WWWW vom 26.8.2013: Väter, denkt an Eure Söhne!

Milben können Bakterien in Bienenpuppen einschleusen

Die Varroa-Milbe kann ganze Bienenvölker auslöschen. Dafür wurden bislang Viren verantwortlich gemacht, die mit den Milben in den Stock gelangen. Allerdings haben die Parasiten noch eine andere Gefahr im Gepäck, wie Würzburger Forscher herausgefunden haben.
Busy bees
“Antibacterial Immune Competence of Honey Bees (Apis mellifera) Is Adapted to Different Life Stages and Environmental Risks”, Heike Gätschenberger, Klara Azzami, Jürgen Tautz, Hildburg Beier (2013), PLoS ONE 8(6): e66415. doi:10.1371/journal.pone.0066415

Fossile DNA-Sequenzen können Immunantwort auslösen

Die seltene Erbkrankheit „Aicardi-Goutières Syndrom“ ist gekennzeichnet durch eine schwergradige Schädigung des kindlichen Gehirns infolge eines entzündlichen Prozesses, welcher der klassischen Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes sehr ähnlich ist. In den letzten Jahren konnten Wissenschaftler ermitteln, dass genetische Defekte verschiedener Enzyme des Nukleinsäurestoffwechsels für das Aicardi-Goutières Syndrom ursächlich sind. Dresdner Immunologen vermuten fossile virale DNA-Sequenzen als mögliche Ursache.
Behrendt et al., Mouse SAMHD1 Has Antiretroviral Activity and Suppresses a Spontaneous
Cell-Intrinsic Antiviral Response, Cell Reports (2013),
http://dx.doi.org/10.1016/j.celrep.2013.07.037

Direktkandidaten haben mehr Eier

Im Bundestag stimmen nicht immer alle Abgeordneten mit ihrer Fraktion. Prominente Abweichler gab es zum Beispiel bei den Abstimmungen über die Euro-Rettungspakete. Überdurchschnittlich häufig waren Verletzungen der Fraktionsdisziplin während der großen Koalition von 2005 bis 2009 zu beobachten, als die Unionsparteien und die SPD über eine derart deutliche Mehrheit verfügten, dass diese durch einzelne Abweichler nicht gefährdet wurde.
Neuhäuser et al. (2013): Gründe für von der Fraktionsdisziplin abweichendes Abstimmungsverhalten bei Bundestagsabgeordneten. AStA Wirtschafts- und Sozialstatistisches Archiv 7, 91-99
(doi 10.1007/s11943-013-0130-5)

Modell zeigt dass langfristige Klimavorhersagen möglich sind

Werden die Winter bei uns in Deutschland in den kommenden Jahren eher warm oder kalt ausfallen? Von zuverlässigen Prognosen dieser Art ist man noch weit entfernt. Meeresforscher unter Federführung des GEOMAR ist es nun aber erstmals gelungen, Klimaumschwünge im Pazifik erfolgreich nachzubilden. Diese beeinflussen auch die globale Durchschnittstemperatur der Erde. So ist der letzte Umschwung in den 1990iger Jahren einer der Gründe dafür, dass die Erdtemperatur seit 1998 nicht weiter gestiegen ist. Die Studie, die in der online-Ausgabe in der amerikanischen Fachzeitschrift Journal of Climate erschienen ist, zeigt das Potential für langzeitliche Klimavorhersagen.
Originalarbeit:
Ding, H., R. J. Greatbatch, M. Latif, W. Park and R. Gerdes, 2013: Hindcast of the 1976/77 and 1998/99 climate shifts in the Pacific. J. Climate, http://journals.ametsoc.org/doi/abs/10.1175/JCLI-D-12-00626.1

Fraunhofer und die bösen sozialen Netzwerke

Wie kann man soziale Netzwerke nutzen, ohne Daten leichtfertig preiszugeben oder das eigene Unternehmen zu gefährden? Diese Frage beantwortet das Dossier „Soziale Netzwerke bewusst nutzen“, in dem das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie den aktuellen Wissensstand zu Risiken und Handlungsmöglichkeiten für Privatnutzer und Unternehmen zusammengestellt hat.
Mehr hier:
http://www.sit.fraunhofer.de/soziale-netzwerke-2013

Lang arbeitende Väter können Söhne verstören

Wenn Väter extrem lange Arbeitszeiten haben, wirkt sich das negativ auf die gesundheitliche und soziale Entwicklung von Söhnen aus. Das zeigt eine Studie im Journal of Marriage and Family von Jianghong Li, Forscherin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, und vier australischen Koautoren.

Die Langzeitstudie basiert auf Daten von mehr als 1.400 Kindern im australischen Bundesstaat Western Australia. Dort arbeiten fast 19 Prozent der Väter während der Phase, in der ihre Kinder fünf Jahre alt sind, 55 und mehr Stunden pro Woche. Wenn die Kinder acht Jahre alt sind, sind 20 Prozent der australischen Väter so lange bei der Arbeit.
Sarah Johnson, Jianghong Li, Garth Kendall, Lyndall Strazdins, Peter Jacoby. Mothers’ and Fathers’ Work Hours, Child Gender and Behavior in Middle Childhood. Journal of Marriage and Family, 2013, 75: 56-74.

Flattr this

WWWW vom 19.8.2013: Photonenverschränkungen und andere Zweierbeziehungen

Photonen zuverlässig teleportiert

Aufbau des Tokioter Experiments
Mithilfe quantenmechanischer Verschränkung räumlich getrennter Lichtfelder ist es Wissenschaftle rn aus Tokio und Mainz gelungen, photonische Quantenbits außerordentlich zuverlässig zu teleportieren. Rund 15 Jahre nach den ersten Versuchen auf dem Gebiet der optischen Teleportation ist damit ein entscheidender Durchbruch gelungen.
Veröffentlichung:
Shuntaro Takeda et al.
Deterministic quantum teleportation of photonic quantum bits by a hybrid technique
Nature, 15. August 2013
DOI: 10.1038/nature12366

In der Not frisst die Orzxantilope auch Giftpflanzen

Wie überstehen Pflanzenfresser die extremen klimatischen Verhältnisse in der namibischen Wüste? In Dürrezeiten frisst der Springbock (Antidorcas marsupialis) alles was er an Pflanzen finden kann, während die Oryxantilope (Oryx gazella gazella) größtenteils auf giftige Pflanzen ausweicht – und überlebt.
Publikation:
Lehmann D, Mfune JKE, Gewers E, Cloete J, Brain C, Voigt CC (2013): Dietary plasticity of generalist and specialist ungulates in the Namibian desert: A stable isotopes approach. PLOS ONE

http://www.oryxproject.com

Stressprozess in Zellen besser verstehen

Freiburger Forschende zeigen, wie Zellen sich gegen Stress wehren und dabei nicht vorzeitig sterben. Dr. Kathrin Thedieck und Birgit Holzwarth vom Institut für Biologie III und dem Exzellenzcluster BIOSS Centre for Biological Signalling Studies der Universität Freiburg haben entdeckt, dass Astrin, eine wenig erforschte Komponente vieler Zellen, dabei eine wichtige Rolle spielt.

Forscher analysieren Wahlwerbung

Wie wichtig die Spitzenkandidaten wirklich sind, wie Wahlplakate und Wählerumfragen wirken und welchen Parteien es gelingt sich verständlich zu machen: In den kommenden Wochen bilden Themen wie diese einen besonderen Schwerpunkt in der wissenschaftlichen Arbeit des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft von Prof. Dr. Frank Brettschneider an der Universität Hohenheim.

Zweierbeziehungen haben Vorteile

Ein Großteil aller Menschen lebt in Zweierbeziehungen. Wie sich diese Lebensweise in der Evolution herausgebildet hat, ist unklar. Verhaltensforscher der Universität Göttingen und des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie konnten jetzt bei einer Primatenart über Jahre stabile Paarbindungen nachweisen. Assam-Makaken leben in promisken Gruppen, in denen sich mehrere Männchen und Weibchen miteinander paaren.

Interleukin 33 spielt offenbar wichtige Rolle bei Lebererkrankung

Bei einer fortgeschrittenen Leberfibrose kann das Organ seine vielfältigen Aufgaben im menschlichen Körper auf die Dauer nicht mehr erfüllen, weil Narbengewebe gesundes Organgewebe verdrängt. Die mögliche Folge: Organversagen. Eine Studie von Tamar Mchedlidze und Dr. Stefan Wirtz, Medizinische Klinik 1 am Universitätsklinikum an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), kann erstmals nachweisen, dass Interleukin 33 – ein bestimmter Botenstoff des Immunsystems – die Entstehung von Leberfibrose begünstigt.

Flattr this

WWWW vom 13.8.2013: Glasperlenspiel und Netzmelone

Glasperlen in Bayern stammen aus Ägypten


Die Rohstoffe antiker Glasperlen, die in ehemals rätischen Siedlungen in Bayern gefunden wurden, stammen offenbar nicht aus dieser Gegend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Perlen am Forschungsreaktor TRIGA im Institut für Kernchemie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Insgesamt standen 42 Glasperlen, 38 aus der frühen Kaiserzeit (30 bis 60 n.Chr.) und 4 spätrömische Perlen (4. Jahrhundert n.Chr.), von vier verschiedenen Fundorten für die Analyse zur Verfügung.

Eisschild schmilzt auch von unten

Der grönländische Eisschild wird durch einen hohen Wärmefluss aus dem Erdmantel in die Lithosphäre von unten angeschmolzen. Dieser Einfluss variiert räumlich sehr stark und hat seine Ursache in einer außergewöhnlich dünnen Lithosphäre. Daraus folgt ein erhöhter Wärmefluss aus dem Erdmantel und ein komplexes Wechselspiel zwischen dieser geothermischen Heizung und dem grönländischen Eisschild. Die internationale Initiative IceGeoHeat unter Leitung des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ stellt in der aktuellen Online-Ausgabe von Nature Geoscience (Vol. 6, 11. August 2013) fest, dass dieser Effekt bei der Modellierung des Eisschildes im Klimageschehen nicht vernachlässigt werden darf.
Petrunin, A. G., Rogozhina, I., Vaughan, A. P. M., Kukkonen, I. T., Kaban, M. K., Koulakov, I. & Thomas, M., “Heat flux variations beneath central Greenland’s ice due to anomalously thin lithosphere“, Advance Online Publication, Nature Geoscience, 11. 08. 2013,http://dx.doi.org/10.1038/ngeo1898)

Wie man Temperaturen auf dem Mars und in Hochöfen misst

Es ist heiß in Deutschland. Wir Menschen haben präzise Sensoren für Temperaturen, daher stimmt unser Körpergefühl sehr gut mit von elektrischen Sensoren vorhergesagten Werten überein. Aber wie genau funktionieren Temperaturmesser an extremen Orten wie beispielsweise in Hochöfen oder auf fremden Planeten?

Krumme Zahlen bringen besseren Verkaufspreis

Wer ein Auto mit einem Restwert von 15.000 Euro verkaufen möchte, sollte es besser für 14.875 Euro inserieren. Denn wahrscheinlich wird der Verkäufer so mehr Geld heraushandeln können, als wenn er das Auto für runde 15.000 Euro anbietet. Das haben Saarbrücker Wissenschaftler um den Sozialpsychologen David Loschelder herausgefunden. In ihrer Studie “’14,875€?!’: Precision Boosts the Anchoring Potency of First Offers” weisen sie im Versuch nach, dass ein ungerader Preis als Ausgangsgebot den Verhandlungspartner stärker beeinflusst als eine runde Summe.

Sorgfalt beim Umgang mit Melonen geboten

Melonen sind wegen ihres süßen, saftigen und weichen Fruchtfleisches beliebt. Gerade im Sommer wird das frische und gesunde Obst gerne und viel verzehrt. Allerdings können Melonen bei der Produktion, beim Transport oder bei der Lagerung mit Krankheitserregern verunreinigt werden, die dann bei der Zubereitung unter Umständen auf das Fruchtfleisch gelangen. „Salmonellen, Listerien oder EHEC können sich auf dem säurearmen Fruchtfleisch von Melonen relativ schnell vermehren“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Flattr this

WWWW vom 5.8.2013: Träumende Schleiereulen und haarige Schlangen

Heilung nach Infarkt: Protein spielt wichtige Rolle

Das körpereigene Protein S100A1 wirkt wie eine Wundsalbe für Herzen nach einem Infarkt: Es fördert die Wundheilung, dämmt Entzündungen ein und verhindert nachträgliche Gewebeschäden. Das entdeckte Dr. David Rohde mit einem Team der Abteilung für Kardiologie des Universitätsklinikums Heidelberg und erforscht nun, welche molekularen Signalwege dahinterstecken und ob sich das Protein als Medikament nutzen lässt.
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.127864.0.html Innere Medizin III: Kardiologie, Angiologie und Pneumologie

REM-Schlaf bei jungen Eulen beobachtet

Eulenküken verändern mit zunehmendem Alter ihr Schlafverhalten: Je älter sie werden, desto weniger Zeit verbringen sie im REM-Schlaf. Parallel dazu bekommt ihr Federkleid immer mehr schwarze Punkte - diese Küken sind noch ganz weiß. Foto: Fabrizio Sergio
Vogelküken besitzen dieselben Schlafmuster wie junge Säugetiere. Der Schlaf ändert sich Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie und der Universität Lausanne zufolge während des Älterwerdens auf ähnliche Weise. Die Forscher untersuchten freilebende Schleiereulen und haben darüber hinaus gefunden, dass die sich ändernden Schlafmuster eng an die Aktivität eines Gens gekoppelt sind, das die Produktion der dunklen Punkte auf den Federn steuert. Die Ausprägung dieser Färbung steht im Zusammenhang mit Physiologie und Verhalten erwachsener Eulen. Schlafbedingte Entwicklungsprozesse im Gehirn könnten also auch für viele Eigenschaften bei ausgewachsenen Tieren verantwortlich sein.

http://www.frontiersinzoology.com/imedia/2039187711104100/supp2.mp4″>

Haarige Sache: Seltene Buschviper gefunden

Herpetologen des Museums für Naturkunde in Berlin haben bei Feldarbeiten in Liberia einen überraschenden Fund gemacht. Im Jahr 2002 hatten Raffael Ernst und Mark-Oliver Rödel eine neue Schlangenart beschrieben: die „westafrikanische haarige Buschviper“ Atheris hirsuta. Damals wurde ein einziges Tier im Taï Nationalpark in der Elfenbeinküste gefunden. Die abstehenden Schuppen geben der Viper ihr „haariges“ Aussehen und damit ihren Namen.
Johannes Penner, LeGrand Nono Gonwouo & Mark-Oliver Rödel (2013): Second record of the West African hairy bush viper Atheris hirsuta Ernst & Rödel, 2002 (Serpentes: Viperidae) – Zootaxa 3694 (2): 196-200.

Mehr Forschung über Klimawandel und Ernährung nötig

Forscher der Universitäten Bonn und Reading fordern in „Science“ umfassendere Berücksichtigung der Ernährungssicherheit. Der Klimawandel bedroht die Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers in den Entwicklungsländern. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler Prof. Dr. Joachim von Braun vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn und Prof. Dr. Tim Wheeler von der Universität Reading (Großbritannien).

Die Publikation:
Climate Change Impacts on Global Food Security, „Science“,
DOI: 10.1126/science.1239402

Schwarzrost kommt aus dem Süden nach Deutschland

Die Hitzewelle in Deutschland brachte dieses Jahr eine in unseren Breiten bisher nur äußerst seltene Getreidekrankheit mit sich. An Weizenpflanzen wurde der gefürchtete Schwarzrost festgestellt, der durch den Pilz Puccinia graminis verursacht wird. Die Sporen gelangten mit dem Wind aus wärmeren Regionen zu uns. Von den kranken Pflanzen geht zwar keine unmittelbare Gefahr aus, da die Sommersporen und das Pilzmyzel den Winter wahrscheinlich nicht überleben. Dennoch schließen die Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) eine Verbreitung des Schaderregers im Zuge der Klimaerwärmung nicht aus.

Robo-Kugeln sollen nach Verschütteten suchen

Das Erdbeben hat nur wenige Sekunden gedauert, doch danach liegt kein Stein mehr auf dem anderen. Häuser sind eingestürzt, Hänge abgerutscht – das Chaos ist immens. In einem solchen Katastrophenfall, ebenso wie bei Terroranschlägen, Industrieunfällen oder Tsunamis, hat die Suche nach Verschütteten und Gefahrenquellen oberste Priorität. Um die Opfer möglichst schnell zu bergen, setzen Rettungskräfte ihr Leben aufs Spiel. Doch oftmals sind Straßen unpassierbar, mitunter ist der Einsatz gar nicht möglich. Daher sollen die Helfer künftig von mobilen, untereinander vernetzten Robotern und Sensoren unterstützt oder ersetzt werden. Im Projekt SENEKA entwickeln sechs Fraunhofer-Institute entsprechende Komponenten.

Flattr this