WWWW vom 2.3.2015: Zwangsstörungen, Froschsterben und Vielteilchensysteme

Fehldiagnose Psychische Erkrankung?

Der Anteil von Frühberentungen im Jahr 2013 wegen psychischer und psychosomatischer Erkrankungen bei Frauen liegt bei 48 Prozent, bei Männern gehen 35 Prozent wegen einer psychischen Erkrankung vorzeitig in den Ruhestand. Interessant: Wegen körperlicher Leiden erfolgen Frühberentungen in der Regel drei Jahre später. Experten diskutieren am 4. März in Rostock das Thema: „Psychische Gesundheit, Arbeit und Gesellschaft“.

Zwangsstörungen oft spät diagnostiziert

In Deutschland leiden jedes Jahr etwa 2,3 Millionen Menschen unter den Symptomen einer Zwangsstörung. Die Krankheit beeinträchtigt nicht nur stark das eigene Leben, sondern auch das der Angehörigen. Trotzdem finden Zwangsstörungen im Versorgungssystem heute nur wenig Beachtung. Häufig werden sie falsch, spät oder gar nicht diagnostiziert.

Weitere Informationen:
http://www.dgppn.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/article//zwangsstoer..

Oxytocin kann Alkoholikern helfen

Neurobiologen und Psychologen der Universität Regensburg und der University of Sydney haben nachgewiesen, dass das Neuropeptid Oxytocin, auch bekannt als „Kuschelhormon“, den negativen Einfluss von Alkohol auf motorische Fähigkeiten deutlich verringert.
Der Original-Artikel im Internet unter:
www.pnas.org/content/early/2015/02/17/1416900112.full.pdf+html

Menschliches Hirn-Gen gefunden

Rund 99 Prozent der Gene haben wir Menschen mit den Schimpansen gemeinsam, der kleine Rest unterscheidet uns. Ein wichtiger Unterschied: Das Gehirn des Menschen ist dreimal so groß wie das von Schimpansen. Im Laufe der Evolution müssen also in unserem Genom Veränderungen erfolgt sein, die dieses Gehirnwachstum ausgelöst haben. Forschern am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden ist es gelungen, ein Gen zu identifizieren, das nur im Menschen vorkommt und zur Vermehrung der sogenannten basalen Hirn-Stammzellen beiträgt.
Originalpublikation:
Marta Florio, Mareike Albert, Elena Taverna, Takashi Namba, Holger Brandl, Eric Lewitus, Christiane Haffner, Alex Sykes, Fong Kuan Wong, Jula Peters, Elaine Guhr, Sylvia Klemroth, Kay Prüfer, Janet Kelso, Ronald Naumann, Ina Nüsslein, Andreas Dahl, Robert Lachmann, Svante Pääbo, Wieland B. Huttner
Human-specific gene ARHGAP11B promotes basal progenitor amplification and neocortex expansion

Umweg stoppt Ebola-Viren

Um in die Wirtszellen zu gelangen, spannt das tödliche Ebola-Virus die Zellmaschinerie ein – unter anderem bestimmte Calcium-Kanäle der Zellwand. Die lassen sich mit einem Wirkstoff blocken, was im Tiermodell die Infektion stoppt.

Froschpilz nun auch auf Madagaskar

Baumfrosch
Der für Amphibien tödliche Chytridpilz wurde erstmals auf Madagaskar nachgewiesen. Die Seuche erreicht damit einen Hotspot der Artenvielfalt. Auf der Insel im Indischen Ozean gibt es rund 290 Amphibienarten, die nur dort leben. Weitere 200 Froscharten, die noch nicht beschrieben sind, werden zudem dort vermutet.
Publikation:
Molly C. Bletz, Gonçalo M. Rosa, Franco Andreone , Elodie A. Courtois, Dirk S. Schmeller, Nirhy H. C. Rabibisoa, Falitiana C. E. Rabemananjara, Liliane Raharivololoniaina, Miguel Vences, Ché Weldon, Devin Edmonds, Christopher J. Raxworthy, Reid N. Harris, Matthew C. Fisher, Angelica Crottini (2015): Widespread presence of the pathogenic fungus Batrachochytrium dendrobatidis in wild amphibian communities in Madagascar. Sci. Rep. 5, 8633; DOI:10.1038/srep08633
http://nature.com/articles/doi:10.1038/srep08633
http://dx.doi.org/10.1038/srep08633

Modell zeigt wie Atome beim Tunneln kontrolliert werden können

Die Bewegungen mehrerer, miteinander wechselwirkender Körper zu verstehen, gehört zu den zentralen Forschungsfragen in der Physik. Während zunächst das Verständnis der Bahnen von Himmelskörpern im Vordergrund stand, hat diese Fragestellung in quantenmechanischen Vielteilchensystemen, beispielsweise bei der Beschreibung von Elektronen in einem Festkörper, seine moderne Entsprechung gefunden. Physikern der Universität Heidelberg ist nun der erste Schritt auf einem neuen Weg zur Klärung solcher Zusammenhänge gelungen.
Originalveröffentlichung:
S. Murmann, A. Bergschneider, V. M. Klinkhamer, G. Zürn, T. Lompe, S. Jochim: Two Fermions in a Double Well: Exploring a Fundamental Building Block of the Hubbard Model,
doi: 10.1103/PhysRevLett.114.08040

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