WWWW vom 27.4.2015: Alte Galaxien und neue Impfstoffe

Wie Galaxien sich ausweiten

Die der Milchstraße ähnliche Galaxie NGC 891. Die Scheibenkomponenten verschiedener Sterngeneratione ... Adam Block, Mt. Lemmon SkyCenter, University of Arizona / Ivan Minchev, AIP
Die der Milchstraße ähnliche Galaxie NGC 891. Die Scheibenkomponenten verschiedener Sterngeneratione …
Adam Block, Mt. Lemmon SkyCenter, University of Arizona / Ivan Minchev, AIP

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Ivan Minchev, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP), hat mithilfe hochmoderner theoretischer Modelle das Rätsel um die Entwicklung der Galaxienscheiben gelöst. Die jetzt veröffentlichte Studie zeigt, dass sich Sternpopulationen gleichen Alters durch Galaxienkollisionen nach außen hin ausweiten.
Die Studie wird am 24. April 2015 in The Astrophysical Journal Letters publiziert. On the formation of galactic thick disks, Minchev et al. 2015, ApJL, 804, 1.

Experiment simuliert soziale Angst

An der Universität Regensburg konnten Prof. Dr. Andreas Mühlberger und Dr. Youssef Shiban vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie zusammen mit Prof. Dr. Inga Neumann vom Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie erstmals soziale Angst bei Menschen simulieren. Dazu entwickelten sie einen experimentellen Ansatz, durch den Probanden in einer virtuellen Realität soziale Angst lernten und dann direkt wieder verlernten.
Der Original-Aufsatz im Internet unter:
http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fpsyg.2015.00400/full

Uranisotope beweisen Leben vor 2,5 Milliarden Jahren

Neue Erkenntnisse über das frühe Leben auf der Erde: Forschungsergebnisse zeigen, dass die Isotopenzusammensetzung von Uran Rückschlüsse auf die mikrobiologische Aktivität in der frühen Erdgeschichte zulässt.

Vielversprechender Malaria-Impfstoff in letzter Testphase

Rund 250 Millionen Menschen erkranken jährlich an Malaria. Knapp eine Million sterben an der durch Parasiten verursachten und durch Mückenstiche übertragenen Krankheit. Kinder unter 5 Jahren sind am häufigsten betroffen, vor allem in Afrika.
In einer großen Phase III-Studie mit mehr als 17 000 Kindern im Alter von 6 Wochen bis zu 17 Monaten wurde der Malaria-Impfstoff RTS,S getestet. Jetzt liegen die Ergebnisse der Studie vor und machen Hoffnung, dass die Impfung noch dieses Jahr in die afrikanischen nationalen Impfprogramme aufgenommen wird.
Final results from a phase 3, individually randomised, controlled trial of the RTS,S/AS01 malaria vaccine in African infants and children, including an evaluation of the efficacy of a booster dose
http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(15)60721-8

Impfstoff-Fortschritt bei Chikungunya-Virus

Das von Stechmücken übertragene Chikungunya-Virus, Verursacher des Chikungunya-Fiebers, breitet sich immer weiter aus. Einen Impfstoff gibt es bisher nicht. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben Segmente des Virus-Oberflächenproteins E2 experimentell rekombiniert und so künstliche Proteine geschaffen. Mit der so erzeugten Domäne „sAB+“ ließ sich im Tiermodell erfolgreich eine schützende Wirkung gegen das Chikungunya-Virus erzeugen.
Originalpublikation

Weber C, Büchner SM, Schnierle BS (2015) A Small Antigenic Determinant of the Chikungunya Virus E2 Protein Is Sufficient to Induce Neutralizing Antibodies which Are Partially Protective in Mice. PLoS Negl Trop Dis 9(4): e0003684. doi:10.1371/journal.pntd.0003684

WWWW vom 20.4.2015: Pilze, Feinstaub und Salmonellen

Frühmenschen mochten Pilze

little mushrooms
Über die Nahrungsgewohnheiten der Menschen, die im Jungpaläolithikum, dem jüngeren Abschnitt der Altsteinzeit vor 18.000 bis 12.000 Jahren während der archäologischen Kulturstufe des Magdaléniens lebten, ist nur wenig bekannt. Besonders schwer lassen sich pflanzliche Nahrungsstoffe nachweisen, denn sie hinterlassen nur geringe Spuren im menschlichen Körper. Unter der Leitung von Robert Power vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat ein internationales Forscherteam den uralten Zahnstein von Menschen aus dem Magdalénien untersucht, deren Überreste man in der El Mirón-Höhle in Spanien ausgegraben hatte. Die Forscher konnten nachweisen, dass diese Menschen bereits im Jungpaläolithikum zusätzlich zu anderen Nahrungsbestandteilen auch verschiedene pflanzliche Nahrungsstoffe und Pilze auf der Speisekarte hatten.
Originalpublikation:
Robert C. Power, Domingo C. Salazar-García, Lawrence G. Straus, Manuel R. González Morales, Amanda G. Henry
Microremains from El Mirón Cave human dental calculus suggest a mixed plant-animal subsistence economy during the Magdalenian in Northern Iberia
Journal of Archaeological Science; April 16, 2015, DOI 10.1016/j.jas.2015.04.003

Quantenwolke ist heiß und kalt zugleich

Eine Wolke aus Quantenteilchen kann mehrere Temperaturen gleichzeitig aufweisen. Das zeigen Experimente, die im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von Wissenschaftlern der Universität Heidelberg und der Technischen Universität Wien (Österreich) durchgeführt wurden. Die Ergebnisse der Studie machen es möglich, dass sich die Gesetze der Quantenwelt besser mit einer statistischen Beschreibung zusammenführen lassen.
Originalveröffentlichung:
T. Langen, S. Erne, R. Geiger, B. Rauer, T. Schweigler, M. Kuhnert, W. Rohringer, I. E. Mazets, T. Gasenzer, J. Schmiedmayer: Experimental observation of a generalized Gibbs ensemble, Science 10 April 2015: Vol. 348 no. 6231 pp. 207-211, doi: 10.1126/science.1257026

Salmonellen bekämpfen Tumore

Bakterieninfektionen als Krebstherapie? Das klingt zunächst riskant und tatsächlich sind viele gefährliche Keime nicht das Mittel der Wahl im Kampf gegen Krebs. Zwar können sie zur Rückbildung fester Tumore führen, aber sie schaden auch dem Patienten. Andere Bakterien wiederum sind harmlos für den Kranken, helfen aber nicht gegen den Krebs. Wissenschaftlern am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig ist es nun gelungen, Salmonellen so zu verändern, dass sie zunächst eine aggressive Anti-Tumor-Wirkung besitzen.
Originalpublikation:
Michael Frahm, Sebastian Felgner, Dino Kocijancic, Manfred Rohde, Michael Hensel, Roy Curtiss III, Marc Erhardt, Siegfried Weiss.
Efficiency of Conditionally Attenuated Salmonella enterica Serovar Typhimurium in Bacterium-Mediated Tumor Therapy
mBio, 2015, DOI: 10.1128/mBio.00254-15

Licht verändert Nervenzellen

Ein internationales Team von Forschern des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und des Tokyo Institute of Technology (Tokyo Tech) hat in einer gemeinsamen Studie aufgedeckt, dass sich Nervenzellen auf molekularer Ebene verändern, wenn sie über längere Zeit hin Licht ausgesetzt sind. In der aktuellen Ausgabe von NEURON erklären die Forscher, dass ein neuronaler Rückmeldemechanismus diese Veränderungen verantwortet.

Lernen wie wir verlernen

„Jemanden das Fürchten lehren“ – das ist keine leere Ausdrucksweise, wie Tübinger Neurowissenschaftler immer klarer erkennen. Eine Forschergruppe um Dr. Ingrid Ehrlich (Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen [CIN] / Hertie-Institut für klinische Hirnforschung [HIH]) studiert Mechanismen des bedingten Lernens auf Zellebene, besonders des emotionalen Gedächtnisses. Nun haben die Wissenschaftler einen großen Schritt hin zum besseren Verständnis von erlernten Furchtreaktionen gemacht.
Publikation: Douglas Asede, Daniel Bosch, Andreas Lüthi, Francesco Ferraguti, Ingrid Ehrlich: Sensory Inputs to Intercalated Cells Provide Fear-Learning Modulated Inhibition to the Basolateral Amygdala. Neuron (2015), 2. April 2015 (online-Publikation), 22. April 2015 (Print-Publikation).
http://dx.doi.org/10.1016/j.neuron.2015.03.008

Feinstaub belastet Bundesligaspieler

Die Luftbelastung durch Feinstaub in Deutschland führt zu messbaren Beeinträchtigungen der Leistung von Bundesliga-Profis. Das geht aus einer aktuellen Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) hervor. Die Autoren werteten detaillierte Spielerdaten über einen Zeitraum von mehreren Jahren aus und verglichen sie mit den Feinstaub-Messwerten am jeweiligen Spielort. Bereits bei Luftwerten deutlich unterhalb der geltenden EU-Grenzwerte ließen sich negative Produktivitätseffekte nachweisen, die sich bei extremer Luftverschmutzung vervielfachen.
Andreas Lichter, Nico Pestel und Eric Sommer
Productivity Effects of Air Pollution: Evidence from Professional Soccer
IZA Discussion Paper No. 8964, April 2015
http://ftp.iza.org/dp8964.pdf

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WWWW vom 13.4.2015: Strom bei Depressionen, Ozeanversauerung und Digitalis

Was sich zwischen Halbleitern und Metallen abspielt

Wissenschaftlern der Universität Göttingen und des Forschungszentrums Jülich ist ein wichtiger Schritt zu einem besseren Verständnis von Metall-Halbleiter-Grenzflächen gelungen. Die Forscher untersuchten mithilfe eines neuen experimentellen Zugangs die Verteilung elektronischer Ladung an diesen Grenzflächen auf der atomaren Skala.
Originalveröffentlichung: T. Iffländer et al. Local Density of States at Metal-Semiconductor Interfaces: An Atomic Scale Study. Phys. Rev. Lett. 114, 146804 (2015).
Doi: 10.1103/PhysRevLett.114.146804.

Strom kann bei Depressionen helfen

Depression
Depressive Erkrankungen sind gekennzeichnet durch eine mangelnde Bewältigung und Kontrolle von negativen Eindrücken, Gedanken und Gefühlen. Mit Psychotherapie und antidepressiven Medikamenten kann zwar vielen Patienten gut geholfen werden, ein besseres Verständnis der neurobiologischen Grundlagen dieser Erkrankung könnte aber eine noch gezieltere und effektivere Therapie ermöglichen. In der neurologischen und psychiatrischen Therapieforschung werden schwache elektrische Ströme, die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), als Behandlungsmöglichkeit der Erkrankung untersucht.
Plewnia C, Schroeder PA, Wolkenstein L. Targeting the biased brain: noninvasive brain stimulation to ameliorate cognitive control. Lancet Psychiatry 2015; 2:351-356. DOI:10.1016/S2215-0366(15)00056-5

Plewnia C, Schroeder PA, Kunze R, Faehling F, Wolkenstein L. Keep Calm and Carry On: Improved Frustration Tolerance and Processing Speed by Transcranial Direct Current Stimulation (tDCS).PLoS One. 2015 Apr 2;10(4):e0122578. DOI:10.1371/journal.pone.0122578

Wenn Sterne jünger sind als sie sein sollen…

Ein internationales Team von Astrophysikern unter Leitung von Cristina Chiappini vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam hat eine Gruppe Roter Riesensterne entdeckt, deren chemische Uhr scheinbar aus dem Takt geraten ist: obwohl die Sterne ihrer chemischen Signatur nach alt sein sollten, erweisen sie sich als jung, wenn man ihr Alter mittels Asteroseismologie untersucht. Die Existenz dieser Sterne kann nicht mit den Standardmodellen der chemischen Entwicklung der Milchstraße erklärt werden.

Weitere Informationen:
http://www.aanda.org/articles/aa/abs/2015/04/aa25865-15/aa25865-15.html Die Studie wurde am 10. April 2015 in Astronomy & Astrophysics publiziert: Young [α/Fe]-enhanced stars discovered by CoRoT and APOGEE: What is their origin?, Chiappini et al. 2015, A&A, 576, L12

Versauerung ließ Arten im Ozean sterben

Was vor 252 Millionen Jahren zum größten Massenaussterben in den Ozeanen führte, hat ein internationales Forscherteam anhand von Meeresbodenablagerungen in Kombination mit Computersimulationen untersucht. In ihrer Studie, die nun im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht wurde, konnten die Wissenschaftler_innen erstmals beweisen, dass eine Versauerung der Ozeane für das Sterben mitverantwortlich war.
Publikation:
Ocean acidification and the Permo-Triassic mass extinction
M. O. Clarkson, S. A. Kasemann, R. Wood, T. M. Lenton, S. J. Daines, S. Richoz, F. Ohnemueller, A. Meixner, S. W. Poulton, E. T. Tipper

Zu viele Infarkte bei jungen Menschen

Jeder 15. Patient mit einem schweren Herzinfarkt (STEMI, ST-Hebungsinfarkt) ist jünger als 45 Jahre, 80 Prozent der jungen Infarktpatienten sind Männer, 85 Prozent waren zum Infarktzeitpunkt aktive Raucher. Der dominierende Risikofaktor war der aktive Tabakkonsum, gefolgt von einer positiven Familienanamnese für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und Adipositas.
Quelle: P1369 – Akute ST-Strecken-Hebungsinfarkte bei jungen Patienten: Assoziation zu Risikofak-toren, Auswirkungen auf Infarktschwere und Trends zwischen 2006 und 2013 – Daten aus einem STEMI-Register; L. A. Mata Marin, J. Schmucker, H. Wienbergen, S. Bünger, A. Fach, E. Fiehn, R. Hambrecht

Vorsicht bei Digitalis-Therapie angebracht

Herzpatienten mit einem Implantierbaren Cardioverter Defibrillator (ICD), die gleichzeitig mit Digitalis behandelt werden, haben eine deutlich höhere Sterblichkeit als ICD-Patienten ohne diese Medikation. Zu diesem Ergebnis kommen Julia Erath und Mitautoren (Frankfurt a. M. und Gießen) nach der Analyse der Daten von 1.020 Patienten, denen zwischen 1996 und 2009 ein ICD implantiert wurde und die bis zu zehn Jahre nachbeobachtet wurden.
Quelle: DGK Abstract V171 – Effects of Digoxin on Mortality in ICD-recipients: Results of a 10 year Follow-Up Study in 1020 Patients; J. Erath, M. Vamos, H. Ackermann, S. P. Linzbach, J. Schmitt, A. Steidl, S. Hohnloser; DGK Abstract P455 – Digoxin-associated mortality: A comprehensive meta-analysis of the literature; M. Vamos, J. Erath, S. Hohnloser.

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WWWW vom 6.4.2015: Interview mit Bitcoin.de-Chef Oliver Flaskämper

bitcoinWeil es ein Hörervorschlag war, oder geradezu ein Wunsch, und ich die ganze Sache hochinteressant finde, habe ich mich mit einem Bitcoin-Experten unterhalten. Oliver Flaskämper ist der Chef von Bitcoin.de. Dabei handelt es sich um einen Marktplatz, auf dem Teilnehmer Bitcoins gegenseitig handeln können. Es ist also keine Börse in die man Einlagen einzahlen muss. Bitcoin arbeitet eng mit der Fidor Bank AG zusammen und ist “vertraglich gebundener Vermittler“.

Wir sprechen über die bisherigen Erfolge der Bitcoins und die Frage, ob sie sich halten werden. Interessant in diesem Zusammenhang ein Artikel, den ich gelesen haben (und der Basis für eine Frage im Interview ist), in dem es um die Zukunft der verschiedenen Kryptowährungen geht.

Für alle Bitcoin-Anfänger gibt einen nett gemachten Film zur Einführung.

Und wer die Wissenschaft vermisst: Es gibt schon jede Menge Studien zu Thema, hier zum Beispiel oder hier.

Nächste Woche gibt es dann wieder andere Meldungen aus der Welt der Wissenschaft.

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