WWWW vom 8.6.2015: Untreue Kohlmeisen, leuchtende Pflanzenabwehr und Mammographie-Studien

Calciumionen machen Pflanzenabwehr sichtbar

Raupenfrass
Wird eine Pflanze von Schädlingen attackiert, löst dies eine ganze Reihe von physiologischen Reaktionen in der Pflanze aus. Wesentliche Botenstoffe für die Verarbeitung von Verwundungsreizen innerhalb pflanzlicher Zellen sind Calciumionen. Sie steuern die Signalweiterleitung und somit indirekt die pflanzliche Verteidigung. Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena und des Instituts für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle ist es jetzt gelungen, die unmittelbaren Reaktionen von Pflanzen auf Verwundungen oder Raupenfraß sichtbar zu machen.
Originalveröffentlichung:
Kiep, V., Vadassery, J., Lattke, J., Maaß, J.-P., Boland, W., Peiter, E., Mithöfer, A. (2015). Systemic cytosolic Ca2+ elevation is activated upon wounding and herbivory in Arabidopsis. New Phytologist. doi: 10.1111/nph.13493
http://dx.doi.org/10.1111/nph.13493

Verstehen, wie Bewegung und Orientierung zusammenarbeiten

Bonner Forscher haben in den Hirnen von Mäusen neuronale Schaltkreise identifiziert, die für die Fortbewegung und die Navigation im Raum von zentraler Bedeutung sind. Diese Nervenzellen, die in ähnlicher Form auch beim Menschen vermutet werden, geben das Startsignal für eine Fortbewegung und versorgen das Gehirn zudem mit Geschwindigkeitsinformationen.

Originalveröffentlichung
„Locomotion, Theta Oscillations, and the Speed-Correlated Firing of Hippocampal Neurons Are Controlled by a Medial Septal Glutamatergic Circuit”, Falko Fuhrmann, Daniel Justus, Liudmila Sosulina, Hiroshi Kaneko,Tatjana Beutel, Detlef Friedrichs, Susanne Schoch, Martin Karl Schwarz, Martin Fuhrmann, Stefan Remy, Neuron 2015, doi: 10.1016/j.neuron.2015.05.001

Video-Abstract
https://www.youtube.com/watch?v=Q8BGehgXK94

Weltweit bis zu 53000 Baumarten

In einem Großprojekt haben Forscher aus 43 Ländern die Zahl der tropischen und subtropischen Baumarten ermittelt. Aufgrund von Kartierungen und Hochrechnungen schätzen sie, dass es weltweit 40.000 bis 53.000 Baumarten gibt.

An estimate of the number of tropical tree species,
J. W. Ferry Slik et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, 2015, doi: 10.1073/pnas.1423147112.

Verschlafene Kohlmeisen-Männer werden öfter betrogen

Spätes Aufstehen ist gemütlicher, aber es verringert auch den Fortpflanzungserfolg – zumindest wenn man eine Kohlmeise ist. Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und Radolfzell haben zusammen mit Kollegen aus den Vereinigten Staaten nämlich herausgefunden, dass Kohlmeisen, die später als ihre Artgenossen aufstehen, öfter von ihren Weibchen betrogen werden. Die Ergebnisse bringen neue Erkenntnisse für das Verständnis der Evolution der inneren Uhr.
Weitere Informationen:
http://orn.iwww.mpg.de/3574832/news_publication_9259165?c=2162

Mammographie I: WHO-Studie gibt grünes Licht für Früherkennung

Das unabhängige Expertengremium, welches von der International Agency for Research on Cancer (IARC) der WHO einberufen wurde, kommt zu dem Schluss, dass der Nutzen des MammographieScreenings für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren klar den potenziellen Schaden überwiege. Für Teilnehmerinnen werde die Brustkrebssterblichkeit um etwa 40 Prozent gesenkt. Die zusammengefassten Ergebnisse wurden jetzt online im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Lauby-Secretan B et al. for the International Agency for Research on Cancer Handbook Working Group (2015)
Breast-Cancer Screening – Viewpoint of the IARC Working Group. June 3, 2015 DOI: 10.1056/NEJMsr1504363

Mammographie II: Kanada-Studie angeblich mit methodischen Fehlern

Als einzige von 8 randomisierten kontrollierten Screeningstudien zeigte die 1980-1985 durchgeführte „Kanada-Studie“ keine Reduktion der Brustkrebssterblichkeit. Dieses Ergebnis wurde nach 25 Jahren Nachbeobachtung erneut veröffentlicht. Die Aussagekraft der „Kanada-Studie“ sei jedoch stark in Zweifel zu ziehen, denn sie weise erhebliche methodische Mängel auf. Schlechte Mammographie-Qualität, unsaubere Studiendurchführung sowie fehlende ärztliche Qualitätssicherung: So lautet das Fazit der aktuellen systematischen Analyse der Original-Literatur zur Canadian National Breast Cancer Screening Study (CNBSS) von Heywang-Köbrunner und Katalinic.

Literatur: Heywang-Köbrunner SH, Schreer I, Hacker A, Noftz MR, Katalinic A( 2015) Conclusions for mammography screening after 25-year follow-up of the Canadian National Breast Cancer Screening Study (CNBBS). Eur Radiol doi 10.1007/s00330-015-3849-2 Miller AB, Wall C, Baines CJ et al (2014) Twenty five year follow-up for breast cancer incidence and mortality of the Canadian National Breast Screening Study: randomized screening trial. BMJ 348:g366 Gøtzsche PC, Jørgensen KJ (2013) Screening for breast cancer with mammography. Cochrane Database Syst Rev 6, CD001877. Doi:10.1003/14651858. CD001877.pub5

Neues Bakterium hat kommerziellen Potenzial

Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Umweltmikrobiologie um Prof. Dr. Michael Schlömann an der TU Bergakademie Freiberg haben eine neue Bakterienart entdeckt und charakterisiert. Das Bakterium wurde aus einer Erdprobe isoliert und konnte nun im Rahmen einer Stammbeschreibung als neue Art klassifiziert werden. Gemäß dem Ort seiner Isolierung und Beschreibung wurde der Organismus nach dem altlateinischen Namen der Stadt Freiberg benannt und auf Sphingopyxis fribergensis getauft.

Weitere Informationen:

http://’http://tu-freiberg.de/fakultaet2/bio/environmental-microbiology – Informationen zur Arbeitsgruppe Mikrobiologie am Institut für Biowissenschaften der TU Bergakademie Freiberg’
http://’http://tu-freiberg.de – TU-Homepage’

Nochmal der Link zur Indiegogo-Kampagne EIN WISSENSCHAFTSBUCH FUER LAOS

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