WWWW vom 17.8.2008: Trinkwasser in Gaza, Suchtheilung durch Rezeptorblockade

Die Themen heute:
Palästinensische und deutsche Wissenschaftler haben den Behörden des Gaza-Streifens empfohlen, unverzüglich Maßnahmen gegen die überhöhten Nitratwerte im Trinkwasser zu unternehmen. 90 Prozent ihrer Wasserproben hätten Nitratkonzentrationen aufgewiesen, die zwei bis achtmal höher gewesen seien als der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Grenzwert, schreiben Wissenschaftler der Universität Heidelberg und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) im Fachjournal Science of the Total Environment. Langfristig würde ein Qualitätsmanagement für die Grundwasserressourcen den größten Schutz bieten.

Kleiderkauf ohne ständiges An- und Ausziehen
– diese Vision könnte schon bald real werden. Möglich macht das ein virtueller Spiegel. Vom 29.8. bis 3.9.2008 zeigen Fraunhofer-Forscher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin (Technisch-Wissenschaftliches Forum TWF 5.3) ein Display, in dem der Kunde sich in wechselnden Designs betrachten kann, ohne auch nur einen Knopf öffnen zu müssen.

Typische Verhaltensmuster der Sucht sind die andauernde Suche nach dem Rauschgift oder ein Rückfall nach erneuter Drogengabe. Dafür sind durch das Kokain ausgelöste molekulare Veränderungen an den Nervenkontaktstellen im Belohnungssystem direkt verantwortlich. Dies veröffentlicht ein Forscherteam aus dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, dem Deutschen Krebsforschungszentrum sowie der Universität Genf.

Knapp 51 Prozent aller übergewichtigen Menschen in den USA haben normale Blutdruck- und Cholesterinwerte. Das berichtet eine Studie im Fachmagazin Archives of Internal Medicine.
Studienautorin MaryFran Sowers: “Unsere Daten zeigen, dass Übergewicht nicht unbedingt ein Gesundheitsrisiko darstellen muss”, sagt die Forscherin der University of Michigan.

Kein Tag vergeht, an dem wir nicht ein bisschen älter werden. Doch die genauen Prozesse des menschlichen Alterns geben noch viele Rätsel auf. Wissenschaftler um Lenhard Rudolph und Hong Jiang von der Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung in Ulm haben nun eine Gruppe von Proteinen identifiziert, die das biologische Alter eines Menschen verraten können. Diese Biomarker könnten in der Medizin dazu genutzt werden, um Therapien bei alten Menschen dem individuellen biologischen Alter anzupassen.

Transkript:
Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 17. August 2008.

Diese Ausgabe ist die erste, die grün produziert ist, wie man das heutzutage sagt. Bisher habe ich immer meine Notizen ausgedruckt. Das waren dann so sechs Seiten. Ich hab die dann schon immer doppelt bedruckt. Also eine Woche diese Seite, nächste Woche dann noch die andere Seite verwendet, aber ich will noch mehr Papier sparen, und, um ganz ehrlich zu sein, vor allem Druckertinte. Und deswegen gibt’s das Ganze jetzt praktisch nur noch digital. Meine ganzen Notizen sind ein Google-Dokument, was ich dann auf meinem Laptop vor mir habe.

Und da steht zum Beispiel, dass palästinensische und deutsche Wissenschaftler den Behörden des Gaza-Streifens empfohlen haben, etwas mal zu unternehmen gegen die erhöhten Nitratwerte im Trinkwasser. Die sind nämlich alarmierend. 90 Prozent der Wasserproben haben Konzentrationen von Nitrat aufgewiesen, die zwei- bis achtmal höher gewesen sind, als von der WHO empfohlene Grenzwerte es vorschreiben.

Die Wissenschaftler der Universität Heidelberg und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung sagen, langfristig sollte ein Qualitätsmanagement für die Grundwasser-Ressourcen einen besseren Schutz bieten. Grundwasser ist nämlich für die Mehrheit der Gaza-Streifen-Bewohner die einzige Trinkwasserquelle.
Nitrat kann vor allem bei Kleinkindern zum Mangel an roten Blutkörperchen führen, aber auch zu Durchfall und Übersäuerung. Die Hälfte von 640 getesteten Kleinkindern hatten tatsächlich Anzeichen eines Mangels an roten Blutkörpern. Die Forscher konnten nachweisen, und zwar mit Hilfe von Isotopen-Untersuchungen, dass die Nitratbelastung auf Dünger aus der Landwirtschaft und Abwässer zurückgeht. Der Gaza-Streifen gehört mit 2.600 Menschen pro Quadratkilometern zu einem der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde.
Die Felder dort werden hauptsächlich mit Hühner- und Kuhmist gedüngt. Kunstdünger macht nur ein Viertel aus und aufgrund der Geologie und des Klimas können Verunreinigungen relativ leicht von der Oberfläche direkt ins Grundwasser einsickern. Organischer Dünger und Abwässer sind dann auch die Hauptursache für die Nitratbelastung. Dann erst kommen Klärschlamm und Kunstdünger.
Herausgefunden hat man das eben mit Isotopen-Verhältnissen von Stickstoff und Sauerstoff im untersuchten Nitrat. Das heißt Variationen desgleichen chemischen Elementes, die sich durch eine unterschiedliche Anzahl an Neutronen im Atomkern unterscheiden. Das sind also Isotope. Und anhand dieser Isotope konnte man eben zeigen, also wie viel vom Klärschlamm da ist und wie viel auf Gülle als Dünger zurück zu führen ist. In lediglich 10 von 115 untersuchten Brunnen übrigens, wurde ein Nitratgehalt unterhalb des Richtwertes der WHO gefunden.

Nette Spielzeuge mit einem durchaus ernsten Hintergrund präsentieren eigentlich immer die Institute der Fraunhofer Gemeinschaft. Diesmal geht es um einen Spiegel, der auf der internationalen Funkausstellung im September gezeigt werden soll. Gebaut wurde er von Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik und dieser Spiegel ist eine Art Zauberspiegel, mit dem man zum Beispiel beim Anprobieren eine Hilfe bekommt.

Man zieht ein gewünschtes T-Shirt oder Hemd an und der Spiegel kann dann die Farbe des Hemdes ändern oder wie im Moment noch zum Beispiel ein Logo, was man auf der linken Seite hat, ändern. Also zum Beispiel das Wanhoffs Wunderbare Welt der Wissenschaft-Logo, die Erde, kann man dann auf der linken Seite haben und im Spiegel wird dann angezeigt, wie das vielleicht auf der rechten Seite aussieht, ohne dass man irgendwas ändern muss.
Das ganze ist nicht ganz so einfach zu machen. Ein bisschen Erfahrung hatte man durch eine virtuelle Schuhanprobe, die man für Adidas schon mal gemacht hat. Kleidungsstücke sind aber noch ein bisschen schwieriger, weil die ja zum Beispiel Falten werfen und sich zum Teil überdecken oder verdecken. Und Stoffe sind elastisch und haben bestimmte Strukturen und die machen ja auch dann das Schöne aus bei einem Stoff. Und deswegen mussten die Wissenschaftler ein paar mehr Parameter berechnen als eben nur bei ein paar Schuhen.
So, wie sieht das Ganze aus? Der Kunde steht vor einem Display über dem eine Kamera angebracht ist. Die filmt ihn, registriert die Bewegung seiner Kleidung. Das ganze wird dann umgerechnet. Die räumliche Bewegung der Projektion anhand eines zweidimensionalen Modells. Aus diesem 2D-Modell wird dann ein sehr engmaschiges Dreiecks-Netz gebaut und diese Kamera nimmt im Abstand von Millisekunden Bilder auf, überträgt sie an den Speicher. Dort werden diese Bilder ausgewertet. Das heißt, das System vergleicht, was sich von Bild 1 zu Bild 2 verändert hat. Dazu braucht es eben dieses Dreiecks-Netz, was über jedes Bild gelegt wird. Diese Bildverarbeitung erfolgt in Echtzeit und deshalb sieht der Kunde sich praktisch tatsächlich in diesem neuen Hemd.

Zurzeit kann eben das Hemd noch nicht selbst ausgewechselt werden. Also es gibt nicht verschiedene Kragen, sondern es gibt bisher nur Farben oder Muster, die man ändern kann. Aber das ist ja immerhin schon etwas.

Die Suchtforschung ist ja immer ein interessantes Gebiet, weil man heraus bekommen möchte, was denn wirklich diese Sucht ausmacht. Verhaltensmuster der Sucht sind ja die andauernde Suche nach dem Rauschgift oder vor allem ein Rückfall nach einer erneuten Drogengabe.
Forscher vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit und vom Deutschen Krebsforschungszentrum sowie der Universität Genf haben jetzt eine neue Studie veröffentlicht, die vielleicht ein bisschen mehr Aufschluss gibt über die Sucht. Man weiß ja, dass das Rauschgift Kokain zum Beispiel molekulare Umbauprozesse an den Synapsen bewirkt, in bestimmten Rezeptorkomplexen dann Protein-Untereinheiten ausgetauscht werden. Das hat zur Folge, dass die veränderte Synapse verstärkt Nervensignale übertragen kann.

Wissenschaftler um Professor Dr. Günther Schütz vom Krebsforschungszentrum gelang es nun, bei Mäusen selektiv in Dopamin produzierenden Nervenzellen genau diejenigen Eiweißkomponenten genetisch auszuschalten, die unter dem Einfluss von Kokain in die Rezeptorkomplexe eingebaut werden.

Die Wissenschaftler unterzogen die Tiere dann bestimmten Tests um das Suchtverhalten zu messen. Auf den ersten Blick zeigten sowohl genveränderte als auch Kontrolltiere das übliche Verhalten unter dem Einfluss von Kokain. Zu verstärkter Beweglichkeit angetrieben legten sie deutlich längere Laufstrecken zurück und suchten bevorzugt solche Plätze auf, auf die sie durch regelmäßige Drogengaben konditioniert worden waren.
Finden normale Mäuse an den gewohnten Plätzen über einen längeren Zeitraum keine Drogen, so klingt ihr Suchtverhalten langsam ab und ihre Vorliebe für die kokain-assoziierten Orte lässt nach. Das gilt jedoch nicht für die Tiere, deren Rezeptor-Untereinheit GluR1 ausgeschaltet ist. Diese Mäuse suchen unverändert die Stellen auf, an denen sie die Droge vermuten. Ihr Suchtverhalten dauert also dauerhaft an.

Mäuse bei denen aber das NR1-Protein ausgeschaltet wurde, überraschen mit einer anderen Auffälligkeit. Wird kokainentwöhnten Kontrolltieren nach einiger Zeit das Rauschgift erneut verabreicht, so flackert das Suchtverhalten und die Suche nach der Droge wieder auf. Im Gegensatz dazu erwiesen sich die NR1-Artgenossen als resistent gegenüber einem Rückfall in die Sucht. Und die Wissenschaftler wollen jetzt heraus bekommen, ob eine Blockade dieses NR1-Rezeptors vielleicht vor einem Rückfall in die Abhängigkeit eben auch bei Menschen schützen kann.

Eine Meldung von meinem Partnerblog, kann man sozusagen sagen, Scienceblogs, wo ich einen Podcast auch mache. Knapp 51 Prozent aller übergewichtigen Menschen in den USA haben normale Blutdruck- und Cholesterinwerte. Das berichtet eine Studie im Fachmagazin Archives of Internal Medicine. Die Daten zeigen, dass Übergewicht nicht unbedingt ein Gesundheitsrisiko darstellen muss. 5.440 Personen hat man untersucht, hat gemessen die Größe, das Gewicht, den Blutdruck, den Blutzucker und die Blutfettwerte und hat herausbekommen, Übergewicht und Herzrisiko müssen kein Zwillingspärchen sein.
Im Gegensatz zu der erwarteten deutlichen Verbindung von Dicken und Cholesterin zeigten sich sogar viele schlanke Menschen mit Blutwerten, die es eigentlich nur bei dicken Menschen gibt. Viele dicke Menschen waren gesund und vor allem deshalb, weil sie sich genügend bewegten. Das zeigte die Studie ganz deutlich. Rauchen und das Alter sind eher gesundheitsschädigende Faktoren. Die Zahlen: 76,5 Prozent der Normalgewichtigen hatten normale Blutwerte. 51 Prozent der Übergewichtigen hatten auch normale Blutwerte und sogar 31 Prozent der Fettleibigen hatten normale Blutwerte. Die letztere Gruppe der Fettleibigen, ist aber vor allem sehr altersabhängig. Wenn sie 50 bis 64 Jahre alt sind, dann sinkt der Anteil von 30 auf 20 Prozent, also der Anteil derer, die gesunde Blutwerte haben.
Experten fordern jetzt, dass man diesen Body-Mass-Index, der bisher für den Gesundheitszustand eines Patienten herangezogen wird, doch etwas vernachlässigt und vor allem den Hüftumfang sich anschaut. Es ist nämlich das Körperfett, das auf innere Organe drückt, was für das gesteigerte Risiko einer Herzkreislauf-Erkrankung verantwortlich sein soll.

Und ganz zum Schluss noch eine Geschichte, die mit Olympia zu tun hat. Es gibt eine, ach kann man sagen Maschine, die aus dem alten Griechenland stammt, die man 1901 gefunden hat. Ein sehr komplexes Gerät. Bei der Bergung ist es in viele, viele Teile zerfallen. Ungefähr 2.500 Teile und mittlerweile kann man die ein bisschen zusammensetzen und man hat immer überlegt, was ist das für eine Maschine. Klar ist, dass diese Antikythera Mechanism, wie er in englisch heißt, irgendetwas zu tun hat mit Zeitmessung.
Dieser auch erster analoger Computer genannte Maschine hat mehrere Räder und Einstellmöglichkeiten und man weiß, dass diese Räder zum Teil die Positionen von Sternen und Planeten angeben können und man hat jetzt noch was herausgefunden. Je nachdem wie das Ganze eingestellt wird, kann man herausfinden, wann die nächsten Olympischen Spiele sind. In der Tat gibt es wohl ein Rad, das die Olympischen Spiele alle vier Jahre anzeigt.
Warum? Konnten die Griechen etwa nicht damals, also das Ganze kommt aus der Zeit, ungefähr 1000 bis 2000 Jahre vor Christus, konnten die damals noch keine vier Jahre abzählen? Konnten sie natürlich schon. Man vermutet, dass dieses sogenannte Olympia-Rad an dieser Art Maschine deshalb dran ist, weil die Spiele eine so große Bedeutung hatten. Und deswegen sagte man sich, wir müssen auf jeden Fall ein Rad auf diese Maschine, die so viel erklärt drauf machen, das anzeigt, wann sind die nächsten Olympischen Spiele.
Und noch eine andere Entdeckung hat man gemacht. Die Monatsnamen, die eingraviert wurden, die sind wohl korinthischen Ursprungs und das Ganze ist deshalb interessant, weil man jetzt glaubt, dass dieses Gerät wohl eher westlich anzusiedeln ist als östlich. Bisher hat man eben geglaubt, dass das aus dem Osten Griechenlands kommt. Könnte aber eher aus dem Westen sein.

Ich habe noch eine Meldung, sehe ich gerade. Vom Max-Planck-Institut oder von der Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung in Ulm. Die haben nämlich Proteine identifiziert, die das biologische Alter eines Menschen verraten können. Für Ärzte ist es immer ein bisschen schwer herauszufinden, welche Therapien einem alten Menschen überhaupt zugemutet werden können und das biologische Alter ist eben nicht immer das Alter von dem man dann weiß, in welchem Zustand der Mensch ist. Also wer 80 ist, der kann auch durchaus noch ein Regenerationsvermögen eines 70-Jährigen haben.
Die Wissenschaftler haben jetzt Telomere angeschaut. Das sind Endstücke der menschlichen Chromosomen und die verkürzen sich bei jeder Zellteilung um 50 bis 200 Basenpaare und im Verlaufe des Älterwerdens werden sie schließlich so kurz, dass ihre Schutzfunktion am Ende der Chromosomen verloren geht. Wissenschaftler haben schon nachgewiesen, dass das ein Auslöser der Zellalterung ist und in der neuen Forschung hat man herausgefunden, dass es zu einer Freisetzung von Marker-Proteinen kommt. Und man konnte einen deutlichen Anstieg im Rahmen der Alterung und bei alters-assoziierten Erkrankungen nachweisen.

Die Ergebnisse der Arbeit stellen nicht nur aussagekräftige Marker für die biologische Alterung bereit, sondern sie untermauern auch die DNA-Schädigungshypothese der menschlichen Alterung.

Das war’s für heute. Ich bedanke mich wie immer fürs Zuhören. Ich bedanke mich übrigens auch für die doch häufiger kommenden E-Mails und XING-Anfragen und Linktin und jetzt habe ich über Flickr was bekommen und über Kommentare und was auch immer. Also ich freu mich da wirklich. Immerzu fragen, fragen, fragen. Übrigens gerne auch mal zum Leben in Vietnam. Da habe ich jetzt gerade eine Anfrage bekommen. Also ich bin da sehr auskunftsfreudig. Wer immer eine Frage hat, möge mir bitte eine E-Mail schicken oder einen Kommentar oder mich sonst wie kontaktieren. Ich antworte gerne.
Vielen Dank fürs Zuhören. Das war’s. Eine schöne Woche und Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

3 thoughts on “WWWW vom 17.8.2008: Trinkwasser in Gaza, Suchtheilung durch Rezeptorblockade”

  1. 2007? Hab ich das wieder falsch gesagt? Merde.. ist echt schon ein Klassiker bei mir, deswegen zögere ich immer bei der Jahreszahl. Warum nur mag ich die 2008 nicht.. Danke für den Hinweis!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*