WWWW vom 24.11.2014: Klimawandel aus der Tundra und Reis in Asien

Großer Stein wirft viele Fragen auf

steinblockDer monolithische Block im Steinbruch von Baalbek ist 19,60 m lang, 6 m breit und mindestens 5,5 m. Sein Gewicht wird auf ca. 1650 Tonnen geschätzt. Nun soll erforscht werden, warum der Steinblock nicht fertiggestellt wurde und im Steinbruch verblieb – und mit welchen Mitteln er überhaupt hätte transportiert werden können.

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Wie Stress das Gehirn verändern kann

Aktiviert durch dauerhaften Stress entfalten Immunzellen im Gehirn eine zerstörerische Wirkung und verändern es. Die Folge können psychische Erkrankungen sein. Wie sich Dauerstress auf das Immunsystem auswirkt, untersucht die Forschergruppe von Prof. Dr. Georg Juckel am LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Besonderes Augenmerk legt das Team auf eine spezielle Art von Fresszellen, die Mikroglia. Normalerweise reparieren sie im Gehirn Verbindungen zwischen Nervenzellen und regen diese zum Wachstum an. Im aktivierten Zustand können Mikroglia jedoch Nervenzellen schaden und Entzündungsprozesse fördern. Die Bochumer Studien zeigten: Je öfter die Mikroglia durch Stress aktiviert werden, desto eher neigen sie dazu, in dem zerstörerischen Zustand zu bleiben.

Weitere Informationen:
http://rubin.rub.de/de/themenschwerpunkt-stress/alltagsstress
http://Strategien gegen Stress im Alltag: Interview mit Georg Juckel
http://rubin.rub.de/de/themenschwerpunkt-stress – Themenschwerpunkt Stress

Berater analysieren Reissituation in Asien

Wird es in Zukunft schwierig sein, Arbeiter für die Reisfelder zu bezahlen, wenn die in den Städten mehr Geld verdienen können? Ist Reis auch künftig die profitabelste Kultur oder gibt es andere Feldfrüchte, mit denen Landwirte mehr Gewinn erzielen können? Um diese und andere Fragen zu beantworten, haben Agrarökonomen aus Thailand, Vietnam, Kambodscha, Myanmar und Laos gemeinsam mit dem agri benchmark Cash Crop Team des Braunschweiger Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft ein Expertennetzwerk „Reis“ aufgebaut.

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Fluss hat ein Bett unter sich

Der Himalaya weist einige der eindrucksvollsten Schluchten der Welt auf, die durch Flüsse geformt wurden. Die Entstehungsgeschichte des berühmtesten dieser Einschnitte, der Zangbo-Schlucht im Ost-Himalaya, muss nun neu geschrieben werden.
Ein Team von deutschen, chinesischen und amerikanischen Geoforschern entdeckte nämlich flussaufwärts einen mit über 500 Metern Sediment gefüllten Canyon unterhalb des heutigen Betts des Yarlung Zangbo-Flusses.

Hybride in Autoimmungefahr

Pflanzen müssen sich permanent mit einer Vielzahl von Krankheitserregern auseinandersetzen, wozu ihnen ein komplexes Immunsystem dient. Ebenso wie beim Menschen kann dieses allerdings auch über das Ziel hinausschießen und die Pflanze greift dann eigenes Gewebe an. Solche Autoimmundefekte, die besonders bei Hybriden auftreten, lassen Blätter und Wurzeln absterben und schränken das Wachstum ein. Wissenschaftler vom Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie haben nun die häufigsten Verursacher von Autoimmunität entdeckt. Erstaunlicherweise handelt es sich hierbei fast immer um Komponenten des Immunsystems, welche fälschlicherweise als fremde Eiweiße erkannt werden.

Originalpublikation:
Chae et al.
A Species-wide Analysis of Genetic Incompatibilities Identifies NLR Loci as Hotspots of Deleterious Epistasis
Cell, Dec 4, 2014, http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2014.10.049

CO2 aus dem Permafrostboden

Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) haben eine mögliche Quelle identifiziert, aus der vor etwa 14.600 Jahren Kohlendioxid (CO2) und andere Treibhausgase abrupt und in großen Mengen in die Atmosphäre gelangten.Das CO2 – freigesetzt in der Bølling/Allerød Warmphase – stammte dieser neuen Interpretation zufolge vermutlich aus auftauenden arktischen Permafrostböden und verstärkte durch positive Rückkopplung die initiale Erwärmung.

Originalstudie
Peter Köhler, Gregor Knorr und Edouard Bard (2014): Permafrost thawing as a possible source of abrupt carbon release at the onset of the Bølling/Allerød. Nature Communications 5:5520; DOI: 10.1038/ncomms6520;

WWWW vom 17.11.2014: Leben auf der Erde und Chlormethan auf dem Mars

Städter sind nicht gerade hilfsbereit

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Studierende der SRH Hochschule Heidelberg untersuchten die „Auswirkungen der Bevölkerungsdichte auf prosoziales Verhalten gegenüber Kindern“. Die Feldstudie zur Zivilcourage fördert alarmierende Ergebnisse zutage.
Ein Mädchen sitzt weinend am Straßenrand, eine Schürfwunde am Knie, ganz allein. Die Passanten müssen sich entscheiden: helfend beispringen oder einfach weiterlaufen? Eine alarmierend hohe Zahl der Testpersonen wird die zweite Option wählen. Zu diesem Ergebnis kamen die Studierenden an der Fakultät für Angewandte Psychologie der SRH Hochschule Heidelberg, die diese vertraute Situation zum Anlass einer Feldstudie genommen haben. In drei unterschiedlich großen Orten haben sie untersucht, ob prosoziales Verhalten mit der Bevölkerungsdichte korreliert.

Weitere Informationen:
http://www.hochschule-heidelberg.de/de/fakultaet-fuer-angewandte-psychologie/ – Informationen über die Fakultät für Angewandte Psychologie

Russischer Weizen hat Potential

Angesichts einer steigenden Weltbevölkerung und begrenzten natürlichen Ressourcen ist die Sicherung der weltweiten Ernährung eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Russland kann dazu beitragen die Welternährung zu sichern, da es über riesige und häufig sehr fruchtbare Ackerflächen verfügt. Allerdings bleiben die Getreideerträge deutlich unter den technisch möglichen Erträgen zurück. Zudem liegen in Russland ungefähr 40 Million Hektar Ackerland brach, welche zu Sowjetzeiten noch genutzt wurden. Das gewaltige Ausmaß der Brachflächen zusammen mit den niedrigen Erträgen verspricht erhebliches Potenzial zur Steigerung der Agrarproduktion.
Schierhorn, F., Faramarzi, M., Prishchepov, A., Koch, F., Müller, D. (2014): Quantifying yield gaps in wheat production in Russia, Environmental Research Letters, Vol. 9, No. 8. (open access).http://iopscience.iop.org/1748-9326/9/8/084017.

Schierhorn, F., Müller, D., Prishchepov, A., Faramarzi, M., Balmann, A. (in press): The potential of Russia to increase its wheat production through cropland expansion and intensification, Global Food Security (open access). http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2211912414000479.

Kommt das Leben auf der Erde aus der Kruste?

Was auf der jungen Erde vor mehr als 30 Millionen Jahren los war, lässt sich heute nur sehr schwer rekonstruieren. Erst recht, welche Bedingungen für die Entstehung von Leben vorherrschten. Wissenschaftler beschränkten sich deshalb bislang eher auf eng begrenzte Aussagen zu einzelnen Reaktionen. Als möglicher Ort für das Aufkommen erster organischer Materie wurden alle möglichen Lokalitäten auf der Erdoberfläche diskutiert: von der Tiefsee bis hin zu flachen Tümpeln. In letzter Zeit wurden mangels plausibler Alternativen sogar außerirdische Regionen, wie der Mars oder der Weltraum insgesamt, als Lösung vorgeschlagen. Vernachlässigt wurde dagegen der Bereich der Erdkruste.

Kommt das Chlormethan aus dem Marsboden selbst?

Das vor kurzem mit dem NASA-Mobil „Curiosity“ auf dem Mars entdeckte organische Material könnte einen anderen Ursprung haben als von der Erde mitgebrachte „Verunreinigungen“, wie Wissenschaftler bislang gedacht haben: Ein deutsch-britisches Forscherteam um den Geowissenschaftler Prof. Dr. Frank Keppler von der Universität Heidelberg geht davon aus, dass die auf dem „Roten Planeten“ aufgefundene gasförmige chlororganische Verbindung – das Chlormethan – möglicherweise aus dem Boden des Mars‘ stammt und der darin enthaltene Kohlenstoff und Wasserstoff vermutlich durch einschlagendes Meteoritengestein geliefert wurde.
Originalpublikation:
F. Keppler, D.B. Harper, M. Greule, U. Ott, T. Sattler, G.F. Schöler & J.T.G. Hamilton: Chloromethane release from carbonaceous meteorite affords new insight into Mars lander findings. Scientific Reports 4 : 7010 (13 November 2014), doi: 10.1038/srep0701

Gefühlserkenner verdienen mehr

Die Gefühle der Mitarbeiter und Kollegen klar und richtig erkennen zu wollen – so ein Wunsch ist etwas für Weicheier, nicht aber für taffe Geschäftsleute und effiziente Performer? Irrtum! In einer aufwendigen internationalen Studie wurde jetzt nachgewiesen: Menschliche „Emotions-Erkennungsfähigkeit“ wirkt sich unmittelbar auf das Erwerbseinkommen aus. Korrespondenzautor der Studie ist Professor Dr. Gerhard Blickle vom Psychologischen Institut der Universität Bonn.
Publikation: Momm, T.D.; Blickle, G.; Yongmei, L. et al.: It pays to have an eye for emotions: Emotion recognition ability indirectly predicts annual income. Journal of Organizational Behavior, DOI: 10.1002/job.1975

WWWW vom 10.11.2014: Wer lächelt, dem wird vertraut

Der Stammbaum der Insekten

heuschreckeInsekten sind vor rund 480 Millionen Jahren aus marinen Vorfahren hervorgegangen und haben sich zur vielfältigsten und erfolgreichsten Tiergruppe entwickelt. In einem internationalen Forschungsprojekt konnte nun ihre stammesgeschichtliche Entwicklung genau aufgeklärt und datiert werden.
Die Publikation: „Phylogenomics resolves the timing and pattern of insect evolution“

Schlechte Sänger kriegen keine Frau

Unter Heuschrecken haben schlechte Sänger keine gute Karten: Sie schrecken weibliche Artgenossen stärker ab als gute Sänger diese anziehen. Es hilft Weibchen, zeit- und kostenaufwändige Kontakte mit ungeeigneten Paarungspartnern zu vermeiden – wie etwa mit Männchen anderer Arten, welche einen verschiedenartigen Gesang besitzen.

Originalpublikation:

J. Clemens, S. Krämer, B. Ronacher (2014): Asymmetrical integration of sensory information during mating decisions in grasshoppers. PNAS, advanced online publication
doi: 10.1073/pnas.1412741111
https://www2.hu-berlin.de/biologie/vhphys Webseite Bernhard Ronacher

Webseite Jan Clemens
Humboldt-Universität zu Berlin
Bernstein Zentrum Berlin
Nationales Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience

Betrügerzellen helfen beim Zellverband

Alle vielzelligen Lebewesen stammen von Einzellern ab. Die Entwicklung vom Ein- zum Vielzeller ist nur möglich, wenn die ursprünglich unabhängigen Zellen miteinander zusammenarbeiten. Dabei gelten sogenannte Betrügerzellen als ein großes Hindernis – also Zellen, die die Kooperation der anderen zum eigenen Vorteil ausnutzen. Sind sie aber nicht.
Originalpublikation:
Katrin Hammerschmidt, Caroline Rose, Ben Kerr and Paul B. Rainey
Life cycles, fitness decoupling and the evolution of multicellularity
Nature 6. November 2014 (doi:10.1038/nature13884)

Wie Schildkröten atmen

Schildkröten haben einen ganz eigentümlichen Mechanismus für die Atmung entwickelt, weil ihre Rippen in den Panzer umgewandelt wurden: Mit speziellen Muskeln sorgen sie für den Ein- und Ausstrom der Luft. Wie die Atmung dieser Kriechtiere im Lauf der Evolution entstanden ist, hat ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Doktoranden Markus Lambertz vom Institut für Zoologie der Universität Bonn herausgefunden.
Publikation: Tyler R. Lyson, Emma R. Schachner, Jennifer Botha-Brink, Torsten M. Scheyer, Markus Lambertz, G.S. Bever, Bruce Rubidge, Kevin de Queiroz (2014): Origin of the unique ventilatory apparatus of turtles, Nature Communications 5: 5211, DOI: 10.1038/ncomms6211

Wer authentisch lächelt dem wird vertraut

„Mit einem Lächeln gewinnt man mehr Freunde als mit einem langen Gesicht“ – dieses chinesische Sprichwort hat eine Studie von Forschern am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön und an der Toulouse School of Economics mit einem Verhaltensexperiment wissenschaftlich belegt. Die Wissenschaftler haben untersucht, ob Probanden mit ihrem Lächeln Vertrauen erwecken und davon profitieren können. Die Ergebnisse zeigen, dass ein als ehrlich und authentisch empfundenes Lächeln einen Menschen vertrauenswürdig macht.
Centorrino, S., et al.
Honest signaling in trust interactions: smiles rated as genuine induce trust and signal higher earning opportunities
Evolution and Human Behavior 2014

WWWW vom 3.11.2014: Jede Menge Verhaltensforschung

Das Weisse in Deinen Augen…

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Augen sind bekanntlich der Spiegel der Seele – aus dem Blick lässt sich oft auf die Gefühlsverfassung unseres Gegenübers schließen. Auch Säuglinge nehmen offenbar solche Signale wahr. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben entdeckt, dass schon sieben Monate alte Säuglinge unbewusst auf ängstliche Augen reagieren. Dabei reicht es aus, wenn sie nur das „Weiße“ in den Augen sehen, also die weiße Lederhaut des Augapfels, die sogenannte Sclera. Auf direkte und abgewandte ängstliche Blicke sprechen Säuglinge unterschiedlich an.
Originalpublikation:
Sarah Jessen & Tobias Grossmann
Unconscious discrimination of social cues from eye whites in infants
PNAS online, 27. Oktober 2014

Einzelner kann Gruppe beeinflussen

Wie bringt man als Einzelner seine Mitmenschen dazu, sich sozial zu verhalten? Das ist eine der zentralen Fragen von sozialen Dilemmas in der Spieltheorie. Bisherige Untersuchungen sind davon ausgegangen, dass sich Kooperation in großen Gruppen kaum steuern lässt. Doch nun haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie nachgewiesen, dass jeder von uns Einfluss auf das Kooperationsverhalten anderer nehmen kann. Allerdings sind die Möglichkeiten des Einzelnen vor allem in großen Gruppen begrenzt.
Originalpublikation:
Christian Hilbe, Bin Wu, Arne Traulsen & Martin A. Nowak
Cooperation and control in multiplayer social dilemmas
PNAS online, 27 October 2014

Kleinkinder folgen Altersgenossen

Kinder und Schimpansen richten sich oft nach der Mehrheit, wenn sie etwas Neues lernen möchten. Aber geben sie, um sich Gleichaltrigen anzupassen, auch eigene Vorlieben auf? Ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der Universität Jena hat jetzt im direkten Vergleich zwischen Menschenaffen und Kindern herausgefunden, dass die Bereitschaft, eigene Vorlieben zugunsten Anderer aufzugeben, beim Menschen besonders stark ausgeprägt ist – und das bereits bei Kleinkindern im Alter von zwei Jahren.
Originalpublikation:
Daniel B.M. Haun, Yvonne Rekers, and Michael Tomasello
Children Conform to the Behavior of Peers; Other Great Apes Stick With What They Know

Tanzen lernen: Abschauen ist am Besten

Wie lässt sich eine Tanzfolge am besten lernen? Um diese Frage ging es in einem Projekt, für das die Universität Bielefeld sich mit der Palucca Hochschule für Tanz Dresden zusammengetan hat. Wissenschaftler entwickelten das Projekt zusammen mit Tänzern und Tanzpädagogen. Sie erforschten gemeinsam, ob Tänzer eine Abfolge besser durch Sehen oder Hören lernen – beispielsweise wenn ein Tanzlehrer diese zunächst vormacht oder wenn er sie erst ausschließlich mündlich erklärt.
Originalveröffentlichung:
Bettina Bläsing, Jenny Coogan, José Biondi, Liane Simmel, Thomas Schack: Motor learning in dance using different modalities: visual vs. verbal models. Cognitive Processing,http://dx.doi.org/10.1007/s10339-014-0632-2, erschienen im September 2014

Blasentang ist robuster als gedacht

Der Blasentang Fucus vesiculosus ist eigentlich eine der wichtigsten Braunalgenarten im nordatlantischen Raum. In der Ostsee gehen die Bestände aber seit Jahren zurück. Auf der Suche nach den Gründen haben Biologen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel jetzt Abwehrmechanismen des Blasentangs gegenüber bakteriellen Schädlingen analysiert. Das überraschende Ergebnis: Die Abwehr erwies sich auch bei Umweltveränderungen als überaus robust.