WWWW vom 16.9.2013: Erdnuß in der Milchstraße und Schimpansenwaisen

Hefe verjüngt sich genetisch

Im Laufe ihres Lebens verändern sich Lebewesen auf vielfältige Weise und werden älter. Aber offenbar gibt es Ausnahmen: Max-Planck-Forscher haben eine Hefeart entdeckt, die ewig jung bleiben kann: Sie verjüngt sich, wenn sie sich fortpflanzt. Mit dieser Entdeckung lässt sich der Prozess des Alterns besser verstehen. In der Regel teilen sich Mikroorganismen auch bei einer symmetrischen Zellteilung nicht in zwei exakt gleiche Hälften: In Experimenten konnte gezeigt werden, dass geschädigte Bestandteile an die Zellmembran und den Zellkern binden können. Forscher aus Dresden konnten zeigen, dass die Hefe Schizosaccharomyces pombe unter günstigen Bedingungen immun gegen das Altern ist. Wird die Hefe gut umsorgt, dann pflanzt sie sich so fort, dass die beiden entstehenden Tochterzellen Zellbestandteile zu gleichen Teilen erhalten. Da sie so auch beschädigtes Material unter sich aufteilen, erbt jede Tochterzelle nur die Hälfte der Schäden. Die entstehenden Zellen sind beide jünger als vorher.
Originalpublikation:
Miguel Coelho, Aygül Dereli, Anett Haese, Sebastian Kühn, Liliana Malinovska, Morgan E. DeSantis, James Shorter, Simon Alberti, Thilo Gross and Iva M. Tolić-Nørrelykke
Fission yeast does not age under favorable conditions, but does so after stress
Current Biology, 12. September 2013

Schimpansenwaisen spielen mehr, aber kürzer

Schimpansenwaisen beteiligen sich häufiger am Spiel der Altersgenossen als die von den Müttern aufgezogenen Jungen. Ihr Spiel führte jedoch häufiger zu Aggressionen als das Spiel der jungen Schimpansen, die mit einer Mutter aufwuchsen. Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, Nijmegen
Junge Schimpansen, die ohne ihre leibliche Mutter aufwachsen, verfügen über eine geringere Sozialkompetenz als Artgenossen, die von der Mutter aufgezogen wurden. Forscher des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in Nijmegen, Niederlande, haben beobachtet, dass sich Schimpansenwaisen zwar häufig an Spielen ihrer Altersgenossen beteiligen, ihre Spielrunden jedoch deutlich kürzer ausfallen und öfter zu Aggression führen. Offenbar vermitteln Schimpansenmütter ihrem Nachwuchs wichtige soziale Kompetenzen.

Originalpublikation:
Edwin J. C. van Leeuwen, Innocent Chitalu Mulenga, Diana Lisensky Chidester
Early social deprivation negatively affects social skill acquisition in chimpanzees (Pan troglodytes)
Animal Cognition, August 2013

Darmspiegelung: Erfolge besser als bisher angenommen

Bei einer Darmspiegelung können Darmkrebsvorstufen sicher erkannt und entfernt werden. Sie stellt damit eine sehr wirksame Maßnahme zur Krebsverhütung dar. Wie viele Erkrankungs- und Todesfälle sich durch eine Darmspiegelung tatsächlich verhindern lassen, wird derzeit intensiv erforscht. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums haben errechnet, dass der Schutzeffekt dabei deutlich größer ist als Studienergebnisse bisher vermuten ließen.
Hermann Brenner, Christian Stock, Michael Hoffmeister: In the era of widespread endoscopy use, randomized trials may strongly underestimate the effects of colorectal cancer screening. Journal of Clinical Epidemiology 2013, DOI: 10.1016/j.jclinepi.2013.05.008

Ackerboden entlässt reinigendes Gas

Ein internationales Team um Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz stellte fest, dass Bakterien in der obersten Bodenschicht beträchtliche Mengen Hydrogennitrit, besser bekannt als salpetrige Säure oder HONO, in gasförmiger Form an die Luft abgeben. Das Gas zerfällt bei Licht rasch in Stickstoffmonoxid und Hydroxylradikale. Letztere reinigen die Luft, weil sie diverse Schadstoffe oxidieren und so beseitigen. Die Erkenntnisse des Forscherteams bieten eine Erklärung, warum in der Atmosphäre mehr HONO gemessen wird, als aus den bekannten Quellen zu erwarten wäre.
Originalpublikation:
R. Oswald, T. Behrendt, M. Ermel, D. Wu, H. Su, Y. Cheng, C. Breuninger, A. Moravek, E. Mougin, C. Delon, B. Loubet, A. Pommerening-Röser, M. Sörgel, U. Pöschl, T. Hoffmann, M.O. Andreae, F.X. Meixner und I. Trebs

Fruchtfliegen-Alter hängt vom gleichgeschlechtlichen Elternteil ab

Wie die Mutter, so die Tochter, und wie der Vater, so der Sohn: Evolutionsbiologinnen und -biologen der Universitäten in Bielefeld und in Uppsala (Schweden) haben jetzt gezeigt, dass diese Redensart für die Vererbung der Lebenserwartung zutrifft – und zwar bei Taufliegen, im Volksmund bekannt als Fruchtfliegen. In einer Studie fand das Forscherteam heraus, dass Nachkommen dieser Insekten ihre Lebensdauer hauptsächlich geschlechtsabhängig erben: Männlicher Nachwuchs wird mit hoher Wahrscheinlichkeit etwa so alt wie sein Vater, beim weiblichen Nachwuchs richtet sich die Lebenserwartung vor allem nach der Mutter.
Originalveröffentlichung:
Anne Lehtovaara, Holger Schielzeth, Ilona Flis und Urban Friberg: Heritability of lifespan is largely sex-limited in Drosophila, American Naturalist, http://dx.doi.org/10.1086/673296, online erschienen am 12. September 2013.

Weitere Informationen:
www.uni-bielefeld.de/biologie/Evolutionsbiologie/04-schielzeth.html

Milchstraße ist in der Mitte eine Erdnuß

Einer der wichtigsten und massereichsten Teile unserer Heimatgalaxie ist der sogenannte Bulge, eine zentrale Verdickung der Milchstraße. Diese riesige, zentrale Wolke aus etwa 10 Milliarden Sternen hat einen Durchmesser von Tausenden von Lichtjahren. Bislang jedoch war es nicht gelungen ihre Struktur und ihren Ursprung nachzuvollziehen. Nun haben zwei Forschergruppen anhand neuer Beobachtungen von mehreren ESO-Teleskopen einen viel klareren Blick auf die Struktur des Bulge bekommen.

Erfolgsrezept: Amerikanisches Ur-Pferd war flexibel in der Nahrung

Das Urpferd Hippotherium war so erfolgreich, dass es binnen kurzer Zeit seine Konkurrenten in Europa vollständig verdrängte. Der Grund für diese Überlegenheit ist bislang ungeklärt. Dabei könnte die Antwort einfach sein: Einer neuen Studie zufolge war Hippotherium entgegen bisherigen Vermutungen kein reiner Grasfresser, sondern ernährte sich auch von Laub oder Früchten. Diese Flexibilität könnte ihm gegenüber anderen Urpferden einen entscheidenden Vorteil verschafft haben.
Publikation: Opportunistic feeding strategy for the earliest Old World hypsodont equids: evidence from stable isotope and dental wear proxies; Thomas Tütken, Thomas M. Kaiser, Torsten Vennemann, Gildas Merceron; PLOS ONE

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