WWWW vom 14.9.2015: Schöne Fußballer und Algen gegen Herpes

Wie man den Meeresspiegel um 50 Meter ansteigen lässt

Das Ende des Ewigen Eises: Würden alle weltweit verfügbaren fossilen Ressourcen von Kohle, Öl und Gas verbrannt, könnte das ein vollständiges Abschmelzen der antarktischen Eisdecke verursachen. Das zeigt eine neue Studie, die jetzt in Science Advances veröffentlicht wird. Das Eis der Antarktis hält Wassermassen, die einem Meeresspiegelanstieg von mehr als 50 Metern entsprechen.

Artikel: Winkelmann, R., Levermann, A., Ridgwell, K., Caldeira, K. (2015): Combustion of available fossil-fuel resources sufficient to eliminate the Antarctic Ice Sheet. Science Advances

Böden speichern CO2 unterschiedlich

Die Rolle von Niederschlag und Temperatur bei der Kontrolle der Kohlenstoffdynamik im Boden ist weit differenzierter als bislang angenommen. Dies zeigt die einen Großteil Chiles und der Antarktischen Halbinsel abdeckende Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams zum vieldiskutierten Thema der Kohlenstoffspeicherung in Böden unter dem Einfluss des Klimawandels.

Doetterl S., Stevens A., Six J., Merckx R., Van Oost K., Casanova-Pinto M., Casanova-Katny A., Muñoz C., Boudin M., Zagal Venegas E., Boeckx P. 2015. Soil carbon storage controlled by interactions between geochemistry and climate. Nature Geoscience, DOI: 10.1038/ngeo2516.

Sensor misst Wasser in der Bodenkruste

bodensensor
Biologische Bodenkrusten aus Flechten Algen und Moosen nehmen eine wichtige Rolle in Ökosystemen der Erde ein. Sie fixieren große Mengen Kohlendioxid und Stickstoff und geben gleichzeitig bedeutende Mengen des Treibhausgases Lachgas ab. Um ihre Fixierungs- und Freisetzungsprozesse im Detail untersuchen und verstehen zu können, sind Informationen zur Bodenfeuchtigkeit von entscheidender Bedeutung. Bisher jedoch existierte kein Sensor, der den Wassergehalt in den obersten Millimetern des Bodens mit ausreichender Genauigkeit ermitteln kann. Diese Lücke schließt nun eine Neuentwicklung von Bettina Weber und Kollegen am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.
Originalpublikation
B. Weber, Th. Berkemeier, N. Ruckteschler, J. Caesar, H. Heintz, H. Ritter, H. Braß: “Development and calibration of a novel sensor to quantify the water content of surface soils and biological soil crusts”, Methods in Ecology and Evolution (2015), doi: 10.1111/2041-210X.12459

Spirulina hilft gegen Herpes

Gemeinsam mit dem Dermatologikum Hamburg und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ist es Forscherinnen und Forschern des Heinrich-Pette-Instituts (HPI) gelungen, die Wirksamkeit des Polysaccharides Calcium-Spirulan (Ca-SP) aus der Blaualge Spirulina platensis gegen das Herpes simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) nachzuweisen. Eine Creme aus dem Algenextrakt und dem Polysaccharid schützt effektiv vor Lippenherpes, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einer Beobachtungsstudie zeigen konnten.
Mader J, Gallo A, Schommartz T, Handke W, Nagel CH, Günther P, Brune W, Reich K (2015). Calcium spirulan derived from Spirulina platensis inhibits HSV-1 attachment to human keratinocytes and protects against herpes labialis. J Allergy Clin Immunol. 2015 Sep 2. pii: S0091-6749(15)01033-7. doi: 10.1016/j.jaci.2015.07.027.

Infarktmarker können auch falsch interpretiert werden

Brechen Menschen nach großer sportlicher Anstrengung zusammen, bestimmen Ärzte routinemäßig auch Blutwerte, die auf einen Herzinfarkt oder eine Lungenembolie hinweisen. Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) haben zu diesem Thema systematisch Studien ausgewertet und einen „Selbstversuch“ unternommen. Ihr Fazit: Nach extremer sportlicher Betätigung wie einem Marathon sind auch bei gesunden Menschen die Infarktwerte erhöht.
Biomarker Changes after Strenuous Exercise Can Mimic Pulmonary Embolism and Cardiac Injury—A Metaanalysis of 45 Studies, Clinical Chemistry 61:10

Bonobo-Weibchen können einfache Gestik

Fingerzeig und pantomimisches Spiel sind wichtige Bestandteile der menschlichen Kommunikation. Doch bei Tieren gab es für diese Art der Kommunikation bisher kaum Belege. Die Forscherinnen Pamela Heidi Douglas und Liza Moscovice vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig machten jetzt eine interessante Entdeckung: Um Konflikte zu vermeiden, laden Bonobo-Weibchen andere Weibchen mittels Zeigegeste und pantomimischem Hüftschwung zu einem friedensstiftenden Techtelmechtel ein. Diese Beobachtung wirft nun neue spannende Fragen zur Evolution der menschlichen Sprache und Kommunikation auf.
Pamela Heidi Douglas and Liza R. Moscovice
Pointing and pantomime in wild apes? Female bonobos use referential and iconic gestures to request genito-genital rubbing
Scientific Reports; 11 September, 2015 (DOI: 10.1038/srep13999)

Schöne Fußballer bekommen mehr Geld

Dass es attraktive Menschen im Leben leichter haben, ist eine bekannte Tatsache. Sie verdienen mehr, haben bessere Chancen bei der Partnersuche und werden bei Straftaten weniger streng bestraft. Aber zahlt sich Attraktivität auch bei Fußballern aus? Werden attraktive Kicker häufiger aufgestellt, trauen ihnen die Trainer eine bessere Leistung zu, sind sie bei den Fans beliebter?
Prof. Dr. Ulrich Rosar, Dr. Jörg Hagenah, Prof. Dr. Markus Klein, 2014: Physical Attractiveness and monetary success in German Bundesliga. Soccer & Society (Online Version, Download:http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/14660970.2014.980742#.VfE_Wpftjao).

PODCASTEMPFEHLUNG

Benjamin Hyneck
Heute mal ein englischsprachiger Podcast, der auch gar nichts mit Wissenschaft zu tun hat, aber von einem deutschen Freund von mir gemacht wird. Benjamin Hyneck hat erst vor kurzem mit www.3qtalk.com angefangen und schon ein beachtliches Repertoire hochgeladen. Er spricht mit Menschen die er irgendwo kennenlernt oder trifft, und stellt Ihnen drei Fragen. Dabei kommt meist eine Konversation heraus, die über eine Stunde dauert. Einer meiner Favoriten.

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