WWWW vom 30.7.2012: Wer darf wann ein Organ bekommen?

Juristen schlagen Änderungen bei Organtransplantation vor

Bei der Transplantation von Spenderorganen ist es nach Ansicht Heidelberger Rechtswissenschaftler verfassungsrechtlich zulässig und geboten, die Verteilung knapper Organe nicht nur an der medizinischen Dringlichkeit auszurichten, sondern auch die Erfolgsaussichten der Transplantation zu berücksichtigen. Allerdings ist das „Erfolgskriterium“ an bestimmte Voraussetzungen gebunden, wie der Strafrechtsprofessor Dr. Gerhard Dannecker und seine Mitarbeiterin Anne Franziska Streng in einem Aufsatz in der „Juristenzeitung“ darlegen.

Haifischzähne sind so hart wie unsere

Und der Haifisch, der hat Zähne… – aber was für welche: Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung (MPIE) in Düsseldorf haben die Zahnstrukturen bei Hai und Mensch analysiert und dabei Erstaunliches festgestellt: Obwohl die Beißer des Raubtiers zu hundert Prozent Fluoride enthalten, also das Mineral, das niedrigdosiert in Zahncremes steckt, sind sie nicht härter als unsere.
Die Forschungsergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des Journal of Structural Biology, 178 (2012), veröffentlicht.
DOI http://dx.doi.org/10.1016/j.jsb.2012.03.012

Software hilft Beachvolleyballern

Seit 1996 gehört Beachvolleyball zum festen Repertoire der Olympischen Spiele – auch 2012 in London. Bei der auf Sand gespielten Volleyball-Variante kommt es neben Schlagkraft und Reaktionsvermögen vor allem auf die richtige Taktik an. Wissenschaftler der TU München haben für den Deutschen Beachvolleyballverband ein Tool entwickelt, das erstmals bei der Olympia-Vorbereitung der Nationalteams zum Einsatz kam. „Beachscouter“ unterstützt die acht deutschen Spielerinnen und Spieler dabei, sich während des Turniers optimal auf ihre Kontrahenten einzustellen.

Pflanzen in Grube messen entdeckt

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt haben die umfangreiche Frucht- und Samensammlung aus der Grube Messel untersucht. Sie fanden dabei 140 verschiedene Pflanzengattungen, von denen 65 bisher unbekannt waren. Die Ergebnisse werden heute in den „Abhandlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung“ veröffentlicht. Sie belegen, dass Messel weltweit eine der artenreichsten Floren im Paläogen – der Zeitspanne von etwa 65 bis 23 Millionen Jahren vor heute – hatte.

Schwere Sterne haben oft einen Partner

Die schwersten Sterne im Universum drehen nicht so ruhige Bahnen, wie bislang gedacht. Weil sie sehr eng an Nachbarsterne herankommen, saugen sie ihren Begleitern zum Beispiel wie ein Vampir Materie ab oder verschmelzen zu noch größeren Sternenkolossen. Das hat nun ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn herausgefunden.

WWWW vom 23.7.2012: Maulwurf-Roboter schmelzt sich durchs Eis

Forscher der FH Aachen haben den „IceMole“ entwickelt, eine Einschmelzsonde, die sich wie ein Maulwurf durch das Eis schmelzen kann. Mit der „IceMole“-Technologie ist es möglich, nach Spuren von Leben im Eis zu forschen sowie die Eistemperatur, den Druck und andere Parameter in verschiedenen Schichten zu ermitteln. Später soll der „IceMole“ sogar im Weltall eingesetzt werden können. Zuerst allerdings testen die Forscher des Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen die Sonde auf ihre Funktionalität unter realen Bedingungen auf der Erde.
Der "IceMole" gräbt sich wie ein Maulwurf durch das Eis Foto: FH Aachen/www.lichtographie.de

Aerographit leichtestes Material der Welt

Mit ihrer Entwicklung von 99,99 Prozent Luft und 0,01 Prozent graphitischen Kohlenstoffs belegen die Tüftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) seit gestern, (Donnerstag, 19. Juli) den ersten Platz unter den TOP 40 der Fachzeitschrift „Advanced Materials“. Gemeinsam gelang den Wissenschaftlern die Herstellung des zurzeit leichtesten Materials der Welt. Das Leichtgewicht mit Namen „Aerographit“ zeichnet sich durch einzigartige Eigenschaften aus. Es ist beispielsweise pechschwarz, stabil, elektrisch leitfähig, verformbar und undurchsichtig. Dadurch sind zahlreiche Anwendungen von Batterien bis Satellitentechnik denkbar.
Originalpublikation: Advanded Materials: „Aerographite: Ultra Lightweight, Flexible Nanowall, Carbon Microtube Material with Outstanding Mechanical Performance“; Autoren: Matthias Mecklenburg, Arnim Schuchardt, Yogendra Kumar Mishra, Sören Kaps, Rainer Adelung, Andriy Lotnyk, Lorenz Kienle and Karl Schulte. DOI: 10.1002/adma.201200491
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/adma.201200491/pdf

Kapsel zeichnet Darmbewegung auf

Jeder fünfte Patient im Wartezimmer von Ärzten leidet am so genannten Reizdarmsyndrom (RDS). Darmkrankheiten und Verdauungsstörungen werden meist schamhaft verschwiegen. Dabei ist der Darm – das größte Organ des menschlichen Körpers – besonders wichtig für die Immunabwehr sowie als Hauptportal für Arzneimittel. In den Industrieländern leiden über 10 % der Bevölkerung an RDS, in Südamerika über 40 %.
Eine Forschungsgruppe der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jenaentwickelte kürzlich ein System, mit dem erstmals wirklich die Bewegungen im gesamten Darm beobachtet werden können. Das Gerät kann ebenfalls am Körper getragen werden. Die dabei benutzte Kapsel kann problemlos den gesamten Darm passieren. Sie erfasst die Bewegungen des Darminhaltes kontinuierlich während der gesamten Passagezeit und zeigt sie dreidimensional in Echtzeit auf einem Bildschirm an.

Auch Fruchtfliegen belohnen sich mit Dopamin

Jedes Kind lernt schnell, negative Situationen zu vermeiden und nach positiven zu streben. Doch nicht nur Menschen können sich an positive und negative Sinneseindrücke erinnern; sogar das verhältnismäßig kleine Gehirn von Fruchtfliegen ist dazu in der Lage. Dabei spielen Nervenzellen eine Rolle, die mit den Pilzkörpern im Fruchtfliegengehirn verbunden sind und den Botenstoff Dopamin enthalten. Forscher des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie in Martinsried identifizierten vier verschiedene spezifische Typen solcher Nervenzellen. Drei dieser Nervenzelltypen übernehmen verschiedene Funktionen bei der Speicherung negativer Reize, während der vierte es den Fliegen ermöglicht, sich positive Sinneseindrücke zu merken.
Originalpublikationen:
Chang Liu, Pierre-Yves Plaçais, Nobuhiro Yamagata, Barret D. Pfeiffer, Yoshinori Aso, Anja B. Friedrich, Igor Siwanowicz, Gerald M. Rubin, Thomas Preat, Hiromu Tanimoto
A subset of dopamine neurons signals reward for odour memory in Drosophila
Nature, 18.Juli 2012, DOI: 10.1038/nature11304

Teilnehmern an Kinder-Trauma-Studie gesucht

In Deutschland sind jährlich Tausende von Kindern sehr belastenden Lebensereignissen wie schweren Unfällen, Katastrophen, lebensbedrohlichen Krankheiten, aber auch Misshandlung, schwerer Vernachlässigung, sexueller oder häuslicher Gewalt ausgesetzt. Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sind eine mögliche Folgereaktion solcher Extrembelastungen. Das Projekt TreatChildTrauma hat sich zum Ziel gesetzt, die Versorgung seelisch traumatisierter Kinder mit PTBS, die in Deutschland gar nicht oder wenig zielgerichtet erfolgt, zu verbessern und die Betroffenen so vor oft lebenslangen Spätfolgen zu bewahren. Die Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie führt dazu mit ihren Kooperationspartnern die in diesem Fachgebiet bundesweit erste multizentrische Studie durch, an der Betroffene teilnehmen können.
Ab sofort können betroffene Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern bzw. Bezugspersonen an der Studie teilnehmen.
Kontakt:
Tel. 0731/500-62626
E-Mail: tct.kjp@uniklinik-ulm.de

WWWW vom 17.7.2012: Amselsterben und Schlafkrankheit

Genanalyse hilft bei Netzhauterkrankungen

Eine entscheidende Hürde in Diagnostik und Therapie erblicher Netzhauterkrankungen haben Wissenschaftler in den letzten Jahren genommen – sie haben den Sprung vom Labor in die Klinik geschafft. Eine Vielzahl verschiedener Therapiekonzepte wird bereits in klinischen Studien an Patienten erprobt oder steht kurz davor. Von einem »Durchbruch« sprechen Experten auf dem 17. Weltkongress der Selbsthilfeorganisation RETINA INTERNATIONAL auch angesichts der neuen Möglichkeiten der Genanalyse, welche die Diagnostik dieser Erkrankungen einerseits erleichtert, die Genetiker, Augenärzte und Patienten aber auch vor neue Herausforderungen stellt.

Amselsterben: Bitte tote Vögel melden

April21-AmselFoto: April21-Amsel by Charlott_L, on Flickr, CC-NC-SA

Gestern Abend haben Virologen des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) sechs tote Amseln aus Rheinland Pfalz und erstmals auch eine Amsel aus Nordrhein-Westfalen positiv auf das von Mücken übertragene Usutu-Virus getestet. Damit bestätigten sie die Prognose von Mückenexperten der Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) aus dem Frühjahr, dass im Sommer 2012 ein erneutes Amselsterben zu erwarten sei und der Ausbruch andere Bundesländer erfassen könnte.
MELDEFORMULAR: http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/forschung/amselsterben

Hoffnung für Medikament gegen Schlafkrankheit

Gegen die Afrikanische Schlafkrankheit werden dringend bessere Medikamente benötigt. Würzburger Wissenschaftler haben einen viel versprechenden neuen Wirkstoff entwickelt, den es nun weiter zu optimieren gilt.
Die Afrikanische Schlafkrankheit wird von dem tropischen Parasiten Trypanosoma brucei ausgelöst. Dieser einzellige, wurmartige Organismus ist in Afrika südlich der Sahara verbreitet. Auf den Menschen kann er durch den Stich einer Tse-Tse-Fliege übertragen werden. Die Infizierten bekommen zuerst Kopf- und Gliederschmerzen, dann stellen sich Verwirrung, Krämpfe und andere Symptome ein. Am Ende fallen sie in eine Art Wachkoma und sterben. Jedes Jahr kommt es zu 30.000 Neuinfektionen.

Gewaltvideospiele wecken Schuldgefühle

Werden Probanden nach dem Spielen eines gewalthaltigen Videospiels dazu aufgefordert, ein Geschenk auswählen, entscheiden sich unerfahrene Videospieler – im Gegensatz zu jenen, die öfters gewalthaltige Videospiele spielen – häufiger für hygienischere Produkte, wie Duschgel, Zahnpasta und Deodorants. Weiter empfinden unerfahrene Spieler die Gewalt in Videospielen als größere moralische Belastung. Dies ging aus einer aktuellen Studie der Universität Luxemburg hervor.

Webapp solle bei Mathe helfen

Mathematik-Didaktiker an der Universität Bayreuth haben eine neuartige Software für den Geometrieunterricht an Schulen entwickelt. Auf Tablet-Computern, die direkt über Fingerbewegungen auf einem Touchscreen gesteuert werden, können Schülerinnen und Schüler in kürzester Zeit präzise geometrische Konstruktionen entwickeln und ain der Cloud abspeichern. Die Software mit dem Namen “Sketchometry” ist im WWW uneingeschränkt und kostenlos zugänglich.

http://sketchometry.org

WWWW vom 9.7.2012: Wie gut können wir einen Menschen wiederbeleben?

Fahrer flieht nach Unfall A66 Erbenheim 04.10.09

Lübecker Studie: Wissen um Notfallbasismaßnahmen

Bei einem plötzlichen Herzkreislaufstillstand ist es überlebensentscheidend, ob schnell genug wiederbelebt wird. Jeder von uns kann von einem Moment auf den anderen gefordert sein. Allerdings ist die Laienreanimationsquote in Deutschland im internationalen Vergleich gering. Jetzt ermittelt eine Lübecker Studie den Kenntnisstand zu Notfallbasismaßnahmen in der Bevölkerung. Sie wird von der Klinik für Anästhesiologie der Universität zu Lübeck und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, durchgeführt. Die Leitung der Studie haben Dr. med. Jan Wnent und Holger Maurer.

Tödliche Krankheit bei Wolfshunden

Bei Irischen Wolfshunden wird häufig eine tödliche Herzerkrankung diagnostiziert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Tierzucht und Vererbungsforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) konnten jetzt in Kooperation mit einer veterinärmedizinischen Herzspezialistin aus Wissen im Westerwald und Forschern aus Uppsala und Lyon Genorte identifizieren, die an der Entstehung der dilatativen Kardiomyopathie (DCM) beim Irischen Wolfshund beteiligt sind. Die Ergebnisse dieser Studie haben die Wissenschaftler im internationalen Fachmagazin PlosOne unter http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0036691 veröffentlicht

Laser mach Atome zur Materiewelle

Dass Licht entgegen unserer Intuition nicht immer mit Wärme gleichzusetzen ist, macht sich die Quantenphysik bei der Erforschung von Atomen und deren Eigenschaften zunutze. Der Arbeitsgruppe Atomoptik am Institut für Laserphysik der Universität Hamburg ist es nun gelungen, mit Licht Gas-Atome so stark herunter zu kühlen, dass sie sich zu einer Materiewelle zusammenschließen. Das berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Science. Das Gas ist dann mehr als 10 Millionen Mal kälter als der Weltraum, in dem ungefähr drei Grad über dem absoluten Nullpunkt (-273,15 Grad) herrschen.

Wie arbeitet es sich im Büro wenn es heiß ist?

Wie sich hohe Temperaturen in Büroräumen auf die Beschäftigten auswirken, das hat eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untersucht. 20 Versuchspersonen simulierten in einem Versuchsraum Büroaufgaben. Dabei wurden verschiedene physiologische Parameter gemessen und die Leistungsfähigkeit der Probanden überprüft. Auf den ersten Blick überraschte das Ergebnis: Trotz Hitze nahm die Arbeitsqualität nicht ab. Doch die Versuchsteilnehmer mussten sich mehr anstrengen, um gleiche Leistungen zu erbringen. Alle Ergebnisse befinden sich im BAuA-Forschungsbericht „Hitzebeanspruchung und Leistungsfähigkeit in Büroräumen bei erhöhten Außentemperaturen“.
Den kompletten Bericht gibt es unter http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F2039.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Dynorphine spielen Rolle beim Angstvergessen

Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Berlin haben einen Mechanismus entdeckt, der nach einem Stressereignis das Vergessen der Furcht unterbindet. Sie zeigten in Experimenten, dass das Abklingen der Angst unterbleibt, wenn zu wenig Dynorphine im Gehirn ausgeschüttet werden. Die Ergebnisse können helfen, neue Wege in der Behandlung von Traumapatienten aufzuzeigen. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des Journal of Neuroscience veröffentlicht.
Publikation: Dynorphins Regulate Fear Memory: from Mice to men, The Journal of Neuroscience, DOI: 10.1523/JNEUROSCI.1034-12.2012

WWWW vom 2.7.2012: Kulturlandschaften

Ich spreche heute mit Professor Jörn Fischer aus Lüneburg, der sich für den nachhaltigen Erhalt dieser Flächen einsetzt und auch die Agrarpolitiker der Europäischen Union dafür sensibilisieren möchte.

Er ist Mitverfasser der Studie „Conservation policy in traditional farming landscapes“,für den nachhaltigen Erhalt dieser Flächen einsetzt und auch die Agrarpolitiker der Europäischen Union dafür sensibilisieren möchte.
Mittlerweile fördert die Europäische Union nicht nur die produktionsorientierte Landwirtschaft, sondern hält auch die traditionellen Flächen in allen Teilen der Union für erhaltenswert. „Trotzdem drehen sich die Diskussionen im Rahmen der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) vor allem darum, wie viele Subventionen in Zukunft für welche Landnutzungspraktiken ausgegeben werden sollen“, sagt Jörn Fischer. Und genau diesen Weg halten Fischer und sein Mitautor Tobias Kümmerle nicht für den Richtigen.

Die vollständige Studie „Conservation policy in traditional farming landscapes“ von Jörn Fischer, Tibor Hartel und Tobias Kümmerle ist online zu finden unter: http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1111/%28ISSN%291755-263X/earlyview

Mer über die japanische Satoyama Initiative hier