmidt, S. Horn, K. Flieger, K. Ehlers, C. Wilhelm & R. Schnetter (2012): Synchroma pusillum sp. nov. and other new algal isolates with chloroplast complexes confirm the Synchromophyceae (Ochrophyta) as a widely distributed group of amoeboid algae. Protist 163(4), Juli 2012: 544-559.
DOI: 10.1016/j.protis.2011.11.009

Psychische Erkrankungen untersucht

Der Frage nach den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland ging ein Psychologenteam der TU Dresden unter Leitung von Professor Hans-Ulrich Wittchen im Rahmen eines umfassenden Forschungsprojektes des Robert Koch-Institutes (RKI) nach. Gemeinsam mit den anderen Studienergebnissen des neuen Gesundheitsuntersuchungssurveys für Erwachsene werden am 14. Juni 2012 in Berlin die ersten Ergebnisse veröffentlicht.

Blut ist dicker als Wassert

„Blut ist dicker als Wasser“, sagt der Volksmund und hat damit sprichwörtlich Recht: Denn der lebensnotwendige Saft besteht fast zur Hälfte aus festen Bestandteilen. Den größten Anteil daran – insgesamt rund 40 Prozent des Blutes – haben die roten Blutzellen. Sie enthalten den roten Farbstoff Hämoglobin und sind für den Transport von Sauerstoff zuständig.

WWWW vom 11.6.2012: Fußball, Arktis und Wüste

Spanien ist schon Kohle-Europameister

Flag SpainAus ökonomischer Sicht hat Spanien die größte Wahrscheinlichkeit, die Fußball-Europameisterschaft 2012 zu gewinnen. Denn die spanische Mannschaft zeichnet sich nicht nur durch den höchsten Marktwert, sondern auch durch die größte Homogenität aus. Zu diesem Ergebnis kommen Gert G. Wagner vom DIW Berlin, Jürgen Gerhards und Michael Mutz von der FU Berlin in einer gemeinsamen Studie. Gerhards und Wagner haben auf Basis ihrer ökonomischen Analyse bereits den Ausgang der letzten zwei WM und der letzten EM richtig prognostiziert.

Kleinklima in Wüstenregionen

Zum Weltwüstentag am 17. Juni: Meteorologe an der Universität Hohenheim begrünt im Computermodell die Wüste und untersucht damit die Änderung des lokalen Klimas
Blühende Landschaften, mildere Temperaturen und eventuell sogar Regen: Mit einem Computermodell erforschen Meteorologen von der Universität Hohenheim, unter welchen geographischen Voraussetzungen sich die Wüste durch Parzellen begrünen lässt und wie sich dadurch das regionale Klima verändert.

Kooperation braucht Struktur und Wiederholung

Die Evolution ist per Definition gnadenlos, sie wählt nach Erfolg aus und merzt Schwächen konsequent aus. Da scheint es nur natürlich, das die Evolution nur Gene bevorzugt, die sich selbst helfen und nicht anderen. Dennoch zeigen viele Arten, insbesondere auch der Mensch, kooperatives Verhalten. Wissenschaftler erklären diesen Widerspruch entweder mit direkter Reziprozität oder einer strukturierten Population. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön, der Harvard Universität und der Universität von Amsterdam haben ein neues Modell entwickelt, dass die beiden Erklärungen kombiniert. Beide Parameter sind demnach von essenzieller Bedeutung für die Entwicklung von kooperativem Verhalten. In menschlichen Gesellschaften verhalten sich Menschen dann am kooperativsten, wenn sie mehrfach aufeinander treffen und die Bevölkerung so strukturiert ist, dass Kooperationswillige häufiger auf ihresgleichen treffen.
Originalveröffentlichung:
Matthijs van Veelena,Julián Garcíac,David G. Randa and Martin A. Nowaka
Direct reciprocity in structured populations
Proceedings of the National Academy of Sciences, Online-Vorabveröffentlichung, 4. Juni 4 2012, doi: 10.1073/pnas.1206694109

Nordost-Passage früher eisfrei

Die Nordost-Passage, der Seeweg entlang der Nordküste Russlands, wird in diesem Sommer vermutlich wieder frühzeitig eisfrei sein. Diese Vorhersage treffen Meereisphysiker des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft nach Messflügen über der Laptewsee, einem Randmeer des Arktischen Ozeans. Es gilt unter Experten als „Eismotor der Arktis“. Zum Ende des vergangenen Winters stießen die Forscher hier allerdings auf große Eisflächen, deren Dicke maximal 50 Zentimeter betrug und kaum ausreichen wird, um der Sommersonne für eine lange Zeit zu trotzen.

Allgemeine Informationen zum SMOS-Satellitengibt es auf der ESA-Website unter http://www.esa.int/esaCP/SEMB4L4AD1G_Germany_0.html und speziell zu den Meereisdickenmessungen des Satelliten unter http://www.esa.int/esaLP/SEM361BX9WG_index_0.html.

Unverständliche CEOs

Kauderwelsch in den Führungsetagen: Seit Jahresbeginn haben Prof. Dr. Frank Brettschneider und sein Team von der Universität Hohenheim untersucht, wie verständlich die 30 führenden Manager Deutschlands auf Jahreshauptversammlungen sprechen. Seit der Halbzeit-Auswertung Anfang Mai hat Daimler-Chef Dieter Zetsche seinen Spitzenplatz im Ranking an René Obermann von der Telekom verloren.

WWWW vom 4.6.2012: Argusaugen und Frequenzkämme

Chip funkt Bilder ins Auge

My eye
Ein winziger Chip, Argus II genannt, verspricht für viele blinde Menschen die Hoffnung, zumindest einen Teil ihrer Sehkraft wiederzuerlangen. Am Uniklinikum Aachen wird er seit Kurzem in das menschliche Auge implantiert. Argus II ersetzt dabei einen Teil der Netzhaut und kommt bei einer Augenerkrankungen zum Einsatz, bei der die menschliche Netzhaut ihre Funktion verloren hat. An der Retinitis pigmentosa (RP) genannten, erblich bedingten Netzhautdegeneration leiden allein in Deutschland etwa 30.000 bis 40.000 Menschen, weltweit sind es drei Millionen. Die Krankheit zerstört die Photorezeptoren in der Netzhaut – die Patienten erblinden schließlich vollständig.

Methan auf dem Mars kommt aus dem All

Es war eine Sensation, als Wissenschaftler vor neun Jahren Methan in der Marsatmosphäre entdeckten. Für viele gilt das Gasvorkommen als klarer Hinweis für Leben auf dem unwirtlichen Planeten, da Methan auf der Erde vorwiegend durch biologische Vorgänge entsteht. Andere vermuten geologische Prozesse wie Vulkane als Ursache. Doch bis jetzt fehlt ein Beweis, was die tatsächliche Methanquelle ist. Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz und der Universitäten in Utrecht und Edinburgh konnten jetzt zeigen, dass Methan aus einem Meteoriten entweicht, wenn man ihn unter Mars-Bedingungen mit ultraviolettem Licht bestrahlt.
Ultraviolet radiation induced methane emissions from meteorites and the Martian atmosphere
Frank Keppler, Ivan Vigano, Andy McLeod, Ulrich Ott, Marion Früchtl, Thomas Röckmann
Nature, 31. Mai 2012; DOI 10.1038/nature11203 (2012)

Laserkämme messen genauer

Laser-Frequenzkämme können jetzt als Kalibrationsquellen an astronomischen Spektrographen eingesetzt werden. Dies erleichtert die Suche nach extrasolaren Planeten, die einen Stern außerhalb unseres Sonnensystems umkreisen. Eine verbesserte Kalibration könnte es außerdem ermöglichen, selbst sehr kleine Änderungen der Ausdehnungsgeschwindigkeit des Universums direkt zu messen.
Originalveröffentlichung:
Tobias Wilken, Gaspare Lo Curto, Rafael A. Probst, Tilo Steinmetz, Antonio Manescau, Luca Pasquini, Jonay I. González Hernández, Rafael Rebolo, Theodor W. Hänsch, Thomas Udem & Ronald Holzwarth
A spectrograph for exoplanet observations calibrated at the centimetre-per-second level
Nature, 31. Mai 2012, DOI:10.1038/nature11092

Eiszeit trennte Libellen

Bei manchen Tier- oder Pflanzenarten leben die einzelnen Populationen sehr weit voneinander getrennt. Durch den Vergleich von Erbgut-Analysen kann darauf geschlossen werden, wie lange die Populationen schon isoliert voneinander existieren. Ein internationales Forscherteam, unter anderem von der Universität Göttingen, hat Teile des Erbguts von verschiedenen Populationen asiatischer Libellen untersucht und verglichen. Ihre Studie zeigt, dass die letzte Eiszeit das heutige Vorkommen von seltenen Libellen in Asien stark beeinflusst hat.
Originalveröffentlichung: Büsse et al. (2012): Phylogeographic analysis elucidates the influence of the ice ages on the disjunct distribution of relict dragonflies in Asia. PLoS ONE. DOI: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0038132.

Wann begannen die Kontinente zu driften?

Ein internationales Wissenschaftlerteam unter Beteiligung der Universität Bonn datiert das Einsetzen der Kontinentaldrift auf der Erde vor rund 3,2 Milliarden Jahren. Die Forscher analysierten Hafnium- und Sauerstoff-Isotope in sehr altem Gestein aus Westgrönland.