WWWW vom 4.11.2013: Kakaobohnen, Mikrorotoren und Tierversuche

Fledermäuse verbessern Kakaoertrag

Kakao-Frucht

Die Anwesenheit von Vögeln und Fledermäusen auf Kakaoplantagen hat positive Auswirkungen auf die Kakaoernte. Das haben Wissenschaftler der Universität Göttingen in einem groß angelegten Freilandexperiment auf der indonesischen Insel Sulawesi herausgefunden. Die Agrarökologen verhinderten, dass Vögel und Fledermäuse Zugang zu bestimmten Kakaobäumen hatten. Daraufhin stieg die Zahl der Insekten auf der Plantage und die betroffenen Bäume warfen bis zu 31 Prozent weniger Ertrag ab.
Originalveröffentlichung: Bea Maas et al. Bats and birds increase crop yield in tropical agroforestry land-scapes. Ecology Letters 2013. Doi: 10.111/ele.12194.

Schnellere Vernichtung von Chemiewaffen mit Mikrorotoren

In entlegenen Gegenden chemische Kampfstoffe rasch und effektiv in nicht-toxische Produkte umzusetzen, ist eine der herausforderndsten Aufgaben bei der Zerstörung von Massenvernichtungswaffen. Wie Mikromotoren mit Eigenantrieb die oxidative Neutralisierung von Nervengiften beschleunigen können, indem sie die Entgiftungslösung intensiv durchmischen, beschreibt ein Team von der University of California in San Diego jetzt in der Zeitschrift Angewandte Chemie.
Autor: Joseph Wang, University of California San Diego (USA), http://ne.ucsd.edu/~joewang/
Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201308072

Benachbarte Bakterienarten regeln Schmarotzeranteil

Benachbarte Bakterien können miteinander kommunizieren und gemeinsam bestimmte Leistungen erbringen, beispielsweise Nährstoffe abbauen. Wissenschaftler der Universität Göttingen haben nun herausgefunden, dass kooperierende Bakterien ein Gift produzieren können, um sich gegen Schmarotzer zu wehren. Das geht aber nur solange sie aus der gleichen Familie sind.
Originalveröffentlichung: Alexandre Jousset et al. Evolutionary history predicts the stability of cooperation in microbial communities. Nature Communications 4:2573. Doi: 10.1038/ncomms3573.

Sensor untersucht Qualität von Gewürzen

Wie riecht ein Gewürz wie Pfeffer oder Paprika, welches mit Schimmelpilzen belastet ist oder wie stellt man fest, ob ein Gewürz beispielsweise mit Senfmehl gestreckt wurde? Man kann es schlecht beschreiben, aber geübte und geschulte Nasen können dies riechen. Doch sind diese Einschätzungen nachvollziehbar? Deshalb soll es demnächst Unterstützung durch einen mobilen Gewürzsensor zur Qualitätskontrolle und Produktsicherheit von Gewürzen geben, für den an der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Referenzproben entwickelt wurden.

Gehirn fügt Farbe automatisch hinzu

Farbensehen ist oft mehr Illusion als Wirklichkeit, weshalb es neurowissenschaftlich intensiv erforscht wurde. Allerdings war bislang unbekannt, ob unser Hirn fehlende Farben in einem Bild ergänzen kann. Nun haben die Neurowissenschaftler Michael Bannert und Dr. Andreas Bartels vom Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen (CIN) sowie vom Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience Tübingen in einer Studie überprüft, was im Kopf bei der Betrachtung von Schwarz-Weiß-Fotos bestimmter Objekte passiert.
Originalpublikation:
Michael Bannert und Andreas Bartels: Decoding the yellow of a gray banana. Current Biology, 31. Oktober 2013.

Pharmafirmen: Weniger Versuchstiere benutzt

Die Pharma- und Medizinprodukte-Industrie in Deutschland konnte ihren Bedarf an Versuchstieren 2012 erneut senken: Insgesamt 803.766 Tiere wurden benötigt, 3,5 % Prozent weniger als 2011 und sogar fast 10 % weniger als 2010. 86 % dieser Versuchstiere waren Mäuse oder Ratten. Das geht aus den amtlichen Versuchstierzahlen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hervor, die am 28. Oktober veröffentlicht wurden.

Dieser Satz hat mich überrascht:

“Vieles, was dazu heute in der Tierhaltung eingesetzt wird – etwa Beschäftigungsprogramme und Spielzeug, aber auch Rückzugsmöglichkeiten im Käfig – haben Tierpflegekräfte, Forscherinnen und Forscher aus der Industrie erfunden.” Kann das jemand meiner Hörer bestätigen?

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