WWWW vom 30.5.2016: Motten, Pilze, Aerosole

Pilze als Medikamentenfundus

Der Pilz Aspergillus fumigatus bildet eine Gruppe bislang unbekannter Naturstoffe, die in Anlehnung an pflanzliche Isochinolin-Alkaloide als Fumisoquine bezeichnet werden. Forscher aus Jena kamen den neuen Substanzen gemeinsam mit US-Kollegen auf die Spur, als sie das Genom des Pilzes näher unter die Lupe nahmen. Die Substanzfamilie der Isochinolin-Alkaloide enthält viele pharmakologisch aktive Moleküle.

Motten können mit dem Rüssel riechen

Mit Riechzellen auf der Spitze des Saugrüssels erkennen die Motten am Duft, ob sich der Blütenbesuch lohnt: Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena zeigen, dass Tabakschwärmer den Duft beim direkten Blütenkontakt mit ihrem Saugrüssel wahrnehmen, auf dem jetzt die dafür erforderlichen Riechzellen nachgewiesen wurden.
Originalveröffentlichung:
Haverkamp, A., Yon, F., Keesey, I. W., Mißbach, C., Koenig, C., Hansson, B. S., Baldwin, I. T., Knaden, M., Kessler, D. (2016). Hawkmoths evaluate scenting flowers with the tip of their proboscis. eLife. DOI: 10.7554/eLife.15039
http://dx.doi.org/10.7554/eLife.15039

Zellkulturen statt Blut ungeborener Kälber

In Zusammenarbeit mit RWTH-Biologen entwickelt ein Jungunternehmen ein alternatives Zellmedium für regenerative Therapien. Statt Blut ungeborener Kälber werden humane Stammzellen aus Blutbanken genutzt.
Im Labormaßstab hielt sich der Aufwand in Grenzen, das Ergebnis war umso besser. Das neue Medium, ein Lysat aus menschlichen Blutplättchen, führte zu mehr als doppelt so gutem Zellwachstum.

Aerosolpartikel bilden mehr Wolken als gedacht

Die durch den Menschen verursachten Aerosolpartikel wirken der Erwärmung der Erdatmosphäre durch Treibhausgase entgegen. Doch ist dieser Effekt vielleicht kleiner als gedacht, da auch schon in vorindustrieller Zeit durch die Ausdünstungen von Bäumen viele Partikel entstanden.
Publikationen:
Kirkby, J. et al.: Ion-induced nucleation of pure biogenic particles, in: Nature, doi:10.1038/nature17953

Tröstl, J. et al:The role of low-volatility organic compounds in initial particle growth in the atmosphere, in: Nature, doi:10.1038/nature18271.

Bianchi, F. et al. :New particle formation in the free troposphere: A question of
chemistry and timing, in: Science, doi 10.1126/science.aad5456, 2016

Wenigstens Flüchtlingen wollen die meisten Deutschen noch ein Obdach geben

Der Großteil der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland stimmt den geltenden Asylregeln zu. Das zeigt eine Befragung im Rahmen des im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) angesiedelten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Demnach finden es mehr als 80 Prozent der Befragten richtig, Menschen Zuflucht zu gewähren, die vor einem bewaffneten Konflikt aus ihrem Heimatland fliehen. Zwei Drittel der Befragten sprachen sich auch für die Aufnahme von Flüchtlingen aus, die unter dem Schutz der Genfer Konvention stehen.

WWWW vom 23.5.2016:

Korallen brauchen Wohlfühlzone

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Beobachtungsdaten zeigen, dass Kaltwasserkorallen vor Europas Küsten in einer bestimmten Dichteschicht des Meerwassers gedeihen. Jetzt haben Paläoozeanographen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel nachgewiesen, dass die Organismen auch in den vergangenen 2,5 Millionen Jahren genau diese Wohlfühlzone benötigten.
Originalarbeit:
Rüggeberg, A., S. Flögel, W.-C. Dullo, J. Raddatz, V. Liebetrau (2016): Paleoseawater density reconstruction and its implications for cold-water coral carbonate mounds in the northeast Atlantic through time. Paleoceanography, 31(3), 365–379, http://dx.doi.org/10.1002/2015PA002859

Neuer Stahl ist fest und biegsam

Für die Stahlindustrie zeichnet sich womöglich ein Ausweg aus einem Dilemma ab, das schon solange besteht wie Menschen Metall verarbeiten. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung in Düsseldorf präsentieren einen neuartigen metallischen Werkstoff, der gleichzeitig sehr fest und trotzdem gut formbar ist. Bislang ließ sich die eine Materialeigenschaft nur auf Kosten der anderen verbessern. Das ändern die Düsseldorfer Forscher, indem sie einen neuen Weg bei der Entwicklung von metallischen Werkstoffen gehen. So tragen sie dazu bei, dass sich Bauteile aus Metall künftig dünnwandiger konstruieren und dadurch Ressourcen schonen lassen.

Studie: Länger krankgeschrieben als Physiotherapie bekommen

Nach einer Schulteroperation waren Patientinnen und Patienten in Bremen im Durchschnitt 82 Tage krankgeschrieben. Erstaunlicherweise lag die Physiotherapie im Anschluss bei nur durchschnittlich 64 Tagen. Dies zeigt eine Studie zu Gelenkspiegelungen an der Schulter, die das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS, das Kreiskrankenhaus Osterholz, die Universitätsmedizin Göttingen und die AOK Bremen / Bremerhaven gemeinsam durchführten.
Publikation:
von Knoch M, Enders D, Schlothauer N, Klinger HM, Pigeot I. Duration of sick leave after inpatient shoulder arthroscopy in Germany – Analysis of health care data. Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery. 2016.

Alien-Schrecke in Bernstein entdeckt

Ein bisschen Heuschrecke, ein bisschen Käfer, etwas Ohrwurm, und einiges von der Gottesanbeterin: Zuerst dachte Dr. Benjamin Wipfler, dass er es bei dem kleinen Fossil mit einem winzigen Wolpertinger zu tun hat – jenem legendären Mischwesen, das aus verschiedenen Tieren zusammengesetzt ist. Nach genauerer Untersuchung steht jedoch nun fest: Biologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben gemeinsam mit chinesischen Kollegen eine neue Insektenordnung entdeckt, und mit ihr das lang gesuchte Verbindungsstück zwischen Schaben und Gottesanbeterinnen.
Original-Publikation:
Bai, M., et al., †Alienoptera — A new insect order in the roach–mantodean twilight zone, Gondwana Research (2016), http://dx.doi.org/10.1016/j.gr.2016.02.002

Waldzustand verbessert sich, aber Stickstoff ist ein Problem

Wie ist der Zustand unserer Waldböden, wie hat er sich in den letzten 20 Jahren verändert und in welchen Zusammenhang steht er mit dem Kronenzustand oder der Waldernährung? Hat die Diskussion um den „Sauren Regen“ und das „Waldsterben“ etwas bewirkt? Antworten darauf gibt die bundesweite Bodenzustandserhebung im Wald.
Die Ergebnisse der jetzigen Bodenzustandserhebung im Wald sind in einem fast 700-seitigen Bericht sowie zahlreiche Kartendarstellungen zusammengefasst. Der Berichtsentwurf steht auf der Webseite des Thünen-Instituts zum Download bereit (http://www.thuenen.de/de/wo/arbeitsbereiche/waldmonitoring/bodenzustandserhebung/.

Neues Modell um Pestizid-Folgen zu bestimmen

Bei der Bewertung von Pestiziden liefert ein einfaches Modell sicherere Ergebnisse als das aktuell von der EU angewandte. Das belegt eine aktuelle Studie des Instituts für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau und der ETH Zürich. Mit der Studie wollen die Wissenschaftler auch Denkanstöße und konkrete Handlungsoptionen für eine Revision der bisherigen Risikobewertung von Pestiziden in der EU geben.
Knäbel A, Scheringer M, Stehle S, Schulz R. 2016. Aquatic exposure predictions of insecticide field concentrations using a multimedia mass-balance model. Environmental Science & Technology 50: 3721-3728. Die Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift Environmental Science & Technology veröffentlicht und ist unter folgendem Link abrufbar:http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.est.5b05721

Wie geht es weiter in Kambodscha?

Wer sich für die politische Lage in Kambodscha interessiert, dem sei dieses Interview mit David Chandler ans Herz gelegt. Es ist zwar bei Voice of America erschienen, aber Chandler gilt aus ausgemachter Experte wenn es um Kambodscha geht.

WWWW vom 16.5.2016: Männerschmerzen und Geisterhände

Patienten verstehen Infos nicht

Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich von der Informationsflut zu Gesundheitsthemen überfordert. Das zeigt eine repräsentative Studie der Universität Bielefeld. Demnach weisen rund 44 Prozent der Deutschen eine eingeschränkte und weitere zehn Prozent sogar eine unzureichende Gesundheitskompetenz auf.

Wie Grünalgen CO2 besser binden

Grünalgen betreiben Photosynthese, genau wie Pflanzen.Algen haben diesen Prozess allerdings verbessert. Mit Hilfe von speziellen Mikrostrukturen, den Pyrenoiden, sind sie in der Lage die Effizienz zu steigern. Wie genau das funktioniert, interessierte ein internationales Wissenschaftsteam, dem Forscher rund um Prof. Mark Stitt vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm angehören.

Originalveröffentlichung
Luke C. M. Mackinder, Moritz T. Meyer, Tabea Mettler-Altmann, Vivian Chen, Madeline C. Mitchell, Oliver Caspari, Elizabeth S. Freeman Rosenzweig, Leif Pallesen, Gregory Reeves, Alan Itakura, Robyn Roth, Frederik Sommer, Stefan Geimer, Timo Mühlhaus, Michael Schroda, Ursula Goodenough, Mark Stitt, Howard Griffiths, Martin C. Jonikas
A repeat protein links Rubisco to form the eukaryotic carbon concentrating organelle
PNAS, 9. Mai 2016, doi: 10.1073/pnas.1522866113

Männer schauen beim Schmerzempfinden auf Frauen

Erwartungen haben große Macht über den Menschen. Das zeigt sich sehr schön am Placebo-Effekt: Einem Patienten werden Pillen verabreicht, die gar keinen Wirkstoff enthalten. Der Patient weiß das aber nicht. Er glaubt fest daran, dass er ein wirksames Medikament bekommt – daraufhin bessert sich seine Krankheit tatsächlich. Verantwortlich dafür war allein seine Erwartungshaltung. Ein Ergebnis einer neuen Studie: Wenn man Männern zu verstehen gibt, dass sie empfindlicher beziehungsweise unempfindlicher als Frauen seien, dann verändert sich ihr Schmerzempfinden.
Schwarz, K. A., Pfister, R., & Büchel, C. (in press). Rethinking explicit expectations: Connecting placebos, social cognition, and contextual perception. Trends in Cognitive Sciences. doi: 10.1016/j.tics.2016.04.001

Mehr Wissen hilft Brustkrebspatientinnen

Eine gute Aufklärung über ihre Erkrankung kann die Lebensqualität von Brustkrebs-Patientinnen deutlich steigern. Auf diesen Zusammenhang weisen Wissenschaftler der Universitäten Köln und Bonn sowie der Deutschen Krebsgesellschaft in einer aktuellen Studie hin. Als erste Konsequenz haben die Forscher eine Art Checkliste erarbeitet. Damit können Betroffene beim Arztgespräch sicherstellen, alle für sie wichtigen Aspekte angesprochen zu haben.
Publikation: S.M. Halbach, A. Enders, C. Kowalski, T.K. Pförtner, H. Pfaff, S. Wesselmann, N. Ernstmann: Health literacy and fear of cancer progression in elderly women newly diagnosed with breast cancer – A longitudinal analysis. Patient Education and Counseling (2016) May; 99(5):855-62. DOI: 10.1016/j.pec.2015.12.012

Photonenstau als Informationsträger

Jeder, der schon mal auf der Autobahn im Stau stand, kennt das Phänomen der Clusterbildung. Wenn nur genügend Autos unterwegs sind, und diese mit statistisch zufällig verteilten Geschwindigkeiten fahren, dann ist es wahrscheinlicher, dass sich Gruppen von Autos bilden, die sich gegenseitig ausbremsen. Damit die Autos genügend weit voneinander entfernt und gleichzeitig mit hoher Geschwindigkeit fahren, müssten sie aufeinander reagieren oder, wie Physiker sagen, in Wechselwirkung treten. Nicht unähnlich könnte es in Zukunft den Photonen (Teilchen, aus denen Lichtstrahlen bestehen) auf den Datenautobahnen des Internets ergehen. Anders als bei einem Stau ist das aber eine gute Sache.

Handy ist Bestandteil unseres Körpers

Der “Gummihand-Effekt” ist eine in der Psychologie bekannte Illusion. Dabei fühlt sich eine Hand aus Gummi für die Versuchspersonen so an, als gehöre sie zum eigenen Körper. Psychologen aus Münster, Leiden (Niederlande) und Regensburg zeigten nun erstmals, dass Menschen im psychologischen Experiment auch ihre eigenen Smartphones in ihr körperliches Ich integrierten. Das Ausmaß des Smartphone-Gebrauchs scheint eine wichtige Rolle zu spielen.

Und hier noch das Rubberhand-Video
https://www.youtube.com/watch?v=TCQbygjG0RU “Rubber hand illusion” (erklärendes YouTube-Video von “New Scientist”)

WWWW vom 9.5.2016: Diebische Schwebfliegen und angepasste Venus-Fliegenfalle

Ungesundes Gemüse in Thailand

Das Thai Pan Network hat Gemüse und Obst von Märkten und Supermärkten in Thailand untersucht und die Ergebnisse sind schockierend. Selbst bei organischen und Q-zertifizierten Gemüse waren die Grenzwerte teilweise über die Hälfte überschritten.
Anbei eine Grafik, zwar in Thai, aber die Symbole sollten verständlich genug sein.
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Dazu passt auch diese Meldung über Gesundheitsrisken von Bauern in Thailand.

Wie sich das Fischauge regeneriert

Anders als beim menschlichen Auge ist der Fisch in der Lage, Verletzungen der Netzhaut auf zellulärer Ebene zu regenerieren. Wie diese Regenerationsreaktion ausgelöst wird, haben jetzt Wissenschaftler am Centre for Organismal Studies (COS) der Universität Heidelberg mit Untersuchungen am Modellorganismus des Medaka-Fisches entschlüsselt. Danach löst überraschenderweise nur ein einziger genetischer Faktor zwei zentrale Schritte im Prozess der Regeneration aus – die Zellteilung und die Ausdifferenzierung von Vorläuferzellen in die verschiedenen retinalen Zelltypen.

Wifi-Satellit

Ein Satellit, dessen Einzelteile nicht über Elektrokabel verbunden sind, sondern über miniaturisierte Funkmodule: Mit dieser Innovation gewinnen zwei Informatiker der Universität Würzburg den Wettbewerb INNOspace Masters.

Wie schnell und stark sind Malaria-Erreger

Malaria-Erreger sind schnell. Die aus einer einzigen Zelle bestehenden Parasiten bewegen sich rund zehnmal schneller durch das Gewebe unter der Haut als unsere körpereigene Abwehr, die Fresszellen des Immunsystems. Wissenschaftler um Professor Dr. Friedrich Frischknecht, Arbeitsgruppenleiter im Zentrum für Infektionskrankheiten des Universitätsklinikums Heidelberg, haben eine Laser-Radarfalle für die winzigen Lebewesen entworfen und erstmals deren Geschwindigkeit und Kraftentwicklung gemessen.
Coupling of Retrograde Flow to Force Production During Malaria Parasite Migration.
Quadt KA, Streichfuss M, Moreau CA, Spatz JP, Frischknecht F.
ACS Nano. 2016; 10(2):2091-2102.
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acsnano.5b06417

Wie Bakterien das Genom verändern können

Die meisten Bakterien, mit denen wir in der Natur in Kontakt kommen, sind für uns völlig harmlos. Doch ein paar zusätzliche Gene können ansonsten friedliche Mikroben in gefährliche Krankheitserreger verwandeln. Die Nachwuchsforscherin Natalie Jahn aus der Arbeitsgruppe Bakteriengenetik der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersucht, wie Bakterienzellen dafür sorgen, dass solche von außen aufgenommenen Gene stabil von Generation zu Generation weitervererbt werden. In ihrer gerade abgeschlossenen Doktorarbeit hat die 28-Jährige Toxin/Antitoxin-Systeme in Bacillus subtilis detailliert charakterisiert und liefert damit die Grundlagen für neue Wege zur Behandlung bakterieller Infektionen.
Jahn, Natalie; Brantl, Sabine; Strahl, Henrik. Against the mainstream: the membrane-associated type I toxin BsrG from Bacillus subtilis interferes with cell envelope biosynthesis without increasing membrane permeability (2015) MOLECULAR MICROBIOLOGY, Volume: 98, Issue: 4, Pages: 651-666

Schwebfliegen schmarotzen am Sonnentau

Ein Team aus deutschen, brasilianischen und spanischen Botanikern und Entomologen entdeckte Fliegenlarven, die in einem der wohl gefährlichsten Lebensräume für Insekten leben: auf den stark klebrigen Blättern von fleischfressenden Sonnentau-Pflanzen.
Fleischmann, A., Rivadavia, F., Gonella, P.M., Pérez-Bañón, C., Mengual, X. & Rojo, S. (2016). Where is my food? Brazilian flower fly steals prey from carnivorous sundews in a newly discovered plant-animal interaction. PLOS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0153900

Venus-Fliegenfalle kann Insekten schmecken

Die fleischfressende Venusfliegenfalle ist eine erstaunliche Pflanze: Sie erkennt ihre Beute am Geschmack. In ihren Zellen gibt es ähnliche Strukturen wie im Darm des Menschen. Und sie hat im Lauf der Evolution den Spieß umgedreht, ist vom Opfer zum Angreifer geworden.
“Venus flytrap carnivorous life style builds on herbivore defense strategies“, Felix Bemm, Dirk Becker, Christina Larisch, Ines Kreuzer, Maria Escalante-Perez, Waltraud X. Schulze, Markus Ankenbrand, Anna-Lena Keller Van der Weyer, Elzbieta Krol, Khaled A. Al-Rasheid, Axel Mithöfer, Andreas P. Weber, Jörg Schultz, Rainer Hedrich. Genome Research, DOI 10.1101/gr.202200.115

WWWW vom 2.5.2016: Geister und Glauben in Thailand

Man hat mich gefragt ob ich bei den Gänsehautwochen mitmachen möchte, bei denen es um Geister und Hexen uns so geht. Weil vor allem Geister in Thailand (und Asien überhaupt) eine große Rolle spielen, dachte ich, eine Sonderfolge wäre da vielleicht angebracht.

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Man denkt bei Thailand immer an Buddhismus und Mönche in orange-farbenen Roben. Tatsächlich sind die Thais so buddhistisch wie die meisten in Deutschland christlich sind. Die reine Lehre hat nur wenig mit dem zu tun, was praktiziert wird. Gerade in den Städten nehmen buddhistische Rituale immer mehr ab. In den Tempel geht man nur noch zu besonderen Feiertagen und den Mönchen wird nur am Sonntag Almosen gegeben – und dafür muss der Mönch sogar mit seinem Fahrer zu uns in den Compound kommen.
Was aber nicht heißen soll, das Thais nicht religiös sind. Sie sind das sogar sehr (und ich schließe hier immer Laos und Kambodscha mit ein, zu einem gewissen Maß auch Vietnam). Nur hat die praktizierte Religion eben wenig mit den achtfachen Pfad des Buddha zu tun. Was hier praktiziert wird, ist Geisterglaube und Animismus.
Das Bild hier zeigt einen heiligen Baum, dessen Geistern Kleider geopfert werden.
Geister gibt es auch als Erdgeister (denen man Geisterhäuser baut, wenn man auf ihrem Land ein Haus errichtet), oder als Geister die an einem Ort leben, an dem ein Unfall war. An Straßen sieht man oft Zebrafiguren, die die Verkehrsteilnehmer schützen sollen. Es gibt gute und böse Geister, und wenn man Leute hier in Asien erschrecken will, dann ruft man laut “Phi” (Geist). Die Tattoos die man oft sieht und die von Mönchen gestochen werden, sind nicht anderes als Formeln, die vor Geistern schützen wollen. Auch die Amulette, die die meisten Thais um den Hals tragen, haben eine Schutzfunktionen gegen böse Geister und Unglück.
Wenn in westlichen Ländern noch ein Pfarrer mehr pro forma bei einer Schiffstaufe dabei ist, fahren die Menschen hier gleich eine ganze Tempelbesatzung auf. In Laos wird keiner auf Reisen gehen, ohne eine Baci-Zeremonie gemacht zu haben.
Warum Geister, die es ja offenbar schon seit Jahrhunderten gibt, unbedingt darauf bestehen, dass man ihnen pinke und grüne Fanta opfert, hat sich mir nicht erschlossen, aber vielleicht bin ich einfach zu rational.
Übrigens muss es nicht immer ein Buddha sein: Vor allem wenn man gerne Geld haben möchte, stellt man sich eher eine Ganesha-Figur ins Haus. Oder am besten Beides. Kann ja nicht schaden.

Hier noch ein paar Links wer mehr wissen will:
Die Geschichte der Mae Nak Phra Khanong

Die Satsana Phi in Laos

Ghosts in Thailand