WWWW vom 24.9.2012: Das lange Leiden der Koalas

Shownotes:

Koalas leiden schon seit tausenden von Jahren unter Retrovirus

Koala
Retroviren können sich in das Keimzellenerbgut von Koalas integrieren und somit deren Erbgut verändern. Der Koala ist die einzige bekannte Tierart, bei der so etwas beschrieben wurde. Der Prozess der Integration von Retroviren-DNA ist sehr langwierig, dabei kann der Retrovirus den Gesundheitszustand der Koalas über Jahrhunderte hinweg negativ beeinflussen. Das gilt zumindest für Einzelfälle. Diese Ergebnisse wurden jetzt von einem internationalen Team von Wissenschaftlern aus Australien, Europa und Nordamerika online in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Molecular Biology and Evolution veröffentlicht.

Link zum Thema Genmais http://www.arte.tv/de/todbringender-genmais/6939762.html (Danke Stefan)

475 Moleküle machen einen Eiskristall

Auch Eiskristalle fangen mal klein an, und sogar kleiner als bisher gedacht. Schon 475 Wassermoleküle bilden eine echte kristalline Ordnung, erste Ansätze davon sind bereits ab 275 Molekülen zu erkennen, wie eine Kooperation aus Göttinger und Prager Wissenschaftlern herausgefunden hat. Zuvor galten etwa 1000 Moleküle als Minimum für einen vollständigen Kristall.
Originalveröffentlichung: Cristoph C. Pradzynski, Richard M. Forck, Thomas Zeuch, Petr Slavíček, Udo Buck
A fully size-resolved perspective on the crystallization of water clusters. Science 21. September 2012, Doi: 10.1126/science.XXXXX

Sprachen sterben digital aus

Die meisten europäischen Sprachen werden in der digitalen Welt unter Umständen nicht überleben, warnt eine Studie der führenden europäischen Sprachtechnologie-Experten. In der Studie „Europe’s Languages in the Digital Age“ haben Wissenschaftler den Stand der Sprachtechnologie für 30 der ca. 80 europäischen Sprachen bewertet. Sie kommen zu dem Schluss, dass bei 21 der 30 untersuchten Sprachen ein digitaler Rückhalt nicht existiert oder bestenfalls schwach ist.

Weitere Informationen

http://www.meta-net.eu META-NET
http://www.meta-net.eu/whitepapers White Paper Serie
http://www.meta-net.eu/whitepapers/press-release Pressemitteilung in ca. 30 Übersetzungen

Algen und Bakterien helfen sich mit Sauerstoff und Kohlenstoff aus

Kleine einzellige Algen und stickstofffixierende Bakterien tauschen Kohlenstoff und Stickstoff in symbiotischer Beziehung aus und helfen so, die Weltmeere zu düngen.Ein internationales Team von Wissenschaftlern aus den USA, Frankreich und Deutschland hat eine ungewöhnliche Symbiose zwischen kleinen einzelligen Algen und hochspezialisierten Bakterien entdeckt. Diese Symbiose zwischen den beiden Organismen ist bisher einzigartig und spielt eine wichtige Rolle bei der Düngung der Weltmeere mit Stickstoffverbindungen.
Original article with doi
Novel unicellular cyanobacterium is symbiotic with a single-celled eukaryotic alga
Anne W. Thompson, Rachel A. Foster, Andreas Krupke, Brandon J. Carter, Niculina
Musat, Daniel Vaulot, Marcel MM Kuypers, & Jonathan P. Zehr
Science 20.September 2012, doi/10.1126/science.1222700

Deutsche Leistungsbilanz wird 2033 negativ

In der derzeitigen Wirtschaftskrise wird Deutschland häufig der Vorwurf gemacht, einen zu hohen Leistungsbilanzüberschuss auf Kosten anderer EU-Staaten zu erwirtschaften. Gefordert wird daher, die Deutschen sollten mehr konsumieren und weniger exportieren. Langfristig wird der deutsche Leistungsbilanzüberschuss ganz verschwunden sein. Die Ursache dieser Entwicklung ist der demografische Wandel, die Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim in Zusammenarbeit mit der Universität Ulm, die im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen durchgeführt wurde.

WWWW vom 17.9.2012: Fischvergiftung und lasergekühlte Lithiumatome

Kernphysik at its best

Eine Forschergruppe am MPI für Kernphysik hat erstmals erfolgreich eine magneto-optische Falle mit einem Reaktionsmikroskop kombiniert und in den Ionenspeicherring des Instituts integriert. Mit dem neu entwickelten Instrument lassen sich Reaktionen zwischen Ionen und Atomen in unübertroffener Genauigkeit und Auflösung studieren. Dies zeigen erste Stoßexperimente, bei denen Sauerstoffkerne auf lasergekühlte Lithiumatome geschossen wurden.
Wer mehr Details wissen will möge sich auf die Homepage der Uni begeben.

Fischvergiftung sorgt für Schmerzen bei Kälte

Pine crust sea brass
Das heftige Unwohlsein kommt völlig unerwartet nach einer guten, ohne Bedenken eingenommenen Fischmahlzeit, ausgelöst von einem Nervengift. Noch lange Zeit danach melden einige Nerven schmerzhafte Kälte bei Temperaturen, die früher als erfrischend kühl empfunden wurden − ein typisches Kennzeichen der tropischen Fischvergiftung Ciguatera. Nun hat eine Gruppe von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zusammen mit Kollegen von der Australischen University of Queensland in Brisbane herausgefunden, welcher Mechanismus diese Überempfindlichkeit in Gang setzt: Ein Kältesensor wird stark sensibilisiert.

Firnis zersetzt Gelb in Van-Gogh-Bild

Die rätselhafte Verfärbung eines wertvollen Van-Gogh-Gemäldes lässt sich dank einer detektivischen Röntgenanalyse jetzt erstmals erklären: Ein vermeintlich schützender Firnis, der nach dem Tod des Meisters auf das Bild „Blumen in blauer Vase“ aufgetragen wurde, hat demnach die Verfärbung einiger Blumen von einem leuchtenden Gelb zu einem matten Orange-Grau eingeleitet. Verantwortlich ist ein zuvor unbekannter Zersetzungsprozess, den Untersuchungen an der DESY-Röntgenquelle PETRA III und an der Europäischen Synchrotronquelle ESRF im französischen Grenoble erstmals enthüllt haben, und der sich an der Grenze zwischen Farbe und Firnis abspielt.

Sozialmoralische Landkarte

Prof. Dr. Michael Corsten, Sozialwissenschaftler an der Stiftung Universität Hildesheim, erforscht, welche Akteure sich aktiv in die Gesellschaft einbringen und wer sich zurückzieht. In „sozialmoralischen Landkarten” zeichnen die Forscher der Universitäten Hildesheim und Jena das Engagement oder Nicht-Engagement der Bürgerinnen und Bürger spätmoderner Gesellschaften nach. Mehr Infos zu den Landkarten hier.

Aachener Alice konkurriert erfolgreich mit Siri

Befehle ausführen, Daten recherchieren, Hardware steuern – für all das ist weder Maus noch Tastatur notwendig. Abdulmelik Su und Dhiren Kandhari haben eine Sprachsteuerungs-App für Android basierte Endgeräte programmiert, die dem Nutzer viele Dinge abnimmt, schnell Informationen liefert und als persönlicher Assistent fungiert. Nicht umsonst hat die App bereits Millionen Nutzer.

WWWW vom 10.9.2012: Brauchen Roboter Rechte?

Müssen soziale Roboter beschützt werden?

Asimo.JPG

Stefan hat mich aufmerksam gemacht auf ein Paper, dass sich mit der Frage beschäftigt, ob soziale Roboter irgendwann Rechte bekommen müssen, wie wir sie auch Tieren geben. Eine hochinteressante Frage, die noch längst nicht beantwortet ist.

This Article explores the human tendency to anthropomorphize social robots. It suggests that projecting emotions onto robotic companions could induce the desire to protect them, similar to our eagerness to protect animals that we care about. The practice of assigning rights to non-human entities is not new. Given societal demand, laws protecting social robots could fit into our current legal system parallel to animal abuse laws. While the nature of this analysis is descriptive, it aims to provide a basis for normative discussion.

Das komplette Paper zum download

Roboter kartiert antikes Italien

Mit einem in Bremen entwickelten Robotersystem ist es nun erstmals möglich, archäologisch relevante Daten durch weitgehend automatisierte Prozesse aufzunehmen. Forscher der Jacobs University testeten in Kooperation mit dem Institut für Kulturgeschichte der Antike der österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Soprintendenza Speciale per i Beni Archeologici di Roma – Sede di Ostia erfolgreich einen mobilen Roboter auf dem Ausgrabungsgelände Ostia Antica bei Rom. Ein antikes Wohnhaus konnte so als präzises virtuelles 3D-Modell dargestellt werden .

Pilze machen aus normaler Geige eine Stradivari

Bei einer guten Geige kommt es nicht nur auf die Fähigkeiten des Geigenbauers an, sondern auch auf die Qualität des verwendeten Holzes. Dem Holzforscher Prof. Francis W. M. R. Schwarze (Empa, Schweizerische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt1 St. Gallen, Schweiz) ist es gelungen, das Holz für eine Geige mit Hilfe von besonderen Pilzen so zu verändern, dass der Klang des Instruments einer Stradivari zum Verwechseln ähnlich ist. In seiner Festrede beim 1. ECRC „Franz-Volhard“ Symposium am Max Delbrück Centrum (MDC) am 7. September 2012 in Berlin berichtete er über seine Forschungen und gab einen Ausblick, was seine Entwicklung gerade für junge Musiker bedeuten könnte.

http://www.mdc-berlin.de/

Publikum schaut beim Konzert genau hin

Ein Konzertpublikum bewertet Musikdarbietungen erheblich besser, wenn es dem Interpreten nicht nur zuhören, sondern auch zusehen kann. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Musikpsychologie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH). „Diese Tendenz ist genre-übergreifend beobachtbar und gibt einen deutlichen Hinweis darauf, dass das Musik-Erleben viele Sinne einbezieht und nicht als ausschließlicher Hörvorgang gesehen werden darf“, erläutert Professor Dr. Reinhard Kopiez, führender Musikpsychologe der HMTMH.

http://www.hml.hmtm-hannover.de

WWWW vom 3.9.2012: Drosophila und Ameisen

Antibiotika: Von Ameisen lernen

Red Ants

Viele krankheitserregende Bakterien werden zunehmend resistent gegen Antibiotika. Neue Wirkstoffe sind dringend nötig, und die Suche danach erstreckt sich auch auf die Welt der Ameisen. Dort haben Würzburger Biologen jetzt etwas Neues entdeckt.
Ratzka C, Förster F, Liang C, Kupper M, Dandekar T, et al. (2012): Molecular Characterization of Antimicrobial Peptide Genes of the Carpenter Ant Camponotus floridanus. PLoS ONE 7(8): e43036, 9 August 2012, doi:10.1371/journal.pone.0043036

Im Internet ist die Publikation zu finden unter
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0043036

Gen ist für manische Stimmung verantwortlich

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Bei Menschen mit einer bipolaren Störung wechseln sich depressive und manische Episoden ab. Wissenschaftler der Universität Bonn und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim haben nun anhand von Patientendaten und Tiermodellen entschlüsselt, wie das Gen NCAN zu manischen Symptomen bei der bipolaren Störung führt.

Publikation: Studies in humans and mice implicate neurocan in the etiology of mania, The American Journal of Psychiatry, DOI: 10.1176/appi.ajp.2012.11101585

Eichenwickler-Weibchen sind smarter als die Eiche

Immer wieder kann man im Sommer Eichen beobachten, die von massenhaft auftretenden Larven des Eichenwicklers, eines Kleinschmetterlings, kahlgefressen wurden. Dabei sind die Wirtsbäume keineswegs nur die passiv Duldenden und die blattfressenden Larven die Aktiven. Pflanzen und Fressfeinde liefern sich einen permanenten Kampf zwischen Abwehr, dem Durchbrechen der Abwehr und dem Entwickeln neuer Abwehrmechanismen. Forstwissenschaftler des Thünen-Instituts in Großhansdorf bei Hamburg konnten jetzt in Kooperation mit dem Helmholtz Zentrum München ein neues Detail in diesem komplizierten Gefüge aufklären.
Nähere Informationen in:
Ghirardo A, Heller W , Fladung M, Schnitzler JP, Schroeder H. (2012): Function of defensive volatiles in pedunculate oak (Quercus robur) is tricked by the moth Tortrix viridana. Plant, Cell and Environment, DOI: 10.1111/j.1365-3040.2012.02545.x

Netzwerke entwickeln sich sprunghaft, und sind dann kaum kontrollierbar

Dass sich ein Netzwerk – sei es ein Freundeskreis, ein Computernetzwerk oder die Nervenzellen des Gehirns – durch das Hinzufügen von einigen wenigen Verbindungen dramatisch vergrößern kann, war wohlbekannt. Unklar blieb der Zusammenhang zwischen langsamen und abrupten Wachstumsschüben. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) und der Universität Göttingen erklären diesen Zusammenhang mit der Entdeckung einer Teufelstreppe, die sowohl sprunghaftes, als auch allmähliches Wachstum vereinigt. Die Ergebnisse dieser theoretischen Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht.

Fliegenohr hat Riech- und Sehzellen

Sinneszellen für Sehen, Riechen und Hören benutzen unterschiedliche Proteine um sensorische Signale zu entschlüsseln: Photorezeptoren, Chemorezeptoren und Hörsinneszellen. Wissenschaftler der Universität Göttingen haben gemeinsam mit Forschern des Max-Planck-Instituts für Zellbiologie und Genetik in Dresden entdeckt, dass diese verschiedenen Proteine im Ohr der Fruchtfliege Drosophila vorkommen und dass die Fliege Rhodopsine und olfaktorische Rezeptorproteine zur Schallverarbeitung benutzt.
Originalveröffentlichung: Pingkalai Senthilan et al. Drosophila auditory organ genes and genetic hearing defects. Cell (2012). http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2012.06.034