WWWW vom 1.2.2016: Weberknecht-Penis und Zika-Virus

Inseln schrumpfen durch Menschenhand

Takku-Atoll
Seit einigen Jahrzehnten steigt der Meeresspiegel unaufhaltsam – im Schnitt 3,3 mm im Jahr. Inwieweit machen sich die Folgen des Meeresspiegelanstiegs bereits heute auf den Riffinseln bemerkbar? Obwohl der Anstieg des Meeresspiegels bereits vor rund 100 Jahren begann und seit den 1990er Jahren noch deutlich schneller verläuft, hat sich die Vegetationsfläche der Takuu-Inseln zwischen 1943 und 2012 insgesamt sogar um drei Prozent vergrößert.
Publikation
Mann, T., Bayliss-Smith, T., Westphal, H. (2015). A Geomorphic Interpretation of Shoreline Change Rates on Reef Islands. Journal of Coastal Research. DOI: 10.2112/JCOASTRES-D-15-00093.1

Heutiges Klima weit über Normalwerten

Über die vergangenen Jahrzehnte haben sich die Sommer im größten Teil Europas immer stärker erwärmt, begleitet von extremen Hitzewellen wie in 2013, 2010 und 2015. Neueste Forschungen unter der Leitung des Gießener Geographen und Klimaforschers Prof. Dr. Jürg Luterbacher setzen die aktuelle Erwärmung in einen historischen Kontext, der eine Spanne von 2100 Jahre umfasst. Mit Hilfe von Baumring-Daten und historisch dokumentierten Hinweisen konnte eine neue Rekonstruktion der europäischen Sommertemperaturen erstellt werden.
Publikation:
Luterbacher J et al. 2016: European summer temperatures since Roman times. Environmental Research Letters 11, 024001, doi: 10.1088/1748-9326/11/1/024001

LED-Projekt soll Seltene Erden einsparen

Leuchtdioden (LEDs) sind energieeffizient und quecksilberfrei, beanspruchen jedoch kritische Ressourcen. Im Verbundprojekt cycLED arbeiteten Wissenschaft und Wirtschaft daran, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren, die Lebensdauer von LED-Produkten zu erhöhen und ein besseres Recycling zu fördern. CycLED gehört zu den Projekten am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM, die vergangenes Jahr abgeschlossen wurden.

Mutationen besser verstehen

In vielen Tumoren sind bestimmte Enzyme, die an der Regulierung der Genaktivität mitwirken, stark mutiert. Die Molekularbiologen Matthias Becker und Professor Albrecht Müller von der Universität Würzburg interessieren sich für die Gruppe der so genannten KDM6-Enzyme. Diese sind bei Blasenkrebs, Leukämien und anderen Krebsformen sehr oft mutiert und funktionieren dann nicht mehr richtig. Wie sich die Mutationen in den Krebszellen genau auswirken, ist bislang unbekannt. Doch die Würzburger Wissenschaftler haben jetzt erste Hinweise gefunden: Offenbar tragen die Mutationen dazu bei, dass sich DNA-Schäden anhäufen.

Inhibition of KDM6 activity during murine ES cell differentiation induces DNA damage, Christine Hofstetter, Justyna M. Kampka, Sascha Huppertz, Heike Weber, Andreas Schlosser, Albrecht M. Müller, Matthias Becker, Journal of Cell Science 2016, DOI 10.1242/jcs.175174

Risikofaktoren bekämpfen, Alzheimer verhindern

Leipziger Demenzforscher haben berechnet, dass deutschlandweit rund ein Drittel der Alzheimer-Erkrankungen auf Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes zurückgehen. Sie plädieren dafür, sich in der Prävention von Alzheimer verstärkt auf diese Risiken zu konzentrieren.

“Prävention von Alzheimer-Demenz in Deutschland – Eine Hochrechnung des möglichen Potenzials der Reduktion ausgewählter Risikofaktoren.” Nervenarzt; 87(1):111-8. doi: 10.1007/s00115-015-0057-x

Fossiler Weberknecht ist eine neue Art

Ein Forscherteam unter der Leitung von Jason Dunlop, Museum für Naturkunde Berlin, veröffentlicht in der internationalen Fachzeitschrift The Science of Nature den einzigartigen Fund eines 99 Millionen Jahre alten Weberknechts mit ausgestrecktem Penis. Männliche Weberknechte begatten damit die Weibchen direkt. Bei modernen Tieren ist die Feinstruktur des Penis extrem wichtig für die systematische Zuordnung der jeweiligen Art. Der Fossilfund zeigt, dass Weberknechte in der Kreidezeit sich genau wie die Tiere von heute fortpflanzen konnten. Auf Grund der großen Augen und der spachtelförmigen Penisspitze konnten die Wissenschaftler eine neue, ausgestorbene Weberknecht-Familie erkennen.

Zika-Virus nicht wirklich eine Gefahr

In Südamerika, vor allem in Brasilien, breiten sich derzeit die Zika-Viren rasant aus, übertragen von der Mückenart Aedes aegypti. Die Viren stehen im Verdacht, bei Schwangeren das Ungeborene zu schädigen und eine Fehlbildung des Gehirns auszulösen. Einen Impfstoff gibt es bisher nicht; Programme zur Vernichtung der Mücken sind angelaufen. Können die Viren bald auch nach Europa gelangen und wie riskant sind die kommenden Olympischen Spiele in Rio de Janeiro?

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