WWWW vom 29.10.2012: Nachrichten aus der Wissenschaft

Was macht für Frauen den perfekten Tag

Dr. Christian Kroll, Research Fellow an der Jacobs University hat in Zusammenarbeit mit Dr. Sebastian Pokutta, Wissenschaftler am Georgia Institute of Technology, herausgefunden, welche Aktivitäten Frauen für wie lange über den Tag verteilt ausüben müssten, um einen perfekten Tag zu erleben. Sie analysierten Glück mit Methoden der Optimierungsforschung, die normalweise zur Anpassung von Produktionszyklen in der Industrie Anwendung finden. Sie haben Daten des Nobelpreisgewinners Daniel Kahneman von über 900 befragten Frauen ausgewertet.

Fragen zur Studie beantwortet:
Dr. Christian Kroll> http://www.christiankroll.eu

Wie Hirnregionen sich verschalten

Wissenschaftler des ZI fanden erstmals bei schlafenden Mäusen den Nachweis für die andauernde Aktivität in einer bestimmten Nervenzellgruppe, die eine zentrale Schaltstelle für die Gedächtnisbildung ist. Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Neuroscience veröffentlicht. Den Wissenschaftlern gelang es, die „Konversation“ der Neurone zwischen den beteiligten Hirnregionen zu beschreiben. Genau die untersuchten Hirnareale sind auch als erste bei der Alzheimer Demenz betroffen, daher sind die Studienergebnisse von großer Bedeutung für die Erforschung dieser Erkrankung.

Neues Modell berechnet Ausbreitung von Epidemien schneller

Epidemien könnten sich künftig wirkungsvoller eindämmen lassen. Eine neue computergestützte Methode, die Forscher des Leipziger Max-Planck-Institutes für Mathematik in den Naturwissenschaften entwickelt haben, identifiziert jene Personen in der Bevölkerung, die eine Infektion am stärksten verbreiten. Gegenüber anderen Methoden zeichnet sich das Verfahren dadurch aus, dass es mit wesentlich weniger Rechenaufwand als vergleichbare Präzisionsverfahren die tatsächliche Anzahl von Menschen abschätzt, die eine bestimmte Person direkt oder indirekt angesteckt.

Pulsare: Schwarze Witwe dreht in Rekordgeschwindigkeit

Pulsare sind die kompakten Überreste von Explosionen massereicher Sterne. Manche von ihnen drehen sich mehrere hundert Mal innerhalb einer Sekunde um die eigene Achse und schicken dabei Strahlungsbündel ins All. Diese Millisekundenpulsare ließen sich bisher nur durch ihre Radiowellen aufspüren. Nun haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut, AEI) in Hannover mit Unterstützung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie erstmals einen Millisekundenpulsar allein anhand seiner gepulsten Gammastrahlung entdeckt. Entscheidend für den Erfolg war eine neue, am AEI entwickelte Analysemethode. Der Pulsar besitzt einen Begleitstern, den er in engem Kreistanz vernichtet – Astronomen bezeichnen ihn daher als Schwarze Witwe.

WWWW vom 22.10.2012: Von Tetrapoden zu Xenon-Vorkommen

Ur-Fisch war ein Landtier

Urvierfüsser
Florian Witzmann und Johannes Müller vom Museum für Naturkunde Berlin bewiesen, dass auch in alten wissenschaftlichen Sammlungen außergewöhnliche Funde auf ihre Entdeckung warten. Mit ihren Forscherkollegen Jennifer Clack (Cambridge, GB) und Daniel Snyder (Dublin, Georgia, USA) identifizierten sie ein ehemals für einen Fisch gehaltenes Fossil als Vierfüßer (Tetrapoden), der aus 340 Millionen Jahre alten Gesteinschichten von St. Louis, Missouri (USA) stammt. Der sensationelle Fund stellt eines der wenigen Zeugnisse aus einer für die Wirbeltiere entscheidenden Phase der Erdgeschichte dar, dem Unter-Karbon, in welcher der eigentliche Schritt der Tetrapoden vom Wasser auf das Land stattfand.

Neue Messmethode zur C14-Kalibrierung

Mithilfe einer neuen Messreihe von Radiokohlenstoffdaten an jahreszeitlich laminierten Sedimenten aus dem Suigetsu-See in Japan ist in Zukunft eine präzisere Kalibrierung von Radiokohlenstoffdatierungen möglich. In Kombination mit einer genauen Zählung der saisonal geschichteten Ablagerungen im See ergab sich eine bisher unerreichte Präzision der bekannten 14C-Methode, mit der es jetzt möglich ist, auch ältere Objekte der Klimaforschung oder der Archäologie genauer zu datieren, als es bisher möglich war.
Christopher Bronk Ramsey et al.,“A Complete Terrestrial Radiocarbon Record for 11.2 – 52.8 kyr BP,” Science, 338, (6105), 370-374, 10.1126/science.1226660

Warum gibt es so wenig Xenon?

Weshalb kommen die Edelgase Argon und Xenon auf der Erde in so ungleichen Mengen vor? Während Argon, nach Stickstoff und Sauerstoff, das dritthäufigste Element in der Lufthülle der Erde ist, finden sich darin nur sehr geringe Spuren von Xenon. Dies ist angesichts der auf der Erde gefundenen Chondriten umso rätselhafter. Diese Meteoriten, die wie die Erde vor rund 4,5 Milliarden Jahren entstanden sind und als steinerne Zeugen aus der Frühzeit des Sonnensystems gelten, weisen einen erheblich höheren Xenongehalt auf.
Eine Lösung dieses in der Forschung seit langem diskutierten Rätsels haben jetzt Prof. Dr. Hans Keppler und Dr. Svyatoslav Shcheka am Bayerischen Geoinstitut – einem Forschungszentrum der Universität Bayreuth – entwickelt.

Titankammer lässt Kunst-Gewebe besser durchbluten

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten jetzt mit einer neuartigen Titankammer künstliches Gewebe züchten, das Patienten mit Gewebedefekten transplantiert werden kann.
Die Gewebezüchtung im Labor war in der Vergangenheit oft kein Problem. Wurde das Verfahren jedoch am Patienten angewendet, scheiterte es bisher meistens an der mangelhaften Durchblutung der neu gebildeten Gewebe.

PS.: Ja ich weiss der Ton ist schlecht. Ich hatte am Wochenende die Scienceblogs im Hotel per internes Mikro aufnehmen müssen und vergaß heute umzustellen. Gelobe Besserung nächste Woche.

WWWW vom 15.10.2012: Pilze, die Insekten töten

Schlauchpilz produziert hochaktives Insektizid

Die Pflanze Bontia daphnoides beherbergt den Schlauchpilz Hypoxylon pulicicidum – derselbe Pilz, den Forscher auf Martinique fanden. M. Stadler / HZI
Die Pflanze Bontia daphnoides beherbergt den Schlauchpilz Hypoxylon pulicicidum – derselbe Pilz, den Forscher auf Martinique fanden. M. Stadler / HZI

Ein Team von Wissenschaftlern aus Spanien, Frankreich und Deutschland hat ein 20 Jahre altes Rätsel gelöst: Es hat den Pilz identifiziert, der eine Klasse von Insektiziden herstellt, die sogenannten Nodulisporsäuren. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler um Prof. Marc Stadler, Leiter der Arbeitsgruppe „Mikrobielle Wirkstoffe“ am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), in der Fachzeitschrift PLOS ONE. Die Methoden, die bei der Identifikation von Hypoxylon pulicicidum angewandt wurden, könnten sich – so hofft Stadler – künftig für die Entdeckung neuer Antibiotika einsetzen lassen.

Wirkung von Listerien aufgeklärt

Das Bakterium Listeria monocytogenes gehört zu den gefährlichsten Lebensmittelkeimen; die Sterblichkeitsrate bei Infektionen beträgt bis zu 30 Prozent. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) unter der Leitung von Prof. Dr. Trinad Chakraborty, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, haben nun herausgefunden, wie infizierte Zellen unterscheiden, ob es sich um tote oder lebende Listerien handelt. Eine wichtige Fähigkeit, denn von dieser Unterscheidung hängt ab, wie stark die Reaktion des Immunsystems ausfallen muss. Lebende Listerien sind weitaus gefährlicher und erfordern eine starke Reaktion des Immunsystems.

Spendernieren halten in Europa länger

Nierentransplantationen sind in Europa langfristig deutlich erfolgreicher als in den USA: Während die Funktionsraten nach einem Jahr mit rund 90 Prozent übereinstimmen, funktionieren nach fünf Jahren in Europa noch 77 Prozent der Spendernieren, in den USA sind es bei weißen Amerikanern dagegen nur 71 Prozent. Nach zehn Jahren sind es 56 Prozent gegenüber 46 Prozent. Die niedrigeren Langzeitüberlebensraten im Vergleich zu Europa betreffen auch spanischstämmige US-Amerikaner, bei denen nach 10 Jahren 48 Prozent der transplantierten Nieren noch funktionieren, und insbesondere Afroamerikaner mit 33 Prozent.
Weitere Information im Internet:

Collaborative Transplant Study CTS: http://www.ctstransplant.org

4 Milliarden Diollar helfen Tieren und PFlanzen vor dem Aussterben

Die internationalen Regierungen haben sich dazu verpflichtet, das Aussterben von Arten zu stoppen und wichtige Gebiete zum Erhalt von Biodiversität bis 2020 unter Schutz zu stellen. Zur Konferenz der Konvention zur Biodiversität (CDB), die derzeit in Hyderabad/Indien stattfindet, hat ein internationales Team von Forschern der Universität Freiburg, BirdLife International und der Royal Society zum Schutz von Vögeln zum ersten Mal die notwendigen Kosten beziffert, um die dringlichsten Biodiversitätsziele der CDB zu verwirklichen: bedrohte Arten zu retten und die wichtigsten Gebiete für den Schutz der Artenvielfalt zu erhalten.
Publikation:
McCarthy et al. (2012) Financial Costs of Meeting Two Global Biodiversity Conservation Targets: Current Spending and Unmet Needs. Science Express, 11. Oktober 2012

Studie untersucht Machbarkeit eines Müllschiffes

Ob Plastik, Kleider oder Metallschrott – über 100 Millionen Tonnen Müll befinden sich in den Weltmeeren. Doch nicht immer gelangt er mutwillig in die Ozeane. „Besonders auf kleinen touristisch genutzten Inseln, die über keine Recyclinganlagen verfügen, ist das sachgerechte Entsorgen von Müll schwierig. Häufig wird er auf ungeeigneten Flächen gelagert, verbrannt oder kommt über Flüsse ins Meer“, so Franz-Georg Elpers, Pressesprecher der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). In einer Studie des Kieler Ingenieurunternehmens Dipl.-Ing. Dirk Lindenau Maritime Engineering & Projecting soll ermittelt werden, wie Abfall nachhaltig auf speziellen „Recycling-Schiffen“ erfasst, behandelt und verwertet werden kann.

WWWW vom 8.10.2012: Arktis, Antarktis und LED-Leuchten

Polarstern kehrt zurück

Heute wird das Forschungsschiff Polarstern nach gut zwei Monaten von der Expedition IceArc in der Zentralarktis in Bremerhaven zurück erwartet. 54 Wissenschaftler und Techniker aus zwölf verschiedenen Ländern haben über zwei Monate im Hohen Norden den Rückgang des Meereises und die Konsequenzen für den Arktischen Ozean und seine Lebensgemeinschaften erforscht.
Für ihre Untersuchungen und Beobachtungen wurden eine Reihe von neuen Technologien eingesetzt, mit denen erstmals das Leben der Zentralen Arktis in und unter dem Eis bis in 4400 Meter Wassertiefe gefilmt und fotografiert werden konnte. Seit dem Auslaufen in Tromsø (Norwegen) am 2. August 2012 hat Polarstern rund 12.000 Kilometer zurückgelegt und dabei Untersuchungen an 306 Stationen durchgeführt. Darunter waren neun Eisstationen, bei denen das Schiff mehrere Tage an einer Scholle festmachte, um das Eis, darunter liegendes Wasser und den Meeresboden genauestens unter die Lupe zu nehmen.
Bei GEO gibt es noch mehr Infos und Videos

Eiszeit bedrohte Garnelen, Klimaerwärmung auch

Nematocarcinus lanceopes – dieser Garnele machte das letzte glaziale Maximum keine Probleme. © Armin Rose
Nematocarcinus lanceopes – dieser Garnele machte das letzte glaziale Maximum keine Probleme. © Armin Rose

Wissenschaftler von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven haben gemeinsam mit Kollegen aus Großbritannien und Neuseeland erstmals ein Artverbreitungsmodell für antarktische Garnelen erstellt. Sie konnten sowohl die aktuelle Verbreitung der Tiere rekonstruieren als auch Rückschlüsse auf ihren Lebensraum während der letzten Eiszeit ziehen. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht nur Klimaerwärmung, sondern auch Abkühlung eine Gefahr für die Artenvielfalt darstellt.

Wissenswertes über LED: Interview mit Wolfgang Messer

Wolfgang ist Jahrgang 1961, seit dreieinhalb Jahrzehnten journalistisch unterwegs – für Zeitungen, Zeitschriften, Bildschirmtext (die Älteren werden sich noch daran erinnern) und Radio – dazu Moderator und freiberuflicher Sprecher im Radio und TV. Er beschäftigt sich mit LED Lampen und Leuchten, und hat mir eine halbe Stunde lang Rede und Antwort gestanden. Mehr Infos unter http://fastvoice.net/

WWWW vom 1.10.2012: Nachrichten aus der Wissenschaft

Von Ratten, Krebs, Genmais und schlechten Statistiken

Die Unstatistik des Monats September ist die Meldung, dass genmodifizierter Mais Krebs erzeugen soll. Ein Wissenschaftlerteam um den Franzosen Gilles-Eric Séralini hatte berichtet, dass bei Ratten, die über einen längeren Zeitraum mit genmodifiziertem Mais gefüttert worden waren, schwere gesundheitliche Schäden aufgetreten sind. Die Meldung ist aber aus Sicht der Statistik nur als Unfug zu bezeichnen. Eine Analogie kann dies verdeutlichen: Drei von zehn Bundesbürgern sterben derzeit an Krebs. Greift man beliebig zehn Bundesbürger heraus, sterben aber nur selten genau drei davon an Krebs. Die tatsächliche Zahl der Krebsfälle schwankt dabei zwischen null und zehn. Wenn man wissen möchte, ob das Essen von Bonbons die Krebssterblichkeit erhöht, aber nur zehn Bürger untersucht, die keine Bonbons essen, dann kann es leicht sein, dass von diesen zehn nur zwei an Krebs sterben. Daraus kann man aber nicht schließen, dass Bonbons die Sterblichkeit um 50 Prozent (von zwei auf drei) erhöhen.

Eine Gazelle war eigentlich zwei Gazellen

Von der Chimäre zur Spezies: Fast 200 Jahre alte Museumsstücke dienten Forschern bisher als Beleg für die rätselhafte Arabische Gazelle. Nun wurde die Identität der Funde neu untersucht – und Überraschendes entdeckt.
Publikation:
The curious case of Gazella arabica
Eva Verena Bärmann, Saskia Börner, Dirk Erpenbeck, Gertrud Elisabeth Rössner, Christiana Hebel, Gert Wörheide
Mammalian Biology online 31.8.2012

Nanotechnik soll Batterien effektiver machen

Xinliang Feng, Chemiker am Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung, befasst sich mit neuartigen Materialien zur Energiespeicherung und Umwandlung. Seit Feng 2004 am MPI-P seine Promotion antrat, beschäftigt er sich mit der Synthese und Untersuchung dieser ultradünnen Nanomaterialien, insbesondere von Graphen. Dieser Stoff aus einer Schicht wabenförmig angeordneter Kohlenstoffatome gilt als Versprechen für die Zukunft. Graphen leitet ausgezeichnet Strom und Wärme, es ist sehr leicht und dehnbar, aber dennoch so hart wie ein Diamant und einhundertmal reißfester als Stahl.

Solarauto hält widrigen russischen Bedingungen stand

Die längste Kontinentaletappe der Weltrekordfahrt mit dem nur mit Sonnenenergie angetriebenen SolarWorld GT fand in diesen Tagen in Wladiwostok ihren Abschluss. Nach Australien, Neuseeland, den USA und Europa war die Reise nach Osten quer durch die Russische Föderation bisher der anspruchsvollste Teil der Tour rund um den Globus. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt in Sibirien, chaotische Verkehrsverhältnisse in den größeren Städten, gefährliche Überholmanöver und teilweise extrem schlechte Straßenbeläge beanspruchten Mensch und Maschine bis an die Grenzen der Belastbarkeit.