WWWW vom 4.6.2012: Argusaugen und Frequenzkämme

Chip funkt Bilder ins Auge

My eye
Ein winziger Chip, Argus II genannt, verspricht für viele blinde Menschen die Hoffnung, zumindest einen Teil ihrer Sehkraft wiederzuerlangen. Am Uniklinikum Aachen wird er seit Kurzem in das menschliche Auge implantiert. Argus II ersetzt dabei einen Teil der Netzhaut und kommt bei einer Augenerkrankungen zum Einsatz, bei der die menschliche Netzhaut ihre Funktion verloren hat. An der Retinitis pigmentosa (RP) genannten, erblich bedingten Netzhautdegeneration leiden allein in Deutschland etwa 30.000 bis 40.000 Menschen, weltweit sind es drei Millionen. Die Krankheit zerstört die Photorezeptoren in der Netzhaut – die Patienten erblinden schließlich vollständig.

Methan auf dem Mars kommt aus dem All

Es war eine Sensation, als Wissenschaftler vor neun Jahren Methan in der Marsatmosphäre entdeckten. Für viele gilt das Gasvorkommen als klarer Hinweis für Leben auf dem unwirtlichen Planeten, da Methan auf der Erde vorwiegend durch biologische Vorgänge entsteht. Andere vermuten geologische Prozesse wie Vulkane als Ursache. Doch bis jetzt fehlt ein Beweis, was die tatsächliche Methanquelle ist. Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz und der Universitäten in Utrecht und Edinburgh konnten jetzt zeigen, dass Methan aus einem Meteoriten entweicht, wenn man ihn unter Mars-Bedingungen mit ultraviolettem Licht bestrahlt.
Ultraviolet radiation induced methane emissions from meteorites and the Martian atmosphere
Frank Keppler, Ivan Vigano, Andy McLeod, Ulrich Ott, Marion Früchtl, Thomas Röckmann
Nature, 31. Mai 2012; DOI 10.1038/nature11203 (2012)

Laserkämme messen genauer

Laser-Frequenzkämme können jetzt als Kalibrationsquellen an astronomischen Spektrographen eingesetzt werden. Dies erleichtert die Suche nach extrasolaren Planeten, die einen Stern außerhalb unseres Sonnensystems umkreisen. Eine verbesserte Kalibration könnte es außerdem ermöglichen, selbst sehr kleine Änderungen der Ausdehnungsgeschwindigkeit des Universums direkt zu messen.
Originalveröffentlichung:
Tobias Wilken, Gaspare Lo Curto, Rafael A. Probst, Tilo Steinmetz, Antonio Manescau, Luca Pasquini, Jonay I. González Hernández, Rafael Rebolo, Theodor W. Hänsch, Thomas Udem & Ronald Holzwarth
A spectrograph for exoplanet observations calibrated at the centimetre-per-second level
Nature, 31. Mai 2012, DOI:10.1038/nature11092

Eiszeit trennte Libellen

Bei manchen Tier- oder Pflanzenarten leben die einzelnen Populationen sehr weit voneinander getrennt. Durch den Vergleich von Erbgut-Analysen kann darauf geschlossen werden, wie lange die Populationen schon isoliert voneinander existieren. Ein internationales Forscherteam, unter anderem von der Universität Göttingen, hat Teile des Erbguts von verschiedenen Populationen asiatischer Libellen untersucht und verglichen. Ihre Studie zeigt, dass die letzte Eiszeit das heutige Vorkommen von seltenen Libellen in Asien stark beeinflusst hat.
Originalveröffentlichung: Büsse et al. (2012): Phylogeographic analysis elucidates the influence of the ice ages on the disjunct distribution of relict dragonflies in Asia. PLoS ONE. DOI: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0038132.

Wann begannen die Kontinente zu driften?

Ein internationales Wissenschaftlerteam unter Beteiligung der Universität Bonn datiert das Einsetzen der Kontinentaldrift auf der Erde vor rund 3,2 Milliarden Jahren. Die Forscher analysierten Hafnium- und Sauerstoff-Isotope in sehr altem Gestein aus Westgrönland.

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