WWWW vom 29.6.2015: Ur-Schildkröte und Depression bei Medizinstudenten

Missing-Link bei Schildkröten gefunden

Illustration wie die Schildkröte ausgesehen haben könnte
Illustration wie die Schildkröte ausgesehen haben könnte
Am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart haben Forscher eine international bedeutende Entdeckung gemacht. Bei Grabungen des Museums in Vellberg (Baden-Württemberg) wurden zahlreiche fossile Skelettreste geborgen. Deren wissenschaftliche Untersuchung zeigte, dass sich darunter ein weltweit einzigartiger Fund befand, der den Ursprung der Schildkröten klärt: Das Fossil einer 240. Mio. Jahre alten Ur-Schildkröte. Die neue Art bildet ein perfektes Bindeglied zwischen den frühen Echsen und den Schildkröten, ein sogenanntes Missing Link.

Mehr Regen im Winter, Trockenheit im Sommer

Für die nächsten 90 Jahre sieht es schlecht aus, was das Wetter angeht, sagen Wetterforscher. Die Häufigkeit von Extremniederschlägen dürfte bis zum Jahr 2100 im Winter um etwa 50 % bis 100 %, im Sommer dagegen nur leicht zunehmen. Dieser Trend findet sich in den Beobachtungen des Deutschen Wetterdienstes für die Wintermonate zum Teil auch bereits wieder, für den Sommer lassen sich dagegen noch keine Änderungen feststellen

Weitere Informationen:
http://www.agrarrelevante-extremwetterlagen.de.

Mikroorganismen produzieren Strom auf Kupferplatten

Eine neue Studie zeigt: Kupfer ist ein Material, das für die Anoden mikrobieller Brennstoffzellen und verwandter bioelektrochemischer Systeme hervorragend geeignet ist. Es ist günstig, leitet sehr gut und anders als gedacht lassen sich Mikroorganismen sehr wohl darauf ansiedeln.
Veröffentlichung:

André Baudler, Igor Schmidt, Markus Langner, Andreas Greiner and Uwe Schröder,
Does it have to be carbon? Metal anodes in microbial fuel cells and related bioelectrochemical systems,
in: Energy & Environmental Science (2015),
DOI: 10.1039/c5ee00866b

Forscher optimieren Düsen

Am Institut für Thermodynamik für Luft- und Raumfahrt der Universität Stuttgart wurde eine neuartige divergente Düse entwickelt, die auch in großer Entfernung noch ein homogenes Strömungsprofil aufweist und für größere Auftreffflächen geeignet ist. Durch numerische Berechnungen lässt sich das Strömungsprofil durch den Einbau eines Zentralkörpers in die Düse optimieren. Eine Erhöhung der Pumpleistung ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen:
http://www.tlb.de
http://www.uni-stuttgart.de/itlr/

Stress bei Medizinstudenten nimmt zu

Medizin gilt als eines der Fächer, in dem die Studierenden besonders gefordert werden. Das bleibt nicht ohne Folgen: Dramatisch viele Medizinstudierende zeigen schon im Grundstudium Symptome von stressbedingten Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Das belegen aktuelle Studien von Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Forscher vermitteln aber auch Strategien, wie die Studierenden schon frühzeitig lernen können, stressbedingten Risikofaktoren vorzubeugen.

Weniger Versuchstiere einzusetzen Ziel neuer Forschung

Weniger Tiere für Versuchszwecke einzusetzen, sollte das Ziel von Wissenschaftlern in der medizinischen Grundlagenforschung sein. Einen Schritt in diese Richtung unternehmen in den kommenden zwei Jahren Dr. Benjamin Mayer und Professor Rainer Muche vom Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm. In einem vom BMBF geförderten Projekt überprüfen die Forscher die Anwendbarkeit verschiedener statistischer Verfahren im Hinblick auf die Berechnung optimaler Fallzahlen.

Was lässt uns ducken?

Reflexartig weichen Menschen und Tiere einem schnell herannahenden Objekt aus. Dadurch vermeiden sie Kollisionen oder entkommen Fressfeinden, die ihnen auflauern. Damit dies möglich ist, muss das Gehirn Richtung und Geschwindigkeit eines Reizes mit seinem Sehsystem berechnen und ein entsprechendes Ausweichmanöver einleiten. Wie das Gehirn dies bewerkstelligt, ist zum größten Teil unklar. Bis jetzt. Geholfen haben Zebrafischlarven.
ORIGINALVERÖFFENTLICHUNG:
Incinur Temizer, Joseph Donovan, Herwig Baier, Julia Semmelhack
A visual pathway for looming-evoked escape in larval zebrafish
Current Biology, online am 25. Juni 2015

DIE PODCASTEMPFHELUNGEN:

angegraben ist der wohl einzige deutschsprachige Podcast, der sich speziell archäologischen Themen widmet.

Soziopod ist ein Klassiker, aber immer wieder hörenswert.

WWWW vom 22.6.2015: Boote in Australien und einfühlsame Kleinkinder

Wie kamen Australier auf eine Insel in Mega-Ur-See?

Geologen und Archäologen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der La Trobe University (Australien) und der University of Wollongong (Australien) haben inmitten der australischen Wüste erstmals Belege dafür gefunden, dass der Lake Mungo-See vor 24.000 Jahren einen größeren Füllgrad hatte, als bislang angenommen. Diese Entdeckung wird maßgeblich dabei helfen, frühere Klimaveränderungen besser zu verstehen.
Originalpublikation:
Kathryn E. Fitzsimmons, Nicola Stern, Colin V. Murray-Wallace, William Truscott, Cornel Pop
The Mungo mega-lake event, semi-arid Australia: non-linear descent into the last ice age, implications for human behaviour
PLOS ONE; 17 June 2015; DOI: 10.1371/journal.pone.0127008

Magnetfelder beeinflussen Spiralarme einer Galaxie

Magnetfeld_Galaxie Magnetfelder existieren überall im Universum. Bisher war wenig darüber bekannt, ob Magnetfelder eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von kosmischen Objekten spielen. Rainer Beck vom MPIfR Bonn ist es gelungen, einen umfangreichen Satz von Radiodaten für die nahegelegene Galaxie IC 342 aus Beobachtungen mit dem amerikanischen VLA und dem 100-m-TeleskopEffelsberg zu erhalten. Die Daten haben es ermöglicht, ein geordnetes Magnetfeld in dieser Galaxie zu entdecken, das überwiegend entlang der optischen Spiralarme dieser Galaxie ausgerichtet ist.

Originalveröffentlichung:

Magnetic fields in the nearby spiral galaxy IC 342: A multi-frequency radio polarization study, von Rainer Beck, Astronomy & Astrophysics, Volume 578, Juni 2015, A93 (DOI: 10.1051/0004-6361/201425572):

http://www.aanda.org/articles/aa/abs/2015/06/aa25572-14/aa25572-14.html

Kleinkinder einfühlsamer als gedacht

Viele Menschen halten Kleinkinder für stur, egoistisch und unfähig, mit anderen zu teilen. Doch Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der Universität Manchester in Großbritannien haben jetzt herausgefunden, dass schon dreijährige Kinder über ein überraschendes Maß an Fürsorge und einen intuitiven Sinn für eine opferorientierte Gerechtigkeit verfügen. Kleinkinder geben verlorene Dinge lieber an deren rechtmäßige Eigentümer zurück. Wenn das nicht möglich ist, hindern sie wenigstens andere daran zu nehmen, was ihnen nicht gehört.

Originalpublikation:
Katrin Riedl, Keith Jensen, Josep Call, Michael Tomasello
Restorative Justice in Children
Current Biology, 18 June 2015, DOI: 10.1016/j.cub.2015.05.014

Firma stellt künstlich Spermien her

Da die Zahl aktiver Spermien bei Männern auf der ganzen Welt weiterhin sinkt, versuchen Forscher weltweit seit über 15 Jahren künstliche Spermien zu züchten, um auch diesen Männern den Kinderwunsch erfüllen zu können.
Kallistem ist ein 2012 in Lyon gegründetes Unternehmen, das sich auf die Prävention und Behandlung männlicher Unfruchtbarkeit spezialisiert hat. Ende 2014 ist es ihm gelungen, in vitro funktionsfähige menschliche Spermien zu züchten, mit denen wiederum eine In-vitro-Fertilisation möglich wäre.

Stammzellproduktion besser verstehen

Blutstammzellen stellen die einzige lebenslange Quelle für täglich Milliarden neuer Blutzellen in unserem Körper dar. Allerdings ist ihre Anzahl sehr gering, und der Erhalt dieser Stammzellen durch ihre Selbsterneuerungsfähigkeit repräsentiert daher eine unabdingbare Voraussetzung für ein funktionierendes Blut- und Immunsystem. Bei der Selbsterneuerung einer Stammzelle entsteht durch Zellteilung mindestens wieder eine Stammzelle. Die molekularen Grundlagen bzw. die Regulation dieses Vorganges sind bis heute nur unzureichend verstanden. Bis jetzt Forscher ein Protein gefunden haben, das ausschlaggebend ist für die Produktion der Stammzellen.
Weitere Informationen:
http://www.cell.com/cell-reports/abstract/S2211-1247(15)00610-5

Materialfehler in 3D sehen

In der Materialwissenschaft waren dreidimensionale Bilder lange Zeit nicht gefragt. Schließlich waren die optoelektronischen Bauteile in Form von planaren Schichten aufgebaut. Innerhalb der Schichten waren die Strukturen homogen, so dass zweidimensionale Schnitte für eine vollständige Darstellung ausreichten. Das ist mittlerweile anders, berichtet PDI-Forscher Dr. Achim Trampert: „Bei Strukturen im Nano-Bereich reicht eine zweidimensionale Projektion nicht mehr aus, um zum Beispiel Defekte finden zu können.“ Daher etablierte er gemeinsam mit seinem Doktoranden Michael Niehle die Elektronentomographie am PDI.

UV-Schutzkleidung soll besser werden

Sommer, Sonne, Sonnenschein – von vielen heiß ersehnt, doch leider nicht ohne Schatten-seiten. Neben Sonnenbrand oder allergischen Reaktionen auf zu viel Sonneneinstrahlung drohen unter anderem bestimmte Formen des weißen Hautkrebses. Vor allem Personen, die häufig im Freien arbeiten, sollten sich darüber im Klaren sein und Vorsorge treffen. Eine Präventionsmöglichkeit besteht im Tragen von UV-Schutzkleidung. Sie wird von den betroffenen Berufsgruppen jedoch wenig genutzt, da Tragekomfort, Design und Pflegeeigenschaften der Schutzkleidung bislang nicht überzeugen konnten.

PODCASTVORSTELLUNG:

Ich Depp habe beim Aufnehmen/Schneiden vergessen das Intro vom Modellansatz Podcast einzubauen, ich bitte um Nachsicht, es war noch früh am Morgen. Text der Webseite:

Bei genauem Hinsehen finden wir die Naturwissenschaft und besonders Mathematik überall in unserem Leben, vom Wasserhahn über die automatischen Temporegelungen an Autobahnen, in der Medizintechnik bis hin zum Mobiltelefon. Woran die Forscher, Absolventen und Lehrenden in Karlsruhe gerade tüfteln, erfahren wir hier aus erster Hand.

Gudrun Thäter und Sebastian Ritterbusch machen diesen Mathematik-Podcast, der sich aber nicht nur an Mathematiker wendet. Reinhören lohnt sich auf jeden Fall.

WWWW vom 15.6.2015: Männer, Fußball und Astronautenhaut

Exoskelett für Fabrikarbeiter

Robo_Mate
Arbeiter in der Produktion heben oft bis zu 10 Tonnen Material täglich. Laut Work Foundation Alliance (Lancaster, UK) leiden 44 Millionen Arbeiter in der EU an arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen. Forscher haben im EUProjekt Robo-Mate jetzt ein Exoskelett entwickelt, das die Gewichtsbelastung auf bis ein Zehntel reduziert. Den ersten Prototypen stellten die Projektpartner am 12. Juni am Fraunhofer IAO in Stuttgart vor.

Vernetzte Therapie macht Fortschritte bei Jugendlichen

Wenn Kinder oder Jugendliche psychische Auffälligkeiten zeigen, ist eine multidisziplinäre und vernetzte Versorgung sinnvoll, wie sie in ambulanten Arzt-Praxen geleistet wird, die nach der „Sozialpsychiatrie-Vereinbarung (SPV)“ arbeiten. Dort arbeiten neben Kinder- und Jugendpsychiatern vor allem Sozial- oder Heilpädagogen sowie Psychologen und Psychotherapeuten, die häufig eine systemische Weiterbildung absolviert haben. Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) begrüßt, dass diese sozialpsychiatrische Arbeit jetzt evaluiert und als sehr erfolgreich bewertet wurde.
Die Evaluationsstudie des Zi ist im Internet veröffentlicht unter:http://www.kbv.de/media/sp/SPV_Abschlussbericht_2014.pdf

Fußballfans mögen Regierung nach einem Sieg ihrer Mannschaft mehr

Männer, die moderat bis extrem auf der Seite einer Fußballmannschaft sind, haben bis zu drei Tage nach einem Sieg bessere Laune, fühlen sich stärker – und finden die aktuelle Regierung besser. Das haben jetzt zwei Forscher anhand von Daten der vergangenen Frauenfußball-WM herausgefunden. Frauen übrigens sind unbeeindruckt vom Ergebnis eines Spiels, zumindest was ihre Laune angeht. Das könnte sooooo vieles erklären.

Effects of Women’s Football Broadcastings on Viewers’ Moods and Judgments: Investigating the Moderating Role of Team Identification and Sex. Holger Schramm and Johannes Knoll, Communication Research, DOI: 10.1177/0093650215583894

Helferproteine sind die Feuerwehr der Zelle

Kleine Hitzeschock-Proteine sorgen dafür, dass andere Proteine bei Stress nicht verklumpen und ermöglichen der Zelle zu überleben. Defekte dieser „kleinen Helfer“ werden mit Krankheiten wie grauem Star oder Krebs in Verbindung gebracht. Nun haben Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) ein kleines Hitzeschock-Protein beim Fadenwurm Caenorhabditis elegans charakterisiert, das speziell für dessen Embryonalentwicklung zuständig ist. Vermutlich gibt es ein ähnliches Protein auch im Menschen.

Originalpublikation:

Tilly Fleckenstein, Andreas Kastenmüller, Martin Lorenz Stein, Carsten Peters, Marina Daake, Maike Krause, Daniel Weinfurtner, Martin Haslbeck, Sevil Weinkauf, Michael Groll, Johannes Buchner:
The Chaperone Activity of the Developmental Small Heat Shock Protein Sip1 Is Regulated by pH-Dependent Conformational Changes, Molecular Cell 58,1-12, June 18, 2015
DOI: 10.1016/j.molcel.2015.04.019

Frag mal ne Fliege wieviel Uhr es ist

Auch Fliegen haben ein Zeitgedächtnis. Das haben Wissenschaftler der Universität Würzburg in einer Reihe von Experimenten herausgefunden. Damit die Tiere ein Gedächtnis entwickeln können, müssen allerdings etliche Bedingungen erfüllt sein. Und unter manchen Umständen funktioniert es gar nicht.
Chouhan et al., Flies Remember the Time of Day, Current Biology (2015),http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2015.04.032

Astro Alex sieht jünger aus, ist aber auch dünnhäutiger geworden

Knapp sechs Monate verbrachte der deutsche Astronaut Alexander Gerst 2014 auf der Internationalen Raumstation ISS. Wie sich Gersts Haut im All verändert hat, konnte Karsten König, Professor für Biophotonik und Lasertechnologie an der Universität des Saarlandes, anschließend untersuchen. Der Forscher hat eine Lasertechnologie entwickelt, mit der er in Hautzellen hineinschauen kann. Die räumliche Auflösung ist dabei tausendmal höher als bei Ultraschallgeräten, weltweit erreicht kein anderes Gerät solche Werte.

DIE NEUE RUBRIK PODCASTEMPFEHLUNGEN

Ich bitte um tausendfache Downloads folgender Podcasts:

Methodisch inkorrekt: Reinhard Remfort und Nicolas Wöhrl senden direkt aus ihrem Uni-Labor. Das ist auch gut so, denn beim traditionellen Live-Experiment kann es während der Aufnahme schon mal knallen oder stinken. Die beiden Physiker stellen einander während der Sendung besonders bemerkenswerte „paper“ vor – unterhaltsam und lehrreich.

KonScience ist der Wissenschaftspodcast aus Konstanz. Die Biologinnen Katrin Leinweber und Mariëlle van Toor berichten sowohl über aktuelle Forschungsergebnisse , als auch über Phänomene und Zusammenhänge aus der Welt der Biologie .

WWWW vom 8.6.2015: Untreue Kohlmeisen, leuchtende Pflanzenabwehr und Mammographie-Studien

Calciumionen machen Pflanzenabwehr sichtbar

Raupenfrass
Wird eine Pflanze von Schädlingen attackiert, löst dies eine ganze Reihe von physiologischen Reaktionen in der Pflanze aus. Wesentliche Botenstoffe für die Verarbeitung von Verwundungsreizen innerhalb pflanzlicher Zellen sind Calciumionen. Sie steuern die Signalweiterleitung und somit indirekt die pflanzliche Verteidigung. Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena und des Instituts für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle ist es jetzt gelungen, die unmittelbaren Reaktionen von Pflanzen auf Verwundungen oder Raupenfraß sichtbar zu machen.
Originalveröffentlichung:
Kiep, V., Vadassery, J., Lattke, J., Maaß, J.-P., Boland, W., Peiter, E., Mithöfer, A. (2015). Systemic cytosolic Ca2+ elevation is activated upon wounding and herbivory in Arabidopsis. New Phytologist. doi: 10.1111/nph.13493
http://dx.doi.org/10.1111/nph.13493

Verstehen, wie Bewegung und Orientierung zusammenarbeiten

Bonner Forscher haben in den Hirnen von Mäusen neuronale Schaltkreise identifiziert, die für die Fortbewegung und die Navigation im Raum von zentraler Bedeutung sind. Diese Nervenzellen, die in ähnlicher Form auch beim Menschen vermutet werden, geben das Startsignal für eine Fortbewegung und versorgen das Gehirn zudem mit Geschwindigkeitsinformationen.

Originalveröffentlichung
„Locomotion, Theta Oscillations, and the Speed-Correlated Firing of Hippocampal Neurons Are Controlled by a Medial Septal Glutamatergic Circuit”, Falko Fuhrmann, Daniel Justus, Liudmila Sosulina, Hiroshi Kaneko,Tatjana Beutel, Detlef Friedrichs, Susanne Schoch, Martin Karl Schwarz, Martin Fuhrmann, Stefan Remy, Neuron 2015, doi: 10.1016/j.neuron.2015.05.001

Video-Abstract
https://www.youtube.com/watch?v=Q8BGehgXK94

Weltweit bis zu 53000 Baumarten

In einem Großprojekt haben Forscher aus 43 Ländern die Zahl der tropischen und subtropischen Baumarten ermittelt. Aufgrund von Kartierungen und Hochrechnungen schätzen sie, dass es weltweit 40.000 bis 53.000 Baumarten gibt.

An estimate of the number of tropical tree species,
J. W. Ferry Slik et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, 2015, doi: 10.1073/pnas.1423147112.

Verschlafene Kohlmeisen-Männer werden öfter betrogen

Spätes Aufstehen ist gemütlicher, aber es verringert auch den Fortpflanzungserfolg – zumindest wenn man eine Kohlmeise ist. Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und Radolfzell haben zusammen mit Kollegen aus den Vereinigten Staaten nämlich herausgefunden, dass Kohlmeisen, die später als ihre Artgenossen aufstehen, öfter von ihren Weibchen betrogen werden. Die Ergebnisse bringen neue Erkenntnisse für das Verständnis der Evolution der inneren Uhr.
Weitere Informationen:
http://orn.iwww.mpg.de/3574832/news_publication_9259165?c=2162

Mammographie I: WHO-Studie gibt grünes Licht für Früherkennung

Das unabhängige Expertengremium, welches von der International Agency for Research on Cancer (IARC) der WHO einberufen wurde, kommt zu dem Schluss, dass der Nutzen des MammographieScreenings für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren klar den potenziellen Schaden überwiege. Für Teilnehmerinnen werde die Brustkrebssterblichkeit um etwa 40 Prozent gesenkt. Die zusammengefassten Ergebnisse wurden jetzt online im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Lauby-Secretan B et al. for the International Agency for Research on Cancer Handbook Working Group (2015)
Breast-Cancer Screening – Viewpoint of the IARC Working Group. June 3, 2015 DOI: 10.1056/NEJMsr1504363

Mammographie II: Kanada-Studie angeblich mit methodischen Fehlern

Als einzige von 8 randomisierten kontrollierten Screeningstudien zeigte die 1980-1985 durchgeführte „Kanada-Studie“ keine Reduktion der Brustkrebssterblichkeit. Dieses Ergebnis wurde nach 25 Jahren Nachbeobachtung erneut veröffentlicht. Die Aussagekraft der „Kanada-Studie“ sei jedoch stark in Zweifel zu ziehen, denn sie weise erhebliche methodische Mängel auf. Schlechte Mammographie-Qualität, unsaubere Studiendurchführung sowie fehlende ärztliche Qualitätssicherung: So lautet das Fazit der aktuellen systematischen Analyse der Original-Literatur zur Canadian National Breast Cancer Screening Study (CNBSS) von Heywang-Köbrunner und Katalinic.

Literatur: Heywang-Köbrunner SH, Schreer I, Hacker A, Noftz MR, Katalinic A( 2015) Conclusions for mammography screening after 25-year follow-up of the Canadian National Breast Cancer Screening Study (CNBBS). Eur Radiol doi 10.1007/s00330-015-3849-2 Miller AB, Wall C, Baines CJ et al (2014) Twenty five year follow-up for breast cancer incidence and mortality of the Canadian National Breast Screening Study: randomized screening trial. BMJ 348:g366 Gøtzsche PC, Jørgensen KJ (2013) Screening for breast cancer with mammography. Cochrane Database Syst Rev 6, CD001877. Doi:10.1003/14651858. CD001877.pub5

Neues Bakterium hat kommerziellen Potenzial

Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Umweltmikrobiologie um Prof. Dr. Michael Schlömann an der TU Bergakademie Freiberg haben eine neue Bakterienart entdeckt und charakterisiert. Das Bakterium wurde aus einer Erdprobe isoliert und konnte nun im Rahmen einer Stammbeschreibung als neue Art klassifiziert werden. Gemäß dem Ort seiner Isolierung und Beschreibung wurde der Organismus nach dem altlateinischen Namen der Stadt Freiberg benannt und auf Sphingopyxis fribergensis getauft.

Weitere Informationen:

http://’http://tu-freiberg.de/fakultaet2/bio/environmental-microbiology – Informationen zur Arbeitsgruppe Mikrobiologie am Institut für Biowissenschaften der TU Bergakademie Freiberg’
http://’http://tu-freiberg.de – TU-Homepage’

Nochmal der Link zur Indiegogo-Kampagne EIN WISSENSCHAFTSBUCH FUER LAOS