WWWW vom 29.2.2016: Glyphosat, Bestäuber und grüne Orchideen

Warum Monsanto unser Bier nicht vergiftet

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Da will mir also so ein Umweltverband aus München mein Bier madig machen, weil sie etwas im Bier gefunden haben, was sich PR-mäßig gut ausschlachten lässt. Glyphosat ist die neue Gefahr für die Menschheit, nachdem Zika schon wieder aus den Schlagzeilen gekommen ist. Ich habe kein Problem damit wenn Organisation Studien machen und die Öffentlichkeit informieren. Ich kann es aber überhaupt nicht ab, wenn das genutzt wird, um zu desinformieren, vornehmlich durch Dramatisieren (Monsanto!!) und Weglassen (Vergleiche mit anderen Herbizden, Anwendungen). Wer mehr wissen will, den Podcast hören und bei Wikipedia den Glyphosat-Artikel lesen.

Mehr wissen über Hantavirus

Gegen die Infektion mit einem gefährlichen Hantavirus gibt es kein Heilmittel. Wissenschaftler vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) konnten nun die dreidimensionale Struktur eines Hantavirus-Proteins aufklären, das für dessen Vermehrung essentiell ist. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal Cell Reports und stellen damit eine Vorlage bereit, in die neue Medikamente wie Puzzlestücke eingepasst werden können.
Weitere Informationen:
https://insights.mdc-berlin.de/de/2016/02/struktur-eines-hantavirus-proteins-als…

Nanomotoren können parallel rechnen

Eine Publikation, welche diese Woche in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, beschreibt einen neuartigen Ansatz für einen Parallel-Rechner, welcher auf einer Kombination von Nanotechnologie mit biomolekularen Motoren basiert und auf die Lösung mathematischer Probleme spezialisiert ist, die ein herkömmlicher Rechner nur schwer lösen kann. Beispiele für solche Probleme sind das Optimieren von Schaltkreisen, Proteinfaltung oder Routenplanung. Die bahnbrechende Methode wurde von Forschern der Technischen Universität Dresden und des Max-Planck-Institutes für Molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden, in Kollaboration mit internationalen Partnern aus Kanada, England, Schweden, den USA und den Niederlanden entwickelt.

Warum Bestäubung so wichtig ist

IPBES hat seinen ersten Bericht verabschiedet. Er fasst den aktuellen Stand des Wissens zur Bedeutung, Bedrohung und zum Schutz von Bestäubern zusammen und zeigt anhand von Zahlen: Bestäubung ist eine essenzielle Leistung der Natur für das Wohlergehen der Menschen. Doch in vielen Teilen der Welt gehen die Bestäuberzahlen zurück – v.a. durch industrielle Landwirtschaft, Lebensraum- und Nahrungsmangel, Krankheiten und Pestizide.

App schreibt Gefühle von Tinnitus-Patienten auf

Der aktuelle Gefühlszustand hat Einfluss auf das Belastungsempfinden von Tinnitus-Patienten. Dies hat jetzt ein Forscherteam der Universitäten Regensburg, Ulm und Witten/Herdecke nachgewiesen. Bislang war lediglich bekannt, dass Stress mit Tinnitus zusammenhängt. Für ihre neuen Untersuchungen nutzten die Wissenschaftler die Smartphone-App „TrackYourTinnitus“ (www.trackyourtinnitus.org).

Salz im Wasser

Zu viel Salz ist nicht nur für den Menschen schlecht, es schadet auch Gewässern. Die Versalzung von Gewässern wird allerdings laut einer aktuellen internationalen Studie unter Beteiligung der Universität Koblenz-Landau weltweit unterschätzt und die Folgen zu wenig beachtet.
Die Studie:
„Saving freshwater from salts: Ion-specific standards are needed to protect biodiversity“, Cañedo-Argüelles M., Hawkins C.P., Kefford B.J., Schäfer R.B., Dyack B.J., Brucet S., Buchwalter, D. B., Dunlop, J.E., Frör, O. et al. Die Studie wurde am 25.02.2016 in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht:
http://science.sciencemag.org/content/351/6276/914

Nächste Kreuzung rechts: Forscher kontrollieren Richtung von Eletronen

Eine Attosekunde oder eine Trillionstel Sekunde: Mit dieser unvorstellbaren Geschwindigkeit bewegen sich Elektronen in Atomen und Molekülen und bestimmen so chemische, physikalische und biologische Prozesse wie die Photosynthese oder Verbrennungen. Einem internationalen Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, mit einem so genannten Freie-Elektronen-Laser die Bewegungsrichtung von Elektronen in solchen Abläufen zu kontrollieren.
Originalpublikation:
K. C. Prince et al. (2016): Coherent control with a short-wavelength free-electron laser. In: Nature Photonics. DOI 10.1038/nphoton.2016.13
www.nature.com/nphoton/journal/vaop/ncurrent/full/nphoton.2016.13.html

Orchideen holen Kohlenstoff aus Wurzelpilzen

Einem Forschungsteam der Universität Bayreuth ist der Nachweis gelungen, dass mehr Orchideenarten als bisher vermutet organischen Kohlenstoff von Pilzpartnern erhalten.

Veröffentlichung:

Gerhard Gebauer, Katja Preiss and Andreas C. Gebauer, Partial mycoheterotrophy is more widespread among orchids than previously assumed,
in: New Phytologist (2016), published online February 2016, DOI: 10.1111/nph.13865

WWWW vom 22.2.2016:

Sauerstoff – hier sei 4 Milliarden Jahren

Ohne Sauerstoff gibt es kein höher entwickeltes Leben auf der Erde. Aber wann wurde die Erdatmosphäre sauerstoffreich und ermöglichte damit die Entstehung von „höherem“ Leben? Jüngste Forschungen unter Beteiligung der Bremer Jacobs University belegen, dass dies viel früher der Fall gewesen sein könnte als bislang angenommen – vor fast vier Milliarden Jahren.
http://www.nature.com/articles/srep21058
http://earth.user.jacobs-university.de

Forscher suchen Neues in Grabkammer der Königin von Meroe

Khennuwa
Zum ersten Mal seit fast einem Jahrhundert wurden die Grabkammern einer der königlichen Pyramiden von Meroe für archäologische Untersuchungen wieder geöffnet. Das unterirdische Grab der „Großen Königlichen Gemahlin” Khennuwa aus dem frühen 4. Jh. v. Chr. befindet sich etwa sechs Meter unterhalb ihrer Pyramide. Seine beiden Kammern sind mit vortrefflichen Wandmalereien und Hieroglyphentexten dekoriert, von denen viele noch sehr gut erhalten sind.

Medizin kommt nicht mehr in Pillen

Medikamente in genauer Dosierung lokal begrenzt im Körper anwenden – das ist nun dank einer Erfindung von Freiburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern möglich. Eine Nachwuchsforschungsgruppe des Exzellenzclusters BrainLinks-BrainTools der Albert-Ludwigs-Universität um Dr. Maria Asplund und ihren Doktoranden Christian Böhler liefert die Grundlage für ein neues molekulares Speicherverfahren, das in absehbarer Zeit klinisch einsetzbar sein könnte.
C. Böhler, F. Güder, U. M. Kücükbayrak, M. Zacharias & M. Asplund (2016): A Simple Approach for Molecular Controlled Release based on Atomic Layer Deposition Hybridized Organic-Inorganic Layers, In: Scientific Reports 6, pp. 1-11.
http://www.nature.com/articles/srep19574

Super-Laser kommt aus Jena

Es ist das leistungsstärkste vollständig Dioden-gepumpte Lasersystem der Welt: mit POLARIS verfügt die Friedrich-Schiller-Universität Jena über einen Laser der Petawatt-Klasse, der Pulse mit der derzeit höchsten Spitzenleistung erreicht. Jetzt konnten die Physiker um Prof. Dr. Malte Kaluza vom Institut für Optik und Quantenelektronik die Leistungsfähigkeit von POLARIS noch einmal deutlich steigern. Erstmals ist mit dem Laser eine Pulsenergie von über 50 Joule erzeugt worden, mehr als dreimal so viel wie bisher.

Tunnel im Vogelohr hilft Geräusche zu lokalisieren

Menschen nutzen den Zeitunterschied, mit dem ein Schallsignal an beiden Ohren ankommt, zur Richtungsbestimmung. Bei Fröschen, Echsen oder Vögeln ist der Ohrabstand hierfür zu gering. Sie besitzen jedoch einen Verbindungsgang zwischen beiden Trommelfellen, in dem sich innere und äußere Schallwellen überlagern. Mit einem universellen mathematischen Modell zeigen Forscher der Technischen Universität München (TUM) nun erstmals, wie in diesem „inneren Ohr“ neue Signale entstehen, die die Tiere zur Ortung nutzen.
A.P. Vedurmudi, J. Goulet, J. Christensen-Dalsgaard, B.A. Young, R. Williams, and J.L. van Hemmen, How Internally Coupled Ears Generate Temporal and Amplitude Cues for Sound Localization, Physical Review Letters, 116, 028101 DOI: 10.1103/PhysRevLett.116.028101

WWWW vom 15.2.1016: Darwin und Einstein hatten beide recht

Migranten aus dem Mittelmeerraum fühlen sich in der Nordsee wohl

krabbe
Wissenschaftler von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven haben durch die Auswertung einer Langzeitstudie gezeigt, dass sich die eingewanderte Trapezkrabbe Goneplax rhomboides in der Nordsee etabliert hat. Die ursprünglich aus dem Nordatlantik und dem mediterranen Raum stammende Krabbe hat sich aufgrund gestiegener Wassertemperaturen ausgebreitet und gilt nun als Bestandteil der deutschen Meeresfauna.
Publikation
Neumann H, de Boois I, Kröncke I, Reiss H (2013) Climate change facilitated range expansion of the non-native angular crab Goneplax rhomboides into the North Sea. Mar Ecol Prog Ser 484:143-153

Und immer mehr Eis schmilzt…

Eine zukünftige Erwärmung des Südlichen Ozeans bedingt durch steigende Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre könnte die Stabilität des Westantarktischen Eisschildes empfindlich stören. Ein Anstieg des globalen Meeresspiegels um mehrere Meter wäre die Folge. Ein Kollaps der Westantarktis könnte sich auch in der letzten Warmzeit vor 125.000 Jahren vollzogen haben, einer Zeit, in der die polare Oberflächentemperatur um etwa zwei Grad Celsius höher war als heute.
Originalpaper:

Johannes Sutter, Paul Gierz, Klaus Grosfeld, Malte Thoma, Gerrit Lohmann: Ocean temperature thresholds for Last Interglacial West Antarctic Ice Sheet collapse. Geophysical Research Letters 2016. DOI: 10.1002/2016GL067818
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/2016GL067818/full

Und Darwin hatte doch recht

Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen finden sich in fast allen Organismengruppen des Tierreichs, bezüglich des Verhaltens, des Stoffwechsels oder der äußeren Erscheinung. Typisch männlich, typisch weiblich – doch was sind die Ursachen für derartige Grundmuster? Die Frage nach der Existenz und den evolutionären Wurzeln solcher sogenannten Geschlechterrollen ist seit mehr als einem Jahrhundert Gegenstand kontroverser Diskussionen. Forscher fandern heraus, dass klassische Geschlechterrollen im Tierreich auf einem ganz ursprünglichen Geschlechterunterschied basieren.

Originalpublikation:
Tim Janicke, Ines K. Haederer, Marc J. Lajeunesse and Nils Anthes: Darwinian sex roles confirmed across the animal kingdom. Tim Janicke, Ines K. Haederer, Marc J. Lajeunesse and Nils Anthes: Darwinian sex roles confirmed across the animal kingdom. Science Advances, 2:e1500983 (2016).https://dx.doi.org/10.1126/sciadv.1500983

Impulse Im Rückenmark lassen Beine laufen

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der ETH Lausanne haben Bewegungsabläufe nach einer Schädigung des Rückenmarks wiederhergestellt. Sie konnten zeigen, dass für ein koordiniertes Zusammenspiel der Muskeln, beispielsweise beim Gehen, alternierende Impulse des Rückenmarks verantwortlich sind. Neu entwickelte Implantate empfinden diese Signale durch elektrische Impulse nach. Damit konnten Abschnitte des Rückenmarks gezielt reaktiviert werden.

*N. Wenger, E. M. Moraud, J. Gandar, P. Musienko, M. Capogrosso, L. Baud, C. G Le Goff, Q. Barraud, N. Pavlova, N. Dominici, I. R. Minev, L. Asboth, A. Hirsch, S. Duis, J. Kreider, A. Mortera, O. Haverbeck, S. Kraus, F. Schmitz, J. DiGiovanna, R. van den Brand, J. Bloch, P. Detemple, S. P. Lacour, E. Bézard, S. Micera & G. Courtine. Spatiotemporal neuromodulation therapies engaging muscle synergies improve motor control after spinal cord injury. Nat Med. 2016 Feb;22(2):138-145. doi: 10.1038/nm.4025. Epub 2016 Jan 18.

Hannoveraner Forscher zeigen, dass Einstein doch recht hatte

Ohne wissenschaftliches Know-how und hochspezialisierte Lasertechnologie aus Hannover wäre die gestern vorgestellte epochale Entdeckung, die Albert Einsteins Relativitätstheorie beweist, nicht möglich gewesen. Professor Karsten Danzmann, Leiter des Instituts für Gravitationsphysik der Leibniz Universität Hannover und gleichzeitig Direktor des Albert-Einstein-Instituts (eine Kooperation des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik und der Leibniz Universität) hat mit seinem Team Messtechnologie für die beiden großen Gravitationswellen-Detektoren in den USA entwickelt, die am 14. September 2015 zum ersten Mal direkt Gravitationswellen gemessen haben. Die sensationelle Beobachtung der LIGO-Observatorien in Livingston (Louisiana) und Hanford (Washington) wurde gestern in parallelen Pressekonferenzen, auch an der Leibniz Universität Hannover, der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Messungen – Signale zweier verschmelzender schwarzer Löcher – bestätigen die von Einstein vor 100 Jahren in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagte Existenz von Gravitationswellen.

Asynchronie wichtiger als Diversität

Ob eine Tier- und Pflanzengemeinschaft stabil existiert trotz äußerer Eingriffe, hängt nicht allein von der biologischen Vielfalt ab, sondern maßgeblich von einer Asynchronie über die Arten hinweg: Je unterschiedlicher die Arten eines Ökosystems sich entwickeln, desto weniger stark wird es ins Wanken geraten. Dabei rückt Diversität auf Platz zwei der zu berücksichtigenden Faktoren.

WWWW vom 8.2.2016: Bettwanzen und Einwanderer

Wie wir uns erinnern

Tübinger Neurowissenschaftlern ist es gelungen, ruhende Gedächtniszellen von Ratten zu aktivieren. Durch gezielte schwachelektrische Impulse konnten sie vormals inaktive Zellen im Hippocampus dazu bringen, den Ort der Impulsverabreichung wiederzuerkennen. Der Hippocampus ist bei Nagetieren wie auch dem Menschen für das Gedächtnis zuständig. Die Studie des Forscherteams am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) der Universität Tübingen gibt daher Hinweise darauf, wie in unserem Gehirn Erinnerungen gebildet werden.
Publikation:
Maria Diamantaki, Markus Frey, Patricia Preston-Ferrer, Andrea Burgalossi: Priming Spatial Activity by Single-Cell Stimulation in the Dentate Gyrus of Freely-Moving Rats. Current Biology (im Druck). 4. Februar 2016.

Irgendwie sind wir alle Einwanderer

Der anatomisch moderne Mensch entwickelte sich in Afrika und besiedelte von dort aus die ganze Erde, da sind sich die Wissenschaftler einig. Genetisch gesehen können sie zudem Afrikaner und Nicht-Afrikaner unterscheiden. Wann und auf welchen Wegen oder in wie vielen Auswanderungswellen die modernen Menschen von Afrika ausgehend Eurasien und die Großregion Australiens erreichten, ist jedoch stark umstritten. Ein Wissenschaftlerteam am Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen um Professor Johannes Krause, der auch Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena ist, hat nun das Schicksal der frühen Europäer näher beleuchtet.
Publikation:
Cosimo Posth, Gabriel Renaud, Alissa Mittnik, Dorothée G. Drucker, Hélène Rougier, Christophe Cupillard, Frédérique Valentin, Corinne Thevenet, Anja Furtwängler, Christoph Wißing, Michael Franken, Maria Malina, Michael Bolus, Martina Lari, Elena Gigli, Giulia Capecchi, Isabelle Crevecoeur, Cédric Beauval, Damien Flas, Mietje Germonpré, Johannes van der Plicht, Richard Cottiaux, Bernard Gély, Annamaria Ronchitelli, Kurt Wehrberger, Dan Grigourescu, Jiří Svoboda, Patrick Semal, David Caramelli, Hervé Bocherens, Katerina Harvati, Nicholas J. Conard, Wolfgang Haak, Adam Powell and Johannes Krause: Pleistocene mitochondrial genomes suggest a single major dispersal of non-Africans and a Late Glacial population turnover in Europe.

Wenn Doppelsterne sich nahe kommen

HITS-Astrophysiker simulieren mit neuen Methoden die Phase der gemeinsamen Hülle von Doppelsternen und entdecken dabei dynamische Unregelmäßigkeiten, die helfen können, die Entstehung von Supernovae besser zu erklären.
Ohlmann, S. T., Röpke, F. K., Pakmor, R., & Springel, V. (2016):
Hydrodynamic moving-mesh simulations of the common envelope phase in binary stellar systems, The Astrophysical Journal Letters, 816, L9,
DOI: 10.3847/2041-8205/816/1/L9
http://arxiv.org/abs/1512.04529

Entschlüsselt: Das Genom der Bettwanze

Bettwanze
Ein internationales Forscherteam hat das Genom der Bettwanze entschlüsselt. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Zeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. An dem Gemeinschaftsprojekt beteiligt war Klaus Reinhardt, Professor für Angewandte Zoologie an der TU Dresden, der sich seit Jahren intensiv mit den unbeliebten aber wissenschaftlich hochinteressanten Tieren beschäftigt. Ihr Genom mit insgesamt 14.220 identifizierten Genen kann Erklärungen für zahlreiche Aspekte der einzigartigen Lebensweise der Bettwanzen liefern.
Der Artikel “Unique features of a global human ectoparasite identified through sequencing of the bed bug genome” ist im Journal „Nature Communications“ erschienen und online abrufbar unter http://www.nature.com/ncomms/index.htm

Fette Kost birgt Risiko für Schwangere

Fetthaltige Ernährung und Fettleibigkeit sind Risikofaktoren für die Entwicklung von postnatalen Angsterkrankungen bei Müttern. Beide Faktoren mindern zudem die Ausbildung einer erhöhten Stressbelastbarkeit, die für stillende Mütter eigentlich typisch ist. Dies haben jetzt Forscher der Universität Regensburg nachweisen können.
Der Original-Artikel im Internet unter:
http://epub.uni-regensburg.de/32999/1/srep14821.pdf

Irgendwann ist auch in Afrika der Wald leer

Seit etwa 25 Jahren werden Tiere in West- und Zentralafrika nicht mehr nur zur Eigenversorgung gejagt, sondern zunehmend auch für den Verkauf in mehrere hundert Kilometer entfernten Ballungszentren. Infolgedessen nahmen die Tierbestände deutlich ab und sind teilweise bereits verschwunden. Ein europäisches Forscherteam unter Federführung der Goethe-Universität hat nun den Jagddruck für das Kongo-Waldbecken ermittelt und eine detaillierte Karte erstellt, die bei Regionalplanungen helfen soll.
Publikation: Stefan Ziegler, John E. Fa, Christian Wohlfart, Bruno Streit, Stefanie Jacob und Martin Wegmann: Mapping Bushmeat Hunting Pressure in Central Africa, in: Biotropica, 29 Januar 2016 DOI: 10.1111/btp.12286; http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/btp.12286/abstract

WWWW vom 1.2.2016: Weberknecht-Penis und Zika-Virus

Inseln schrumpfen durch Menschenhand

Takku-Atoll
Seit einigen Jahrzehnten steigt der Meeresspiegel unaufhaltsam – im Schnitt 3,3 mm im Jahr. Inwieweit machen sich die Folgen des Meeresspiegelanstiegs bereits heute auf den Riffinseln bemerkbar? Obwohl der Anstieg des Meeresspiegels bereits vor rund 100 Jahren begann und seit den 1990er Jahren noch deutlich schneller verläuft, hat sich die Vegetationsfläche der Takuu-Inseln zwischen 1943 und 2012 insgesamt sogar um drei Prozent vergrößert.
Publikation
Mann, T., Bayliss-Smith, T., Westphal, H. (2015). A Geomorphic Interpretation of Shoreline Change Rates on Reef Islands. Journal of Coastal Research. DOI: 10.2112/JCOASTRES-D-15-00093.1

Heutiges Klima weit über Normalwerten

Über die vergangenen Jahrzehnte haben sich die Sommer im größten Teil Europas immer stärker erwärmt, begleitet von extremen Hitzewellen wie in 2013, 2010 und 2015. Neueste Forschungen unter der Leitung des Gießener Geographen und Klimaforschers Prof. Dr. Jürg Luterbacher setzen die aktuelle Erwärmung in einen historischen Kontext, der eine Spanne von 2100 Jahre umfasst. Mit Hilfe von Baumring-Daten und historisch dokumentierten Hinweisen konnte eine neue Rekonstruktion der europäischen Sommertemperaturen erstellt werden.
Publikation:
Luterbacher J et al. 2016: European summer temperatures since Roman times. Environmental Research Letters 11, 024001, doi: 10.1088/1748-9326/11/1/024001

LED-Projekt soll Seltene Erden einsparen

Leuchtdioden (LEDs) sind energieeffizient und quecksilberfrei, beanspruchen jedoch kritische Ressourcen. Im Verbundprojekt cycLED arbeiteten Wissenschaft und Wirtschaft daran, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren, die Lebensdauer von LED-Produkten zu erhöhen und ein besseres Recycling zu fördern. CycLED gehört zu den Projekten am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM, die vergangenes Jahr abgeschlossen wurden.

Mutationen besser verstehen

In vielen Tumoren sind bestimmte Enzyme, die an der Regulierung der Genaktivität mitwirken, stark mutiert. Die Molekularbiologen Matthias Becker und Professor Albrecht Müller von der Universität Würzburg interessieren sich für die Gruppe der so genannten KDM6-Enzyme. Diese sind bei Blasenkrebs, Leukämien und anderen Krebsformen sehr oft mutiert und funktionieren dann nicht mehr richtig. Wie sich die Mutationen in den Krebszellen genau auswirken, ist bislang unbekannt. Doch die Würzburger Wissenschaftler haben jetzt erste Hinweise gefunden: Offenbar tragen die Mutationen dazu bei, dass sich DNA-Schäden anhäufen.

Inhibition of KDM6 activity during murine ES cell differentiation induces DNA damage, Christine Hofstetter, Justyna M. Kampka, Sascha Huppertz, Heike Weber, Andreas Schlosser, Albrecht M. Müller, Matthias Becker, Journal of Cell Science 2016, DOI 10.1242/jcs.175174

Risikofaktoren bekämpfen, Alzheimer verhindern

Leipziger Demenzforscher haben berechnet, dass deutschlandweit rund ein Drittel der Alzheimer-Erkrankungen auf Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes zurückgehen. Sie plädieren dafür, sich in der Prävention von Alzheimer verstärkt auf diese Risiken zu konzentrieren.

“Prävention von Alzheimer-Demenz in Deutschland – Eine Hochrechnung des möglichen Potenzials der Reduktion ausgewählter Risikofaktoren.” Nervenarzt; 87(1):111-8. doi: 10.1007/s00115-015-0057-x

Fossiler Weberknecht ist eine neue Art

Ein Forscherteam unter der Leitung von Jason Dunlop, Museum für Naturkunde Berlin, veröffentlicht in der internationalen Fachzeitschrift The Science of Nature den einzigartigen Fund eines 99 Millionen Jahre alten Weberknechts mit ausgestrecktem Penis. Männliche Weberknechte begatten damit die Weibchen direkt. Bei modernen Tieren ist die Feinstruktur des Penis extrem wichtig für die systematische Zuordnung der jeweiligen Art. Der Fossilfund zeigt, dass Weberknechte in der Kreidezeit sich genau wie die Tiere von heute fortpflanzen konnten. Auf Grund der großen Augen und der spachtelförmigen Penisspitze konnten die Wissenschaftler eine neue, ausgestorbene Weberknecht-Familie erkennen.

Zika-Virus nicht wirklich eine Gefahr

In Südamerika, vor allem in Brasilien, breiten sich derzeit die Zika-Viren rasant aus, übertragen von der Mückenart Aedes aegypti. Die Viren stehen im Verdacht, bei Schwangeren das Ungeborene zu schädigen und eine Fehlbildung des Gehirns auszulösen. Einen Impfstoff gibt es bisher nicht; Programme zur Vernichtung der Mücken sind angelaufen. Können die Viren bald auch nach Europa gelangen und wie riskant sind die kommenden Olympischen Spiele in Rio de Janeiro?