Ein kleines Video Schmankerl aus den Ur-Zeiten des Podcastings

Man kann nicht sagen, sie hätten es nicht gewusst. Podcast war das große Ding in 2005, und ich hatte meine 15 Minutes of Fame unter anderem mit einem kleinen Beitrag im RTL-Nachtjournal (besser kann man Nischenprodukte wohl kaum platzieren).
Das andere Erlebnis war übrigens im Flugzeug: Wir waren auf dem Weg in den Urlaub und ein Bekannter gab uns ein First Class Upgrade bei Kuwait Air (wir hatten natürlich Eco-Plätze gebucht). Zur gleichen Zeit erschien im Focus ein Artikel von Marius Sixtus über Podcasting, mit einem durchaus großen Bild auch von mir. Und genau dieses Bild sah das Ehepaar rechts von uns im Flieger, als sie den Focus lasen, schauten zu uns rüber und dachten wohl: “Wow, mit diesem Podcasting kann man wohl reich werden.”

So war das damals. Nach dem Krieg 🙂

WWWW vom 25.1.2016: Arsen im Reis und Jobs in Afrika

Gift im Reis unterdrücken

Mein heissgeliebter Sticky Rice - vergiftet??
Mein heissgeliebter Sticky Rice – vergiftet??

Reis ernährt die halbe Menschheit. Doch das Getreide ist nicht selten mit Arsen belastet. Biologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben jetzt einen möglichen Ansatz gefunden, den Arsengehalt im Reis zu reduzieren.

Wohlfühlaktivismus bringt nichts

Virtuell mitfühlen und organisieren: Wie tragen Twitter, Facebook und Co zur inhaltlichen Debatte während Protestbewegungen bei? Analysen der Arbeitsgruppe „Politik und Internet“ zeigen, dass soziale Medien überwiegend genutzt werden, um Protest zu organisieren. „Die Erwartung, dass soziale Medien neue Räume für inhaltliche Debatten eröffnen, lässt sich nicht bestätigen“, sagt Professorin Marianne Kneuer, Politikwissenschaftlerin an der Universität Hildesheim. Die Studie „Soziale Medien in Protestbewegungen“ gibt Einblicke in die Online-Kommunikation während einiger Proteste seit 2011 in Portugal, Spanien, USA, Großbritannien und Deutschland.

Science-Fiction in der Stadtplanung

Eine vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) beauftragte Studie zeigt, wie Stadtpolitik anhand von Zukunftsvisionen in Filmen, Literatur oder Videospielen Potenziale und Risiken der Stadt von morgen ausmachen kann.

Download: http:///www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/Sonderveroeffentlichungen/2016/science-fiction-staedte-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Rohmilch kann Asthma verhindern

Unverarbeitete Milch direkt vom Bauernhof hat einen höheren Omega-3-Fettsäuregehalt als pasteurisierte, homogenisierte und fettreduzierte Milch aus dem Laden. Das erklärt teilweise, warum Rohmilch-Trinker seltener Asthma entwickeln.

Journal of Allergy and Clinical Immunology 2016
http://www.jacionline.org/article/S0091-6749(15)01731-5/abstract

Abstand hilft gegen GPS-Hacker

Autofahrer vertrauen dem GPS bei der Routenplanung fast blindlings, und auch in der Industrie und anderen Bereichen spielt es bei der Orts-und Zeitbestimmung eine wichtige Rolle. Greifen Hacker das System an, können sie großen Schaden anrichten. Der Einsatz mehrerer GPS-Empfangsgeräte gleichzeitig könnte für bestimmte Anwendungsbereiche die Lösung sein.

Tolle Vorschläge für Afrika

Das hohe Wirtschaftswachstum der letzten Jahre in den Ländern südlich der Sahara hat vielerorts die Erwartung geweckt, Afrika könnte es den asiatischen Tigern nachtun und einen raschen Entwicklungssprung schaffen. Doch das anhaltend hohe Bevölkerungswachstum bremst die wirtschaftliche Entwicklung. Dazu kommen eine niedrige Produktivität, fehlende Wertschöpfung und eine mangelnde Energieversorgung. Dabei hätte die Region beste Voraussetzungen, durch den Ausbau einer regenerativen Energieversorgung, durch Verbesserungen in der Landwirtschaft und einer weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie einen eigenen Entwicklungsweg zu finden. Eine Studie gibt Vorschläge, scheint aber komlett zu vergessen, dass es politische Verhältnisse sind, die eine Umsetzung verhindern.

WWWW vom 19.1.2016: Fadenwürmer und Quasare

Neue Fadenwürmer: Sehen anders aus aber gleich Art

Ein Team um Prof. Ralf Sommer und Dr. Matthias Herrmann vom Max-Planck-Institut (MPI) für Entwicklungsbiologie in Tübingen, das seit 8 Jahren zu Forschungsarbeiten auf die Insel La Réunion kommt, hat dort neue winzige Fadenwürmer entdeckt. Sie leben im Inneren von wilden Feigen und sehen auf den ersten Blick völlig unterschiedlich aus. Zur Überraschung der Wissenschaftler handelt es sich aber um eine einzige Wurm-Art, die fünf verschiedene Mundformen annehmen kann. Die Fadenwürmer sind genetisch völlig identisch. Lediglich ihre Nahrungsquelle entscheidet über die Mundform.
Originalpublikation:
Susoy et al. Science Advances 2016;2:e1501031 (15 January 2016)

Quasar W2246-0526 ist stürmischer als andere

Quasar w2246
In der leuchtkräftigsten uns bekannten Galaxie im Universum – dem Quasar W2246-0526, der für uns nur zu einem Zeitpunkt beobachtbar ist, als das Alter des Universums weniger als 10% des heutigen betrug – geht es so stürmisch zu, dass die Galaxie dabei ist, ihren gesamten Vorrat an Gas auszustoßen, den sie für die Sternentstehung benötigt. Dies geht aus neuen Beobachtungen mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) hervor.

Wie Fressverhalten gesteuert wird

Mit Untersuchungen am Modellorganismus der Fruchtfliege – Drosophila melanogaster – haben Biologen der Universität Heidelberg neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Fressverhalten kodiert und gesteuert wird.
Originalveröffentlichung:
J. Friedrich, S. Sorge, F. Bujupi, M.P. Eichenlaub, N.G. Schulz, J. Wittbrodt and I. Lohmann: Hox Function is required for the Development and Maintenance of the Drosophila Feeding Motor Unit. Cell Reports (published online 14 January 2016), doi:10.1016/j.celrep.2015.12.077

Größe für Anpassung kein Hauptfaktor

Wissenschaftler des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt haben gemeinsam mit einem internationalen Team verschiedene Anpassungsstrategien von Säugetieren und Vögeln an Temperaturänderungen untersucht. Dabei konnten sie die seit gut 60 Jahren geltende Annahme widerlegen, dass vor allem die Größe der Tiere für die Anpassung ausschlaggebend sei.

WWWW vom 11.1.2016: Schwämme und Achillessehnen

Achillessehnen-Risse besser vermeiden

In den vergangenen Jahren ist eine Zunahme von Achillessehnenverletzungen feststellbar, obwohl diese die stärksten Sehnen des menschlichen Körpers sind. Eine Ursache dafür ist die ungleichmäßige Belastung der Achillessehne durch schräge Fußhaltung, aber auch hohe gleichmäßige Belastung kann zu Problemen führen.
Weitere Informationen unter: http://www.frankfurt-university.de/ifm

Rettet die Süßwasser-Muscheln

Muscheln sind die natürlichen Kläranlagen der Gewässer und damit vergleichbar wichtig wie Bienen. Und genauso bedroht: Die meisten Muschelbestände weltweit gehen zurück, manche Arten stehen kurz vorm Aussterben. Deshalb haben Wissenschaftler aus 26 europäischen Ländern erstmals den Status quo der Süßwassermuschelarten in Europa zusammengetragen.
Conservation status of freshwater mussels in Europe: state of the art and future challenges, Biological Reviews 4.1.2016. DOI: 10.1111/brv.12244
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/brv.12244/abstract;jsessionid=E7C0A76…

Plastik und Alu Hinweis auf Anthropozän

Die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf der Erde markieren nach Auffassung einer internationalen Gruppe von Geowissenschaftlern und Vertretern anderer Disziplinen eine neue geologische Epoche: das Anthropozän. Die Forscher, darunter Prof. Dr. Reinhold Leinfelder von der Freien Universität Berlin, stufen als Beginn dieser Epoche die Mitte des 20. Jahrhunderts ein. Das Anthropozän sei charakterisiert durch die Verbreitung von Materialien wie elementarem Aluminium, Beton, Plastik, Flugasche und dem sogenannten Fallout von Kernwaffentests über den gesamten Planeten.

Studie
Colin Waters et al. (2016) The Anthropocene is functionally and stratigraphically distinct from the Holocene. Science.
http://dx.doi.org/10.1126/science.aad2622

Kunststoff-Solarzellen verbessern

Sie sind leicht, einfach zu installieren und können ohne großen Aufwand mit einem industriellen Drucker produziert werden: Solarzellen aus Kunststoff. Noch sind sie herkömmlichen Solarmodulen in der Effizienz unterlegen. Forscherinnen und Forschern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, Vorgänge bei der Herstellung der organischen Solarzellen auf molekularer Ebene in Echtzeit zu beobachten. Die Ergebnisse, die im Fachmagazin “Advanced Energy Materials” veröffentlicht wurden, helfen dabei, die Leistung organischer Solarzellen zu verbessern.
Publikation:
Organic Solar Cells: Following the Morphology Formation In Situ in Printed Active Layers for Organic Solar Cells, Pröller et al., Advanced Energy Materials, Volume 6, Issue 1, January 2016.
DOI: 10.1002/aenm.201501580

Schwämme machen Korallen-Schleim sichtbar

Ein internationales Forscherteam machte kürzlich eine überraschende Entdeckung im Meer: Korallen und Schwämme kommunizieren über ihren Stoffwechsel miteinander. Dies gilt sowohl für tropische Warmwasserkorallenriffe im Flachwasser als auch für Kaltwasserkorallenriffe in den Tiefen des Nordatlantiks. Die Forscher fanden heraus, dass Schleime, die kontinuierlich und oft in großen Mengen von Korallen ins Wasser abgegeben werden, von Schwämmen in ihrer Umgebung gut als Nahrung aufgenommen werden können. Der Clou dabei: Ein Großteil der von den Korallen abgegebenen Schleime löst sich sofort im Wasser und ist mikroskopisch klein. Dieses energie- und nährstoffreiche Material ist daher für die meisten Organismen in Warm- oder Kaltwasserkorallenriffen nicht verwendbar. Schwämme allerdings besitzen eine für das Tierreich einzigartige Eigenschaft: Sie können über einen Prozess, der als „Schwammschleife“ bezeichnet wird, unsichtbares gelöstes organisches Material in sichtbare Teilchen, sogenanntes partikuläres organisches Material, umwandeln.

Publikation: Rix et al. Coral mucus fuels the sponge loop in warm- and cold-water coral reef ecosystems. Sci. Rep. 5, 18715; doi: 10.1038/srep18715 (2015)

Studie zur Gefahr von Staudämmen für Artenvielfalt

Wissenschaftler warnen in internationaler Studie vor den ökologischen und sozialen Folgen von 450 geplanten Dämmen an Amazonas, Mekong und Kongo – Umweltsystemwissenschaftlerin der Universität Tübingen beteiligt. Der globale Ausbau der Wasserkraft bedroht die artenreichsten Gewässer der Erde. Darauf weisen Wissenschaftler in einer internationalen Studie hin, in der sie Daten zu den Flüssen Amazonas, Mekong und Kongo auswerten. Der ökonomische Nutzen von Staudämmen werde häufig überschätzt, die langfristigen Konsequenzen für Artenreichtum und Fischerei hingegen unterschätzt, warnen die Autoren. Um die Auswirkungen auf Umwelt und Mensch zu minimieren, fordern sie überregionale Analysen zur Risikoabschätzung bei Dammbauten, die sowohl soziale als auch ökologische Prozesse und ihre Wechselwirkungen berücksichtigen.
Balancing hydropower and biodiversity in the Amazon, Congo, and Mekong. Science, Vol. 351, no. 6269 pp 8. Januar 2016.

Blasenentzündung heilt auch ohne Antibiotika

Braucht es unbedingt Antibiotika, um Blasenentzündungen zu heilen? Oder reicht bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen eine Behandlung mit Schmerzmitteln aus? Dr. Ildikó Gágyor und Professorin Dr. Eva Hummers-Pradier vom Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben zusammen mit Dr. Jutta Bleidorn aus dem Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sowie der Abteilung für Versorgungsforschung am Institut für Public Health und Pflegeforschung an der Universität Bremen diese Fragen wissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis: Rund zwei Drittel der Frauen mit einer unkomplizierten Blasenentzündung wurden ohne Antibiotika und nur mit Schmerzmitteln wieder gesund.
Originalpublikation: Ildikó Gágyor, Jutta Bleidorn, Michael M Kochen, Guido Schmiemann, Karl Wegscheider, Eva Hummers-Pradier. Ibuprofen versus fosfomycin for uncomplicated urinary tract infection in women: randomised controlled trial. www.bmj.com/content/351/bmj.h6544.full.

WWWW vom 4.1.2016: Erinnerung an eine großartige Großmutter

Heute mal was ganz anderes: Vergangene Woche ist meine Großmutter Elsbeth Klose im Alter von 98 Jahren gestorben. Omis_Geburtstag_20070804_0002
Sie hatte, im Großen und Ganzen, ein was man erfülltes Leben nennt. Sie hatte aber auch ein hartes Leben und die Art und Weise, wie sie es gemeistert hat, machte sie zu meinem Vorbild, und sie wird es immer sein. Sie wuchs auf und lebte in Schlesien, bis sie 1945 in den letzten Kriegsmonaten flüchten musste – als alleinerziehende Frau mit einem Kind. Die folgenden Jahre waren nicht einfach, weder für sie noch für ihre Tochter. Das Thema ist aktueller denn je, wenn man überlegt, wie heute bisweilen über Flüchtlinge gedacht und gesprochen wird.
Die Generation meiner Großmutter hat Deutschland in den Krieg getrieben (wobei es eher ihre Elterngeneration war), aber sie hat Deutschland auch wieder aufgebaut. Meine Mutter ist 1944 geboren und konnte in ihren 20ern die ersten Früchte des deutschen Wirtschaftswunders ernten. Ich bin 1966 geboren und hatte, als Mittelstandskind, alles was man brauchte – so gut wie meiner Generation ging es zuvor keiner anderen. Wir haben keinen Krieg erlebt in unserem Land, und ich möchte auch keinen erleben.
Aber ich werde nicht vergessen, was andere und vor allem meine Großmutter geleistet haben, damit ich ein gutes Leben als Kind hatte. Dafür werde ich immer dankbar sein.

Ich hatte sie 2005 zur Flucht aus Schlesien interviewt, und wie sie das persönlich erlebt und bewerkstelligt hat. Ich dachte, ihr Tod ist sei ein guter Anlass, diese Aufnahme noch einmal zu veröffentlichen.

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Statt einem Podcasttip heute der Vorschlag: Sprecht doch auch mal mit Euren Großmüttern und -vätern, solange es noch geht. Oder Euren Eltern. Wie haben sie die 50er, 60er, 70er oder 80er erlebt? Wie lebte s sich damals in Schwerin, Flensburg, Köln? Wer keinen Serverplatz hat oder nicht will oder weiß wie man sowas veröffentlicht, dem biete ich gerne diesen Podcast an.