WWWW vom 24.10.2016: Zittern, Gravastern und selbst heilender Akku

Dem Zittern auf der Spur

Zu viel Kaffee oder eine aufregende Situation können auch bei gesunden Menschen zu einem fühlbaren und sichtbaren Zittern (Tremor) der Hände führen. Ungefähr jeder hundertste Mensch leidet aber an andauerndem und stärker ausgeprägtem Zittern, was das Krankheitsbild des Essentiellen Tremors (ET) bestimmt. Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in Kooperation mit internationalen Arbeitsgruppen nach möglichen Ursachen des ET gesucht und konnten drei Gene identifizieren, die mit dem Zittern in Verbindung stehen.

Akku kann sich selbst nach einem Bruch heilen

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Elektronik, die in Kleidung eingearbeitet werden kann, liegt im Trend. Allerdings hakt es noch etwas bei der Stromversorgung. In der Zeitschrift Angewandte Chemie stellen Wissenschaftler jetzt dünne flexible Lithiumionen-Akkus mit Selbstheilungseigenschaften vor, die sicher am Körper getragen werden könnten. Sogar nach einem vollständigen Bruch wachsen sie wieder zusammen, ohne wesentliche Einbuße bei ihren elektrochemischen Eigenschaften.
Angewandte Chemie: Presseinfo 33/2016

Autor: Huisheng Peng, Fudan University (China),http://www.polymer.fudan.edu.cn/polymer/research/Penghs/main.htm

Link zum Originalbeitrag: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201607951

Großer Schritt zur Heilung von Morbus Crohn

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn – allein in Deutschland sind geschätzt 400.000 Menschen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen betroffen. Tendenz steigend. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), der Yale University und des Sonderforschungsbereichs 841 (SFB 841) konnten nun einen grundlegenden molekularen Hebel identifizieren, der mitverantwortlich ist, dass die Darmschleimhaut bei den Patienten nicht ausheilt und die Krankheit chronisch wird.

Literatur:
Penelope Pelczar, Mario Wittkowski, Laura Garcia Perez et al., A pathogenic role for T-cell derived IL-22BP in inflammatory bowel disease.
http://science.sciencemag.org/cgi/doi/10.1126/science.aah5903.

Erste Uterustransplantation in Deutschland

Ein multidisziplinäres Ärzteteam unter der Leitung von Prof. Sara Brucker, Prof. Alfred Königsrainer, Prof. Silvio Nadalin und Prof. Diethelm Wallwiener aus dem Department für Frauengesundheit** und der Universitätsklinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Tübingen hat in Kooperation mit dem Uterustransplantationsteam des Universitätsklinikums Göteborg, Schweden unter der Leitung von Prof. Mats Brännström, Prof. Pernilla Dahm-Kaller und Prof. Niklas Kvarnström die erste Uterustransplantation in Deutschland durchgeführt.

Kork hält Fischbecken sauber

Die Überfischung der Weltmeere ist ein globales Problem. Einen Ausweg liefert die Aquakultur, die schon heute mehr als die Hälfte der weltweit verzehrten Menge an Fisch liefert.
Mit einem jährlichen Wachstum von acht Prozent ist die Branche ein Zukunftsmarkt – die aber auch Umwelt- und Qualitätsstandards permanent überprüfen und verbessern muss.
Experten der Fischereiforschungsstelle des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg haben einen Futterzusatz entwickelt, der sich sehr gut für die Produktion in der Aquakultur eignet: Kork.

Doch kein Gravastern entdeckt

Gravasterne sind hypothetische Objekte, die Schwarzen Löchern ähneln, aber mathematisch weniger bizarr sind. Nach der Entdeckung der Gravitationswellen konnten Theoretiker erstmals überprüfen, ob es sie wirklich gibt. Die Modellrechnungen sprechen dagegen, wie Luciano Rezzolla von der Goethe-Universität und Cecilia Chirenti von der Universität Sao Paolo, Brasilien, berichten.

Cecilia Chirenti, Luciano Rezzolla: “Did GW150914 produce a rotating gravastar?”, in Physical Review D 94, 084016 (2016). https://doi.org/10.1103/PhysRevD.94.084016.

Wasserstoff-Tropfen im Weltraum


Radioastronomen der Uni Bonn veröffentlichen Durchmusterung des kompletten sichtbaren Himmels. Jahr für Jahr entstehen in der Milchstraße ein bis zwei neue Sterne von der Masse der Sonne. Bislang war unklar, woher das Material dazu stammt. Den Schlüssel zur Lösung fanden Astronomen in einer neuen, vollständigen Durchmusterung des gesamten Himmels. Dazu kombinierten die Forscher Daten von den beiden weltweit größten Radioteleskopen auf der nördlichen und südlichen Erdhalbkugel. Resultat ist der bislang schärfste Rundumblick auf unsere Heimatgalaxie.
Publikation:
HI4PI collaboration: N. Ben Bekhti, L. Flöer, R. Keller, J. Kerp, D. Lenz, B. Winkel, J. Bailin, M. R. Calabretta, L. Dedes, H. A. Ford, B. K. Gibson, U. Haud, S. Janowiecki, P. M. W. Kalberla, F. J. Lockman, N. M. McClure-Griffiths, T. Murphy, H. Nakanishi, D. J. Pisano, L. Staveley-Smith: HI4PI: A full-sky Hi survey based on EBHIS and GASS; Astronomy & Astrophysics;
DOI: 10.1051/0004-6361/201629178

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