WWWW vom 17.8.2015: Wenn aus Tattoos Blausäure wird

Spielfreudige Affen wachsen langsamer

DE: Wildlebende Assammakakenkinder inspizieren ein Knie (Phu Khieo Wildlife Sanctuary, Thailand). - EN: Wild Assamese macaque infants inspecting a knee at the Phu Khieo Wildlife Sanctuary in northeastern Thailand.
DE: Wildlebende Assammakakenkinder inspizieren ein Knie (Phu Khieo Wildlife Sanctuary, Thailand). – EN: Wild Assamese macaque infants inspecting a knee at the Phu Khieo Wildlife Sanctuary in northeastern Thailand.
Raufen, Klettern, Springen – Spielen macht Spaß und fördert die Entwicklung, ist aber auch sehr anstrengend. Verhaltensbiologen vermuten daher, dass Tiere nur dann intensiv spielen, wenn sie überschüssige Energie zur Verfügung haben oder wenn das Spielen überlebenswichtige Vorteile mit sich bringt. Wissenschaftler um Julia Ostner von der Universität Göttingen und dem Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung haben dies an jungen Assammakaken in ihrem natürlichen Lebensraum in Thailand untersucht. Sie haben herausgefunden, dass die Tiere, die viel und wild spielen, langsamer wachsen als ihre gemütlicheren Artgenossen.
Originalveröffentlichung

Andreas Berghänel, Oliver Schülke, Julia Ostner (2015): Locomotor play drives motor skill acquisition at the expense of growth: a life history trade-off. Science Advances.http://advances.sciencemag.org/content/1/7/e1500451

Wie Zebrafischen wieder Flossen wachsen

Im Gegensatz zum Menschen sind Fische imstande, amputierte Körperteile vollständig wiederherzustellen. Ein prominentes Beispiel ist der Zebrabärbling, der auch als Zebrafisch bezeichnet wird. Seine Schwanzflosse regeneriert nach einer Verletzung innerhalb von drei Wochen vollständig. Wie wird die Produktion neuer Knochenzellen gesteuert, und wie gelingt es dem Zebrabärbling, dass das Skelett der wiederhergestellten Flosse wieder genauso aussieht wie das der ursprünglichen Flosse? Prof. Dr. Gerrit Begemann, Professor für Entwicklungsbiologie an der Universität Bayreuth, und seiner Doktorandin Nicola Blum ist es jetzt gelungen, wichtige Aspekte dieser Prozesse aufzuklären.
Veröffentlichung:
Nicola Blum and Gerrit Begemann, Osteoblast de- and redifferentiation is controlled by a dynamic response to retinoic acid during zebrafish fin regeneration.
Development 2015, Vol 142 / Issue 17; posted ahead of print August 7, 2015,
doi: 10.1242/dev.120204

Überschätzung kann teuer werden

Immer wieder erschüttern Fälschungsskandale wie der Fall Wolfgang Beltracchi Kunstmarkt und Kunstgeschichte. Eine Erklärungshypothese für die sich stetig wiederholenden Betrugs- und Täuschungsversuche besagt, dass Experten sich nach jedem aufgedeckten Fall in der falschen Sicherheit wiegen, ein solcher Betrug werde sich nicht mehr wiederholen – vor allem, weil sie sich im Rückblick sicher sind, dass die Fälschungen tatsächlich einfach zu enttarnen gewesen wären. Mit Hilfe eines Experiments haben nun Nachwuchswissenschaftler des Instituts für Europäische Kunstgeschichte und des Instituts für Psychologie der Universität Heidelberg unter der Leitung des Kunsthistorikers Prof. Dr. Henry Keazor gezeigt, dass dieses Phänomen der rückblickenden Selbstüberschätzung den wiederkehrenden Erfolg von Kunstfälschern erklären kann.

Warmes Wasser schmilzt Polareis

Warmes Wasser aus tieferen Meeresschichten kann signifikant zum Abschmelzen von polaren Eismassen beitragen. Untersuchungen eines internationalen Forscherteams zeigen, dass veränderte Strömungsverhältnisse vor 30.000 Jahren für einen Temperaturanstieg im Bodenwasser des Nordpolarmeers sorgten und eine Eisschmelze im Nordpolarmeer verursachten.
Originalarbeit:
Thornalley, D.J.R., Bauch, H.A., Gebbie, G. Guo, W., Ziegler, M., Bernasconi, S.M., Barker, S., Skinner, L.C., Yu. J. (2015): A warm and poorly ventilated deep Arctic Mediterranean during the last glacial period. Science (online), doi 10.1126/science.aaa9554

Tattooentfernung kann gefährlich sein

Mit der zunehmenden Verbreitung von Tätowierungen steigt auch der Trend, diese wieder zu entfernen. Daten zur Bewertung der Sicherheit der Entfernungsmethoden fehlen jedoch bislang. Das BfR hat nun mittels moderner analytischer Methoden die Spaltprodukte bestimmt, die bei Rubinlaserbestrahlung des kupferhaltigen Pigments Phthalocyanin-Blau entstehen. Dazu gehören 1,2-Benzendicarbonitril, Benzonitril, Benzol sowie Blausäure.
Mehr Infos

http://www.bfr.bund.de/cm/343/anforderungen-an-taetowiermittel.pdf

http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/taetowierung-4929.html

http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_taetowiermitteln-187854.html

Aussehen verändert Populatiosgrößen

Warum die Populationsgrößen von Pflanzen- und Tierarten mehr oder weniger stark schwanken, ist eine Frage, die die Ökologie schon lange bewegt. Forscher der Linnaeus University in Schweden und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben nun ein wichtiges Detail zur Beantwortung dieser Frage gefunden. Dazu untersuchten sie über einen Zeitraum von elf Jahren nachtaktive Falter (Motten) und fanden heraus, dass individuelle Unterschiede der Tiere eine positive und stabilisierende Wirkung auf die Population haben.

Publikation:
Forsman, A., Betzholtz, P-E., and Franzén, M. (2015): Variable coloration is associated with dampened population fluctuations in noctuid moths. Proceedings of the Royal Society B 282: 20142922.
http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2014.2922

PODCASTEMPFEHLUNG

http://www.exponiert.berlin/

“Exponiert” ist ein Museumsspaziergangs-Podcast von Ulrike Kretzmer

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