WWWW VOM 10.8.08: Perseiden, Trauma, Duftstoffe und Allergien

Die Themen:
Kleine Podcastwerbung für Thomas Otto und den neuen Podcast wirsozn.de

Landwirte bestellen Felder, Forstleute bewirtschaften Wälder. Was bislang als selbstverständlich galt, könnte sich bald ändern. Bäume sollen künftig auch auf Äckern wachsen – mit kurzen Umtriebszeiten und hoher Rentabilität. Die seit Jahren steigende Nachfrage nach Nutzholz für die Säge- und Holzindustrie bzw. als Brennstoff macht “Holzanbau” für Landwirte attraktiv und wirft gleichzeitig neue Fragen auf.

Was genau läuft bei einem Trauma im Gehirn ab? Welche Rolle spielt die Hirnchemie bei der Verarbeitung von Angst und Furcht? Einen kleinen Teil dieser gewaltigen Fragestellung konnte nun eine Forschungsgruppe von Prof. Dr. Hans-Christian Pape vom Institut für Physiologie I (Neurophysiologie) am Universitätsklinikum Münster lösen. Im Mittelpunkt steht dabei das Peptid “Neuropeptid S”, kurz NPS.

Brust- und Prostatakrebs zählen zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Im Verlauf der Erkrankung bilden sich bei vielen Patienten Tochtergeschwülste in anderen Organen. Bei bis zu 70 Prozent der Betroffenen entstehen diese Metastasen im Knochen. Die Heilungschancen verschlechtern sich dadurch dramatisch. Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg haben jetzt eine Methode entwickelt, mit der die Ausbildung von Knochenmetastasen bereits in einem frühen Stadium objektiv beurteilt werden kann.

Duftstoffe werden in vielen Produkten eingesetzt, mit denen Verbraucher in Kontakt kommen, darunter kosmetische Mittel, Wasch- und Reinigungsmittel. Einige Duftstoffe können zu Allergien führen, wenn sie mit der Haut in Kontakt kommen. Ob Duftstoffe auch allergische Reaktionen auslösen können, wenn sie über die Atemwege aufgenommen werden, diskutierten Experten am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin.
aktionsplan_gegen_allergien.pdf

Aufgepasst: Die Perseiden sind wieder da. Am 12.August ist der Höhepunkt des nächtlichen Schauspiels.

In einem 243 Stunden dauernden Beobachtungsmarathon haben Astronomen vom Erdboden aus die Helligkeitsschwankungen zweier Sterne beobachtet, ohne dass sie dabei wegen Einbruchs der Morgendämmerung abbrechen mussten. Tief im antarktischen Kontinent betreibt ein italienisches Konsortium unter Mitarbeit des Astrophysikalischen Instituts Potsdam (AIP) ein Pilotteleskop auf 75 Grad südlicher Breite.

Scienceblogs.de: Vitamin C kann Krebszellen schädigen

Transkript:
Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 10. August 2008.

Ich habe Post bekommen. Elektronische Post, also eMail mit einem Anhang und das Ganze von Thomas Otto. Der hat mich gebeten, doch einen kleinen Jingle zu spielen oder ein Promo, wie man das nennt. Der macht nämlich jetzt einen tollen Podcast und das hören wir uns gleich mal an.

Hallo liebe Hörer von Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft. Mein Name ist Thomas. Ich bin Josy. Und Wirsozn. So heißt nämlich unser neuer Podcast, in dem es um die Sozialwissenschaften, besonders um Soziologie geht. Wir wollen Euch über Aktuelles in den Sozialwissenschaften informieren, Grundbegriffe erklären und Basics vermitteln. Und vor allem wollen wir das Interesse an Soziologie wecken. Ihr könnt uns finden entweder auf Wirsozn.de, das schreibt sich w-i-r-s-o-z-n-Punkt-d-e, oder auf Podster.de in iTunes oder in allen anderen gängigen Podcast-Portalen. Viel Spaß also noch beim Podcast hören und vielleicht bis zur nächsten Folge von Wirsozn.
Ja vielen Dank ihr Sozn und ich kann nur empfehlen, jedem mal, da mal reinzuhören.

Nachrichten heute. Landwirtschaft. Ist ja ein ganz großes Thema zurzeit. Eigentlich schon immer gewesen, seit wir Menschen die Landwirtschaft erfunden haben. Und in letzter Zeit werden immer mehr neue Möglichkeiten gesucht, Landwirtschaft doch etwas effizienter zu machen. Unter anderem hatte ich ja neulich schon mal das Thema Felder mit zwei verschiedenen Sorten zu bestellen, ein hoch Wachsendes, ein niedrig Wachsendes (Korrekt: eine hoch Wachsende, eine niedrig Wachsende). Jetzt haben sich Forscher aus verschiedenen Universitäten der Forschungsverbünde Agrowood und Agroforst mal zusammen getan und haben überlegt, ob es denn nicht sinnvoll sein könnte auf Ackerflächen auch Bäume anzubauen.

Warum? Bäume können mittlerweile durchaus kurze Wachstumszeiten haben und durchaus rentabel sein und für die Landwirte kann das ‘ne (Umgspr: eine) ganz interessante Alternative sein, was das Einkommen angeht. Es gibt jetzt ein Projekt, das in den Modellregionen Freiberg (Anmerkung: in Sachsen) und Schradenland (Anmerkung: in Südbrandenburg) auf rund 200 Hektar Fläche schnell wachsende Pappeln und Weiden untersucht. Die sollen dann geerntet werden und man will schauen, welche ökonomischen und ökologischen Chancen aber auch Risiken es gibt.

Vorteile von solchen Holzplantagen gegenüber dem klassischen Holzanbau im Wald verglichen mit den Agraranbaumethoden: Man braucht weniger Pflanzenschutzmittel, weniger Dünger, man hat geringere Belastung für die Gewässer, deutlich verminderte Bodenerosionen und eben auch höhere Erträge als in der Waldwirtschaft.
Außerdem kann sich der Ackerboden dadurch erholen, dass er weniger befahren wird. Kleiner Nachteil bei der Geschichte oder auch Problem: Holz braucht sehr viel Wasser. Man braucht ungefähr 500 ml (Milliliter) durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge, davon 300 ml in der Vegetationszeit. Das Ganze natürlich pro Quadratmeter, soweit ich das weiß, ja. Als richtig rentabel gilt dann der Holzanbau, wenn pro Hektar im Mittel mehr als 8 Tonnen Holz nachwachsen können.
Na mal sehen. Man kann übrigens noch was machen. Man kann junge Bäume anpflanzen und so lange die noch nicht ganz groß sind, kann man die Flächen zwischen den Bäumen durchaus noch für andere Bepflanzungen ausnutzen.

Was genau läuft eigentlich bei einem Trauma im Gehirn ab? Und zwar geht es hierbei jetzt nicht um unbedingt von außen verursachtes Trauma, sondern um eher traumatische Dinge. Christian Pape vom Institut für Physiologie I an der Uni Münster beschäftigt sich mit dem Thema und hat sich genauer mit einem Peptid beschäftigt, das “Neuropeptid S”, kurz NPS genannt. Das beeinflusst einen ganz bestimmten Bereich der Amygdala, das ist das Areal des Gehirns, in dem auch furchtrelevante Erinnerungen gespeichert werden. Gerade beim Verlernen von Angst spielt dieses NPS eine ganz große Rolle.
Im Labor wurde jetzt an Hirnpräparaten untersucht, wie das Peptid auf die Zellkommunikation wirkt. In einem anderen Schritt wurden dann Verhaltensstudien durchgeführt. Das Ganze an Mäusen. Dann hat man festgestellt, wenn man dies Peptid in die Amygdala gegeben hat, wurde das Angstverhalten enorm reduziert. Auch zuvor durch Pavlow’sche Furchtkonditionierung erlernte negative Erfahrungen wurden mit diesem Neuropeptid wieder schneller verlernt. Hat man allerdings die Rezeptoren gezielt blockiert, trat dann der gegenteilige Effekt ein. Das Verlernen der Angst, das dauerte erheblich länger.
Vom Prinzip her funktioniert das Verlernen von Angst so: ein zuvor negativ assoziierter Reiz wird mehrmals ohne aversive Folgen präsentiert. Und die Furchtantwort bezüglich dieses Reizes nimmt dann ab und dann wird eine neue Gedächtnisspur angelegt, die das vorherige Furchtgedächtnis hemmt. Problem: Bei traumatisierten Menschen passiert genau das nicht oder nur unzureichend. Und deswegen reicht für die schon der kleinste Reiz um dieses Trauma wieder hervorkommen zu lassen. Das ist der Grund, warum man dieses NPS, dieses Peptid ein bisschen genauer untersucht und hofft irgendwann ein Medikament vielleicht daraus entwickeln zu können, weil, so sagen die Forscher, man zurzeit noch nicht einfach dieses Peptid dem Menschen ins Gehirn spritzen kann oder in die Blutbahn.

Am deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg haben Forscher jetzt eine Methode ermittelt, mit der sie Knochenmetastasen in einem frühen Stadium beurteilen können. Bisher passiert das nämlich so, dass Knochenmetastasen im Wesentlichen dadurch klassifiziert werden können, wie stark der Knochen denn schon in Anspruch genommen ist beziehungsweise zerstört ist. In der Regel wird da ein Loch gefressen und die Größe des Loches gab bisher immer Auskunft darüber, wie schlimm es ist.

Problem dabei: Wenn das Loch schon groß ist, ist es auch definitiv schon so schlimm und man kann das nur relativ ungenau sich anschauen und quantifizieren. Jetzt haben die Forscher versucht, einen neuen Ansatz zu finden und zwar nicht durch den Grad des Knochenabbaus, sondern sie wollen sich anschauen, wie denn die Durchblutung in dieser Metastase ausschaut. Denn, je mehr sie durchblutet wird, umso aggressiver wissen die Wissenschaftler.
Wie macht man das Ganze: Mit bildgebenden Verfahren, wie zum Beispiel der Computertomografie kann man die Durchblutung sichtbar machen und dann kann man auch Kontrastmittel eingeben und die Gefäße der Metastasen dann messen und verschiedene Parameter der Gefäßneubildung auch bestimmen. Den Wissenschaftlern ist es im Übrigen auch gelungen, die Bildung von Blutgefäßen in Knochenmetastasen und damit auch deren Wachstum durch sogenannte Angiogenese-Hemmer zu verhindern. Dabei wird ein Faktor, der für die Gefäßneubildung im Tumor verantwortlich ist, durch diese Angiogenese-Hemmer blockiert und der Tumor kann nicht mehr so gut wachsen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat neulich mal Experten eingeladen zum Thema “Duft in öffentlichen Räumen”. Und dabei geht es darum, dass in privaten Räumen und vor allem auch in Waschmitteln und solchen Sachen es bestimmte Höchstwerte für Duftstoffe gibt. Der Grund liegt darin, dass Duftstoffe Allergien unter Umständen auslösen können. Es gibt Menschen, die zumindest gegen bestimmte Sachen allergisch sind. Und dann ist der Duftstoff bisweilen auch ein Auslöser.

Jetzt hat man sich mal überlegt, wie ist das denn mit Duftstoffen in öffentlichen Räumen und ich war etwas verwirrt, das in dieser Mitteilung unter anderem auch des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, das in dieser Mitteilung stand, im Bad duftet es nach Pfirsichblüten, in der U-Bahnstation nach Croissants und im Kaufhaus nach frisch gewaschener Wäsche. Dieser Mitteilung entnehme ich, dass der Croissant-Duft mitnichten vom Backen der Croissants kommt, sondern von Duftstoffen, von künstlichen Duftstoffen?
Wenn da jemand mehr weiß, bitte mir einen Kommentar hinterlassen auf meiner Webseite Wissenschaft.Wanhoff.de oder mir eine eMail senden an Wanhoffs.Wissenschaft@gmail.com.

Zurück zu diesen synthetischen Duftstoffen in öffentlichen Räumen. Es ist wohl so, dass sie nicht unbedingt Allergien auslösen können. Aber dass es Menschen gibt, die unter Umständen schon sehr viele Allergien haben und wenn die mit bestimmten Duftstoffen in Verbindung kommen, dann könnte das das Ganze verstärken.

Noch zwei Tage und dann ist der Höhepunkt erreicht. Der Höhepunkt des Meteoritenschauers der Perseiden. Heißen die Perseiden oder Perse-iden? Ich glaube, Perse-iden, Perseiden? Ach, das ist immer so ‘ne Frage für mich.

Die kommen am 12. August oder sind eigentlich schon da. Am 12. August glaubt man den Höhepunkt zu haben. Etwa jede Minute kommen eine oder zwei herunter. Ein richtiger Sternenregen. Grund dafür ist der Komet Swift Tuttle. Der ist im Moment in der Gegend vom Uranus, aber hat einen so langen Schweif mit lauter Müll und Schmutz, dass der die Erde streift und deshalb sehen wir ganz tolle Himmelsbilder in der Nacht, wenn es denn in Deutschland einen klaren Himmel gibt. Ich weiß das gar nicht. Wie ist denn in Deutschland das Wetter? Also hier in Vietnam ist es gerade wieder ein bisschen schöner geworden. Da haben wir auch nachts Sternenhimmel.

In einem 243 Stunden dauernden Beobachtungsmarathon haben Astronomen die Helligkeitsschwankungen zweier Sterne beobachtet. Jetzt sagt man, ja und, der Trick dabei ist, 243 Stunden gehen normalerweise nicht, weil es schlicht hell wird. Es sei denn man ist – in der Antarktis.

In den Wintermonaten von Mai bis Anfang August können ununterbrochene Beobachtungsreihen über viele Tage gewonnen werden. Lediglich der Nordhorizont in der Antarktis hellt sich mittags mal ein bisschen auf, aber die Sonne geht nicht richtig auf. Deswegen kann man eigentlich die ganze Zeit durch beobachten. Es ging dabei um zwei unterschiedliche Sterne im Sternbild Zentaurus.
Einer dieser Sterne zeigt Pulsationen und damit verbundene Helligkeitsschwankungen. Problem dabei ist: Diese Pulsierung geschieht auf mehreren Frequenzen gleichzeitig. Und die Forscher wollen nun versuchen, diese Frequenzen auseinander zu dividieren und zu schauen, welche Frequenzen es da überhaupt gibt. Man kann nämlich dann Rückschlüsse auf den Aufbau des Sterns machen. Bisher sind 20 dieser Frequenzen gefunden worden.

Und der andere Stern ist ein sogenannter Unterriese, der an der Oberfläche kühler ist als die Sonne, aber wesentlich größer ist als eine Solche. Er hat eine relativ kurze Rotationsperiode von 6 Tagen und dann zeichnen sich immer Lichtkurven ab, die gemessen werden können. Der Stern ist magnetisch sehr aktiv und zeigt große Sternenflecken. Und durch diese lange Beobachtungsperiode in der Antarktis konnte nun eine Oberfläche des Sterns kartiert werden.

Ganz zum Schluss noch eine Nachricht mal wieder von den Sciencblogs vom Blog Neurons. Dort ist eine Geschichte zu lesen über Forscher, die sich mit Vitamin C beschäftigt haben. Das heißt ja Ascorbinsäure und kommt lateinisch von a scorbutus. Es hilft nämlich gegen Skorbut. Es könnte aber auch noch gegen viel mehr helfen, nämlich eventuell gegen Krebszellen.
Biochemiker vom National Institute of Health in Bethesda in Maryland haben jetzt die Wirkung von hochdosiertem Vitamin C an Mäusen getestet und festgestellt, dass besonders viel des Stoffs Tumorzellen schädigen kann ohne aber die gesunden Zellen zu beeinträchtigen. Man hat sehr hohe Dosen direkt in die Blutbahn injiziert. Da dieser wasserlösliche Stoff, wenn er oral aufgenommen wird, vom Körper sehr zügig abgebaut wird und dann kann es Probleme geben mit Nieren und Nierensteinen.

Die Forscher haben Mäusen diese Ascorbinsäure gegeben und haben festgestellt, dass durch das Vitamin Wasserstoffperoxid in der Umgebung des Krebsgewebes sich ansammelt und dieses die Tumorzellen schädigt und auch den Wachstumsprozess dieser Zellen verlangsamt.

In Kombination mit anderen Therapien könnte es dann die Heilungschancen von Krebspatienten erhöhen. Studien mit Betroffenen sollen demnächst erfolgen.

Das war’s für heute. Vielen Dank fürs Zuhören. Zum Nachlesen gibt’s dann wieder in ein paar Tagen das Transkript von Vera Ihrig. Vielen Dank noch mal dafür auch an die Sprachwebseite LingQ.com. Vielen Dank fürs Zuhören. Das war’s für heute. Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

2 thoughts on “WWWW VOM 10.8.08: Perseiden, Trauma, Duftstoffe und Allergien”

  1. hi,
    ich habe ihren Audio-Podcast, quasi durch zufall auf meinem kleinem ipod nano abonniert, war aber, nachdem ich mir die kompletten 13 minuten auf meinem schulweg angehört habe schwer begeistert 😉
    wenn solche informationen wie die entstehung des namens “ascorbinsäure” nebenbei erwähnt werden, merkt man sich das sehr schnell, und es macht auch spaß so viel verschiedenstes in nur 13 minuten zu erfahren 🙂
    in diesem sinne
    good job 😉

  2. Vielen Dank fuer den netten Kommentar. Motiviert mich immer zum weitermachen!

    Gruss Thomas

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*