WWWW vom 19.9.2019: Borsten-Dinosaurier, hungriges Schwarzes Loch und nichts über Ägypten

Boden am Roten Meer älter als gedacht

Das Rote Meer ist für Geowissenschaftler ein faszinierendes Untersuchungsobjekt, weil sie dort einen Ozean in einem frühen Entwicklungsstadium beobachten können. Doch aufgrund der immer wieder schwierigen Arbeitssituation in der Region sind noch viele Fragen offen. Neueste Untersuchungen von Forschenden des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigen jetzt, dass viele bisherige Lehrmeinungen über das Rote Meer verändert werden müssen.
Originalarbeit:
Augustin, N., F. M. van der Zwan, C. W. Devey, M. Ligi, T. Kwasnitschka. P. Feldens (2016): Geomorphology of the central Red Sea Rift: Determining spreading processes. Geomorphology 273,http://dx.doi.org/10.1016/j.geomorph.2016.08.028

Protein spielt wichtige Rolle bei Brustkrebs-Metastasierung

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum haben gemeinsam mit Londoner Kollegen entdeckt, dass das Protein Endosialin eine Schlüsselrolle bei der Metastasierung von Brustkrebs spielt. Produzieren bestimmte Zellen der Blutgefäßwand viel Endosialin, so können Brustkrebszellen leichter in die Blutbahn eindringen und sich so im Körper ausbreiten. Die Forscher sehen in Endosialin einen potentiellen Biomarker, um das Risiko für die Metastasierung einzuschätzen. Wirkstoffe gegen Endosialin könnten möglicherweise sogar die Metastasierung aufhalten.

Carmen Viski, Courtney König, Magdalena Kijewska, Carolin Mogler, Clare M. Isacke, and Hellmut G. Augustin: Endosialin-expressing Pericytes Promote Metastatic Dissemination.
Cancer research 2016, DOI: 10.1158/0008-5472.CAN-16-0932

Wie ein Pilz sich ums Wohlergehen einer Pflanze sorgt

Viele Pilze schädigen Pflanzen und töten sie. Aber es gibt auch pflanzenfreundliche Pilze: Die meisten Landpflanzen leben in einer engen Gemeinschaft mit arbuskulären Mykorrhiza-Pilzen (AM-Pilzen), die ihr Wachstum fördern. Wie diese Symbiose zustande kommt, untersuchen Forscher der Gruppe „Molecular Phytopathology“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Wissenschaftler haben nun ein Gen identifiziert, das von den AM-Pilzen gezielt aktiviert wird und die Entwicklung der Pflanzenwurzel beeinflusst: Der GRAS-Transkriptionsfaktor MIG1 sorgt dafür, dass mehr und größere Wurzelrindenzellen entstehen.

Dino-Borsten waren keine Haare oder Federn

dino
Ein internationales Team um den Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Gerald Mayr hat die Weichteilstrukturen des kreidezeitlichen Dinosauriers Psittacosaurus untersucht. Mittels einer neuen Technik konnten die Forscher bisher unbekannte Details der Schwanzborsten dieses kleinen Dinosauriers beschreiben. Erstmalig werden diese Hautstrukturen mit dem Truthahn-„Bart“ und anderen borstenartigen Bildungen heutiger Vögel verglichen und als evolutionäre Vorgänger moderner Federn identifiziert.

Schwarzes Loch ist am Verhungern

Ein internationales Astronomenteam mit starker deutscher Beteiligung hat mit dem Very Large Telescope der ESO und dem Röntgensatelliten Chandra der NASA das Rätsel um die ungewöhnliche Veränderung im Verhalten eines supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum einer weit entfernten Galaxie gelöst. Es scheint, als stünden dem Schwarzen Loch harte Zeiten bevor, da es nicht mehr mit ausreichend Materie gefüttert wird, um weiterhin seine Umgebung aufleuchten lassen zu können.

Die sind Inhalt der Fachartikel „Mrk 1018 returns to the shadows after 30 years as a Seyfert 1” und „What is causing Mrk 1018’s return to the shadows after 30 years?”, die demnächst als Kurzartikel in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics erscheinen.

Magnetfelder versorgen Jets an Schwarzen Löchern mit Energie

Deutsche Astronomen haben das Magnetfeld in der Umgebung eines supermassereichen Schwarzen Lochs vermessen. Eine leuchtkräftige und sehr kompakte Struktur mit einer Ausdehnung von nur zwei Lichttagen im Herzen der aktiven Galaxie NGC 1052 wurde dabei mit einem weltweiten Netzwerk von Radioteleskopen im Millimeterbereich beobachtet. Die Beobachtungen zeigen eine Magnetfeldstärke zwischen 0,02 und 8,3 Tesla unmittelbar am Ereignishorizont des zentralen Schwarzen Lochs. Das Team unter Leitung der Doktorandin Anne-Kathrin Baczko zeigt somit, dass Magnetfelder die erforderliche Energie zur Versorgung der hochenergetischen relativistischen Jets in aktiven Galaxien zur Verfügung stellen können.
Originalveröffentlichung:

A highly magnetized twin-jet base pinpoints a supermassive black hole? A.-K. Baczko, R. Schulz, M. Kadler, E. Ros, M. Perucho, T. P. Krichbaum, M. Böck, M. Bremer, C. Grossberger, M. Lindqvist, A. P. Lobanov, K. Mannheim, I. Martí-Vidal, C. Müller, J. Wilms, und J. A. Zensus, 2016, Astronomy & Astrophysics, 593, A47.
www.aanda.org/10.1051/0004-6361/201527951

Lücken in protoplanetarer Scheibe zeugen von Auflösung

Um den Stern TW Hydrae lassen sich Lücken in der protoplanetaren Scheibe erkennen, die auf junge Planeten hindeuten könnten. LMU-Astrophysikerin Barbara Ercolano aber sagt, die innere dieser Lücken zeige, dass sich die Scheibe bereits auflöst. Als die Bilder Ende März dieses Jahres um die Welt gingen, versetzten sie die Fachwelt in Aufregung. Sie zeigten eine Scheibe, fast wie eine Schallplatte, nur leicht psychedelisch angehaucht in fettem Rot und Orange. Eine solche sogenannte protoplanetare Scheibe aus Gas und Staub rund um einen vergleichsweise jungen Stern – das ist der Ort, an dem Planeten entstehen. Mehr noch: In den neuen besonders detailgenauen Aufnahmen zeigen sich ringförmige Lücken rund um den Stern, der den Namen TW Hydrae trägt. Die könnten in der Tat junge Planeten in die Staubwolke gepflügt haben, mutmaßten Experten. Dem ist aber wohl nicht so.

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