WWWW vom 28.9.2008: US-Wahl, neue Knochen, Benzin aus Pflanzen

Die Themen heute:
Forscher aus den USA habe aus den Daten fast aller Umfragen zur US-Präsidentschaftswahl Wahrscheinlichkeiten errechnet, wer wirklich führt. Ihr Ergebnis: Barack Obama liegt vorn.

Auf der Suche nach einem neuartigen Knochenersatz geht das Translationszentrums für Regenerative Medizin (TRM) neue Wege: Dr. Sven Henning, Materialwissenschaftler des TRM, hat einen viel versprechenden Ansatz im Bereich der Polymere gefunden. Dafür nutzt er einen Kunststoff, den Bakterien produziert haben.

Pflanzenabfälle sind alles andere als Müll. Schon bald könnten sie zu Biotreibstoff verarbeitet werden. Denn Pflanzenzellen bestehen aus Cellulose und diese steckt voller Energie. Mehrere tausend Zuckereinheiten sind über besonders stabile Verknüpfungen verbunden und machten es bislang technisch kaum möglich, die Cellulose aufzuspalten. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem sich die Cellulose relativ einfach in ihre kleinsten Bestandteile spalten lässt.

Astrophysiker der Universität Jena fotografieren einen neuen Planetenkandidaten CT Cha b
Wichtige Erkenntnisse erhoffen sich die Jenaer Wissenschaftler jetzt von ihrer neuesten Entdeckung: “Es ist uns gelungen, den Begleiter eines Sterns zu fotografieren, der von seiner Masse her durchaus ein Planet sein könnte”, berichtet Mitarbeiter Tobias Schmidt.

Musikhörende Autofahrer reagieren auf Stress nicht schlechter als Autofahrer ohne Musik im Auto. Das sagt eine Studie der Universität Mainz.

Transkript:
Hallo und herzlich Willkommen bei Wanhoffs wunderbarer Welt der Wissenschaft in der Ausgabe vom Sonntag, den 28. September 2008.
Ich möchte mich zunächst einmal bedanken für die vielen Emails, die ich in letzter Zeit bekomme. Es sind wieder mehr geworden und vor allem die tollen Anregungen und mich gleichzeitig entschuldigen, dass ich diese Anregungen noch nicht umgesetzt habe. Es gab die Bitte, doch mal was über Stille im Weltall zu machen und über Erdbeben auf anderen Planeten. Offenbar ist Astronomie doch ein sehr beliebtes Thema. Das ist nicht vergessen. Ich kümmere mich drum. Ich hoffe nächste Woche ein bisschen mehr Zeit zu haben, mich mal dieser Themen etwas mehr anzunehmen.

Dann noch eine zweite Sache. Ich produziere ja diesen Podcast immer ein bisschen früher, also am Freitag eigentlich und ich werde Werbung haben. Jetzt weiß ich noch nicht genau, ob die in dieser Sendung schon geschaltet wird, weil das automatisch auf meinem Server passiert oder in der nächsten Sendung. Ich bitte um Nachsicht für die, die sagen, ein Podcast müsse werbefrei sein. Ab und an brauche ich halt auch mal ein bisschen Geld um vielleicht den Server zu bezahlen oder das eine oder andere.
Dann gibt es noch zu berichten, dass es in der nächsten Sendung, ein interessantes Gewinnspiel, aber es ist gar kein Gewinnspiel, eine interessante Download-Möglichkeit für meine Hörer gibt. Also die nächste Sendung auf jeden Fall hören, wenn Sie … wenn Ihr interessiert seid an Hörbüchern. Dann gibt’s nämlich eins für umme, für umsonst.

Jetzt aber Nachrichten aus der Wissenschaft. Eine ganz Interessante von ein paar Forschern der University of Alabama und der Princeton University. Richard Gott und Wes Colley haben sich beschäftigt mit den Umfragen zur Präsidentschaftswahl in den USA. Und die haben mal für die beiden Kandidaten McCain und Barack Obama die Umfragewerte genommen und haben dann mal geschaut, in welcher Bandbreite die so liegen. Und wenn man dann die größte Bandbreite nimmt der Chance Präsident zu werden und das vergleicht mit einem Median, den man an die ganze Sache anlegt, dann kann man aufgrund der Umfragewerte der verschiedensten Umfragen, das ist ganz wichtig, eine Wahrscheinlichkeit errechnen, wer Präsident der Vereinigten Staaten wird oder zumindest wer im Moment wirklich führt.
Die Forscher machen dieses, oder benutzen dieses System schon beim College-Football. Erstellen da Rankings und mit ihrem neuen System haben sie herausgefunden, dass Barack Obama tatsächlich vor John McCain liegt. Sie haben also nicht selber Umfragen gemacht, sondern um es noch mal darzustellen, sie haben Umfragewerte genommen, alle möglichen Umfragewerte, die vorhanden sind, und haben mal geschaut, wie viel Prozent Abweichung dort jeweils ist und wie groß der Vorsprung ist oder wie klein der Vorsprung ist. Und daraus haben sie eben eine Art absoluten Umfragevorsprung errechnet. Und der sieht eben günstiger für Barack Obama aus.

Die große Frage in dem Zusammenhang ist übrigens, wieder so ein Henne-Ei-Problem, nämlich wie ist das denn so mit diesen Umfragen. Stellen diese Umfragen wirklich dar, wie die Wähler gerne wählen würden oder aber, ist es nicht so, dass solche Umfragen oft nur dazu dienen, den Medien mal wieder neues Futter zu geben und aufgrund der Berichterstattung dann vielleicht der Wähler glaubt, dass er ja im Moment den Falschen wählen würde, weil nämlich in der Umfrage gesagt wird, alle wählen McCain und dann schwankt er vielleicht über zu McCain. Große Frage. Kommt immer auf in dem Vorfeld von Wahlen. Ist glaube ich auch noch nicht so wirklich beantwortet. Medienleute sagen immer, wir machen keine Politik. Wir berichten nur darüber.

Am Translationszentrum für Regenerative Medizin hat man einen neuartigen Knochenersatz gefunden. Eine ganz interessante Geschichte. Man nutzt dafür unter anderem einen Kunststoff, den Bakterien produziert haben. Das neue Material erlaubt nicht nur einen passgenauen und vor allem tragenden Ersatz für fehlende Knochen, sondern es ist auch gleichzeitig eine Art Klettergerüst, damit nämlich neue Zellen sich daran anheften können und da wachsen können. Ziel der ganzen Sache ist es, einen Ersatz für Knochen zu schaffen und diese Knochen dann zu ersetzen.

In dem neuen Werkstoff wird ein bioaktives Kalziummineral verwendet, das sehr gut von Zellen besiedelt werden kann. Problem dabei ist nur, es ist nicht wirklich bruchfest und deswegen kommt eine Art Kleber zum Einsatz, ein Biokunststoff Polyhydroxybuttersäure. Das klingt gefährlich, ist es aber nicht. Es wird bakteriell produziert und im Körper allmählich biologisch auch abgebaut. Das Ergebnis: Die Materialkombination aus dieser Polyhydroxybuttersäure und dem Kalziummineral ahmt den natürlichen Knochen in seiner Material-Komposition nach, aber auch in der Oberflächengestalt. Das sieht sehr ähnlich aus und soll viel bessere Möglichkeiten bieten als die üblichen Metallimplantate.
Im Labor haben Knochenzellen bereits diese kleinen Proben des Implantats besiedelt und mit der Produktion von Collagen, einem Grundbaustoff des Knochens, haben sie auch schon begonnen. Jetzt will man weiter forschen und hoffen, dass man damit doch in der Knochen-Translation viel weiter kommt.

Pflanzenabfälle sind alles andere als Müll. Das wissen wir schon, seitdem wir einen Kompost haben. Sie könnten aber vielleicht auch bald zu Biotreibstoff verarbeitet werden. Im Moment ist das große Problem, dass Pflanzenzellen ja aus Cellulose bestehen und Cellulose eigentlich voller Energie steckt, die aber nicht so ganz einfach genutzt werden kann, weil man diese Cellulose erst aufspalten muss. Und dieses Aufspalten war bisher keine einfache Sache. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr haben jetzt ein Verfahren entwickelt, mit dem sie Cellulose recht einfach in die kleinsten Bestandteile spalten können.
Da Cellulose sehr stabil ist, war es eben bisher kaum möglich, diese Zuckermoleküle, aus denen sie ja besteht, herauszubekommen. Was man jetzt macht ist, man nimmt einen sehr festen sauren Katalysator und ein ionisches Medium und damit kann man dieser Cellulose doch wirklich zu Leibe rücken. Zunächst wird die Cellulose in einer ionischen Flüssigkeit aufgelöst. Das ist ein Salz, das bei Raumtemperatur flüssig ist und positiv und negativ geladene Teilchen enthält.

Dieser Schritt macht die langen Glucoseketten für weitere chemische Reaktionen zugänglich und durch einen Katalysator ist diese Cellulose nun angreifbar. Dieser Katalysator muss besonders beschaffen sein. Er sollte sauer sein, also positiv geladene Wasserstoffteilchen abgeben können. Er braucht eine große Oberfläche und Poren in der richtigen Größe. Da die gelöste Cellulose nämlich sehr zähflüssig ist und dies den Transport der Ketten zum Katalysator erschweren könnte.

Jetzt hat man ein Harz gefunden, mit dem das Ganze funktioniert und glaubt, doch einen erheblichen Schritt weiter gekommen zu sein, um diese Glucose zu brechen. Die Stücke, die dann übrig bleiben, sind immer noch nicht wirklich klein genug, aber da gibt’s dann andere Verfahren, zum Beispiel mit Enzymen. Wichtig ist nur, dass man sie erst mal möglichst klein schreddert sozusagen.

Ja dann wieder was für die Freunde der Astronomie. Ich muss sagen, Astronomie ist nicht so wirklich mein Thema. Ich weiß gar nicht warum, es ist eher so ‘ne … Ich bin vielleicht eher einer für die sehr greifbaren Geschichten, aber ich versuch natürlich schon immer, auch interessante Astronomie-Themen zu bringen.

Jetzt ist es Wissenschaftlichern der Friedrich-Schiller-Universität in Jena gelungen, mal wieder einen neuen Planetenkandidaten zu fotografieren. Einen Begleiter eines Sterns der von seiner Masse her durchaus ein Planet sein könnte. Der Mutterstern hat den Namen CT Cha im Sternbild des Chamaeleons und ist mit ein paar Millionen Jahren noch relativ jung. Er gehört zu den Exoplaneten, also solche, die außerhalb unseres Sonnensystems liegen und sehr leuchtschwach sind und deswegen auch meist von ihrem Stern überstrahlt werden. Dank der sogenannten adaptiven Optik in einem riesigen Spiegelteleskop konnte man aber jetzt eben diesen Planetenkandidaten finden.
Professor Ralf Neuhäuser hatte 2005 bereits einen ersten Kandidaten, den GQ Lupi b gefunden. Man ist immer noch nicht so ganz sicher, ob es einer ist und jetzt hat man sich eben CT Cha b angeschaut. Das b steht übrigens für Planetenkandidat und hofft, dass der vielleicht einer ist. Ein Indikator dafür, ob es ein Planet ist, ist seine Masse. Es gibt noch keinen wirklichen Konsens darüber, ob es ein oberes Massenlimit für einen Planeten gibt. Die Vorschläge schwanken zwischen 13 und 30 Jupitermassen. Und eine Jupitermasse ist das 318fache der Erde. Warum 13 Jupitermassen? Weil unterhalb dieser Grenze keine Kernfusion stattfindet, was für einen Planeten sprechen würde. Jedoch hat man auch Planetenkandidaten bis 30 Jupitermassen gefunden und weil es in diesem Bereich kaum braune Zwerge gibt, könnte das bedeuten, dass Objekte unterhalb dieser Massegrenze planetar entstanden sind oder entstehen.

Dieser neue Planetenkandidat, der CT Cha b, der hat eine Masse zwischen 11 und 23 Jupitermassen und kommt eben dadurch auch in Frage. Schauen wir mal. Er wächst übrigens noch und das elektromagnetische Spektrum, das ist bereits bestimmt worden und jetzt will man sich die Atmosphäre mal angucken und welche Temperaturen da herrschen und dann hoffen, doch ein Stück weiter gekommen zu sein.

Wenn wir Auto fahren, dann hören wir oft. Meistens hören wir diesen Podcast oder wir hören Radio. Sehr oft natürlich Musik und es ist immer die große Frage, welchen Einfluss die Musik auf das Autofahren hat. Gemeinhin sagt man, dass aggressive laute Musik auch das Autofahren aggressiv macht. Forscher der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz haben sich jetzt mal mit ruhiger Musik beschäftigt. Was passiert, wenn man ruhige Musik im Auto hört. Fährt man dann schlechter? Oder fühlt man sich mehr beansprucht?
Das Ergebnis ist “Nein”. Es hat eigentlich gar keine Auswirkungen auf das Fahrvermögen. Zumindest keine negativen. Ältere Untersuchungen haben herausgefunden, dass laute Musik oder auch schnelle Musik das Unfallrisiko erhöhen kann. Bei der ruhigen Musik scheint das nicht so zu sein.

Probanden mussten eine Stunde lang in einem Fahrsimulator auf einer Überlandstrecke fahren, haben dabei Entspannungsmusik bekommen und dazu parallel gab es eine Gruppe, die diese Musik nicht bekommen hat. Damit das Ganze noch ein bisschen realistischer wurde, hat man vorher beanspruchende psychologische Tests gemacht um die Fahrer ein bisschen unter Stress zu setzen, um dann zu sehen, ob diese Musik eben auch den Stress beeinflusst.
Man hat dann die Fahrt und die Reaktionen gemessen. Der Fahrsimulator misst eine sogenannte Tauglichkeitskennzahl und die Reaktionsgeschwindigkeit. Das sind dann eben Kriterien für die Fahrleistung. Es wurden aber auch Herzfrequenz und Muskelanspannung sowie die Cortisol-Konzentration im Speichel gemessen.
Heraus kam eben, es gibt keinen Unterschied, ob die Leute Musik hören oder nicht. Sie fahren trotzdem so ordentlich wie sie eben können. Einschränkung ist dabei: Es waren nur Studierende im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Wobei ich mich gerade frage, warum man mit 35 Jahren noch studiert, aber 18 bis 35 Jahre. Das heißt diese Studie hat keine Aussage über Ältere und übrigens braucht man für so eine Studie eine Menge Leute, denn 30 Prozent der Testpersonen fallen wegen Übelkeit oder Schwindelgefühlen aus. Es gibt nämlich eine sogenannte Simulatorkrankheit, die ähnlich ist wie die Reisekrankheit oder die, wie sagt man, Schiffskrankheit, ja, also den Leuten wird schlicht schlecht im Simulator. Und das betrifft 30 Prozent. Habe ich auch nicht gewusst.

Das war’s für heute. Vielen, vielen Dank fürs Zuhören, wie immer. Und ich bin immer erfreut über E-Mails an Wanhoffs.Wissenschaft (at) gmail.com oder aber einen Kommentar auf meiner Seite wissenschaft.wanhoff.de und wie immer vielen Dank an LingQ.com und Vera Ihrig für die netten Transkriptionen. Das war’s. Vielen Dank für heute. Und Tschüss.

Transkription: Vera Ihrig für www.LingQ.com

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