WWWW vom 2.2.2015: Stummelfüßler und Kaltes Plasma

Kleiner Wurm konnte vorausschauen

StummelfüßlerIm Lauf der Evolution hat sich das Leben von einfachen einzelligen Organismen bis zu hochspezialisierten Lebensformen mit komplizierten Organsystemen entwickelt. Die Forschung geht bislang davon aus, dass auch die genetischen Steuermechanismen in den Lebewesen zunächst sehr einfach waren und dann während der Evolution immer komplexer wurden. Eine Überraschung erlebte nun ein Forscherteam der Universitäten Göttingen und Uppsala, als sie die genetischen Entwicklungsmechanismen bei urtümlichen Stummelfüßern untersuchten. Dabei fanden sie kaum nennenswerte Unterschiede der Genregulation bei heutigen Insekten und Stummelfüßern.
Originalveröffentlichung: Janssen et al. Aspects of dorso-ventral and proximo-distal limb patterning in onychophorans, Evolution & Development. Doi:http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ede.12107/full

Zellantennen können senden und empfangen – aber was?

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität Göttingen hat die mikromechanischen Eigenschaften von primären Zilien erforscht. Diese antennenähnlichen Organellen dienen vielen Arten von Zellen in höheren Lebewesen zur Erkennung von Umweltsignalen. Die Wissenschaftler der Göttinger Fakultät für Physik, der National Institutes of Health in Bethesda (USA) und des Vanderbilt Medical Centers in Nashville (USA) benutzten Lichtmikroskopie und optische Pinzetten zur Abbildung und Manipulation der Zilien an den Oberflächen lebender Zellen in Zellkulturen. Dabei stellten sie überraschenderweise fest, dass die Antennen nicht nur passiv Signale empfangen, sondern sich auch aktiv orientieren und bewegen können.
Originalveröffentlichung: Christopher Battle et al. Intracellular and extracellular forces drive primary cilia movement. Proceedings of the National Academy of Sciences (USA) 2015. Doi:http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1421845112.

Radiotherapie verschlimmert Krebsprognose nicht

Wer eine Krebserkrankung von Enddarm oder Gebärmutter überlebt hat, erkrankt in den Folgejahren dreimal häufiger als andere Menschen erneut an einem bösartigen Tumor. Fester Bestandteil der Therapie ist heute die Bestrahlung der Beckenorgane. Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden zeigt, dass die Radiotherapie nicht für diese erhöhte Rate von sekundären Krebserkrankungen verantwortlich ist.
Literatur:
Wiltink LM, Nout RA, Fiocco M, Meershoek-Klein Kranenbarg E, Jürgenliemk-Schulz IM, Jobsen JJ, Nagtegaal ID, Rutten HJ, van de Velde CJ, Creutzberg CL, Marijnen CA. No Increased Risk of Second Cancer After Radiotherapy in Patients Treated for Rectal or Endometrial Cancer in the Randomized TME, PORTEC-1, and PORTEC-2 Trials. J Clin Oncol. 2014; doi: 10.1200/JCO.2014.58.6693. Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25534376

Saubermachen mit Kaltem Plasma

Professor Dr. Günter Klein und Dr. Birte Ahlfeld aus dem Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) haben zusammen mit Wissenschaftlern der Max-Planck-Gesellschaft und dem Sanitätsdienst der Bundeswehr untersucht, wie gut sich mit Noroviren kontaminierte Oberflächen mit Kaltem Plasma desinfizieren lassen.

Inactivation of a foodborne norovirus outbreak strain with nonthermal atmospheric pressure plasma
Birte Ahlfeld, Yangfang Li, Annika Boulaaba, Alfred Binder, Ulrich Schotte, Julia L. Zimmermann, Gregor Morfill, Günter Klein
mBio, DOI: 10.1128/mBio.02300-14

Babyhirn braucht Schlaf zum Verarbeiten der Informationen

Das Baby-Gehirn gibt keine Ruhe – nicht mal im Schlaf. Wenn Kleinkinder schlafen, verarbeiten sie zuvor Gelerntes. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben zusammen mit Forschern der Universität Tübingen herausgefunden, dass sich Babys im Alter von 9 bis 16 Monaten durch ein kurzes Schläfchen die Namen von Gegenständen besser merken. Außerdem können sie erst nach dem Schlaf gelernte Namen auf neue ähnliche Gegenstände übertragen.

Originalpublikation:
Manuela Friedrich, Ines Wilhelm, Jan Born, and Angela D. Friederici
Generalization of word meanings during infant sleep
Nature Communications, 29. Januar 2015

6 thoughts on “WWWW vom 2.2.2015: Stummelfüßler und Kaltes Plasma”

  1. Interessant dass es das schon gegeben hat, aber ich kann auch nichts finden was den Hausgebrauch angeht. Ich könnte mir vorstellen dass neben den Kosten Leute vor dem Namen Angst haben – klingt ja schon wie Laserschwert oder?

  2. Laserschwert zum Toilette putzen, eine interessante Vorstellung. Wie kann das über haupt in der Praxis funktionieren. Da braucht man sicher so was wie einen kærcher für Plasma und nicht so einen kleinen Fön.

  3. Hallo Thomas!
    Erst mal herzlichen Glückwunsch nachträglich zum 10jährigen Podcast-Jubiläum! Ich höre gerade die verpassten Folgen nach seit August 2014, kurz nach einer persönlichen Katastrophe.
    Und Du hast Recht; es ist fast immer so, dass man beim Hören gerade nicht zum Kommentieren kommen kann, besonders wenn man ein Fahrzeug steuert. In meinem Podcast-Programm iCatcher für iOS kann ich zwar rasch ein Bookmark setzen, aber wenn ich dem auch noch einen Namen geben soll, ist das zu viel. Und das ist schade eigentlich: es würde ja schon helfen, einen kleinen, aber nicht zu kleinen Aufnahmeknopf zu haben, der eine kurze Sprachnotiz aufzeichnen lässt, die dann mit der Stelle in der Episode verknüpft ist (die dann schlauerweise nicht gelöscht wird nach dem Anhören!). Aber das ist vermutlich kompliziert zu implantieren…? Werde ich den Entwickler Joe mal fragen (JoeIsANerd.com).
    Nun, Du hattest ja darüber sinniert, inwieweit unsere Kaufentschlüsse rational begründet sind — und ich würde schon fast sagen, scheinen…

    Dazu werde ich später mal schreiben; auf jeden Fall glaube ich, dass bei mir beides eine Rolle spielt, also Gefühl und Verstand…

    LG, Felix
    Und mit LG ist hier „Liebe Grüße“ gemeint…! 😉

  4. Hallo Felix, danke für den Kommentar. Ja, das mit dem Kommentieren in Podcasts haben schon viele versucht, und ich kenne keine erfolfgreiche Lösung. Am einfachsten wäre wohl die Kommentarfunktion des Blogs irgendwie in den Podcastplayer einzubinden, oder zumindest einen Button der die Kommentare des entsprechenden Beitrags anzeigt.

    SG Thomas
    (SG=Sonnige Grüße) 🙂

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