WWWW vom 28.9.2015: Pumpende Fledermäuse, Pferde und Protuberanzen

Feldermäuse pumpen Nektar aus der Blüte

newsimage266331Ulmer Forscher haben bei neotropischen Blumenfledermäusen eine bisher unbekannte Form der Nektaraufnahme entdeckt: Neben dem üblichen Auslecken von Nektar aus Blüten mittels schneller Zungenbewegungen haben sie erstmals Arten beobachtet, die ihre Zunge als Pumpe einsetzen, um Nektar aus nächtlich blühenden Pflanzen zu fördern.
Marco Tschapka, Tania Paulina Gonzalez-Terrazas, Mirjam Knörnschild: Nectar uptake in a mammal using a novel pumping tongue mechanism. Science Advances. http://advances.sciencemag.org/

Erbgut von Pferden entschlüsselt

Zum ersten Mal hat ein internationales Forscherteam das komplette Erbgut von elf Pferden sequenziert, einschließlich aller Abstammungslinien. Fünf Pferdeproben stammten von mehr als 100 Jahre alte Museumsexemplaren. Die Genome wurden mit dem Erbgut von 28 Hauspferden verglichen, um ein detailliertes Bild der Vergangenheit und Gegenwart der bedrohten Tiere zu erhalten.
Publikation:
Sarkissian CD, Ermini L, Schubert M, Yang MA, Librado P, Fumagalli M, Jónsson H, Bar-Gal GK, Albrechtsen A, Vieira FG, Petersen, B, Ginolhac A, Seguin-Orlando A, Magnussen K, Fages A, Gamba C, Lorente B, Polani S, Steiner C, Neuditschko M, Jagannathan V, Feh C, Greenblatt CL, Ludwig A, Abramson N, Zimmermann W, Schafberg R, Tikhonov A, Sicheritz-Ponten T, Willerslev E, Marques-Bonet T, Ryder OA, McCue M, Rieder S, Leeb T, Slatkin M, Orlando L (2015): Evolutionary genomics and conservation of the endangered Przewalski’s horse. CURR BIOL. doi.org/10.1016/j.cub.2015.08.032.

Transfette nicht so gefährlich wie gedacht?

Geringe Mengen von Transfettsäuren (TFA) im Blut sind entgegen früherer Annahmen auch dann nicht schädlich, wenn die Fette aus industrieller Produktion stammen. Dies zeigt eine neue Studie, über deren Ergebnisse Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und der Ludwig Maximilians Universität München (LMU) aktuell im European Heart Journal berichten.
Publikation
Trans Fatty Acids and Mortality in Patients referred for Coronary Angiography – The Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health Study
Marcus E. Kleber, Graciela E Delgado, Stefan Lorkowski, Winfried März, and Clemens von Schacky.
European Heart Journal
DOI: 10.1093/eurheartj/ehv446

Auf dem Weg zum Omnitranslator

Online-Übersetzungssysteme lernen Sprachen, indem sie große Mengen von mehrsprachigen Texten mit statistischen Lernverfahren verarbeiten. Dabei berechnen sie die Wahrscheinlichkeiten bestimmter Wortfolgen. Sprachen sind aber nicht bloß Folgen von Wörtern, sondern haben eine grammatische Struktur. Das Language Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz entwickelt zur Zeit eine hybride Übersetzungstechnologie, die statistische Systeme mit linguistischem Wissen und semantischem Wissen aus dem Internet anreichert, um bessere Übersetzungsergebnisse zu erzielen.

Schatten umgehen um Solarpanel-Effizienz zu steigern

Ein Erfolgsfaktor für die Energiewende ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Allerdings ist deren Wirkungsgrad gegenüber herkömmlichen Energiequellen zum Teil noch deutlich geringer. Die Effizienz von handelsüblichen Solarzellen beispielsweise liegt bei etwa 20 Prozent. Wissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) veröffentlichten nun einen unkonventionellen Weg, um die Effizienz der Panels zu steigern: Optische Tarnkappen leiten das Sonnenlicht um Objekte, wie etwa die Kontakte zur Stromabfuhr herum, die eigentlich einen Schatten auf das Solarpanel werfen.
Veröffentlichung:
Martin F. Schumann, Samuel Wiesendanger, Jan Christoph Goldschmidt, Benedikt Bläsi, Karsten Bittkau, Ulrich W. Paetzold, Alexander Sprafke, Ralf B. Wehrspohn, Carsten Rockstuhl, and Martin Wegener, “Cloaked contact grids on solar cells by coordinate transformations: designs and prototypes,” Optica 2, 850-853 (2015)
DOI: 10.1364/OPTICA.2.000850

Weitere Informationen zur Tarnkappen-Forschung am KIT:
http://www.kit.edu/kit/pi_2014_15233.php und
http://www.kit.edu/kit/pi_2011_6866.php

Doppler-Formel funktioniert nicht bei Protuberanzen

Sonnen-Protuberanzen sind Plasmawolken, die mehr als 100.000 Kilometer über den Rand der Sonnenoberfläche hinausragen können. Die Wolken bestehen im Inneren aus bis zu 150 Kilometer dicken „Fasern“. Diese sind mit einer Temperatur von rund 7.000 Grad deutlich kälter als ihre Umgebung – die bis zu 1,5 Millionen Grad heiße Sonnenkorona. Die Erforschung von Protuberanzen erfolgt durch Analyse der Spektral-Linien, die sie aussenden. Aus deren Breiten wird mit der „Doppler-Formel“ die Temperatur ermittelt. Wissenschaftler der Universitäten Göttingen und Paris haben jetzt gezeigt, dass diese Doppler-Formel in Protuberanzen nicht angewandt werden kann.
Originalveröffentlichung: Goetz Stellmacher, Eberhard Wiehr. Non-thermal line-broadening in solar prominences. Astronomy and Astrophysics 2015. Doi: http://dx.doi.org/10.1051/0004-6361/201322781.

Smartphones machen uns immer unaufmerksamer

Smartphones machen abhängig, unproduktiv und unglücklich: Das ist das Fazit von Alexander Markowetz, Forscher der Universität Bonn. Der Juniorprofessor für Informatik hat mit Hilfe einer App die Handy-Nutzung von 60.000 Personen ausgewertet. In seinem Buch “Digitaler Burnout”, das im Droemer Knaur-Verlag erscheint, erklärt der Forscher die Zusammenhänge und beschreibt die dramatischen Folgen für unser Privatleben und die Arbeitswelt.
Publikation: Alexander Markowetz: Digitaler Burnout, Droemer Knaur, Oktober 2015, 288 S., 19,99 Euro

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