WWWW vom 13.10.2014: Antibiotika-Forschung und warum Ketchup aus der Flasche blubbt

Wenn feste Materialien plötzlich fließen

Ketchup
Wenn ein eigentlich festes Material weich wird, liegt die Vermutung nahe, dass es irgendwie beschädigt ist. Das trifft nicht immer zu, wie Jülicher und niederländische Forscher nun in der Fachzeitschrift Nature Communications berichten. Die Wissenschaftler haben starre biologische Netzwerke aus fadenförmigen Polymerbauteilen untersucht, die wie ein Haufen Spaghetti verschlungen sind. Geraten diese sogenannten Filamentfäden ins Fließen, formen sie sich zu haarnadelähnlichen Gebilden um, die fast berührungslos geordnet aneinander vorbeigleiten. Der Mechanismus könnte unter anderem bei der Suche nach erneuerbaren Alternativen für ölbasierte Polymere hilfreich sein.
Originalveröffentlichung:
Inka Kirchenbuechler, Donald Guu, Nicholas A. Kurniawan, Gijsje H. Koenderink, M. Paul Lettinga; Direct visualization of flow-induced conformational transitions of single actin filaments in entangled solutions; Nature Communications (2014) | DOI: 10.1038/ncomms5060

Neuer Ansatz gegen resistente Bakterien

Multiresistente Staphylokokken zählen zu den gefürchtetsten Erregern in Krankenhäusern, da sie kaum noch oder gar nicht mehr therapierbar sind. Wissenschaftlern des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig ist es nun gelungen, zwei Substanzen aus den im Boden lebenden Myxobakterien zu isolieren, die hochwirksam gegen die Erreger sind. Damit legen die Forscher die Grundlage für die Herstellung neuer Medikamente.

Originalpublikation:
F. Surup, K. Viehrig, K.I. Mohr, J. Herrmann, R. Jansen, R. Müller,
Disciformycins A and B: 12-Membered Macrolide Glycoside Antibiotics from the Myxobacterium Pyxidicoccus fallax Active against Multiresistant Staphylococci.

Erreger unter der Super-Lupe

Elektronenmikroskopische Bilder zeigen in bisher unerreichter Auflösung, welche strukturellen Veränderungen im bakteriellen Ribosom bei der Resistenzbildung gegen das Antibiotikum Erythromycin auftreten.
Wie sich Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln, ist ein Forschungsschwerpunkt des LMU-Biochemikers Daniel Wilson. Mithilfe kryo-elektronenmikroskopischer Bilder in bisher unerreichter Auflösung konnte Wilson mit seinem Team nun neue Einblicke in die Resistenzbildung gegen das Antibiotikum Erythromycin gewinnen.
Publikation
Drug-Sensing by the Ribosome Induces Translational Arrest via Active Site Perturbation
Stefan Arenz et. al.
Molecular Cell 2014
Doi: http://dx.doi.org/10.1016/j.molcel.2014.09.014
http://www.cell.com/molecular-cell/abstract/S1097-2765%2814%2900746-1

Kunststoffe aus Strohabfall

Im Rahmen des Landesprojektes „LIGNOS“ gelang es Wissenschaftlern, landwirtschaftliche Reststoffe wie Weizenstroh vollständig stofflich nutzbar zu machen. Werden die Reststoffe bisher hauptsächlich energetisch genutzt, also verbrannt, können nun neue Materialien z.B. Kunststoffe daraus hergestellt werden.Ziel von LIGNOS war die Biopolymergewinnung durch neue biotechnologische Verfahren. Die entwickelten Verfahren beschäftigten sich mit dem Aufschluss von Lignocellulose, die in Pflanzenzellwänden enthalten ist. Mit Hilfe optimierter Vorbehandlung und enzymatischer Konversion wird die Lignocellulose fraktioniert und kann zur Herstellung biobasierter Kunststoffe genutzt werden.

Gesunde Lebensweise senkt Darmkrebsrisiko um ein Drittel

Wer nicht übergewichtig ist, nicht raucht, Alkohol nur in Maßen konsumiert, körperlich aktiv ist und sich gesund ernährt, hat ein um etwa ein Drittel vermindertes Risiko, an Dickdarm- bzw. Mastdarmkrebs zu erkranken. Dies ist das Ergebnis einer großen europäischen Langzeitstudie (EPIC*) mit über 347.000 weiblichen und männlichen Studienteilnehmern im Erwachsenenalter.

Combined Impact of Healthy Lifestyle Factors on Colorectal Cancer: A Large European Cohort Study
Krasimira Aleksandrova, Tobias Pischon, Mazda Jenab, H. Bas Bueno-de-Mesquita, Veronika Fedirko, Teresa Norat, Dora Romaguera, Sven Knüppel, Marie-Christine Boutron-Ruault, Laure Dossus, Laureen Dartois, Rudolf Kaaks, Kuanrong Li, Anne Tjønneland, Kim Overvad, J Ramón Quirós, Genevieve Buckland, María-José Sánchez, Miren Dorronsoro, María-Dolores Chirlaque, Aurelio Barricarte, Kay-Tee Khaw, Nicholas Wareham, Kathryn E Bradbury, Antonia Trichopoulou, Pagona Lagiou, Dimitrios Trichopoulos, Domenico Palli, Vittorio Crogh, Rosario Tumino, Alessio Naccarati, Salvatore Panico, Peter Siersema, Petra H Peeters, Ingrid Ljuslinder, Ingegerd Johansson, Ulrika Ericson, Bodil Ohlsson, Elisabete Weiderpass, Guri Skeie, Kristin Benjaminsen Borch, Sabina Rinaldi, Isabelle Romieu, Joice Kong, Marc Gunter, Heather Ward, Elio Riboli and Heiner Boeing; BMC Medicine 2014, 12:168

Nach Ablauf der Sperrfrist ist der Artikel über die Webseite des Journals verfügbar:

http://www.biomedcentral.com/1741-7015/12/168

Junghechtbesatz keine wirklich gute Idee

Das Aussetzen von Junghechten in Gewässer, in denen bereits Artgenossen vorkommen, steigert die Population nicht. Stattdessen drohen unerwünschte Risiken und Nebenwirkungen wie finanzielle Einbußen, das mögliche Einschleppen von Krankheitserregern oder der Verlust genetischer Vielfalt nach Verpaarung von Satz- und Wildfisch. In Gewässern mit stark beeinträchtigter Vermehrung kann Jungfischbesatz hingegen sehr erfolgreich sein. Erfolg und Misserfolg von Besatz hängen eng vom Grad der natürlichen Konkurrenz um Futter und Unterstände ab. Das ergab eine neue Studie des Projekts Besatzfisch am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Quelle
Hühn, D., Lübke, K. Skov, C., Arlinghaus, R. (2014): Natural recruitment, density-dependent juvenile survival, and the potential for additive effects of stock enhancement: an experimental evaluation of stocking northern pike (Esox lucius) fry. Canadian Journal of Fisheries and Aquatic Sciences, 71: 1508-1519.

Neuseeland ein Paradies für Pflanzen mit Geschlechtertrennung

In Neuseeland haben mehrere Pflanzenarten aufgrund der klimatischen Bedingungen des Eiszeitalters eine Form der Geschlechtertrennung ausgebildet. Dies haben jetzt Forscher der Universität Regensburg in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in Christchurch (Neuseeland) nachgewiesen. Das internationale Forscherteam untersuchte die Entwicklungsgeschichte der südpazifischen Pflanzengattung Leptinella (Fiederpolster).

Titel der Originalpublikation:
S. Himmelreich, I. Breitwieser, Ch. Oberprieler: Phylogenetic relationships in the extreme polyploidy complex of the New Zealand genus Leptinella (Compositae: Anthemideae) based on AFLP data, in Taxon 63 (2014)

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