WWWW vom 15.9.2014: Laubfrösche und die Moral der Rechten

Studie beobachtet Dörfer seit 60 Jahren

Wovon lebt die Bevölkerung auf dem Land? Wie wachsen die Kinder auf? Wer pflegt die Alten? Niemand kann das besser beantworten als die Menschen, die im Dorf wohnen. Als Experten vor Ort sind sie die wichtigste Quelle für die Verbundstudie „Ländliche Lebensverhältnisse im Wandel 1952, 1972, 1993 und 2012“, die das Thünen-Institut für Ländliche Räume in Braunschweig in Zusammenarbeit mit sechs weiteren deutschen Forschungseinrichtungen seit eineinhalb Jahren bearbeitet und koordiniert. Was das Forschungsprojekt einzigartig macht: Seit 60 Jahren untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Abständen von 20 Jahren die Lebensverhältnisse in denselben zehn westdeutschen ─ und seit 1993 auch in vier ostdeutschen ─ Orten. Den nächsten Bericht gibt es aber erst im nächsten Jahr.

Aus einem Laubfrosch werden schnell mehrere Arten

Den Laubfrosch Dendropsophus minutus  findet man von Venezuela im Norden bis Argentinien  im Süden. © Frank Glaw/Zoologische  Staatssammlung München
Den Laubfrosch Dendropsophus minutus
findet man von Venezuela im Norden bis Argentinien
im Süden. © Frank Glaw/Zoologische
Staatssammlung München

Ein internationales Forscherteam hat unter Beteiligung von drei Wissenschaftlern des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt und Dresden den weitverbreiteten südamerikanischen Laubfrosch Dendropsophus minutus unter die Lupe genommen. Sie fanden dabei eine versteckte genetische Vielfalt, die sehr wahrscheinlich auch viele neue, bisher unbeschriebene Arten enthält. Darüber hinaus konnten sie den Ursprung der kleinen Amphibien klären.

Wenn es trocken wird, steigt der Giftwert im Boden

Wichtige Bodenorganismen reagieren sensibler auf marktgängige Pflanzenschutzmittel, wenn der Boden trocken ist und hohe Umgebungstemperaturen herrschen – beides Bedingungen, die in Deutschland künftig klimawandelbedingt häufiger auftreten könnten. Beide Faktoren senken sowohl einzeln als auch kombiniert deutlich den Schwellenwert, ab dem Fungizide für Springschwänze toxisch wirken.
Bandow, Cornelia, Karau, Nora, Römbke, Jörg. Interactive effects of pyrimethanil, soil moisture and temperature on Folsomia candida and Sinella curviseta (Collembola). – Applied Soil Ecology, DOI: 10.1016/j.apsoil.2014.04.010

Moral ist weder politisch noch religiös

Wie häufig sind moralische Taten und Erfahrungen eigentlich im täglichen Leben? Welche Rolle spielen dabei politische Einstellung, Religiösität und das soziale Umfeld? Und macht Moral glücklich? Der Kölner Psychologe Wilhelm Hofmann ist diesen Fragen der Alltagsmoral gemeinsam mit internationalen Kollegen in einer groß angelegten Studie nachgegangen. Die politische Einstellung hatte keinen starken Einfluss auf die Betonung moralischer Inhalte. Zwar berichteten politisch eher links ausgerichtete TeilnehmerInnen etwas häufiger von Ereignissen, die mit Fairness / Unfairness und Aufrichtigkeit / Unaufrichtigkeit zu tun hatten als politisch eher rechts ausgerichtete TeilnehmerInnen, und Rechte wiederum betonten Loyalität / Illoyalität und Reinheit / Unreinheit mehr als Linke. Die gefundenen Unterschiede waren jedoch gering. Auch die These, dass religiöse Menschen mehr moralische Taten vollbringen als nicht-religiöse, stützen die Daten aus dem Lebensalltag nicht: So fanden die Forscher keinerlei Unterschiede in der durchschnittlichen Häufigkeit begangener moralischer oder unmoralischer Taten zwischen religiösen und nichtreligiösen Teilnehmer.
Link: Hofmann, W., Wisneski, D., C., Brandt, M. J., & Skitka, L. J. (2014): Morality in Everyday Life published in the Sept. 12 (2014) issue of Science

Link: Zur Webseite Hofmann: http://soccco.uni-koeln.de/wilhelm-hofmann.html

Gehirnregion macht uns besonnen

Die Fähigkeit, sich normgeleitet zu verhalten, ist eine wichtige Voraussetzung für das Zusammenleben in menschlichen Gesellschaften. Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Maastricht wiesen nun direkt nach, wie der dorsolaterale präfrontale Kortex im Gehirn die Verletzung sozialer Normen in Schach hält. Mit Hilfe von Transkranieller Magnetstimulation konnten sie die Aktivität dieser Gehirnstruktur hemmen und dadurch unfaires Verhalten in den Probanden hervorrufen.

Publikation: Be Nice if You Have to – The Neurobiological Roots of Strategic Fairness, “Social Cognitive and Affective Neuroscience”, DOI: 10.1093/scan/nsu114


2 thoughts on “WWWW vom 15.9.2014: Laubfrösche und die Moral der Rechten”

  1. Hallo Thomas,

    vielen dank für deinen tollen Podcast, ich höre immer gern zu.
    Dein Bericht über die Studie zur Moral hat mich veranlasst etwas über dieses Thema zu recherchieren, da mich vor allem die Frage “..woher die nicht religiösen Menschen ihre moralischen Grundsätze haben” stark verwundert hat.

    Aus Transparenz möchte ich klarstellen, dass ich selbst Agnostiker und Atheist bin, das heißt, ich gehe davon aus, dass die Frage ob ein Gott existiert wissenschaftlich nicht zu lösen ist und glaube zugleich, dass es keine Götter gibt. Meine Sichtweise ist hier also nicht objektiv.

    Ich möchte anzweifeln, dass es möglich ist seine Moral in seiner Religion zu begründen, dazu folgende Argumente.

    1) Es kann kein moralisches und zugleich allmächtiges Wesen, aka. Gott geben.
    Es passiert andauerndes Leid auf der Erde, ein allmächtiger Gott, der zugleich moralisch handelt, müsste dieses verhindern. Es ist also nicht zu erwarten, dass der Glaube an einen existenten, oder nicht existenten Gott einen Menschen auf magische Weise moralischer macht. Auch müsste ein moralischer Gott, alle Menschen ob gläubige oder ungläubige gleich moralisch machen um das Gesamtleid zu mindern.

    2) Ein Mensch, der aus Angst vor einer Strafe seines Gottes nichts falsches macht, handelt eigentlich aus moralischen Überlegungen, sondern eher aus egoistischen.

    3) Wenn in einem Buch Gottes (oder seiner Propheten, je nach Religion) geschrieben steht, dass Sklaverei etwas gutes ist, ist Sklaverei dann moralisch? Ich glaube es lassen sich rationale Gründe finden warum Sklaverei für alle Menschen nachteilig ist. Ich zumindest möchte in keiner Gesellschaft leben, in der so etwas praktiziert wird.
    Wer z.B. an die Bibel glaubt, muss zu meinem entsetzen eigentlich eine andere Meinung haben. Nun gibt es Menschen die sind katholisch und sind gegen Sklaverei. Warum? Weil sie moralisch sind und zwar ganz ohne ihre Religion, ja sogar trotz ihrer Religion.

    Ich möchte sogar argumentieren, dass es ohne Religion einfacher ist ein moralischer Mensch zu sein.

    1) Wenn sich ein nicht religiöser Mensch entschließt mit einem Flugzeug in einen Wolkenkratzer zu fliegen, muss er das mit seinem Gewissen selbst regeln, keine Rechtfertigung durch seinen Glauben. Ok, ok, das war etwas reißerisch, aber ich denke der Punkt ist klar.

    2) Statistik: Weltweit ist der Anteil Atheisten in Gefängnissen niedriger als in der Bevölkerung, selbst, wenn Bildungsstand und co. beachtet wird. (Quelle nicht zur Hand, sorry)

    3) Wenn ich nicht an ein Leben nach dem Tot glaube, habe ich allen Grund das beste aus dem jetzigen zu machen.

    4) Eigengruppen vs. Fremdgruppenverhalten: Für Gläubige gibt es immer die Anderen und die Ungläubigen. Also zwei Menschengruppen, die in der Regel durch die Lehre ihres Glaubens nicht gleichwertig anzuerkennen sind. Die Details sind hier je nach Religion unterschiedlich, allerdings alle recht erschreckend. Für einen Ungläubigen gibt es nur Menschen und eine Untergruppe von Menschen, die leider das Pech hatten durch Gehirnwäsche (meist in jungen Jahren) einem Irrglaube aufgesessen zu sein. Das macht sie aber nicht zu Untermenschen.

    Ich hoffe ich habe dass dieser Kommentar nicht zu sehr vom Thema abgewichen ist, denn in der Studie ging es ja um das moralische Handeln, welches untersucht wurde. Ich denke jedoch wenn man eine Studie mit Fremdgruppenverhalten durchführt, könnte man hier zu überraschenden Ergebnissen in Bezug auf Religiosität kommen.

    Lieben Gruß
    Peter

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*