WWWW vom 28.4.2014: Gruppenbewegung und depressive Kinder

Lotsenboot mit Elektroantrieb

Elektrisches Lotsenboot: Umweltfreundlich und sicher
Ein Hybridantrieb von Siemens steckt in einem der modernsten Lotsenboote der Welt. Die Explorer ist ein sogenanntes SWASH-Schiff (Small Water­plane Area Single Hull) mit einem mittig unter dem Schiff gelegenen, torpedoförmigen Auftriebskörper. Aus dieser Röhre heraus wird das Boot auch angetrieben. Es liegt selbst bei Seegang stabil im Wasser und ist vergleichsweise leicht, so dass es weniger Treibstoff verbraucht.
Mehr dazu hier.

Krafttraining kann Blutdruck senken

Die Studierende Heike Holtappel der Fakultät Life Sciences analysierte im Rahmen einer Studie an der Hochschule Rhein-Waal gemeinsam mit Prof. Dr. Robert Renner den Einfluss eines Krafttrainings auf leichten bis mittelschweren Bluthochdruck. Als Ergebnis dieser Studie konnte ein gesenkter Blutdruck und ein verbessertes, körperliches Wohlbefinden verzeichnet werden.
Weitere Informationen:
http://www.hochschule-rhein-waal.de

Kakaoinhaltsstoff kann Arterien verbessern

Bestimmte Pflanzeninhaltstoffe des Kakaos, die Flavanole, können die Funktionen (Elastizität?) des arteriellen Systems bei jungen und älteren Menschen verbessern und altersabhängigen Veränderungen der Gefäße entgegenwirken. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die ein Team des Universitätsklinikums Düsseldorf gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Großbritannien durchgeführt.
Quelle: DGK Abstract V833: Heiss C. et al, Impact of dietary cocoa flavanol intervention on vascular ageing in healthy individuals: a randomized placebo-controlled double-masked trial. Clin Res Cardiol 103, Suppl 1, April 2014

Alle mir nach: Wie Lebewesen sich in Gruppen bewegen

Wie koordinieren Individuen ihre Bewegungen als Gruppe auf ein räumliches Ziel hin? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Courant Forschungszentrums „Evolution des Sozialverhaltens“ der Universität Göttingen konnten zeigen, dass Regeln des Schwarmverhaltens auch auf Menschen anwendbar sind. So bilden Tiere durch äußere Umwelteinflüsse Ansammlungen und bewegen sich in die gleiche Richtung. Auch komplexes menschliches Verhalten wie Führung und Koordination in einer Gruppe folgt einfachen Regeln. Für diese Regeln müssen keine höheren Denkleistungen vorausgesetzt werden, sondern lediglich eine wechselseitige Wahrnehmung lokaler Bewegungen.
Originalveröffentlichung: Margarete Boos et al. (2014): Leadership in Moving Human Groups. PLoS Computational Biology. http://www.ploscompbiol.org/article/info:doi/10.1371/journal.pcbi.1003541

Wie geschwommen wird, hängt vom Typ ab

Vögel und Fische bewegen sich in Schwärmen, Menschen zuweilen in Strömen, und auch Mikroorganismen wie Bakterien oder Algen bilden in wässriger Lösung charakteristische Bewegungsmuster aus. Nach welchen Regeln die Bewegung in solchen Formationen erfolgt, kann die Wissen-schaft jedoch noch immer nicht vollständig beschreiben.

Prof. Dr. Holger Stark, Leiter der Arbeitsgruppe Statistische Physik weicher Materie und biologischer Systeme, und seinem Mitarbeiter Dr. Andreas Zöttl ist es nun in einer wegweisenden Arbeit gelungen zu erklären, dass die Art und Weise der Schwimmbewegung und somit der Schwimmtyp des einzelnen Mikroorganismus die kollektive Bewegung bestimmen.
Originalveröffentlichung im Physical Review Letters:
A. Zöttl and H. Stark, Hydrodynamics Determines Collective Motion and Phase Behavior of Active Colloids in Quasi-Two-Dimensional Confinement, Phys. Rev. Lett. 112, 118101 (2014),
DOI: http://dx.doi.org/10.1103/PhysRevLett.112.118101

Therapie für depressive Kinder

Forscher der Universität Leipzig haben lokal einen gesamten Kindergartenjahrgang auf Angst- und Depressionssymptome untersucht. Dabei wurden bei zwölf Prozent der rund 1.740 einbezogenen Kinder erhöhte Ängstlichkeit und depressive Verstimmtheit festgestellt. Ohne fachliche Hilfe sind sie nachweislich einem erhöhten Risiko ausgesetzt, im Erwachsenenalter eine Depression zu entwickeln.
Fachveröffentlichungen:
Klitzing, K. von, White, L. O., Otto, Y., Fuchs, S., Egger, H. L., & Klein, A. M. (2014).
Depressive comorbidity in preschool anxiety disorder. Journal of Child Psychology and
Psychiatry, and Pllied Disciplines. Published online, doi:10.1111/jcpp.12222

Göttken, T., White, L. O., Klein, A. M., & Klitzing, K. von. (2014). Short-term psychoanalytic child therapy for anxious children: A pilot study. Psychotherapy (Chicago, Ill.), 51(1), 148-158. doi:10.1037/a0036026

WWWW vom 21.4.2014: Bakterien in Wespen und Jägern

Nur erprobte Bakterien werden weitergegeben

Bienenwolf
Eine Symbiose zwischen Bienenwölfen und ihren Bakterien besteht seit Millionen von Jahren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena und der Universität Regensburg haben jetzt zusammen mit US-amerikanischen Forschern entdeckt, dass bestimmte Grabwespen die Weitergabe ihrer Symbiosebakterien von der Mutter an den Nachwuchs streng kontrollieren und keine anderen Mikroorganismen übertragen.

Originalveröffentlichung:
Kaltenpoth, M., Roeser-Müller, K., Köhler, S., Peterson, A., Nechitaylo, T.Y., Stubblefield, J.W., Herzner, G., Seger, J., Strohm, E. (2014). Partner choice and fidelity stabilize coevolution in a Cretaceous-age defensive symbiosis. Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA, April 2014, DOI: 10.1073/pnas.1400457111
http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1400457111

Jäger und Sammler haben andere Darmflora als moderne West-Menschen

Die Darmflora beeinflusst zahlreiche Aspekte der Gesundheit und Nährstoffaufnahme beim Menschen, doch bisher konzentrierte sich die Forschung hauptsächlich auf „westliche“ Bevölkerungsgruppen. Ein internationales Forscherteam, dem auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig angehören, hat nun erstmals die Darmflora einer modernen Jäger- und Sammlergesellschaft, der in Tansania lebenden Hadza, untersucht. Dabei fanden die Forscher heraus, dass sich das Mikrobenprofil der Hadza von denen aller anderen bisher untersuchten Menschengruppen unterscheidet.

Originalpublikation:
Stephanie L. Schnorr, Marco Candela, Simone Rampelli, Manuela Centanni, Clarissa Consolandi, Giulia Basaglia, Silvia Turroni, Elena Biagi, Clelia Peano, Marco Severgnini, Jessica Fiori, Roberto Gotti, Gianluca De Bellis, Donata Luiselli, Patrizia Brigidi, Audax Mabulla, Frank Marlowe, Amanda G. Henry & Alyssa N. Crittenden
Gut microbiome of the Hadza hunter-gatherers
Nature Communications, 15. April 2014, Doi: 10.1038/ncomms4654

Erstmals einzelne Sehzellen gereizt

In einem menschlichen Auge gibt es rund 120 Millionen lichtempfindliche Sinneszellen. Forschern der Universität Bonn, der University of California und der University of Alabama ist es nun erstmals gelungen, bei lebenden Personen einzelne dieser Zellen gezielt zu stimulieren. Die Bahn brechende Methode verspricht neue Antworten auf die Frage, wie das Auge Lichtreize zu Bildern verarbeitet. Außerdem erwarten sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse dazu, was bei Krankheiten mit den Lichtsinneszellen passiert. Auch die Wirkung von Medikamenten lässt sich möglicherweise direkt sichtbar machen. Die Arbeit erscheint im „Journal of Neuroscience“.
Publikation: Mapping the Perceptual Grain of the Human Retina; Wolf M. Harmening, William S. Tuten, Austin Roorda und Lawrence C. Sincich; The Journal of Neuroscience, DOI: 10.1523/JNEUROSCI.5191-13.2014

Weberknechtfossil hatte vier Augen

Ein spektakulärer fossiler Weberknecht-Fund aus Frankreich wurde vor kurzem von einem Forscherteam aus dem Berliner Naturkundemuseum, England und den USA mittels Computertomographie untersucht und veröffentlicht. Der Neufund hat einen Körperbau wie keiner der noch lebenden Weberknechte und besaß Augen mittig und seitlich auf dem Kopf. Moderne Weberknechte haben entweder Zentral- oder Seitenaugen, aber nie beides zusammen. Das bedeutet, dass die Urformen der Weberknechte beide Augentypen besaßen.

Computer simuliert Bakterienstrategien

Für Nachwuchs sorgen oder die Welt erobern? Vor dieser Frage stehen auch Bakterien. Wie sie sich entscheiden sollten, um ihre Art optimal zu erhalten, haben jetzt Physiker der LMU berechnet.
Publikation:
Matthias Reiter, Steffen Rulands, Erwin Frey
Range Expansion of Heterogeneous Populations
Phys. Rev. Lett. 112, 148103 (2014)
http://link.aps.org/doi/10.1103/PhysRevLett.112.148103

WWWW vom 14.4.2014: Ohrwürmer, Herzschrittmacher und Neutronensterne

Ohrwürmer-Kids sind nett zu einander

10_zoologie_ohrwuermer_familie
Zu der Frage, wie im Verlauf der Evolution soziales Verhalten entstanden ist, haben Wissenschaftler der Universitäten in Mainz und Basel neue Erkenntnisse aus der Beobachtung von Ohrwürmern gewonnen. Junge Nachkommen von Ohrwürmern konkurrieren nicht nur um Futter, sondern die Geschwister teilen die Nahrung auch untereinander, vor allem wenn die Mutter abwesend ist.
Veröffentlichung:
Joachim Falk et al.
Sibling Cooperation in Earwig Families Provides Insights into the Early Evolution of Social Life
The American Naturalist, 11. Februar 2014
DOI: 10.1086/675364

Vorläuferzellen von ILCs besser verstehen

Das angeborene Immunsystem erkennt Infektionserreger wie Viren oder Bakterien. Bei der Abwehr von Infektionserregern im menschlichen Körper spielen Lymphozyten, sogenannte „innate lymphoid cells” (ILCs), eine zentrale Rolle. Bislang unbekannte ILCs, die in der Lage sind, Epitheloberflächen wie beispielsweise die Darmschleimhaut vor Infektionen zu schützen.

Mini-Schrittmacher

IN Hamburg bekamen zwei Patienten einen Miniatur Schrittmacher eingesetzt, der ohne Elektroden auskommt. Das Gerät ist kleiner als eine Füllerpatrone und wird mittels Katheter direkt im Herzen eingesetzt – und kann so auch wieder entfernt werden. Eine Operation ist nicht notwendig.
http://www.asklepios.com

http://www.facebook.com/asklepioskliniken

Größe von Neutronensternen beeindruckt Krümmung der Raumzeit nicht

Unabhängig von Größe, Beschaffenheit und Rotationsgeschwindigkeit eines Neutronensterns weist die ihn umgebende gekrümmte Raumzeit stets eine ähnliche Struktur auf. Diese erstaunliche Universalität der Geometrie haben Wissenschaftler der NESTAR-Arbeitsgruppe erforscht und darüber in der Zeitschrift Physical Review Letters berichtet. Die Erwartungen an diese Entdeckung sind hoch: die Allgemeingültigkeit der Struktur der Raumzeit soll sich in Zukunft zu einem leistungsfähigen Werkzeug für Beobachtungen von Neutronensternen entwickeln lassen.
Weitere Informationen:
http://www.zarm.uni-bremen.de
http://arxiv.org/abs/1311.6509
http://journals.aps.org/prl/accepted/5807dY1eYea1dd4673ac98c010a8851ac7d168f9b

Einzelsterne sind wohl keine Einzelgänger

In der Zentralregion der Milchstraße scheinen bei der Sternentstehung doch dieselben Regeln zu herrschen wie andernorts. Viele Astronomen hatten bislang aufgrund von Beobachtungen daran gezweifelt. Möglicherweise zu Unrecht, wie Forscher der Universität Bonn und der TU Berlin in einer neuen Studie zeigen. Die Wissenschaftler erklären darin einen seltsamen Befund, der bislang nur im Zentrum unserer Heimatgalaxie zu beobachten war: das häufige Auftreten isolierter massereicher Sterne. Doch vermutlich waren diese stellaren Einzelgänger nicht immer allein.

WWWW vom 7.4.2014: Wie alt ist der Mond?

Alter des Mondes neu berechnet

Mond

Wie alt ist der Mond? Berechnungen, die auf radiometrischen Methoden beruhen, haben bisher zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt, die von 30 bis 100 Millionen Jahre nach dem Ursprung unseres Sonnensystems reichen. Das Ergebnis dieser Forschungsarbeiten lautet: Der Mond ist frühestens 63 Millionen Jahre und spätestens 127 Millionen Jahre nach unserem Sonnensystem entstanden.

Mit Laser vom All zur Erde funken

Der Erderkundungssatellit Sentinel-1A ist am 3. April 2014 um kurz nach 23 Uhr erfolgreich zu seiner Weltraummission aufgebrochen – mit an Bord sind weltraumqualifizierte Laserdioden-Benches aus dem Berliner Ferdinand-Braun-Institut. Als Pumpquellen für hocheffiziente Festkörperlaser sorgen sie in Laserkommunikationsterminals (LCT) der Firma Tesat-Spacecom für die reibungslose Kommunikation mit der Erde.

Süsswasser-Schildkröten lassen sich übers Meer treiben

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam die weitverbreitete Süßwasserschildkröte Mauremys rivulata untersucht. Trotz geographischer Barrieren sind die Schildkröten in ihrem riesigen Verbreitungsgebiet genetisch sehr ähnlich. Dies deutet darauf hin, dass die Tiere hunderte Kilometer Meer überqueren, um sich mit ihren Artgenossen fortzupflanzen.
Publikation
Vamberger, M., Stuckas, H., Ayaz, D., Lymberakis, P., Široký, P. & Fritz, U. (2014). Massive transoceanic gene flow in a freshwater turtle (Testudines: Geoemydidae: Mauremys rivulata). – Zoologica Scripta,

Nematoden umgehen Pfalnzenabwehr

Pflanzen haben im Lauf der Evolution „gelernt“, wie sie sich gegen Schmarotzer wehren können. Das Wachstum von parasitierenden Fadenwürmern unterbinden sie, indem sie mithilfe von Sauerstoffradikalen befallene Wurzelzellen absterben lassen. Rübenzystennematoden nutzen diese Abwehrstrategie des Wirts jedoch gezielt, um sich noch besser Nährstoffe zuzuführen. Das haben Forscher der Universität Bonn mit Kollegen aus Polen und Spanien herausgefunden.
Publikation: Parasitic Worms Stimulate Host NADPH Oxidases to Produce Reactive Oxygen Species that Limit Plant Cell Death and Promote Infection, Science Signaling, DOI: 10.1126/scisignal.2004777

Loch in der Atmosphäre Fahrstuhl für Schadstoffe

Ein internationales Forscherteam um den Potsdamer Wissenschaftler Dr. Markus Rex hat ein bisher unbekanntes Atmosphären-Phänomen über der Südsee entdeckt. In einer Schicht, die durch ihre chemische Zusammensetzung den Transport der meisten natürlichen und menschgemachten Stoffe in die Stratosphäre verhindert, befindet sich über dem tropischen Westpazifik ein natürliches, unsichtbares Loch von mehreren tausend Kilometern Ausdehnung.