WWWW vom 28.7.2014: Bakteriophagen und Gedanken übers Internet

Wie hat uns das Netz verändert?

Im Jahr Eins nach den Enthüllungen von Edward Snowden zu den Methoden der NSA im Netz steht das Internet plötzlich vor einem großen Imageschaden: Vorher die große Hoffnung auf die große Freiheit und das jederzeit sofort überall dabei sein, nachher die bedrohliche Schnüffelmaschine, die die Privatsphäre zur Lachnummer macht. Für den Philosophen und Volkswirt der Universität Witten/Herdecke, Prof. Dr. Birger P. Priddat, ein Grund genauer hin zu sehen: Er untersucht drei Phänomene: Verhaltensänderungen des Menschen im Umgang mit und durch das Internet, Big Data und den Hochgeschwindigkeitshandel an den Börsen.
Birger P. Priddat: Homo Dyctos. Netze, Menschen, Märkte. Über das neue Ich: market-generated identities. Marburg: Metropolis 2014
http://www.metropolis-verlag.de/Homo-Dyctos/1067/book.do

Viren gegen Keime

Clostridium-difficile-Bakterium
Clostridium-difficile-Bakterium Bild: Jennifer Hulsey/CDC

Eine Untersuchung an DESYs Röntgenring PETRA III zeigt, wie spezielle Viren den lebensbedrohlichen Durchfallkeim Clostridium difficile abtöten. Die Studie von Forschern der Hamburger Niederlassung des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie, EMBL, enthüllt, wie bestimmte Enzyme dieser Viren ausgeschüttet werden, um die Zellwand der Bakterien aufzulösen. Die Arbeit eröffnet neue Möglichkeiten für die Entwicklung von Therapien mit sogenannten Bakteriophagen, also auf Bakterien spezialisierten Viren.
Originalveröffentlichung
„The CD27L and CTP1L endolysins targeting Clostridia contain a built-in trigger and release factor”, Matthew Dunne, Haydyn D. T. Mertens, Vasiliki Garefalaki, Cy M. Jeffries, Andrew Thompson, Edward A. Lemke, Dmitri I. Svergun, Melinda J. Mayer, Arjan Narbad and Rob Meijers
„PLoS Pathogens”, 2014cc
DOI: 10.1371/journal.ppat.1004228

Wie schwimmt der Fisch?

Damit ein Fisch vorwärts schwimmen kann, müssen Nervenzellen in seinem Gehirn und Rückenmark fein abgestimmt die Hin- und Her-Bewegungen des Schwanzes kontrollieren. Doch auch die Stellung des Schwanzes, die die Schwimmrichtung vorgibt, muss durch Hirnaktivität feinjustiert werden. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie in Martinsried identifizierten nun mit Hilfe der neuen Methode der Optogenetik eine kleine Gruppe von Nervenzellen, die die Bewegungen der Schwanzflosse lenken. Auch das menschliche Gehirn kontrolliert Körperbewegungen durch Nervenbahnen in der gleichen Gehirnregion und nutzt daher vermutlich ähnliche Verarbeitungsmechanismen wie der Fisch.

Originalveröffentlichung:
Tod Thiele, Joseph Donovan, Herwig Baier,
Descending control of swim posture by a midbrain nucleus in zebrafish
Neuron, 24. Juli 2014

Vater oder Mutter bestimmen Beginn der Geschlechtsreife

Das Alter, in dem Mädchen die Geschlechtsreife erreichen, wird durch sogenannte genetische Prägung bestimmt. Dabei wird die Genaktivität allein von väterlichen oder mütterlichen Genen bestimmt – je nachdem welche Gene vererbt wurden, berichten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift ‘Nature’. Für die internationale Studie mit über 180.000 Teilnehmern arbeiteten 166 Forschungseinrichtungen zusammen, darunter das Helmholtz Zentrum München.
Zur Pressemitteilung der University of Cambridge http://www.mrc-epid.cam.ac.uk/age-of-puberty-in-girls-imprinted-genes/

Original-Publikation:

Perry, JRB et al. (2014). Parent-of-origin specific allelic associations among 106 genomic1 loci for age at menarche, Nature, doi: 10.1038/nature13545

Link zur Fachpublikation: http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature13545.html

Soziale Belohnung

Der kurze Tratsch beim Brötchenholen, gemeinsam Spiele spielen oder Sport treiben: Menschen streben danach, sich auszutauschen und miteinander Zeit zu verbringen, auch wenn sie nicht direkt davon profitieren. Warum das so ist, haben Jülicher Neurowissenschaftler nun mit bildgebenden Verfahren nachgewiesen. Soziale Interaktionen aktivieren demnach das Belohnungssystem. Beim Umgang mit Maschinen bleibt es dagegen weitestgehend ruhig. Die Mechanismen im Gehirn waren mangels geeigneter Testverfahren bisher unklar. Die Erkenntnisse könnten unter anderem Therapien bei Autismus zugutekommen.

Originalpublikation:
Ulrich J. Pfeiffer, Leonhard Schilbach, Bert Timmermans, Bojana Kuzmanovic, Alexandra L. Georgescu, Gary Bente, Kai Vogeley
Why we interact: On the functional role of the striatum in the subjective experience of social interaction
NeuroImage, In Press, Available online 2 July 2014, DOI 10.1016/j.neuroimage.2014.06.061 Abstract:http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1053811914005382

2 thoughts on “WWWW vom 28.7.2014: Bakteriophagen und Gedanken übers Internet”

  1. Und ich frage mich die ganze Zeit, warum eigentlich *der* Python, obwohl es ja *die* Schlage heißt und somit *die* Python heißen müsste:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pythons

    Bei uns heißt es ja auch richtig *das* Filter. 😉
    Ich liebe diesen akademischen Elfenbeinturm. Distinktion durch Sprache eben.

    Gruß
    Fabian

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