WWWW vom 24.8.2008: Tollwut in China, Autofahrer und Farben,

Promo: www.sonntagssoziologe.de

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Was die Autofarbe über den Fahrer aussagt
In einer kleinen Studie befragte die Marktforschungsagentur CNW ganze 1.900 Amerikaner mehrmals im Jahr zu deren Einstellung gegenüber ihrem Leben und ihrer aktuellen Autofarbe. Danach untersuchte man die Ergebnisse, um Zusammenhänge und/ oder Auffälligkeiten in Punkte Gemütslage und Autofarbe herzustellen.

Fettgewebe um die Gelenke kann die Entstehung und den Verlauf rheumatischer Erkrankungen begünstigen. Denn Fettzellen setzen Botenstoffe frei, so genannte Adipozytokine. Diese steuern entzündliche rheumatische Vorgänge und treiben den für Rheuma typischen Abbau der Gelenke voran.

Günther Zupanc, Neurobiologe an der Jacobs University Bremen, konnte erstmals nachweisen, dass eine beträchtliche Abweichung von der für eine Tierart typischen Chromosomenzahl nicht unbedingt zu einem frühzeitig Absterben der Zellen, physiologischen Defekten, Verhaltensstörungen oder Tumoren führen muss. Für seine Untersuchungen verwendete er den Messerfisch Apteronotus leptorhynchu, in dessen Gehirn etwa jede fünfte neu gebildete Zelle z. T. erhebliche Abweichungen in der Chromosomenzahl aufweist.

Ein Häuschen im Grünen – für viele ist das bis heute ein Traum. Doch dieser Traum hat seine Schattenseiten: In vielen ländlichen Gemeinden fehlt die Infrastruktur, gibt es weder Supermarkt noch Kindergarten oder Schule. Die Bewohner müssen selbst mobil sein oder mit dem meist spärlichen Angebot des öffentlichen Nahverkehrs vorlieb nehmen. Mit zunehmendem Alter der Bewohner steigt die Zahl der Probleme, weil zum Beispiel der nächste Arzt seine Praxis in der Stadt hat.

Forschern der Universitätsmedizin Berlin ist es erstmals gelungen, einen Vorgang, der sich auf winzigem Raum im Zellinneren abspielt, am Computer zu verfolgen. Die Gruppe unter Führung von Prof. Christian Spahn vom Institut für medizinische Physik und Biophysik am Campus Charité Mitte bannte die Arbeit des so genannten Elongationsfaktors LepA aufs Bild. In einem Artikel der Zeitschrift Nature Structural & Molecular Biology schildern die Wissenschaftler, wie ihnen mit Hilfe eines Elektronenmikroskops der Blick auf eine komplexe, zelluläre Maschine gelang.

Chinesen und die Tollwut: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass im süden und Südwesten Chinas die Zahl der Tollwutfälle wieder zu genommen hat. Grund dürfte ein Rückgang von Impfungen bei Hunden sein.

Transkript:

Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft

Hallo und herzlich willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom 24. August 2008. Ich hab letzte Woche wieder 2007 gesagt. Irgendwie krieg ich das nicht raus. Irgendwie bleibe ich in diesem Jahr hängen in einer Endlosschleife.

Ich habe elektronische Post bekommen vom Sonntagssoziologen, der heißt René Lehnert und der hat mir ein Promo geschickt. Der macht nämlich auch einen Podcast und ich freue mich ja immer, wenn Leute im wissenschaftlichen Bereich podcasten und deswegen gibt’s jetzt erstmal ein bisschen Werbung zu hören, für seinen Podcast.

Hallo, ich bin der Sonntagssoziologe und grüße die wahrscheinlich klügste Podcast-Zuhörerschaft dieser Galaxie. Wer nämlich Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft hört, der muss einfach einen IQ von mindestens gefühlten 270 haben. Und deshalb freue ich mich ganz besonders, gerade hier ein kleines Promo unterbringen zu dürfen. In meinem Podcast erkläre ich Euch ein wenig, und nicht ganz so ernst, was wir so als Menschen treiben und dies aus Sicht der Soziologen. Da geht’s um Liebe, Treue, Karriere und Selbstmörder. Also wenn Euch so was interessiert, dann schaut mal vorbei bei Sonntagssoziologe.de. Aber jetzt erst mal viel Spaß mit Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft. Dem klügsten Magazin in diesem Universum.

Also ich muss ganz deutlich sagen, er hat dafür natürlich kein Geld bekommen. Vielen Dank, René für die sehr netten, leicht untertriebenen Worte.
Dann habe ich noch was bekommen und zwar eine Zuschrift von, jetzt muss ich nachschauen, Robert heißt er, Robert Hartl. Der hat mir etwas geschickt, ein interessantes Thema mit dem ich gleich hier in die Sendung einsteigen will und zwar geht es über die Autofarbe und was die über den Fahrer aussagt. Es gibt eine Marktforschungsagentur CND in Amerika, die hat 1.900 Amerikaner befragt, welche Autofarbe sie haben, aber auch, was sie denn für Menschen sind, ihre Einstellung gegenüber dem Leben.

Und es ist was ganz Interessantes herausgekommen. Die Autofahrer, die ein grünes Auto haben, sind die zufriedensten. Und die, die ein schwarzes Auto haben, die sind irgendwie gar nicht zufrieden. Fand ich interessant, weil eigentlich doch eine ganze Menge Leute schwarze Autos haben und gerade die, die ja sehr prominent auftreten oft, die haben ja schwarze Autos und wollen damit etwas darstellen, sind aber vielleicht gar nicht zufrieden.

Übrigens Durchschnitt ist weiß, die sind so, na ja, geht so. Rot wird bei 8,8 Prozent Zufriedenheit angegeben, bei minus 8,8 Prozent, was im unteren Teil der Skala liegt. Und dunkelblau ist auch eher weiter oben mit plus 3,2 Prozent. Also ganz interessant. Die Autofarbe sagt was über die Zufriedenheit des Fahrers aus. Vielen Dank Robert.

Dann eine Geschichte zum Thema Fettgewebe und Gelenke. Fettgewebe um die Gelenke kann nämlich die Entstehung rheumatischer Erkrankungen begünstigen. Der Grund: Fettzellen setzen oft Botenstoffe frei und diese steuern entzündliche rheumatische Vorgänge.

Das gilt übrigens für dicke und dünne Menschen gleichermaßen. Darüber wollen Wissenschaftler jetzt reden auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie im September in Berlin.

Seit einigen Jahren wissen Forscher, dass Fettgewebe nicht nur als Energiespeicher dient. Es ist aktiv an der Steuerung verschiedenster Stoffwechselvorgänge beteiligt. In vielen Organen – Haut, Darm, Gelenke – ist Fett auch strukturgebend und zu den am häufigsten vorkommenden Zellen im Fettgewebe gehören die sogenannten Adipozyten. Sie bilden eine Vielzahl von biologisch aktiven Stoffen, wie zum Beispiel die Hormone Resistin, Leptin und Visfatin. Diese Adipozytokine gelten als treibende Faktoren bei der Rheumatoiden Arthritis und anderen entzündlichen Erkrankungen. Die Forscher wollen jetzt im Rahmen des Kongresses diskutieren, wie man dieses Problem bewältigen kann.

Günter Zupanc ist Neurobiologe an der Jacobs Universität in Bremen und der konnte jetzt was Interessantes nachweisen, nämlich, dass eine beträchtliche Abweichung von der für eine Tierart typischen Chromosomenzahl nicht unbedingt zu einem frühen Absterben der Zelle führen muss. Und auch nicht unbedingt zu Verhaltensstörungen oder gar Tumoren.
Er hat sich mit dem Messerfisch beschäftigt. In dessen Gehirn etwa jede Fünfte neu gebildete Zelle zum Teil erhebliche Abweichungen in der Chromosomenzahl aufweist. Wie seine Arbeiten zeigen, entwickelt sich von diesen Zellen eine sehr große Anzahl zu Neuronen, die bis zum natürlichen Lebensende des Fisches erhalten bleiben. Bisher war die gängige Lehrmeinung, dass jede Zelle eines Organismus die identische Erbinformation enthält, die auf einer arttypischen Anzahl von Chromosomen gespeichert ist. Ausnahmen waren nur Spermien und Eizellen, die ja nur einen halben Chromosomensatz haben. Eine abweichende Anzahl der Chromosomen führt nach bisherigem Stand der Lehrmeinung zum Absterben der Zellen, zum sogenannten programmierten Zelltod und ruft schwere Beeinträchtigungen hervor, wie zum Beispiel das Down-Syndrom beim Menschen.

Günter Zupanc konnte nun nachweisen, dass die Nervenzellen, die durch Fehler bei der Zellteilung eine erhebliche Chromosomenvariabilität aufweisen, nur geringfügig häufiger durch programmierten Zelltod eliminiert werden.

Verfolgt werden konnte das Ganze über einen Zeitraum von bis zu 860 Tagen. Das entspricht etwa der Hälfte der Gesamtlebenserwartung der untersuchten Fischart. Das Interessante ist jetzt, ist diese Chromosomenvariabilität denn wirklich eine Ursache für Krebs, wie man bisher angenommen hat oder ist es vielleicht nur bei den untersuchten Fischen eine Besonderheit und man kann es vielleicht auch nicht auf den Menschen übertragen.

Wissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena sorgen sich um den ländlichen Raum. Dort könnte nämlich die Situation in den nächsten 10 bis 15 Jahren sehr prekär werden. In den Familien, die Mitte der 90-iger Jahre nämlich ins Grüne gezogen sind, weil’s da so schön ist, kommen die Eltern dann ins Rentenalter. Die Kinder sind längst aus dem Haus. Die Häuser brauchen eine erste Sanierung. Oft ist dafür aber gar kein Geld mehr vorhanden. Das Haus wird verkauft und die Eltern ziehen wieder zurück in die Stadt.
Die Befürchtung: Ganze Regionen im ländlichen Raum könnten ausdünnen. Jetzt beschäftigt man sich mit sogenannten demografisch auffälligen Gemeinden. Das sind Gemeinden, die eine sehr positive oder sehr negative demografische Entwicklung haben. Besonders auffällig sind die Auswirkungen dieses Wandels in einem Dorf namens Großlöbichau im Saale-Holzland-Kreis.
Warum? Dieses Dorf hat das größte Bevölkerungswachstum in Thüringen zu verzeichnen. Ein Beleg dafür: Der Kindergarten im Ort musste erweitert werden. Ein Problem: Es gibt keine Grundschule im Dorf. Außerdem fehlen wirklich gute Einkaufsmöglichkeiten. Die Bewohner müssen also mobil sein und der öffentliche Nahverkehr muss gut ausgebaut sein. Dass ist aber wieder die Frage, ob das überhaupt dann sich rechnet, weil die Zahl insgesamt dann wieder nicht groß genug ist.

Bei den Untersuchungen dieser ländlichen Räume haben die Geografen der Universität Jena auch feststellen können, dass nicht nur die ganz außen gelegenen ländlichen Gemeinden betroffen sind von einem Rückgang der Einwohnerzahlen, sondern auch die Umlandgemeinden der großen Städte, die eigentlich in den 1990-iger Jahren hinzu gewonnen hatten.

Für den Erhalt des ländlichen Raumes sind intakte Grund- und Mittelzentren unverzichtbar, sagen die Wissenschaftler. Diese Mittelzentren müssen sich besser miteinander absprechen und müssen versuchen eine gute Infrastruktur vorzuhalten.
Auch eine Erkenntnis ist, in vielen Gemeinden sind Vereine die Träger des sozialen Lebens. Das ist ja noch nichts Neues. Die Vereinsvorsitzenden sind meistens auch Gemeinderäte oder gar Bürgermeister. Interessant ist aber, dass die Wissenschaftler festgestellt haben, dass die Parteienlandschaft immer kleiner wird. In manchen Gemeinden gibt es nur noch eine Partei, die wirklich aktiv ist.

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen, einen Vorgang zu verfolgen, der bisher eben so nicht verfolgt werden konnte. Es geht um eine Art Reparaturwerkzeug der Zelle. Nennt sich LepA und das kommt zum Einsatz während der sogenannten Translation. Bei der Translation “liest” die Zelle die Erbinformationen auf der DNA und produziert entsprechende Eiweiße. Dafür gibt es eine spezielle Maschinerie, das Ribosom. Das tastet das Trägermolekül der Erbinformation Schritt für Schritt ab und wählt dann die passende Aminosäure für den Aufbau eines Proteins aus. Bei diesem Prozess können aber Fehler auftreten.

Vor zwei Jahren hat der Berliner Forscher Prof. Knud Nierhaus den Faktor LepA entdeckt, der dann nämlich in Aktion tritt. Und jetzt konnte man einen ribosomalen Komplex mit diesem LepA einfrieren und ihn dann fotografieren und zwar aus verschiedenen Winkeln und das Ganze unter einem hoch modernen Elektronenmikroskop und konnte nun genau sehen, wie das Ganze funktioniert.
Warum will man das wissen? Das ist zwar zurzeit noch Grundlagenforschung, doch 70 Prozent der natürlich vorkommenden Antibiotika wirken, in dem sie die Proteinproduktion in der Zelle stoppen. Und deswegen kann das Verständnis der Funktion von diesem LepA und dieses Reparaturvorgangs vielleicht zukünftig dazu führen, neue, bessere Antibiotika zu entwickeln.

Wissenschaftler haben in China festgestellt, dass es eine Zunahme der Tollwut gibt. In China war die Tollwut eigentlich unter Kontrolle. Zumindest von 1990 bis 1996, gab es ein sehr großes Impfprogramm. Da wurden eine ganze Menge, Hunde vor allem, geimpft. Seitdem hat das aber ein bisschen nachgelassen und jetzt ist die Zahl der Infektionen mit Tollwut beim Menschen doch dramatisch gestiegen. Zwischen 1990 und 1996 wurden gerade mal 160 Fälle aufgezeichnet. Im Jahre 2006 waren es 3.297.

Schwerpunkt scheinen die südwestlichen und südlichen Bereiche von China zu sein. Gerade da, wo sehr, sehr viele Menschen zusammen leben. Der Grund ist, man hat einfach die Impfprogramme bei Hunden eingestellt. Hunde werden nicht mehr gegen Tollwut geimpft.
Und außerdem scheint es so zu sein, dass es auch kaum noch Impfstoffe für Menschen gibt. Aus irgendwelchen Gründen werden auch die nicht mehr produziert und verabreicht. Und deswegen ist es so, dass wohl in der am schlimmsten betroffenen Provinz Guandong 62,5 Prozent der Patienten nicht wirklich eine ordentliche Behandlung von Bisswunden bekommen. 92 Prozent haben keine gute Impfung bekommen. Und 91 Prozent haben auch kein Anti-Tollwut-Imoglobin bekommen.
Tja, man weiß also schon, woran es liegt. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass das Ganze auch wirklich umgesetzt wird.

Das war’s für heute. Eine etwas kürzere Sendung. Nächste Woche, wenn alles klappt, gibt es ein sehr interessantes Interview in dieser Sendung. Also man darf gespannt sein. Wie immer vielen Dank fürs Zuhören und wie immer auch vielen Dank an Vera Ihrig, die immer wirklich sehr schön das Ganze transkribiert und das gibt’s dann immer zum Nachlesen auch auf der Seite wissenschaft.wanhoff.de.
Vielen Dank. Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

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