WWWW vom 23.2.2015: Haschischheißhunger und Tumorimpftest

Warum ein Joint Heißhunger macht

Cannabis Pflanze
Cannabis

Bestimmte Nervenzellen, die normalerweise ausschließlich darauf gepolt sind, den Appetit zu drosseln, können, beeinflusst durch Inhaltsstoffe der Hanfpflanze (Cannabinoide), die gegenteilige Wirkung entfalten und so Heißhunger auslösen. Da schau her!

DOI: 10.1038/nature14260

Sport kann Arbeitslosen helfen

Der Stellenwert sportlicher Fitness für die Überwindung von Arbeitslosigkeit wird vielfach unterschätzt. Dabei belegen zahlreiche Studien, dass Sport neben der Gesundheit auch die kognitiven und nicht-kognitiven Fähigkeiten fördert – einschließlich sozialer Kompetenzen wie Teamwork, Selbstdisziplin, Ausdauer, Stressbewältigung und Selbstvertrauen. Für IZA World of Labor, eine Online-Plattform des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), hat Michael Lechner diesen Zusammenhang untersucht.
Die englischsprachige Studie ist über IZA World of Labor abrufbar:
http://wol.iza.org/articles/sports-exercise-and-labor-market-outcomes

Wenn Nerven nicht mehr abschalten können

Anhaltende Schmerzreize wie beispielsweise Entzündungen machen die feinen Nervenendigungen in Haut und Bindegewebe, die Schmerzmelder des Körpers, mit der Zeit überempfindlich. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg haben nun erstmals einen molekularen Mechanismus entdeckt, mit dem die erhöhte Sensibilität wieder heruntergefahren werden kann. Bisher waren nur zahlreiche Mechanismen der Sensibilisierung, allerdings keine Gegenmaßnahmen der Nervenzellen bekannt.

“GABA Blocks Pathological but Not Acute TRPV1 Pain Signals”
Hanack C, Moroni M, Lima WC, Wende H, Kirchner M, Adelfinger L, Schrenk-Siemens K, Tappe-Theodor A, Wetzel C, Kuich PH, Gassmann M, Roggenkamp D, Bettler B, Lewin GR, Selbach M, Siemens J.
Cell. 2015 Feb 12; 160(4):759-70. doi: 10.1016/j.cell.2015.01.022.

Test für Tumorimpfungen

Viele Tumorimpfungen, die derzeit entwickelt werden, sollen das Immunsystem gegen veränderte Proteine der Krebszellen lenken. Jedoch können solche Impfungen nur dann wirken, wenn die Tumorzellen das krebstypisch veränderte Protein passend zurechtgeschnitten dem Immunsystem präsentieren. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg beschreiben nun einen Test, mit dem sie diese Grundvoraussetzung für die Wirksamkeit einer Tumorimpfung vorab überprüfen können.

Lukas Bunse, Theresa Schumacher, Felix Sahm, Stefan Pusch, Iris Oezen, Katharina Rauschenbach, Marina Gonzalez, Gergely Solecki, Matthias Osswald, David Capper, Benedikt Wiestler, Frank Winkler, Christel Herold-Mende, Andreas von Deimling, Wolfgang Wick und Michael Platten: Proximity ligation assay evaluates IDH1R132H presentation in gliomas. The Journal of Clinical Investigation 2015, DOI: 10.1172/JCI77780

Späte Einschulung kann Leistungen verschlechtern

Kinder von der Einschulung zurückzustellen könnte sich negativ auf ihre späteren Schulleistungen auswirken. Das berichtet ein deutsch-britisches Forscherteam in der Zeitschrift „Journal of Developmental Medicine and Child Neurology“. „Das fehlende Jahr Lernerfahrung ging einher mit durchschnittlich schlechteren Leistungen in standardisierten Tests im Alter von acht Jahren“, sagt Julia Jäkel von der Ruhr-Universität Bochum.

Mehr Forschung von Julia Jäkel
http://rubin.rub.de/de/nicht-zu-frueh-zum-rechnen

Tausende neue Arten beschrieben

Sechs Wissenschaftler der Abteilung Arthropoda (Gliedertiere) am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn haben in den letzten zehn Jahren über tausend neue Arten beschrieben.

WWWW vom 16.2.2015: Adipositas-Gene, Nachthimmel und Single-Leben

Wie aus Wolken ein schweres Gewitter wird

Kumulus
Satellitenmessungen aus dem Weltall könnten künftig dabei helfen, zeitiger vor Starkregen, Hagel und Blitzschlägen zu warnen. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) haben dazu die Temperaturen an der Wolkenoberkante von Gewittern in Mitteleuropa während ihres Wachstums ausgewertet. Dabei zeigten sich typische Veränderungen bereits eine halbe bis eine Stunde vor der Gewitterhauptphase.

Publikation:
Fabian Senf, Felix Dietzsch, Anja Hünerbein, and Hartwig Deneke (2015): Characterization of Initiation and Growth of Selected Severe Convective Storms over Central Europe with MSG-SEVIRI. J. Appl. Meteor. Climatol., 54, 207–224.
http://dx.doi.org/10.1175/JAMC-D-14-0144.1

Wie Gene den BMI mit-bestimmen

Weltweit nimmt Übergewicht in einem Umfang zu, dass schon von einer regelrechten Epidemie gesprochen werden kann. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind beträchtlich: Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, aber auch Krebs können in der Folge von Übergewicht und Fettleibigkeit entstehen. Insgesamt wurden die Ergebnisse von über 100 internationalen Studien mit mehr als 300.000 Teilnehmern ausgewertet. Berücksichtigt wurde u.a. auch die Heinz Nixdorf Recall Studie, die seit 2000 am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) durchgeführt wird. Die Arbeit ist der erste Schritt auf der Suche nach einzelnen Genen, die möglicherweise eine Schlüsselrolle in Bezug auf die Körperform und das Gewicht spielen. Insgesamt haben die Forscher 97 Regionen im Genom identifiziert, die Übergewicht beeinflussen — dreimal mehr als bislang bekannt waren.

BMI-Studie
Adam E Locke, Bratati Kahali, Sonja I Berndt, et al. Genetic studies of body mass index yield new insights for obesity biology. Nature 12.2.2015
doi:10.1038/nature14177

Genom-Studie
Dmitry Shungin, Thomas W Winkler, Damien C Croteau-Chonka, et al. New genetic loci link adipose and insulin biology to body fat distribution. Nature 12.2.2015
doi:10.1038/nature14132

Kohlenmonoxid in Zeitlupe

Ein internationales Forschungsteam hat erstmals die flüchtigen Zwischenstufen beobachtet, die sich bilden, wenn Kohlenmonoxid auf einer heißen Ruthenium-Oberfläche, einem einfachen Katalysator, oxidiert. Sie nutzten dafür ultrakurze Röntgenblitze und Laserpulse .

In Deutschland gibt es immer mehr Singles

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Singles in Deutschland immer mehr zugenommen. Zwischen 1993 und 2009 ist der Anteil der Menschen ohne Partner im Alter bis zu 60 Jahren um 8,5 Prozent gestiegen. Die Ursachen dafür hat der Heidelberger Soziologe Jan Eckhard auf Basis der für Deutschland repräsentativen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) im DIW Berlin näher ergründet. Unterschiedliche sozialwissenschaftliche Theorien zum Singledasein wurden dabei empirisch überprüft. Eine überraschend große Rolle für die zunehmende Zahl der Singles spielen demnach „demografische Engpässe“ auf dem sogenannten „Partnermarkt“.

Eckhard, Jan (2014): Der sozialstrukturelle Kontext der zunehmenden Partnerlosigkeit in Deutschland. Zeitschrift für Soziologie, Jg. 43, Heft 5: 341-360

http://www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/view/3179

Der Nachthimmel ist alles, nur nicht dunkel

Rund um den Globus erstrahlt der Nachthimmel heute mehrere hundert Mal heller als noch vor der Einführung des künstlichen Lichts. Festgestellt haben das Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), der Freien Universität Berlin, der Universität Bremen und des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP). Gemeinsam mit einem internationalen Team aus Europa, Nordamerika und Asien untersuchten sie die weltweite Aufhellung des natürlichen Nachthimmels und fanden dabei heraus, dass diese durch künstliches Licht und Wolken sogar viel stärker variiert als die des Tages.

WWWW vom 9.2.2015: Sprachen mit Gesten lernen und was auf Facebook läuft

Es gibt nicht eine Sprungtechnik für alle

skisprung
In der Weltspitze des Skisprungs fällt auf: Athleten mit ähnlichen Sprungweiten nutzen unterschiedliche Flugtechniken. Diese Beobachtung machte Prof. Dr. Wolfram Müller vom Institut für Biophysik in Graz bei den Olympischen Winterspielen 2002. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Biophysik und dem Institut für Bioengineering (IfB) der FH Aachen führte Jung deshalb erstmals Optimierungsstudien im Skisprung durch, welche die individuellen Eigenschaften der Athleten einbeziehen.

Weitere Informationen:
http://www.fh-aachen.de/topnavi/presse/pressemitteilungen/

Fitte Kinder haben später besseren Blutdruck

Kinder, die körperlich aktiv sind, beeinflussen positiv ihren Blutdruck. Dies zeigt eine neue Studie, die untersucht hat, wie sich körperliche Aktivität und sitzendes Verhalten auf den Blutdruck bei Kindern auswirken. Sie basiert auf Daten von Kindern aus acht europäischen Ländern, die am EU-Projekt IDEFICS teilgenommen hatten.
Publikation:
“Incidence of high blood pressure in children – Effects of physical activity and sedentary behaviors: The IDEFICS study: High blood pressure, lifestyle and children.”
de Moraes AC, Carvalho HB, Siani A, Barba G, Veidebaum T, Tornaritis M, Molnar D, Ahrens W, Wirsik N, De Henauw S, Mårild S, Lissner L, Konstabel K, Pitsiladis Y, Moreno LA; IDEFICS consortium. International Journal of Cardiology. 2015 Feb 1;180:165-70. doi: 10.1016/j.ijcard.2014.11.175. Epub 2014 Nov 26. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0167527314023560

Facebook für den Gossip, Twitter für Politik

Worüber spricht das Web? Welche Themen werden am häufigsten geteilt? Und über welche Plattformen? Das untersuchen Forscher der TU Darmstadt und der TU Dresden in einer Langzeitstudie. Die Zahl der Nachrichten-Empfehlungen wuchs gegenüber 2013 auf mehr als das Doppelte. Am häufigsten geteilt: Berichte über Gewalt und Verbrechen – und ein zum Nachdenken anregendes Zeitgeist-Video aus dem Bielefelder Hörsaal-Slam.

Studie „Development of the Social Network Usage in Germany since 2012“

Essigsäure-Rezeptoren wichtig bei Diabetes

Bei Typ-2-Diabetes steigt der Blutzuckerspiegel, weil die Zellen des Körpers nicht mehr empfindlich genug für Insulin sind oder die Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend Insulin freisetzt. Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben nun entdeckt, dass die sogenannten FFA2- und FFA3-Rezeptoren die Insulinfreisetzung hemmen. Diese Rezeptoren werden durch Essigsäure aktiviert, die unter anderem von den Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.
Originalveröffentlichung:
Cong Tang, Kashan Ahmed, Andreas Gille, Shun Lu, Hermann-Josef Gröne, Sorin Tunaru & Stefan Offermanns
Loss of FFA2 and FFA3 increases insulin secretion and improves glucose tolerance in type 2 diabetes
Nature Medicine, 2015

Gesten helfen sich Vokabeln zu merken

„Atesi“ – was klingt wie ein Wort aus der Elben-Sprache im Film Herr der Ringe, ist „vimmisch“ und bedeutet „Gedanke“. Mit Vimmi, einer eigens für wissenschaftliche Studien entwickelten Kunstsprache, haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig untersucht, wie sich Menschen am besten Vokabeln einer fremden Sprache einprägen können. Den Forschern zufolge fällt das Vokabellernen leichter, wenn das Gehirn ein Wort mit unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen verknüpfen kann.

http://www.mpg.de/8930937/vokabel-lernen-gesten

WWWW vom 2.2.2015: Stummelfüßler und Kaltes Plasma

Kleiner Wurm konnte vorausschauen

StummelfüßlerIm Lauf der Evolution hat sich das Leben von einfachen einzelligen Organismen bis zu hochspezialisierten Lebensformen mit komplizierten Organsystemen entwickelt. Die Forschung geht bislang davon aus, dass auch die genetischen Steuermechanismen in den Lebewesen zunächst sehr einfach waren und dann während der Evolution immer komplexer wurden. Eine Überraschung erlebte nun ein Forscherteam der Universitäten Göttingen und Uppsala, als sie die genetischen Entwicklungsmechanismen bei urtümlichen Stummelfüßern untersuchten. Dabei fanden sie kaum nennenswerte Unterschiede der Genregulation bei heutigen Insekten und Stummelfüßern.
Originalveröffentlichung: Janssen et al. Aspects of dorso-ventral and proximo-distal limb patterning in onychophorans, Evolution & Development. Doi:http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ede.12107/full

Zellantennen können senden und empfangen – aber was?

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität Göttingen hat die mikromechanischen Eigenschaften von primären Zilien erforscht. Diese antennenähnlichen Organellen dienen vielen Arten von Zellen in höheren Lebewesen zur Erkennung von Umweltsignalen. Die Wissenschaftler der Göttinger Fakultät für Physik, der National Institutes of Health in Bethesda (USA) und des Vanderbilt Medical Centers in Nashville (USA) benutzten Lichtmikroskopie und optische Pinzetten zur Abbildung und Manipulation der Zilien an den Oberflächen lebender Zellen in Zellkulturen. Dabei stellten sie überraschenderweise fest, dass die Antennen nicht nur passiv Signale empfangen, sondern sich auch aktiv orientieren und bewegen können.
Originalveröffentlichung: Christopher Battle et al. Intracellular and extracellular forces drive primary cilia movement. Proceedings of the National Academy of Sciences (USA) 2015. Doi:http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1421845112.

Radiotherapie verschlimmert Krebsprognose nicht

Wer eine Krebserkrankung von Enddarm oder Gebärmutter überlebt hat, erkrankt in den Folgejahren dreimal häufiger als andere Menschen erneut an einem bösartigen Tumor. Fester Bestandteil der Therapie ist heute die Bestrahlung der Beckenorgane. Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden zeigt, dass die Radiotherapie nicht für diese erhöhte Rate von sekundären Krebserkrankungen verantwortlich ist.
Literatur:
Wiltink LM, Nout RA, Fiocco M, Meershoek-Klein Kranenbarg E, Jürgenliemk-Schulz IM, Jobsen JJ, Nagtegaal ID, Rutten HJ, van de Velde CJ, Creutzberg CL, Marijnen CA. No Increased Risk of Second Cancer After Radiotherapy in Patients Treated for Rectal or Endometrial Cancer in the Randomized TME, PORTEC-1, and PORTEC-2 Trials. J Clin Oncol. 2014; doi: 10.1200/JCO.2014.58.6693. Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25534376

Saubermachen mit Kaltem Plasma

Professor Dr. Günter Klein und Dr. Birte Ahlfeld aus dem Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) haben zusammen mit Wissenschaftlern der Max-Planck-Gesellschaft und dem Sanitätsdienst der Bundeswehr untersucht, wie gut sich mit Noroviren kontaminierte Oberflächen mit Kaltem Plasma desinfizieren lassen.

Inactivation of a foodborne norovirus outbreak strain with nonthermal atmospheric pressure plasma
Birte Ahlfeld, Yangfang Li, Annika Boulaaba, Alfred Binder, Ulrich Schotte, Julia L. Zimmermann, Gregor Morfill, Günter Klein
mBio, DOI: 10.1128/mBio.02300-14

Babyhirn braucht Schlaf zum Verarbeiten der Informationen

Das Baby-Gehirn gibt keine Ruhe – nicht mal im Schlaf. Wenn Kleinkinder schlafen, verarbeiten sie zuvor Gelerntes. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben zusammen mit Forschern der Universität Tübingen herausgefunden, dass sich Babys im Alter von 9 bis 16 Monaten durch ein kurzes Schläfchen die Namen von Gegenständen besser merken. Außerdem können sie erst nach dem Schlaf gelernte Namen auf neue ähnliche Gegenstände übertragen.

Originalpublikation:
Manuela Friedrich, Ines Wilhelm, Jan Born, and Angela D. Friederici
Generalization of word meanings during infant sleep
Nature Communications, 29. Januar 2015