WWWW vom 9.12.2013: Interview über molekulare Wirkung von Peptiden aus afrikanischer Heilpflanze

Ich habe wieder mit Dr. Christian Gruber vom Zentrum für Physiologie und Pharmakologie der MedUni in Wien gesprochen. Sein Labor hat in Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem Ausland einen Meilenstein beim Verständnis der molekularen Wirkung von Peptiden erreicht.

Peptide sind aus Aminosäuren aufgebaute, körpereigene Substanzen, die im menschlichen Organismus spezifische Reaktionen auslösen können und eine Vielzahl von Körperfunktionen beeinflussen. Auch zyklische Pflanzenpeptide, sogenannte Cyclotide, haben eine Wirkung auf den menschlichen Organismus. Bisher war aber nicht klar, ob und an welchem Rezeptor diese Peptide wirken und wie ihr molekularer Signalweg aussieht. Nun wurde die molekulare Wirkung von Peptiden aus einer afrikanischen Heilpflanze erstmals entschlüsselt.

Die Wiener WissenschafterInnen haben gemeinsam mit einem internationalen Team aus Australien, England, Irland, Schweden und den USA in einer Pflanze aus der Familie der Kaffeegewächse ein Peptid beschrieben, das Ähnlichkeit mit dem menschlichen Neuropeptidhormon Oxytocin aufweist, und an dessen Rezeptor bindet. Das könnte in weiterer Folge zur Entwicklung neuer Wirkstoffe führen.

Cyclotide wurden ursprünglich als Inhaltsstoffe pflanzlicher Heilmittel entdeckt, die in der traditionellen Medizin bei afrikanischen Völkern zur Geburtseinleitung und zur Vermeidung von Komplikationen danach eingesetzt werden. Die Pflanzen werden als Tee („kalata-kalata“) zubereitet, um bei oraler Anwendung den Geburtsvorgang zu erleichtern und zu beschleunigen. „Bis heute war aber unklar, ob es für diese Peptide einen bestimmten Rezeptor gibt, um eine Gebärmutterkontraktion auszulösen“, erklärt Gruber. „Wir haben jetzt ein Peptid gefunden, Kalata B7, das nicht nur isolierte Uterusmuskelzellen kontrahieren kann, sondern auch an zwei Rezeptoren, dem Oxytocin- und Vasopressin-1a Rezeptor, bindet und deren Wirkung reguliert.“

Das Paper:
Service: PNAS
„Oxytocic plant cyclotides as templates for peptide G protein-coupled receptor ligand design.” J. Koehbach, M. O’Brien, M. Muttenthaler, M. Miazzo, M. Akcan, A. Elliott, N. Daly, P. Harvey, S. Arrowsmith, S. Gunasekera, T. Smith, S. Wray, U. Göransson, P. Dawson, D. Craik, M. Freissmuth, C. Gruber., (2013) Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 10.1073/pnas.1311183110.

Flattr this

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*