WWWW vom 6.10.2014: Regenwürmer und schnelle Hirnzellen

Hirnzellen feuern schneller als gedacht

gehirn
Nervenzellen im Gehirn können Informationen mit erstaunlich hoher Geschwindigkeit austauschen, nämlich 1.000 Mal pro Sekunde. Ein wichtiger Faktor für die schnelle Informationsverarbeitung. Neurophysiologen der Universität Leipzig haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sie Aktionspotenziale vor und hinter einer Kontaktstelle von zwei Nervenzellen messen können.
Fachveröffentlichung:
Ultrafast Action Potentials Mediate Kilohertz Signaling at a Central Synapse
DOI: 10.1016 / j.neuron.2014.08.036

Organohalid-fressenden Bakterien auf der Spur

Wissenschaftler der Humboldt-Universität (HU) haben herausgefunden, wie bestimmte Bakterien chlorhaltige organische Verbindungen (Organohalide) abbauen. Sie lösen damit ein jahrzehntealtes Rätsel und liefern einen Ansatz, wie man kontaminierte Böden und Gewässer biologisch aufarbeiten kann.

Originalveröffentlichung
Martin Bommer, Cindy Kunze, Jochen Fesseler, Torsten Schulze, Gabriele Diekert, Holger Dobbek (2014) „Structural Basis for Organohalide Respiration“ Science, advanced online publication.

http://www.sciencemag.org/content/early/recent

Weberknechte machen den Spiderman

Weberknechte, die zur Klasse der Spinnentiere gehören, fangen ihre Beute blitzschnell mithilfe von klebrigen Tropfen ihrer Kiefertaster. Dabei ermöglichen sowohl die klebrigen Tropfen wie auch die extrem kurze Reaktion des Weberknechtes das Fangen von schnellen Insekten.
Originalpublikation:
Wolff, J.O., Schönhofer, A.L., Schaber, C.F. und Gorb, S.N. (2014): Gluing the ‘unwettable’: soil-dwelling harvestmen use viscoelastic fluids for capturing springtails. Journal of Experimental Biology, 217, 3535-3544, dx.doi.org/10.1242/jeb.108852

Hohe Sterblichkeit kann auch Vorteile haben

Es erscheint aufs Erste paradox, aber verschiedene mathematische Populationsmodelle sagen vorher, dass bei vielen Tierarten eine erhöhte Sterberate zu einer höheren Populationsdichte führen könnte. Wissenschaftler haben nun gezeigt, dass dieses Phänomen in der Natur tatsächlich häufig vorkommt, aber manche ökologischen Erklärungen dafür oft zu kurz greifen. Die Ergebnisse haben weitreichende Konsequenzen für das Verständnis von Tierpopulationen und Nahrungsnetzen und können auch für die Nutzung von Fisch- und Wildbeständen oder für die Schädlingskontrolle von Interesse sein.
Publikation:
Arne Schröder, Anieke van Leeuwen, Tom C. Cameron. (2014). When less is more: Positive population-level effects of mortality. Trends in Ecology and Evolution. doi.org/10.1016/j.tree.2014.08.006

Internetabhângige haben meist Begleiterkrankung

Internetabhängige leiden oft unter Begleiterkrankungen, vor allem unter depressiven Störungen, Angsterkrankungen und ADHS.
Bochumer Mediziner erhoben das sogenannte Komorbiditätsprofil von 25 Internetabhängigen. Jeder Patient wies mindestens eine Begleiterkrankung auf. Mit seinen Kollegen untersuchte Bert te Wildt zum Vergleich auch 25 Alkoholabhängige. Das Komorbiditätsprofil sah ganz ähnlich aus. Allerdings litt nur jeder zweite dieser Patienten an einer weiteren Erkrankung.

Ein ausführlicher Beitrag inklusive Bildmaterial findet sich im Onlinemagazin RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der RUB: http://rubin.rub.de/de/mensch-im-netz.

In Deutschland gibt es mindestens 46 Regenwurmarten

Die Wissenschaftlerin Dr. Ricarda Lehmitz vom Senckenberg Forschungsinstitut hat erstmals eine Inventur aller Regenwurmarten Deutschlands durchgeführt. Hierfür bearbeiteten sie und ihre Kollegen 16.000 Datensätze. Insgesamt gibt es 46 verschiedene Regenwurmarten in der Bundesrepublik, aber nur eine Art kann als endemisch (ausschließlich in Deutschland vorkommend) bezeichnet werden. Die Artenvielfalt der Wenigborster nimmt außerdem von Norden nach Süden zu.
Publikation
LEHMITZ, RICARDA et al. Checklist of earthworms (Oligochaeta: Lumbricidae) from Germany. Zootaxa, [S.l.], v. 3866, n. 2, p. 221–245, sep. 2014. ISSN 1175-5334. doi:http://dx.doi.org/10.11646/zootaxa.3866.2.3.

Marker geben Hinweis auf Sterblichkeit bei Brustkrebs

Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und vom Pathologischen Institut des Universitätsklinikums Heidelberg haben 255 Brusttumoren auf zwei verschiedene Stammzellmarker untersucht: Konnten sie beide gleichzeitig nachweisen, war die Lebenserwartung der Patientinnen drastisch verkürzt. Umgekehrt lebten Patientinnen, deren Brustkrebs keinen der beiden Marker aufwies, fast 10 Jahre länger. Die Wissenschaftler wollen nun prüfen, ob sich die beiden Marker auf der Oberfläche von Stammzellen für eine zielgerichtete Therapie bei Brustkrebs eignen.
Irène Baccelli, Albrecht Stenzinger, Vanessa Vogel, Berit Maria Pfitzner, Corinna Klein, Markus Wallwiener, Martina Scharpff, Massimo Saini, Tim Holland-Letz, Hans-Peter Sinn, Andreas Schneeweiss, Carsten Denkert, Wilko Weichert , Andreas Trumpp: Co-expression of MET and CD47 is a novel prognosticator for survival of luminal-type breast cancer patients. Oncotarget (2014).

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